AI assistant
SGL CARBON SE — AGM Information 2014
Apr 30, 2014
389_rns_2014-04-30_ab00bd55-43d7-40d2-8b8d-cfab78b38646.pdf
AGM Information
Open in viewerOpens in your device viewer
Hauptversammlung SGL CARBON SE 30. April 2014
Zusammenfassung der Rede
Dr. Jürgen Köhler, Vorstandsvorsitzender der SGL CARBON SE
Hauptversammlung der SGL Carbon SE am 30. April 2014
Zusammenfassung der Rede des Vorstandsvorsitzenden Dr. Jürgen Köhler
Es gilt das gesprochene Wort.
Das Geschäftsjahr 2013 – Wandel und Kontinuität
Die SGL Group befindet sich in der umfangreichsten Restrukturierung ihrer Geschichte. Das Unternehmen musste angesichts schwieriger Rahmenbedingungen für das Geschäftsjahr 2013 einen Nettoverlust von fast 400 Mio. € ausweisen. Der Verlust ist das Ergebnis einer Abwärtsdynamik, die die SGL Group in diesem Ausmaß noch nie erlebt hat. Der Vorstand des Konzerns hat hierauf zügig reagiert und zur Jahresmitte 2013 ein umfassendes und konzernweites Kosteneinsparprogramm namens SGL2015 aufgelegt, das bis zum Jahr 2015 150 Mio. € Einsparungen generieren wird.
SGL2015 wird die SGL Group verändern! Erste Erfolge konnten wir bereits im letzten Jahr erzielen. Statt der geplanten 50 Mio. € Einsparungen haben wir schon fast 70 Mio. € eingespart. Zudem wurde die Konzernfinanzierung im Dezember überarbeitet und das Fälligkeitsprofil deutlich verlängert. Die erfolgreiche Refinanzierung bestehender Finanzierungsinstrumente ist auch ein Beleg für das Vertrauen der Kapitalmärkte.
Segmentberichterstattung
Performance Products: Der Umsatz im Geschäftsfeld PP sank 2013 um 20 % auf 755,9 Mio. € (2012: 940,7 Mio. €) und das EBIT vor Sondereinflüssen um 61 % auf 69,4 Mio. € (2012: 179,2 Mio. €). Zentrales Problem ist der erhebliche Preisdruck bei Graphitelektroden aufgrund des stark gestiegenen Wettbewerbs und struktureller Überkapazitäten beim Stahl. Als Konsequenz haben wir unsere Graphitelektroden‐Kapazitäten um 60.000 Tonnen reduziert und die Schließung zweier Standorte in Kanada (Lachute) und in Italien (Narni) beschlossen. Wie Sie der Presse entnehmen konnten, hat der Wettbewerb vergleichbare Maßnahmen angekündigt. Der Kathodenabsatz hat sich leicht erholt, aber auf einem niedrigeren Preisniveau.
Graphite Materials & Systems: Der Umsatz im Geschäftsfeld GMS nahm um 16 % auf 408,1 Mio. € (2012: 486,2 Mio. €) ab, das EBIT sank von 67,4 Mio. € auf 30,1 Mio. €. Grund hierfür ist eine schwächere Nachfrage nicht nur aus den Solar‐, Halbleiter und LED‐Industrien, sondern auch aus den traditionellen industriellen Arbeitsgebieten. Positiv entwickelte sich der Geschäftsbereich Process Technology, der 2013 unter anderem einen Großauftrag für eine Salzsäure‐Recyclinganlage in China erfolgreich abgewickelt hat.
Carbon Fibers & Composites: Der Umsatz im Geschäftsfeld CFC stieg um 45 % auf 309,3 Mio. € (2012: 214,1 Mio. €). Hierin enthalten ist ein Umsatzbeitrag der im April 2012 akquirierten portugiesischen Fisipe von 117 Mio. € (2012: 81 Mio. €). Das vergleichbare Umsatzplus (ohne die Umsätze von Fisipe) betrug 22 % und wurde dank höherer Umsätze in den Arbeitsgebieten Carbon Fibers & Composite Materials und Aerostructures erzielt. Das EBIT im Geschäftsfeld CFC belief sich in 2013 auf ‐32,9 Mio. € (2012: ‐23,9 Mio. €). Dabei war das Ergebnis im Carbonfasergeschäft weiterhin durch den Preisdruck aufgrund anhaltender Überkapazitäten belastet. Bei Aerostructures war insbesondere das Auslastungsniveau unbefriedigend aufgrund anhaltender Projektverschiebungen vor allem aus der Luftfahrtbranche (Boeing 787). Was wir bei CFC erleben, ist typisch für viele Start‐ ups neuer Technologien und Anwendungen. Wir alle glauben oft, dass sich neue Technologien schnell durchsetzen. In der Realität dauert es oft länger.
SGL2015 zeigt bereits erste Erfolge
Drei strategische Säulen stehen bei der Restrukturierung im Zuge von SGL2015 im Fokus. Erstens das Vereinfachen von Prozessen und das Verschlanken der Managementstrukturen. Dies beinhaltet die Optimierung der gesamten Organisationstrukturen, um schlanker und effizienter zu werden. Hierbei werden alle Prozesse überprüft, Prozessüberschneidungen identifiziert, die Organisations‐strukturen entsprechend angepasst und Sach‐ und Personalkosten reduziert. Insgesamt bauen wir in der Verwaltung weltweit rund 300 Stellen ab, über die Hälfte davon in Deutschland. Nach aktuellem Stand sind 83% dieses geplanten Stellenabbaus bereits definiert und das so sozial verträglich wie möglich, etwa über Altersteilzeit‐ und Vorruhestandsregelungen, natürliche Fluktuation und andere Personalinstrumente.
Zweitens beinhaltet SGL2015 das Anpassen des Produktionsnetzwerks an zyklische und strukturelle Nachfrageveränderungen. Grundsätzlich soll in der Region für die Region produziert werden. Unter anderem erfolgt weiterhin eine Stärkung der Präsenz in Asien (vor allem Banting / Malaysia). Darüber hinaus wird durch die angekündigten Werkschließungen in Lachute/Kanada und Narni/Italien eine Standortkonsolidierung und Neuordnung der Produktionsvolumina vorgenommen, die das globale Produktionsnetzwerk optimiert, die Fixkostenbasis verringert und Synergien zwischen Geschäftsbereichen nutzt.
Die dritte Säule von SGL2015 betrifft unser Portfolio. Hier werden wir uns künftig stärker auf unsere Materialkompetenz und auf die Kernkompetenzen im Carbonfaser‐ und Composites‐Geschäft konzentrieren. Ein Beispiel hierfür ist der Verkauf der SGL Rotec im Dezember 2013.
Hoher Jahresfehlbetrag durch Sonderbelastungen in allen Geschäftsfeldern
Operativ entwickelte sich das Geschäft durch die rückläufige Entwicklung in allen drei Geschäftsfeldern im Jahr 2013 deutlich negativ. Der Konzernumsatz ist um 10% auf 1.477 Mio. € (2012: 1.646,0 Mio. €) gesunken. Das EBIT vor Sondereinflüssen verringerte sich überproportional auf 20 Mio. € (2012: 164,4 Mio. €). Nach Steuern muss die SGL Group einen Jahresfehlbetrag von 396,4 Mio. € (2012: 5,9 Mio. €) ausweisen. Der Hauptgrund für den EBIT‐Rückgang ist der Preisverfall beim Kernprodukt Graphitelektroden im Geschäftsfeld Performance Products (PP). Hervorzuheben ist der Erfolg beim Free Cashflow. Dank deutlich zurückgefahrener Investitionen (‐28% auf 95,5 Mio. €) und eines um über 104 Mio. € reduzierten Umlaufvermögens wurde der Free Cashflow in 2013 von minus 66,2 Mio. € um über 100 Mio. € auf plus 38,2 Mio. € verbessert.
Der Jahresfehlbetrag von 396,4 Mio. € ist geprägt durch hohe negative Sondereinflüsse, die sich zusammensetzen aus Wertminderungen von 120,6 Mio. € und Abwertungen aus Projektanpassungen von 22,1 Mio. €. Hinzu kommen Restrukturierungsaufwendungen von 84,2 Mio. € im Zusammenhang mit SGL2015. Das Finanzergebnis belief sich auf minus 50 Mio. €. Darin enthalten sind Zinsen und die Kosten der Refinanzierung. Zudem sind steuerliche Sonderaufwendungen in Höhe von 84 Mio. € angefallen.
Als Konsequenz aus der schwachen Ertragslage ist für 2013 keine Dividendenzahlung möglich. Es ist jedoch beabsichtigt, die Ausschüttung wieder aufzunehmen, wenn die Profitabilität wieder nachhaltig erreicht wird.
Angesichts des deutlich negativen Ergebnisses ist im Berichtsjahr auch die Eigenkapitalquote signifikant von 41,7% auf 32,4% gesunken, befindet sich aber noch immer auf einem soliden Niveau. Positiv ist, dass es trotz der Ergebnisbelastungen gelungen ist, die Nettofinanzschulden von 459,3 Mio. € auf 447,7 Mio. € zu senken.
Die SGL Group verfügt dank eines breit diversifizierten Portfolios an Fremdkapitalinstrumenten über eine langfristig ausgerichtete Finanzierungsstruktur. Hierzu hat auch die Anfang Dezember erfolgreich vollzogene Refinanzierung beigetragen. Durch die Begebung einer Anleihe im Volumen von 250 Mio. € mit Laufzeit bis 2021 und die Verlängerung der bestehenden – bisher ungezogenen – syndizierten Kreditlinie von 200 Mio. € bis 2017 wurde das Fälligkeitsprofil deutlich verlängert.
Ausblick – Maßnahmen – Leitlinien
Jahresausblick 2014
Das Geschäftsjahr 2014 wird erneut kein einfaches Jahr. Wir erwarten einen nahezu stabilen Umsatz unter Berücksichtigung der anteiligen Konsolidierung von SGL ACF. Das Konzern‐ EBIT wird vor allem aufgrund der Preisentwicklung bei Graphitelektroden deutlich unter dem des Vorjahres liegen.
Der wesentliche Teil der Restrukturierungsaufwendungen im Rahmen des Kosten‐ einsparprogramms SGL2015 wurde bereits mit dem Jahresabschluss 2013 verarbeitet. Im Jahr 2014 wird daher nur noch mit Restrukturierungsaufwendungen in Höhe eines niedrigen zweistelligen Millionen‐Euro‐Betrags gerechnet.
Nach einem deutlich positiven Free Cashflow im Vorjahr erwartet die SGL Group im Jahr 2014 einen deutlich negativen Free Cashflow, hauptsächlich aufgrund der Zahlungswirksamkeit der eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen sowie hoher Investitionen bei SGL ACF. Der Investitionsbedarf bei den etablierten Geschäften wird im Jahr 2014 deutlich unter Vorjahr liegen, wobei für SGL ACF aufgrund steigender Nachfrage nach Carbonfaser‐Materialien von BMW höhere Investitionen getätigt werden.
1. Quartal 2014
Die SGL Group ist verhalten ins Geschäftsjahr 2014 gestartet. Der Umsatz ist um 15,2 % auf 336,3 Mio. € (Q1/2013: 396,7 Mio. €) gesunken. Das EBIT vor Restrukturierungsaufwendungen fällt mit minus 2,3 Mio. € deutlich niedriger aus als im ersten Quartal des Vorjahrs (Q1/2013: 13,6 Mio. €). Das Konzernergebnis betrug minus 22,8 Mio. € (Q1/2013: minus 9,4 Mio. €). Die Eigenkapitalquote verblieb mit 30,5% auf einem nahezu gleichen Niveau wie die 31,4% zum Jahresende 2013.
Diese Entwicklung überschattet jedoch Erfolge in anderen Bereichen: Wir liegen bei der Umsetzung von SGL2015 voll im Plan und konnten Einsparungen in Höhe von 14 Mio. € im ersten Quartal erzielen. Operativ positiv entwickelte sich das Berichtssegment Graphite Specialties, insbesondere dank eines Großauftrages für einen Kunden aus der Elektronikindustrie. Unsere Carbonfaser‐ und Composites‐Aktivitäten profitierten maßgeblich vom Wachstum unserer Automotive‐Joint Ventures.
Die SGL Group bestätigt den im März gegebenen Ausblick für das Gesamtjahr 2014.
Seit der letzten Hauptversammlung wurden für das Bonusprogramm für Mitarbeiter sowie den Matching Share Plan insgesamt 223.473 neue Aktien mit Bezugsrechtsausschluss aus dem Genehmigten Kapital der Gesellschaft geschaffen. Mit dieser Aktienausgabe hat die Gesellschaft wie in den Vorjahren von den Ermächtigungen Gebrauch gemacht, die ihr seitens der Hauptversammlung für die Förderung einer aktienmäßigen Beteiligung ihrer Mitarbeiter und der Abwicklung dieser Mitarbeiterbeteiligungsprogramme gewährt wurden.
Weiterentwicklungen im operativen Geschäft
Im Berichtsjahr 2013 konnte die SGL Group trotz der schwierigen Bedingungen in allen drei Geschäftsfeldern operative Erfolge vorweisen. So wurde im Geschäftsfeld PP im Graphitwerk in Malaysia der operative Regelbetrieb aufgenommen. Im Arbeitsgebiet Kathoden ist es erstmals gelungen, Neugeschäft in China zu generieren. Im Geschäftsbereich Graphite Specialties wurde der größte Einzelauftrag für eine neue Technologie in der Elektronikindustrie gewonnen, der in diesem Jahr produziert wird. In Bonn wurde die neue Presse für isostatischen Graphit planmäßig in Betrieb genommen. Darüber hinaus gilt, wer im Carbonfasermarkt führend sein will, braucht eine eigene Rohstoffversorgung. Deshalb ist die Rückwärtsintegration in den Carbonfaser‐Precusor bei Fisipe von zentraler Bedeutung.
Im Geschäftsfeld Carbon Fibers & Materials konnten wir innovativen Produkten in enger Zusammenarbeit mit renommierten Industriepartnern in immer mehr Branchen zur Marktreife verhelfen. Das Nischendasein der Carbonfaser ist beendet. Dies zeigt sich besonders gut am Beispiel Carbon im Automobilbau. So leistet das Joint Venture Benteler SGL Pionierarbeit bei automatisierten Fertigungstechnologien und eröffnete 2013 ein zweites Werk für Strukturbauteile in Österreich. Dieses ist bereits für die Jahre 2016 und 2017 ausgelastet. Brembo SGL, unser Joint Venture für Carbon‐Keramik‐Bremsscheiben, verzeichnete 2013 einen Rekordumsatz. Auch der Start ins aktuelle Jahr verlief sehr erfolgreich. Diese Beispiele belegen, dass die Carbonfaser‐Wertschöpfungskette funktioniert.
Besonders hervorzuheben ist darüber hinaus das Joint Venture mit BMW, SGL ACF, das aufgrund der erfolgreichen Markteinführung des BMW i3 – dem ersten Groß‐ Serienfahrzeug, das über eine Fahrgastzelle aus Carbonfasermaterialien verfügt – im November 2013 Geschichte schrieb. In diesem Zusammenhang wurde im August 2013 auch eine zweite Carbonfaser‐Produktionslinie in Moses Lake gestartet. Derzeit erweitern wir wegen der guten Nachfrage die Produktionskapazitäten. Moses Lake ist der im Moment am schnellsten wachsende Carbonfaser‐Standort der Welt und setzt neue Maßstäbe hinsichtlich Automatisierung und Qualitätsstandards.
Wachstumschancen. Globale Trends und Schwellenländer
Die Wachstumschancen des Unternehmens basieren einerseits auf der mit der Globalisierung einhergehenden Weiterentwicklung der wachsenden Schwellenländer (Stichwort Infrastrukturaufbau) und andererseits auf den bekannten globalen Fundamentaltrends wie Urbanisierung, Energie, Mobilität. Dabei bedient das Unternehmen die traditionellen, aber auch eine stark wachsende Zahl von neuen Märkten. Basis hierfür sind die einzigartigen Eigenschaften des Werkstoffs Carbon, die viele Anwendungen und Produkte überhaupt erst ermöglichen. In all diesen Bereichen hat sich die SGL Group dank
der in den vergangenen Jahren getätigten Investitionen eine führende Position erarbeitet. Entsprechend gilt es, diese Technologieposition weiter zu stärken und vor allem wieder profitabel zu wachsen.
Technologie & Innovation. Konzentration auf Kern‐Forschungsfelder
Wachstum entsteht durch Innovation. Innovation ist essentiell für einen Technologiekonzern wie die SGL Group. Es gilt, eine gesunde Balance zu halten zwischen Sparen und Investitionen in die Zukunft. Deshalb wird sich das Unternehmen künftig auf vier zentrale Kern‐Forschungsgebiete konzentrieren. Erstens Synthetischer Graphit, zweitens Carbonfasern und Verbundwerkstoffe, drittens Energie‐Systeme (beispielsweise Lithium‐Ionen‐Batterien für Smartphones oder Laptops) und viertens Keramische Fasern & SiC‐Verbundwerkstoffe, zum Beispiel für Carbonkeramik‐Bremsscheiben.
SGL Group. Leitlinien der Neuausrichtung
Wir werden die SGL Group wieder stark machen. Es gilt, mit der SGL Group wieder nachhaltig profitabel zu werden, d.h. eine angemessene Rendite für das Unternehmen und die Aktionäre zu erwirtschaften. Trotz der notwendigen Einsparmaßnahmen werden zudem die Investitionen in die Zukunftsfelder nicht vernachlässigt. Darüber hinaus stehen die Fokussierung auf unsere Materialkompetenz und die Weiterentwicklung unserer Positionierung im Zentrum der Neuausrichtung. Carbon ist ein Zukunftswerkstoff. Die SGL Group verfügt über die zukunftsfähigen Technologien und Produkte und dank SGL2015 über die richtigen Stellschrauben, um nachhaltig erfolgreich zu sein. Und wir haben großartige Mitarbeiter, denen mein besonderer Dank für ihr großes Engagement und ihre Loyalität in diesen schwierigen Zeiten gilt.