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FORIS AG — Management Reports 2023
Apr 19, 2024
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Download source file529900W65VE206C6PC25-2023-12-31-de 4 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG Zusammengefasster Lagebericht der FORIS AG A. 14 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT I.1 FORIS-Konzern im Überblick Die FORIS AG mit Sitz in Bonn ist eine börsennotierte Aktiengesellschaft nach deutschem Recht und Mutter- gesellschaft des FORIS-Konzerns. Zum FORIS-Konzern gehören neben der FORIS AG einige direkt oder indirekt beherrschte Tochtergesellschaften. Das Geschäftsmodell des Konzerns besteht in der Erbringung verschiede- ner rechtsnaher Dienstleistungen für unterschiedliche Zielgruppen. Hierzu zählen im Wesentlichen die Finan- zierung von Prozessen gegen eine Erlösbeteiligung (Prozessfinanzierung), der Handel mit Vorratsgesellschaften, die Gründung von Gesellschaften in Irland und U.K. nebst damit in Zusammenhang stehenden Betreuungs- leistungen sowie einige weitere rechtsnahe Dienstleistungen (Corporate Services, wie z. B. die Datenpflege im Transparenzregister). Alle diese Aktivitäten, die über verschiedene organisatorische Geschäftsbereiche ausge- übt werden, sind voneinander unabhängig, ergänzen sich aber auch. Die Prozessfinanzierung wird von der FORIS AG erbracht, die die Kundenbeziehungen hält und Vertragspartner der jeweiligen Finanzierungsverträge ist. In einigen wenigen Fällen ist die BGGK GmbH involviert, eine einhundertprozentige Tochtergesellschaft der FORIS AG; sie dient als Vehikel, um die Ansprüche mehrerer Kläger kosteneffizient zu bündeln. Der Handel mit Vorratsgesellschaften wird über die FORIS Gründungs GmbH betrieben, in der Außendarstel- lung ebenfalls unter der Marke FORIS. Die Gründung und Betreuung von englischen und (bis Jahresende 2023) irischen Limited-Gesellschaften erfolgt über die GO AHEAD GmbH, die die entsprechenden Kundenbeziehungen hält. In der Außendarstellung werden diese Leistungen unter der Marke GO AHEAD erbracht. Weitere rechtsnahe Dienstleistungen (Corporate Services), wie z. B. die Eintragung und Datenpflege im Trans- parenzregister, werden über die FORIS Service GmbH und in der Außendarstellung unter der Marke FORIS erbracht. Die FORIS Vermögensverwaltungs AG übt als Eigentümerin und Vermieterin der zum Teil selbst als Büro genutz- ten und fremdvermieteten Immobilien kein operatives Geschäft im engeren Sinne aus. 1. Grundlagen des Konzerns I. Geschäftsmodell des Konzerns Zusammengefasster Lagebericht B. 5 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 15 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT Weitere Tochtergesellschaften sind mehrheitlich Unternehmen zu Finanzierungszwecken oder rein administra- tive Einheiten ohne eigenes operatives Geschäft. Synergetische Effekte über alle Bereiche hinweg werden unter anderem über die gemeinsame Nutzung zent- raler IT-Plattformen, dem Cash-Pooling und Liquiditätsmanagement auf Konzern-Ebene sowie über bereichs- übergreifende Zentralfunktionen erzielt. So sind die wesentlichen Managementfunktionen des Konzerns, etwa Rechnungswesen/Controlling, Personalwesen sowie die Betreuung der IT-Infrastruktur, in der FORIS AG zentralisiert. Der Vorstand der FORIS AG trägt die Gesamtverantwortung für die Geschäftsleitung auf Konzern- ebene und fungiert zugleich als Vorstand beziehungsweise Geschäftsführer der meisten Konzerngesellschaften. Die einzelnen Geschäftsbereiche sind als Profitcenter organisiert und werden von insgesamt drei Bereichs- leitern mit Berichtslinie an den Vorstand geführt. Diese schlanke Organisationsform soll sicherstellen, dass der Konzern in den einzelnen Geschäftsbereichen schnell und flexibel, gleichzeitig aber auch unter Wahrung einer einheitlichen Gesamtstrategie operieren kann. Vorstand und Bereichsleiter stellen zudem das zentrale Lei- tungsgremium für bereichsübergreifende Aspekte dar. I.2 FORIS AG Prozessfinanzierung Die FORIS AG bietet seit 1998 die von ihr selbst im deutschsprachigen Raum etablierte Prozessfinanzierung an und unterstützt dabei Kläger, ihre Forderungen vor staatlichen Gerichten oder Schiedsgerichten durchzuset- zen. Hierfür übernimmt FORIS für den Kläger die Kosten des Prozesses und das Kostenrisiko für den Fall des Unterliegens. Als Gegenleistung erhält FORIS eine vertraglich vereinbarte Erlösbeteiligung, die FORIS (erst) nach Beendigung des Prozesses im Erfolgsfall zufließt. Das Geschäftsmodell zielt somit auf die Erwirtschaftung eines Erlöses als Prämie für die Kosten einer ggf. langfristigen Vorfinanzierung und der Übernahme des Risikos für den Fall des Unterliegens. Bei der Auswahl der finanzierten Fälle legt FORIS daher besondere Aufmerksamkeit auf die Erfolgsaussichten und die zu erwartende Laufzeit der Prozesse. Prozessfinanzierungen durch FORIS werden in Anspruch genommen, wenn Kläger entweder außerstande sind, die gegebenenfalls existenzbedrohenden Prozesskosten zu tragen, oder sich aus strategischen Gründen dazu entscheiden, die eigene Liquidität für andere Zwecke einzusetzen. Selbst solvente Unternehmen, die Rechts- streitigkeiten im Wege eines aktiven Risikomanagements steuern, lagern das Kostenrisiko oftmals aus, um sich auf ihre strategischen Ziele zu fokussieren. Die Prozessfinanzierung bietet hier ein geeignetes Werkzeug moder- nen Risikomanagements. Da jede Fallkonstellation unterschiedlich ist, passt FORIS die Prozessfinanzierung flexibel an die jeweiligen Kundenbedürfnisse an, von der Finanzierung außergerichtlicher Streitbeilegung zur Teil- oder Vollfinanzierung der Gerichtsverfahren, erforderlichenfalls über mehrere Instanzen. Die finanzierten Streitigkeiten kommen aus unterschiedlichen Rechtsgebieten und Branchen, wobei FORIS be- sondere Schwerpunkte auf Arzthaftungsfälle, erbrechtliche Streitigkeiten, Kartellschadensersatzprozesse, inter- nationale Schiedsverfahren, Patentstreitigkeiten und Streitigkeiten in Insolvenzverfahren legt. Geographisch liegt der Finanzierungsschwerpunkt auf dem deutschsprachigen Rechtsmarkt, mit gelegentlichem Engagement auch in internationalen Schiedsverfahren und ausgewählten Gerichtsprozessen in Europa. FORIS finanziert Rechtstreitigkeiten ab einem Streitwert von in der Regel 100.000 EUR. I.3 FORIS Gründungs GmbH und FORIS Service GmbH Vorratsgesellschaften und Corporate Services Mit dem Geschäftsbereich Vorratsgesellschaften, der über die FORIS Gründungs GmbH betrieben wird, ist FORIS einer der führenden Anbieter beim Vertrieb von vorgegründeten, nicht-operativen Gesellschaften in 6 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 16 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT Deutschland. FORIS gründet zunächst Gesellschaften ohne eigene wirtschaftliche Tätigkeit auf Vorrat und über- trägt sie anschließend auf einen Erwerber. Damit ermöglicht FORIS einen besonders schnellen Zugang zu einer handlungsfähigen Kapitalgesellschaft und nimmt dem Erwerber das Risiko einer persönlichen Haftung. Anders als bei der Prozessfinanzierung, bei der eine langfristige Vorfinanzierung notwendig ist, zielt das Geschäftsmo- dell auf die Generierung kurzfristiger, sofortiger Erlöse unmittelbar zum Verkaufszeitpunkt. Hauptzielgruppe sind Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer sowie Private-Equity-Unternehmen. Einer der wesentli- chen Absatzmärkte für Vorratsgesellschaften ist das Transaktionsgeschäft. Zum Portfolio der Vorratsgesellschaften gehören heute alle gängigen deutschen Gesellschaftsformen wie die AG, GmbH, UG, KG, GmbH & Co. KG und die Europäische Aktiengesellschaft (SE). Bei allen vorgegründeten und zum Erwerb bereitstehenden Gesellschaften ist das gesetzlich vorgeschriebene Grund- bzw. Stammkapital im Voraus vollständig eingezahlt. Sie sind im Handelsregister eingetragen, haben noch keine Geschäftstätigkeit ausgeübt und sind daher frei von (versteckten) Altlasten. Erwerber können ihre Vorratsgesellschaften im Regel- fall innerhalb von 24 Stunden übernehmen und sofort nutzen, beispielsweise für den Abschluss von Verträgen. Neben diesen vorgegründeten Gesellschaften bietet FORIS auch maßgeschneiderte Lösungen an, etwa wenn ein Kunde eine besonders große Zahl von Gesellschaften, einen speziellen Gründungsort oder eine vorge- gliederte Konzernstruktur im Rahmen komplexer Transaktionen benötigt. Mit dem Angebot von Online-Tools (integriert in die Website auch als App) hat FORIS zudem Lösungen, die die Reservierung und Abwicklung des gesamten Kauf-Prozesses hochgradig effizient machen und 24/7 genutzt werden können. Ergänzt wird das An- gebot um Dienstleistungen in der Peripherie, sog. Corporate Services wie z. B. die im Jahr 2022 neu eingeführte Datenpflege im Transparenzregister (Transparenzregister-Service); diese Dienstleistungen werden von der FORIS Service GmbH erbracht und sind dem Segment Vorratsgesellschaften zugeordnet. I.4 GO AHEAD GmbH Gründung, Löschung und Betreuung britischer und irischer Limiteds Die GO AHEAD GmbH ist eine Gründungs- und Serviceagentur, die mit ihren Dienstleistungen Gründer und Un- ternehmer begleitet. Hauptgeschäft der GO AHEAD ist die Gründung und Löschung britischer und (bis Jahres- ende 2023) irischer Gesellschaften in der Rechtsform einer Limited, vor allem aber deren dauerhafte Betreuung und Unterstützung in Bezug auf bestimmte, wiederkehrende Berichtspflichten gegenüber den britischen bezie- hungsweise irischen Behörden. Das Serviceteam von GO AHEAD ermöglicht deutschen Kunden somit, von den vergleichsweise geringen Kapitalanforderungen an britische oder irische Limiteds zu profitieren, indem es diese Kunden bei den administrativen Anforderungen (vor allem strenge, englischsprachige Registervorgaben) unter- stützt. Das Geschäftsmodell von GO AHEAD besteht im Erzielen von Einmalerlösen aus der Gründung (oder späteren Löschung) der Gesellschaften, im Wesentlichen jedoch von wiederkehrenden Erlösen aus den Service- paketen für die vorbeschriebenen Betreuungsleistungen. Diese werden von den Kunden als Jahres-Subskrip- tion erworben und verlängern sich automatisch von Jahr zu Jahr, sofern sie nicht gekündigt werden. Aufgrund von BREXIT-bedingten rechtlichen Änderungen zum Jahreswechsel 2020/2021 hat die Rechtsform der britischen Limited-Gesellschaft in Deutschland erheblich an Attraktivität verloren, so dass GO AHEAD diesbezüglich mit einem allmählich abschmelzenden Kundenbestand konfrontiert ist. Die Betreuung von irischen Limiteds wurde unter Rentabilitätsgesichtspunkten zum Jahresende 2023 eingestellt. Zusätzlich zu dem Geschäft mit den Limited-Gesellschaften, aus Sicht der erzielten Erlöse jedoch von unter- geordneter Bedeutung, betreibt GO AHEAD ein Portal speziell für Unternehmensgründer. Diesen werden dort auch Gesellschaften in deutschen Rechtsformen sowie Corporate Services angeboten. 7 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 17 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT I.5 FORIS Vermögensverwaltungs AG Vermögensverwaltung Die FORIS Vermögensverwaltungs AG hält eine 1908 errichtete Immobilie in der Kurt-Schumacher-Straße 18–20 in Bonn und vermietet diese an die FORIS AG, die FORIS Gründungs GmbH sowie die GO AHEAD GmbH und ver- pachtet den Gastronomiebereich im Erdgeschoss an den Betreiber des Restaurants FORISSIMO. Auf dem Nach- bargrundstück Kurt-Schumacher-Straße 22 besitzt die FORIS Vermögensverwaltungs AG einen im Jahr 2011 errichteten Büroneubau mit 1.038 m² Nutzfläche zzgl. Lager- und Archivflächen, den sie langfristig vollständig vermietet hat. Soweit nicht außergewöhnliche Umstände eintreten – wie etwa ein erheblicher Reparaturbedarf – ist der Geschäftsbereich der FORIS Vermögensverwaltungs AG konstant. I.6 Wesentliche Veränderungen in den Grundlagen des FORIS-Konzerns Im Geschäftsjahr 2023 hat es keine wesentlichen Veränderungen in den Grundlagen des FORIS-Konzerns gegeben. II. Das Planungs- und Steuerungssystem im FORIS-Konzern Unser unternehmerisches Handeln zielt auf Ergebnisverbesserungen in allen Geschäftsbereichen ab. Bei einem dem Geschäftsmodell angemessenen Eigenkapital- und Liquiditätsbedarf streben wir zudem nach einer attrak- tiven Eigenkapitalverzinsung. Unser Planungs- und Steuerungssystem ist so konzipiert, dass es sowohl auf einzelne Geschäftsbereiche ausge- legte als auch geschäftsbereichsübergreifende Instrumente und Informationen bereitstellt. Diese Instrumente erlauben es, jederzeit den aktuellen Geschäftsverlauf darzustellen und zu bewerten. Des Weiteren bilden sie eine wesentliche Grundlage, um bereichsspezifische und bereichsübergreifende Strategien zu entwickeln und Investitionsentscheidungen zu treffen. Die Informationen unseres internen Steuerungssystems ermitteln wir im Regelfall monatlich und bewerten sie im Rahmen eines formalisierten Monatsberichts, den der Vorstand dem Aufsichtsrat zur Verfügung stellt. In Einzelfällen ermitteln und bewerten wir die Informationen anlassabhängig auch täglich. Steuerungsgrößen, die auf Konzernabschlusszahlen beruhen, ermitteln und bewerten wir mindes- tens halbjährlich und berichten hierüber nach Maßgabe der gesetzlichen Berichtspflichten. Nachstehend stellen wir das Steuerungssystem mit den für FORIS bedeutsamsten finanziellen und nicht-finan- ziellen Steuerungsgrößen dar. Sie gelten sowohl für den Konzern mit ihren Segmenten als auch für die FORIS AG. II.1 Bedeutsame finanzielle Leistungsindikatoren Umsatz, Rohmarge und Periodenergebnis auf Bereichsebene In Bezug auf die einzelnen Geschäftsbereiche werden jeweils die Leistungsindikatoren Umsatz, Rohmarge und Periodenergebnis ermittelt, mit den Vorperioden verglichen und auf das Jahr hochgerechnet. Diese Leistungs- indikatoren sind Teil des Monatsberichts, werden mit den monatlichen Unternehmensplanzahlen abgeglichen und entsprechend analysiert. Dabei entsprechen die Umsatzerlöse und Periodenergebnisse den jeweiligen Positionen in der Gewinn- und Verlustrechnung des Konzerns. Die absolute Rohmarge ergibt sich aus Umsatz abzüglich Materialaufwand. Die relative Rohmarge ergibt sich aus der Division der absoluten Rohmarge durch den Umsatz; das Ergebnis ist dann mit 100 zu multiplizieren. In der Prozessfinanzierung enthält der Material- aufwand im Wesentlichen die Verfahrenskosten für gewonnene als auch verlorene Verfahren. Bei den 8 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 18 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT Vorratsgesellschaften ist neben den direkten Gründungskosten auch das voll eingezahlte Kapital enthalten. Im Bereich GO AHEAD sind im Materialaufwand im Wesentlichen die für die Leistungserbringung für die Limi- ted-Gesellschaften notwendigen Kosten externer Dienstleister berücksichtigt. Für die Steuerung des Bereichs Prozessfinanzierung sind monatlicher Umsatz, Rohmarge und Periodenergebnis aufgrund der Volatilität des Geschäftsmodells von untergeordneter Bedeutung. Zur internen Steuerung werden hier vor allem die nicht-fi- nanziellen Leistungsindikatoren herangezogen. EBITDA Die Kennziffer EBITDA (Earnings Before Interests, Taxes, Depreciation and Amortisation) beschreibt das Be- triebsergebnis aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit ohne Berücksichtigung von Zinsen, Steuern, Abschrei- bungen und Finanzierungsaufwendungen. Die Ermittlung des EBITDAs, die die operative Betriebsleistung auf- zeigt, erfolgt monatlich sowohl auf Konzern- als auch auf Segmentebene. Sie wird auf Plan-Ist-Abweichungen untersucht und mit Vorperioden verglichen. EBIT Das EBIT (Earnings Before Interests and Taxes) baut auf dem EBITDA auf und berücksichtigt zusätzlich noch etwaige Abschreibungen. Anhand der Abschreibungen auf den Geschäfts- oder Firmenwert bzw. in der AG auf den Beteiligungswert der GO AHEAD wird erkennbar, welchen bedeutenden Einfluss dieser Sondereffekt auf das Ergebnis des Konzerns und der FORIS AG hat. Eigenkapitalrendite Die Eigenkapitalrendite dient der Beurteilung der Kapitaleffizienz und ergibt sich aus dem Ergebnis der zu berichtenden Periode dividiert durch den Stand des Eigenkapitals der Vorjahresperiode. Die Ermittlung und Analyse erfolgen halbjährlich. Eigenkapitalquote Zur Beurteilung der Kapitalstruktur und der finanziellen Flexibilität für das operative Geschäft wird die Eigen- kapitalquote herangezogen, die sich aus der Division des Eigenkapitals durch das Gesamtkapital zum Stichtag ergibt. Die Eigenkapitalquote wird monatlich unter Berücksichtigung der geschäftlichen Entwicklung in einer rollierenden Vorschau geschätzt. Aufgrund des volatilen Geschäftsmodells im Bereich der Prozessfinanzierung erachten wir für unser Unternehmen eine im Vergleich zu anderen Dienstleistungsunternehmen überdurch- schnittliche Eigenkapitalquote für angemessen. Umsatzrendite Die Umsatzrendite ermittelt sich aus dem Periodenergebnis und dem Umsatz im Berichtszeitraum und dient der Beurteilung der Rentabilität. Sie wird sowohl auf Konzern- als auch auf Bereichsebene ermittelt. Ein Ver- gleich mit anderen Dienstleistungsunternehmen ist hierbei nur eingeschränkt möglich, da der Umsatz im Geschäftsbereich Vorratsgesellschaften aufgrund der bilanziellen Vorschriften auch das eingezahlte Kapital der Vorratsgesellschaften enthält. Die Umsatzrendite ist daher niedrig im Vergleich zu anderen Dienstleistungsun- ternehmen. Gleichwohl bietet die Analyse der Veränderungen auf Konzern- und Bereichsebene Anhaltspunkte für die geschäftliche Entwicklung. Die Umsatzrendite wird monatlich im Rahmen des Monatsberichts ermittelt und mit Abweichungen zu Vorperioden dargestellt. Cashflow Die Ausstattung und Planung der Liquidität sowohl in der Prozessfinanzierung als auch bei den Vorratsgesell- schaften ist im Rahmen der Konzernfinanzierung aufgrund der Liquiditätsbindung von hoher Bedeutung. Der Liquiditätsstatus des gesamten Konzerns mit allen Tochtergesellschaften und die entsprechende Entwicklung werden täglich abgebildet. Basierend auf den Monatsergebnissen wird eine Vorschau erstellt und analysiert. Darüber hinaus wird halbjährlich eine Kapitalflussrechnung entsprechend IAS 7 erstellt und ausgewertet. 9 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 19 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT II.2 Bedeutsame nicht-finanzielle Leistungsindikatoren Über die zuvor genannten finanziellen Leistungsindikatoren hinaus werden für die einzelnen Geschäftsbereiche weitere Kennzahlen und Steuerungsgrößen im Rahmen der Monatsberichterstattung ermittelt, analysiert und an den Aufsichtsrat berichtet, selbst wenn sich diese in der Rechnungslegung nicht unmittelbar betragsmäßig niederschlagen sollten. Ein Vergleich erfolgt in der Regel mit dem Vormonat und in Abhängigkeit von der jewei- ligen Steuerungsgröße auch mit den Werten der vergangenen zwölf Monate sowie der Unternehmensplanung. Prozessfinanzierung Im Geschäftsbereich Prozessfinanzierung ermitteln und bewerten wir verschiedene nicht-finanzielle Leistungs- indikatoren, darunter den Streitwert, den rechnerisch möglichen Erlös (Optionsvolumen), das aktuelle und maximale Kostenrisiko, die Anzahl der in der jeweiligen Periode angefragten beziehungsweise in Finanzierung genommenen Verfahren, das Verhältnis von Anfragen und Ablehnungen, die Bearbeitungszeit pro Fall sowie die Verteilung auf unterschiedliche Rechtsgebiete beziehungsweise Streitsachverhalte zur Beurteilung etwaiger Klumpenrisiken. Der Streitwert stellt die Höhe des geltend gemachten klägerischen Anspruchs dar, dessen Durchsetzung FORIS finanziert. Anhand des Streitwerts bemessen sich die Kosten des Verfahrens und in der Regel auch das Options- volumen. Das Optionsvolumen stellt den rechnerisch maximal möglichen Beteiligungserlös von FORIS aus den in Finan- zierung genommenen Verfahren dar. Der tatsächliche, kaufmännische Wert der finanzierten Verfahren zeigt sich allerdings erst nach Abschluss der betreffenden Prozesse, gegebenenfalls sogar erst nach Durchsetzung beziehungsweise zwangsweiser Vollstreckung der titulierten Forderungen. Erst dann kann der tatsächlich erziel- te Erlös (abzüglich der zu tragenden Kosten) errechnet werden. Bis dahin bleibt das Optionsvolumen ein rein rechnerischer Wert. Das aktuelle Kostenrisiko umfasst alle Kosten, die bis zum Abschluss der laufenden Instanz anfallen können. Dieser Wert stellt somit grundsätzlich den maximal möglichen bilanziellen Verlust von FORIS bis zur Been- digung der aktuellen Instanz dar. Das maximale Kostenrisiko bildet die Kosten ab, die bei Durchlaufen aller denkbaren Instanzen anfallen könnten. In beiden Fällen beinhaltet dies die Kosten für den Anwalt der von FORIS finanzierten Partei, die Gerichtskosten sowie die Kosten des gegnerischen Anwalts. Die Kosten werden regelmäßig auf Grundlage der einschlägigen Gebührenordnungen ermittelt, mitunter jedoch auch auf Basis von Honorarvereinbarungen (Stundensätze, Budgets). Abhängig von den konkreten Umständen fallen mitunter zusätzliche Kosten an, etwa für Sachverständigengutachten und Zeugen. Zum Teil muss auch auf Schätzungen zurückgegriffen werden, z. B. bei Streitwertfestsetzungen durch das Gericht. Hierdurch sowie auch aus anderen Gründen können sich mitunter Schätzunsicherheiten ergeben, insbesondere bei Änderungen in den Gebüh- renordnungen, bei Stufen- oder (Patent-) Nichtigkeitsklagen sowie Zurückverweisungen, ferner im Hinblick auf Kosten für Sachverständigengutachten oder Zwangsvollstreckungsmaßnahmen. Auch die Anzahl der Gerichts- termine (vor allem bei Abrechnung nach Tagessätzen in ausländischen Rechtsordnungen, bei Schiedsverfahren und anwaltlichen Stundenvergütungen) führen zu Schätzunsicherheiten. Die tatsächlichen, in den kommenden Jahren bei FORIS anfallenden Kosten hängen insbesondere vom Verlauf und dem Ausgang der einzelnen Pro- zesse ab. Unter Berücksichtigung der in der Vergangenheit regelmäßig deutlich über 50 % liegenden Erfolgs- quote und unseren Erfahrungen über die Verfahrensverläufe erwarten wir, dass die tatsächlichen Kosten im Mittel signifikant unter den in diesem Geschäftsbericht angegebenen Bandbreiten des aktuellen Kostenrisikos liegen werden. Die angegebenen Risiken können sich im Verfahrensverlauf verändern, ohne dass diese Verän- derung unmittelbare Auswirkungen auf das Ergebnis des entsprechenden Berichtsjahres haben muss. 10 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 20 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT Die anzuwendende Rechnungslegungsmethode bestimmen wir vor dem Hintergrund der genannten Schätzun- sicherheiten auf Grundlage unserer Erfahrungswerte, Annahmen und Ermessensausübungen. Vorratsgesellschaften (inklusive Corporate Services) Für den Geschäftsbereich der Vorratsgesellschaften steht die Entwicklung der Gründungszahlen des statisti- schen Bundesamtes bzw. der Registergerichte im Fokus der zusätzlichen Leistungsindikatoren. Der Vergleich dieser Leistungsindikatoren mit unseren Verkaufszahlen ermöglicht Rückschlüsse auf die eigene Produkt- und Servicequalität sowie den zu erwartenden mittelfristigen Erfolg der Vertriebs- und Produktstrategie. Weitere Leistungsindikatoren sind die Anzahl und der Mix der Rechtsformen der verkauften Gesellschaften sowie der Abgleich dieser mit dem Gesamtmarkt der Unternehmensgründungen und dem Anteil an Vorratsgesellschaften an diesem. Für die Corporate Services sind der Inhalt neuer gesetzlicher Regelungen bedeutsam, die eine Einschätzung dahingehend ermöglichen, wie sich die Nachfrage nach bestehenden oder potentiellen neuen Dienstleistungen entwickeln könnte. GO AHEAD GmbH Im Geschäftsbereich der GO AHEAD waren vormals vor allem die Gründungszahlen je Rechtsform der Indikator für unsere Geschäftsentwicklung, daneben die Entwicklung unserer Bestandskundenbasis für die englischen und irischen Limited-Gesellschaften. Da als Ergebnis des BREXIT die Attraktivität vor allem der englischen Limiteds nachgelassen hat, ist seither die Löschungsquote bei den Bestandskunden der maßgebliche Faktor für die Umsatz- und Ergebnisplanung sowie die sich hieraus eventuell ergebende Notwendigkeit, die internen Res- sourcen anzupassen. Ein weiterer Schwerpunkt der Steuerung liegt auf dem Forderungsmanagement. Daraus ziehen wir Rückschlüsse auf den Erfolg von Inkassomaßnahmen. III. Forschung und Entwicklung Aufgrund des Geschäftsmodells beschränkt sich der FORIS-Konzern bei Forschung und Entwicklung darauf, neue Produkte und Dienstleistungen auszugestalten oder fortzuentwickeln. Der dafür entstehende Aufwand ist allerdings von untergeordneter Bedeutung. Leistungen Dritter werden hierfür in der Regel nicht oder nur in geringem Umfang in Anspruch genommen. 11 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 21 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT Im Geschäftsjahr 2023 war die weltweite wirtschaftliche Entwicklung sehr gedämpft und in Anbetracht der deut- lich gestiegenen Inflation vor allem durch die signifikante Straffung der Geldpolitik vieler Notenbanken geprägt. Zwar konnte sich die Weltkonjunktur etwas besser entwickeln als noch zu Beginn des Jahres erwartet, allerdings nur auf moderatem Niveau (IfW Kiel, Weltwirtschaft im Winter 2023, 12/2023). Belief sich die ursprüngliche Pro- gnose für 2023 noch auf ein Wachstum von 2,9 % (IMF, World Economic Outlook-Update, Januar 2023), so wird das tatsächliche Wachstum in 2023 nun auf 3,1 % beziffert (IMF, World Economic Outlook-Update, Januar 2024). Der gleiche moderate Wachstumswert wird sowohl vom IfW Kiel als auch vom IMF für 2024 erwartet. Im Euro-Raum ist das Wirtschaftswachstum mit lediglich 0,5 % deutlich verhaltener ausgefallen. Hierbei bildete Deutschland mit einer Wirtschaftsentwicklung von -0,3 % im Vergleich zu den anderen großen Volkswirtschaften Frankreichs (0,8 %), Italiens (0,7 %) und Spaniens (2,4 %) das Schlusslicht (Projections Table, IMF, World Economic Outlook-Update, Januar 2024). Hatte die deutsche Wirtschaft zum Ende der Pandemie zu Beginn des Jahres 2022 zunächst erfolgversprechend angezogen, so änderte sich die Tendenz als Folge des Ukraine-Krieges, der anzie- henden Energiepreise, der resultierenden Inflation und der anziehenden Zinsen. Auch wenn der Inflationshöhe- punkt in 2023 überschritten wurde, so haben vor allem die weiterhin erhöhten Energiepreise sowie die im Jahr 2023 um rund 4 % gestiegenen Zinsen deutliche Spuren in der deutschen Wirtschaft hinterlassen. Hinzu kam und kommt eine unkalkulierbare Politik der Bundesregierung, die sowohl im privaten Sektor als auch in der Wirtschaft für große Verunsicherung sorgt und Langfristplanung erschwert (IfW Kiel, Gemeinschaftsdiagnose Nr. 2, 2023, Seite 38). Entsprechend verhalten sind daher auch die Wachstumsprognosen für die deutsche Wirtschaft im Jahr 2024, die auf lediglich 0,5 % geschätzt werden und damit erneut deutlich hinter allen anderen entwickelten Volks- wirtschaften zurückbleiben (Projections Table, IMF, World Economic Outlook-Update, Januar 2024). In Bezug auf das Geschäftsmodell von FORIS haben sich die vorgeschilderten Effekte vor allem auf die Nach- frage nach Vorratsgesellschaften ausgewirkt. Hier konnten deutliche Nachfragerückgänge insbesondere aus dem Immobiliengewerbe und Bausektor sowie aus Transaktionen in Zusammenhang mit Unternehmenskäufen (M&A) verzeichnet werden. So sind die Bauinvestitionen im Jahr 2023 mit geschätzt -1,4 % im dritten Jahr in Folge zurückgegangen und für 2024 wird ein weiterer Rückgang um -2,4 % erwartet (IfW Kiel, Gemeinschafts- diagnose Nr. 2, 2023, S. 51, Tabelle 2.9 mit Verweis auf das Statistische Bundesamt). Im M&A-Bereich war im Jahr 2023 gemessen an Transaktionszahlen ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Jahr 2022 zu verzeichnen. Wurden in 2022 noch 2.897 Transaktionen in Deutschland durchgeführt, so belief sich die Anzahl bis inklusive November 2023 auf lediglich 1.724 Transaktionen (Statista, Anzahl der M&A Deals in Deutschland von 1991 bis 2023). Deals mit deutscher Beteiligung, aber nicht unbedingt in Deutschland umgesetzt, gingen um 8 % zurück (Finance-Magazin vom 29.12.2023, Die spannendsten M&A-Deals des Jahres 2023). Sowohl für Bauprojekte als auch in Zusammenhang mit M&A-Transaktionen werden häufig Vorratsgesellschaf- ten benötigt, so dass sich die Schwächen insbesondere dieser beiden Segmente unmittelbar auf das Geschäft von FORIS ausgewirkt haben. Dies spiegelt sich auch in der Anzahl der deutschlandweit von allen Anbietern gegründeten Vorratsgesellschaften wider, die FORIS auf Grundlage von Handelsregisterdaten ermittelt hat. Demnach wurden im Kalenderjahr 2023 von den nach Gründungszahlen wichtigsten Vertreibern von Vorratsge- sellschaften (inklusive FORIS) insgesamt 22 % weniger Gesellschaften gegründet als im Vorjahr, welches im Ver- gleich zum Kalenderjahr 2021 bereits einen Rückgang um 14 % verzeichnet hatte. Die Gründungszahlen lassen auch Rückschlüsse auf die Nachfrage nach Vorratsgesellschaften schließen, da alle Anbieter ihre Bevorratung üblicherweise an der Nachfrage ausrichten. Ebenfalls geschrumpft, allerdings nur um ca. 4 % gegenüber dem Vorjahr, ist die Anzahl aller Gesellschaftsgründungen in Deutschland (von denen Vorratsgesellschaften wieder- um ca. 4 % ausmachen). 2. Wirtschaftsbericht I. Gesamtwirtschaftliche und branchenbezogene Rahmenbedingungen 12 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 22 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT Im vorbeschriebenen, konjunkturell herausfordernden Umfeld hat der FORIS-Konzern in Bezug auf das Jahres- ergebnis deutlich besser abgeschnitten als im Vorjahr. Bei vielen Kennzahlen konnten im zweiten Jahr in Folge Verbesserungen erzielt und somit der positive Trend fortgesetzt werden. Vertrieblich ist das Geschäftsjahr 2023, unter Berücksichtigung der Umstände, sogar sehr gut verlaufen, wie nachstehend zu den einzelnen Geschäftsbereichen noch ausgeführt werden wird. So weist FORIS für das Geschäftsjahr 2023 auf konsolidierter Konzernebene gegenüber dem Vorjahr deutliche Steigerungen in Bezug auf Umsatz, Rohmarge und Periodenergebnis aus. Mit 23.065 TEUR (Vorjahr: 21.912 TEUR) konnte der Umsatz um 5 % gesteigert werden. Beim Rohertrag, der in Höhe von 6.488 TEUR (Vorjahr 4.401 TEUR) erwirtschaftet wurde, beläuft sich die Steigerung auf 47 %. Und mit einem Periodenergebnis in Höhe von 1.088 TEUR (Vorjahr: 152 TEUR) konnte eine Steigerung um 616 % erzielt werden. Im Geschäftsjahr 2023 haben zudem alle wesentlichen Segmente positive Ergebnisse erwirtschaftet. In Bezug auf die einzelnen Geschäftsbereiche stellen sich diese Kennziffern wie folgt dar: Abweichend hiervon gab es im Bereich Prozessfinanzierung keine Auswirkungen der konjunkturellen oder geopolitischen Gesamtsituation. Weder Anzahl noch Art der zu finanzierenden Prozesse haben sich verändert. Positiv ist zudem festzustellen, dass sich der in den Pandemiejahren aufgelaufene Rückstau an den Gerichten weiter abgebaut hat. Allerdings zeigt sich auch, dass das deutsche Justizsystem zunehmend überlastet ist, was sich in teils sehr langen Verfahrenslaufzeiten widerspiegelt. Ebenfalls keine Auswirkungen der schwachen allgemeinen Konjunkturlage konnten wir in Bezug auf das Ge- schäft des Bereichs GO AHEAD verzeichnen. Dieses geht zwar kontinuierlich zurück, jedoch ist dies im wesent- lichen Brexit-bedingt und weist keine Korrelation mit aktuellen Entwicklungen auf. II. Geschäftsverlauf II.1 FORIS-Konzern Umsatz, Rohmarge und Periodenergebnis auf Segmentebene Umsatz 2023 TEUR 2022 TEUR Veränderung TEUR Prozessfi nanzierung 6.285 3.137 3.149 Vorratsgesellschaften 15.849 17.630 -1.781 GO AHEAD 555 771 -216 Vermögensverwaltung 375 372 4 Sonstige Segmente 0 2 -2 FORIS-Konzern 23.065 21.912 1.153 13 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 23 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT Rohmarge 2023 TEUR 2022 TEUR Veränderung TEUR Prozessfi nanzierung 3.950 1.565 2.385 Vorratsgesellschaften 1.678 1.808 -130 GO AHEAD 484 654 -170 Vermögensverwaltung 375 372 4 Sonstige Segmente 0 2 -2 FORIS-Konzern 6.488 4.401 2.086 Periodenergebnis 2023 TEUR 2022 TEUR Veränderung TEUR Prozessfi nanzierung 454 -626 1.080 Vorratsgesellschaften 331 436 -105 GO AHEAD 159 155 3 Vermögensverwaltung 158 202 -43 Sonstige Segmente -15 -14 1 FORIS-Konzern 1.088 152 934 14 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 24 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT Eigenkapitalrendite 2023 2022 2021 2020 2019 Durch- schnitt Eigenkapitalrendite 7,7 % 1,1 % -11,3 % -8,0 % 6,0 % -0,9 % Eigenkapitalquote Umsatzrendite Aufgrund des volatilen Geschäftsmodells der Prozessfinanzierung streben wir eine im Vergleich zu anderen Unternehmen signifikant überdurchschnittliche Eigenkapitalquote an. Die Eigenkapitalquote beträgt in Folge einer höheren Inanspruchnahme bestehender Kreditlinien (im Wesentlichen als Ergebnis des erneut angewach- senen Portfolios in der Prozessfinanzierung) zum Geschäftsjahresende 69 % und liegt damit geringfügig unter der Quote des Vorjahres und des Durchschnittswerts für die Periode von 2019 bis 2023. Dennoch bleibt die Eigenkapitalquote hoch und liegt deutlich über dem Zielwert von mindestens 60 %, den der Vorstand zur Ab- deckung möglicher Risiken aus der Prozessfinanzierung für angemessen erachtet. Das im Vergleich zu den beiden Vorjahren deutlich bessere Konzernergebnis führt zu einer entsprechenden positiven Eigenkapitalrendite. Ein Vergleich mit anderen (Dienstleistungs-) Unternehmen ist für die Umsatzrendite nur eingeschränkt mög- lich, da der Umsatz im Geschäftsbereich Vorratsgesellschaften aufgrund der bilanziellen Vorschriften auch das eingezahlte Grund- beziehungsweise Stammkapital der jeweiligen Gesellschaften enthält. Somit erfolgt hier ein Ausweis hoher Umsätze mit vergleichsweise geringer Marge. Den größten Einfluss auf die Umsatzrendite hat das Ergebnis des Geschäftsbereichs Prozessfinanzierung. Wegen der Volatilität des Geschäftsmodells weist die Prozessfinanzierung jedoch von Jahr zu Jahr Umsatzsprünge aus, so dass eine vergleichende Jahresbetrachtung nur eingeschränkt aussagekräftig ist. 2023 2022 2021 2020 2019 Durch- schnitt Eigenkapitalquote 69,0 % 69,5 % 75,4 % 87,6 % 90,9 % 78,5 % 2023 2022 2021 2020 2019 Durch- schnitt Umsatzrendite 4,7 % 0,7 % -8,6 % -8,3 % 4,5 % -1,4 % 15 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 25 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT Cashflow 2023 TEUR 2022 TEUR 2021 TEUR 2020 TEUR 2019 TEUR Summe TEUR Cashfl ow aus laufender Geschäftstätigkeit -1.858 -1.978 -2.418 -1.536 126 -2.611 Cashfl ow aus Investitionstätigkeit -109 -134 -62 -51 -67 -569 Cashfl ow aus Finanzierungstätigkeit -48 1.789 2.963 -463 -63 749 Zahlungswirksame Verände- rungen des Finanzmittel- bestandes (Cashfl ow) -2.015 -322 483 -2.050 -4 -2.431 Eine ausführliche Darstellung des Cashflows des Konzerns erfolgt in Anlage 5: Kapitalflussrechnung 2023. Die im Geschäftsbereich Prozessfinanzierung erzielten Umsatzerlöse aller in Abrechnung genommenen Ver- fahren (6.285 TEUR) fielen um 3.148 TEUR höher aus als im Vorjahreszeitraum (3.137 TEUR) und wurden somit verdoppelt. In 2023 haben wir in der Prozessfinanzierung 24 Verfahren in Abrechnung genommen (Vorjahreszeitraum: 17 Verfahren). 79,2 % dieser Verfahren haben wir positiv abgerechnet. Als positiv abgerechnet gilt dabei ein Verfahren, das im Saldo einen positiven Nettoerlös erzielt hat. II.2 Prozessfinanzierung 2023 2022 2021 2020 2019 In Abrechnung genommen (Anzahl) 24 17 25 14 20 Positiv beendete Verfahren 19 12 20 10 16 Quote der positiv in Abrechnung genommenen Verfahren 79,2 % 70,6 % 80,0 % 71,4 % 80,0 % 2023 2022 2021 2020 2019 Neu in Finanzierung genommene Fälle 52 32 29 30 36 Optionsvolumen neu in Finanzierung genommene Fälle (in Mio. EUR) 9,7 32,5 9,2 28,0 21,1 Durchschnittliches Optionsvolumen (in Mio. EUR) 0,19 1,02 0,32 0,93 0,59 Gesamtvolumen zum Stichtag (in Mio. EUR) 94,6 92,6 67,8 72,3 50,2 16 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 26 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT In Anbetracht der Tatsache, dass der Gesamtmarkt der Vorratsgesellschaften im Jahr 2023 gemessen an den Gründungszahlen um 22 % eingebrochen ist, freuen wir uns, dass FORIS die Anzahl der verkauften Gesellschaf- ten im Geschäftsjahr 2023 im Vergleich zum Vorjahr halten bzw. sogar geringfügig steigern konnte. Hinsichtlich der Verteilung auf die Rechtsformen gab es allerdings unterschiedliche Entwicklungen. Insbesondere bei der Nachfrage nach den „teuren“ SEs gab es einen Rückgang, der sich auch im geringeren Umsatz widerspiegelt. Hintergrund der geringeren Nachfrage sind u. a. aktuell beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Klärung be- findliche Rechtsfragen betreffend mitbestimmungsrechtlicher Aspekte dieser speziellen Gesellschaftsform, die einen Vorteil dieser Gesellschaftsform darstellen. Daher konnte auch eine verstärkte Nachfrage der Rechtsform der AG als Alternative zur SE verzeichnet werden. Bei den GmbH Verkäufen ist hingegen nur ein leichter Rück- gang zu erkennen. Bezogen auf den Durchschnittswert einer rollierenden 5-Jahres-Periode stellt sich die Entwicklung der Verkaufs- zahlen der drei wichtigsten Gesellschaftsformen wie folgt dar: II.3 Vorratsgesellschaften (inklusive Corporate Services) 1) Durchschnitt 2019–2023 = 100 % Das in Summe gestiegene aktuelle Kostenrisiko entwickelt sich entsprechend dem Anstieg des gesamten Optionsvolumens. Die in der Prozessfinanzierung in den kommenden Jahren tatsächlich anfallenden Kosten hängen vom Verlauf und Ausgang der einzelnen Prozesse ab. Unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Er- folgsquoten und unserer Erfahrungen werden die tatsächlichen Kosten im Mittel voraussichtlich signifikant unter den in diesem Geschäftsbericht angegebenen Bandbreiten des aktuellen Kostenrisikos liegen. Aktuelles Kostenrisiko 2023 2022 2021 2020 2019 von (Mio. EUR) 90 % akt. KR 17,7 16,4 15,1 15,1 11,6 bis (Mio. EUR) 110 % akt. KR 21,6 20,1 18,5 18,5 14,1 Kostenrisiko im Verhältnis zu Optionsvolumen 22,8 % 21,7 % 27,3 % 25,5 % 28,2 % Verkäufe Vorratsgesellschaften 2023 2022 2021 2020 2019 GmbH-Verkäufe 1) 103,6 % 107,9 % 113,5 % 89,0 % 91,8 % SE-Verkäufe 64,4 % 126,9 % 80,8 % 73,1 % 161,5 % AG-Verkäufe 112,5 % 77,8 % 100,0 % 133,3 % 33,3 % Im Geschäftsjahr 2023 konnte FORIS in der Prozessfinanzierung 52 Verfahren mit einem kumulierten Options- volumen von 9,7 Mio. EUR neu in Finanzierung nehmen. Hierunter befindet sich auch eine Anzahl von Verfah- ren mit kleineren Streitwerten, die das gleiche Rechtsthema betreffen und relativ kurze Verfahrenslaufzeiten erwarten lassen. Unter Berücksichtigung der Abgänge aus beendeten Verfahren hat sich dadurch das Gesamt- optionsvolumen zum Stichtag von 92,6 Mio. EUR auf 94,6 Mio. EUR erhöht. 17 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 27 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT Der Markt für Limiteds in Deutschland ist erwartungsgemäß weiter geschrumpft. Die Anzahl der Löschungen haben sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar von 629 auf 462 verringert. Neue Gründungen fanden allerdings nicht statt. Der Bestand an englischen Limited-Kunden verringerte sich daher zum Geschäftsjahres- ende auf 1.858 Gesellschaften (Vorjahr: 2.315 Gesellschaften). Das (deutlich kleinere) Geschäft mit den irischen Limiteds haben wir im Geschäftsjahr 2023 eingestellt, da es nicht ausreichend rentabel zu betreiben war. Die Sonstigen Segmente umfassen mehrere kleine Gesellschaften des FORIS-Konzerns, die kein berichtenswer- tes Geschäft betreiben. Das Periodenergebnis der Sonstigen Segmente im FORIS-Konzern ist im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert geblieben (Geschäftsjahr: -15 TEUR, Vorjahr: -14 TEUR). Die in der obigen Tabelle genannten Korrekturen entstehen durch Löschungen von Limiteds, die durch Kunden ohne unsere Mitwirkung erfolgt sind. II.4 GO AHEAD II.5 Sonstige Segmente im FORIS-Konzern Bestände Servicepakete (Limiteds GB) 2023 2022 2021 2020 2019 Anfangsbestand 2.315 2.968 4.088 4.832 5.888 Zugang Gründung 0 0 1 12 16 Zugang Wechsler 1 0 5 14 34 Abgang Wechsler -3 -7 -40 -19 -31 Abgang Löschungen -462 -629 -1.052 -742 -1.007 Korrekturen 7 -17 -34 -9 -68 Endbestand 1.858 2.315 2.968 4.088 4.832 Zur Darstellung der Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage sind nachstehend die Gewinn- und Verlustrechnung und die Bilanz nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten gegliedert und die Kapitalflussrechnung in ver- kürzter Form dargestellt. Abweichungen in der Summenbildung sind auf Rundungsdifferenzen zurückzuführen. Die exakten Einzelwerte ergeben sich aus der Bilanz, der Gewinn- und Verlustrechnung sowie der Kapitalfluss- rechnung im Konzernabschluss der FORIS AG. III. Lage des FORIS-Konzerns 18 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 28 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT Hinsichtlich der detaillierten Umsatz- und Ergebnisstruktur verweisen wir auf unsere vorherigen Ausführungen weiter oben unter B.2.II. III.1 Ertragslage 01.01. – 31.12.2023 01.01. – 31.12.2022 + / - TEUR % TEUR % TEUR % Umsatzerlöse 23.065 100,0 21.912 100,0 1.153 5,3 Aufwendungen für bezogene Leistungen -16.577 -71,9 -17.510 -79,9 934 -5,3 Rohmarge 6.488 28,1 4.401 20,1 2.086 47,4 Personalaufwand -2.654 -11,5 -2.537 -11,6 -117 4,6 Abschreibungen -182 -0,8 -232 -1,1 50 -21,5 Sonstige betriebliche Aufwen- dungen inkl. sonstige Steuern -2.515 -10,9 -1.633 -7,5 -881 54,0 Sonstige betriebliche Erträge 295 1,3 268 1,2 27 10,2 Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) 1.432 6,2 267 1,2 1.164 435,6 EBITDA 1.613 7,0 499 2,3 1.115 223,4 Zinserträge 2 0,0 0 0,0 2 0,0 Zinsaufwendungen -344 -1,5 -111 -0,5 -232 208,8 Finanzergebnis -342 -1,5 -111 -0,5 -231 208,2 Steuern vom Einkommen und vom Ertrag -2 0,0 -3 0,0 1 -30,5 Periodenergebnis 1.088 4,7 153 0,7 934 608,7 Die Rohmarge konnte im Vergleich zum Vorjahr vor allem durch die höheren margenstarken Umsätze in der Pro- zessfinanzierung gesteigert werden, und zwar um 2.086 TEUR auf 6.488 TEUR. Dem stehen ein geringfügig höherer Personalwand (+117 TEUR) sowie deutlich höhere Sonstige betriebliche Aufwendungen (+881 TEUR) gegenüber. Letztere sind im Wesentlichen begründet durch einen erhöhten Wertberichtigungsaufwand, der sich auf 788 TEUR beläuft. Hintergrund sind Sonderkonstellationen in zwei Fällen der Prozessfinanzierung, wie im Anhang zum Kon- zernabschluss C.II.1.6. näher erläutert. Die Sonstigen betrieblichen Erträge haben sich vor allem wegen der Auf- lösung von Rückstellungen und Wertberichtigungen um 27 TEUR erhöht. Zudem haben sich die Abschreibungen im Vergleich zum Vorjahr von 232 TEUR auf 182 TEUR verringert. In Summe führten diese gegenläufigen Effekte zu einem deutlichen Zuwachs des positiven Betriebsergebnisses, und zwar um 1.164 TEUR auf ein EBIT von 1.432 TEUR. Die im Geschäftsjahr 2023 erneut gestiegenen Zinsaufwendungen resultieren bei weitgehenden konstant geblie- benen Inanspruchnahmen der Kreditlinie vorrangig aus dem deutlich höheren Zinsniveau am Kapitalmarkt. 19 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 29 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT III.2 Vermögens- und Finanzlage III.2.1 Vermögen 31.12.2023 31.12.2022 + / - TEUR % TEUR % TEUR % Geschäfts- oder Firmenwert 120 0,5 120 0,6 0 0,0 Sachanlagen und übrige immaterielle Vermögenswerte 2.465 11,2 2.515 12,4 -50 -2,0 Als Finanzinvestition gehaltene Immobilien 1.818 8,2 1.841 9,0 -23 -1,3 Sonstige langfr. Vermögenswerte 84 0,4 84 0,4 -1 -0,9 Langfristige Vermögenswerte 4.487 20,3 4.560 22,4 -73 -1,6 Vorräte 1.319 6,0 1.312 6,4 7 0,6 Vermögenswerte aus Prozessfi nanzierung 9.577 43,4 8.290 40,7 1.287 15,5 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und sonstige Forderungen 4.675 21,2 2.159 10,6 2.516 116,6 Sonstige kurzfr. Vermögenswerte 132 0,6 141 0,7 -9 -6,5 Zahlungsmittel 1.867 8,5 3.882 19,1 -2.014 -51,9 Kurzfristige Vermögenswerte 17.570 79,7 15.784 77,6 1.787 11,3 Bilanzsumme 22.057 100,0 20.344 100,0 1.714 8,4 Der zuletzt ausgewiesene Geschäfts- oder Firmenwert der Einheit GO AHEAD konnte beim diesjährigen Im- pairment Test bestätigt werden und wurde daher unverändert fortgeführt. Bei den Sachanlagen und übrigen immateriellen Vermögenswerten handelt es sich im Wesentlichen um die eigengenutzte Immobilie, während es sich bei der Finanzinvestition um das fremdvermietete Nachbargebäude handelt. Die sonstigen langfristigen Vermögenswerte reflektieren die Steuervorteile, die sich aus den zum Bilanzstichtag noch nicht genutzten Verlustvorträgen ergeben. Diese haben wir unverändert in Höhe von 84 TEUR (Vorjahr: 84 TEUR) aktiviert. Die Vorräte enthalten ausschließlich die Kapitaleinlagen in den im Bestand befindlichen Vorratsgesellschaften. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es hier keine wesentliche Veränderung. Die erneute Zunahme der Vermögenswerte aus Prozessfinanzierung spiegeln die Entwicklung der in Finanzierung genommenen Verfahren und hier insbesondere die für diese Verfahren verauslagten Kosten zeitverzögert wider. 20 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 30 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT Der Bestand an Forderungen aus Lieferungen und Leistungen zeigt infolge von positiv beendeten Verfahrens- abschlüssen einen Zuwachs um 2.516 TEUR auf 4.675 TEUR und reflektiert offene Forderungen, die zum Bilanz- stichtag noch nicht befriedigt waren. Hinsichtlich der Veränderungen bei den Zahlungsmitteln verweisen wir auf unsere Ausführungen unter 2 III.2.4. III.2.2 Kapitalstruktur 31.12.2023 31.12.2022 + / - TEUR % TEUR % TEUR % Gezeichnetes Kapital 4.635 21,0 4.635 22,8 0 0,0 Kapitalrücklage 10.958 49,7 10.958 53,9 0 0,0 Gewinnrücklagen 649 2,9 649 3,2 0 0,0 Bilanzverlust -1.021 -4,6 -2.108 -10,4 1.088 -51,6 Eigenkapital 15.222 69,0 14.134 69,5 1.089 7,7 Finanzverbindlichkeiten 5.194 23,5 4.900 24,1 294 6,0 Verbindlichkeiten 873 3,9 676 3,3 198 29,3 Abgegrenzte Erträge 305 1,4 376 1,8 -71 -18,9 Rückstellungen 459 2,1 254 1,3 205 80,4 Steuerschulden 4 0,0 4 0,0 0 1,8 Schulden 6.836 31,0 6.210 30,5 625 10,1 Bilanzsumme 22.057 100,0 20.344 100,0 1.714 8,4 Aufgrund des Geschäftsmodells und der dafür benötigten finanziellen Flexibilität steht die Sicherstellung einer überdurchschnittlichen Eigenkapitalquote und jederzeit ausreichende Liquidität im Vordergrund des Finanzma- nagements. Der Fokus liegt auf den Kapitalstruktur- und Kreditrisiken sowie den Liquiditäts- und Marktpreisrisi- ken. Hinsichtlich der Details und zum Risikomanagement verweisen wir auf unsere Ausführungen unter B.4. Mit einer hohen Eigenkapitalquote ist FORIS im Hinblick auf die Eigenkapitalausstattung weiterhin solide aufgestellt. Die Finanzverbindlichkeiten haben sich um 0,3 Mio. EUR auf nunmehr 5,2 Mio. EUR erhöht, bedingt vor allem durch die gestiegenen Investitionen in der Prozessfinanzierung. Weitere Erläuterungen hierzu befinden sich im Abschnitt B.2.III.2.4. 21 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 31 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT Im Geschäftsjahr 2023 wurden bei den immateriellen Vermögenswerten sowie den Sachanlagen nur geringe Investitionen in Höhe von je 30 TEUR getätigt. Bei der als Finanzinvestition gehaltenen Immobilie Kurt-Schuma- cher-Str. 22 musste hingegen die Dachterrasse umfangreich erneuert werden. Von den dadurch entstandenen Kosten wurden 21 TEUR als Instandhaltungsaufwand ergebnismindernd berücksichtigt und 49 TEUR wegen der entsprechenden Wertsteigerung der Immobilie aktiviert. III.2.4 Liquidität Neben der Finanzierung mit Eigenkapital ist der Mittelzufluss aus der laufenden Geschäftstätigkeit eine wichtige Finanzierungsquelle. Im Geschäftsjahr 2023 fiel der Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit mit -1.859 TEUR (Vorjahr: -1.978 TEUR) weiterhin negativ aus. Begründet ist dies im Wesentlichen aus zum Bilanzstichtag erheb- lichen noch offenen Forderungen aus erfolgreich abgeschlossenen Verfahren in der Prozessfinanzierung, die sich auch im deutlichen Anstieg der Forderungen auf 4.675 TEUR zeigen. Daher wurde eine geringfügig höhere Inanspruchnahme der Kreditlinie bei unserer Hausbank erforderlich, was sich in der Zunahme der Finanzver- bindlichkeiten um 294 TEUR auf 5.194 TEUR zeigt. Darüber hinaus konnten wir uns zusätzliche Flexibilität, vor allem aber auch günstigere Finanzierungskosten, verschaffen durch die Zusage einer weiteren Kreditlinie in Höhe von 2.000 TEUR speziell für das Geschäft mit den Vorratsgesellschaften; diese wurde ein Kreditinstitut eingeräumt, mit dem wir im Bereich der Vorratsgesellschaften eng zusammenarbeiten. Hinsichtlich des Cashflows aus Investitionen und der hierin erfassten Mittelabflüsse verweisen wir auf unsere Ausführungen im vorherigen Abschnitt unter B.2.III.2.3 Der Finanzmittelbestand betrug zum Bilanzstichtag 1.867 TEUR und wurde somit um 2.015 TEUR gegenüber Stand des Vorjahres abgebaut. Der Abbau ist Ergebnis unseres aktiven Finanzmanagements, um unnötige Zins- kosten zu vermeiden. III.2.3 Investitionen 31.12.2023 TEUR 31.12.2022 TEUR Immaterielle Vermögenswerte 30 71 Sachanlagen 30 62 Als Finanzinvestition gehaltene Immobilien 49 0 Summe 109 134 Die Verbindlichkeiten sind aufgrund stichtagsbedingter Schwankungen bei den Verbindlichkeiten aus Lieferun- gen und Leistungen geringfügig gestiegen. Die abgegrenzten Erträge reflektieren im Geschäftsjahr 2023 fakturierte, aber erst im Folgejahr zu erbringende Leistungen. Die Rückstellungen zeigen die zum Stichtag erkennbaren Risiken. Sie beinhalten vor allem Risiken einer Inan- spruchnahme durch Dritte aus den finanzierten Verfahren, wenn sich die Pflicht zur Tragung der Kosten der Gegenseite abzeichnet. Die Steuerschulden betreffen insbesondere Verbindlichkeiten aus Umsatzsteuern und Lohnsteuern. 22 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 32 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT Nachfolgend ist die Entwicklung der Liquidität im Rahmen einer verkürzten Kapitalflussrechnung dargestellt. Hinsichtlich der Details verweisen wir auf die Kapitalflussrechnung im Konzernabschluss. Es besteht derzeit bei unserer Hausbank eine Multifunktionslinie, die für Bürgschaften für die Prozessfinanzie- rung sowie für Kontokorrente wie nebenstehend in Anspruch genommen wird. Des Weiteren besteht bei einem anderen Kreditinstitut eine Kreditlinie speziell für die Kapitaleinlagen der Vorratsgesellschaften. Multifunktionslinie 31.12.2023 TEUR 31.12.2022 TEUR Linie 10.500 10.500 Bürgschaften für Prozesse 3.003 3.003 Inanspruchnahme Kontokorrent 4.450 4.900 Freie Linie 3.047 2.597 Funktionslinie Vorratsgesellschaften 31.12.2023 TEUR 31.12.2022 TEUR Linie 2.000 0 Inanspruchnahme -744 0 Freie Linie 1.256 0 01.01. – 31.12.2023 01.01. – 31.12.2022 TEUR TEUR Periodenergebnis 1.088 152 Cashfl ow-Veränderungen aus laufender Geschäftstätigkeit -2.946 -2.129 Cashfl ow aus der laufenden Geschäftstätigkeit -1.858 -1.978 Cashfl ow aus der Investitionstätigkeit -109 -134 Cashfl ow aus der Finanzierungstätigkeit -48 1.789 Zahlungswirksame Veränderungen des Finanzmittelbestandes (Cashfl ow) -2.015 -322 Finanzmittelfonds am 01.01. 3.882 4.204 Finanzmittelfonds am 31.12. 1.867 3.882 23 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 33 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT Die Fähigkeit des Konzerns, seine Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen, besteht aufgrund der vorhandenen Zah- lungsmittel und der freien Kreditlinien unverändert fort. Aufgrund des Immobilienbestands und der damit ver- bundenen Möglichkeit, grundbuchliche Sicherheiten zu gewähren bzw. zu erhöhen, haben wir weiterhin Zugang zu Refinanzierungsmöglichkeiten für eine zusätzliche finanzielle Flexibilität zum Ausbau der Geschäftstätigkeit. Hinsichtlich der Quantifizierung der möglichen Liquiditätsrisiken verweisen wir auch auf unsere Ausführungen unten im Konzernanhang unter C.III.4. III.3 Gesamtaussage zur Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage Das Jahr 2023 endet mit einem deutlich positiven Periodenergebnis von 1.088 TEUR. Erstmals seit längerer Zeit haben alle wesentlichen Segmente Gewinne erzielen können. Vor allem die Prozessfinanzierung hat deutlich zugelegt und maßgeblich zum Konzernergebnis beigetragen. Die Finanzlage des Unternehmens zeichnet sich durch eine weiterhin starke Liquidität bei insgesamt leicht erhöhter Fremdkapitalaufnahme aus. Die im Rahmen der Liquiditätsplanung für 2024 erwarteten Mittelzu- flüsse aus noch laufenden Verfahren sollten den Cash Flow und die Liquidität erhöhen. Die liquiden Mittel in Höhe von 1,8 Mio. EUR sowie eine noch ungenutzte und somit freie Kreditlinie in Höhe von 3,0 Mio. EUR bieten dem Konzern weiterhin eine solide Finanz- und Vermögensstruktur. Für das Geschäft mit Vorratsgesellschaften bietet eine separate Kreditlinie mit einer freien Linie von 1,3 Mio. EUR zusätzlichen Handlungsspielraum. Die bestehenden Immobiliensicherheiten bieten darüber hinaus die notwendige finanzielle Flexibilität für die wei- tere Entwicklung. Insgesamt sind nach derzeitiger Kenntnis sämtliche eingegangenen Zahlungsverpflichtungen jederzeit erfüllbar. IV. Sonstige Ereignisse des Geschäftsjahres Es gibt keine weiteren Ereignisse im Geschäftsjahr 2023, über die an dieser Stelle zu berichten ist. 3. Nachtragsbericht Diesbezüglich verweisen wir auf unsere Angaben im Anhang zum Konzernabschluss bzw. im Anhang zum Einzelabschluss der FORIS AG. 24 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 34 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT Für das Jahr 2024 ist von einem weiterhin herausfordernden weltwirtschaftlichen Umfeld auszugehen. Weder ist ein Ende des Ukraine-Kriegs abzusehen noch sind nennenswerte Verbesserungen der wesentlichen Faktoren zu erwarten, die insbesondere die deutsche Wirtschaft beeinflussen, nämlich das hohe Zinsniveau, der eklatan- te Fachkräftemangel sowie die Folgen politischer Entscheidungen wegen der herausfordernden Haushaltslage. Möglich ist zudem, dass sich regionale Krisen wie z. B. im Nahen Osten ausweiten und zusätzliche Störungen für die globale Wirtschaft entstehen lassen, die sich auch in Deutschland auswirken könnten. Diese gesamtwirtschaftliche Ausgangslage dürfte sich auf die verschiedenen Geschäftsbereiche des FORIS- Konzerns unterschiedlich auswirken, wie wir nachstehend in Bezug auf die einzelnen Geschäftsbereiche und sodann zusammenfassend für die Konzern-Ebene detaillierter ausführen werden. I.1 Prozessfinanzierung Für den Geschäftsbereich Prozessfinanzierung gehen wir davon aus, dass das gesamtwirtschaftliche Umfeld keine negativen Auswirkungen haben dürfte. Prozessfinanzierung ist weitgehend konjunkturunabhängig, da wirtschaftliche Zyklen keinen oder wenig Einfluss darauf haben, ob gestritten wird oder nicht. Anders als in der Pandemie gehen wir aktuell auch von keinen weiteren Lockdowns aus, die das Funktionieren des Justizwesens generell deutlich verlangsamen würden. Zudem dürfte sich der in der Pandemie aufgelaufene Bearbeitungs- stau bei den Gerichten weiter abbauen. Vertrieblich sind wir für das Geschäftsjahr 2024 zuversichtlich. Insgesamt verzeichnen wir ein Nachfrageniveau, dass mit dem der Vorjahre vergleichbar ist, und zwar sowohl aus dem deutschsprachigen Raum als auch inter- national. In Bezug auf den Wettbewerb hat sich die bereits in den letzten Jahren abzeichnende Dreiteilung des Marktes erneut bestätigt. Einerseits drängen zunehmend internationale Prozessfinanzierer, vor allem aus dem anglo- amerikanischen Raum, in den Markt ein. Diese haben in der Regel einen Fokus auf kostenintensive Groß- oder Massenverfahren wie zum Beispiel Klagen wegen manipulierter Abgaswerte. Die Streitwerte dieser Verfahren liegen überwiegend jenseits des bisherigen Fokus von FORIS. Am anderen Ende findet sich eine aufstrebende Legal-Tech-Branche, die meist technologiebasiert massenweise gleichgelagerte Ansprüche (etwa bei Flugver- spätungen oder unberechtigten Mieterhöhungen) durchzusetzen sucht und für die Finanzierung auf Prozessfi- nanzierer in der einen oder anderen Form zurückgreift. Dazwischen gibt es das mittlere Segment („MidCap“), in dem auch FORIS tätig ist und die Finanzierung von ausgewählten Fällen mit Streitwerten zwischen 100.000 EUR und mehreren Millionen EUR im Fokus hat. In dem zuvor beschriebenen Wettbewerbsumfeld sieht sich FORIS mit ihrem Fokus auf Fälle mit Streitwerten ab 100.000 EUR ausgezeichnet positioniert. Aufgrund der anerkannten Expertise und langjährigen Tätigkeit in diesem Bereich ist FORIS mit der Zielgruppe der in diesem Segment tätigen Anwaltskanzleien hervorragend vernetzt und für eine schnelle und kundenfreundliche Umsetzung von einzelfallbezogenen, individuellen Finan- zierungslösungen bekannt. Basierend auf der Anzahl der im Jahr 2023 neu in Finanzierung genommenen Fälle, die nochmals höher ausgefallen ist als in 2022, gehen wir daher auch für die Zukunft von einer erfolgreichen Neuakquise und einem damit einhergehenden weiteren Portfoliowachstum aus. I. Voraussichtliche Entwicklung des Konzerns unter Berücksichtigung der wesentlichen Chancen und Risiken 4. Prognose-, Chancen- und Risikobericht 25 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 35 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT Zusätzliches Wachstumspotential sowie eine nochmals verbesserte Marktpositionierung sehen wir in der Erwei- terung unseres Geschäftsmodells zur Finanzierung deutlich größerer Verfahren jenseits des MidCap-Segments mittels Initiierung eines Prozessfinanzierungsfonds. Der wirtschaftliche Erfolg der Prozessfinanzierung ist aufgrund der Langfristigkeit der Verfahren allerdings nur schwer prognostizierbar und weiter als stark volatil einzuschätzen. Er hängt neben dem rechtlichen Ausgang der finanzierten Gerichts- und Schiedsverfahren auch von der wirtschaftlichen Durchsetzbarkeit der titulierten For- derungen ab. Das aktuelle Portfolio umfasst eine Vielzahl von Großverfahren mit Streitwerten größer 4 Mio. EUR, deren jeweiliger Ausgang einen nicht unerheblichen Einfluss im positiven wie auch negativen Sinne auf das gesamte Unternehmensergebnis entfalten kann. Unsere internen Prozesse zur Einschätzung der Erfolgswahrscheinlichkeit der zu finanzierenden Verfahren und der Bonität der jeweiligen Beklagten aktualisieren wir anlassbezogen sowie regelmäßig nach systematischer und analytischer Auswertung der abgeschlossenen Fälle. Gemäß unserer internen Planung, unter Berück- sichtigung möglicher Fallabschlüsse sowie des angestiegenen Optionsvolumens, gehen wir sowohl für das Geschäftsjahr 2024 als auch langfristig von einem deutlichen Zuwachs beim Umsatz, der Rohmarge und dem Segmentergebnis aus. Gleichwohl können erhebliche Abweichungen von unseren Planungen nicht ausgeschlos- sen werden, da das Ergebnis geschäftsmodellbedingt von vielen Faktoren abhängig ist, die wir nicht beein- flussen können. Insbesondere kann der Zeitpunkt der Rechtskraft einer Entscheidung als Bezugspunkt für die Umsatzrealisierung selbst modellhaft nicht verlässlich eingeschätzt werden. Zudem können einzelne größere Verfahren Umsatz und Ergebnis signifikant beeinflussen. I.2 Vorratsgesellschaften Wie wir im Geschäftsjahr 2023 erneut erlebt haben, ist der Bereich Vorratsgesellschaften anfälliger für kon- junkturbedingte Entwicklungen. Vor allem die Bauindustrie sowie die Immobilienwirtschaft generell dürften weiterhin von den deutlich gestiegenen Kosten und anderen erschwerenden Faktoren beeinträchtigt bleiben, was die Nachfrage nach Vorratsgesellschaften aus diesem Segment beeinflussen dürfte. Für den M&A-Bereich, der ebenfalls von konjunkturellen Faktoren beeinflusst wird, ist eine Prognose nur schwer abzugeben, da sich auch die Experten diesbezüglich uneinig sind. Chancen könnten sich vor allem aufgrund eines anziehenden Restrukturierungsbedarfs ergeben, der die Nachfrage nach Vorratsgesellschaften steigern könnte. Neben dem fortgesetzten Ausbau von kundenspezifischen Vertriebsmaßnahmen, verbunden mit notwendigen Anpassun- gen auf der Produkt- und Serviceseite, haben wir damit begonnen, das Produktportfolio um weitere rechts- nahe Dienstleistungen für die Erwerber der Gesellschaften zu ergänzen (dazu auch weiter unten in Absatz I.4). Wir verfolgen hiermit das Ziel, durch die Ansprache und Gewinnung neuer Kundengruppen einen möglichen, temporären Nachfragerückgang insbesondere aus den Segmenten Bauindustrie und M&A zu kompensieren. Insgesamt erwarten wir daher für den Bereich Vorratsgesellschaften im Jahr 2024 Umsätze, eine Rohmarge und ein Segmentergebnis, die mit dem Vorjahr vergleichbar sein dürften. I.3 GO AHEAD GmbH Die Zahl der durch die GO AHEAD betreuten Limiteds ist im Geschäftsjahr 2023 erwartungsgemäß weiter zu- rückgegangen, wenngleich erneut in geringerem Umfang als angenommen. Mit dem BREXIT-bedingten Attrak- tivitätsverlust der britischen Limited-Gesellschaften ist auch künftig von einem weiteren Abschmelzen des Kun- denbestands auszugehen, allerdings auf sich verlangsamender Basis. Damit einhergehend ist ein fortgesetzter Rückgang der Erträge aus den im Subskriptionsmodell angebotenen Serviceleistungen zu erwarten. Um den Geschäftsbereich zumindest mittelfristig noch weiterhin profitabel betreiben zu können, wurde im Geschäfts- jahr 2023 eine Preisanpassung für die Servicepakete erfolgreich umgesetzt. Aufgrund dieser Maßnahme gehen 26 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 36 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT wir davon aus, dass der Abschmelzungseffekt ertragsseitig zumindest teilweise kompensiert werden wird. Das vom Volumen her vernachlässigbare Geschäft mit der Betreuung von Gesellschaften in der Rechtsform einer irischen Limited haben wir wie angekündigt im Geschäftsjahr 2023 eingestellt. In unserer Wirtschaftsplanung für das Jahr 2024 gehen wir für den Geschäftsbereich GO AHEAD insgesamt von einer Umsatzabschmelzung um ca. 14 % aus. Dies führt plangemäß zu einem weiteren Rückgang der Rohmarge und des Segmentergebnisses. I.4 Neue Produkte und Geschäftsmodelle Als ersten Baustein unserer neuen Corporate Services hatten wir im Geschäftsjahr 2022 mit dem Transparenz- registerservice ein teil-digitalisiertes Produkt eingeführt, mit dem wir Unternehmer dabei unterstützen, ihren seit Sommer 2022 bestehenden Pflichten zur Meldung der sogenannten wirtschaftlich Berechtigten nachzu- kommen. Seither haben mehr als 1.000 Kunden diesen Service in Anspruch genommen und es ist ein eindeuti- ger Trend zu erkennen, dass die Anzahl der Bestellungen stetig zunimmt. Für die Zukunft erwarten wir hier ein weiteres Wachstum sowie einen Ausbau der Kundenbasis, die potenziell auch Abnehmer zukünftiger weiterer Produkte werden könnten. Als zusätzliche Bausteine unserer Corporate Services haben wir im Jahr 2023 ergänzend weitere rechtsnahe Dienstleistungen eingeführt, wie z. B. das Angebot von virtuellen Geschäftssitzen, Postweiterleitungsdiensten, die temporäre Stellung von geschäftsführenden Organen für erworbene Vorratsgesellschaften sowie die Unter- stützung bei behördlichen Themen wie der Beantragung von Steuernummern oder Gewerbeerlaubnissen. Die- se Leistungen werden sowohl einzeln als auch in Bündelpaketen angeboten, sind kostenpflichtig und flankieren unser Angebot der Vorratsgesellschaften. Mittelfristig erwarten wir hier, vergleichbar dem Transparenzregister- service, eine deutliche Zunahme der Nachfrage. Unter dem Produktnamen „mySE“ haben wir zudem eine Dienstleistung entwickelt, um gemeinsam und im Auftrag von Kunden Gesellschaften in der Rechtsform der SE zu gründen. Dieses Konzept ist eine Lösung für Konstellationen, in denen ein Kunde nicht auf eine (vorgegründete) Vorratsgesellschaft zurückgreifen möchte, selbst aber nicht die rechtlichen Voraussetzungen mitbringt, um (alleine) eine SE zu gründen. Erste Kundenpro- jekte mit diesem Konzept sind angelaufen. Die Umsätze aller vorgenannten Dienstleistungen sind im Geschäftsbereich Vorratsgesellschaften abgebildet. Auf die Erweiterung des Geschäftsmodells der Prozessfinanzierung wurde weiter oben bereits eingegangen. I.5 Vermögensverwaltung Im vergleichsweise stabilen Segment der Vermögensverwaltung erwarten wir keine nennenswerten Änderun- gen. Die Mietverhältnisse für das Objekt Kurt-Schuhmacher-Straße 22 sowie für das Restaurant im Erdgeschoss des Objekts Kurt-Schumacher-Straße 18–20 sind langfristig angelegt. Steigende Energiekosten werden an die Mieter weiterbelastet. Nach Auslaufen der pandemie-bedingten Restriktionen hat sich der Restaurantbetrieb deutlich erholt, was sich in den höheren Pachtzahlungen widerspiegelt. Trotz der zwischenzeitlichen Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes in der Gastronomie ist aktuell auch keine Trendwende absehbar, so dass wir für den Bereich Vermögensverwaltung insgesamt mit Umsatz und Ergebnis auf Vorjahresniveau rechnen. I.6 Sonstige Segmente im FORIS-Konzern In den sonstigen Segmenten sind derzeit ebenfalls keine wesentlichen Änderungen geplant oder abzusehen. 27 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 37 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT I.7 FORIS-Konzern Gemäß unseren Planungen erwarten wir für den FORIS-Konzern, vor allem bedingt durch die positiven Erwar- tungen in der Prozessfinanzierung, einen weiteren Anstieg von Umsatz und Ergebnis. Gleichwohl können erhebliche Abweichungen zwischen unseren Erwartungen und den tatsächlichen Ergebnis- sen nicht ausgeschlossen werden, gerade weil der Geschäftsbereich Prozessfinanzierung hieran einen großen Anteil hat. Aufgrund ihrer Volatilität mit nur modelltheoretisch vorhersehbaren Zu- und Abflüssen über einen Prognosehorizont von drei bis sieben Jahren, dem Einfluss einzelner Fälle auf das Gesamtergebnis sowie ins- besondere den weiter oben bereits erläuterten Faktoren jenseits unserer Kontrolle, die ausschlaggebend sind für den Zeitpunkt der Erlösrealisierung, ist eine verlässliche, quantitative Vorhersage, in welchem Umfang die Prozessfinanzierung im Jahr 2024 ihren Beitrag leisten wird, nicht zu treffen. Daher ist eine weitergehende Quantifizierung der zukünftigen Entwicklung der Ertrags-, Finanz- und Vermögens- lage des Konzerns und der damit verbundenen finanziellen Leistungsindikatoren mit erheblicher Unsicherheit verbunden. II. Risikobericht II.1 Internes Kontroll- und Risikomanagementsystem Ziele Neben der Sicherstellung der Ordnungsmäßigkeit der Konzernrechnungslegung in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Regelungen ist wesentliches Ziel des Risikomanagementsystems die Sicherstellung des Erhalts des Unternehmens mit dem Fokus auf bestandsgefährdende Risiken sowie Risiken mit Auswirkungen auf die Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage. Wir verweisen auch auf unsere Ausführungen weiter unten unter Punkt 5 sowohl zum internen Kontrollsystem als auch zum Risikomanagementsystem in Bezug auf die Konzernrechnungslegung. Strategie Basierend auf der Erkenntnis, dass unternehmerisches Handeln stets mit Risiken verbunden ist, verfolgen wir die Strategie, Risiken nach Möglichkeit nur dann einzugehen, wenn ihnen angemessene Chancen gegenüber- stehen. Um dies sicherzustellen, sind Transparenz über und der bewusste Umgang mit Risiken ein wesentlicher Aspekt des Risikomanagements. Wo möglich, werden regelmäßig auch die korrespondierenden Chancen er- fasst. Dies beinhaltet im Geschäftsbereich der Prozessfinanzierung das Erlöspotential, das mit dem eingegange- nen (=getragenen) Finanzierungsrisiko einhergeht. Grundsätzliche Systematik Identifizierung, Bewertung, Steuerung und Kontrolle der einzelnen Risiken erfolgen durch eine Vielzahl un- abhängiger, teils aber auch miteinander verzahnter Prozesse. Diese beinhalten neben anderen teils bereichs- bezogenen Prozessen unter anderem ein Steuerungstool für das gesamte Portfolio der Prozessfinanzierung, ein Liquiditätsteuerungstool, eine Compliance- und Datenschutz-Organisation sowie ein Ad Hoc-Komitee, um Risiken zu erkennen, die sich aus kapitalmarktrechtlichen Publizitätspflichten ergeben könnten. Übergeordnete Risiken werden zudem systematisch und regelmäßig in verschiedenen Kategorien erfasst und katalogisiert (Risikoidentifizierung). Im Geschäftsjahr 2023 waren dies die Kategorien Geschäftsmodellrisiken, Recht und Steuern, IT und Datenverarbeitung, Personal und Organisation, Prozessfinanzierung sowie Sonstige Risiken. Die Bewertung der Risiken erfolgt anhand der Parameter Eintrittswahrscheinlichkeit und möglicher Schadenhöhe. 28 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 38 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT Der Umgang mit den bestehenden Risiken wird festgelegt und entsprechende Maßnahmen werden zum Zwe- cke der Risikosteuerung eingeleitet. Zur Gewährleistung der Kontinuität und zum Zwecke der Vergleichbarkeit erfolgen die Erfassung und Ermittlung der Risiken im Rahmen eines standardisierten Prozesses und entspre- chender Dokumentation. Die Dokumentation beinhaltet zur Einschätzung und Verfolgung der Entwicklung der Risiken einen Vergleich mit der jeweiligen Vorperiode. Ein monatlich tagender Risikoausschuss, an dem neben dem Vorstand weitere Führungskräfte teilnehmen, be- wertet die jeweilige Ist-Situation in Hinblick auf die oben erläuterte Risikostrategie. Wesentliche Risiken werden zudem mit dem Aufsichtsrat erörtert, unter anderem mittels eines quartalsweisen Risikoberichts. Damit ist eine ausreichende Kontrolle der Risiken gewährleistet. Überwachung des internen Kontroll- und Risikomanagementsystems Das Risikomanagementsystem, das einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess unterliegt und den spezi- fischen Geschäftsmodellen unseres Unternehmens Rechnung trägt, ist in die regelmäßigen Kontrollprozesse des Unternehmens integriert. Die dokumentierten Ergebnisse werden auch an den Aufsichtsrat kommuniziert, so dass dieser seiner Überwachungsfunktion bezüglich des Risikomanagementsystems nachkommen kann. Entsprechend den gesetzlichen Vorgaben prüft der Abschlussprüfer das Risikofrüherkennungssystem, das integraler Bestandteil des internen Kontroll- und Risikomanagementsystems ist. Er berichtet dem Aufsichtsrat gegebenenfalls über festgestellte Schwächen im internen Kontroll- und Risikomanagementsystem. Maßnahmen im Geschäftsbereich Prozessfinanzierung Das Geschäftsfeld Prozessfinanzierung ist geprägt durch seine langfristigen Verfahrensdauern. Im Hinblick darauf dokumentieren wir sämtliche finanzierte Verfahren, deren Verfahrensstand, Verlauf, Schriftverkehr, Kommunikation, Kosten und Risiken in der unternehmenseigenen Software. Den Beschluss über die Annahme einer Finanzierung sowie über alle signifikanten Ausgabeentscheidungen einschließlich einer etwaigen Finan- zierungsbeendigung steuern wir nach einem festgelegten, dokumentierten Prozess und legen strenge Maß- stäbe bei der Fallauswahl an. Hier sind stets mehrere erfahrene Volljuristen beteiligt. Zusätzlich erfolgt eine Bonitätsprüfung im Vorfeld auf Basis eines standardisierten Prozesses. Bei Überschreiten einer festgesetzten Grenze des Kostenrisikos je Einzelfall wird zusätzlich die Zustimmung des Aufsichtsrats eingeholt. Die laufen- den Verfahren werden immer durch mindestens einen Volljuristen betreut und unterliegen wenigstens zweimal pro Jahr einer Inventur einschließlich Finanz- und Dokumentationskontrolle auf Aktualität und Vollständigkeit. Bedingt durch den anhaltenden Wachstumskurs und die damit einhergehende Vergrößerung des Portfolios mit teils sehr langfristigen Finanzierungsfällen, liegt ein besonderer Fokus auf der kontinuierlichen Optimierung des Risikomanagements, insbesondere betreffend die Parameter Kapitalbindung, Höhe und Zeitpunkt von notwen- digen Einzahlungen sowie Mittelrückflüssen (Erlösen) und sich daraus ergebender Risikovorsorge/Liquidität. Maßnahmen im Geschäftsbereich Vorratsgesellschaften (inklusive Corporate Services) Der weitgehend IT-gestützte Gründungs- und Verkaufsprozess und die verwendeten Dokumente unterliegen einer regelmäßigen rechtlichen Überprüfung, insbesondere auf Aktualität und Gesetzeskonformität. Gesetzge- bungsverfahren, die eine Auswirkung auf unsere Prozesse und rechtliche Rahmenbedingungen haben, beob- achten wir regelmäßig, um zeitnah auf notwendige Änderungen reagieren zu können. Dies bezieht sich sowohl auf Änderungen, die rechtlich erforderlich sind, als auch auf solche, die notwendig erscheinen, um auch unter sich ändernden Rahmenbedingungen wettbewerbsfähige Produkte anbieten zu können. Die gleichen Maßnah- men werden auch in Bezug auf neue rechtsnahe Dienstleistungen in Zusammenhang mit den Vorratsgesell- schaften (Corporate Services) angewendet. 29 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 39 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT Maßnahmen im Geschäftsbereich GO AHEAD Für die Gründung und Betreuung von englischen Limiteds bzw. deutschen UGs gilt das oben zu den Vorratsge- sellschaften Genannte analog. Auch hier liegt unser besonderes Augenmerk auf der Sicherstellung der Aktu- alität und Gesetzeskonformität unserer – weitgehend ebenfalls digitalen – Prozesse und Leistungen. Ebenso stehen gesetzliche sowie politische Entwicklungen im Fokus, die Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit unserer Produkte haben können, wie der zum 31.12.2020 final vollzogene Brexit (dazu weiter unten in Absatz II.2). Dem zusätzlichen Risiko des Forderungsausfalls, das dem massengeschäftsähnlichen Charakter der Leistungen der GO AHEAD geschuldet ist, begegnen wir mit einem stringenten Mahn- und Inkassowesen. Maßnahmen im Bereich der Informationstechnischen Risiken (EDV/IT) Risiken aus dem Bereich EDV/IT, die vor allem auf die Verfügbarkeit und damit das Service Level durchschlagen, begegnen wir durch ein Redundanzkonzept bei der Hardware auf virtualisierten Servern, verbunden mit einer täglichen Datensicherung, die eine zeitnahe Wiederherstellbarkeit ermöglicht. Dieser Bereich unterliegt eben- falls einer kontinuierlichen Überprüfung, um insbesondere auch auf Entwicklungen im Bereich der Cyberkrimi- nalität reagieren zu können. Sonstige bereichsübergreifende Maßnahmen Hinsichtlich des Managements der finanzwirtschaftlichen Risiken verweisen wir auf unsere Ausführungen unter II.3. II.2 Unternehmensspezifische Risiken Risiken im Geschäftsbereich Prozessfinanzierung Nach inzwischen über 25-jähriger Praxis mit der Prozessfinanzierung haben wir hinreichende Erfahrungswerte, um die mittelfristige Erfolgswahrscheinlichkeit der von uns finanzierten Verfahren abzuschätzen. Gleichwohl ist und bleibt die Laufzeit der einzelnen Verfahren kaum kalkulierbar. Sie ist von zahlreichen Einflüssen geprägt, wie etwa der Auslastung der Gerichte, Richterwechsel oder der Dauer der Erstellung von Sachverständigengut- achten, auf die FORIS keinen Einfluss hat. Soweit der Gesetzgeber die Möglichkeit einer Revision ausgeschlos- sen hat, kann die Einlegung einer sogenannten Nichtzulassungsbeschwerde durch den Prozessgegner die endgültige Rechtskraft weiter verzögern. Die finanzierten Verfahren unterliegen der Einzelfallbetrachtung. Auch wenn wir die Einschätzung der recht- lichen und wirtschaftlichen Erfolgsaussichten durch erfahrene Juristen im Unternehmen auf Basis einer vom Anwalt des Klägers erstellten rechtlichen Analyse vornehmen, so hängt der rechtliche Ausgang der finanzierten Verfahren allein von der Einzelfallentscheidung der jeweils zuständigen Richter ab. Nach welcher Dauer und mit welcher rechtlichen Begründung eine richterliche Entscheidung getroffen wird, kann FORIS naturgemäß nicht beeinflussen. Auch die Einschätzung der Erfolgsaussichten der nach rechtskräftiger Entscheidung notwendigen wirtschaftlichen Durchsetzung des finanzierten Anspruchs erfolgt anhand der zur Verfügung stehenden Wirt- schaftsdaten des Beklagten zum Zeitpunkt der Finanzierungszusage. Die Zahlungsfähigkeit des Beklagten kann sich während eines (zumal jahrelangen) Gerichtsverfahrens verändern und ist nicht von FORIS beeinflussbar. Der Verfahrensgang in den finanzierten Rechtsstreitigkeiten, z. B. durch Schriftsätze, mündliche Verhandlungen oder gerichtliche Hinweise und Verfügungen, erfordert regelmäßige Neubewertungen dahingehend, inwieweit die aktivierten Verfahrenskosten im Hinblick auf den Verfahrensgang noch werthaltig sind. Beim Abschluss neuer Prozessfinanzierungsverträge wird daher neben dem Risiko-/Ertragsverhältnis des Einzelfalls stets auch die aktuelle Zusammensetzung des gesamten Finanzierungsportfolios berücksichtigt, um unangemessene Klumpenrisiken zu vermeiden. Selbst wenn der Kläger obsiegt und FORIS ihren Kostenerstattungs- und Erlösanteil berechnet hat, können Forderungsausfälle nicht ausgeschlossen werden. Auch nach dem Verfahren können sich Vollstreckungshinder- 30 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 40 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT nisse ergeben. Zwar nimmt FORIS eine Auskunft und Prognose zur Solvenz des Gegners stets vor Annahme der Finanzierung vor. Da Prognoseeinschätzungen jedoch auf unsicheren, hypothetischen Zukunftsentwicklungen beruhen, sind sie naturgemäß nicht immer verlässlich. Dies gilt umso mehr für einen Zeithorizont von drei bis fünf Jahren, die der üblichen Prozessdauer entsprechen. Wertberichtigungen auf die in einen Fall tatsächlich investierten Beträge (gezahlte Prozesskosten) nimmt FORIS dann vor, wenn konkrete Umstände vorliegen, die eine erfolgreiche Durchsetzung der Forderungen derart beeinträchtigen, dass selbst eine Rückzahlung Beträge nicht mehr überwiegend wahrscheinlich ist. Hinsichtlich der Definition und Entwicklung des aktuellen Kostenrisikos verweisen wir auch auf unsere Ausfüh- rungen unter 1.II und 2.II.2. Ein latentes neues, allerdings langfristiges Risiko besteht in den politischen Bestrebungen des EU-Parlaments, künftig die Prozessfinanzierung in Europa zu regulieren. Dies birgt für FORIS Chancen und Risiken, die davon abhängen, ob und mit welchen inhaltlichen Regelungen unser konkretes Geschäftsmodell tangiert würde. Aktu- ell ist es zu früh, um konkrete Auswirkungen prognostizieren zu können, zumal der eigentliche Gesetzgebungs- prozess in der EU-Kommission noch nicht begonnen hat. FORIS wird die Fortgänge weiter beobachten und sich erforderlichenfalls in geeignetem Rahmen engagieren. Einhergehend mit den Chancen, die uns die geplante Initiierung eines Prozessfinanzierungsfonds eröffnet (dazu oben in Absatz I.4), besteht das Risiko, dass die Auflage des Fonds scheitern könnte (z. B. wegen rechtlicher oder regulatorischer Aspekte) oder dieser frühzeitig beendet und abgewickelt werden muss. Hieraus resultiert für FORIS ein Kostenrisiko in Bezug auf die Initiierungs- und Abwicklungskosten, welches jedoch kalkulierbar ist und wir insbesondere in Anbetracht der sich durch die Fonds-Auflage ergebenden Chancen für vertretbar erachten. Risiken im Geschäftsbereich Vorratsgesellschaften Bei den Vorratsgesellschaften können interne Fehler im Gründungs- und Verkaufsprozess nicht vollständig aus- geschlossen werden. Neben dem Reputationsschaden und dem damit verbundenen oder drohenden Wegfall von Kundenbeziehungen können hieraus auch Schadensersatzansprüche entstehen. Auch können konjunktu- rell-bedingte Nachfragerückgänge bei wichtigen Zielgruppen (z. B. Akteure aus den Bereichen M&A, Immobilien, Projektentwicklung) nie ausgeschlossen werden. Solche Faktoren könnten sich als dämpfend für den Handel mit Vorratsgesellschaften erweisen. Mit den im Kalenderjahr 2022 umgesetzten gesetzlichen Änderungen, die einen deutlich verkürzten Gesellschafts-Gründungsprozess zum Ziel haben, könnte mittel- bis langfristig zudem das Modell der Vorratsgesellschaften zumindest teilweise die Vorteile der deutlich kurzfristigeren Verfügbar- keiten einbüßen und an Attraktivität verlieren. Diesem Risiko versuchen wir mit der Digitalisierung weiterer Pro- zessschritte entgegenzuwirken, um die Zusammenarbeit aller beim Erwerb einer Vorratsgesellschaft beteiligten Parteien noch effizienter zu gestalten. Ziel ist es den Effizienz- und Zeitvorteil des Konzepts Vorratsgesellschaft gegenüber einer individuellen Neugründung auch künftig zu erhalten. Das gleiche Ziel verfolgen wir mit der Ein- führung neuer Dienstleistungen, insbesondere den Corporate Services. Hierdurch soll das Gesamtpaket einer Vorratsgesellschaft nebst Services für unsere Zielgruppen deutlich vorteilhafter bleiben als eine Neugründung, selbst wenn der reine Zeitvorteil im Laufe der Zeit abschmelzen sollte. Risiken im Geschäftsbereich GO AHEAD Die im Jahre 2008 erfolgte Einführung der Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) („UG“) ging seit Jah- ren deutlich zulasten der Nachfrage von Limited-Gründungen. Trotz Aufnahme der Unternehmergesellschaft in unser Produktportfolio konnten und werden die damit erzielten Umsätze nicht an die Umsätze heranreichen, die mit der Gründung und Erbringung von Dienstleistungen an englischen Limiteds erzielbar waren. Mit dem zum 31.12.2020 final vollzogenen BREXIT hat sich ein weiteres, signifikantes Risiko konkretisiert, da die Rechtsform der englischen Limited in der EU nicht weiter als Kapitalgesellschaft mit Haftungsbeschränkung an- erkannt wird und somit die Attraktivität dieser Rechtsform stark gesunken ist. Dementsprechend verzeichnen 31 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 41 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT wir seit einigen Jahren bereits eine Abschmelzung des Kundenbestands, die künftig ggf. auch stärker ausfallen könnte als in der Wirtschaftsplanung vorgesehen. Hinzu kommen operative Risiken, die sich aus möglichen Fehlern bei der Leistungserbringung der Betreuungsverträge ergeben könnten. Risiken im Geschäftsbereich FORIS Vermögensverwaltung Bei der FORIS Vermögensverwaltungs AG besteht ein finanzielles Risiko bei Eintritt von atypischen und nicht versicherbaren Schäden, bei den Immobilien. Darüber hinaus besteht immer ein generelles Mietausfallrisi- ko, das wir teilweise durch eine vom Mieter gestellte Mietkaution abfedern. Letzteres Risiko kann sich durch Sondereffekte, wie die in der jüngsten Vergangenheit pandemiebedingt angeordneten Betriebsschließungen im Gastronomiebereich, naturgemäß erhöhen. Informationstechnische Risiken (EDV/IT) Durch die Zunahme IT-gestützter Geschäftsprozesse können sich Ausfälle bei der IT-Infrastruktur im gesamten Konzern in höherem Maße auswirken. Gleiches gilt für das Risiko von Angriffen durch Dritte (Hackerangriffe), die darauf abzielen könnten, FORIS über den Abgriff oder die Verschlüsselung von Daten zu schaden und/oder zu bestimmten Handlungen, insbesondere Lösegeldzahlungen zu nötigen. Dem Risiko der Ausfallsicherheit begegnen wir mit dem Einsatz von virtualisierten Servern und redundanter Hardware, die in externen, ausfall- sicheren Rechenzentren betrieben werden. Ein Firewall-Konzept, regelmäßige Back-Ups sowie Überprüfungen durch Experten runden das Konzept ab. Eine entsprechende Versicherungspolice deckt informationstechnische Risiken zusätzlich ab. Sonstige bereichsübergreifende Risiken Diesbezüglich verweisen wir auf die finanzwirtschaftlichen Risiken, auf die wir im nachstehenden Absatz eingehen. II.3 Management und Darstellung der finanzwirtschaftlichen Risiken Das Management der finanzwirtschaftlichen Risiken von FORIS umfasst neben dem Kapitalstruktur- und Kredit- risikomanagement auch das Management von Liquiditäts- und Marktpreisrisiken. Kapitalstrukturmanagement Das wesentliche Kapitalstrukturrisiko besteht in erster Linie in den Kosten der Fremdkapitalaufnahme, die zudem im Fall allgemeiner Zinssteigerungen und/oder einer ungünstigeren, bonitätsverschlechternden Kapital- struktur ansteigen und somit das Ergebnis stärker belasten könnten. Dies gilt insbesondere, wenn das Eigen- kapital unter einen kreditvertraglich vereinbarten Wert fallen sollte (sog. Covenants). Zudem betreibt FORIS mit der Prozessfinanzierung einen Geschäftsbereich, der einerseits von einer Langfristigkeit über mehrere Geschäftsjahre hinaus geprägt ist und andererseits Ertragsschwankungen unterliegt. Daher liegt der Fokus des Kapitalstrukturmanagements von FORIS auf der Sicherstellung einer überdurchschnittlichen, angemessenen Eigenkapitalausstattung und -quote. Die Entwicklung und Einhaltung beider Parameter werden kontinuierlich überwacht und halbjährlich berichtet. Kreditrisikomanagement Als Kreditrisiko oder Ausfallrisiko wird das Risiko bezeichnet, das sich aufgrund der Nichterfüllung von Zah- lungspflichten ergibt und zu entsprechenden finanziellen Verlusten führt. Das überwiegende Kreditrisiko von FORIS ergibt sich aus Gläubigerpositionen gegenüber Kunden und Finanzinstituten. Hinsichtlich der Quantifizie- rung des maximalen Kreditrisikos verweisen wir auf unsere Ausführungen im Konzernanhang unter C.III.4. Der überwiegende Teil der Kundenforderungen ergibt sich aus den Bereichen Prozessfinanzierung und GO AHEAD. Insoweit verweisen wir auf die entsprechenden Ausführungen unter B.4.II.1 und B.4.II.2. Bei Entscheidungen über die Zusammenarbeit mit einzelnen Finanzinstituten wird auf die Bonität beziehungsweise das Rating der jeweiligen Institute geachtet. 32 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 42 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT Liquiditätsmanagement Das Liquiditätsrisiko besteht darin, dass FORIS zu irgendeinem Zeitpunkt nicht in der Lage sein könnte, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Hinsichtlich der quantitativen Angaben zu den Liquiditätsrisiken verweisen wir auf den Konzernanhang unter C.III.4. Die Steuerung und Beobachtung des Zahlungsmittelbedarfs unter Berücksichtigung der bestehenden Kreditlinien erfolgt täglich zentral im Finanzbereich. Basierend auf der geschäftlichen Entwicklung und der Planung erfolgt monatlich eine rollierende Vorausschau über die Entwick- lung der Zahlungsmittel und des Zahlungsmittelbedarfs. Marktpreisrisikomanagement Durch das Geschäftsmodell sind Wechselkurs- und Zinsänderungsrisiken sowie sonstige Preisrisiken für FORIS nur von untergeordneter Bedeutung. Aufgrund der Gesamtgröße des Konzerns werden sie einzeln im Finanz- bereich beobachtet und gesteuert. Hinsichtlich der quantitativen Angaben zu den Marktpreisrisiken verweisen wir auf den Konzernanhang unter C.III.4. Inflationsrisiko Bei der Prozessfinanzierung wird durch die Anpassung des gesetzlichen Basiszinssatzes unter der Annahme einer gleichlaufenden Entwicklung von Inflationsrate und Basiszins das Inflationsrisiko deutlich gedämpft. Allerdings bietet dieser Zusammenhang wie bei den anderen Geschäftsbereichen keinen Schutz vor einer stark überdurchschnittlichen Inflation oder einem deutlichen Auseinanderfallen von Inflationsrate und Basiszins. II.4 Gesamtaussage zu den Chancen und Risiken Das unternehmerische Handeln von FORIS beruht auf einer kontinuierlichen Bewertung und Abwägung von Chancen und Risiken. Die systematische Analyse von möglichen Chancen und Risiken ist Teil des fortlaufenden Strategie- und Planungsprozesses bei FORIS. Unter Berücksichtigung der aktuellen strategischen Ausrichtung hat sich unsere Chancen- und Risikosituation im Vergleich zum Vorjahr insgesamt nicht wesentlich verändert. Die geschäftsimmanenten Ergebnisschwankungen sind aufgrund der deutlich über dem Durchschnitt liegen- den Eigenkapitalquote zu verkraften. Die zwischenzeitliche Erhöhung der Aufnahme von Fremdkapital, das zur Finanzierung unseres Wachstumskurses erforderlich ist, zieht entsprechende Zinszahlungen nach sich. Diese wirken sich ergebnismindernd aus. Rückflüsse aus entscheidungsreifen Verfahren lassen jedoch eine zukünfti- ge Reduzierung der Fremdkapitalaufnahme erwarten. Von den steigenden Fremdkapitalkosten abgesehen, erwarten wir unmittelbare Auswirkungen der geopoliti- schen und konjunkturellen Gesamtlage nur im Geschäftsbereich der Vorratsgesellschaften, wo wir jedoch im Rahmen des Möglichen gegensteuern werden. Auswirkungen auf die Geschäftsbereiche Prozessfinanzierung, GO AHEAD oder Vermögensverwaltung erwarten wir nicht. Die Auswirkungen des BREXIT, die den Geschäfts- bereich GO AHEAD betreffen, sind wie bereits in den Vorjahren in der Planung berücksichtigt. Unmittelbare Auswirkungen eines Wiederaufflammens der Pandemie, wie wir sie vor allem in den Geschäftsjahren 2020 und 2021 erlebt haben, können wir für die Zukunft nicht gänzlich ausschließen, gleichwohl erwarten wir solche aktuell nicht. Nach Einschätzung des Vorstands sind derzeit keine Risiken absehbar, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit den Fortbestand des Konzerns gefährden. Aus unserer Sicht bestehen mit Blick auf unsere strategische Ausrichtung und den fortschreitenden Ausbau der Prozessfinanzierung erhebliche Chancen, auch wenn aufgrund der über- ragenden Bedeutung der Prozessfinanzierung für das Konzernergebnis und die in diesem Bereich weiter oben erläuterte Planungsunsicherheit für den Konzern insgesamt nur eine mit erheblichen Unsicherheiten verbunde- ne Umsatz- und Ergebnisprognose für 2024 möglich ist. 33 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 43 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT Das interne Kontroll- und Risikomanagementsystem (IKS) in Bezug auf die Konzernrechnungslegung der FORIS AG ist darauf ausgelegt, Wirksamkeit, Wirtschaftlichkeit und Ordnungsmäßigkeit der Konzernrechnungslegung sowie die Einhaltung aller relevanten rechtlichen Normen im Konzern sicherzustellen. Wesentliches Ziel ist die Aufstellung eines Konzernabschlusses der FORIS AG nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) – wie sie in der Europäischen Union anzuwenden sind – und den ergänzenden handelsrechtlichen Vor- schriften entsprechend § 315e Abs. 1 HGB. Darüber hinaus verfolgt FORIS das Ziel, ihren Jahresabschluss nach den handelsrechtlichen Vorschriften aufzustellen. Der Vorstand der FORIS AG ist für die Implementierung, die Ausgestaltung und den Umfang des IKS verantwort- lich. Dem Aufsichtsrat der FORIS AG obliegt gemäß § 107 Abs. 3 Satz 2 AktG die Überwachung der Wirksamkeit des IKS. Eine interne Revision existiert nicht. Das gesamte IKS von FORIS ist nicht nur auf die Konzernrech- nungslegung beschränkt, sondern umfasst alle wesentlichen Geschäftsprozesse. Insoweit verweisen wir auf unsere Ausführungen oben unter B.5. Es umfasst die Gesamtheit aller Grundsätze, Verfahren und Maßnahmen (Regelungen), die der Erreichung der zuvor genannten Ziele dienen. Die Steuerung der Konzernrechnungs- legungsprozesse obliegt dem Bereich Finanzen und Controlling. Hier werden auch die relevanten rechtlichen Normen mit Bezug auf die Konzernrechnungslegung regelmäßig hinsichtlich ihrer Auswirkungen analysiert. Das IKS umfasst zur Konzernrechnungslegung sowohl präventive als auch anlassbezogene Kontrollen. Die Aus- gestaltung des IKS und der Kontrollen der FORIS AG basieren auf den folgenden Grundprinzipien: Das Trans- parenzprinzip besagt, dass auch unabhängige Dritte beurteilen können müssen, ob die beteiligten Personen sich an das etablierte Sollkonzept halten und danach handeln. Mit dem Vier-Augen-Prinzip soll sichergestellt werden, dass kein wesentlicher Vorgang ohne weitere Kontrolle bleibt. Das Vier-Augen-Prinzip der Funk- tionstrennung besagt im Wesentlichen, dass vollziehende, verbuchende und verwaltende Tätigkeiten eines Unternehmensprozesses nicht in einer Hand vereinigt sein sollen. Das Prinzip der Mindestinformation soll sicherstellen, dass für die handelnden Personen innerhalb eines Prozesses nur diejenigen Informationen ver- fügbar sein sollen, die sie für die Ausführung ihrer Tätigkeit benötigen. Dies schließt auch die entsprechenden Sicherungsmaßnahmen bei IT-Systemen mit ein. Die operative Durchführung der Prozesse im Rechnungswe- sen erfolgt überwiegend im eigenen Haus, mit Ausnahme der ausgelagerten Personalbuchhaltung. Als Buch- haltungssystem ist das Buchhaltungssystem „SelectLine“ der SelectLine Software GmbH im Einsatz, auf dessen Basis der Jahresabschluss 2023 erstellt wurde. Der Zugang zum Buchhaltungssystem wurde und wird durch spezielle Sicherheitseinrichtungen nur einem eingeschränkten Personenkreis ermöglicht. Dasselbe gilt auch für die zusätzlich zu erstellenden Dateien im Rahmen der Erstellung des Konzernabschlusses und des Konzernlage- berichtes. Unabhängig von der Ausgestaltung eines IKS lässt sich aus einer wirksamen Implementierung eines solchen Systems nicht die absolute Sicherheit der Vermeidung oder Aufdeckung wesentlicher Falschaussagen in der Konzernrechnungslegung ableiten. 5. Internes Kontroll- und Risikomanagement system in Bezug auf die Konzernrechnungslegung 34 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 44 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT Der FORIS Konzern ist im Rahmen seiner Geschäftstätigkeit verschiedenen Risiken in Form von Zinsänderungs-, Ausfall- und Liquiditätsrisiken ausgesetzt und begegnet diesen mit einem aktiven Treasury Management. De- rivative Finanzinstrumente kommen im FORIS Konzern derzeit nicht zum Einsatz. Zinsrisiken Als Zinsrisiko versteht man das Risiko, dass der Zeitwert oder zukünftige Zahlungsströme eines Finanzinstru- ments aufgrund von Änderungen des Marktzinssatzes schwanken. Zinsrisiken bestehen bei FORIS derzeit im Wesentlichen nur bei den Finanzverbindlichkeiten in Form des Darlehenszinses für die Inanspruchnahme von Kreditlinien durch die Hausbank. Diese werden aufgrund der kurzen Restlaufzeit mit dem Buchwert bewertet. Das Zinsrisiko spielt für den FORIS Konzern aufgrund des derzeitigen Volumens, trotz gestiegener Zinskosten, für das Gesamtergebnis des Konzerns eine nur untergeordnete Rolle. Ausfallrisiken Der Konzern unterliegt im Rahmen von Finanzierungstätigkeiten und im operativen Bereich Ausfallrisiken. Das maximale Ausfallrisiko respektive Kreditrisiko ist durch den in der Bilanz ausgewiesenen Buchwert eines jeden finanziellen Vermögenswerts ersichtlich. Bei Forderungen aus Lieferungen und Leistungen werden Wertberichtigungen auf Basis der in Einzelfällen be- kannten Ausfallrisiken beziehungsweise pauschalisiert für die einzelnen Forderungen aufgrund von Erfahrungs- werten gebildet. Ausfallrisiken manifestieren sich in der Regel durch Zahlungsschwierigkeiten, wahrscheinliche Insolvenz oder Nichterfüllung. Soweit im Einzelfall etwa Vollstreckungsmaßnahmen im Bereich der Prozess- finanzierung erforderlich sind, kann der Zufluss auch erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Wertberich- tigungen für Forderungen aus Lieferungen und Leistungen werden immer in Höhe des über die Laufzeit zu erwartenden Kreditverlusts bewertet. Aufgrund der historischen Betrachtung der Ausfälle wird angenommen, dass das Ausfallrisiko eines finanziellen Vermögenswertes nicht signifikant angestiegen ist, wenn er mehr als 30 Tage überfällig ist. Die erwarteten Kreditverluste werden immer über die gesamte Laufzeit der Finanzinstrumente ermittelt. Die Wertminderungen werden aufgrund der historischen und derzeit erwarteten Ausfallquoten als niedriges Risiko betrachtet. Mithilfe eines aktiven Forderungsmanagements, insbesondere durch die Beauftragung von Inkasso- unternehmen, wird Forderungsrisiken entgegengesteuert. Potenzielle Ausfallrisiken im Zusammenhang mit der Anlage unserer liquiden Mittel, dem sog. Kontrahentenrisiko, werden dadurch begrenzt, dass Anlagen nur bei sicheren Kontrahenten, Banken und Sparkassen mit Sitz in Deutschland erfolgen. Liquiditätsrisiken Als Liquiditätsrisiko wird das Risiko verstanden, dass ein Unternehmen Schwierigkeiten bei der Erfüllung seiner sich aus den finanziellen Verbindlichkeiten ergebenden Verpflichtungen hat. Aufgrund des hohen Bestands an Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläquivalenten zum Stichtag ist der FORIS Konzern derzeit keinem Liquidi- tätsrisiko ausgesetzt. Um die Zahlungsfähigkeit und finanzielle Flexibilität jederzeit sicherzustellen, werden Reserven in Form von Kreditlinien bei der Hausbank vorgehalten. 6. Risikoberichterstattung über die Verwendung von Finanzinstrumenten 35 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 45 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT Hinsichtlich der Zusammensetzung des gezeichneten Kapitals verweisen wir auf die Angaben im Konzern- anhang unter C.II.2.13. Dem Vorstand sind keine Beschränkungen bekannt, die die Stimmrechte und die Über- tragung von Aktien betreffen. Auch sind dem Vorstand keine Inhaber von Aktien mit Sonderrechten bekannt, die besondere Kontrollbefugnisse verleihen. Bezüglich direkter oder indirekter Beteiligungen am Kapital des Unternehmens wird auf die Angaben im Konzernanhang (siehe dort Abschnitt C.III.12) verwiesen. Die Satzung der FORIS AG enthält keine Ergänzungen oder Vorschriften hinsichtlich der Ernennung und Abberufung von Mitgliedern des Vorstands, die über die gesetzlichen Vorschriften hinausgehen. Eine Änderung der Satzung kann nur mit einer Mehrheit von 80 % des bei der Beschlussfassung vertretenen Grundkapitals erfolgen. Das betrifft auch Änderungen des Unternehmensgegenstandes. Gemäß Satzung der FORIS AG sind Vorstand und Aufsichtsrat ermächtigt, bis zu 90 % des Jahresüberschusses in andere Gewinnrücklagen einzustellen. Zudem bedarf laut Satzung der FORIS AG die Veräußerung von Immobilien eines Hauptversammlungsbeschlusses, der mit einer Mehrheit von 80 % des bei der Beschlussfassung vertretenen Kapitals gefasst werden muss. Die Belastung von Immobilien zu anderen Zwecken als zur Sicherung des operativen Geschäftsbetriebes ist gemäß Satzung der FORIS AG nicht zulässig. Das Grundkapital der FORIS AG hat nach der Einziehung der eigenen Ak- tien und der am 30. Juni 2017 im Handelsregister eingetragenen Kapitalherabsetzung zum 31. Dezember 2023 insgesamt 4.634.774,00 EUR (31. Dezember 2022: 4.656.933,00 EUR) betragen. Es ist eingeteilt in 4.634.774 (31. Dezember 2022: 4.656.933) auf den Inhaber lautende Stückaktien mit einem auf die einzelne Aktie ent- fallenden anteiligen Betrag des Grundkapitals von 1,00 EUR. Mit Beschluss der Hauptversammlung vom 01. Juni 2022 wurde der Vorstand der FORIS AG bis zum 13. Mai 2027 ermächtigt, eigene Aktien der Gesellschaft im Umfang von bis zu 10 % des zum Zeitpunkt der Beschlussfassung bestehenden Grundkapitals zu erwerben. Die FORIS AG hat mit ihren Tochtergesellschaften keine Vereinbarungen getroffen, die bei einem Kontrollwech- sel im Falle eines Übernahmeangebotes wirksam werden, sich ändern oder enden. Es wurden keine Entschä- digungsvereinbarungen der FORIS AG mit den Mitgliedern des Vorstands oder den Arbeitnehmern für den Fall eines Übernahmeangebotes getroffen. 7. Übernahmerelevante Angaben 36 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 46 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT Ergänzend zur vorangegangenen Berichterstattung über den FORIS-Konzern erläutern wir im Folgenden die Entwicklung des Jahresabschlusses der FORIS AG. Hinsichtlich der Einbindung in den FORIS-Konzern und die Geschäftstätigkeit der FORIS AG verweisen wir auf unsere Ausführungen unter 1. Der Jahresabschluss der FORIS AG wird nach deutschen handelsrechtlichen Rechnungslegungsgrundsätzen auf- gestellt, während der Konzernabschluss nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) aufgestellt wird. I. Finanzielle und nicht-finanzielle Leistungsindikatoren der FORIS AG Die für die FORIS AG wesentlichen finanziellen und nicht-finanziellen Leistungsindikatoren stimmen mit denen unter B.1.II beschriebenen Leistungsindikatoren für die Prozessfinanzierung überein. Darüber hinaus sind die Gewinne und Verluste aus der Ergebnisabführung mit der FORATIS AG, der GO AHEAD GmbH sowie der FORIS Vermögensverwaltungs AG wesentliche finanzielle Leistungsindikatoren. II. Geschäftsverlauf der FORIS AG Die Ausführungen zum Geschäftsverlauf des Konzerns unter B.2.II gelten zum überwiegenden Teil auch für die FORIS AG. Die Ergebnisse der FORATIS AG, der GO AHEAD GmbH sowie der FORIS Vermögensverwaltungs AG fließen über die Ergebnisabführung in das Periodenergebnis der FORIS AG ein. Die Eigenkapitalquote der Mutter- gesellschaft FORIS AG entwickelte sich wie folgt: 8. Ergänzende Informationen zur FORIS AG 2023 2022 2021 2020 2019 Durchschnitt Eigenkapitalquote 67,1 % 70,2 % 76,9 % 91,2 % 93,7 % 79,8 % 37 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 47 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT III.1 Ertragslage der FORIS AG III. Lage der FORIS AG 01.01. – 31.12.2023 01.01. – 31.12.2022 + / - TEUR TEUR TEUR Umsatzerlöse 6.728 3.886 2.841 Sonstige betriebliche Erträge 248 222 26 Betriebsleistung 6.976 4.109 2.867 Aufwendungen für bezogene Leistungen -2.249 -1.572 -677 Personalaufwand a) Löhne und Gehälter -2.266 -2.175 -91 b) Soziale Abgaben und Aufwendungen für Altersver- sorgung und Unterstützung -389 -357 -32 Abschreibungen -44 -33 -11 Sonstige betriebliche Aufwendungen -2.098 -1.162 -936 Betriebsaufwand -7.046 -5.299 -1.747 Betriebsergebnis -70 -1.190 1.120 Zinserträge 371 352 19 Zinsaufwendungen -376 -125 -251 Abschreibungen auf Finanz - anlagen und Wertpapiere des Umlauf vermögens 0 -66 66 Ergebnisabführungen 934 1.179 -245 Finanzergebnis 929 1.340 -411 Jahresüberschuss 859 149 709 Gewinn-/Verlustvortrag aus Vorjahr -3.015 -3.165 150 Bilanzverlust/Bilanzgewinn -2.156 -3.016 859 38 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 48 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT Die Umsatzerlöse der FORIS AG enthalten die Umsätze aus dem Geschäftsbereich Prozessfinanzierung, so dass wir hinsichtlich der Entwicklung auf unsere Ausführungen unter B.2.II.2 und B.2.II.3 sowie B.4.I.2 und B.4.I.3 verweisen. Gleiches gilt für die korrespondierenden bezogenen Aufwendungen. Darüber hinaus enthalten die Umsätze Kostenweiterbelastungen im Konzern. Da sämtliche Mitarbeiter bei der FORIS AG angestellt sind, stellt diese ihren Tochtergesellschaften die für deren Geschäftsbetrieb anfallenden Personalkosten in Rechnung. Hinsichtlich des Rückgangs der sonstigen betrieblichen Aufwendungen gelten die Ausführungen unter B.2.III.1 Ertragslage im Wesentlichen auch für die FORIS AG. Die Zinserträge ergeben sich aus der Verzinsung der Forderungen gegen verbundene Unternehmen. Die Forderungen gegen verbundene Unternehmen resultieren im Wesentlichen aus Ergebnisabführungen, Verrech- nungen und Finanzierungssachverhalten. Im Zinsaufwand sind die Zinsaufwendungen aus Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen aus Verrechnungen enthalten, als auch Zinsen für Bankkredite. Mit Wirkung zum 01.07.2022 wurden neue Verträge zu den Intercompany-Konten abgeschlossen und in diesem Zu- sammenhang auch die Zinssätze den aktuellen Kapitalmarktentwicklungen angepasst. Der Zinsaufwand für die im Geschäftsjahr 2023 aufgenommenen Bankkredite beläuft sich auf 338 TEUR. III.2 Vermögens- und Finanzlage der FORIS AG 31.12.2023 31.12.2022 + / - TEUR % TEUR % TEUR % Gezeichnetes Kapital 4.635 20,9 4.635 23,2 0 0,0 Kapitalrücklage 11.845 53,5 11.845 59,4 0 0,0 Gewinnrücklagen 547 2,5 547 2,7 0 0,0 Bilanzverlust/-gewinn -2.156 -9,7 -3.016 -15,1 860 -28,5 Eigenkapital 14.871 67,1 14.011 70,2 860 6,1 Sonstige Rückstellungen 930 4,2 611 3,1 319 52,2 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 4.450 20,1 4.900 24,6 -450 -9,2 Sonstige kurzfristige Verbindlichkeiten 1.899 8,6 427 2,1 1.471 343,7 Kurzfristige Verbindlichkeiten 7.279 32,9 5.939 29,8 1.340 22,6 Bilanzsumme 22.150 100,0 19.950 100,0 2.200 11,0 III.2.1 Kapitalstruktur der FORIS AG 39 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 49 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT Im langfristig gebundenen Vermögen wirkt sich der Neubau der Dachterrasse in der als Finanzinvestition gehal- tenen Immobilie Kurt-Schuhmacher-Str. 22 mit einem Anstieg um 49 TEUR aus. Die erhöhten Investitionen in lau- fenden Prozessfinanzierungen führen zu einem Anstieg der Vorräte, die einen wesentlichen Teil des Anstiegs des kurzfristig gebundenen Vermögens ausmachen. Darüber hinaus steigen die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen infolge der Zunahme der erfolgreich abgerechneten Fälle von Prozessfinanzierungen. Der Rückgang der Forderungen gegen verbundene Unternehmen trägt dem gestiegenen Zinsniveau am Kapitalmarkt Rechnung, bei dem insbesondere liquide Mittel der FORIS Gründungs GmbH genutzt wurden, um Verbindlichkeiten zurück- zuführen. III.2.2 Vermögen der FORIS AG Mit einer Eigenkapitalquote von 67,1 % ist die FORIS AG im Hinblick auf die Eigenkapitalausstattung weiterhin solide aufgestellt. Die Verringerung der Eigenkapitalquote gegenüber dem Vorjahr ist auf die veränderte Kapi- talstruktur als Folge des Anstiegs der Verbindlichkeiten um 1.021 TEUR zurückzuführen, bei einer Erhöhung der Bilanzsumme um 2.200 TEUR. Die Rückstellungen beinhalten die erkennbaren Risiken für die FORIS AG zum Stichtag. 31.12.2023 31.12.2022 + / - TEUR % TEUR % TEUR % Immaterielle Vermögens- gegenstände 86 0,4 68 0,3 18 26,6 Sachanlagen 53 0,2 63 0,3 -10 -15,6 Finanzanlagen 570 2,6 520 2,6 50 9,6 Langfristig gebundenes Vermögen 709 3,2 651 3,3 58 8,9 Vorräte 9.667 43,6 8.290 41,6 1.377 16,6 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 4.031 18,2 1.807 9,1 2.224 123,1 Forderungen gegen verbundene Unternehmen 7.168 32,4 8.681 43,5 -1.513 -17,4 Sonstige Vermögensgegenstände/ Wertpapiere 144 0,7 133 0,6 11 8,3 Liquide Mittel 307 1,4 266 1,3 41 15,4 Rechnungsabgrenzungsposten 39 0,2 39 0,2 0 0,0 Kurzfristig gebundenes Vermögen 21.356 96,4 19.216 96,3 2.140 11,1 Aktive latente Steuern 84 0,4 84 0,4 0 0,0 Bilanzsumme 22.150 100,0 19.950 100,0 2.200 11,0 40 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT DER FORIS AG 50 Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2023 / ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT III.3 Gesamtaussage zur Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage der FORIS AG Die Ertragslage im Jahr 2023 zeigte sich zum Vorjahr deutlich verbessert. Die höheren Umsätze in der Prozess- finanzierung führten zu einem Periodenergebnis von 859 TEUR. Dies entspricht einer Verbesserung um 709 TEUR gegenüber dem Vorjahr. Bezüglich der Finanzlage ist die verringerte Aufnahme von Finanzverbindlichkeiten in Höhe von 4,45 Mio. EUR (Vorjahr: 4,9 Mio EUR) als wesentliche Veränderung der Kapitalstruktur zu nennen. Zugleich erhöhten sich die kurzfristigen Verbindlichkeiten um 1.340 TEUR, was zusammen mit einer Erhöhung des Eigenkapitals um 859 TEUR aus dem positiven Jahresergebnis 2023 eine Erhöhung der Bilanzsumme auf 22.150 TEUR nach sich zog. Unter Berücksichtigung der noch ungenutzten Konzernfinanzierungsmöglichkeiten verfügt die FORIS AG weiterhin über eine solide Finanz- und Vermögensstruktur. Die bestehenden Immobilien- sicherheiten der Tochtergesellschaft FORIS Vermögensverwaltungs AG gewährleisten die notwendige finanzielle Flexibilität für die weitere Entwicklung. Insbesondere unter Berücksichtigung des bislang nicht vollständig aus- genutzten Finanzierungspotenzials sind nach derzeitiger Kenntnis sämtliche eingegangenen Zahlungsverpflich- tungen jederzeit erfüllbar. IV. Prognose-, Chancen- und Risikobericht der FORIS AG Aufgrund der Verflechtungen der FORIS AG mit den Konzerngesellschaften und ihres Gewichts im Konzern verweisen wir hinsichtlich der Prognose auf unsere Ausführungen unter B.4.I dieses zusammengefassten Lage- berichtes, welche auch die Erwartungen für die FORIS AG widerspiegeln. Gemäß unseren internen Planungen gehen wir sowohl für das Geschäftsjahr 2024 als auch langfristig von einem deutlichen Zuwachs beim Um- satz, der Rohmarge und dem Jahresergebnis aus. Gleichwohl können erhebliche Abweichungen von unseren internen Planungen nicht ausgeschlossen werden, da das Ergebnis geschäftsmodellbedingt von vielen Faktoren abhängig ist, insbesondere von einer hohen Volatilität der Prozessfinanzierung sowie die Unwägbarkeit von Verfahrensdauern, die wir nicht beeinflussen können. Die Geschäftsentwicklung der FORIS AG unterliegt im Wesentlichen denselben Chancen und Risiken wie denen des FORIS-Konzerns, da aufgrund der Ergebnisabfüh- rungs- und Beherrschungsverträge mit den wesentlichen Tochtergesellschaften FORATIS AG, GO AHEAD GmbH und FORIS Vermögensverwaltungs AG die Chancen und Risiken dieser Gesellschaften direkten Einfluss auf die FORIS AG haben. Hinsichtlich der Chancen und Risiken verweisen wir daher auf unsere Ausführungen unter Punkt B.4 dieses zusammengefassten Lageberichtes. V. Erklärung zur Unternehmensführung nach § 289f und § 315d HGB Die Erklärung zur Unternehmensführung nach § 289f und § 315d HGB, die auch die Entsprechenserklärung gemäß § 161 AktG sowie der Vergütungsbericht gemäß § 162 AktG beinhalten, sind auf der Internetseite der Ge- sellschaft öffentlich zugänglich unter https://www.foris.com/aktionaere-investoren/corporategovernance veröffentlicht und den Aktionären dauerhaft zugänglich gemacht. 41 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / JAHRESABSCHLUSS – ANHANG Anlage 1: Bilanz zum 31. Dezember 2023 (Aktiva) 31.12.2023 EUR 31.12.2022 EUR A. ANLAGEVERMÖGEN I. Immaterielle Vermögensgegenstände Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten 85.989 68.278 II. Sachanlagen Andere Anlagen, Betriebs- und Geschäfts- ausstattung 52.897 62.680 III. Finanzanlagen Anteile an verbundenen Unternehmen 570.106 520.106 B. UMLAUFVERMÖGEN I. Vorräte Geleistete Anzahlungen auf Prozessfinanzierung 9.666.859 8.290.204 II. Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände 1. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 4.030.961 1.806.616 2. Forderungen gegen verbundene Unternehmen 7.168.402 8.680.811 3. Sonstige Vermögensgegenstände 143.710 132.677 III. Kassenbestand, Guthaben bei Kreditinstituten 307.280 265.706 C. RECHNUNGSABGRENZUNGSPOSTEN Rechnungsabgrenzungsposten 39.498 39.059 D. AKTIVE LATENTE STEUERN Aktive latente Steuern 84.406 84.406 SUMME AKTIVA 22.150.106 19.950.543 Jahresabschluss der FORIS AG B. 42 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / JAHRESABSCHLUSS – ANHANG Anlage 2: Bilanz zum 31. Dezember 2023 (Passiva) 31.12.2023 EUR 31.12.2022 EUR A. EIGENKAPITAL I. Gezeichnetes Kapital 4.634.774 4.634.774 II. Kapitalrücklage 11.845.165 11.845.165 III. Andere Gewinnrücklagen 547.357 547.357 IV. Bilanzverlust -2.156.180 -3.015.753 14.871.116 14.011.543 B. RÜCKSTELLUNGEN I. Sonstige Rückstellungen 929.802 611.083 C. VERBINDLICHKEITEN I. Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 4.450.000 4.900.000 II. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 239.669 96.333 III. Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen 1.467.813 172.161 IV. Sonstige Verbindlichkeiten davon aus Steuern: 155.604 EUR (Vorjahr: 149.706 EUR) davon im Rahmen sozialer Sicherheit: 14.729 EUR (Vorjahr: 5.543 EUR) 191.705 159.423 SUMME PASSIVA 22.150.106 19.950.543 43 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / JAHRESABSCHLUSS – ANHANG 01.01. – 31.12.2023 EUR 01.01. – 31.12.2022 EUR 1. Umsatzerlöse 6.728.377 3.886.580 2. Sonstige betriebliche Erträge 247.608 222.176 3. Aufwendungen für bezogene Leistungen -2.249.495 -1.571.686 4. Personalaufwand a) Löhne und Gehälter -2.265.680 -2.175.458 b) Soziale Abgaben und Aufwendungen für Altersversorgung und Unterstützung davon für Altersversorgung: 4.393 EUR (Vorjahr: 3.130 EUR) -388.646 -356.506 5. Abschreibungen auf immaterielle Vermögens- gegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen -44.068 -33.296 6. Sonstige betriebliche Aufwendungen -2.097.640 -1.161.966 7. Erträge aus Gewinnabführungsverträgen 933.564 1.178.776 8. Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge davon aus verbundenen Unternehmen: 369.694 EUR (Vorjahr: 352.379 EUR) 371.421 352.379 9. Abschreibungen auf Finanzanlagen 0 -66.000 10. Zinsen und ähnliche Aufwendungen davon an verbundene Unternehmen: 37.688 EUR (Vorjahr: 14.411 EUR) -375.712 -125.446 11. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag -157 0 12. Jahresüberschuss 859.573 149.552 13. Verlustvortrag aus dem Vorjahr -3.015.753 -3.165.306 14. Bilanzverlust -2.156.180 -3.015.753 Anlage 3: Gewinn- und Verlustrechnung für das Geschäftsjahr 2023 44 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / JAHRESABSCHLUSS – ANHANG Anlage 4: Anhang Sitz der Gesellschaft ist die Kurt-Schumacher-Straße 18-20 in 53113 Bonn, Deutschland. Die Gesellschaft wird in Form der Aktiengesellschaft nach deutschem Recht betrieben. Die FORIS AG ist im deutschen Handelsregister des Amtsgerichtes Bonn unter der Nummer HRB 13175 eingetragen. Sie ist Muttergesellschaft und gleichzeitig oberste Muttergesellschaft des FORIS Konzerns. Die Aktien der im General Standard gelisteten FORIS AG wer- den neben Frankfurt am Main auch an anderen deutschen Börsen gehandelt. Die FORIS AG ist eine kleine deutsche Aktiengesellschaft (§ 267 Abs. 1 HGB), die gemäß § 267 Abs. 3 Satz 2 HGB aufgrund ihrer Börsennotierung als große Kapitalgesellschaft gilt. Die Erstellung des Jahresabschlusses und die Führung der Bücher erfolgen unter Beachtung der handelsrechtlichen und aktienrechtlichen Vorschriften. Der Jahresabschluss ist in EURO aufgestellt. Bei der Angabe in Einheiten von je 1.000 (TEUR) ist er gerundet nach kaufmännischer Rechnungsmethode dargestellt. Wir weisen darauf hin, dass bei der Verwendung von gerundeten Beträgen und Prozentangaben Rundungsdifferenzen auftreten können. Die Gewinn- und Verlustrechnung folgt dem Gesamtkostenverfahren nach § 275 Abs. 2 HGB. Der Lagebericht der FORIS AG und der Konzernlagebericht sind nach § 315 Abs. 3 in Verbindung mit § 298 Abs. 3 HGB zusammengefasst und im Geschäftsbericht 2023 veröffentlicht. Die Veröffentlichung des Jahresabschlusses und des Konzernabschlusses der FORIS AG erfolgt im Bundesanzeiger sowie auf der Internetseite der FORIS AG unter https://www.foris.com/aktionaere-investoren/unternehmenskalender-finanzberichte/ I. Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden Die wesentlichen Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, die bei der Erstellung des vorliegenden Einzelab- schlusses angewendet wurden, sind im Folgenden dargestellt. Die beschriebenen Methoden wurden stetig auf die dargestellten Berichtsperioden angewendet, sofern nichts anderes angegeben ist. I.1 Umsatzrealisierung Die FORIS AG realisiert Umsatzerlöse grundsätzlich dann, wenn der Kunde die wirtschaftliche Verfügungs- macht über das gelieferte Gut erlangt hat oder die Dienstleistung erbracht wurde. Erlösschmälerungen werden hiervon abgezogen und getrennt erfasst. Zu dem jeweiligen Stichtag erfolgt eine Berücksichtigung nach dem Verhältnis der zu erbringenden Leistung zur Gesamtleistung. Abweichend hiervon werden im Bereich Prozessfinanzierung Umsatzerlöse dann realisiert, wenn ein Urteil rechtskräftig geworden ist, ein (Teil-)Vergleich geschlossen wird, eine anerkenntnisgleiche Zahlung erfolgt oder wenn nach Obsiegen in zweiter Instanz die Revision nicht zugelassen wurde. I.2 Fremdkapitalkosten Fremdkapitalkosten werden im Zeitpunkt ihres Anfalls aufwandswirksam erfasst. 45 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / JAHRESABSCHLUSS – ANHANG I.3 Fremdwährungsumrechnung Geschäftsvorfälle in fremder Währung während des Geschäftsjahres werden zum entsprechenden Fremd- währungskurs zum Zeitpunkt des Geschäftsvorfalles umgerechnet. Forderungen und Verbindlichkeiten in Fremdwährung, deren Restlaufzeit nicht mehr als ein Jahr beträgt, werden mit dem Devisenkassamittelkurs am Bilanzstichtag bewertet. Alle übrigen Fremdwährungsforderungen und -verbindlichkeiten werden mit ihrem Umrechnungskurs bei Entstehung oder dem niedrigeren Zeitwert (Forderungen) bzw. dem höheren Zeitwert (Verbindlichkeiten) am Bilanzstichtag bewertet. Forderungen oder Verbindlichkeiten in Fremdwährung bestanden zum Bilanzstichtag nicht. I.4 Immaterielle Vermögensgegenstände und Sachanlagen Entgeltlich erworbene immaterielle Vermögensgegenstände mit bestimmter Nutzungsdauer werden zu An- schaffungskosten, vermindert um planmäßige Abschreibungen über die jeweilige Nutzungsdauer (fortgeführte Anschaffungskosten), bewertet. Die unterstellte Nutzungsdauer beträgt bei den immateriellen Vermögens- gegenständen zwischen zwei und vier Jahren. Sämtliche Sachanlagen werden zu ihren Anschaffungskosten, vermindert um planmäßige Abschreibungen über die voraussichtliche wirtschaftliche Nutzungsdauer (fortgeführte Anschaffungskosten), bewertet. Die Anschaf- fungskosten beinhalten sämtliche dem Erwerb zurechenbaren Aufwendungen. Planmäßige Abschreibungen bei den Sachanlagen wurden wie folgt vorgenommen: Anlagegegenstände Abschreibungsmethode Nutzungsdauer in Jahren Büroeinrichtungen linear 10–12 EDV Hardware linear 3–5 Einbauten in fremde Gebäude linear 10 Die Abschreibung erfolgt nach der linearen Methode. Von der Möglichkeit der Sofortabschreibung geringwerti- ger Vermögensgegenstände bis 800,- EUR wird entsprechend der steuerlichen Vorschriften Gebrauch gemacht. Für Zwecke der Darstellung im Anlagengitter wird ein fiktiver Vollabgang unterstellt. I.5 Finanzanlagen Die Finanzanlagen sind zu Anschaffungskosten bzw. dem niedrigeren beizulegenden Wert angesetzt. I.6 Vorräte (Geleistete Anzahlungen auf Prozessfinanzierung) Unter dieser Position werden die mit den Prozessfinanzierungsverträgen erworbenen Rechte und eingegange- nen Pflichten bilanziert. Diese werden bei Zugang mit den Anschaffungskosten bewertet. Anschaffungskosten sind die direkt zurechenbaren Kosten, insbesondere die Anwalts- und Gerichtskosten und etwaige Kosten für Gutachter. Wertberichtigungen erfolgen dann, wenn die erfolgreiche Durchsetzung des jeweiligen rechtlichen 46 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / JAHRESABSCHLUSS – ANHANG Anspruches nicht mehr mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gegeben ist und die fortgeführten Anschaffungs- kosten unterschritten werden. I.7 Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände werden mit dem Nennwert oder dem niedrigeren beizule- genden Wert angesetzt. Davon in Abzug gebracht werden Einzelwertberichtigungen, die entweder auf Basis der in Einzelfällen bekannten Ausfallrisiken bzw. pauschal aufgrund von Erfahrungswerten gebildet werden. Ausfall- risiken manifestieren sich in der Regel durch Zahlungsschwierigkeiten, wahrscheinliche Insolvenz oder Nicht- erfüllung. Soweit im Einzelfall etwa Vollstreckungsmaßnahmen im Bereich der Prozessfinanzierung erforderlich sind, kann der Zufluss auch erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. I.8 Kassenbestand, Guthaben bei Kreditinstituten Die Zahlungsmittel umfassen Bargeld sowie jederzeit verfügbare Guthaben bei Kreditinstituten und sind zum Nennwert bilanziert. I.9 Rechnungsabgrenzungsposten Es handelt sich um Vorauszahlungen, deren Gegenleistungen in zukünftigen Dienstleistungen bestehen. Die Bewertung erfolgt zum Nominalwert. I.10 Aktive latente Steuern Unter Anwendung des Wahlrechts nach § 274 Abs. 1 Satz 2 HGB werden aktive latente Steuern ausgewiesen. Da keine passiven latenten Steuern vorhanden sind, ist der Aktivbetrag zugleich ausschüttungsgesperrt nach Maß- gabe des § 268 Abs. 8 Satz 2 HGB. Die aktiven latenten Steuern umfassen zu erwartende Steuererstattungen bzw. zukünftige Ertragssteuermin- derungen aus der Nutzung von in Vorjahren entstandenen steuerlichen Verlustvorträgen. Die aktiven latenten Steuern werden mit den zukünftig gültigen Steuersätzen bewertet, wobei Steuersatzänderungen grundsätzlich erst zum Zeitpunkt des effektiven Inkrafttretens der Gesetzesänderung berücksichtigt werden. Der Berechnung liegt die vom Vorstand aufgestellte und vom Aufsichtsrat genehmigte Vierjahresplanung zugrunde, die für die Zwecke der Ermittlung der latenten Steuererstattungsansprüche um ein fünftes Jahr fortentwickelt wird. Wesentliche Annahmen, auf denen die Fortentwicklung beruht, sind Annahmen und Schätzungen zu Umsatz- entwicklung, Marktanteil, Wachstumsraten des Marktes, Entwicklung der Kosten sowie der Abschreibungen auf das Umlaufvermögen. Soweit die Realisierbarkeit von aktiven latenten Steuern in Zukunft nicht hinreichend wahrscheinlich erscheint, erfolgt kein Ansatz. I.11 Eigenkapital Ein Eigenkapitalinstrument ist ein Vertrag, der einen Residualanspruch an den Vermögenswerten eines Unter- nehmens nach Abzug aller dazugehörigen Schulden begründet. Eigenkapitalinstrumente werden zum erhaltenen 47 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / JAHRESABSCHLUSS – ANHANG Ausgabeerlös abzüglich direkt zurechenbarer Ausgabekosten erfasst. Ausgabekosten sind solche Kosten, die ohne die Ausgabe des Eigenkapitalinstruments nicht angefallen wären. Rückkäufe von eigenen Eigenkapitalinstrumenten werden unterhalb des Eigenkapitals in einem gesonderten Posten ausgewiesen. Weder Kauf noch Verkauf, Ausgabe oder Einziehung von eigenen Eigenkapitalinstrumen- ten werden im Gewinn oder Verlust erfasst. Von einem Konzernunternehmen emittierte Fremd- und Eigenkapitalinstrumente werden entsprechend dem wirtschaftlichen Gehalt der Vertragsvereinbarung und den Definitionen als finanzielle Verbindlichkeiten oder Eigenkapital klassifiziert. Als gezeichnetes Kapital werden die Stammaktien der FORIS AG klassifiziert. Die im Rahmen des Aktienrückkaufs 2013, 2015, 2017 und 2019 erworbenen Anteile wurden eingezogen und die entsprechenden Satzungsänderungen im Handelsregister eingetragen. I.12 Rückstellungen Die Rückstellungen werden in Höhe des nach kaufmännischer Beurteilung notwendigen Erfüllungsbetrags an- gesetzt. Sie wurden bei einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr mit dem ihrer Restlaufzeit entsprechenden, durchschnittlichen Marktzinssatz der vergangenen sieben Geschäftsjahre abgezinst. I.13 Verbindlichkeiten Verbindlichkeiten werden mit dem Erfüllungsbetrag angesetzt. II. Erläuterungen zur Gewinn- und Verlustrechnung sowie zur Bilanz II.1 Erläuterung zur Gewinn- und Verlustrechnung II.1.1 Umsatzerlöse 01.01.-31.12.2023 EUR 01.01.-31.12.2022 EUR Prozessfinanzierung 5.442.399,46 3.136.572,84 Kostenweiterbelastungen im Konzern 761.227,40 750.007,54 Verhandlungsbegleitung 524.750,57 0,00 Summe 6.728.377,43 3.886.580,38 Die Umsatzerlöse werden im Wesentlichen im Inland erzielt. Wesentlicher Bestandteil der Kostenweiterbelas- tungen sind Weiterberechnungen von Personalkosten und allgemeine Kosten der IT-Infrastruktur. Da sämtliche Mitarbeiter bei der FORIS AG angestellt sind, stellt diese ihren Tochtergesellschaften die für deren Geschäftsbe- trieb anfallenden Personalkosten in Rechnung. 48 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / JAHRESABSCHLUSS – ANHANG II.1.2 Sonstige betriebliche Erträge 01.01.-31.12.2023 EUR 01.01.-31.12.2022 EUR Periodenfremd 177.459,70 180.750,44 Sonstige 70.148,31 47.925,26 Summe 247.608,01 228.675,70 Die periodenfremden Erträge enthalten im Wesentlichen die Auflösung von Rückstellungen und Wertberichti- gungen. II.1.3 Aufwendungen für bezogene Leistungen 01.01.-31.12.2023 EUR 01.01.-31.12.2022 EUR Prozessfinanzierung 2.249.494,57 1.571.685,74 Summe 2.249.494,57 1.571.685,74 II.1.4 Personalaufwand Die Löhne und Gehälter enthalten zum überwiegenden Teil Gehälter. In den sozialen Abgaben sind die Arbeit- geberanteile der Renten-, Arbeitslosen-, Pflege- und Krankenversicherungsbeiträge enthalten. II.1.5 Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände und Sachanlagen 01.01.-31.12.2023 EUR 01.01.-31.12.2022 EUR Immaterielle Vermögensgegenstände 12.503,76 8.125,59 Sachanlagen 31.564,61 25.170,13 Summe 44.068,37 33.295,72 49 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / JAHRESABSCHLUSS – ANHANG II.1.6 Sonstige betriebliche Aufwendungen Bei den Sonstigen betrieblichen Aufwendungen ist im Geschäftsjahr 2023 ein Anstieg der Forderungsaus- buchungen und Wertberichtigungen von 5 TEUR auf 776 TEUR bemerkenswert. Zum einen musste bei einem Verfahren eine von einem Gericht vorgeschlagenen Kürzung des bereits erstrittenen und eingebuchten Forde- rungsbetrag um 261 TEUR akzeptiert werden. Zum anderen hat die FORIS AG bei einem OLG-Urteil, dass nicht zur Revision zugelassen wurden, die eingebuchten Forderung aus Vorsichtsgründen mit einer zehnprozentigen Wertberichtigung versehen. Sobald die Nichtzulassungsbeschwerde vom BFH zurückgewiesen wird, kann diese Einzelwertberichtigung aufgelöst werden. 01.01.-31.12.2023 EUR 01.01.-31.12.2022 EUR Raumkosten 250.387,32 250.530,97 EDV und Telefonkosten 284.355,82 166.793,82 Werbe- und Bewirtungskosten 151.444,21 163.041,78 Buchführung, Jahresabschlussprüfung und Steuerberatung 141.912,82 117.382,57 Aufsichtsratsvergütung 105.000,00 105.000,00 Rechts- und Beratungskosten 93.448,14 102.458,05 Börsenkosten inklusive Hauptversammlung 68.328,58 95.032,07 Beiträge und Versicherungen 47.563,63 45.135,67 Bücher, Zeitschriften und Fortbildung 37.087,25 30.899,53 Personalwerbung 74.858,69 29.890,11 Übrige 23.508,14 28.489,09 Reisekosten 19.649,00 20.360,94 Wertberichtigungen 776.296,37 5.116,58 Nicht abzugsfähige Betriebsausgaben 0,00 1.834,56 periodenfremde Aufwendungen 23.800,00 0,00 Summe 2.097.639,97 1.161.965,74 II.1.7 Erträge aus Gewinnabführungsverträgen 01.01.-31.12.2023 EUR 01.01.-31.12.2022 EUR GO AHEAD GmbH 233.078,60 309.637,81 FORATIS AG 488.009,57 619.283,21 FORIS Vermögensverwaltungs AG 212.475,85 249.854,68 Summe 933.564,02 1.178.775,70 50 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / JAHRESABSCHLUSS – ANHANG II.1.8 Zinserträge und ähnliche Erträge 01.01.-31.12.2023 EUR 01.01.-31.12.2022 EUR Interne Zinserträge aus Verrechnung 369.693,99 352.378,90 Zinsen Prozessfinanzierung 1.132,47 0,00 Übrige Zinsen und ähnliche Erträge 594,74 0,00 Summe 371.421,20 352.378,90 Die internen Zinserträge ergeben sich aus der Verzinsung von Forderungen gegen verbundene Unternehmen. II.1.9 Zinsaufwendungen und ähnliche Aufwendungen 01.01.-31.12.2023 EUR 01.01.-31.12.2022 EUR Zinsaufwendungen aus Finanzverbindlichkeiten 338.023,61 111.035,58 Interne Zinsaufwendungen aus Verrechnung 37.687,99 14.410,65 Summe 375.711,60 125.446,23 Die internen Zinserträge ergeben sich aus der Verzinsung von Verbindlichkeiten gegenüber verbundene Unter- nehmen. II.1.10 Abschreibungen auf Finanzanlagen und Wertpapiere des Umlaufvermögens 01.01.-31.12.2023 EUR 01.01.-31.12.2022 EUR Finanzanlagen 0,00 66.000,00 Summe 0,00 66.000,00 Im Geschäftsjahr 2023 erfolgte wie auch in den Vorjahren ein Impairment-Test für den Geschäftswert der GO AHEAD. Hierbei wurde für 2023 kein Wertberichtigungsbedarf ermittelt. Im Vorjahr hatte sich der Buch - wert der Beteiligung von 186.000 EUR auf 120.000 EUR vermindert. II.1.11 Steuern vom Einkommen und Ertrag In den Geschäftsjahr 2022 und 2023 sind aufgrund der Verlustvorträge keine Steuern vom Einkommen und Ertrag angefallen. 01.01.-31.12.2023 EUR 01.01.-31.12.2022 EUR Kapitalertragssteuer -148,69 0,00 Körperschaftsteuer -8,17 0,00 Summe -156,86 0,00 51 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / JAHRESABSCHLUSS – ANHANG II.2 Erläuterung zur Bilanz II.2.1 Anlagevermögen Anlagengitter vom 1. Januar 2023 bis zum 31. Dezember 2023 Bezeichnung Anschaffungs- und Herstellungskosten 01.01.2023 EUR Zugang EUR Abgang EUR 31.12.2023 EUR IMMATERIELLE VERMÖGENSWERTE Konzessionen, gewerb- liche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten 390.299,50 30.214,30 0,00 420.513,80 SACHANLAGEN Andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung 505.267,52 21.781,61 0,00 527.049,13 FINANZANLAGEN Anteile an verbundenen Unternehmen 3.672.279,00 50.000,00 0,00 3.722.279,00 Summe 4.567.846,02 101.995,91 0,00 4.669.841,93 Bezeichnung Kumulierte Abschreibungen Buchwert 01.01.2023 EUR Zugang EUR Abgang EUR 31.12.2023 EUR 31.12.2023 EUR 31.12.2022 EUR IMMATERIELLE VERMÖGENSWERTE Konzessionen, gewerbliche Schutz- rechte und ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten 322.021,50 12.503,76 0,00 334.525,26 85.990,54 68.278,00 SACHANLAGEN Andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsaus stattung 442.588,52 31.564,61 0,00 474.153,13 52.896,00 62.680,00 FINANZANLAGEN Anteile an verbunde- nen Unternehmen 3.152.173,00 0,00 0,00 3.152.173,00 570.106,00 520.106,00 Summe 3.916.783,02 44.068,37 0,00 3.960.851,39 708.992,54 651.064,00 52 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / JAHRESABSCHLUSS – ANHANG Anlagengitter vom 1. Januar 2022 bis zum 31. Dezember 2022 Bezeichnung Anschaffungs- und Herstellungskosten 01.01.2022 EUR Zugang EUR Abgang EUR 31.12.2022 EUR IMMATERIELLE VERMÖGENSWERTE Konzessionen, gewerb- liche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten 319.042,91 71.256,59 0,00 390.299,50 SACHANLAGEN Andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung 466.214,39 39.053,13 0,00 505.267,52 FINANZANLAGEN Anteile an verbundenen Unternehmen 3.672.279,00 0,00 0,00 3.672.279,00 Summe 4.457.536,30 110.309,72 0,00 4.567.846,02 Bezeichnung Kumulierte Abschreibungen Buchwert 01.01.2022 EUR Zugang EUR Abgang EUR 31.12.2022 EUR 31.12.2022 EUR 31.12.2021 EUR IMMATERIELLE VERMÖGENSWERTE Konzessionen, gewerbliche Schutz- rechte und ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten 313.895,91 8.125,59 0,00 322.021,50 68.278,00 5.147,00 SACHANLAGEN Andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsaus stattung 417.418,39 25.170,13 0,00 442.588,52 62.679,00 48.796,00 FINANZANLAGEN Anteile an verbunde- nen Unternehmen 3.086.173,00 66.000,00 0,00 3.152.173,00 520.106,00 586.106,00 Summe 3.817.487,30 99.295,72 0,00 3.916.783,02 651.064,00 640.049,00 53 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / JAHRESABSCHLUSS – ANHANG II.2.2 Finanzanlagevermögen Anteile an verbundenen Unternehmen. Die Beteiligungsquote beträgt in allen Fällen 100 %. Wert der Beteiligung lt. Bilanz des Mutterunternehmens Bilanzielles Eigenkapital Perioden- ergebnis 01.01.– 31.12.2023 EURName, Sitz 31.12.2023 EUR 31.12.2022 EUR 31.12.2023 EUR BGGK GmbH, Bonn 75.000,00 25.000,00 45.508,99 -4.803,59 CPM Cash Pool GmbH, Bonn 1,00 1,00 0,00 -488,63 Deutsche Geschäftsführertag GmbH, Bonn 25.000,00 25.000,00 30.138,57 947,25 FORATIS AG, Bonn 2) 50.000,00 50.000,00 55.000,00 0,00 FORIS Administration Ltd. Dublin 1) 0,00 0,00 15.322,64 1.823,18 FORIS Gründungs GmbH, Bonn 1) 2) 0,00 0,00 25.000,00 0,00 FORIS Vermögensverwaltungs AG, Bonn 2) 250.000,00 250.000,00 255.000,00 0,00 Gewerbepark Zapfholzweg AG, Bonn 50.000,00 50.000,00 59.773,99 1.863,47 GO AHEAD GmbH, Bonn 2) 120.000,00 120.000,00 100.000,00 0,00 Go Ahead Secreterial Services Limited, Dublin 100,00 100,00 0,00 0,00 Go Ahead Service Limited, Birmingham 1,00 1,00 0,00 0,00 Go Ahead Services Limited, Birmingham 1,00 1,00 12.495,27 -377,08 FORIS-Service GmbH, Bonn (ehem. Lavend GmbH, Bonn) 1) 2) 0,00 0,00 25.000,00 0,00 On Behalf Limited, Birmingham 1,00 1,00 0,00 0,00 On Behalf Service Limited, Birmingham 1,00 1,00 0,00 0,00 On Behalf Services Limited, Birmingham 1,00 1,00 0,00 0,00 Summe 570.106,00 520.106,00 1) Es handelt sich um Tochterunternehmen der FORATIS AG. Das Stammkapital der FORIS Gründungs GmbH und FORIS-Service GmbH beträgt jeweils 25.000 EUR und das der FORIS Administration Ltd. 100 EUR, jeweils von der FORATIS AG gehalten. 2) Mit diesen Unternehmen bestehen unmittelbare und mittelbare Gewinnabführungsverträge. 54 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / JAHRESABSCHLUSS – ANHANG II.2.3 Vorräte II.2.3.1 Geleistete Anzahlungen auf Prozessfinanzierung Die Einzelwertberichtigungen auf geleistete Anzahlungen aus der Prozessfinanzierung werden zum einen im Rahmen eines standardisierten Verfahrens aufgrund einer Einzelfallbetrachtung unter Berücksichtigung des jeweiligen Verfahrensstandes ermittelt. Zum anderen wird der durchschnittliche Erwartungswert auf der Grundlage von Szenarien berechnet und auf den Stichtag diskontiert. Wenn der Erwartungswert geringer als der aktivierte Betrag ist, wird abgewertet. 31.12.2023 EUR 31.12.2022 EUR Geleistete Anzahlungen auf Prozessfinanzierung 10.418.700,58 9.078.634,94 ./. Einzelwertberichtigungen hierauf -751.841,83 -788.431,34 Summe 9.666.858,75 8.290.203,60 II.2.3.2 Anteile an zum Verkauf bestimmten Kapitalgesellschaften 31.12.2023 EUR 31.12.2022 EUR Vorratsgesellschaften - AG 51.495,45 51.495,45 Einzahlungsverpflichtung - AG -50.000,00 -50.000,00 Wertberichtigungen - AG -1.495,45 -1.495,45 Summe 0,00 0,00 Unter den Vorräten werden die Anteile, die die FORIS AG an den Vorratsgesellschaften hält, ausgewiesen. II.2.4 Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände II.2.4.1 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 31.12.2023 EUR 31.12.2022 EUR Forderungen Prozessfinanzierung 4.734.904,19 2.015.829,98 ./. Einzelwertberichtigung hierauf -703.943,61 -209.214,37 Forderungen Gesamt 4.030.960,58 1.806.615,61 Von den ausgewiesenen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen haben sämtliche eine Restlaufzeit von unter einem Jahr. Die Einzelwertberichtigungen auf Forderungen aus der Prozessfinanzierung werden im Rah- men einer Einzelfallbetrachtung ermittelt. Bei den im Geschäftsjahr 2023 gebildeten Einzelwertberichtigungen hat die FORIS AG bei einem OLG-Urteil, dass nicht zur Revision zugelassen wurden, die eingebuchte Forderung aus Vorsichtsgründen mit einer zehnprozentigen Wertberichtigung versehen. Sobald die Nichtzulassungsbe- schwerde vom BFH zurückgewiesen wird, kann diese Einzelwertberichtigung aufgelöst werden. 55 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / JAHRESABSCHLUSS – ANHANG II.2.4.2 Forderungen gegen verbundene Unternehmen Die Zinserträge ergeben sich aus der Verzinsung der Forderungen gegen verbundene Unternehmen. Die Forderungen gegen verbundene Unternehmen resultieren im Wesentlichen aus Ergebnisabführungen, Verrech- nungen und Finanzierungssachverhalten. Im Zinsaufwand sind die Zinsaufwendungen aus Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen aus Verrechnungen enthalten, als auch Zinsen für Bankkredite. Mit Wirkung zum 01.07.2022 wurden neue Verträge zu den Intercompany-Konten abgeschlossen und in diesem Zu- sammenhang auch die Zinssätze den aktuellen Kapitalmarktentwicklungen angepasst. Der Zinsaufwand für die im Geschäftsjahr 2023 aufgenommenen Bankkredite beläuft sich auf 338 TEUR. II.2.5 Sonstige Vermögensgegenstände Unter den sonstigen Vermögensgegenständen sind Darlehensforderungen zu nennen, die verzinslich sind. Die Tilgung erfolgt, soweit sie vereinbart wurde, planmäßig. Zinsänderungen hat es im Berichtszeitraum nicht ge- geben. II.2.6 Aktive latente Steuern Infolge der erstmaligen Anwendung der durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) geänderten Bilanzierungs- und Bewertungsvorschriften wurden zum 1. Januar 2010 aktive latente Steuern von 1.716 TEUR erfolgsneutral über die anderen Gewinnrücklagen gebildet. Die FORIS AG verfügte zum 31. Dezember 2023 über steuerlich noch nicht genutzte Verlustvorträge, entsprechend den vorliegenden Steuerbescheiden. Die sich daraus ergebenden Steuervorteile wurden in Höhe von 84 TEUR (Vorjahr: 84 TEUR) aktiviert. II.2.7 Eigenkapital II.2.7.1 Gezeichnetes Kapital Das Grundkapital der FORIS AG beträgt 4.634.774,00 EUR (Vorjahr: 4.634.774,00 EUR) und ist eingeteilt in 4.634.774 auf den Inhaber lautende Stückaktien mit einem auf die einzelne Aktie entfallenden anteiligen Betrag des Grundkapitals von 1,00 EUR. Die Hauptversammlung am 01. Juni 2022 hat den Vorstand ermächtigt, eigene Anteile zum Zwecke der Einziehung am Markt zu erwerben. Die Umsetzung dieser Käufe ist insbesondere von der Kurs-, Ergebnis- und Liquiditätsentwicklung unter Berücksichtigung etwaiger Dividendenzahlungen abhän- gig. Ein fixes beziehungsweise über das oben dargestellte Rückkaufprogramm wie auch Aktienoptionsprogram- me bestehen derzeit nicht. 31.12.2023 EUR 31.12.2021 EUR Gezeichnetes Kapital 4.634.774,00 4.634.774,00 II.2.7.2 Kapitalrücklage Die Kapitalrücklage besteht gegenüber dem Vorjahr unverändert in Höhe von 11.845.165,01 EUR fort. Die Kapitalrücklage ist im Wesentlichen durch die Vereinnahmung des Agios bei der Aktienemission im Rahmen des Börsengangs entstanden. 56 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / JAHRESABSCHLUSS – ANHANG II.2.7.3 Andere Gewinnrücklagen Die Dotierung der anderen Gewinnrücklagen (BilMoG) erfolgte über die erstmalige Berücksichtigung von akti- ven Steuerlatenzen im Geschäftsjahr 2010 in Folge des BilMoG. Ausschüttungsgesperrt gemäß § 268 Abs. 8 HGB ist ein Betrag in Höhe von 84 TEUR (Vorjahr: 84 TEUR), der der Summe der aktivierten latenten Steuern ent- spricht. Die hier ausgewiesene Gewinnrücklage übersteigt diesen Betrag. 31.12.2023 EUR 31.12.2022 EUR Sonstige 547.357,41 547.357,41 Andere Gewinnrücklagen 547.357,41 547.357,41 II.2.7.4 Bilanzverlust 31.12.2023 EUR 31.12.2022 EUR Jahresüberschuss 859.572,75 149.552,43 Verlust-/Gewinnvortrag aus dem Vorjahr -3.015.753,13 -3.165.305,56 Bilanzverlust -2.156.180,38 -3.015.753,13 Wir schlagen der Hauptversammlung vor zu beschließen, den im Jahresabschluss der FORIS AG ausgewiesenen Jahresüberschuss des Geschäftsjahres 2023 auf neue Rechnung vorzutragen. II.2.8 Rückstellungen II.2.8.1 Steuerrückstellungen Für die Geschäftsjahre 2022 und 2023 wurden infolge der bestehenden steuerlichen Verlustvorträge keine Steuerrückstellungen gebildet. II.2.8.1 Sonstige Rückstellungen Die Rückstellung „Risiken Prozessfinanzierung“ bildet das Risiko der Inanspruchnahme durch Dritte aus finan- zierten Verfahren in diesem Bereich ab. In der Position Personalkosten sind die ergebnisunabhängigen Boni- fikationen für die Mitarbeiter, Resturlaub sowie Beiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung enthalten. Bei den ausstehenden Rechnungen handelt es sich um im Geschäftsjahr erhaltene Lieferungen oder Leistungen, für die zum Stichtag eine Rechnung noch nicht vorlag. Die Abschluss- und Prüfungskosten beinhalten sowohl die Kosten für die Erstellung als auch für die Prüfung des Jahresabschlusses. 57 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / JAHRESABSCHLUSS – ANHANG Stand 01.01.2023 EUR Verbrauch EUR Auflösung EUR Zuführung EUR Stand 31.12.2023 EUR Risiken Prozessfinanzierung 199.542,11 15.438,47 105.592,44 324.382,08 402.893,28 Personalkosten 172.637,00 172.637,00 0,00 218.763,33 218.763,33 Aufbewahrungs- pflichten 20.534,00 0,00 0,00 0,00 20.534,00 Prozesskosten 5.250,00 0,00 5.250,00 0,00 0,00 Kosten für Erstellung und Prüfung Jahres- abschluss, Erstellung Steuererklärungen 100.320,08 79.595,17 7.870,00 161.654,42 174.509,33 Aufsichtsrats- vergütung 105.000,00 105.000,00 0,00 105.000,00 105.000,00 Berufsgenossen- schaftsbeiträge und Schwerbehinderten- ausgleichsabgabe 7.800,00 7.800,00 0,00 8.102,11 8.102,11 611.083,19 380.470,64 118.712,44 817.901,94 929.802,05 II.2.9 Verbindlichkeiten Gesamt 31.12.2023 TEUR Gesamt 31.12.2022 TEUR Restlaufzeit bis 1 Jahr 31.12.2023 TEUR Restlaufzeit bis 1 Jahr 31.12.2022 TEUR Restlaufzeit bis 5 Jahre 31.12.2023 TEUR Restlaufzeit bis 5 Jahre 31.12.2022 TEUR Verbindlichkeiten gegenüber Kredit- instituten 4.450 4.900 4.450 4.900 0 0 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 240 96 240 96 0 0 Verbindlichkeiten gegenüber verbunde- nen Unternehmen 1.468 172 1.468 172 0 0 Sonstige Verbindlich- keiten 192 159 192 159 0 0 6.349 5.328 6.349 5.328 0 0 Im Jahr 2021 erfolgte erstmalig der Ausweis von Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten in Folge der Auf- nahme von Darlehen. Es bestehen keine Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr. 58 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / JAHRESABSCHLUSS – ANHANG III. Sonstige Angaben III.1 Ereignisse nach dem Bilanzstichtag Diesbezüglich verweisen wir auf die ad hoc-Mitteilung vom 19.03.2024 betreffend die Initiierung eines Prozess- finanzierungsfonds sowie auf die ad hoc-Mitteilung vom 26.03.2024 hinsichtlich des Aktienrückkaufprogramms. Darüber hinaus ergaben sich bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Geschäftsberichtes keine Ereig- nisse oder Entwicklungen von besonderer Bedeutung, die zu einer wesentlichen Änderung des Ausweises oder Wertansatzes der einzelnen Vermögenswerte und Schuldposten oder zur Änderung von Angaben im Anhang zum 31. Dezember 2023 geführt hätten. III.2 Erfolgsunsicherheiten und Schätzungen Die Erfolgsunsicherheiten des Unternehmens sind, soweit solche bestehen, in diesem Abschluss derart be- rücksichtigt, dass Vermögenswerte mit dem wahrscheinlichen Erfolg der Realisierung ausgewiesen werden. Der Vorstand muss bei der Erstellung des Jahresabschlusses Schätzungen vornehmen und Annahmen treffen, welche die bilanzierten Vermögenswerte und Schulden, die Angaben im Anhang und den Ausweis von Erträgen und Aufwendungen während des Berichtszeitraumes beeinflussen. Den Annahmen und Schätzungen liegen wiederum Prämissen zugrunde, die auf dem jeweils aktuell verfügbaren Kenntnisstand zum Zeitpunkt der Er- stellung des Jahresabschlusses beruhen. Dabei können die sich im Zeitablauf tatsächlich ergebenden Beträge, insbesondere im Bereich der Prozessfinanzierung, von diesen Schätzungen abweichen. III.3 Haftungsverhältnisse gem. § 251 HGB Die FORIS AG hat für die BGGK GmbH eine Patronatserklärung abgegeben und sich verpflichtet, die BGGK GmbH jederzeit so finanziell auszustatten, dass sie ihre rechtlichen Verpflichtungen aus Prozessfinanzierungs- verträgen und/oder damit verbundenen oder in Zusammenhang stehenden Verträgen und Erklärungen jeder- zeit erfüllen kann. Das Risiko der Inanspruchnahme ist vergleichbar mit dem Risiko der FORIS AG hinsichtlich ihres Kerngeschäfts der Prozessfinanzierung. Für die angeführten, zu Nominalwerten angesetzten Eventualschulden wurden keine Rückstellungen gebildet, weil mit einer ergebniswirksamen Inanspruchnahme oder Belastung der Gesellschaft nicht gerechnet wird. III.4 Sonstige finanzielle Verpflichtungen Zum 31. Dezember 2023 bestehen Mietverpflichtungen bis zu einem Jahr gegenüber der FORIS Vermögensver- waltungs AG aus dem Mietvertrag für die Büroimmobilie von 231 TEUR (Vorjahr: 231 TEUR). Darüber hinaus bestehen zum 31. Dezember 2023 keine wesentlichen sonstigen finanziellen Verpflichtungen. III.5 Rechtsstreitigkeiten und Schadenersatzansprüche Über die eigentliche Prozessfinanzierung hinaus ist die FORIS AG an mehreren Prozessen und Verfahren beteiligt. Sämtliche Risiken aus zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bekannten Prozessen und Verfahren sind im vorlie- genden Jahresabschluss entsprechend berücksichtigt. Maßgebliche Veränderungen im Verlauf der bestehenden Verfahren und Prozesse sowie in der Zukunft eingeleitete Verfahren oder in anderer Weise geltend gemachte An- sprüche können einen wesentlichen Einfluss auf die Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage der FORIS AG haben. 59 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / JAHRESABSCHLUSS – ANHANG III.6 Anzahl der Arbeitnehmer 31.12.2023 Personen 31.12.2022 Personen Juristen 5 5 Sonstige Angestellte 30 28 Mitarbeiter gesamt 35 33 2023 2022 Durchschnittliche Zahl der Mitarbeiter für den Berichtszeitraum (einschließlich der sich in Mutterschutz befindlichen Mitarbeiter) 33 33 III.7 Honorierung der Abschlussprüfer Im Geschäftsjahr fielen Kosten für die Jahres- und Konzernabschlussprüfung 2023 in Höhe von 120 TEUR an. III.8 Vergütung des Vorstands und des Aufsichtsrats Bezüglich der Vergütung des Vorstands und des Aufsichtsrats verweisen wir auf den Vergütungsbericht, den wir auf unserer Website veröffentlicht haben. III.9 Nahestehende Unternehmen und Personen Hinsichtlich des Anteilsbesitzes des Aufsichtsrats verweisen wir auf die Ausführungen unter III.10 im Anhang. Der weit überwiegende Teil der Aktien wird von Privatanlegern gehalten und gehandelt. Somit wird die FORIS AG als oberstes Mutterunternehmen des FORIS Konzerns nicht von einem einzelnen Unternehmen oder von ein- zelnen Personen beherrscht. Hinsichtlich der in den Konzern einbezogenen Tochtergesellschaften verweisen wir auf unsere Ausführungen unter II.2.2 im Anhang. Zu den Gesellschaften, von denen Wertpapiere gehalten werden, bestanden über die reine Geldanlage hinaus keine Geschäftsbeziehungen. Hinsichtlich der Vergütung des Managements verweisen wir auf unsere Ausführungen unter III.8 im Anhang. Darüberhinausgehende kurzfristig fällige Leistungen, Leistungen nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses, andere langfristig fällige Leistungen, Leistungen aus Anlass der Beendigung des Arbeitsverhältnisses oder an- teilsbasierte Vergütungen wurden im Geschäftsjahr 2023 nicht gewährt. Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats sowie diesen Personen nahe Familienangehörige können zugleich Kunden oder auch Auftragnehmer der FORIS AG oder einer ihrer Tochterunternehmen sein. Im Ge- schäftsjahr 2023 wurden von Mitgliedern des Vorstands und des Aufsichtsrats sowie diesen Personen nahen Familienangehörigen keine Dienstleistungen bezogen. 60 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / JAHRESABSCHLUSS – ANHANG Über die zuvor genannten Angaben hinaus haben in den Geschäftsjahren 2022 und 2023 keine Geschäftsbezie- hungen zu nahestehenden Unternehmen und Personen bestanden. Forderungen oder Verbindlichkeiten gegenüber nahestehenden Personen oder Unternehmen, die nicht Gesell- schaften der FORIS AG sind, bestehen über die Angaben unter III.8 hinaus weder zum 31. Dezember 2023 noch zum 31. Dezember 2022. III.10 Vorstand und Aufsichtsrat Mitglieder des Vorstands im Geschäftsjahr 2022 sind gewesen: 31.12.2023 Anteilsbesitz Frederick Iwans, Vorstand, Glashütten seit 04.01.2021 0,00 % Herr Iwans ist Mitglied im Board of Directors der WineJump A/S, Kopenhagen. Er ist des weiteren Geschäftsfüh- rer der Iwans Beteiligungen UG, Glashütten. Der Aufsichtsrat bestand im Geschäftsjahr 2023 aus folgenden Personen: Herr Dr. Rollmann ist Vorsitzender des Aufsichtsrats der Max and Mary AG, Frankfurt am Main. Herr Olaf Wilcke ist Vorstand bei German Sweets, einer Unterorganisation des BDSI (Bund der deutschen Süß- warenindustrie), Bonn. Herr Peter A. Börsch ist Vorsitzender des Beirates der Kipp & Grünhoff GmbH & Co. KG, Leverkusen, Vorsitzen- der des Beirates der Schmidt-Rudersdorf GmbH & Co. KG, Bergisch Gladbach, Vorsitzender des Beirates der DBH GmbH, Düsseldorf, Beiratsmitglied der C+S Service GmbH, Bergisch Gladbach, Beiratsmitglied der H.W. Schmitz-Gruppe, Andernach und Vorsitzender des Beirats der Firma Hüttemann Holzfachzentrum GmbH, Düs- seldorf tätig. 31.12.2023 Anteilsbesitz Dr. Christian Rollmann, Rechtsanwalt, Bonn, Vorsitzender des Aufsichtsrats seit 30.06.2009 6,07 % Olaf Wilcke, Chief Sales Officer, Bonn, stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats seit 30.06.2009 0,06 % Peter A. Börsch, Unternehmer, Köln Aufsichtsratsmitglied seit 28.05.2018 0,00 % * Anteilsbesitz gemäß letzter Schwellenwert-Mitteilung 61 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / JAHRESABSCHLUSS – ANHANG III.11 Aktie III.11.1 Anzahl der ausstehenden Aktien Das Grundkapital ist eingeteilt in 4.634.774 auf den Inhaber lautende Stückaktien mit einem auf die einzelne Aktie entfallenden anteiligen Betrag von 1,00 EUR. Der weit überwiegende Teil der Aktien wird von Privatanlegern gehalten und gehandelt. Ausweislich der Präsenz bei der Hauptversammlung vom 12. Juni 2018 und unter Berücksichtigung der Stimmrechtsmitteilungen halten einzelne Aktionäre bis zu 5 % der Aktien und drei Aktionäre mehr als 5 % und weniger als 10 % der Aktien. III.11.2 Schwellenwert und Mitteilungen Die nachfolgende Übersicht zeigt die nach § 33 WpHG veröffentlichungspflichtige Mitteilungen, die der FORIS AG zugegangen und entsprechend veröffentlicht wurden. Meldepflichtiger Zugang der Meldung Schwelle 1 Anteil laut Meldung Victor Rollmann 25.06.2015 > 3 % 3,17 % Philipp Rollmann 25.06.2015 > 3 % 3,17 % Christian Rollmann 25.06.2015 < 10 % 6,07 % Rossmann Beteiligungs GmbH, Burgwedel 07.07.2015 > 5 % 5,06 % Alexander Rollmann 06.05.2019 > 5 % 5,06 % Dr. Hans Cobet 12.06.2019 > 3 % 3,00 % Die Rossmann Beteiligungs GmbH, Burgwedel, Deutschland, hat der FORIS AG am 9. Februar 2024 nach § 33 Abs. 1 WpHG mitgeteilt, dass ihr Stimmrechtsanteil an der FORIS AG, Bonn, Deutschland, am 7. Februar 2024 die Schwelle von 5 % der Stimmrechte unterschritten hat und zu diesem Tag 4,79 % (222.000 Stimmrechte) be- tragen hat. III.11.3 Entwicklung der Aktie Der Kurs der FORIS Aktie hat am 31. Dezember 2023 2,38 EUR betragen (31. Dezember 2022: 2,60 EUR). III.12 Veröffentlichung und Hauptversammlung Die FORIS AG hat ihren testierten (Konzern-) Jahresabschluss 2022 am 29. März 2023 der Öffentlichkeit im Internet zur Verfügung gestellt. Die Hauptversammlung fand am 1. Juni 2023 statt. Im Bundesanzeiger erfolgten die Veröffentlichung des Jahresabschlusses und des Konzernabschlusses der FORIS AG am 03. April 2023. *1 < = Schwelle unterschritten; > = Schwelle überschritten 62 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / JAHRESABSCHLUSS – ANHANG Bonn, 29. März 2024 FORIS AG Der Vorstand Frederick Iwans 63 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 / VERSICHERUNG DER GESETZLICHEN VERTRETER „Ich versichere nach bestem Wissen, dass gemäß den anzuwendenden Rechnungslegungsgrundsätzen der Jahresabschluss ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertrags- lage der FORIS AG vermittelt und im zusammengefassten Lagebericht der Geschäftsverlauf einschließlich des Geschäftsergebnisses und die Lage der FORIS AG so dargestellt sind, dass ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild vermittelt wird sowie die wesentlichen Chancen und Risiken der voraussichtlichen Entwick- lung der FORIS AG beschrieben sind.“ Bonn, 29. März 2024 FORIS AG Der Vorstand Frederick Iwans Versicherung der gesetzlichen Vertreter C.