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Sartorius AG Interim / Quarterly Report 2023

Jul 21, 2023

366_rns_2023-07-21_024b1f4b-1985-44b7-8338-85c548ba3ac1.html

Interim / Quarterly Report

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Publication

Sartorius Aktiengesellschaft

Göttingen

Halbjahresfinanzbericht nach WpHG für den Zeitraum vom 01.01.2023 bis zum 30.06.2023

Kennzahlen für das 1. Halbjahr 2023

Konzern Bioprocess Solutions
in Mio. €, sofern nicht anderweitig angegeben 6 Mon. 2023 6 Mon. 2022 Δ in % Δ in % wb1 6 Mon. 2023 6 Mon. 2022
--- --- --- --- --- --- ---
Umsatz und Auftragseingang
Auftragseingang 1.449,6 2.168,8 - 33,2 - 32,7 1.101,7 1.715,9
Umsatz 1.735,2 2.060,3 - 15,8 - 15,4 1.346,5 1.637,1
■ EMEA2 668,9 793,4 -15,7 - 15,7 526,3 651,1
■ Amerika2 645,7 726,1 -11,1 - 12,1 520,5 571,9
■ Asien | Pazifik2 420,5 540,9 - 22,2 - 19,4 299,7 414,1
Ergebnis
EBITDA3 516,7 697,5 - 25,9 414,5 585,6
EBITDA-Marge3 in % 29,8 33,9 30,8 35,8
Periodenergebnis4 202,5 333,9 - 39,4
Finanzdaten je Aktie
Ergebnis je Stammaktie4 in € 2,95 4,88 - 39,4
Ergebnis je Vorzugsaktie4 in € 2,96 4,89 - 39,3
30. Juni. 2023 31. Dez. 2022
Bilanz | Finanzen
Bilanzsumme 7.042,6 6.977,7
Eigenkapital 2.706,7 2.658,9
Eigenkapitalquote in % 38,4 38,1
Nettoverschuldung 2.611,3 2.375,3
Verschuldungsgrad (underlying) 2,1 1,7
Bioprocess Solutions Lab Products& Services
in Mio. €, sofern nicht anderweitig angegeben Δ in % Δ in % wb1 6 Mon. 2023 6 Mon. 2022 Δ in % Δ in % wb1
--- --- --- --- --- --- ---
Umsatz und Auftragseingang
Auftragseingang - 35,8 - 35,5 347,9 452,9 - 23,2 - 22,4
Umsatz - 17,8 - 17,4 388,7 423,2 - 8,2 - 7,3
■ EMEA2 - 19,2 - 19,3 142,6 142,3 0,2 0,8
■ Amerika2 - 9,0 - 10,0 125,2 154,1 - 18,7 - 19,7
■ Asien | Pazifik2 - 27,6 - 25,0 120,8 126,8 - 4,7 - 0,8
Ergebnis
EBITDA3 - 29,2 102,2 111,9 - 8,7
EBITDA-Marge3 in % 26,3 26,4
Periodenergebnis4
Finanzdaten je Aktie
Ergebnis je Stammaktie4 in €
Ergebnis je Vorzugsaktie4 in €
Bilanz | Finanzen
Bilanzsumme
Eigenkapital
Eigenkapitalquote in %
Nettoverschuldung
Verschuldungsgrad (underlying)

1 wb = wechselkursbereinigt

2 Nach Sitz des Kunden

3 Underlying = um Sondereffekte bereinig

4 Nach Anteilen Dritter, bereinigt um Sondereffekte und Amortisation sowie basierend auf dem normalisierten Finanzergebnis und der normalisierten Steuerquote

Kennzahlen für das 2. Quartal 2023

Konzern Bioprocess Solutions
in Mio. €, sofern nicht anderweitig angegeben Q2 20231 Q2 20221 Δ in % Δ in % wb2 Q2 20231 Q2 20221
--- --- --- --- --- --- ---
Umsatz und Auftragseingang
Auftragseingang 684,8 1.056,6 - 35,2 - 33,5 526,0 826,2
Umsatz 832,0 1.035,6 - 19,7 - 17,5 651,5 822,5
■ EMEA3 310,0 392,1 - 21,0 242,6 321,2
■ Amerika3 323,5 367,0 - 11,8 264,9 290,8
■ Asien | Pazifik3 198,5 276,4 - 28,2 144,0 210,5
Ergebnis
EBITDA4 244,7 348,5 - 29,8 197,3 292,3
EBITDA-Marge4 in % 29,4 33,7 30,3 35,5
Periodenergebnis5 86,3 166,6 - 48,2
Finanzdaten je Aktie
Ergebnis je Stammaktie5 in € 1,26 2,44 - 48,2
Ergebnis je Vorzugsaktie5 in € 1,26 2,44 - 48,2
Bioprocess Solutions Lab Products & Services
in Mio. €, sofern nicht anderweitig angegeben Δ in % Δ in % wb2 Q2 20231 Q2 20221 Δ in % Δ in % wb2
--- --- --- --- --- --- ---
Umsatz und Auftragseingang
Auftragseingang - 36,3 - 34,8 158,9 230,3 - 31,0 - 28,9
Umsatz - 20,8 - 18,8 180,5 213,0 - 15,3 - 12,6
■ EMEA3 - 24,5 67,4 70,9 - 5,0
■ Amerika3 - 8,9 58,6 76,2 - 23,1
■ Asien | Pazifik3 - 31,6 54,5 65,9 - 17,3
Ergebnis
EBITDA4 - 32,5 47,5 56,2 - 15,6
EBITDA-Marge4 in % 26,3 26,4
Periodenergebnis5
Finanzdaten je Aktie
Ergebnis je Stammaktie5 in €
Ergebnis je Vorzugsaktie5 in €

1 Keiner prüferischen Durchsicht unterzogen

2 wb = wechselkursbereinigt

3 Nach Sitz des Kunden

4 Underlying = um Sondereffekte bereinig

5 Nach Anteilen Dritter, bereinigt um Sondereffekte und Amortisation sowie basierend auf dem normalisierten Finanzergebnis und der normalisierten Steuerquote

Konzernzwischenlagebericht

Grundlagen des Konzerns

Einen detaillierten Überblick über die Geschäftstätigkeit, die Ziele und die Strategie des Sartorius Konzerns enthält der Geschäftsbericht 2022. Die dort getroffenen Aussagen gelten weiterhin. Im ersten Halbjahr gab es keine wesentlichen Änderungen.

Wirtschafts- und Branchenbericht

Sartorius ist in Branchen tätig, die in unterschiedlichem Maß von der Konjunktur abhängig sind. So agiert die Sparte Bioprocess Solutions in einem Umfeld, das weitgehend unabhängig von wirtschaftlichen Schwankungen ist. Die Sparte Lab Products & Services dagegen ist teilweise auch in Branchen aktiv, deren Entwicklung stärker von konjunkturellen Einflüssen geprägt ist.

Gedämpfte Wachstumsdynamik bei anhaltend globalen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten

Die Weltwirtschaft ist mit abnehmender Dynamik und eingetrübten Rahmenbedingungen in das Jahr 2023 gestartet und in den ersten sechs Monaten nur leicht gewachsen. Positive Impulse gingen unter anderem von den Corona-Lockerungen in China und von einer Normalisierung zuvor angespannter Lieferketten aus. Auch der private Konsum und der Dienstleistungssektor zeigten sich vergleichsweise robust. Die Entwicklung der Inflation wies ein gemischtes Bild auf. Die Teuerungsrate ging zwar aufgrund rückläufiger Rohstoff- und Lebensmittelpreise im Vorjahresvergleich zurück, blieb aber weiterhin auf einem hohen Niveau. Gleichzeitig stiegen durch die gestraffte Geldpolitik die Risiken für das Finanzsystem, was sich in den USA im Berichtszeitraum unter anderem an der Insolvenz mehrerer regionaler Banken zeigte und sich nach Angaben des Internationalen Währungsfonds im Jahresverlauf weiter dämpfend auf die Realwirtschaft auswirken könnte.

Angesichts dieser Rahmenbedingungen verlangsamte sich das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Europäischen Union im ersten Quartal 2023 deutlich auf 1,0 % (Vorjahreszeitraum: +5,7 %). Während das Plus in Frankreich bei 0,9 % lag (Vorjahreszeitraum: +4,5 %), verzeichnete Deutschland einen konjunkturellen Rückgang um 0,5 % (Vorjahreszeitraum: +3,8 %). Großbritannien als ein weiterer europäischer Kernmarkt stagnierte nahezu bei einem Plus von 0,2 % (Vorjahreszeitraum: +10,6 %). Die weltgrößte Volkswirtschaft USA legte im ersten Quartal um 1,6 % (Vorjahreszeitraum: +3,7 %) zu, im asiatisch-pazifischen Wirtschaftsraum lag das Wachstum Chinas bei 4,5 % (Vorjahreszeitraum: +4,8 %). Auch weitere für Sartorius relevante Länder in Asien steigerten ihr BIP im Vorjahresvergleich. So stieg die südkoreanische Wirtschaftsleistung um 1,0 % (Vorjahreszeitraum: +3,1 %), Indien erzielte einen deutlichen Zuwachs von 6,1 % (Vorjahreszeitraum: +3,6 %) und die volkswirtschaftlichen Aktivitäten in Japan stiegen um 1,8 % (Vorjahreszeitraum: +0,6 %).

Quellen: OECD: Quarterly National Accounts, Juni 2023; IWF: World Economic Outlook, April 2023.

Temporär schwache Nachfrage wirkt sich auf Zulieferer im Biopharmamarkt aus

Der weltweite Pharmamarkt ist 2022 nach Angaben von Evaluate-Pharma um etwa 7 % gewachsen. Die Umsätze mit biopharmazeutischen Medikamenten legten im Jahresvergleich um rund 4 % auf 365 Mrd. € zu und damit langsamer als im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Ursächlich für diese Entwicklung waren vor allem geringere Umsätze mit Coronavirus-Impfstoffen und auf Antikörpern basierenden Covid-19 -Therapeutika, die beide den Biopharmazeutika zuzurechnen sind. Der Biopharmaanteil am gesamten Pharmamarkt lag bei 37 % gegenüber 38 % im Jahr 2021.

Während der Pandemie verzeichnete der Biopharmamarkt aufgrund der Nachfrage nach Covid-19-bezogenen Produkten zusätzliches Wachstum in signifikanter Höhe. Grundsätzlich hängt die Marktentwicklung aber stärker von mittel- und langfristigen Trends als von kurzfristigen Einflüssen ab. Neben der Markteinführung innovativer Biopharmazeutika gehen wesentliche Impulse von der weltweit steigenden Nachfrage nach Medikamenten sowie der Erweiterung der Indikationsgebiete für bereits zugelassene Präparate und deren weitere Marktdurchdringung aus. Die Zahl an biopharmazeutischen Neuzulassungen durch die amerikanische Zulassungsbehörde FDA lag sowohl 2022 mit 31 (2021: 30) als auch in der ersten Jahreshälfte 2023 mit 15 (1. Halbjahr 2022: 9) auf einem weiterhin hohen Niveau.

Die führenden Hersteller von Produkten für die Entwicklung und Herstellung von Biopharmazeutika verzeichneten 2022 weiteres Wachstum, wobei dieses bei Unternehmen, die in die Produktion von Corona-Impfstoffen und -Therapeutika involviert waren, erwartungsgemäß geringer ausfiel. Da zudem viele Pharmahersteller aufgrund angespannter Lieferketten während der Coronazeit ihre Lagerbestände erhöht hatten, setzte im Jahresverlauf 2022 mit Abklingen der Pandemie ein Lagerbestandsabbau ein, der sich entsprechend negativ auf die Auftragseingänge von Zulieferern der Biopharmaindustrie auswirkt.

Die Reduzierung der Lagerbestände hat sich in den ersten Monaten 2023 fortgesetzt, während zugleich die Relevanz des coronabezogenen Geschäfts signifikant abgenommen hat und eine relativ geringe Investitionstätigkeit auf Seiten einiger Biopharmaunternehmen infolge freier Produktionskapazitäten zu beobachten war. Diese Faktoren wirkten sich deutlich auf die Umsatzentwicklung von Bioprozesstechnik-Anbietern und deren Erwartungen für das Gesamtjahr aus, sollten die grundlegenden weiterhin sehr positiven Wachstumstreiber der Life-Science und Biopharmaka-Märkte aber nur temporär überlagern.

Geringere Nachfrage aktuell auch im Labormarkt

Der weltweite Labormarkt belief sich 2022 auf ein Volumen von rund 69 Mrd. € und wächst nach Schätzungen verschiedener Marktbeobachter langfristig mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von etwa 4 % bis 5 %. Das Marktwachstum hängt unter anderem von den Forschungs- und Entwicklungsausgaben der jeweiligen Endmärkte ab, die teilweise an die konjunkturelle Entwicklung gekoppelt sind.

Dies gilt jedoch weniger für Labore aus der Pharma- und Biopharmaindustrie, welche die wichtigste Kundengruppe für Laborinstrumente und -verbrauchsmaterialien darstellen, und deren Nachfrage stärker von fundamentalen Wachstumstreibern wie der kontinuierlichen Erforschung neuer Wirkstoffe beeinflusst wird. Vor dem Hintergrund des überdurchschnittlichen Wachstums in den Vorjahren verzeichneten führende Anbieter von Laborinstrumenten und -verbrauchsmaterialien im ersten Quartal 2023 teilweise Rückgänge. Neben der hohen Vergleichsbasis werden als Gründe unter anderem ein im aktuellen Zinsumfeld zurückhaltendes Investitionsverhalten sowie das weiterhin eingetrübte Finanzierungsumfeld insbesondere für kleine und mittlere Biotech-Unternehmen angeführt. Dämpfend wirkt sich zudem die sinkende Nachfrage nach Komponenten für Corona-Tests aus.

Trotz eines schwächeren makroökonomischen Umfelds zeigte sich die Nachfrage aus industriellen Endmärkten sowohl 2022 als auch im ersten Quartal 2023 nach Angaben verschiedener führender Laborprodukthersteller insgesamt robust. Gleiches gilt für das Geschäft mit akademischen und öffentlichen Forschungseinrichtungen, die von einer positiven Entwicklung bei staatlichen Haushaltsbudgets und Förderprogrammen profitieren.

Quellen: Evaluate Pharma: World Preview 2022, Outlook to 2028, Oktober 2022; SDi: Global Assessment Report 2022, Juni 2022; www.fda.gov

Die Sartorius Aktien

Die weltweiten Aktienmärkte verzeichneten im ersten Halbjahr 2023 trotz sinkender globaler Wachstumserwartungen und zunehmender Risiken Kurszuwächse. Der deutsche Leitindex DAX stieg im ersten Halbjahr 2023 um 16,0 % auf 16.148 Punkte, der europäische Leitindex MSCI Europe legte um 8,4 % auf 1.868 Punkte zu. Der Kursverlauf der Sartorius Aktien sowie der meisten Biopharma-Zulieferer war im ersten Halbjahr 2023 weiterhin stark von den temporär gedämpften Wachstumsaussichten für das laufende Geschäftsjahr beeinflusst. So schloss die Vorzugsaktie am 30. Juni 2023 bei 317,10 €, was einer Kursminderung von 14,2 % gegenüber dem Jahresschlusskurs 2022 entspricht. Die Stammaktie schloss mit 258,00 €, ein Rückgang von 22,9 %.

Die Marktkapitalisierung der Sartorius AG basierend auf den ausstehenden Stamm- und Vorzugsaktien sank im Berichtszeitraum um rund 18,3 % auf 19,7 Mrd. € (31. Dezember 2022: 24,1 Mrd. €).

Sartorius Aktien im Vergleich zum DAX und MSCI Europe Index (indexiert)

01. Januar 2023 bis 30. Juni 2023

Insgesamt analysierten zum Ende des ersten Halbjahres 22 Analysten die Sartorius Aktie. Das durchschnittliche Kursziel für die Vorzugsaktie zum 30. Juni 2023 lag bei 368,30 €. Neu aufgenommen wurde die Coverage im Berichtszeitraum durch Citigroup mit einer Kauf-Empfehlung und einem Kursziel von 375,00 €.

Am 29. März 2023 fand die Hauptversammlung der Sartorius AG im virtuellen Format ohne physische Präsenz der Aktionärinnen und Aktionäre oder ihrer Bevollmächtigten statt. Die Aktionäre beschlossen dabei unter anderem die Auszahlung einer Dividende von 1,44 € je Vorzugsaktie und 1,43 € je Stammaktie.

Die Aktionärsstruktur blieb im ersten Halbjahr 2023 nach vorliegenden Informationen unverändert.

Aktionärsstruktur Stammaktien

in %, bezogen auf ~34,2 Mio. ausstehende Aktien

Aktionärsstruktur Vorzugsaktien

in %, bezogen auf ~34,2 Mio. ausstehende Aktien

Angaben zu Anteils- und Streubesitz entsprechend der gemäß §§ 33 ff. WpHG veröffentlichten Stimmrechtsmitteilungen und eigener Mitteilungen der Aktionäre. Die Meldepflichten beziehen sich ausschließlich auf stimmberechtigte Aktien und nicht auf die stimmrechtslosen Vorzugsaktien.

Aktuelle Informationen zu Investor Relations-Veröffentlichungen, Stimmrechtsmitteilungen und Analystenschätzungen sind auf der Webseite zu finden.

Geschäftsentwicklung Konzern

Erstes Halbjahr 2023 wie erwartet von temporär schwacher Nachfrage in beiden Sparten geprägt
Umsatz und Profitabilität der Sparte Bioprocess Solutions rückläufig;

Lab Products & Services mit stabiler Marge trotz Umsatzrückgangs
Jahresausblick für Umsatz und Profitabilität bestätigt; Unsicherheiten aufgrund der globalen politischen und wirtschaftlichen Situation weiter hoch
Vollzug der Übernahme und Start der Integration von Polyplus

Nachdem Sartorius während der Pandemie außergewöhnlich hohe Wachstumsraten erzielt hatte, die teilweise auf bereits kommunizierte nicht nachhaltige positive Sonderfaktoren wie das coronabezogene Zusatzgeschäft sowie einen Lagerbestandsaufbau bei Kunden zurückzuführen waren, normalisiert sich der Geschäftsverlauf seit der zweiten Jahreshälfte 2022. Der andauernde Abbau von Lagerbeständen auf Kundenseite und die angesichts freier Produktionskapazitäten zurückhaltende Investitionstätigkeit prägte auch das erste Halbjahr 2023. Die damit einhergehende Abschwächung der Nachfragedynamik hält länger als ursprünglich erwartet an.

Der Konzernumsatz reduzierte sich zwischen Januar und Juni auf Basis konstanter Wechselkurse gegenüber einer hohen Vorjahresbasis um 15,4 % (nominal: -15,8 %) auf 1.735,2 Mio. €. Darin enthalten ist ein Wachstumsbeitrag aus Akquisitionen von rund 1 Prozentpunkt. Ohne Berücksichtigung des Coronageschäfts lag der Rückgang wechselkursbereinigt im oberen einstelligen Prozentbereich.

Noch ausgeprägter zeigten sich die genannten temporären Effekte beim Auftragseingang, der wechselkursbereinigt um 32,7 % (nominal: -33,2 %) auf 1.449,6 Mio. € abnahm.

Umsatz und Auftragseingang Konzern

in Mio. € 6 Mon. 2023 6 Mon. 2022 Δ in % nominal Δ in % wb1
Umsatz 1.735,2 2.060,3 - 15,8 - 15,4
■ EMEA2 668,9 793,4 - 15,7 - 15,7
■ Amerika2 645,7 726,1 - 11,1 - 12,1
■ Asien | Pazifik2 420,5 540,9 - 22,2 - 19,4
Auftragseingang 1.449,6 2.168,8 - 33,2 - 32,7

1 wb = wechselkursbereinigt

2 Nach Sitz des Kunden

In der regionalen Betrachtung war der Umsatzrückgang besonders deutlich in der Region Asien | Pazifik, wo der Wert gegenüber dem Vorjahreszeitraum vor allem aufgrund der Entwicklung in China um 19,4 % auf 420,5 Mio. € sank. Der Anteil dieser Region am Konzernumsatz betrug 24 %. In der mit einem Anteil von rund 39 % umsatzstärksten Region EMEA gaben die Erlöse um 15,7 % auf 668,9 Mio. € nach, wobei die deutlichen Einschränkungen im Russland-Geschäft das Wachstum um rund 4 Prozentpunkte dämpften. Das Geschäft in der Region Amerika, auf die rund 37 % des Konzernumsatzes entfielen, ging im Berichtszeitraum um 12,1 % auf 645,7 Mio. € zurück. (Alle Veränderungsraten zur regionalen Entwicklung wechselkursbereinigt).

Operativer Ertrag rückläufig

Der Sartorius Konzern verwendet als zentrale Ertragskennziffer das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation (underlying EBITDA).

Im ersten Halbjahr 2023 ging das underlying EBITDA hauptsächlich in Folge der Volumenentwicklung sowie aufgrund von negativen Produktmixeffekten und einer höheren Kostenbasis um 25,9 % auf 516,7Mio. € zurück. Die daraus resultierende Marge lag mit 29,8 % (Vorjahr: 33,9 %) im Rahmen der Erwartungen und trotz des Rückgangs auf einem weiterhin robusten Niveau. Preiseffekte auf der Einkaufs- und der Kundenseite glichen sich weitgehend aus.

Underlying EBITDA und EBITDA-Marge Konzern

in Mio. € 6 Mon. 2023 6 Mon. 2022 Δ in %
Underlying EBITDA 516,7 697,5 - 25,9
Underlying EBITDA-Marge 29,8 33,9

Das EBIT des Konzerns sank bei im Vorjahresvergleich nahezu konstanten Funktionskosten insbesondere in Folge des Umsatzrückgangs um 45,2 % auf 303,9Mio. € (Vorjahr: 554,7Mio. €). Neben Abschreibungen und Amortisation sind Sondereffekte in Höhe von -60,8 Mio. € (Vorjahr: -12,2 Mio. €) enthalten. Diese ergaben sich überwiegend im Zusammenhang mit den jüngsten Akquisitionen und Aufwendungen für verschiedene Konzernprojekte beziehungsweise Strukturmaßnahmen (weitere Details auf Seite 23). Die EBIT-Marge lag bei 17,5 % (Vorjahr: 26,9 %).

Das Finanzergebnis belief sich im ersten Halbjahr 2023 auf 19,2 Mio. € gegenüber 93,2 Mio. € im Vorjahr. Hierin ist ein nicht zahlungswirksamer Ertrag in Höhe von 65,4 Mio. € im Wesentlichen aus der stichtagsbezogenen Bewertung der aktienbasierten Earn-out-Verpflichtung im Zusammenhang mit dem Erwerb von BIA Separations enthalten (Vorjahr: 98,6 Mio. €). Der nach Bereinigung um diesen Effekt verbliebene Anstieg der Nettofinanzierungsaufwendungen ergab sich unter anderem aus der erhöhten Verschuldung in Folge der Ende September 2022 abgeschlossenen Akquisition von Albumedix.

Das Periodenergebnis der ersten 6 Monate 2023 nahm um 49,3 % auf 253,5 Mio. € ab (Vorjahr: 499,6 Mio. €). Der Jahresüberschuss nach Anteilen Dritter belief sich auf 188,1 Mio. € nach 371,5 Mio. € im Vergleichszeitraum. Auf Minderheitenanteile entfielen 65,4 Mio. € (Vorjahr: 128,1 Mio. €). Im Hinblick auf die Berechnung des Steueraufwands wurde die für das Gesamtjahr erwartete Steuerquote von 27 % angewendet (Vorjahr: 27 %). Inklusive der steuerlich nicht relevanten Bewertungseffekte aus der oben genannten Earn-Out Verbindlichkeit ergibt sich nominal eine Steuerquote von 21,5 %.

Maßgebliches Periodenergebnis unter Vorjahr

Das maßgebliche, den Aktionären der Sartorius AG zuzurechnende, bereinigte Periodenergebnis sank um 39,4 % von 333,9 Mio. € auf 202,5 Mio. €. Es wird ermittelt durch die Bereinigung von Sondereffekten, die Herausrechnung von Amortisation sowie auf Basis eines normalisierten Finanzergebnisses und der normalisierten Steuerquote. Das bereinigte Ergebnis je Stammaktie lag bei 2,95 € (Vorjahr: 4,88 €) bzw. je Vorzugsaktie bei 2,96 € (Vorjahr: 4,89 €).

in Mio. € 6 Mon. 2023 6 Mon. 2022
EBIT 303,9 554,7
Sondereffekte 60,8 12,2
Amortisation 54,9 51,3
Normalisiertes Finanzergebnis1 -53,6 -14,2
Normalisierter Steueraufwand2 -98,8 -163,1
Bereinigtes Ergebnis nach Steuern 267,1 440,9
Nicht beherrschende Anteile -64,7 -107,1
Bereinigtes Ergebnis nach Steuern und nach nicht beherrschenden Anteilen 202,5 333,9
Bereinigtes Ergebnis je Aktie
je Stammaktie in € 2,95 4,88
je Vorzugsaktie in € 2,96 4,89

1 Finanzergebnis bereinigt um Bewertungseffekte aus der Folgebewertung bedingter Kaufpreisverbindlichkeiten sowie Effekte aus der Fremdwährungsumrechnung und -sicherung.

2 Steueraufwand unter Berücksichtigung des durchschnittlich erwarteten Konzernsteuersatzes, basierend auf dem bereinigten Ergebnis vor Steuern

Operativer Cashflow über Vorjahr

Der Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres lag bei 362,6 Mio. € gegenüber 290,2 Mio. € im Vorjahr. Dies entspricht einem Anstieg um 24,9 %. Dem Ergebnisrückgang standen Mittelzuflüsse aus der Optimierung des Working Capitals entgegen (Vorjahr: Mittelabflüsse aus dem Aufbau von Working Capital). Zusätzlich wirkten sich niedrigere Steuerzahlungen positiv aus.

Vor dem Hintergrund der Wachstumstreiber in den Endmärkten und der mittelfristigen Wachstumsziele baut Sartorius seine Produktionskapazitäten weiter aus. Das Investitionsprogramm umfasst insbesondere Standorte in Deutschland, USA, Frankreich und Südkorea. Die Mittelabflüsse aus der Investitionstätigkeit erhöhten sich in der Berichtsperiode um 32,7 % auf 303,9 Mio. €. Die Investitionsquote bezogen auf den Umsatz lag im ersten Halbjahr bei 17,3 % gegenüber 10,7 % im Vorjahr. Durch akquisitionsbedingte Ausgaben in Höhe von -22,7Mio. € im Zusammenhang mit dem Erwerb der Gesellschaft Sartonet, welche die Produkte von Sartorius in der Türkei vertreibt, lag der Cashflow aus Investitionstätigkeit und Akquisitionen bei -326,6 Mio. € (Vorjahr: -294,5 Mio. €)

Zentrale Bilanz- und Finanzkennziffern weiterhin robust

Die Bilanzsumme des Konzerns belief sich zum 30. Juni 2023 auf 7.042,6 Mio. € und lag damit 64,9 Mio. € über dem Wert vom 31. Dezember 2022 von 6.977,7 Mio. €. Der Zuwachs ist größtenteils auf den Anstieg der langfristigen Vermögenswerte um 106,2 Mio. € auf 5.060,8 Mio. € zurückzuführen, im Wesentlichen bedingt durch die Fortsetzung des umfangreichen Investitionsprogramms. Die kurzfristigen Vermögenswerte sanken um 41,3 Mio. € auf 1.981,8 Mio. €, hauptsächlich getrieben durch den Abbau der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Das Working Capital belief sich zum 30. Juni 2023 auf 1.589,0 Mio. € (31. Dezember 2022: 1.663,5 Mio. €).

Das Eigenkapital des Sartorius Konzerns lag zum 30. Juni 2023 nahezu unverändert bei 2.706,7Mio. € (31. Dezember 2022: 2.658,9 Mio. €) und die Eigenkapitalquote befand sich mit 38,4% auf einem soliden Niveau (31. Dezember 2022: 38,1 %).

Im Berichtszeitraum stieg die Bruttoverschuldung von 2.541,2 Mio. € zum 31. Dezember 2022 auf 2.773,5 Mio. €. Sie umfasst Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten inklusive Schuldscheindarlehen sowie Leasingverbindlichkeiten. Die Nettoverschuldung, das heißt die Bruttoverschuldung abzüglich der Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente, wuchs auf 2.611,3 Mio. € (31. Dezember 2022: 2.375,3 Mio. €).

Der dynamische Verschuldungsgrad erhöhte sich infolge des Ergebnisrückgangs auf 2,1 zum 30. Juni 2023, gegenüber 1,7 zum Jahresende 2022. Er berechnet sich als Quotient aus Nettoverschuldung und underlying EBITDA der vergangenen zwölf Monate inklusive des pro-forma-Beitrags von Akquisitionen für diese Periode.

Anzahl der Beschäftigten reduziert

Sartorius beschäftigte zum 30. Juni 2023 weltweit insgesamt 15.048 Mitarbeitende, ein Rückgang um 894 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder rund 5,6 % gegenüber dem 31. Dezember 2022. In den Vorjahren hatte Sartorius den Personalbestand im Zusammenhang mit dem signifikanten Umsatzwachstum stark aufgebaut, diesen im Berichtszeitraum aber an die veränderten Nachfragebedingungen und den verringerten Kapazitätsbedarf angepasst.

Die Mitarbeiterzahl in EMEA ging im ersten Halbjahr 2023 gegenüber Ende Dezember 2022 um rund 5,4% auf 9.782 zurück. In Amerika beschäftigte Sartorius Ende Juni 3.090 Menschen, was einem Minus von 6,4 % entspricht, während die Zahl in der Region Asien | Pazifik um 5,4 % auf 2.176 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sank.

Geschäftsentwicklung Sparten

Bioprocess Solutions durch temporär schwächeres Marktumfeld beeinflusst

Die Bioprozesssparte bietet eine breite Palette innovativer Technologien für die Herstellung von Biopharmazeutika sowie Impfstoffen an. Nach den pandemiebedingt außergewöhnlich wachstumsstarken und von temporären positiven Sondereffekten geprägten Vorjahren war die Geschäftsentwicklung der Sparte in den ersten sechs Monaten 2023 deutlich durch die erwarteten Lagerbestandsreduzierungen und eine allgemeine Investitionszurückhaltung infolge von freien Produktionskapazitäten auf Kundenseite geprägt. Der Umsatz erreichte im ersten Halbjahr 1.346,5 Mio. €, was im Vergleich zum hohen Niveau des Vorjahreszeitraums einem wechselkursbereinigten Rückgang von 17,4 % (nominal: -17,8 %) entspricht. Darin enthalten ist ein Wachstumsbeitrag aus Akquisitionen von rund 1 Prozentpunkt. Ohne Berücksichtigung des Coronageschäfts bewegte sich der Rückgang wechselkursbereinigt im oberen einstelligen Prozentbereich.

Noch deutlicher zeigten sich die genannten temporären Effekte beim Auftragseingang, der sich im ersten Halbjahr um wechselkursbereinigt 35,5 % (nominal: -35,8 %) auf 1.101,7 Mio. € verringerte.

Regional betrachtet sanken die Umsätze in Amerika um 10,0 %. In der Region EMEA lag der Rückgang gegenüber einer stark vom Geschäft mit Impfstoffherstellern beeinflussten Vorjahresbasis bei 19,3 %. Auch in der Region Asien | Pazifik war der Umsatz mit einem Minus von 25 % deutlich rückläufig, wozu insbesondere die Entwicklung in China beitrug. (Alle Veränderungsraten zur regionalen Entwicklung wechselkursbereinigt).

Umsatz und Auftragseingang Bioprocess Solutions

in Mio. € 6 Mon. 2023 6 Mon. 2022 Δ in % Δ in % wb1
Umsatzerlöse 1.346,5 1.637,1 - 17,8 - 17,4
■ EMEA2 526,3 651,1 - 19,2 - 19,3
■ Amerika2 520,5 571,9 - 9,0 - 10,0
■ Asien | Pazifik2 299,7 414,1 - 27,6 - 25,0
Auftragseingang 1.101,7 1.715,9 - 35,8 - 35,5

1 wb = wechselkursbereinigt

2 Nach Sitz des Kunden

Das underlying EBITDA der Sparte ging angesichts der Volumenentwicklung in den ersten sechs Monaten des Jahres um 29,2 % auf 414,5 Mio. € zurück, woraus eine Marge von 30,8 % resultierte (Vorjahreszeitraum: 35,8 %).

Underlying EBITDA und EBITDA-Marge Bioprocess Solutions

in Mio. € 6 Mon. 2023 6 Mon. 2022 Δ in %
Underlying EBITDA 414,5 585,6 - 29,2
Underlying EBITDA-Marge in % 30,8 35,8

Lab Products & Services erzielt Profitabilitätsmarge auf hohem Vorjahresniveau trotz moderat rückläufigem Geschäft

Der Umsatz der Sparte Lab Products & Services, die auf Technologien für die Life-Science-Forschung und Pharmalabore spezialisiert ist, lag im ersten Halbjahr 2023 mit 388,7Mio. € unter dem hohen Niveau des Vorjahreszeitraums (wechselkursbereinigt: -7,3 %, nominal: - 8,2 %). Ohne Berücksichtigung des nur noch marginalen coronabezogenen Geschäfts wäre der Umsatz wechselkursbereinigt im mittleren einstelligen Prozentbereich gesunken. Dämpfend wirkte sich der Wegfall des Geschäfts mit Komponenten für Corona-Tests und eine gegenüber dem starken Vorjahreszeitraum schwächere Nachfrage aus. Insbesondere das Geschäft in Amerika war darüber hinaus durch das schwierigere Umfeld für kleine und mittlere Biotechunternehmen, die in den letzten Jahren besonders stark gewachsen waren, betroffen.

Noch deutlicher als beim Umsatz zeigten sich die oben aufgeführten temporär dämpfenden Einflussfaktoren beim Auftragseingang, der nach sechs Monaten bei 347,9 Mio. € lag (wechselkursbereinigt: -22,4 %; nominal: - 23,2 %).

Umsatz und Auftragseingang Lab Products & Services

in Mio. € 6 Mon. 2023 6 Mon. 2022 Δ in % Δ in % wb1
Umsatzerlöse 388,7 423,2 - 8,2 - 7,3
■ EMEA2 142,6 142,3 0,2 0,8
■ Amerika2 125,2 154,1 - 18,7 - 19,7
■ Asien | Pazifik2 120,8 126,8 - 4,7 - 0,8
Auftragseingang 347,9 452,9 - 23,2 - 22,4

1 wb = wechselkursbereinigt

2 Nach Sitz des Kunden

Regional betrachtet fiel die Umsatzentwicklung unterschiedlich aus. Während das Geschäft in der Region Amerika einen Rückgang um - 19,7 % verzeichnete, blieben die Erlöse in der umsatzstärksten Region EMEA sowie in Asien | Pazifik gegenüber dem Vorjahreszeitraum nahezu konstant. (Alle Veränderungsraten zur regionalen Entwicklung wechselkursbereinigt).

Das underlying EBITDA der Sparte verzeichnete in den ersten sechs Monaten des Jahres einen Rückgang auf 102,2 Mio. € (-8,7 %); die Marge lag auf dem hohen Niveau des Vorjahreszeitraums von 26,3 % (Vorjahr: 26,4 %).

Underlying EBITDA und EBITDA-Marge Lab Products & Services

in Mio. € 6 Mon. 2023 6 Mon. 2022 Δ in %
Underlying EBITDA 102,2 111,9 -8,7
Underlying EBITDA-Marge in % 26,3 26,4

Chancen- und Risikobericht

Die Chancen- und Risikosituation des Sartorius Konzerns hat sich seit der Veröffentlichung des Geschäftsberichts 2022 mit Ausnahme der im Folgenden genannten Aspekte nicht wesentlich verändert. Daher wird an dieser Stelle auf die ausführliche Beschreibung der Chancen und Risiken sowie des Risikomanagementsystems des Sartorius Konzerns auf den Seiten 71 ff. des Geschäftsberichts 2022 verwiesen.

Die Absatzrisiken haben sich im Laufe des ersten Halbjahres verändert. Die Unsicherheiten und Dynamiken in der Biopharma-Branche sind in allen Regionen deutlich gestiegen, was sich an der länger als erwartet andauernden Nachfrageschwäche zeigt. Daher hat das Unternehmen seine Planungen für das Geschäftsjahr 2023 entsprechend angepasst.

Des Weiteren hat sich die Relevanz von Akquisitionsrisiken für den Konzern durch die Übernahme von Polyplus aufgrund des signifikanten Transaktionsvolumens erhöht.

Prognosebericht

Weltwirtschaft soll 2023 trotz mehrerer Risikofaktoren wachsen

Der Internationalen Währungsfonds (IWF) erwartet für das laufende Jahr ein im historischen Vergleich unterdurchschnittliches Wachstum um global 2,8 % (2022: +3,4 %). Das Plus in den Industrieländern dürfte bei 1,3 % (2022: +2,7 %) und in den Schwellen- und Entwicklungsländern bei 3,9 % (2022: +3,9 %) liegen. Obwohl die Wachstumserwartungen damit in etwa auf Höhe der zu Jahresanfang prognostizierten Werte liegen, bestehen weiterhin mehrere Risikofaktoren, unter anderem die anhaltend hohe Inflation, Anspannungen im Bankensektor, gestiegene Finanzierungskosten sowie verschlechterte Handelsbedingungen aufgrund der angespannten geopolitischen Lage.

Für die Europäische Union erwartet der IWF für 2023 einen Anstieg der Wirtschaftsleistung um 0,7 % (2022: +3,7 %). Die Verlangsamung gegenüber dem Vorjahr wird unter anderem durch eine erwartete Stagnation in Deutschland (2023: -0,1 %; 2022: +1,8 %), sowie einer gedämpften Entwicklung in Frankreich (2023: +0,7 %; 2022: +2,6 %) beeinflusst. In Großbritannien wird mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,3 % gerechnet (2022: +4,0 %).

In der weltweit größten Volkswirtschaft, den USA, soll das Wachstum in diesem Jahr bei 1,6 % liegen (2022: +2,1 %). Der asiatisch-pazifische Wirtschaftsraum dürfte 2023 um 4,6 % wachsen (2022: +3,8 %). Der stärkste Anstieg wird dabei für Indien prognostiziert, wo die wirtschaftlichen Aktivitäten um 5,9 % steigen dürften (2022: +6,8 %), während sich das Wachstum in China in Folge der Corona-Lockerungen auf 5,2 % beschleunigen dürfte (2022: +3,0 %). Weitere für Sartorius wichtige Länder in Asien sollten ebenfalls zulegen. Für Südkorea wird eine Zunahme von 1,5 % erwartet (2022: +2,6 %) und für Japan von 1,3 % (2022: +1,1 %).

Quellen: International Monetary Fund, World Economic Outlook Update, April 2023.

Moderate Entwicklung des Biopharmamarkts und Labormarkts erwartet

Die im Geschäftsbericht 2022 auf den Seiten 85 bis 87 dargestellten Trends, die die Entwicklung des Sartorius Konzerns beeinflussen, haben insgesamt Bestand.

Das Wachstum der Pharmaindustrie basiert auf starken langfristigen Trends und ist weitgehend konjunkturunabhängig. Bis zum Jahr 2028 soll der Weltpharmamarkt nach Schätzungen von Evaluate-Pharma jährlich um circa 6 % wachsen. Innerhalb des Pharmamarktes entwickelt sich das Segment Biopharma seit Jahren besonders stark und wird auf Basis verschiedener Prognosen auch weiter überproportional zulegen. Das durchschnittliche jährliche Wachstum dürfte in den kommenden Jahren bei etwa 8 % bis 11 % liegen. Für 2028 wird ein Marktvolumen von rund 575 Mrd. € prognostiziert, sodass der Anteil biologisch hergestellter Medikamente und Impfstoffe am Gesamtumsatz des Weltpharmamarktes von aktuell 37 % auf 41 % steigen könnte.

Für das laufende Jahr haben führende Hersteller von Bioprozesstechnologie ihre zu Jahresbeginn kommunizierten Wachstumserwartungen unterjährig gesenkt. Einflussfaktoren sind insbesondere ein rückläufiges pandemiebezogenes Geschäft sowie der Abbau von erhöhten Lagerbeständen auf Kundenseite, welche die grundlegenden weiterhin sehr positiven Wachstumstreiber der Life-Science und Biopharmaka-Märkte aber nur temporär überlagern dürften.

Der Markt für Laborinstrumente und -verbrauchsmaterialien soll nach Einschätzung verschiedener Marktbeobachter in den kommenden Jahren jährlich um etwa 4 % bis 5 % wachsen und 2026 ein Volumen von etwa 85 Mrd. € erreichen.

Bezogen auf die Endmärkte dürften insbesondere von der Pharma- und Biopharmaindustrie angesichts der kontinuierlichen Erforschung und Zulassung neuer Medikamente, der hohen wissenschaftlichen und technologischen Innovationsdynamik sowie des starken Wachstums in China weiterhin die größten Nachfrageimpulse ausgehen. Beispielsweise rechnet Evaluate-Pharma für den Zeitraum 2022 bis 2028 mit einer Zunahme der sektorspezifischen Forschungsausgaben um jährlich 3,0 %. Der Produktbereich bioanalytischer Instrumente sollte nach Marktstudien in besonderem Maße von dieser Entwicklung profitieren und innerhalb des Labormarktes weiter überdurchschnittlich wachsen. Im laufenden Jahr dürfte sich die Nachfrage der Pharma- und Biopharmaindustrie nach Laborprodukten trotz der mittelfristig guten Aussichten moderater entwickeln. Als Gründe werden eine hohe Vorjahresbasis, ein eingetrübtes Finanzierungsumfelds für kleine und mittlere Biotechunternehmen sowie die sinkende Nachfrage im Zusammenhang mit Corona-Tests angeführt.

Quellen: BioPlan: 19th Annual Report and Survey of Biopharmaceutical Manufacturing Capacity and Production, April 2022; Evaluate Pharma: World Preview 2022, Outlook to 2028, Oktober 2022; SDi: Global Assessment Report 2022, Juni 2022

Im Juni revidierte Prognose für das Geschäftsjahr 2023 bestätigt

Sartorius hat Mitte Juni seine Geschäftsprognose für beide Sparten und den Gesamtkonzern für das Geschäftsjahr 2023 aufgrund der länger als erwartet anhaltenden allgemeinen schwachen Nachfragedynamik angepasst. Vor allem der weiter andauernde Lagerbestandsabbau bei Biopharma-Kunden nach der Coronavirus-Pandemie sowie eine geringe Investitionstätigkeit auf Seiten der Kunden wirken dämpfend auf die Geschäftsentwicklung. Infolge der am 18. Juli 2023 abgeschlossenen Akquisition von Polyplus wurden die Erwartungen für den nicht-organischen Wachstumsbeitrag sowie den dynamischen Verschuldungsgrad angepasst und alle übrigen Prognoseteile bestätigt.

Konzern

Die Unternehmensleitung geht für das Gesamtjahr von einem Umsatzrückgang im Konzern im niedrigen bis mittleren Zehner-Prozentbereich aus; ohne Berücksichtigung des Coronageschäfts würde sich der Umsatz im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich verringern. Zur Umsatzentwicklung sollen Akquisitionen, inklusive der von Polyplus, mit rund 2 Prozentpunkten beitragen (ohne Polyplus 1 Prozentpunkt).

Aufgrund der geringeren Volumenerwartung wird die underlying EBITDA-Marge bei etwa 30 % (Vorjahr 33,8 %) erwartet.

Die Investitionsquote bezogen auf den Umsatz soll im Jahr 2023 bei etwa 15 % und der dynamische Verschuldungsgrad etwas über 4 liegen. Die Polyplus-Akquisition ist in diesem Ausblick berücksichtigt, mögliche zukünftige Akquisitionen nicht.

Sparten

Für seine Sparte Bioprocess Solutions erwartet das Unternehmen einen Umsatzrückgang im niedrigen bis mittleren Zehner-Prozentbereich; ohne Berücksichtigung des Coronageschäfts einen Rückgang im hohen einstelligen bis niedrigen Zehner-Prozentbereich. Akquisitionen, inklusive der von Polyplus, dürften rund 2 Prozentpunkte zur Umsatzentwicklung beitragen (ohne Polyplus 1 Prozentpunkt). Die underlying EBITDA-Marge wird für das laufende Geschäftsjahr bei rund 31 % erwartet (Vorjahr: 35,7%), wobei der positive Margeneffekt aus der Polyplus-Akquisition aufgrund des unterjährigen Einbezugs keine signifikanten Auswirkungen haben dürfte.

Für die Sparte Lab Products & Services rechnet Sartorius mit einer prozentual niedrig einstellig negativen bis stabilen Umsatzentwicklung, ohne Berücksichtigung des Coronageschäfts wird eine Bandbreite von einem prozentual niedrig einstelligen Umsatzrückgang bis zu einem niedrig einstelligem Umsatzwachstum erwartet. Die underlying EBITDA-Marge soll bei rund 26 % (Vorjahr: 26,2 %) liegen.

Prognose 2023

Ist Prognose Prognose Prognose
2022 Januar 2023 April 2023 Juli 2023
--- --- --- --- ---
Sartorius Konzern
Umsatzwachstum1 15,0 % unterer einstelliger Prozentbereich unterer einstelliger Prozentbereich Rückgang im niedrigen bis mittleren Zehner-Prozentbereich
Underlying EBITDA-Marge 33,8 % etwa auf Vorjahresniveau etwa auf Vorjahresniveau ~30 %
Verschuldungsgrad (underlying) 1,7 ~1,52 ~1,52 etwas über 42
Investitionsquote 12,5 % ~12,5% ~12,5 % ~15 %
Sartorius Sparten
Sparte Bioprocess Solutions
Umsatzwachstum1 15,9 % unterer einstelliger Prozentbereich unterer einstelliger Prozentbereich Rückgang im niedrigen bis mittleren Zehner-Prozentbereich
Underlying EBITDA-Marge 35,7 % etwa auf Vorjahresniveau etwa auf Vorjahresniveau ~31 %
Sparte Lab Products & Services
Umsatzwachstum1 11,5 % mittlerer einstelliger Prozentbereich mittlerer einstelliger Prozentbereich niedrig einstellig negativ bis stabil
Underlying EBITDA-Marge 26,2 % etwa auf Vorjahresniveau etwa auf Vorjahresniveau ~26 %

1 wb = wechselkursbereinigt

2 mögliche Akquisitionen sind nicht berücksichtigt

Mittelfristprognose

Die aktuelle Nachfragesituation nach der Pandemie sieht Sartorius als eine Phase an, welche die grundlegenden sehr positiven Wachstumstreiber der Life-Science und Biopharmaka-Märkte nur temporär überlagert. Entsprechend ändert das Unternehmen seine Mittelfristziele für 2025 nicht. Diese gehen für das Jahr 2025 von einem Konzernumsatz von rund 5,5 Mrd. € bei einer underlying EBITDA-Marge von rund 34 % aus.

Die Unternehmensleitung weist zudem darauf hin, dass die Dynamiken und Volatilitäten in der Branche in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind. Zudem spielen Unsicherheiten aufgrund der veränderten geopolitischen Lage wie etwa die sich abzeichnende Entkopplungstendenzen verschiedener Staaten eine zunehmende Rolle. Daraus ergibt sich eine erhöhte Unsicherheit bei der Prognose von Geschäftszahlen.

Alle prognostizierten Zahlen sind auf Basis konstanter Währungsrelationen angegeben.

Wesentliche Ereignisse nach dem Bilanzstichtag

Sartorius hat über seinen in Frankreich gelisteten Teilkonzern Sartorius Stedim Biotech die Akquisition des französischen Unternehmens Polyplus erfolgreich abgeschlossen. Die Transaktion wurde nach Erhalt der erforderlichen Kartellfreigaben zum 18. Juli 2023 vollzogen.

Polyplus ist ein Anbieter innovativer Upstream-Technologien für Zell- und Gentherapien; die entwickelten und produzierten Transfektionsreagenzien sind wichtige Komponenten für die Herstellung viraler Vektoren. Das Unternehmen hat seinen Fokus zuletzt über dieses Feld hinaus erweitert und mit Übernahmen in angrenzenden Technologien, wie der Plasmid-Entwicklung sowie der Herstellung von Proteinen und Plasmiden, sein Angebot für Gentherapien sowie genmodifizierte Zelltherapien ausgebaut.

Der Kaufpreis in Höhe von rund 2,4 Mrd. € wurde in bar geleistet. Die Transaktion wurde im Halbjahresabschluss 2023 bilanziell nicht berücksichtigt, da die Einbeziehung der Gesellschaft ab dem Erwerbsstichtag erfolgt. Polyplus wird 2023 auf Ganzjahresbasis voraussichtlich einen Umsatz im oberen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich und eine EBITDA-Marge oberhalb der Marge der Sparte Bioprocess Solutions erzielen. Die Finanzierung der Transaktion erfolgte mit einem Brückenkredit über 2,4 Mrd. €, welcher dem Konzern für eine Übergangsphase zur Verfügung steht. Langfristig plant der Konzern, den Großteil des Kaufpreises durch die Begebung einer Anleihe zu refinanzieren.

Nach dem 30. Juni 2023 sind keine weiteren wesentlichen Ereignisse eingetreten.

Verkürzter Konzernzwischenabschluss

Gewinn- und Verlustrechnung

in Mio. € 2. Quartal 20231 2. Quartal 20221 6 Monate 2023 6 Monate 2022
Umsatzerlöse 832,0 1.035,6 1.735,2 2.060,3
Kosten der umgesetzten Leistungen - 425,1 - 501,9 - 859,0 - 988,4
Bruttoergebnis 406,9 533,7 876,2 1.071,9
Vertriebskosten - 150,5 - 153,7 - 311,0 - 302,7
Forschungs- und Entwicklungskosten - 38,1 - 41,1 - 83,8 - 83,8
Allgemeine Verwaltungskosten - 44,3 - 48,5 - 94,5 - 98,4
Sonstige betriebliche Erträge 13,9 25,1 26,7 46,6
Sonstige betriebliche Aufwendungen - 62,5 - 39,5 - 109,6 - 78,8
Überschuss vor Finanzergebnis und Steuern (EBIT) 125,4 276,0 303,9 554,7
Finanzielle Erträge 81,9 48,6 101,7 139,4
Finanzielle Aufwendungen - 50,6 - 27,4 - 82,4 - 46,2
Finanzergebnis 31,3 21,3 19,2 93,2
Ergebnis vor Steuern 156,7 297,2 323,1 647,9
Ertragsteuern - 26,2 - 74,9 - 69,6 - 148,3
Periodenergebnis 130,5 222,4 253,5 499,6
Davon entfallen auf:
Aktionäre der Sartorius AG 95,0 165,8 188,1 371,5
Nicht beherrschende Anteile 35,5 56,6 65,4 128,1
Ergebnis je Stammaktie (€) (unverwässert) 1,39 2,42 2,74 5,42
Ergebnis je Vorzugsaktie (€) (unverwässert) 1,39 2,42 2,75 5,43
Ergebnis je Stammaktie (€) (verwässert) 1,39 2,42 2,74 5,42
Ergebnis je Vorzugsaktie (€) (verwässert) 1,39 2,42 2,75 5,43

1 Die Zahlen des 2. Quartals waren nicht Bestandteil der prüferischen Durchsicht.

Die sonstigen betrieblichen Erträge und Aufwendungen werden seit dem Konzernabschluss 2022 unsaldiert ausgewiesen. Die Angaben für die Vergleichsperiode wurden entsprechend angepasst.

Gesamtergebnisrechnung

in Mio. € 2. Quartal 20231 2. Quartal 20221 6 Monate 2023 6 Monate 2022
Periodenergebnis 130,5 222,4 253,5 499,6
Absicherung künftiger Zahlungsströme (Cashflow Hedges) - 0,2 - 16,1 4,9 - 20,0
davon effektiver Teil der Veränderungen des beizulegenden Zeitwertes 0,1 -25,1 - 2,7 - 35,3
davon umgegliedert in Gewinn oder Verlust - 0,3 9,0 7,6 15,3
Ertragsteuern auf die Absicherung künftiger Zahlungsströme 0,1 5,0 - 1,0 6,2
Nettoinvestition in einen ausländischen Geschäftsbetrieb 1,8 29,9 - 7,8 39,0
Ertragsteuern auf Nettoinvestitionen in ausländische Geschäftsbetriebe 0,0 - 8,0 0,0 - 10,4
Währungsumrechnungsdifferenzen 3,9 57,6 - 24,7 70,1
Posten, die möglicherweise in die Gewinn- und Verlustrechnung umgegliedert werden, nach Steuern 5,6 68,4 - 28,6 84,8
Neubewertungen der Nettoschuld aus leistungsorientierten Versorgungsplänen 2,1 16,3 2,1 16,3
Ertragsteuern auf Neubewertungen der Nettoschuld aus leistungsorientierten Versorgungsplänen - 0,6 - 4,9 -0,6 - 4,9
FVOCI Eigenkapitalinstrumente - 10,7 0,0 - 44,4 0,0
Posten, die nicht in die Gewinn- und Verlustrechnung umgegliedert werden, nach Steuern - 9,2 11,4 - 42,9 11,4
Sonstiges Ergebnis nach Steuern - 3,6 79,8 - 71,4 96,3
Gesamtergebnis 126,9 302,2 182,1 595,9
Davon entfallen auf:
Aktionäre der Sartorius AG 88,9 239,0 118,6 460,2
Nicht beherrschende Anteile 38,0 63,3 63,4 135,6

1 Die Zahlen des 2. Quartals waren nicht Bestandteil der prüferischen Durchsicht.

Bilanz

Aktiva

in Mio. € 30. Juni 2023 31. Dez. 2022
Langfristige Vermögenswerte
Geschäfts- oder Firmenwerte 1.724,7 1.718,9
Sonstige Immaterielle Vermögenswerte 1.260,9 1.283,1
Sachanlagen 1.885,7 1.714,8
Finanzielle Vermögenswerte 105,7 150,9
Sonstige Vermögenswerte 3,4 3,3
Aktive latente Steuern 80,3 83,6
5.060,8 4.954,6
Kurzfristige Vermögenswerte
Vorräte 1.193,4 1.179,1
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 395,5 484,5
Sonstige finanzielle Vermögenswerte 48,0 47,4
Ertragsteueransprüche 46,8 30,8
Sonstige Vermögenswerte 135,9 115,6
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 162,2 165,9
1.981,8 2.023,2
Summe Aktiva 7.042,6 6.977,7

Passiva

in Mio. € 30. Juni 2023 31. Dez. 2022
Eigenkapital
Den Aktionären der Sartorius AG zustehendes Eigenkapital 2.036,8 1.989,8
Gezeichnetes Kapital 68,4 68,4
Kapitalrücklage 44,9 44,6
Andere Rücklagen und Bilanzergebnis 1.923,5 1.876,7
Nicht beherrschende Anteile 669,9 669,1
2.706,7 2.658,9
Langfristiges Fremdkapital
Pensionsrückstellungen 56,4 57,5
Sonstige Rückstellungen 20,3 20,2
Finanzverbindlichkeiten 2.170,1 1.873,8
Leasingverbindlichkeiten 111,3 112,4
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 123,1 216,3
Passive latente Steuern 237,2 235,2
2.718,4 2.515,5
Kurzfristiges Fremdkapital
Rückstellungen 60,6 66,4
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 488,2 551,9
Finanzverbindlichkeiten 460,3 523,8
Leasingverbindlichkeiten 31,8 31,2
Verbindlichkeiten gegenüber Arbeitnehmern 117,5 114,3
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 98,2 144,2
Ertragsteuerverbindlichkeiten 207,3 222,0
Sonstige Verbindlichkeiten 153,5 149,5
1.617,5 1.803,4
Summe Passiva 7.042,6 6.977,7

Kapitalflussrechnung

in Mio. € 6 Monate 2023 6 Monate 2022
Ergebnis vor Steuern 323,1 647,9
Finanzergebnis - 19,2 - 93,2
Abschreibungen auf Immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen 152,1 130,6
Veränderung der Rückstellungen - 5,3 16,1
Veränderung der Forderungen und sonstige Vermögenswerte 67,9 - 127,9
Veränderung der Vorräte - 30,9 - 166,3
Veränderung der Verbindlichkeiten (ohne Finanzverbindlichkeiten) - 30,3 - 19,3
Einzahlungen für Zinsen 3,0 3,0
Ertragsteuern - 99,2 - 102,0
Sonstige nicht zahlungswirksame Transaktionen 1,4 1,2
Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit 362,6 290,2
Investitionsauszahlungen - 300,0 - 220,0
Sonstige Zahlungen - 3,9 - 9,0
Cashflow aus Investitionstätigkeit vor Akquisitionen - 303,9 - 229,0
Erwerb von Tochterunternehmen und anderen Geschäftsbetrieben - 22,7 - 65,5
Cashflow aus Investitionstätigkeit - 326,6 - 294,5
Auszahlungen für Zinsen und sonstige Finanzierungsauszahlungen - 39,5 - 13,3
Dividendenzahlungen an:
- Aktionäre der Sartorius AG - 98,2 - 85,9
- Nicht beherrschende Anteile - 36,2 - 31,8
Veränderung der nicht beherrschenden Anteile -89,5 - 6,7
Tilgung von Finanzverbindlichkeiten - 358,0 - 263,1
Aufnahme von Finanzverbindlichkeiten 572,5 283,4
Cashflow aus Finanzierungstätigkeit - 48,9 - 117,2
Veränderung der Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente - 12,9 - 121,5
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente am Anfang der Periode 165,9 342,8
Veränderung aus der Währungsumrechnung 9,2 11,7
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente am Ende der Periode 162,2 233,1

Einzahlungen für Zinsen werden seit dem Konzernabschluss 2022 im Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit ausgewiesen. Die Angaben für die Vergleichsperiode wurden entsprechend angepasst.

Eigenkapitalveränderungsrechnung

in Mio. € Gezeichnetes Kapital Kapitalrücklage Hedgingrücklage Pensions- rücklage Gewinnrücklagen und Bilanzgewinn Unterschied aus der Währungsumr- echnung
Saldo zum 01.01.2022 68,4 43,3 - 5,1 - 28,1 1.204,9 - 23,1
Periodenergebnis 0,0 0,0 0,0 0,0 371,5 0,0
Absicherung künftiger Zahlungsströme (Cashflow Hedges) 0,0 0,0 - 16,0 0,0 0,0 0,0
Neubewertungen der Nettoschuld aus leistungsorientierten Versorgungsplänen 0,0 0,0 0,0 13,7 0,0 0,0
Währungsumrechnungsdifferenzen 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 61,7
Nettoinvestition in einen ausländischen Geschäftsbetrieb 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 39,0
Steuereffekt 0,0 0,0 4,8 - 4,0 0,0 - 10,4
Sonstiges Ergebnis nach Steuern 0,0 0,0 - 11,2 9,7 0,0 90,2
Gesamtergebnis 0,0 0,0 - 11,2 9,7 371,5 90,2
Aktienbasierte Vergütung 0,0 0,7 0,0
Dividenden - 85,9
Ausgabe eigener Anteile für den Erwerb BIA Separations 64,5
Kaufpreisverbindlicheiten (BI Israel/CellGenix/ALS) - 28,8
Nicht beherrschende Anteile ALS 0,0
Sonstige Eigenkapitalveränderungen - 5,0
Saldo zum 30.06.2022 68,4 44,0 - 16,3 - 18,4 1.521,2 67,1
Saldo zum 01.01.2023 68,4 44,6 10,7 - 14,8 1.856,2 24,7
Periodenergebnis 0,0 0,0 0,0 0,0 188,1 0,0
Absicherung künftiger Zahlungsströme (Cashflow Hedges) 0,0 0,0 2,7 0,0 0,0 0,0
Neubewertungen der Nettoschuld aus leistungsorientierten Versorgungsplänen 0,0 0,0 0,0 1,8 0,0 0,0
Währungsumrechnungsdifferenzen 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 - 20,9
Nettoinvestition in einen ausländischen Geschäftsbetrieb 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 - 7,8
FVOCI Eigenkapitalinstrumente 0,0 0,0 0,0 0,0 - 44,4 0,0
Steuereffekt 0,0 0,0 -0,8 - 0,5 0,0 0,4
Sonstiges Ergebnis nach Steuern 0,0 0,0 1,9 1,3 - 44,4 - 28,3
Gesamtergebnis 0,0 0,0 1,9 1,3 143,8 - 28,3
Aktienbasierte Vergütung 0,0 0,3 0,0
Dividenden - 98,2
Kaufpreisverbindlicheiten (CellGenix/ALS) 70,2
Erwerb zusätzlicher Anteile an Tochterunternehmen - 43,4
Sonstige Eigenkapitalveränderungen 0,0 0,0 0,0 0,0 - 0,5 0,0
Saldo zum 30.06.2023 68,4 44,9 12,6 - 13,5 1.928,1 - 3,7
in Mio. € Aktionären der Sartorius AG zustehendes Eigenkapital Nicht beherrschende Anteile Eigenkapital Gesamt
Saldo zum 01.01.2022 1.260,3 459,9 1.720,2
Periodenergebnis 371,5 128,1 499,6
Absicherung künftiger Zahlungsströme (Cashflow Hedges) - 16,0 - 4,1 - 20,0
Neubewertungen der Nettoschuld aus leistungsorientierten Versorgungsplänen 13,7 2,6 16,3
Währungsumrechnungsdifferenzen 61,7 8,4 70,1
Nettoinvestition in einen ausländischen Geschäftsbetrieb 39,0 0,0 39,0
Steuereffekt - 9,6 0,5 - 9,1
Sonstiges Ergebnis nach Steuern 88,8 7,5 96,3
Gesamtergebnis 460,2 135,6 595,9
Aktienbasierte Vergütung 0,7 0,0 0,7
Dividenden - 85,9 - 31,8 - 117,7
Ausgabe eigener Anteile für den Erwerb BIA Separations 64,5 3,6 68,1
Kaufpreisverbindlicheiten (BI Israel/CellGenix/ALS) - 28,8 0,8 - 28,0
Nicht beherrschende Anteile ALS 0,0 7,3 7,3
Sonstige Eigenkapitalveränderungen - 5,0 - 1,6 - 6,6
Saldo zum 30.06.2022 1.666,1 573,7 2.239,8
Saldo zum 01.01.2023 1.989,8 669,1 2.658,9
Periodenergebnis 188,1 65,4 253,5
Absicherung künftiger Zahlungsströme (Cashflow Hedges) 2,7 2,2 4,9
Neubewertungen der Nettoschuld aus leistungsorientierten Versorgungsplänen 1,8 0,3 2,1
Währungsumrechnungsdifferenzen - 20,9 - 3,7 - 24,7
Nettoinvestition in einen ausländischen Geschäftsbetrieb - 7,8 0,0 - 7,8
FVOCI Eigenkapitalinstrumente - 44,4 0,0 - 44,4
Steuereffekt - 0,9 - 0,7 - 1,6
Sonstiges Ergebnis nach Steuern - 69,5 - 1,9 - 71,4
Gesamtergebnis 118,6 63,4 182,1
Aktienbasierte Vergütung 0,3 0,0 0,3
Dividenden - 98,2 - 36,2 - 134,4
Kaufpreisverbindlicheiten (CellGenix/ALS) 70,2 19,2 89,4
Erwerb zusätzlicher Anteile an Tochterunternehmen - 43,4 - 46,1 - 89,5
Sonstige Eigenkapitalveränderungen - 0,5 0,4 0,0
Saldo zum 30.06.2023 2.036,8 669,9 2.706,7

Effekte aus der Währungsumrechnung von Darlehen, die einen Teil der Nettoinvestition in einen ausländischen Geschäftsbetrieb darstellen, werden seit dem Konzernabschluss 2022 in der Rücklage für Unterschiede aus der Währungsumrechnung erfasst. Die Angaben für die Vergleichsperiode wurden entsprechend angepasst.

Segmentberichterstattung

Die Segmentabgrenzung ergibt sich gem. IFRS 8 aus dem sog. Management-Approach, d. h. die Festlegung der Segmente erfolgt in Analogie zur internen Steuerungs- und Berichtsstruktur des Unternehmens. Dementsprechend sind die Sparten Bioprocess Solutions sowie Lab Products &Services als operative Segmente anzusehen.

Die für die Beurteilung der Segmenterfolge relevante Erfolgsgröße ist für den Sartorius Konzern das sog. underlying EBITDA. Das EBITDA entspricht dem Überschuss vor Finanzergebnis, Steuern und Abschreibungen. Beim "underlying EBITDA" handelt es sich um ein um Sondereffekte bereinigtes, operatives Ergebnis. Als Sondereffekte gelten Aufwendungen und Erträge im Zusammenhang mit Akquisitionen, Strukturmaßnahmen (z. B. Restrukturierungen, größere Konzernprojekte) sowie sonstige Aufwendungen und Erträge, die die nachhaltige Ertragskraft des Segments verzerren, wie etwa Veräußerungsgewinne und -Verluste aus Anlagenabgängen.

Die Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden der berichtspflichtigen Segmente entsprechen im Übrigen den allgemeinen Konzernbilanzierungsrichtlinien.

Umsatzerlöse Underlying EBITDA
in Mio. € 6 Monate 2023 6 Monate 2022 6 Monate 2023 6 Monate 2022
--- --- --- --- ---
Bioprocess Solutions 1.346,5 1.637,1 414,5 585,6
Lab Products & Services 388,7 423,2 102,2 111,9
Summe 1.735,2 2.060,3 516,7 697,5
Überleitung zum Ergebnis vor Steuern
Abschreibungen - 152,1 - 130,6
Sondereffekte - 60,8 - 12,2
Überschuss vor Finanzergebnis und Steuern (EBIT) 303,9 554,7
Finanzergebnis 19,2 93,2
Ergebnis vor Steuern 323,1 647,9

Die Sondereffekte stellen sich wie folgt dar:

in Mio. € 6 Monate 2023 6 Monate 2022
M&A Projekte | Integrationskosten - 16,6 - 9,3
Strukturmaßnahmen - 37,6 - 0,1
Sonstiges - 6,6 - 2,8
Gesamt - 60,8 - 12,2

Aufgliederung der Umsatzerlöse

Geografische Informationen nach Segmenten

Die Umsatzerlöse aus Verträgen mit Kunden gem. IFRS 15 sind nach den beiden Kategorien "Art der Produkte" sowie "geographische Regionen" aufgegliedert und in nachfolgender Tabelle dargestellt. Die Kategorisierung nach der "Art der Produkte" entspricht den berichtspflichtigen Segmenten, da die Abgrenzung der berichteten Segmente insbesondere auf den unterschiedlichen vertriebenen Produkten basiert. Die regionale Zuordnung der Umsatzerlöse erfolgt nach dem Sitz des Kunden.

6 Monate 2023 6 Monate 2022
in Mio. € Konzern Bioprocess Solutions Lab Products & Services Konzern Bioprocess Solutions Lab Products & Services
--- --- --- --- --- --- ---
Umsatz 1.735,2 1.346,5 388,7 2.060,3 1.637,1 423,2
■ EMEA 668,9 526,3 142,6 793,4 651,1 142,3
■ Amerika 645,7 520,5 125,2 726,1 571,9 154,1
■ Asien | Pazifik 1 420,5 299,7 120,8 540,9 414,1 126,8

Angaben zum verkürzten Zwischenabschluss

1. Allgemeine Informationen

Die Sartorius AG ist eine börsennotierte Aktiengesellschaft deutschen Rechts und oberstes Mutterunternehmen des Sartorius Konzerns. Die Gesellschaft ist im Handelsregister des Amtsgerichts Göttingen (HRB 1970) eingetragen und hat ihren Sitz in Göttingen, Bundesrepublik Deutschland, Otto-Brenner-Str. 20.

Der Sartorius-Konzern ist ein international führender Partner der biopharmazeutischen Forschung und Industrie. Die Sparte Lab Products & Services (LPS) konzentriert sich mit innovativen Laborinstrumenten und Verbrauchsmaterialien auf Forschungs- und Qualitätssicherungslabore in Pharma- und Biopharmaunternehmen und akademischen Forschungseinrichtungen. Die Sparte Bioprocess Solutions (BPS) trägt mit einem breiten Produktportfolio mit Fokus auf Einweg-Lösungen dazu bei, dass Biotech-Medikamente und Impfstoffe sicher und effizient hergestellt werden.

2. Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden

Der Konzernabschluss der Sartorius AG zum 31. Dezember 2022 wurde in Übereinstimmung mit den Rechnungslegungsstandards des IASB -den International Financial Reporting Standards (IFRS) -wie sie in der EU anzuwenden sind, aufgestellt. Im vorliegenden Zwischenabschluss, der nach den Anforderungen des IAS 34, Zwischenberichterstattung, aufgestellt ist, wurden -mit Ausnahme der im Geschäftsjahr erstmalig anzuwendenden geänderten Vorschriften -grundsätzlich dieselben Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden angewandt, die auch dem vorangegangenen Konzernabschluss des Geschäftsjahres 2022 zu Grunde lagen.

Ferner wurden sämtliche zum 30. Juni 2023 anzuwendenden Interpretationen des International Financial Reporting Standards Interpretations Committee (IFRS IC) beachtet. Die angewandten Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden sind im Einzelnen im Anhang des Konzernabschlusses zum 31. Dezember 2022 erläutert. Die erstmalig angewendeten Standards bzw. die geänderten Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden werden in Abschnitt 3 erläutert.

Im Hinblick auf die Berechnung des Steueraufwands wird auf den Zwischenabschluss die Regelung des IAS 34.30c) angewendet, d. h. die für das Gesamtjahr erwartete Steuerquote (27 %; H1 2022: 27 %) findet grundsätzlich Anwendung. Unter Berücksichtigung der steuerlich nicht relevanten Effekte aus der Bewertung der Earn-Out Verbindlichkeiten im Wesentlichen in Zusammenhang mit dem Erwerb von BIA Separations ergibt sich effektiv eine Steuerquote von ca. 21,5 % (H1 2022: 22,9 %).

3. Im laufenden Geschäftsjahr erstmals angewendete Rechnungslegungsvorschriften

Erstmalig in 2023 anzuwendende Standards

Der Konzern wendet die folgenden neuen bzw. geänderten Rechnungslegungsvorschriften erstmals in der Berichtsperiode an:

Änderungen an IAS 1 und IFRS Practice Statement 2 - Angabe von Rechnungslegungsmethoden

Mit der Änderung wurde klargestellt, dass Unternehmen alle wesentlichen Rechnungslegungsmethoden anzugeben haben (vorher: "maßgebliche Rechnungslegungsmethoden"). Überdies definiert der Standard nunmehr ausdrücklich, wann Informationen zu Rechnungslegungsmethoden "wesentlich" sind und führt Beispiele für regelmäßig als wesentlich anzusehende Informationen an. Das IFRS Practice Statement 2 wurde entsprechend angepasst, um Leitlinien für die Anwendung des Konzepts der Wesentlichkeit auf Angaben zu Rechnungslegungsmethoden bereitzustellen.

Änderungen an IAS 8 - Definition von rechnungslegungsbezogenen Schätzungen

Die Änderungen umfassen definitorische Klarstellungen, die den Anwendern die Abgrenzung von Rechnungslegungsmethoden und rechnungslegungsbezogenen Schätzungen erleichtern sollen. Bedeutung hat diese Abgrenzung, da Änderungen von rechnungslegungsbezogenen Schätzungen prospektiv zu erfassen sind, wohingegen jene von Rechnungslegungsmethoden grundsätzlich retrospektiv erfasst werden. IAS 8 definiert den Begriff "rechnungslegungsbezogene Schätzungen" nunmehr als "monetäre Beträge im Abschluss, die mit Bewertungsunsicherheiten behaftet sind."

Änderungen an IAS 12 - Latente Steuern, die sich auf Vermögenswerte und Schulden beziehen, die aus einer einzigen Transaktion entstehen

Die sog. Initial Recognition Exemption des IAS 12 sah bisher ein Ansatzverbot für latente Steuern bei erstmaligem Ansatz eines Vermögenswerts oder einer Schuld aus einem Geschäftsvorfall vor, der weder ein Unternehmenserwerb ist noch das bilanzielle oder steuerliche Ergebnis beeinflusst. Mit der Änderung wird eine Rückausnahme von dieser Vorschrift eingeführt, wonach latente Steuern dann zu erfassen sind, wenn aus einer einzelnen Transaktion betragsgleiche abzugsfähige und zu versteuernde temporäre Differenzen entstehen. Die Anwendung der Änderung erfolgt modifiziert retrospektiv.

Aus Sicht des Konzerns sind von der Änderung insbesondere die aus Leasingverhältnissen gemäß IFRS 16 resultierenden Nutzungsrechte und Leasingverbindlichkeiten bzw. etwaige damit verbundenen temporären Differenzen betroffen, für welche der Ansatz latenter Steuern nunmehr zwingend ist. Wesentliche Auswirkungen auf den Konzernabschluss oder eine rückwirkende Anpassung ergeben sich indes nicht, da der Konzern in der Folgebilanzierung bereits latente Steuern auf Differenzen aus bilanzwirksamen Leasingverhältnissen gebildet hat.

IFRS 17 und Änderungen an IFRS 17 - Erstanwendung von IFRS 17 und IFRS 9 - Vergleichsinformationen

IFRS 17 Versicherungsverträge regelt die Grundsätze für den Ansatz, die Bewertung, den Ausweis sowie die Angaben für Versicherungsverträge, die in den Anwendungsbereich des Standards fallen.

Änderungen an IAS 12 - Internationale Steuerreform - Pillar Two

Ziel der Mindestbesteuerung (sog. Pillar Two) großer Konzerne ist, dass die betroffenen Unternehmen mindestens einen effektiven Unternehmenssteuersatz von 15 % zahlen. Sobald die Änderungen der Steuergesetze in den Ländern, in denen der Konzern tätig ist, gelten, kann der Konzern der Mindeststeuer unterliegen. Auf Basis des aktuellen Kenntnisstands, können Auswirkungen insbesondere aus den Konzern-Aktivitäten in den Ländern Puerto Rico (niedriger effektiver Steuersatz aufgrund steuerlicher Investitionsförderungen) und Irland (nominaler Steuersatz: 12,5 %) resultieren. Zum 30. Juni 2023 verfügte der Konzern nicht über ausreichende Informationen, um die möglichen quantitativen Auswirkungen der globalen Mindestbesteuerung zu bestimmen.

Die Änderungen an IAS 12 sehen eine vorübergehende Ausnahme von der Pflicht zur Bilanzierung latenter Steuern vor, die aus der Anwendung der Pillar Two-Regelungen zur Mindestbesteuerung resultieren. Zudem wurden gezielte Angabepflichten für die betroffenen Unternehmen aufgenommen. Im vorliegenden Zwischenabschluss zum 30. Juni 2023 wird die Ausnahme freiwillig angewendet.

Die Anwendung der neuen Regelungen hatte keine wesentlichen Auswirkungen auf den Konzernzwischenabschluss.

4. Ermessensentscheidungen und Schätzungen

Bei der Erstellung des Zwischenabschlusses wendet die Konzernleitung Schätzungen und Annahmen an, die auf den Verhältnissen und Einschätzungen am Bilanzstichtag beruhen. Die tatsächlichen Ergebnisse können von diesen Schätzwerten abweichen. Die wesentlichen Schätzungen und Annahmen sind im Vergleich zum Konzernabschluss zum 31. Dezember 2022 unverändert geblieben. Allerdings ist die allgemeine Unsicherheit, die den rechnungslegungsrelevanten Schätzungen und Annahmen inhärent ist, insbesondere aufgrund des anhaltenden Konflikts zwischen Russland und der Ukraine weiterhin relativ hoch.

Nach den in der jüngeren Vergangenheit besonders hohen Wachstumsraten infolge der Covid-19-Pandemie befindet sich der Konzern in einer Phase der Normalisierung. Im ersten Halbjahr 2023 führte dies zu rückläufigen Umsatzerlösen und einem rückläufigen Ergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Für die Sparte Bioprocess Solutions wirkten sich im Berichtszeitraum insbesondere der fast vollständige Rückgang der Nachfrage im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie sowie der anhaltende Lagerbestandsabbau der Kunden negativ auf die Umsatzentwicklung aus. Die Sparte Lab Products & Services verzeichnete im ersten Halbjahr ebenfalls einen Umsatzrückgang. Der Konzern geht davon aus, dass die aktuelle Nachfragesituation nach der Pandemie eine Phase ist, welche die grundlegenden Wachstumstreiber der Life-Science und Biopharma-Märkte nur temporär überlagert. Entsprechend bleiben die mittelfristigen Erwartungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt unverändert. Wesentliche Wertminderungen langfristiger Vermögenswerte waren zum 30. Juni 2023 nicht zu erfassen (siehe Abschnitt 9).

Auswirkungen des Russland-Ukraine Konflikts

Seit Beginn des Krieges hat Sartorius alle Geschäftsaktivitäten in Russland ausgesetzt, die nicht im Zusammenhang mit humanitären Medizinprodukten stehen. Dies geschieht unter Berücksichtigung geltender Sanktionen und im Einklang mit der Praxis anderer Unternehmen im Pharma- und Gesundheitssektor. Die Umsatzerlöse in Russland sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich gesunken, wobei das Geschäft in Russland bereits vor Ausbruch des Konflikts keine kritische Bedeutung für den Konzern als Ganzes aufwies. Der Konzern ist vor allem den indirekten Auswirkungen des Konflikts ausgesetzt, beispielsweise steigenden Energiepreisen oder den Beeinträchtigungen des weltweiten Transport- und Logistiksektors. Der Konzern beobachtet diese indirekten Auswirkungen und geht gegenwärtig davon aus, dass die Profitabilität mit entsprechenden Gegenmaßnahmen wie z. B. Preiserhöhungen auf dem bisherigen Niveau gehalten werden kann.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt führen die direkten und indirekten Auswirkungen des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine nicht zu Änderungen der wesentlichen rechnungslegungsrelevanten Annahmen und Schätzungen bzw. wirken sich nicht über das verringerte Geschäftsvolumen hinaus auf den Konzernabschluss aus. Insbesondere wurden in diesem Zusammenhang keine Anzeichen für Wertminderungen langfristiger Vermögenswerte zum 30. Juni 2023 identifiziert.

5. Konsolidierungskreis

Eine Liste der in den Konzernabschluss einbezogenen Gesellschaften befindet sich im Geschäftsbericht 2022. Im laufenden Geschäftsjahr wurden folgende Gesellschaften erstmalig in den Konzernabschluss einbezogen:

Sartonet Seperasyon Teknolojileri Anonim Şirketi ("Sartonet"), Istanbul, Türkei

Die Beherrschung über Sartonet wurde am 1. Juni 2023 im Zuge eines Unternehmenszusammenschlusses erlangt (siehe Abschnitt 6).

Der Konzern erwarb im laufenden Geschäftsjahr weitere 10 % der Anteile an der Gesellschaft Sartorius Korea Biotech LLC, Seoul, Südkorea, für einen Kaufpreis von rund 20,8 Mio. €. Der Konzern verfügt somit über 79 % der Anteile und Stimmrechte an der Gesellschaft.

Der Anteil an Sartorius CellGenix GmbH, Freiburg i. B., Deutschland, wurde im laufenden Geschäftsjahr um weitere 25 % von 51 % auf 76 % aufgestockt. Im Gegenzug für den Erwerb der 25 % an der Gesellschaft wurde den Inhabern der nicht beherrschenden Anteile ein Betrag in Höhe von etwa 66,7 Mio. € gezahlt. Die für die Put Option der nicht beherrschenden Anteile bilanzierte Verbindlichkeit in Höhe von 66,1 Mio. € (Stand 31. Dezember 2022) wurde in die Gewinnrücklagen umgegliedert.

Im laufenden Geschäftsjahr wurde die Gesellschaft Biological Industries Hong Kong Ltd., Kowloon, Hong Kong, liquidiert.

6. Unternehmenserwerbe

Akquisition Sartonet

Am 1. Juni 2023 hat der Konzern über seinen in Frankreich börsennotierten Teilkonzern 100 % der Anteile an der Gesellschaft Sartonet Seperasyon Teknolojileri Anonim Şirketi ("Sartonet") mit Sitz in Istanbul, Türkei, übernommen. Das Unternehmen importiert und vertreibt die Produkte des Sartorius Konzerns in der Türkei und beschäftigte zum Erwerbszeitpunkt etwa 40 Mitarbeiter. Die übertragene Gegenleistung beträgt rund 29,1 Mio. € und wurde in Barmitteln entrichtet. Die dem Erwerb zurechenbaren Aufwendungen in Höhe von 0,2 Mio. € wurden in den sonstigen betrieblichen Aufwendungen erfasst. Der Geschäfts- oder Firmenwert wird dem Segment Bioprocess Solutions zugeordnet und reflektiert u. a. die Sicherung von Marktpräsenz und Geschäftschancen in der Region, den übernommenen Mitarbeiterstab sowie weitere nicht separat angesetzte immaterielle Vermögenswerte. Eine steuerliche Abziehbarkeit des Geschäfts- oder Firmenwerts ist nicht gegeben.

Die Kaufpreisallokation stellt sich wie folgt dar:

in Mio. € Finale Kaufpreisallokation
Kundenbeziehungen 11,0
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 2,5
Vorräte 1,3
Sonstige Vermögenswerte 0,4
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 6,4
Latente Steuern -netto - 2,2
Verbindlichkeiten - 0,7
Erworbenes Nettovermögen 18,5
Kaufpreis 29,1
Geschäfts- oder Firmenwerte 10,5

Der Umsatz- und Ergebnisbeitrag von Sartonet seit dem Erwerbszeitpunkt ist unwesentlich. Aufgrund der Unternehmenseigenschaft als Distributor ergäbe sich kein wesentlicher Effekt auf die im Halbjahresabschluss ausgewiesenen Umsatzerlöse und das Konzernergebnis, sofern eine Konsolidierung bereits ab dem 1. Januar 2023 erfolgt wäre.

7. Finanzinstrumente

Die folgende Tabelle stellt die Buch- und beizulegenden Zeitwerte der Finanzinstrumente des Konzerns zum 30. Juni 2023 und zum 31. Dezember 2022 nach IFRS 9 dar.

Kategorie gem. Buchwert Beizulegender Zeitwert Buchwert Beizulegender Zeitwert
in Mio. € IFRS 9 30. Juni 2023 30. Juni 2023 31. Dez. 2022 31. Dez. 2022
--- --- --- --- --- ---
Beteiligungen an nicht-konsolidierten Tochterunternehmen N/A 45,5 45,5 45,4 45,4
Finanzanlagen Eigenkapitaltitel zum beizulegenden Zeitwert bewertet (erfolgswirksam) 4,4 4,4 4,4 4,4
Finanzanlagen Eigenkapitaltitel zum beizulegenden Zeitwert bewertet (erfolgsneutral) 23,5 23,5 67,7 67,7
Finanzanlagen Schuldtitel zum beizulegenden Zeitwert bewertet (erfolgswirksam) 25,0 25,0 26,4 26,4
Finanzielle Vermögenswerte Zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet 7,1 7,1 7,0 7,0
Derivative Finanzinstrumente in Sicherungsbeziehung1 N/A 0,3 0,3 0,0 0,0
Finanzielle Vermögenswerte (langfristig) 105,7 105,7 150,9 150,9
Vertragsvermögenswerte N/A 13,7 13,7 13,8 13,8
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen Schuldtitel zum beizulegenden Zeitwert bewertet (erfolgsneutral) 145,8 145,8 213,9 213,9
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen Zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet 236,1 236,1 256,7 256,7
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 395,5 395,5 484,5 484,5
Forderungen und sonstige Vermögenswerte Zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet 32,2 32,2 39,3 39,3
Derivative Finanzinstrumente in Sicherungsbeziehung1 N/A 15,8 15,8 8,1 8,1
Sonstige finanzielle Vermögenswerte (kurzfristig) 48,0 48,0 47,4 47,4
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente Zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet 162,2 162,2 165,9 165,9
Kategorie gem. Buchwert Beizulegender Zeitwert Buchwert Beizulegender Zeitwert
in Mio. € IFRS 9 30. Juni 2023 30. Juni 2023 31. Dez. 2022 31. Dez. 2022
--- --- --- --- --- ---
Finanzverbindlichkeiten Finanzielle Verbindlichkeiten zu Anschaffungskosten 2.630,4 2.503,6 2.397,6 2.241,5
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen Finanzielle Verbindlichkeiten zu Anschaffungskosten 241,5 241,5 304,9 304,9
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen | erhaltene Anzahlungen (Vertragsverbindlichkeiten) N/A 246,7 246,7 247,1 247,1
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 488,2 488,2 551,9 551,9
Derivative Finanzinstrumente in Sicherungsbeziehung1 N/A 3,0 3,0 11,4 11,4
Derivative Finanzinstrumente in Sicherungsbeziehung für Zinsänderungsrisiko N/A 7,3 7,3 0,0 0,0
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten Finanzielle Verbindlichkeiten zum beizulegenden Zeitwert bewertet (erfolgswirksam) 8,6 8,6 76,2 76,2
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten Finanzielle Verbindlichkeiten zu Anschaffungskosten 202,4 191,4 273,0 258,6
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 221,3 210,3 360,5 346,2

1 Die Beträge enthalten jeweils auch den nicht designierten Teil der Derivate in Höhe von insgesamt -2,1 Mio. € (31. Dezember 2022: - 6,2 Mio. €)

Die beizulegenden Zeitwerte der Finanzinstrumente wurden grundsätzlich basierend auf den am Bilanzstichtag verfügbaren Marktinformationen ermittelt und sind einer der drei Hierarchiestufen von beizulegenden Zeitwerten gemäß IFRS 13 zuzuordnen.

Finanzinstrumente der Stufe 1 werden auf Basis quotierter Preise auf aktiven Märkten für identische Vermögenswerte und Verbindlichkeiten bewertet. Innerhalb der Stufe 2 wird die Bewertung der Finanzinstrumente auf Basis von Faktoren, die aus beobachtbaren Marktdaten ableitbar sind, oder anhand von Marktpreisen für ähnliche Instrumente durchgeführt. Finanzinstrumente der Stufe 3 werden auf Basis von Inputfaktoren, die nicht aus beobachtbaren Marktdaten ableitbar sind, bewertet.

Bei den zum Bilanzstichtag zum beizulegenden Zeitwert angesetzten Finanzinstrumenten handelt es sich insbesondere um Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, die aufgrund des Factoring-Programms Teil eines Portfolios sowohl mit Halte- als auch Veräußerungsabsicht sind. Die Bewertung dieser Forderungen aus Lieferungen und Leistungen erfolgt angesichts der kurzen Vertragslaufzeiten und unwesentlichen Ausfallrisiken analog zur Bewertung der zu fortgeführten Anschaffungskosten bilanzierten Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Daneben bestehen zum 30. Juni 2023 Derivate in Form von Devisentermingeschäften sowie Derivate zur Absicherung des mit der geplanten Anleiheemission zusammenhängenden Zinsänderungsrisikos (siehe Abschnitt 10). Die Bewertung der Derivate erfolgt jeweils auf Basis notierter Devisenkurse und am Markt erhältlicher Zinsstrukturkurven (Stufe 2).

Für die Bewertung der erfolgsneutral zum beizulegenden Zeitwert bewerteten Beteiligung an der BICO Group AB wird der aktuelle Aktienkurs am Bilanzstichtag zugrunde gelegt (Stufe 1). Der beizulegende Zeitwert der Beteiligung beträgt am Bilanzstichtag 23,5 Mio. €. Die im sonstigen Ergebnis erfasste Wertänderung seit dem 31. Dezember 2022 beträgt -44,2 Mio. €. Die übrigen zum beizulegenden Zeitwert bilanzierten Finanzanlagen werden auf Basis der jüngsten am Bilanzstichtag verfügbaren verlässlichen Wertindikation, beispielsweise auf Basis der jüngsten durchgeführten Finanzierungsrunde, aktueller Investoreninformationen oder unveränderter Anschaffungskosten, bewertet (Stufe 3). Zum Bilanzstichtag ergaben sich keine wesentlichen Wertänderungen.

Die zum beizulegenden Zeitwert bewerteten Finanzinstrumente umfassen des Weiteren die als finanzielle Verbindlichkeiten klassifizierten bedingten Gegenleistungen im Zusammenhang mit den Erwerben von BIA Separations, WaterSep BioSeparations sowie Xell. Da die Bewertung jeweils u. a. von der prognostizierten Umsatzentwicklung abhängt, sind die Bewertungen der Stufe 3 zuzuordnen. Die Bewertungen erfolgen unter Verwendung aktueller Bewertungsparameter zum Bilanzstichtag.

Am Bilanzstichtag 30. Juni 2023 wurde der beizulegende Zeitwert der zu diesem Zeitpunkt noch ausstehenden bedingten Gegenleistung im Zusammenhang mit BIA Separations mit 7,6 Mio. € bewertet. Die Änderung seit dem 31. Dezember 2022 (Wert: 72,1 Mio. €) in Höhe von 64,5 Mio. € reflektiert im Wesentlichen angepasste Umsatzerwartungen sowie den Rückgang des Aktienkurses der Sartorius Stedim Biotech S.A und wurde ergebniswirksam im Finanzergebnis erfasst. Die wesentlichen Bewertungsparameter sind die für die Planjahre angenommenen Umsatzerlöse sowie der Aktienkurs der Sartorius Stedim Biotech S.A. am jeweiligen Bewertungsstichtag. Unter der Annahme um 20 % höherer (geringerer) Umsatzerlöse in allen verbleibenden relevanten Planjahren wäre die auszuweisende Verbindlichkeit am Bilanzstichtag etwa 4,7 Mio. € höher (ca. 3,6 Mio. € niedriger). Bei einem um 20 % höheren (niedrigeren) Aktienkurs am Bilanzstichtag wäre die Verbindlichkeit etwa 1,5 Mio. € höher (ca. 1,5 Mio. € niedriger) bewertet worden. Die tatsächlichen künftigen Ergebnisse können von diesen isoliert betrachteten Sensitivitäten abweichen.

Die im Zusammenhang mit dem Erwerb von WaterSep BioSeparations vereinbarte umsatzabhängige Earn-Out-Komponente kommt im Jahr 2024 zur Auszahlung. Am 30. Juni 2023 beträgt der beizulegende Zeitwert etwa 0,8 Mio. €. Die Wertänderung seit dem 31. Dezember 2022 in Höhe von 2,2 Mio. € wurde ergebniswirksam im Finanzergebnis erfasst. Im Zuge des Erwerbs der Xell AG wurden zwei umsatzabhängige Earn-Out-Komponenten vereinbart, die in den Jahren 2024 und 2026 zur Auszahlung kommen. Am 30. Juni 2023 beträgt der beizulegende Zeitwert etwa 0,2 Mio. €. Die Wertänderung seit dem 31. Dezember 2022 in Höhe von 0,9 Mio. € wurde ergebniswirksam im Finanzergebnis erfasst. Unter der Annahme um 10 % höherer (geringerer) Umsatzerlöse in allen verbleibenden Planjahren wäre die auszuweisende Verbindlichkeit am Bilanzstichtag etwa 0,2 Mio. € höher (ca. 0,1 Mio. € niedriger).

Die Ermittlung der anzugebenden beizulegenden Zeitwerte für die zu fortgeführten Anschaffungskosten bilanzierten finanziellen Verbindlichkeiten (insbesondere Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten und aus Schuldscheindarlehen) erfolgte auf der Basis der Marktzinskurve unter Berücksichtigung aktueller (indikativer) Credit Spreads (Stufe 2). Die in den sonstigen finanziellen Verbindlichkeiten enthaltenen Verbindlichkeiten für den Erwerb nicht-beherrschender Anteile an den Tochterunternehmen Automated Lab Solutions GmbH sowie Sartorius CellGenix GmbH werden erfolgsneutral gemäß der Effektivzinsmethode bilanziert. Nachdem der Konzern im laufenden Geschäftsjahr weitere 25 % an letztgenannter Gesellschaft erworben hat (siehe hierzu Abschnitt 5), beträgt die Verbindlichkeit für die noch ausstehenden Anteile zum Bilanzstichtag 96,2 Mio. €. Unter der Annahme um 10 % höherer (geringerer) Umsatzerlöse in allen verbleibenden Planjahren wäre die auszuweisende Verbindlichkeit am Bilanzstichtag etwa 6,1 Mio. € höher (ca. 6,4 Mio. € niedriger). Die Verbindlichkeit für den Erwerb der nicht-beherrschender Anteile an der Automated Lab Solutions GmbH beträgt zum Bilanzstichtag 14,8 Mio. €. Unter der Annahme um 10 % höherer (geringerer) Umsatzerlöse in allen verbleibenden Planjahren wäre die auszuweisende Verbindlichkeit am Bilanzstichtag etwa 0,7 Mio. € höher (ca. 0,5 Mio. € niedriger).

Die anzugebenden beizulegenden Zeitwerte der übrigen finanziellen Vermögenswerte und Schulden entsprechen aufgrund ihrer überwiegend kurzen Restlaufzeit oder unveränderten Anschaffungskosten annähernd ihrem Buchwert. Das maximale Ausfallrisiko wird durch die Buchwerte der in der Bilanz angesetzten finanziellen Vermögenswerte wiedergegeben.

Umgliederungen zwischen den Hierarchiestufen werden zum Ende der Berichtsperiode erfasst, in denen die Änderung eingetreten ist. In der Berichtsperiode gab es keine Übertragungen zwischen den Stufen.

8. Nahestehende Personen und Unternehmen

Die in den Konzernabschluss einbezogenen Konzerngesellschaften stehen in Beziehungen mit nahestehenden Unternehmen im Sinne von IAS 24. Dies betrifft insbesondere Geschäfte mit nicht konsolidierten Tochterunternehmen. Diese Transaktionen werden grundsätzlich zu marktüblichen Konditionen abgewickelt.

In der Berichtsperiode wurden wie im Vorjahreszeitraum keine wesentlichen Umsatzerlöse mit diesen Unternehmen erzielt, es bestanden Forderungen aus Darlehen in Höhe von 15,8 Mio. € (11,8 Mio. €). Mit einem verbundenen Unternehmen besteht ein langfristiger Dienstleistungsvertrag, in der Berichtsperiode sind dafür im Konzernabschluss Aufwendungen in Höhe von 7,7 Mio. € (9,4 Mio. €) angefallen.

Zu weiteren Ausführungen auch im Hinblick auf nahestehende Personen wird auf den Geschäftsbericht 2022 (S. 235) verwiesen.

9. Sonstige Angaben

Wertminderungstests sind insbesondere jährlich beim Goodwill und bei Vermögenswerten mit unbestimmter Nutzungsdauer durchzuführen. Überdies sind Wertminderungstests bei Vorliegen von Anzeichen für Wertminderungen von langfristigen Vermögenswerten am Bilanzstichtag durchzuführen. Die Analysen des Konzerns ergaben, dass zum 30. Juni 2023 keine wesentlichen Wertminderungen von Vermögenswerten zu erfassen waren.

In der Berichtsperiode hat die Gesellschafterversammlung der Sartorius AG eine Dividende in Höhe von 98,2 Mio. € beschlossen, von denen 48,9 Mio. € auf Stammaktien und 49,2 Mio. € auf Vorzugsaktien entfällt. Die Dividende wurde im ersten Halbjahr 2023 gezahlt.

Der Vorstand hat den verkürzten Konzernzwischenabschluss am 20. Juli 2023 zur Veröffentlichung freigegeben. Eine prüferische Durchsicht des 6 -Monatsberichts seitens des Konzernabschlussprüfers ist erfolgt. Die Zahlen des Einzelquartals Q2 in der Gewinn- und Verlustrechnung sowie der Gesamtergebnisrechnung waren nicht Bestandteil dieses Reviews.

10. Ereignisse nach dem Bilanzstichtag

Akquisition Polyplus

Am 18. Juli 2023 hat der Konzern über seinen in Frankreich börsennotierten Teilkonzern Sartorius Stedim Biotech 100% der Anteile und Stimmrechte an der Gesellschaft PolygenX A, der Muttergesellschaft der Polyplus-Gruppe, erworben. Polyplus mit Sitz in Straßburg, Frankreich, wurde 2001 gegründet und hat Standorte in Frankreich, Belgien, den USA und China. Mit rund 270 Mitarbeitern entwickelt und produziert Polyplus Transfektions- sowie DNA- und RNA-Trägerreagenzien und Plasmid-DNA in hoher, GMP-konformer Qualität. Diese wichtigen Komponenten werden für die Produktion viraler Vektoren verwendet, die wiederum bei Zell- und Gentherapien sowie weiteren neuen medizinischen Therapieverfahren eingesetzt werden.

Der Kaufpreis in Höhe von rund 2,4 Mrd. € wurde in bar geleistet. In Anbetracht der kurzen Zeitspanne zwischen Erlangung der Kontrolle und Aufstellung des Konzernzwischenabschlusses konnte eine Neubewertung des Nettoreinvermögens entsprechend IFRS 3 noch nicht durchgeführt werden, so dass die nachfolgenden Einschätzungen nur indikativen Charakter haben und sich im Rahmen der Kaufpreisallokation nach IFRS 3 ändern können.

Erwartungsgemäß werden die wesentlichen separat anzusetzenden immateriellen Vermögenswerte aus Technologien (voraussichtlich 650 Mio. € - 1.000 Mio. €) und Kundenbeziehungen (150 Mio. € - 350 Mio. €) bestehen. Der Geschäfts- oder Firmenwert kann aus der Ergänzung des Produktportfolios der Sparte Bioprocess Solutions und Synergien, insbesondere aus der Kombination des erworbenen Geschäfts mit dem bestehenden Produktportfolio im Bereich der Zell- und Gentherapien, sowie weiteren nicht separierbaren immateriellen Werte entstehen, wie z. B. das Know-how des Mitarbeiterstamms. Der Geschäfts- oder Firmenwert wird betragsmäßig in einer Bandbreite von 1,3 - 1,8 Mrd. € erwartet. Ein solcher Geschäfts- oder Firmenwert wird erwartungsgemäß steuerlich nicht abzugsfähig sein. Die dem Erwerb direkt zurechenbaren Aufwendungen in Höhe von bisher rund 0,7 Mio.€ wurden in den sonstigen betrieblichen Aufwendungen erfasst.

Die Transaktion wurde im Halbjahresabschluss 2023 bilanziell nicht berücksichtigt, da die Einbeziehung der Gesellschaft ab dem Erwerbsstichtag erfolgt. Polyplus wird 2023 auf Ganzjahresbasis voraussichtlich einen Umsatz im oberen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich und eine EBITDA-Marge oberhalb der Marge der Bioprocess Solutions Division erzielen.

Die Finanzierung der Transaktion erfolgte mit einem Brückenkredit über 2,4 Mrd. €, welcher dem Konzern für eine Übergangsphase zur Verfügung steht. Langfristig plant der Konzern den Großteil des Kaufpreises durch die Begebung einer Anleihe zu refinanzieren. Zur Absicherung des Zinsänderungsrisiko für den Zeitraum bis zur Anleiheemission hat der Konzern Zinssicherungsinstrumente für ein Anleihevolumen von 1,8 Mrd. € abgeschlossen. Die Derivate sind gemäß IFRS 9 als Sicherungsinstrumente für das Zinsänderungsrisiko in Zusammenhang mit der geplanten Anleiheemission designiert. Die Wertänderungen der Derivate werden somit zunächst im sonstigen Ergebnis erfasst und anschließend über die Laufzeit der Anleihe in die Gewinn- und Verlustrechnung umgegliedert.

Bis zur Beendigung der Aufstellung des Zwischenabschlusses haben sich keine weiteren wesentlichen Ereignisse ergeben.

Bescheinigung nach prüferischer Durchsicht

An die Sartorius Aktiengesellschaft, Göttingen

Wir haben den verkürzten Konzernzwischenabschluss -bestehend aus Gewinn- und Verlustrechnung und Gesamtergebnisrechnung, Bilanz, Kapitalflussrechnung, Eigenkapitalveränderungsrechnung sowie Angaben zum verkürzten Konzernzwischenabschluss - und den Konzernzwischenlagebericht der Sartorius Aktiengesellschaft, Göttingen, für den Zeitraum vom 1. Januar bis 30. Juni 2023, die Bestandteile des Halbjahresfinanzberichts nach § 115 WpHG sind, einer prüferischen Durchsicht unterzogen. Die Aufstellung des verkürzten Konzernzwischenabschlusses nach dem International Accounting Standard IAS 34 "Zwischenberichterstattung", wie er in der EU anzuwenden ist, und des Konzernzwischenlageberichts nach den für Konzernzwischenlageberichte anwendbaren Vorschriften des WpHG liegt in der Verantwortung des Vorstands der Gesellschaft. Unsere Aufgabe ist es, eine Bescheinigung zu dem verkürzten Konzernzwischenabschluss und dem Konzernzwischenlagebericht auf der Grundlage unserer prüferischen Durchsicht abzugeben.

Wir haben die prüferische Durchsicht des verkürzten Konzernzwischenabschlusses und des Konzernzwischenlageberichts unter Beachtung der vom Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) festgestellten deutschen Grundsätze für die prüferische Durchsicht von Abschlüssen vorgenommen. Danach ist die prüferische Durchsicht so zu planen und durchzuführen, dass wir bei kritischer Würdigung mit einer gewissen Sicherheit ausschließen können, dass der verkürzte Konzernzwischenabschluss in wesentlichen Belangen nicht in Übereinstimmung mit IAS 34 "Zwischenberichterstattung", wie er in der EU anzuwenden ist, und der Konzernzwischenlagebericht in wesentlichen Belangen nicht in Übereinstimmung mit den für Konzernzwischenlageberichte anwendbaren Vorschriften des WpHG aufgestellt worden sind. Eine prüferische Durchsicht beschränkt sich in erster Linie auf Befragungen von Mitarbeitern der Gesellschaft und auf analytische Beurteilungen und bietet deshalb nicht die durch eine Abschlussprüfung erreichbare Sicherheit. Da wir auftragsgemäß keine Abschlussprüfung vorgenommen haben, können wir einen Bestätigungsvermerk nicht erteilen.

Auf der Grundlage unserer prüferischen Durchsicht sind uns keine Sachverhalte bekannt geworden, die uns zu der Annahme veranlassen, dass der verkürzte Konzernzwischenabschluss in wesentlichen Belangen nicht in Übereinstimmung mit IAS 34 "Zwischenberichterstattung", wie er in der EU anzuwenden ist, oder dass der Konzernzwischenlagebericht in wesentlichen Belangen nicht in Übereinstimmung mit den für Konzernzwischenlageberichte anwendbaren Vorschriften des WpHG aufgestellt worden ist.

Hannover, den 21. Juli 2023

KPMG AG

Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Schmidt, Wirtschaftsprüfer

Hartke, Wirtschaftsprüfer

Versicherung der gesetzlichen Vertreter

Wir versichern nach bestem Wissen, dass gemäß den anzuwendenden Rechnungslegungsgrundsätzen für die Zwischenberichterstattung zum 30. Juni 2023 ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns vermittelt und im Konzernzwischenlagebericht der Geschäftsverlauf einschließlich des Geschäftsergebnisses und die Lage des Konzerns so dargestellt sind, dass ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild vermittelt wird, sowie die wesentlichen Chancen und Risiken der voraussichtlichen Entwicklung des Konzerns beschrieben sind.

Göttingen, den 20. Juli 2023

Sartorius Aktiengesellschaft

Der Vorstand

Dr. Joachim Kreuzburg

Rainer Lehmann

Dr. Rene Faber

Alexandra Gatzemeyer

Finanzkalender

Veröffentlichung Quartalszahlen Jan. - Sept. 2023 19. Oktober 2023
Veröffentlichung des vorläufigen Geschäftsergebnisses für 2023 Januar 2024
Bilanzpressekonferenz Januar 2024
Veröffentlichung des Geschäftsberichts 2023 Februar 2024
Hauptversammlung März 2024
Veröffentlichung Quartalszahlen Jan. - März 2024 April 2024

Kontakt

Sartorius AG

Otto-Brenner-Straße 20

37073 Göttingen

Telefon: 0551.308.0

www.sartorius.com

Petra Kirchhoff

Head of Corporate Communications & IR

Telefon: 0551.308.1686

[email protected]

Petra Müller

Head of Investor Relations

Telefon: 0551.308.6035

[email protected]

Zukunftsgerichtete Aussagen enthalten Risiken

Dieser Sartorius Konzern Halbjahresbericht für den Zeitraum Januar bis Juni 2023 enthält verschiedene Aussagen, die die zukünftige Entwicklung des Sartorius Konzerns betreffen. Diese Aussagen beruhen sowohl auf Annahmen als auch auf Schätzungen. Obwohl wir davon überzeugt sind, dass diese vorausschauenden Aussagen realistisch sind, können wir hierfür nicht garantieren. Denn unsere Annahmen bergen Risiken und Unsicherheiten, die dazu führen könnten, dass die tatsächlichen Ergebnisse wesentlich von den erwarteten abweichen. Eine Aktualisierung der vorausschauenden Aussagen ist nicht geplant.

Im gesamten Bericht können durch mathematische Rundungen in der Addition scheinbare Differenzen auftreten.