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Sartorius AG Annual Report (ESEF) 2022

Apr 4, 2023

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Konzernstruktur und Unternehmensführung

Rechtliche Konzernstruktur

Sartorius ist ein international agierendes Unternehmen mit Tochtergesellschaften in mehr als 30 Ländern. Die Holdinggesellschaft Sartorius AG ist das Mutterunternehmen des Konzerns. Sie hat ihren Hauptsitz in Göttingen und ist an der Deutschen Börse notiert.

Das Bioprozessgeschäft führt Sartorius in einem rechtlich eigenständigen Teilkonzern, dessen Muttergesellschaft Sartorius Stedim Biotech S.A. an der Euronext Paris notiert ist. Zum 31. Dezember 2022 hielt die Sartorius AG rund 74 % der Aktien der Sartorius Stedim Biotech S.A.

Das Laborgeschäft ist rechtlich in einem weiteren Teilkonzern mit der Muttergesellschaft Sartorius Lab Holding GmbH zusammengefasst, an der die Sartorius AG 100 % der Anteile hält.

In den Konzernabschluss sind die Sartorius AG und alle wesentlichen Beteiligungsgesellschaften einbezogen, bei denen die Sartorius AG gemäß IFRS 10 die Kontrolle ausübt.

Konzernorganisation und Konzernführung

Das zentrale Führungsgremium des Konzerns ist der Vorstand der Sartorius AG. Dieser legt in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat die Unternehmensstrategie fest, verantwortet die operative Leitung des Konzerns und steuert die Ressourcenverteilung innerhalb der Organisation.

Sartorius betreibt sein operatives Geschäft in den beiden Sparten Bioprocess Solutions und Lab Products & Services. Die Sparten bündeln jeweils die Geschäfte nach gleichen Anwendungsfeldern und Kundengruppen. Einen Teil der Infrastruktur und zentrale Dienstleistungen nutzen die Sparten gemeinsam.

Um das Geschäft möglichst nah an den Kundenbedürfnissen auszurichten, ist die Organisationsstruktur auf die beiden Sparten zugeschnitten. Operative Funktionen wie Marketing und Vertrieb, Produktion inklusive produktionsnaher Funktionen sowie Produktentwicklung sind divisional strukturiert. Administrative und unterstützende Funktionen sowie der Bereich Corporate Research nehmen ihre Aufgaben spartenübergreifend wahr.

Die Zuständigkeit für die lokale Umsetzung der jeweiligen Strategien und Projekte liegt bei den Ländergesellschaften. Die Leitungsorgane der lokalen Gesellschaften führen ihre Unternehmen im Rahmen der jeweiligen gesetzlichen Bestimmungen, Satzungen und Geschäftsordnungen sowie nach den bei Sartorius weltweit geltenden Grundsätzen zur Unternehmensführung.

Veränderungen im Konzernportfolio

Mit drei Akquisitionen hat Sartorius im Berichtsjahr das Produktportfolio in beiden Sparten ausgebaut.

Zum 3. Januar 2022 übernahm das Unternehmen die Mehrheit an ALS Automated Lab Solutions und erweiterte damit sein Bioanalytik-Portfolio. Das Labortechnologie-Unternehmen mit Sitz in Jena entwickelt, produziert und vertreibt mit mehr als 30 Mitarbeitern Lösungen für die automatisierte Analyse, Selektion und Isolierung von Zellen. Sartorius hat zunächst 62,5 % der Anteile an ALS übernommen. Die verbleibenden 37,5 % sollen im Jahr 2026 erworben werden.

Im Februar 2022 hat Sartorius über seinen Teilkonzern Sartorius Stedim Biotech die 2021 angekündigte Übernahme der Chromatographie-Prozessanlagen-Sparte von Novasep mit etwa 100 Mitarbeitern in Frankreich, den USA, China und Indien abgeschlossen. Das übernommene Geschäft mit Sitz im ostfranzösischen Pompey ist auf innovative gelbasierte Chromatographie-Systeme spezialisiert und ergänzt das bestehende Chromatographie-Angebot.

Mit der Ende September ebenfalls über den Teilkonzern Sartorius Stedim Biotech abgeschlossenen Übernahme von 100 Prozent der Anteile der Albumedix Ltd. stärkt Sartorius sein Portfolio innovativer Lösungen für den Bereich neuartiger Therapien. Das 1984 gegründete Unternehmen mit Sitz im englischen Nottingham hat mehr als 100 Mitarbeiter und ist ein führender Anbieter von Lösungen auf Basis rekombinanten Humanalbums, einer wichtigen Komponente bei der Herstellung innovativer Biopharmazeutika.

Finanzielle Steuerung und Leistungsindikatoren

Der Sartorius Konzern wird anhand einer Reihe von Kennzahlen gesteuert, die zugleich maßgeblich für die Ermittlung des variablen Vergütungsbestandteils von Vorstand und Führungskräften sind.

Als wesentliche Steuerungsgröße für die Größenentwicklung verwendet Sartorius das um Effekte aus der Währungsumrechnung bereinigte Umsatzwachstum. Die zentrale Kennzahl zur Steuerung der Profitabilität ist die bereinigte EBITDA-Marge, der das um Sondereffekte bereinigte EBITDA („underlying EBITDA“) zugrunde liegt.

Im Hinblick auf die Fremdfinanzierungspotenziale des Sartorius Konzerns stellt der dynamische Verschuldungsgrad die wesentliche Steuerungsgröße dar. Er wird als Quotient aus Nettoverschuldung und underlying EBITDA der letzten zwölf Monate inklusive des pro-forma-Beitrags von Akquisitionen für diese Periode berechnet.

Darüber hinaus stellt die Investitionsquote, das heißt Investitionen im Verhältnis zum Umsatz, einen wichtigen Steuerungsparameter dar.

Ergänzend werden regelmäßig folgende finanzielle und nichtfinanzielle Indikatoren berichtet:

  • Auftragseingang
  • Maßgeblicher Jahresüberschuss | Ergebnis pro Aktie
  • Jahresüberschuss | Ergebnis pro Aktie
  • Eigenkapitalquote
  • Net Working Capital
  • Netto-Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit
  • Zahl der Mitarbeiter
  • Employee Net Promoter Score (ENPS)
  • Reduktion der CO2 -Emissionsintensität

Der Employee Net Promoter Score und die Reduktion der CO2 -Emissionsintensität sind seit 2022 Bestandteil des Vergütungssystems für den Vorstand und wurden daher neu in die Auflistung aufgenommen.

Die jährliche Finanzprognose, die zu Beginn des Jahres für den Konzern und die Sparten veröffentlicht wird, bezieht sich in der Regel auf die Umsatzentwicklung sowie die Entwicklung der underlying EBITDA-Marge. Zusätzlich werden für den Konzern die erwartete Investitionsquote und eine Richtungsprognose für den dynamischen Verschuldungsgrad angegeben.

Geschäftsmodell, Strategie und Ziele

Als ein führender Partner der biopharmazeutischen Forschung und Industrie unterstützt Sartorius seine Kunden bei der Entwicklung und Herstellung von Biotech-Medikamenten und Impfstoffen – von der ersten Idee im Labor bis zur kommerziellen Produktion.

Biopharmazeutika sind ein fester Bestandteil der modernen Medizin und werden bei der Behandlung vieler, zumeist schwerer Erkrankungen eingesetzt. Lange Entwicklungszeiten und eine komplexe Produktion machen diese Medikamente jedoch sehr teuer. Dies führt zu hohen Gesundheitskosten in den Industrieländern und dazu, dass Patienten in weniger entwickelten Ländern von Behandlungen mit diesen Arzneien oft ausgeschlossen sind.

Die Entwicklung eines biopharmazeutischen Medikaments ist langwierig: Es dauert durchschnittlich mehr als zehn Jahre, um ein neues Arzneimittel auf den Markt zu bringen, bei Kosten von über zwei Milliarden Euro.# Sartorius 2025 Strategy

Strategic Focus on Biopharma Applications from Molecule Development to Biopharmaceutical Production

Bioprocess Solutions

In the Bioprocess Solutions segment, Sartorius offers a broad product portfolio that focuses on all essential steps of the production and upstream process development of a biopharmaceutical. The offering includes, among other things, cell lines, cell culture media, bioreactors, various products for the separation, purification, and concentration of biological intermediate and final products, as well as solutions for their storage and transport. Sartorius also offers data analysis software for modeling and optimizing biopharmaceutical development and production processes. In its core technologies, the company holds leading market positions with significantly double-digit market shares. The company differentiates itself from competitors through the breadth of its product portfolio, among other things. Sartorius can offer customers complete process solutions from a single source and support them in upstream project planning, process integration, and subsequent validation. The products are used in the manufacturing of all classes of active ingredients, from vaccines and monoclonal antibodies to novel gene therapies based on viral vectors. Approximately three-quarters of the segment's revenue is generated from recurring sales of sterile single-use products. These offer customers cost advantages, flexibility, and reduced resource consumption, thus a better ecological footprint compared to traditional processes with reusable stainless-steel components. The high proportion of recurring revenue is also driven by the stringent regulatory requirements on the customer side: Since production processes are validated by health authorities as part of the approval application for a new drug, components can only be replaced with others at considerable expense after approval. Furthermore, the broad and stable customer base, which is predominantly addressed directly, contributes to a favorable risk profile. The strong strategic positioning of the segment and the above-average industry growth provide a good basis for continued profitable growth. Information on the segment's business development in the reporting year is described in the chapter "Business Development of the Bioprocess Solutions Segment."

Innovative Technologies for All Phases of Drug Production

Lab Products & Services

The Lab Products & Services segment has been increasingly focused on the high-growth biopharmaceutical industry in recent years. With its products, it addresses pharmaceutical and biotech research laboratories as well as academic research institutions. Sartorius provides scientists and laboratory technicians with laboratory instruments and consumables that make their research and quality control easier and faster. For example, the company offers its life science customers innovative systems for bioanalytics. These systems enable them to automate key analytical steps in molecule, cell line, and process development that were previously mostly performed manually. In this way, significantly larger sample volumes can be analyzed in a short time, and extensive data sets can be generated and evaluated, which accelerates the identification of suitable drug candidates or cell clones, thus contributing to shortening the lengthy drug development process and increasing the efficiency of R&D laboratories in the biopharmaceutical industry. In addition, the segment offers a wide range of premium laboratory instruments for sample preparation, such as laboratory balances, pipettes, and laboratory water systems, as well as consumables such as filters and microbiological tests. Sartorius holds leading positions and significant market shares in these product categories. The solutions aim to increase the efficiency and productivity of routine yet quality-critical laboratory processes or industry-specific workflows. Beyond the biopharmaceutical industry, this portfolio also addresses quality assurance laboratories in the chemical and food industries. With its innovative technology platforms in the field of bioanalytics and its extensive portfolio for sample preparation, the Lab Products & Services segment has a strong foundation for continued significant organic growth. Growth should be accompanied by a continuous increase in profitability due to economies of scale and product mix effects. Details on the segment's business development in 2022 can be found in the chapter "Business Development of the Lab Products & Services Segment."

Focus on Solutions to Improve the Lengthy, Expensive, and Inefficient Drug Development Process

*Based on data from the Tufts Center for the Study of Drug Development and the Association of the British Pharmaceutical Industry

Strategy Sartorius 2025

In 2018, the management presented the strategy and long-term goals until 2025. In early 2021, the revenue target and in early 2022, the profitability target were significantly raised again. In early 2023, Sartorius confirmed its basic growth plans based on the consistently strong underlying growth trends in its markets and the resulting positive prospects for the company. Against the backdrop of increased inflation and associated price adjustments, the company has therefore adjusted its medium-term revenue expectations and now expects revenue of approximately €5.5 billion for 2025 (previously around €5 billion). The increase is to be achieved primarily through organic growth and supplemented by acquisitions. For the Bioprocess Solutions segment, management now anticipates revenue of approximately €4.2 billion for 2025 (previously around €3.8 billion), and for the laboratory segment, approximately €1.3 billion (previously around €1.2 billion). The expectation for the Group's operating EBITDA margin in 2025 remains unchanged at around 34%. For the Bioprocess Solutions segment, the company continues to expect an operating EBITDA margin of around 36% for 2025, while the expectation for the laboratory segment remains at 28%. The medium-term targets for 2025 do not include pandemic-related business, as management considers corresponding estimates to be too uncertain. The margin targets include expenses for measures to reduce CO2 emission intensity. Sartorius aims to reduce its CO2 emission intensity by an average of around 10% per year by 2030 and to invest approximately 1% of its revenue annually in corresponding measures. The plan also assumes that the margins of future acquisitions will be slightly below the average at the beginning and at a level comparable to the existing business after integration, and that there will be no relevant changes in the most important currency relationships.# Die Unternehmensleitung weist darauf hin, dass sich in den vergangenen Jahren die Dynamiken und Volatilitäten in der Life-Science- und Biopharma-Branche erhöht haben und diese Trends durch die Corona-Pandemie verstärkt wurden. Ferner stehen die Prognosen unter der Annahme einer sich nicht verschlechternden Situation hinsichtlich der geopolitischen und weltwirtschaftlichen Lage, der Lieferketten, der Inflation und der Energie-Versorgung sowie keiner erneuten relevanten Einschränkungen im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie. Dementsprechend weisen die Prognosen aktuell nochmals höhere Unsicherheiten auf, als dies üblicherweise der Fall ist.

Sartorius 2025 Ziele

Die Ziele werden durch verschiedene Wachstumsinitiativen mit folgenden Schwerpunkten umgesetzt:

Entwicklung des Produktportfolios

Sartorius verfügt über ein breites Produktportfolio, das an der Wertschöpfungskette der Biopharmaindustrie ausgerichtet ist und kontinuierlich erweitert wird. Im Fokus stehen Produkte, die Lösungen für die Bedarfe der Kunden bieten und das Angebot aus Kundenperspektive noch attraktiver machen. Neben eigenen Entwicklungsaktivitäten und strategischen Partnerschaften sind Akquisitionen, die bisherige Stärken sinnvoll ergänzen oder erweitern, Teil der Portfoliostrategie beider Sparten. Aufgrund der hohen Innovationsdynamik hält das Unternehmen laufend über die gesamte Breite des Produktportfolios weitere Ergänzungen für möglich. Bei der Identifizierung geeigneter Unternehmen achtet Sartorius besonders auf folgende Kriterien: Komplementarität der Technologien zum bestehenden Portfolio, eine starke Marktpositionierung etwa durch innovative Produkte mit Alleinstellungsmerkmal, die Integrationsfähigkeit, eine angemessene Bewertung sowie ein passendes Wachstums- und Profitabilitätsprofil.

Regionale Wachstumsinitiativen

Sartorius hat im Berichtsjahr in erheblichem Umfang in den Ausbau der Produktionskapazitäten investiert. Die Investitionsausgaben beliefen sich 2022 auf etwa 523 Mio. € und entfielen auf die Erweiterung von Standorten unter anderem in Deutschland, Frankreich, Puerto Rico, USA, Südkorea und China. Die Schwerpunkte der regionalen Wachstumsstrategie bilden Nordamerika und Asien. Die USA sind der weltweit größte Markt für Bioprozess- und Laborprodukte. Da die Hauptwettbewerber beider Sparten überwiegend in diesem Land beheimatet sind, hatte Sartorius hier geringere Marktanteile als in Europa und Asien. Durch die gezielte Verstärkung der Vertriebs- und Servicekapazitäten hat Sartorius in den vergangenen Jahren in den USA Marktanteile gewonnen. In Asien liegt ein Fokus auf dem Ausbau der Kapazitäten in China insbesondere für den chinesischen Markt, der aufgrund steigender privater und staatlicher Gesundheitsausgaben sowie eines rapiden Aufbaus regionaler biopharmazeutischer Werke über großes Wachstumspotenzial verfügt. In Südkorea, das mit seinem dynamisch expandierenden Biopharmamarkt gute Wachstumsperspektiven bietet, hat Sartorius Anfang 2023 mit ersten Arbeiten zum Bau einer neuen Produktionsstätte begonnen. Eine detaillierte Darstellung der Investitionen findet sich im entsprechenden Kapitel ab Seite 47.

Optimierung von Arbeitsprozessen

Eine Grundlage für künftiges Wachstum bilden ausreichende Produktionskapazitäten sowie eine leistungsfähige Lieferkette. Sartorius hat in den vergangenen Jahren die Kapazitäten für nahezu sämtliche Produktgruppen an verschiedenen Konzernstandorten erheblich ausgebaut, um Lieferzeiten zu optimieren und die Lieferfähigkeit auch im Fall lokaler Transportbeschränkungen zuverlässig aufrechterhalten zu können. Sartorius treibt in vielen Bereichen die Digitalisierung und Automatisierung mit dem Ziel voran, Prozesse zu beschleunigen, zu verbessern und dort, wo es sinnvoll ist, konzernweit zu vereinheitlichen. Dies schließt auch den Ausbau der Aktivitäten in den Bereichen E-Commerce, digitales Marketing und Analytik sowie Themen der IT-Sicherheit ein.

Forschung und Entwicklung

Die Produktentwicklung liegt bei Sartorius in den beiden Sparten Bioprocess Solutions und Lab Products & Services. Eine detailliertere Erläuterung der Schwerpunkte der Produktentwicklung findet sich in den Spartenkapiteln auf den Seiten 59 und 64. Weitere Informationen etwa zur Höhe der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung im Berichtsjahr finden sich auf Seite 47. Die konzernweit agierende Funktion Corporate Research betreibt Forschung und Entwicklung spartenübergreifend mit Blick auf langfristige technologische Themen und arbeitet dabei in engem Austausch mit externen Partnern zusammen. Die wesentliche Aufgabe und Zielsetzung besteht in der Identifizierung und Entwicklung zukünftiger Schlüsseltechnologien und Anwendungsfelder. Neben einer engen Kooperation mit Kunden, Forschungsinstituten und Start-ups führt der Bereich eigene Forschungsaktivitäten in ausgewählten Feldern durch. Dazu gehören etwa innovative Technologien in der Lebendzellanalyse, neue Funktionalitäten und verbesserte Eigenschaften von Materialien oder Datenanalyse.

Gesamtwirtschaftliches und branchenspezifisches Umfeld

Die Branchen, in denen der Sartorius Konzern tätig ist, sind in unterschiedlichem Maß von der Konjunktur abhängig. So agiert die Sparte Bioprocess Solutions in einem Umfeld, das weitestgehend unabhängig von volkswirtschaftlichen Schwankungen ist. Die Sparte Lab Products & Services dagegen ist teilweise auch in Branchen aktiv, deren Entwicklung stärker von konjunkturellen Einflüssen geprägt ist.

Weltwirtschaft auf Erholungskurs

Neben der abflauenden, aber weiter andauernden Coronavirus-Pandemie war das Jahr 2022 von signifikanten politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten infolge des Ukrainekriegs und hoher Inflationsraten geprägt. Die unsichere Versorgung mit wichtigen Rohstoffen führte zu einem substanziellen Preisanstieg und die verhängten Sanktionen gegen Russland sowie umfangreiche Lockdowns in wichtigen Wirtschaftszentren in China zu zusätzlichen Anspannungen in den Lieferketten. Die hohe Inflation veranlasste Notenbanken weltweit zu einer stärkeren und schnelleren Straffung der bislang expansiven Geldpolitik. Gleichzeitig wirkte sich der Rückgang staatlicher finanzpolitischer Unterstützungsmaßnahmen sowie sich eintrübende Stimmungsindikatoren auf Seiten der Konsumenten und Unternehmen negativ auf die globale Wirtschaftstätigkeit aus, sodass die Wachstumsprognosen unterjährig mehrfach reduziert wurden. Trotz deutlich verschlechterter Rahmenbedingungen stieg das globale Bruttoinlandsprodukt nach Schätzungen des IWF im Berichtsjahr um 3,2 %. Dabei legte die Konjunktur in den Industrieländern um 2,4 % zu und das Plus in den Schwellen- und Entwicklungsländern lag bei 3,7 %. Quelle: Internationaler Währungsfonds
Die Wirtschaftsleistung der Europäischen Union erhöhte sich nach Angaben des IWF um 3,2 % (Vorjahr: + 5,4 %). Während das Plus in Deutschland bei 1,5 % lag (Vorjahr: + 2,6 %), zog die Konjunktur in Frankreich um 2,5 % an (Vorjahr: + 6,8 %). Großbritannien als ein weiterer europäischer Kernmarkt wuchs um 3,6 % (Vorjahr: + 7,4 %). Die weltgrößte Volkswirtschaft USA erwirtschaftete 2022 eine Zunahme des BIPs um 1,6 % (Vorjahr: + 5,7 %). Im asiatisch-pazifischen Wirtschaftsraum lag das Plus bei 4,0 % (Vorjahr: + 6,5 %). Den stärksten Anstieg in dieser Region wies im Berichtjahr Indien mit einem Zuwachs von 6,8 % auf (Vorjahr: + 8,7 %). Auch weitere für Sartorius wichtige Länder konnten zulegen, wobei sich das Wachstum in China auf 3,2 % abschwächte (Vorjahr: + 8,1 %). Die südkoreanische Wirtschaftsleistung legte um 2,6 % zu (Vorjahr: + 4,1 %) und die volkswirtschaftlichen Aktivitäten in Japan stiegen um 1,7 % (Vorjahr: + 1,7 %).

Wechselkurs- und Zinsentwicklung

Zu den für den Sartorius Konzern wesentlichen Währungen zählen neben dem Euro insbesondere der US-Dollar sowie einige weitere Währungen wie das britische Pfund, der Singapur Dollar, der südkoreanische Won, der japanische Yen, der chinesische Renminbi und der Schweizer Franken.

Umrechnungskurse zum Euro Stichtagskurs 2022 Stichtagskurs 2021 Durchschnittskurs 2022 Durchschnittskurs 2021
US-Dollar 1,06695 1,13245 1,05351 1,18270
Britisches Pfund 0,88584 0,83902 0,85265 0,85972
Singapur Dollar 1,43060 1,52820 1,45160 1,58913
Südkoreanischer Won 1.344,77000 1.347,69000 1.357,87961 1.353,74171
Japanischer Yen 140,73000 130,36000 138,04150 129,87475
Chinesischer Renminbi 7,36960 7,18870 7,08120 7,62740
Schweizer Franken 0,98370 1,03336 1,00486 1,08106

Das durchschnittliche Zinsniveau stieg im Berichtsjahr an, nachdem es in den Jahren zuvor auf einem sehr niedrigen Niveau lag. Die Europäische Zentralbank hob den Leitzins schrittweise auf 2,50 % zum Jahresende 2022. Der 3 -Monats-EURIBOR, also der Zinssatz für Termingelder in Euro im Interbankengeschäft, belief sich zum 31. Dezember 2022 auf 2,1 % nach -0,57 % im Vorjahr.

Quellen: International Monetary Fund: World Economic Outlook, Oktober 2022; Bloomberg.

Branchenspezifisches Umfeld

Zu den wichtigsten Kundengruppen von Sartorius zählen die biopharmazeutische und pharmazeutische Industrie sowie öffentliche Forschungseinrichtungen. Auch Labore zur Qualitätssicherung aus der Chemie- und Nahrungsmittelbranche gehören zu den Kunden des Unternehmens. Von den Entwicklungen in diesen Branchen gehen entsprechend Impulse für die Geschäftsentwicklung des Sartorius Konzerns aus.

Weiteres Wachstum im Biopharmamarkt

Der weltweite Pharmamarkt ist 2022 um etwa 7 % gewachsen. Die Umsätze mit biopharmazeutischen Medikamenten legten im Jahresvergleich um rund 4 % auf 365 Mrd. € zu und damit etwas langsamer als im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Ursächlich für diese Entwicklung waren unter anderem geringere Umsätze mit Coronavirus-Impfstoffen und auf Antikörpern basierenden Covid-19 -Therapeutika. Der Biopharmaanteil am gesamten Pharmamarkt lag bei 37 % gegenüber 38 % im Jahr 2021.# Geschäftsentwicklung Konzern

Umsatz und Auftragseingang

Der Umsatz des Sartorius Konzerns stieg im Berichtsjahr auf Basis konstanter Wechselkurse um 15,00 % auf 4.174,7 Mio. €. nominal um + 21,0 %. Damit wuchs das Unternehmen nach den außergewöhnlich hohen Wachstumsraten in den Jahren 2020 und 2021 und in einem sehr herausfordernden und volatilen Umfeld erneut zweistellig. Haupttreiber der guten Entwicklung waren organische1 Zuwächse sowohl in der Labor- als auch in der Bioprozesssparte. Die jüngsten Akquisitionen entwickelten sich ebenfalls positiv und trugen knapp 2 Prozentpunkte zum Umsatzanstieg bei. Dämpfende Effekte ergaben sich aus dem im Vorjahresvergleich deutlich niedrigeren Geschäft mit Coronavirus-Impfstoffherstellern.

Die führenden Hersteller von Produkten für die Entwicklung und Herstellung von Biopharmazeutika verzeichneten im Berichtsjahr weiteres Wachstum, wobei die berichteten Steigerungsraten angesichts des außergewöhnlich hohen Zuwachses in der Vergleichsperiode erwartungsgemäß geringer ausfielen. Insbesondere die Umsatzerwartungen für das pandemiebezogene Geschäft wurden unterjährig deutlich reduziert. Sämtliche führenden Anbieter von Bioprozesstechnik investierten 2022 zudem in erheblichem Umfang in Kapazitätserweiterungen, die teils fertiggestellt und in Betrieb genommen wurden. Das trug zu einer Normalisierung der Lieferzeiten für bestimmte Produktkategorien bei, die sich im Jahr 2021 aufgrund angespannter Lieferketten und Kapazitätsengpässen zum Teil deutlich erhöht hatten. Das Wachstum des Biopharmamarktes hängt grundsätzlich stärker von mittel- und langfristigen Trends als von kurzfristigen wirtschaftlichen Entwicklungen ab. Neben der Markteinführung innovativer Biopharmazeutika gehen wesentliche Impulse von der weltweit steigenden Nachfrage nach Medikamenten sowie der Erweiterung der Indikationsgebiete für bereits zugelassene Präparate und deren weitere Marktdurchdringung aus. Der Zulassungsprozess neuer Medikamente setzt die Durchführung klinischer Studien voraus. Durch die Coronavirus-Pandemie mussten diese teilweise unterbrochen oder konnten nicht wieder aufgenommen werden. Eine daraus resultierende verzögerte Zulassung neuer Medikamente für nicht-coronabezogene Indikationen war bislang jedoch nicht erkennbar und die Zahl an biopharmazeutischen Neuzulassungen durch die amerikanische Zulassungsbehörde FDA lag 2022 mit 31 (Vorjahr: 30) auf einem weiterhin hohen Niveau. Die steigende Bedeutung und Akzeptanz biopharmazeutischer Wirkstoffe spiegeln sich neben einem wachsenden Umsatzanteil am Weltpharmamarkt auch in den Entwicklungsaktivitäten der Pharmaindustrie wider. So liegt der Anteil biopharmazeutischer Präparate in der F&E-Pipeline bei über 40 %. Eine steigende Zahl biotechnologisch hergestellter Wirkstoffe wird für die Behandlung seltener, bislang nicht behandelbarer Erkrankungen zugelassen. Dabei konzentriert sich die Pharmaindustrie verstärkt auf neuartige Therapieformen wie Zell- und Gentherapien oder biotechnologisch bearbeitete Gewebeprodukte. 2022 belief sich die Zahl klinischer Studien mit derartigen Behandlungsansätzen auf über 2.000, sodass dieser Bereich mittel- bis langfristig ein signifikantes Wachstumspotenzial bietet. Die steigende Zahl zugelassener Biopharmazeutika sowie die größer werdende Vielfalt an Therapieformen und Wirkstoffklassen bei einer zugleich wachsenden Medikamentennachfrage sind die zentralen Treiber für den weltweiten Ausbau der Biopharma-Produktionskapazitäten. Auch Biosimilars, also Nachahmerprodukte von Biopharmazeutika, deren Patentschutz ausgelaufen ist, spielen eine zunehmend wichtige Rolle für den Biotechnologiemarkt. Das Umsatzvolumen war 2022 nach Marktstudien mit schätzungsweise 19 Mrd. € noch überschaubar, allerdings dürfte der Markt aufgrund des Auslaufens mehrerer Patente für umsatzstarke Biopharmazeutika sowie einer steigenden Zahl an Biosimilar-Neuzulassungen und Markteinführungen in den kommenden Jahren stark zulegen. Vor allem in den USA, wo die Entwicklung aufgrund regulatorischer, patentrechtlicher und vermarktungsseitiger Herausforderungen bislang vergleichsweise langsam verlief, sollte sich die Marktdurchdringung in den nächsten Jahren deutlich beschleunigen. Das Marktvolumen könnte sich hier bis 2025 mehr als verdreifachen. Global wird bis zum Jahr 2026 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von rund 20 % bis 30 % gerechnet.

Attraktives Marktumfeld mit guten Wachstumschancen

Labormarkt legt weiter zu

Der weltweite Labormarkt belief sich im Berichtsjahr auf ein Volumen von rund 69 Mrd. €. und wächst nach Schätzungen verschiedener Marktbeobachter langfristig mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von etwa 4 % bis 5 %. Das Marktwachstum ist unter anderem an die Forschungs- und Entwicklungsausgaben der jeweiligen Endmärkte gebunden, welche teilweise an die konjunkturelle Entwicklung gekoppelt sind. Labore aus der Pharma- und Biopharmaindustrie sind die wichtigste Kundengruppe für Laborinstrumente und ‑verbrauchsmaterialien. Vor dem Hintergrund eines weltweit steigenden Medikamentenbedarfs investiert die Branche kontinuierlich in die Erforschung neuer Wirkstoffe und die dafür notwendige Laborausrüstung. Im Fokus stehen die Automatisierung von Arbeitsprozessen sowie innovative Analyseinstrumente mit verbesserten oder neuartigen Funktionalitäten. Produkte aus dem Bereich der Bioanalytik etwa weisen innerhalb des Labormarkts überdurchschnittliche Wachstumsraten auf und die Nachfrage der Life Science Branche wächst im Vergleich zu der in anderen Industrien generell stärker. Die sektorspezifischen Forschungsausgaben lagen im Berichtsjahr nach Angaben von EvaluatePharma auf dem hohen Vorjahresniveau von etwa 210 Mrd. €. Das Finanzierungsumfeld für kleine und mittlere Biotech-Unternehmen trübte sich 2022 nach den hohen Zuflüssen in den beiden vorherigen Jahren demgegenüber ein, was sich bislang jedoch nicht negativ auf die Nachfrage führender Laborausrüster auswirkte. Forschungs- und Qualitätssicherungslabore der Chemie- und Nahrungsmittelbranche bilden eine weitere Kundengruppe, deren Nachfrage nach Laborprodukten sich teilweise konjunkturabhängig entwickelt. Zusätzliche Impulse können hier von regulatorischen Veränderungen ausgehen, etwa in Bezug auf strengere Vorschriften für Qualitätstests in der Lebensmittelindustrie. Die Nachfrage aus industriellen Endmärkten zeigte sich 2022 nach Angaben verschiedener führender Laborprodukthersteller trotz eingetrübter Konjunkturaussichten insgesamt robust. Auch akademische und öffentliche Forschungseinrichtungen verwenden Laborinstrumente und -verbrauchsmaterialien von Sartorius. Das Nachfragewachstum ist unter anderem an staatliche Haushaltsbudgets und Förderprogramme gebunden, die sich länderspezifisch unterschiedlich entwickeln. In den USA ist das National Institute of Health (NIH) die wichtigste Behörde für biomedizinische Forschung, die zudem die größte Einrichtung zur Forschungsförderung weltweit ist. Das Budget des NIH wurde in den vergangenen neun Jahren stetig erhöht und stieg im Berichtsjahr erneut um rund 4,9 % auf 45 Mrd. US-Dollar. Auch der Budgetvorschlag für 2023 sieht eine weitere Erhöhung vor. Zudem soll das Institut über die kommenden fünf Jahre zusätzliche circa 12 Mrd. US-Dollar zur Vorbereitung auf zukünftige Pandemien erhalten, sodass sich das wissenschaftliche Finanzierungsumfeld weiterhin positiv darstellt. Die Europäische Union hat ihre Forschungsausgaben in den vergangenen Haushaltszyklen ebenfalls kontinuierlich gesteigert. Im Zeitraum von 2021 bis 2027 sollen Forschung und Innovation mit rund 95,5 Mrd. € gefördert werden, ein Anstieg von 19 % gegenüber dem Vorgängerprogramm. Besonders stark sind die staatlichen F&E-Ausgaben in den vergangenen Jahren in China gestiegen, was zu einem dynamischen Wachstum des dortigen Labormarktes geführt hat. Viele Hersteller von Laborprodukten verzeichneten im Berichtsjahr eine robuste Nachfrage seitens akademischer und öffentlicher Forschungseinrichtungen.

Wettbewerbsposition

Das Wettbewerbsumfeld der Sparte Bioprocess Solutions ist durch relativ hohe Markteintrittsbarrieren geprägt, die sich unter anderem aus der starken Regulierung der Biopharmaindustrie sowie der technologischen Komplexität ergeben. Die Sparte Bioprocess Solutions ist in diesem Umfeld als Lösungsanbieter für zentrale Prozessschritte in der biopharmazeutischen Produktion und der vorgelagerten Prozessentwicklung positioniert. Sie nimmt eine führende Stellung in wesentlichen Schlüsseltechnologien ein, insbesondere in den Bereichen Bioreaktoren, Filtration sowie Flüssigkeitentransport und -lagerung. Die Hauptwettbewerber der Sparte Bioprocess Solutions sind bestimmte Geschäftsbereiche der Unternehmen Merck KGaA, Thermo Fisher Scientific Inc. und Danaher Corporation. Die Sparte Lab Products & Services ist als Premiumanbieter für Laborinstrumente aufgestellt. Sie adressiert sowohl Forschungs- und Entwicklungs- als auch Qualitätssicherungslabore mit Fokus auf die Biopharmabranche. Das Produktportfolio umfasst beispielsweise Laborwaagen, Pipetten und Instrumente für die Bioanalytik sowie ein breites Angebot an Verbrauchsmaterialien. In vielen dieser Bereiche zählt die Sparte zu den global führenden Anbietern. Zu den Hauptwettbewerbern gehören unter anderem bestimmte Geschäftsbereiche der Unternehmen Thermo Fisher Inc., Merck KGaA sowie Danaher Corporation. Speziell bei Laborwaagen gehört des Weiteren Mettler-Toledo Intl. Inc. zum Wettbewerbsumfeld, bei Pipetten die Eppendorf AG und im Bereich Zellanalytik Unternehmen wie Agilent Technologies Inc., Becton Dickinson Co. und PerkinElmer Inc.

Quellen: BioPlan: 19th Annual Report and Survey of Biopharmaceutical Manufacturing Capacity and Production, April 2022; Evaluate Pharma: World Preview 2022, Outlook to 2028, Oktober 2022; SDi: Global Assessment Report 2022, Juni 2022; www.fda.govAuch die pandemiebedingten Lockdowns in China sowie die starke Reduktion des Russland-Geschäfts beeinträchtigten das Wachstum in relativ geringem Umfang. Der Auftragseingang entwickelte sich 2022 erwartungsgemäß rückläufig, nachdem Sartorius in den beiden Vorjahren vor allem in der Sparte Bioprocess Solutions außergewöhnlich hohe Zuwachsraten verzeichnet hatte. Diese fußten neben einem sehr guten Basisgeschäft auf einer signifikanten zusätzlichen Nachfrage seitens der Coronavirus-Impfstoffhersteller sowie auf einem veränderten Bestellverhalten einiger Kunden, die aufgrund pandemiebedingter Unsicherheiten und angespannter Lieferketten Aufträge größer dimensioniert und weiter im Voraus platziert hatten als üblich. Wie erwartet hat sich die Situation mit dem Abflauen der Pandemie und der Entspannung der Lieferketten ab Jahresmitte 2022 spürbar normalisiert. Die temporär rückläufige Nachfrage ist auf eine geringere Produktion von Coronavirus-Impfstoffen und den Abbau teilweise erhöhter Lagerbestände bei einigen Kunden zurückzuführen. Der Auftragseingang ging auf Gesamtjahressicht um wechselkursbereinigt 10,1 % auf 4.007,3 Mio. € (nominal: -6,1 %) zurück. Ohne den dämpfenden Effekt aus dem Rückgang des coronabezogenen Geschäfts wäre der Auftragseingang leicht gewachsen. Ein vollständiger Vergleich von Geschäftsentwicklung und Prognose befindet sich auf Seite 65.

Umsatz und Auftragseingang in Mio. €

2022 2021 in % nominal in % wb²
Umsatz 4.174,7 3.449,2 21,0 15,0
Auftragseingang 4.007,3 4.267,9 – 6,1 – 10,1

¹ Der Umsatzbeitrag akquirierter Unternehmen wird in den ersten 12 Monaten nach Akquisition in der Bestimmung des organischen Umsatzwachstums nicht berücksichtigt.
² wechselkursbereinigt

Zweistellige Zuwächse in beiden Sparten

Beide Sparten und alle Geschäftsregionen trugen zum Wachstum im Geschäftsjahr 2022 bei. Die Bioprozesssparte, die eine breite Palette innovativer Technologien für die Herstellung von Biopharmazeutika und Impfstoffen anbietet, wuchs – trotz der hohen Vorjahresbasis und eines stark rückläufigen coronabedingen Geschäfts – um wechselkursbereinigt 15,9 % auf 3.326,5 Mio. € (nominal: + 22,0 %). Darin enthalten sind etwa 2 Prozentpunkte nichtorganisches Wachstum aus Akquisitionen. Die auf die Life-Science-Forschung und Pharmalabore spezialisierte Sparte Lab Products & Services entwickelte sich mit einem Zuwachs von wechselkursbereinigt 11,5 % (nominal: + 17,4 %) auf 848,2 Mio. € sehr dynamisch. Rund 1 Prozentpunkt kam aus nichtorganischem Wachstum. Besonders stark expandierte das Geschäft mit bioanalytischen Instrumenten, wohingegen sich der Rückgang der coronabedingten Geschäfts etwas dämpfend auf die Umsatzsteigerung der Laborsparte auswirkte.

Umsatz nach Sparten in Mio. €

2022 2021 in % nominal in % wb¹
Bioprocess Solutions 3.326,5 2.727,0 22,0 15,9
Lab Products & Services 848,2 722,2 17,4 11,5

¹ wechselkursbereinigt

Weitere Informationen zur Geschäftsentwicklung der Konzernsparten befinden sich auf den Seiten 55 ff. für die Sparte Bioprocess Solutions sowie auf den Seiten 60 ff. für die Sparte Lab Products & Services.

Zuwächse in allen Regionen

Sartorius steigerte seine Umsätze in allen drei Geschäftsregionen. Die Region EMEA verzeichnete ein Plus von 9,0 % auf 1.550,6 Mio. €, sodass der Anteil am Konzernumsatz bei 37 % lag. Die deutlichen Einschränkungen im Russland-Geschäft dämpften das Wachstum im Berichtsjahr um knapp 2 Prozentpunkte. Während die Sparte Bioprocess Solutions gegenüber einer hohen Vorjahresbasis um 10,6 % wuchs, legte die Sparte Lab Products & Services moderat um 2,5 % zu. Besonders dynamisch stiegen die Umsätze in der Region Amerika, sodass der Anteil an den Konzernerlösen mit 37 % erstmalig gleichauf mit der Region EMEA lag. Das Wachstum betrug 21,4 % auf 1.543,8 Mio. € und basierte auf einer starken Entwicklung sowohl der Bioprozesssparte (+ 22,0 %) als auch der Laborsparte (+ 19,0 %). Das Geschäft in der Region Asien | Pazifik, auf die 2022 rund 26 % des Konzernumsatzes entfielen, erzielte im Berichtsjahr einen Zuwachs von 16,2 % auf 1.080,3 Mio. €, wobei pandemiebedingte Beschränkungen in China einen nur leicht dämpfenden Effekt hatten. Die Sparte Bioprocess Solutions expandierte um 16,5 % und die Sparte Lab Products & Services um 15,5 %. Alle Veränderungsraten zur regionalen Entwicklung sind wechselkursbereinigt.

Umsatz nach Regionen in Mio. €

2022 2021 in % nominal in % wb¹
EMEA 1.550,6 1.411,0 9,9 9,0
Amerika 1.543,8 1.141,2 35,3 21,4
Asien | Pazifik 1.080,3 897,0 20,4 16,2

¹ wechselkursbereinigt
² nach Sitz des Kunden

Kosten und Ergebnis

Die Kosten der umgesetzten Leistung stiegen im Berichtsjahr wachstumsbedingt um 22,9 % auf 1.978,3 Mio. €. Die entsprechende Umsatzkostenquote lag bei 47,4 % gegenüber 46,7 % im Vorjahr. Die Kosten für den Vertrieb stiegen aufgrund von Skaleneffekten unterproportional zum Umsatz um 8,2 % auf 628,5 Mio. €, sodass sich die Vertriebskostenquote im Vorjahresvergleich auf 15,1 % verringerte (Vorjahr: 16,8 %). Für Forschung und Entwicklung erhöhten sich die Aufwendungen im Berichtsjahr um 27,1 % auf 177,8 Mio. €; die entsprechende F&E-Quote lag bei 4,3 % (Vorjahr: 4,1 %). Bei den allgemeinen Verwaltungskosten verzeichnete Sartorius einen Anstieg von 21,5 % auf 200,5 Mio. €; die Verwaltungskostenquote belief sich 2022 unverändert auf 4,8 %. Der Saldo der sonstigen betrieblichen Erträge und Aufwendungen lag 2022 bei -124,8 Mio. € nach -50,2 Mio. € im Vorjahr. Er umfasst im Wesentlichen Sondereffekte in Höhe von -60,4 Mio. € (Vorjahr: -40,7 Mio. €), die sich überwiegend im Zusammenhang mit den jüngsten Akquisitionen ergaben, sowie aus Aufwendungen für verschiedene Konzernprojekte beziehungsweise Strukturmaßnahmen. Zudem führten die im Saldo der sonstigen betrieblichen Erträge und Aufwendungen enthaltenen realisierten Währungssicherungen und Bewertungseffekte – insbesondere aufgrund der Entwicklung des Dollarkurses – 2022 zu einem Aufwand von 51,0 Mio. €, nachdem im Vorjahr ein Ertrag von 10,5 Mio. € verbucht worden war. Das EBIT erhöhte sich um 17,9 % auf 1.064,8 Mio. €; die entsprechende Marge lag bei 25,5 % (Vorjahr: 26,2 %). Das Finanzergebnis belief sich 2022 auf 116,9 Mio. € gegenüber -234,7 Mio. € im Vorjahr. Hierin enthalten ist ein nicht zahlungswirksamer Ertrag in Höhe von 148,9 Mio. €, hauptsächlich aus der stichtagsbezogenen Bewertung der aktienbasierten Earn-out-Verpflichtung im Zusammenhang mit dem Erwerb von BIA Separations, die im Vorjahr zu einem Aufwand in Höhe von 207,8 Mio. € geführt hatte. Im Berichtsjahr lag der Steueraufwand bei 268,6 Mio. € (Vorjahr: 241,4 Mio. €). Bezogen auf das ausgewiesene Ergebnis vor Steuern errechnet sich eine Steuerquote von 22,7 % (Vorjahr: 36,1 %). Berücksichtigt man, dass der oben genannte Bewertungseffekt im Finanzergebnis keine Steuerwirksamkeit nach sich zieht, beläuft sich die Steuerquote auf 26,0 % (Vorjahr: 27,6 %). Der Jahresüberschuss erhöhte sich um 113,8 % auf 913,1 Mio. € (Vorjahr: 427,0 Mio. €). Der den Aktionären der Sartorius AG zuzurechnende Jahresüberschuss stieg auf 678,1 Mio. € (Vorjahr: 318,9 Mio. €). Auf Minderheitsanteile entfielen 235,0 Mio. € (Vorjahr: 108,1 Mio. €). Sie reflektieren im Wesentlichen die nicht durch den Sartorius Konzern gehaltenen Aktien an der Sartorius Stedim Biotech S.A.

Gewinn- und Verlustrechnung in Mio. €

2022 2021 ∆ in %
Umsatzerlöse 4.174,7 3.449,2 21,0
Kosten der umgesetzten Leistungen –1.978,3 –1.610,3 –22,9
Bruttoergebnis 2.196,5 1.838,9 19,4
Vertriebskosten –628,5 –580,7 –8,2
Forschungs- und Entwicklungskosten –177,8 –139,9 –27,1
Allgemeine Verwaltungskosten –200,5 –165,0 –21,5
Sonstige betriebliche Erträge und Aufwendungen –124,8 –50,2 –148,8
Überschuss vor Finanzergebnis und Steuern (EBIT) 1.064,8 903,2 17,9
Finanzielle Erträge 198,2 29,3 576,7
Finanzielle Aufwendungen –81,3 –264,0 69,2
Finanzergebnis 116,9 –234,7 149,8
Ergebnis vor Steuern 1.181,7 668,4 76,8
Ertragssteuern –268,6 –241,4 –11,2
Jahresüberschuss 913,1 427,0 113,8
Davon entfallen auf:
Aktionäre der Sartorius AG 678,1 318,9 112,6
Nicht beherrschende Anteile 235,0 108,1 117,4

Bereinigtes Ergebnis

Zur besseren Darstellung der operativen Entwicklung, auch im internationalen Vergleich, verwendet der Sartorius Konzern als zentrale Ertragskennziffer das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation („underlying EBITDA“). Weitere Informationen zu den Sondereffekten sind auf Seite 180 zu finden.

Überleitung EBIT zu underlying EBITDA in Mio. €

2022 2021
EBIT 1.064,8 903,2
Sondereffekte 60,4 40,7
Amortisation | Abschreibungen 285,3 231,1
Underlying EBITDA 1.410,4 1.175,0

Sondereffekte in Mio. €

2022 2021
M&A Projekte | Integrationskosten – 16,1 – 22,5
Strukturmaßnahmen – 29,6 – 10,4
Sonstige – 14,7 – 7,8
Gesamt – 60,4 – 40,7

Der Sartorius Konzern hat sein Ergebnis im Geschäftsjahr 2022 gesteigert und trotz deutlich gestiegener Inflationsraten hohe Ertragsmargen erzielt. Das underlying EBITDA stieg um 20,0 % auf 1.410,4 Mio. €. Die daraus resultierende Marge lag mit 33,8 % annähernd auf dem hohen Niveau des Vorjahres 34,1 %. Das Geschäftsjahr 2021 war durch eine teilweise verzögerte Kostenentwicklung positiv beeinflusst worden, etwa infolge von pandemiebedingt verglichen zum Umsatzwachstum verzögerten Neueinstellungen sowie einer geringen Anzahl an Geschäftsreisen. Diese Kostenpositionen normalisierten sich 2022 planmäßig und wirkten sich neben einer leichten Verwässerung durch Währungseinflüsse dämpfend auf die Profitabilität aus. Preiseffekte auf der Einkaufs- und der Kundenseite glichen sich weitgehend aus.

¹ underlying = um Sondereffekte bereinigt

Underlying EBITDA nach Sparten

Underlying EBITDA in Mio. € Underlying EBITDA-Marge in %
Konzern 1.410,4 33,8
Bioprocess Solutions 1.188,4 35,7
Lab Products & Services 222,0 26,2

Das underlying EBITDA der Sparte Bioprocess Solutions wuchs um 20,5 % auf 1.188,4 Mio. €.# Sartorius AG (2022)

Die daraus resultierende Marge lag mit 35,7 % annähernd auf dem hohen Niveau des Vorjahres von 36,2 % und wurde durch planmäßig gestiegene Kosten, etwa durch das Wachstum der Mitarbeiterzahl sowie andere normalisierte Ausgabenpositionen, gedämpft. Das underlying EBITDA der Sparte Lab Products & Services erhöhte sich um 17,6 % auf 222,0 Mio. €; die entsprechende Marge stieg leicht auf 26,2 % (Vorjahr: 26,1 %). Ein positiver Produktmix, hauptsächlich bedingt durch ein starkes Wachstum des Bioanalytik-Geschäfts, sowie Skaleneffekte kompensierten dabei negative Währungseffekte und die plangemäß höheren Kosten.

Maßgeblicher Jahresüberschuss

Das maßgebliche, den Aktionären der Sartorius AG zuzurechnende, bereinigte Jahresergebnis erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 18,4 % auf 655,4 Mio. €. Diese Kennzahl bildet die Grundlage für die Gewinnverwendung und ergibt sich durch die Bereinigung von Sondereffekten, der Herausrechnung von Amortisation sowie auf Basis eines normalisierten Finanzergebnisses und der normalisierten Steuerquote. Das bereinigte Ergebnis je Stammaktie stieg um 18,4 % auf 9,57 € (Vorjahr: 8,08 €) bzw. je Vorzugsaktie um 18,4 % auf 9,58 € (Vorjahr: 8,09 €).

in Mio. € 2022 2021
EBIT 1.064,8 903,2
Sondereffekte 60,4 40,7
Amortisation 104,5 88,4
Normalisiertes Finanzergebnis¹ – 38,7 – 28,1
Normalisierter Steueraufwand (27 %)2 – 321,6 – 271,1
Bereinigtes Ergebnis nach Steuern 869,4 733,1
Nicht beherrschende Anteile – 214,0 – 179,7
Bereinigtes Ergebnis nach Steuern und nach nicht beherrschenden Anteilen 655,4 553,4
Bereinigtes Ergebnis je Aktie
je Stammaktie (in €) 9,57 8,08
je Vorzugsaktie (in €) 9,58 8,09

¹ Finanzergebnis bereinigt um Bewertungseffekte aus der Folgebewertung bedingter Kaufpreisverbindlichkeiten sowie Effekte aus der Fremdwährungsumrechnung und -sicherung.
² Steueraufwand unter Berücksichtigung des durchschnittlichen Konzernsteuersatzes, basierend auf dem bereinigten Ergebnis vor Steuern

¹ Nach Anteilen Dritter, bereinigt um Sondereffekte und Amortisation sowie basierend auf dem normalisierten Finanzergebnis und der normalisierten Steuerquote

Weitere Informationen zur Ergebnisentwicklung und zu den Sondereffekten der Konzernsparten finden sich auf den Seiten 55 ff. und 67 ff.

Forschung und Entwicklung

Sartorius baut das Produktportfolio kontinuierlich durch die Neu- und Weiterentwicklung eigener Produkte sowie durch die Integration neuer Technologien und durch Kooperationen aus. Im Jahr 2022 wendete das Unternehmen 177,8 Mio. € für Forschung und Entwicklung (F&E) auf, was einer Steigerung von 27,1 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die F&E-Quote lag bei 4,3 % gegenüber 4,1 % im Vorjahr.

Nach IFRS sind bestimmte Entwicklungskosten in der Bilanz zu aktivieren und in den Folgejahren abzuschreiben. Im Berichtsjahr stiegen die Entwicklungsinvestitionen wachstumsbedingt auf 81,7 Mio. € gegenüber 50,9 Mio. € im Vorjahr. Dies entspricht einem Anteil von 31,5 % (Vorjahr: 26,7 %) am gesamten F&E-Aufwand des Konzerns. Die planmäßigen Abschreibungen auf aktivierte Entwicklungsleistungen lagen 2022 bei 23,9 Mio. € (Vorjahr: 24,3 Mio. €). Diese werden in den Kosten der umgesetzten Leistungen ausgewiesen. Die für die Beurteilung der innovationsbezogenen Aufwendungen aussagekräftigere Bruttoinvestitionsquote, die die in der Bilanz zu aktivierenden Entwicklungsinvestitionen einschließt, lag mit 6,2 % über dem Vorjahreswert von 5,5 %.

Zur Absicherung des vorhandenen Know-hows betreibt Sartorius in seinen Sparten eine gezielte Schutzrechtspolitik. Der Konzern überwacht systematisch die Einhaltung seiner Schutzrechte und prüft nach Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten die Notwendigkeit, einzelne Schutzrechte weiter aufrechtzuerhalten. Die Anzahl der Anmeldungen von Schutzrechten lag im Jahr 2022 bei 261 (Vorjahr: 155). Im Ergebnis der Anmeldungen auch aus vorangegangenen Jahren wurden uns im Berichtsjahr 353 (Vorjahr: 298) Schutzrechte erteilt. Zum Bilanzstichtag befanden sich insgesamt 6.421 gewerbliche Schutzrechte im Bestand (Vorjahr: 5.479).

Weitere Informationen finden sich in den Sparten-Kapiteln auf den Seiten 55 ff. und 60 ff.

Investitionen

Vor dem Hintergrund des starken Wachstums hat Sartorius im Berichtsjahr in allen Regionen in erheblichem Umfang in den Aufbau neuer Kapazitäten investiert. Neben einem signifikanten Ausbau der Produktionskapazitäten hat das Investitionsprogramm eine weitere Diversifizierung und Flexibilisierung des Produktionsnetzwerkes zum Ziel. Entsprechend dem Ausbauplan wurden einige Erweiterungsprojekte 2022 fertiggestellt und haben zur Deckung der hohen Nachfrage beigetragen. Weitere Projekte werden im laufenden Jahr abgeschlossen.

Die Investitionsausgaben lagen 2022 mit 522,6 Mio. € planmäßig über dem Vorjahreswert von 407,2 Mio. €. Die entsprechende Investitionsquote belief sich auf 12,5 % (Vorjahr: 11,8 %). Zu den größten Investitionsprojekten gehörten im Berichtsjahr der Ausbau der Kapazitäten für die Membranherstellung sowie neue Laborflächen für die Produktentwicklung in Göttingen, Deutschland. Am Standort in Yauco, Puerto Rico, erweiterte Sartorius die Reinraumkapazitäten für die Herstellung von Produkten in den Bereichen Separation und Flüssigkeitsmanagement. Zudem wird hier erstmalig eine Produktion für Zellkulturmedien aufgebaut, deren Inbetriebnahme 2023 geplant ist. Weitere substanzielle Investitionen in zusätzliche Reinraumflächen für die Herstellung steriler Einwegprodukte tätigte Sartorius im Berichtsjahr am Standort in Aubagne, Frankreich. In Ann Arbor, USA, investierte Sartorius in die Errichtung eines neuen Kompetenzzentrums im Bereich Bioanalytik, das unter anderem Forschungslabore und Produktionskapazitäten umfasst. Umfangreiche Investitionen entfielen in der Region Asien | Pazifik neben China auf Songdo, Südkorea. Nach dem Erwerb der benötigten Grundstücke plant das Unternehmen, im ersten Quartal 2023 mit dem Bau eines Werks zur Herstellung von Zellkulturmedien und zur Verarbeitung von sterilen Verbrauchsmaterialien zu beginnen. Zudem sind an dem neuen Standort, der sich inmitten eines Biopharma-Parks befindet, ein Technologie-Center für die Beratung von Kunden und Produktvorführungen sowie Laborflächen geplant. Auch an weiteren Standorten wurden die Produktionskapazitäten ausgebaut. Expansionsprojekte gab es beispielsweise an anderen Standorten in Deutschland sowie in Finnland, Großbritannien und Slowenien.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Die folgenden Mitarbeiterzahlen umfassen alle Beschäftigten des Sartorius Konzerns mit Ausnahme von Auszubildenden, Praktikanten, Dauerabwesenden und Mitarbeitern in Altersteilzeit. Angegeben sind jeweils die Kopfzahlen. Zum Stichtag 31. Dezember 2022 beschäftigte der Sartorius Konzern weltweit 15.942 Mitarbeiter in 36 Ländern, 2.110 oder 15,3 % mehr als im Vorjahr. Darin enthalten sind 245 Beschäftigte, die im Berichtsjahr durch Akquisitionen hinzugekommen sind. Durch den erneut starken Personalaufbau hat sich die Mitarbeiterzahl im Sartorius Konzern seit 2018 nahezu verdoppelt.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 2022 2021 Anstieg in %
Konzern 15.942 13.832 15,3
Bioprocess Solutions 12.560 10.745 16,9
Lab Products & Services 3.382 3.087 9,6

In der Sparte Bioprocess Solutions waren zum Ende des Berichtsjahres 12.560 Mitarbeiter angestellt (Vorjahr: 10.745). Die Sparte Lab Products & Services beschäftigte 3.382 Personen (Vorjahr: 3.087). Die Mitarbeiter der zentralen Verwaltungsfunktionen wurden den Sparten aufwandsbezogen zugerechnet.

Die Mitarbeiterzahl stieg in der Region EMEA um 1.311, was einem Plus von 14,5 % entspricht. In Deutschland beschäftigte Sartorius am Ende des Berichtsjahres 5.391 Mitarbeiter, was einem Anteil an der Gesamtbelegschaft von 33,8 % entspricht. Mit einem Zuwachs von 18,2 % oder 509 Beschäftigten verzeichnete die Region Amerika prozentual den stärksten Anstieg. In der Region Asien | Pazifik lag das Plus bei 14,4 % beziehungsweise 290 Personen.

Ende 2022 waren rund 58 % aller Sartorius-Mitarbeiter in der Produktion beschäftigt. Die Mitarbeiteranzahl lag in diesem Bereich mit 9.299 um 14,0 % über dem Vorjahr. In Marketing und Vertrieb waren zum Jahresende 3.610 Mitarbeiter beschäftigt, was einem Zuwachs von 15,0 % und einem Anteil von etwa 23 % an der gesamten Mitarbeiterzahl entspricht. Im Bereich Forschung und Entwicklung arbeiteten gut 9 % aller Beschäftigten. Das waren 220 Personen beziehungsweise 18,4 % mehr als im Vorjahr, sodass sich die Gesamtzahl auf 1.418 belief. In der Verwaltung waren zum Stichtag 1.616 Mitarbeiter beschäftigt. Dies entspricht einem Anstieg von 20,5 % gegenüber dem Vergleichszeitpunkt und einem Anteil von 10 % an allen Sartorius-Mitarbeitern.

Weitere Informationen zu Mitarbeitern finden Sie in der nichtfinanziellen Konzernerklärung ab Seite 107.

Vermögens- und Finanzlage

Cashflow

Der Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit lag im Berichtsjahr bei 734,2 Mio. € gegenüber 873,2 Mio. € im Vorjahr. Dies entspricht einem Rückgang von 15,9 %. Dem Ergebnisanstieg standen dabei Mittelabflüsse aus dem wachstumsbedingten Aufbau des Working Capitals entgegen. Insbesondere wurden die Vorratsbestände zur Absicherung der Liefersicherheit angesichts zeitweise angespannter Lieferketten weiter erhöht. Zuletzt lag der Fokus jedoch wieder verstärkt auf der Optimierung der Vorratsbestände, da sich die Lieferkettensituation für viele Produktgruppen deutlich verbessert hat und Knappheiten unwahrscheinlich geworden sind. Zusätzlich wirkten sich erhöhte Steuerzahlungen aus.

Vor dem Hintergrund der hohen Nachfrage treibt Sartorius den Ausbau seiner Produktionskapazitäten mit Hochdruck voran. Die Mittelabflüsse aus der Investitionstätigkeit stiegen um 38,8 % auf 593,8 Mio. €. Durch akquisitionsbedingte Ausgaben in Höhe von 536,1 Mio. € (Vorjahr: 141,7 Mio. €) im Zusammenhang mit den jüngsten Unternehmenszukäufen erhöhte sich der Cashflow aus Investitionstätigkeit und Akquisitionen auf -1,129.9 Mio. € gegenüber -569,6 Mio. € im Vorjahr.Vornehmlich getrieben durch die Platzierung eines neuen Schuldscheindarlehens lag der Cashflow aus Finanzierungstätigkeit bei 209,9 Mio. € (Vorjahr: -172,6 Mio. €). Dieser umfasste zudem die Dividendenauszahlungen für das Geschäftsjahr 2021 in Höhe von 118,1 Mio. € (Vorjahr: 65,8 Mio. €).

Kapitalflussrechnung in Mio. € 2022 2021
Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit 734,2 873,2
– davon Veränderung des Working Capitals – 300,1 – 217,8
Cashflow aus Investitionstätigkeit und Akquisitionen – 1.129,9 – 569,6
Cashflow aus Finanzierungstätigkeit 209,9 – 172,6
Zahlungsmittel Endbestand 165,9 342,8

1 Einzahlungen für Zinsen werden seit dem Geschäftsjahr 2022 im Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit ausgewiesen. Die Vorjahreszahlen wurden entsprechend angepasst.

Konzernbilanz

Die Bilanzsumme des Sartorius Konzerns lag zum Ende des Geschäftsjahres 2022 bei 6.977,7 Mio. € und damit um 1.279,8 Mio. € über dem Vorjahr. Der Zuwachs ist größtenteils auf den Anstieg der langfristigen Vermögenswerte um 1.053,4 Mio. € auf 4.954,6 Mio. € zurückzuführen, im Wesentlichen bedingt durch die jüngsten Akquisitionen sowie die Fortsetzung des umfangreichen Investitionsprogramms. Zudem stiegen die kurzfristigen Vermögenswerte im Vergleich zum Vorjahr um 226,4 Mio. € auf 2.023,2 Mio. €, vor allem aufgrund des Anstiegs des Working Capitals und dabei insbesondere des zur Risikovorsorge vorgenommenen Aufbaus von Lagerbeständen zur Sicherstellung der Lieferfähigkeit im Falle unterbrochener Lieferketten. Das Working Capital belief sich zum 31. Dezember 2022 auf 1.663,5 Mio. € (Vorjahr: 1.316,8 Mio. €).

Working Capital-Kennzahlen in Tagen 2022 2021
Vorratsbindung (Vorräfe | Umsatzerlöse¹ x 360) 101 93
Forderungslaufzeit (Forderungen aus Lieferungen und Leistungen | Umsatzerlöse¹ x 360) 41 44
Verbindlichkeitenlaufzeit (Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen | Umsatzerlöse¹ x 360) 47 54
Netto-Working Capital-Bindung (Netto-Working Capital-Bindung² | Umsatzerlöse¹ x 360) 95 83

¹ Inklusive der pro-forma Umsätze der Akquisitionen
² Summe aus Vorräten und Forderungen aus Lieferungen und Leistungen abzgl. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

Das Eigenkapital erhöhte sich um 938,7 Mio. € auf 2.658,9 Mio. €; die Eigenkapitalquote belief sich auf 38,1 % (Vorjahr: 30,2 %). Das kurz- und langfristige Fremdkapital des Konzerns lag im Berichtsjahr mit 4.318,8 Mio. € über dem Vorjahreswert von 3.977,7 Mio. €. Der Anstieg ergab sich unter anderem aus der Finanzierung der jüngsten Akquisitionen sowie dem Aufbau des Working Capitals.

¹ Quotient aus Nettoverschuldung und underlying EBITDA der vergangenen zwölf Monate inklusive des pro-forma-Beitrags von Akquisitionen für diese Periode.

Die Bruttoverschuldung stieg zum Ende des Berichtsjahres 2022 auf 2.541,2 Mio. € gegenüber 2.075,5 Mio. € im Vorjahr. Sie umfasst Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten inklusive Schuldscheindarlehen sowie Leasingverbindlichkeiten. Der Anstieg ist im Wesentlichen auf die Platzierung eines neuen Schuldscheindarlehens zurückzuführen, das überwiegend zur Refinanzierung der Ende September 2022 abgeschlossenen Akquisition von Albumedix verwendet wurde. Die Nettoverschuldung, das heißt die Bruttoverschuldung abzüglich der Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente, stieg von 1.732,7 Mio. € im Vorjahr auf 2.375,3 Mio. €.

In Bezug auf die Fremdfinanzierungspotenziale des Sartorius Konzerns stellt der dynamische Verschuldungsgrad eine zentrale Größe dar. Er berechnet sich als Quotient aus Nettoverschuldung und underlying EBITDA der vergangenen zwölf Monate inklusive des pro-forma-Beitrags von Akquisitionen für diese Periode. Zum 31. Dezember 2022 lag er trotz umfangreicher Investitionen sowie der im Berichtsjahr durchgeführten Akquisitionen mit 1,7 nur geringfügig über dem Vorjahreswert von 1,5.

Überleitungsrechnung in Mio. € 2022 2021
Bruttoverschuldung 2.541,2 2.075,5
– Zahlungsmittel Endbestand 165,9 342,8
Nettoverschuldung 2.375,3 1.732,7
Underlying EBITDA (12 Monate) 1.410,4 1.175,0
+ Pro forma EBITDA aus Akquisitionen (12 Monate) 11,7 6,1
Pro forma underlying EBITDA 1.422,1 1.181,1
Dynamischer Verschuldungsgrad 1,7 1,5

Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine

Sartorius hat seit Beginn des Angriffs Russlands auf die Ukraine alle Geschäftsaktivitäten in Russland eingestellt, die nicht im Zusammenhang mit humanitären medizinischen Produkten stehen. Dies geschieht unter Einhaltung sämtlicher geltender Sanktionen sowie im Einklang mit der Praxis anderer Unternehmen aus dem Pharma- und Gesundheitssektor. Im Jahr 2021 hatte der Anteil Russlands am Konzernumsatz bei gut 2 % gelegen. Im Geschäftsjahr 2022 lagen die Umsätze sehr deutlich unter diesem Niveau und für 2023 wird mit einem weiteren Rückgang gerechnet. Weitere Erläuterungen zu den Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine auf Sartorius finden sich auf den Seiten 74 und 178 f.

Finanzierung | Treasury

Sartorius deckt den operativen und strategischen Finanzierungsbedarf durch eine Kombination aus operativen Cashflows und der Aufnahme von kurz-, mittel- und langfristigen Finanzverbindlichkeiten. Die wesentlichen Fremdfinanzierungsinstrumente sind in untenstehender Grafik dargestellt. Eine zentrale Säule im Finanzierungsmix ist eine Konsortialkreditlinie mit einer Laufzeit von fünf Jahren und Verlängerungsoptionen, die im Berichtsjahr refinanziert und von 600 Mio. € auf 800 Mio. € aufgestockt wurde. Sartorius verfügt darüber hinaus über diverse kurzfristige Kreditlinien in Höhe von insgesamt rund 475 Mio. €. Zum 31. Dezember 2022 betrug das Gesamtvolumen aller verfügbaren Kreditlinien 1.275 Mio. €. Davon wurden rund 180 Mio. € in Anspruch genommen. Die freien Kreditlinien beliefen sich somit zum Jahresende 2022 auf 1.095 Mio. €.

Die Unternehmensfinanzierung wurde im Berichtsjahr durch die Platzierung von Schuldscheindarlehen mit einem Volumen von 650 Mio. € und Laufzeiten von 3, 5, 7, 10 und 13 Jahren ergänzt. Rund 210 Mio. € dieser Platzierung werden im ersten Quartal 2023 zur Auszahlung kommen. Die Mittel wurden überwiegend für die Refinanzierung der Ende September 2022 abgeschlossenen Akquisition von Albumedix verwendet. Das Gesamtvolumen aller ausstehenden Schuldscheindarlehen belief sich zum Jahresende auf rund 1.550 Mio. €. Es bestehen zudem mehrere kurz- und langfristige Darlehen über insgesamt rund 665 Mio. €, unter anderem für die Erweiterung der Produktionskapazitäten. Die vorgenannten Finanzierungen umfassen Instrumente mit variablem und mit festem Zins. Das Fälligkeitsprofil der in Anspruch genommenen Finanzierungsinstrumente weist eine breite, angemessene Streuung auf.

1 31. Dezember 2022, wesentliche Instrumente

Da Sartorius infolge seiner weltweiten Geschäftsaktivitäten den üblichen Wechselkursschwankungen ausgesetzt ist, schließt der Konzern Devisensicherungsgeschäfte ab. Zum Jahresende bestanden Devisenkontrakte in einem Volumen von 585 Mio. € mit einem Marktwert von -3,3 Mio. €.

Umsatz und Auftragseingang

Die Sparte Bioprocess Solutions wuchs im Berichtsjahr nach den außergewöhnlich hohen Wachstumsraten in den Jahren 2021 und 2020 erneut zweistellig um wechselkursbereinigt 15,9 % auf 3.326,5 Mio. € (nominal: + 22,0 %). Darin enthalten sind rund 2 Prozentpunkte nichtorganisches Wachstum aus Akquisitionen. Alle Produktbereiche trugen zu dieser guten Entwicklung bei, während das coronabezogene Geschäft gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich zurückging.

Umsatz und Auftragseingang in Mio. € 2022 2021 in % nominal in % wb¹
Umsatz 3.326,5 2.727,0 22,0 15,9
Auftragseingang 3.122,7 3.483,5 – 10,4 – 14,0

¹ wb = wechselkursbereinigt

Die Bioprozesssparte steigerte ihre Umsätze 2022 in allen Geschäftsregionen. In der Region EMEA, die rund 38 % des Spartenumsatzes ausmachte, erhöhten sich die Erlöse gegenüber einer starken Vorjahresbasis um 10,6 % auf 1.260,5 Mio. €. Die Region Amerika zeigte sich mit einem Plus von 22,0 % auf 1.240,8 Mio. € erneut besonders wachstumsstark. Der Umsatzanteil der Region lag bei 37 %. Auch die Region Asien | Pazifik, die 25 % des Spartenumsatzes ausmachte, legte mit einem Zuwachs von 16,5 % auf 825,2 Mio. € deutlich zweistellig zu. (Alle Veränderungsraten zur regionalen Entwicklung sind wechselkursbereinigt.)

Der Auftragseingang entwickelte sich gegenüber dem Vorjahr angesichts der Nachfragenormalisierung und eines deutlich geringeren coronabezogenen Geschäfts erwartungsgemäß rückläufig und erreichte 3.122,7 Mio. € (wechselkursbereinigt: -14,0 %; nominal: -10,4 %). Ohne Berücksichtigung des coronabezogenen Geschäfts wäre der Auftragseingang leicht gewachsen. In den beiden Vorjahren hatte die Sparte angesichts veränderter Bestellverhalten und starker Nachfrage von Coronavirus-Impfstoffherstellern außergewöhnlich hohe Zuwachsraten verzeichnet.

Umsatz nach Regionen in Mio. € 2022 2021 in % nominal in % wb
EMEA 1.260,5 1.130,5 11,5 10,6
Amerika 1.240,8 913,1 35,9 22,0
Asien | Pazifik 825,2 683,5 20,7 16,5

Ergebnis

Das underlying EBITDA der Sparte Bioprocess Solutions stieg um 20,5 % auf 1.188,4 Mio. €. Die daraus resultierende Marge lag mit 35,7 % annähernd auf dem hohen Niveau des Vorjahres von 36,2 %. Das Geschäftsjahr 2021 war durch eine teilweise verzögerte Kostenentwicklung positiv beeinflusst worden, etwa infolge von pandemiebedingt verglichen zum Umsatzwachstum verzögerten Neueinstellungen sowie einer geringen Anzahl an Geschäftsreisen. Diese Kostenpositionen normalisierten sich 2022 planmäßig und wirkten sich dämpfend auf die Profitabilität aus.

Underlying EBITDA und EBITDA-Marge 2022 2021
Underlying EBITDA in Mio. € 1.188,4 986,3
Underlying EBITDA-Marge in % 35,7 36,2

Auf die Sparte Bioprocess Solutions entfielen im Berichtsjahr Sondereffekte in Höhe von -46,5 Mio. € gegenüber -32,1 Mio. € im Vorjahr. Diese ergaben sich überwiegend im Zusammenhang mit den jüngsten Akquisitionen sowie aus Aufwendungen für verschiedene spartenübergreifende Projekte.# Produkte und Vertrieb

Die Sparte Bioprocess Solutions vermarktet Produkte und Dienstleistungen für die gesamte Wertschöpfungskette der biopharmazeutischen Produktion und der vorgelagerten Prozessentwicklung. Die Produktpalette umfasst unter anderem Zelllinien, Zellkulturmedien, Bioreaktoren, ein breites Sortiment für die Separation, Reinigung und Aufkonzentrierung sowie Lösungen für die Lagerung und den Transport von biologischen Zwischen- und Endprodukten. Mit zwei Akquisitionen hat Sartorius das Produktportfolio seiner Bioprozess-Sparte weiter ausgebaut: Mit dem im Februar 2022 von Novasep erworbenen Geschäft ergänzt Sartorius sein Chromatographie-Angebot komplementär. Das übernommene Portfolio umfasst Chromatographie-Systeme, die sich in erster Linie für kleine Biomoleküle wie Oligonukleotide, Peptide und Insulin eignen, sowie innovative Systeme für die kontinuierliche Herstellung von Biopharmazeutika. Mit der Ende September 2022 abgeschlossenen Übernahme von Albumedix, einem führenden Anbieter von Lösungen auf Basis rekombinanten Humanalbumins, erweitert Sartorius sein Portfolio um eine wichtige Komponente bei der Herstellung innovativer Biopharmazeutika, besonders für Modalitäten wie Zelltherapien, Virustherapien und Impfstoffe. Die Bioprozess-Sparte hat im Berichtsjahr eine skalierbare und gebrauchsfertige Einwegmembran für die Abtrennung monoklonaler Antikörper als Alternative zur klassischen gelbasierten Säulen-Chromatographie für den Affinitätsreinigungsschritt auf den Markt gebracht. Des Weiteren wurde eine computergestützte Anwendung zur Optimierung der Zellkulturentwicklung eingeführt, die substanzielle Zeit- und Kosteneinsparungen ermöglicht. Die Anwendung ist Teil eines cloudbasierten Software-Ökosystems für die Analyse und das Management von Daten entlang der biopharmazeutischen Wertschöpfungskette und erlaubt es, Erkenntnisse aus In-Vitro-Experimenten durch die Nutzung von Simulationen in virtuellen Bioreaktoren zu maximieren.

Vertrieb

Die Sparte Bioprocess Solutions vertreibt ihr Produktportfolio direkt. Die Vertriebsaktivitäten bei Großkunden werden durch ein globales Key Account Management koordiniert. Auch nach dem schrittweisen Wegfall pandemiebedingter Reise- und Kontaktbeschränkungen in vielen Teilen der Geschäftsregionen haben die Vertriebsmitarbeiter viele direkte Kundenkontakte mit Hilfe digitaler Kommunikationswerkzeuge durchgeführt. Für die direkte Interaktion werden weiter auch Videokonferenzen oder Augmented Reality eingesetzt, etwa für Produktvorführungen, Trainings und Inbetriebnahmen. Ein Fokus zur Stärkung der Vertriebskraft liegt auf dem Ausbau der internationalen Präsenz. Ein weiterer Schwerpunkt ist die fortlaufende Verbesserung der Vertriebseffektivität, beispielsweise durch Fachschulungen der Mitarbeiter.

Produktentwicklung

Die Entwicklungsaktivitäten von Sartorius konzentrieren sich im Wesentlichen auf Technologiebereiche wie Membranen, die die Kernkomponente der Filterprodukte bilden, unterschiedliche Technologieplattformen, darunter sterile Container für das Flüssigkeitsmanagement bei biopharmazeutischen Prozessen und Sensoren, sowie Prozesssteuerung, beispielsweise für die Fermentation. Weitere Schwerpunkte sind Entwicklungen bei Materialien und Komponenten, dazu zählen Plastik, Elastomere oder intelligente Polymere, sowie eine erweiterte Datenanalyse oder die Zelllinienentwicklung. Der größte Standort für Produktentwicklung ist in Göttingen, wo im ersten Quartal 2023 ein neues Gebäude für Produktentwicklung in Betrieb genommen werden soll. Weitere wichtige Aktivitäten gibt es in Frankreich, Indien, den USA und Großbritannien sowie in Schweden, Israel, Slowenien und an anderen Standorten in Deutschland.

Produktion und Supply Chain Management

Die Sparte Bioprocess Solutions verfügt über ein weltweit gut ausgebautes Produktionsnetzwerk, das im Berichtsjahr an vielen Standorten erweitert wurde. Die größten Produktionsstätten befinden sich in Deutschland, Frankreich und Puerto Rico. Darüber hinaus produziert die Sparte in Großbritannien, der Schweiz, Tunesien, Indien, den USA, China, Israel und Slowenien. Durch die jüngsten Übernahmen sind in Frankreich und Großbritannien Standorte hinzugekommen. Die Situation bei den Lieferketten war auch 2022 herausfordernd, hat sich gegenüber dem Vorjahr insgesamt jedoch etwas entspannt. Die Lieferzeiten für die meisten Produkte haben sich normalisiert, und auch die Verfügbarkeit elektronischer Komponenten und einiger chemischer Rohstoffe hat sich im Jahresverlauf verbessert. Allerdings verzeichnete Sartorius bei vielen Vorprodukten zum Teil signifikante Preisanstiege. Hinsichtlich der Energieversorgung hat das Unternehmen in Deutschland umfassende Maßnahmen ergriffen, um bei Bedarf möglichst unabhängig von der Verfügbarkeit von Gas zu sein. Sartorius hat die Produktionskapazität in allen Geschäftsregionen ausgeweitet, etwa in China, Tunesien oder Puerto Rico. Dazu wurden zusätzliche Produktionsmitarbeiter eingestellt. Um die wachsende Nachfrage nach Verbrauchsmaterialien in China zu befriedigen, wurde im Berichtsjahr die Erweiterung des Reinraums in Peking in Betrieb genommen. Damit wurde die lokale Produktionskapazität für sterile Einwegbeutel deutlich ausgebaut. Zusätzlich zu den Beuteln werden in den ausgebauten Reinräumen seit Kurzem auch weitere Filterarten hergestellt. Nachdem bereits 2021 am Standort Schanghai ein deutlich erweitertes Applikations-, Validierungs- und Servicezentrum für biopharmazeutische Kunden in Betrieb ging, wurden im Berichtsjahr neue Applikationszentren in Yantai, China, sowie in Bangalore, Indien, eröffnet. Diese ermöglichen den Kunden, komplexe Systeme zunächst an einem Sartorius-Standort zu testen, bevor sie an ihren Bestimmungsort geliefert und dort aufgebaut werden.

Umsatz und Auftragseingang

Der Umsatz der Sparte Lab Products & Services wuchs gegenüber einer hohen Vorjahresbasis mit einem Plus von wechselkursbereinigt 11,5 % auf 848,2 Mio. € (nominal: + 17,4 %) wieder sehr dynamisch. Der Großteil des Wachstums wurde organisch erzielt, die jüngsten Akquisitionen steuerten rund 1 Prozentpunkt zur Umsatzsteigerung bei. Besonders positiv entwickelte sich weiterhin über alle Regionen hinweg das Geschäft mit bioanalytischen Instrumenten, die von Life-Science-Kunden bei der Medikamenten- und Zelllinienentwicklung eingesetzt werden. Der Rückgang des coronabedingten Geschäfts wirkte sich demgegenüber etwas dämpfend auf das Wachstum aus.

Umsatz und Auftragseingang in Mio. € 2022 2021 in % nominal in % wb1
Umsatz 848,2 722,2 17,4 11,5
Auftragseingang 884,6 784,4 12,8 7,4

1 wb = wechselkursbereinigt

In der Region Amerika wuchsen die Umsätze 2022 nach der starken Entwicklung im Vorjahr erneut deutlich um 19,0 % auf 303,0 Mio. €, sodass diese Region mit 36 % erstmalig den größten Anteil am Spartenumsatz ausmacht. Der Umsatz in der Region EMEA, deren Anteil an den Spartenerlösen bei rund 34 % lag, wuchs moderat um 2,5 % auf 290,1 Mio. €. Die Region Asien | Pazifik, auf die im Berichtsjahr 30 % des Geschäfts der Sparte Lab Products & Services entfielen, expandierte um 15,5 % auf 255,1 Mio. €. (Alle Veränderungsraten zur regionalen Entwicklung sind wechselkursbereinigt.) Der Auftragseingang stieg wechselkursbereinigt um 7,4 % auf 884,6 Mio. € (nominal: + 12,8 %).

Umsatz nach Regionen in Mio. € 2022 2021 in % nominal in % wb
EMEA 290,1 280,5 3,4 2,5
Amerika 303,0 228,2 32,8 19,0
Asien | Pazifik 255,1 213,5 19,5 15,5

Ergebnis

Das underlying EBITDA der Sparte Lab Products & Services stieg im Berichtsjahr um 17,6 % auf 222,0 Mio. €. Die entsprechende Marge stieg leicht auf 26,2 % (Vorjahr: 26,1 %). Der überdurchschnittliche Wachstumsbeitrag des Bioanalytik-Geschäfts sowie Skaleneffekte kompensierten dabei negative Währungseffekte und die plangemäß höheren Kosten.

Underlying EBITDA und EBITDA-Marge 2022 2021
Underlying EBITDA in Mio. € 222,0 188,8
Underlying EBITDA-Marge in % 26,2 26,1

Auf die Sparte Lab Products & Services entfielen im Berichtsjahr Sondereffekte in Höhe von -13,9 Mio. € gegenüber -8,7 Mio. € im Vorjahr. Diese ergaben sich überwiegend im Zusammenhang mit der jüngsten Akquisition sowie aus Aufwendungen für verschiedene spartenübergreifende Projekte.

Produkte und Vertrieb

Die Sparte Lab Products & Services konzentriert sich mit ihren Produkten auf Forschungslabore aus der Pharma- und Biopharmaindustrie sowie auf akademische Forschungseinrichtungen. Im Bereich der Bioanalytik bietet sie Life-Science-Kunden innovative Systeme für die Zellanalyse, mit deren Hilfe sich die zeitintensive Entwicklung neuer Wirkstoffe durch die Automatisierung und Digitalisierung zentraler Analyseschritte deutlich beschleunigen lässt. Mit der Übernahme der Mehrheit an ALS Automated Lab Solutions zum 3. Januar 2022 hat Sartorius sein Bioanalytik-Portfolio erweitert. ALS entwickelt, produziert und vertreibt Lösungen für die automatisierte Analyse, Selektion und Isolierung von Zellen und ermöglicht damit, Entwicklungszeiten und -kosten in der Zelllinienentwicklung und Antikörperforschung deutlich zu verringern. Darüber hinaus hat die Sparte eine neue Version ihres Systems für die markierungsfreie Echtzeitanalyse biomolekularer Wechselwirkungen vorgestellt. Seit Jahresende hält Sartorius rund 10 % der Anteile sowie 8,5 % der Stimmrechte an der schwedischen BICO Group, einem Anbieter von Instrumenten und Verbrauchsmaterialien für Bioprinting-, Biosciences- und Bioautomation-Anwendungen. Darüber hinaus wurden verschiedene Kooperationen in den Bereichen Technologie, Vertriebs- und Marketing vereinbart. Das Produktsortiment umfasst zudem eine breite Palette an Premium-Laborinstrumenten zur Probenvorbereitung wie Laborwaagen, Pipetten und Laborwassersysteme sowie Verbrauchsmaterialien wie Filter und mikrobiologische Tests. Neben der Biopharmaindustrie fokussiert sich Sartorius mit diesem Portfolio auch auf Forschungs- und Qualitätssicherungslabore aus der Chemie- und Nahrungsmittelbranche.# Sartorius AG Geschäftsbericht 2022

Geschäftstätigkeit, Unternehmensstrategie, Unternehmenssteuerung und -überwachung, Überblick über den Geschäftsverlauf

Geschäftstätigkeit und Unternehmensstrategie

Die Sparte Lab Products & Services hat durch die Markteinführung neuer Vakuumfiltrationsgeräte oder Dosierstationen für Laborwasser ihr Produktspektrum erweitert. Die Dienstleistungen in der Sparte Lab Products & Services umfassen den gesamten Lebenszyklus der Laborinstrumente, angefangen bei der Installation und Inbetriebnahme über Validierung, Kalibrierung und Wartung bis hin zur Reparatur. Diese Leistungen werden nicht nur für Sartorius-Instrumente, sondern in begrenztem Maße auch für Geräte anderer Hersteller angeboten. Die breite Servicepalette erlaubt es den Kunden, die Anzahl ihrer Dienstleister zu begrenzen, um so Komplexität und Kosten zu reduzieren. Mit Applikationslaboren in allen Regionen bietet Sartorius den Kunden darüber hinaus die Möglichkeit, Produkte auch mit eigenen Proben zu testen und sich in Trainings schulen zu lassen. Neue Labore wurden im Berichtsjahr unter anderem in China und in Indien eröffnet.

Vertrieb

Die Sparte vertreibt ihre Produkte direkt und über den Laborfachhandel. Der Fokus liegt auf dem Direktvertrieb, der mit der Ausrichtung auf Life-Science-Kunden kontinuierlich ausgebaut wird. Dabei werden zunehmend digitale Kanäle genutzt. Neben der Erweiterung der Vertriebsstrukturen steht die fortlaufende Verbesserung der Vertriebseffektivität im Fokus, unter anderem durch die Schaffung von Synergien zwischen den beiden Sparten. Dies eröffnet der Laborsparte den etablierten Zugang zu Kunden der Bioprozess-Sparte, die sich umgekehrt ebenfalls neue Vertriebsmöglichkeiten erschließen kann.

Produktentwicklung

Die Sparte verfügt über umfangreiche technologische Kompetenzen auf den Feldern Bioanalytik, Laborinstrumente und -verbrauchsmaterialien. Durch Software- und Hardware-Weiterentwicklungen der Zellanalyse-Produkte ergibt sich für Kunden eine Vielzahl neuer Auswertungsmöglichkeiten. Sie sind die Basis für die Entwicklung neuer Tools, die vor allem große Datenmengen geeignet aufbereiten und applikationsbezogen darstellen. Sartorius geht davon aus, dass die Bedeutung entsprechender Software-Lösungen zunehmen wird. Von zentraler Bedeutung für die Kunden ist die Einhaltung von Regularien und behördlichen Vorgaben. Zu den Schwerpunkten der Produktentwicklung gehören deshalb Datenmanagement, Konnektivität und Prozessautomatisierung. Ein großer Teil der Entwicklung für die Sparte Lab Products & Services findet zentral am Konzernsitz in Göttingen statt, wo im ersten Quartal 2023 ein neues Gebäude für Produktenwicklung in Betrieb genommen werden soll. Weitere Entwicklungsaktivitäten gibt es unter anderem an Standorten in Finnland, Großbritannien und den USA.

Produktion und Supply Chain Management

Die Sparte Lab Products & Services betreibt Werke in Deutschland, China, Finnland, Großbritannien und den USA. Als Kompetenzzentren konzentrieren sich die Werke in der Regel auf eine oder wenige Produktgruppen. So wurden im Berichtsjahr beispielsweise Laborwaagen in Deutschland und China gefertigt, Pipetten in Finnland und Bioanalytik-Systeme in den USA und China. Die Produktion von Kits für mikrobiologische Tests findet in Großbritannien statt, und membranbasierte Produkte stammen überwiegend aus Deutschland. Die Situation bei den Lieferketten hat sich 2022 gegenüber dem Vorjahr insgesamt etwas entspannt. Die Verfügbarkeit elektronischer Komponenten stellte weiter eine Herausforderung dar, hat sich im Jahresverlauf aber verbessert. Bei vielen Vorprodukten verzeichnete Sartorius allerdings zum Teil signifikante Preisanstiege. Aufgrund der hohen Nachfrage wurde die Produktion einzelner Bioanalytik-Systeme durch Veränderungen im Produktionsablauf deutlich gesteigert.

Einschätzung der wirtschaftlichen Lage

Sartorius konnte nach den außergewöhnlich hohen Wachstumsraten in den Jahren 2020 und 2021 und in einem geopolitisch sowie makroökonomisch herausfordernden Umfeld im Berichtsjahr erneut zweistellig zulegen. Das Wachstum basierte überwiegend auf organischen Zuwächsen in beiden Sparten. Die Bioprozesssparte zeigte 2022 ein deutliches Umsatzwachstum bei einer gleichzeitig wie erwartet spürbaren Normalisierung der Nachfragesituation, die in den beiden Vorjahren pandemiebedingt von starken Sondereffekten positiv beeinflusst gewesen war. Die Laborsparte wuchs im Berichtsjahr vor allem aufgrund der guten Entwicklung des Geschäfts mit bioanalytischen Instrumenten erneut dynamisch. Trotz der hohen Inflation lagen die Ertragsmargen auf den hohen Niveaus des Vorjahres, da sich Kostensteigerungen auf Unternehmensseite und Preiserhöhungen bei Kunden in etwa ausgeglichen haben.

Der Konzernumsatz erhöhte sich 2022 wechselkursbereinigt um 15,00 % auf 4.174,7 Mio. €. Die Ertragsmarge, gemessen am underlying EBITDA, lag bei 33,8 %. Damit wurden sowohl die im Oktober konkretisierte Prognose für das Umsatzwachstum (untere Hälfte von etwa 15 % - 19 %) als auch das zu Jahresanfang kommunizierte Profitabilitätsziel von etwa 34 % erreicht.

Die Sparte Bioprocess Solutions legte mit einem wechselkursbereinigten Umsatzanstieg von 15,9 % auf 3.326,5 Mio. € zu und erreichte eine underlying EBITDA-Marge von 35,7 %. Das Umsatzwachstum lag folglich etwas unterhalb der im Oktober des Berichtsjahres konkretisierten Bandbreite (untere Hälfte von etwa 17 % - 21 %), was hauptsächlich auf den stärker als erwarteten Rückgang der coronabezogenen Umsätze zurückzuführen war, was das Wachstum auf Gesamtjahressicht um rund zwei Prozentpunkte verringerte. Die Ertragsmarge erreichte die im Januar 2022 veröffentlichte Prognose von etwa 36 %.

Mit einem Umsatzplus von wechselkursbereinigt 11,5 % auf 848,2 Mio. € konnte die Laborsparte die Prognose für das mit Veröffentlichung der Neun-Monatszahlen 2022 konkretisierte Umsatzwachstum leicht übertreffen (obere Hälfte von etwa 6 % -10 %) und erreichte mit einer Ergebnismarge von 26,2 % zudem das zu Jahresanfang ausgegebene Profitabilitätsziel von etwa 26 %.

Das coronabezogene Geschäft lag mit 220 Mio. € etwas unterhalb der zum Halbjahr 2022 angepassten Prognose von 250 Mio. €. Zu Jahresbeginn war das Unternehmen von rund 500 Mio. € ausgegangen.

Der dynamische Verschuldungsgrad, berechnet als Quotient aus Nettoverschuldung und underlying EBITDA, belief sich zum 31. Dezember 2022 auf 1,7 und entsprach dem prognostizierten Wert von etwa 1,6, der im Oktober 2022 nach Abschluss der Akquisition von Albumedix angepasst worden war. Im Einklang mit seinen ambitionierten Wachstumszielen bis 2025 hat Sartorius im Berichtsjahr seine Produktionskapazitäten weiter ausgebaut, wobei die Investitionsquote mit 12,5 % weiter auf einem hohen Niveau, aber etwas unterhalb der zu Jahresbeginn veröffentlichten Prognose von etwa 14 % lag.

Soll-Ist-Vergleich für das Jahr 2022

Prognose Januar 2022 Prognose Oktober 2022 Ist 2022
Sartorius Konzern
Umsatzwachstum¹ ~15 % - 19 % untere Hälfte ~15 % - 19 % 15,0 %
Underlying EBITDA-Marge ~34 % ~34 % 33,8 %
Verschuldungsgrad (underlying) ~1,12 ~1,62 1,7
Capex-Ratio ~14 % ~14 % 12,5 %
Sartorius Sparten
Sparte Bioprocess Solutions
Umsatzwachstum¹ ~17 % - 21 % untere Hälfte ~17 % - 21 % 15,9 %
Underlying EBITDA-Marge ~36 % ~36 % 35,7 %
Sparte Lab Products & Services
Umsatzwachstum¹ ~6 % - 10 % obere Hälfte ~6 % - 10 % 11,5 %
Underlying EBITDA-Marge ~26 % ~26 % 26,2 %

¹ wechselkursbereinigt
² mögliche Akquisitionen sind nicht berücksichtigt

Jahresabschluss der Sartorius AG

Während der Konzernabschluss unter Anwendung der Internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) aufgestellt wird, finden bei der Aufstellung des Jahresabschlusses der Sartorius AG die Vorschriften des deutschen Handelsgesetzbuchs (HGB) Anwendung. Dabei ist der ausgewiesene Bilanzgewinn für die Dividendenausschüttung an unsere Aktionäre maßgeblich. Der Lagebericht der Sartorius AG und der Konzernlagebericht für das Geschäftsjahr 2022 sind zusammengefasst. Der Jahresabschluss der Sartorius AG nach HGB und der zusammengefasste Lagebericht werden zeitgleich beim Bundesanzeiger veröffentlicht.

Geschäftstätigkeit, Unternehmensstrategie, Unternehmenssteuerung und -überwachung, Überblick über den Geschäftsverlauf

Seit Beginn des Geschäftsjahres 2011 übt die Sartorius AG die Funktionen der strategischen, konzernleitenden Management-Holding für den Sartorius Konzern aus. Insoweit verweisen wir zu Erläuterungen zu Geschäftstätigkeit, Unternehmensstrategie, Unternehmenssteuerung und –überwachung sowie den Überblick über den Geschäftsverlauf auf die Seiten 24 ff. des zusammengefassten Lageberichts der Sartorius AG und des Konzerns.

Ertragslage

Die Umsatzerlöse der Sartorius AG bestehen im Wesentlichen aus konzerninternen Weiterverrechnungen an verbundene Unternehmen für erbrachte Managementdienstleistungen sowie aus der Vermietung von Gebäuden auf dem Sartorius Campus sowie dem Sartorius Quartier. Im Geschäftsjahr enthalten die sonstigen betrieblichen Erträge Buchgewinne aus Anlagenverkäufen in Höhe von 67,3 Mio. €. Diese resultierten aus der Übertragung von Aktien der Sartorius Stedim Biotech S.A. an die Verkäufer der BIA Separations im Zuge der 2020 vereinbarten Transaktionsstruktur. Die Erträge aus Beteiligungen in Höhe von 85,5 Mio. € gegenüber 46,3 Mio. € im Vorjahr betreffen die Dividendenzahlung des französischen Tochterunternehmens Sartorius Stedim Biotech S.A. Aufgrund von Ergebnisabführungsverträgen hat die Sartorius AG im Geschäftsjahr einen Gewinn in Höhe von 11,9 Mio. € von der Sartorius Corporate Administration GmbH erhalten (Vorjahr: 16,1 Mio. €). Darüber hinaus hat die Sartorius Lab Holding GmbH einen Gewinn in Höhe von 7,6 Mio. € abgeführt (Vorjahr: Verlust 2,5 Mio. €).

Vermögens- und Finanzlage

Die Bilanzsumme der Sartorius AG ist im Berichtsjahr um 516,4 Mio. € auf 2.874,1 Mio. € gestiegen. Die Bilanzstruktur der Sartorius AG spiegelt ihre Funktion als Management-Holding für den Sartorius Konzern wider. Das Anlagevermögen besteht im Wesentlichen aus Finanzanlagen und belief sich im Berichtsjahr auf 2.748,4 Mio. € (Vorjahr: 2.226,8 Mio. €).# Gewinn- und Verlustrechnung

Sartorius AG nach Gesamtkostenverfahren gem. § 275 Abs. 2 HGB ¹, in Mio. €

2022 2021
1. Umsatzerlöse 20,0 16,3
2. Sonstige betriebliche Erträge 67,7 1,4
3. Personalaufwand – 7,2 – 8,7
4. Abschreibungen – 9,9 – 9,4
5. Sonstige betriebliche Aufwendungen – 18,9 – 14,9
6. Erträge aus Beteiligungen 85,5 46,3
7. Erträge aus Ausleihungen des Finanzanlagevermögens 21,7 16,8
8. Aufgrund eines Ergebnisabführungsvertrags übernommener Gewinn 19,5 16,1
9. Aufgrund eines Ergebnisabführungsvertrags übernommener Verlust 0,0 – 2,5
10. Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge 2,7 1,1
11. Zinsen und ähnliche Aufwendungen – 26,4 – 23,0
12. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag – 0,1 1,1
13. Ergebnis nach Steuern 154,6 40,6
14. Sonstige Steuern – 0,1 – 0,1
15. Jahresüberschuss 154,5 40,5
16. Gewinnvortrag 112,6 158,0
17. Bilanzgewinn 267,1 198,5

¹ HGB = Handelsgesetzbuch

Bilanz

Sartorius AG nach HGB ¹, in Mio. €

Aktiva 31.12.2022 31.12.2021
A. Anlagevermögen
I. Immaterielle Vermögensgegenstände 12,9 18,5
II. Sachanlagen 133,0 105,7
III. Finanzanlagen 2.602,5 2.102,6
2.748,4 2.226,8
B. Umlaufvermögen
I. Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände 117,8 113,6
II. Kassenbestand, Guthaben bei Kreditinstituten 4,4 14,5
122,2 128,1
C. Rechnungsabgrenzungsposten 3,5 2,8
2.874,1 2.357,7
Passiva 31.12.2022 31.12.2021
A. Eigenkapital
I. Gezeichnetes Kapital 74,9 74,9
Nennbetrag eigene Anteile – 6,5 – 6,5
Ausgegebenes Kapital 68,4 68,4
II. Kapitalrücklage 59,0 57,7
III. Gewinnrücklagen 10,9 10,9
IV. Bilanzgewinn 267,1 198,5
405,4 335,5
B. Rückstellungen 37,0 37,4
C. Verbindlichkeiten 2.431,7 1.984,8
2.874,1 2.357,7

¹ HGB = Handelsgesetzbuch

Vorschlag für die Gewinnverwendung

Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Hauptversammlung vor, den zum 31. Dezember 2022 ausgewiesenen Bilanzgewinn der Sartorius AG in Höhe von 267.109.441,57 € wie folgt zu verwenden:

in €
Zahlung einer Dividende von € 1,43 je Stammaktie 48.943.192,87
Zahlung einer Dividende von € 1,44 je Vorzugsaktie 49.233.388,32
Vortrag auf neue Rechnung 168.932.860,38
267.109.441,57

Forschung und Entwicklung

Ausführliche Informationen zu den Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten des Sartorius Konzerns und der Sparten sind auf den Seiten 33, 59 und 63 dargestellt.

Mitarbeiter

Die Sartorius AG beschäftigt keine nach § 285 Nr. 7 HGB anzugebenden Mitarbeiter.

Risiken und Chancen

Chancen und Risiken in der Geschäftsentwicklung der Sartorius AG als Management-Holding entsprechen im Wesentlichen denjenigen des Sartorius Konzerns. Die Sartorius AG partizipiert entsprechend ihrer Beteiligungsquote an den Risiken ihrer Beteiligungen und Tochterunternehmen. Für alle erkennbaren Risiken innerhalb der Sartorius AG, die sich negativ auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage auswirken könnten, wurden im Berichtsjahr Gegenmaßnahmen und | oder bilanzielle Vorsorgen getroffen, sofern dies sinnvoll und möglich war. Einen detaillierten Chancen- und Risikobericht des Sartorius Konzerns finden Sie auf den Seiten 71 bis 83 sowie eine Beschreibung des internen Kontroll- und Risikomanagementsystems auf der Seite 89.

Prognosebericht

Die Ergebnisentwicklung der Sartorius AG hängt maßgeblich von der Entwicklung der Tochtergesellschaften und damit des Sartorius Konzerns ab. Für den Einzelabschluss der Sartorius AG wird aufgrund des erwarteten Anstiegs der Dividendenerträge von der Sartorius Stedim Biotech S.A. mit einem leicht höheren Jahresergebnis gerechnet. Die Geschäftsentwicklung des Sartorius Konzerns finden Sie im Prognosebericht auf den Seiten 84 bis 88.

Chancen- und Risikobericht

Grundsätze

Jedes unternehmerische Handeln ist mit Chancen und Risiken verbunden, deren Management einen entscheidenden Erfolgsfaktor für die Weiterentwicklung des Unternehmenswerts darstellt. Dabei ist es nicht Aufgabe des Risikomanagements, Risiken soweit irgend möglich zu vermeiden. Vielmehr geht Sartorius im Rahmen seiner unternehmerischen Tätigkeit bewusst auch Risiken ein, um erfolgreich Chancen erschließen zu können. Dabei ist es wichtig, Risiken auf ein akzeptables Maß zu begrenzen und gezielt zu kontrollieren. Dementsprechend wird durch Richtlinien sichergestellt, dass Risikoabwägungen von Beginn an in den Entscheidungsprozessen berücksichtigt werden. Die Identifikation und Steuerung von Chancen und Risiken ist bei Sartorius funktionsübergreifender Bestandteil des Konzernmanagements. Die Risikomanagement-Organisation folgt insoweit der global-funktionalen Organisation in den beiden Sparten Bioprocess Solutions und Lab Products & Services sowie den Supportfunktionen. Dabei sind die jeweiligen Funktionsverantwortlichen in den Konzerngesellschaften für das eigentliche Chancen- und Risikomanagement verantwortlich. Darüber hinaus übernimmt der Finanzbereich die Rolle des zentralen Risikomanagements und stellt eine regelmäßige Berichterstattung sowie die Weiterentwicklung des Risikomanagementsystems insgesamt sicher.

Chancenmanagement

Grundlagen des Chancenmanagements sind die Analyse von Zielmärkten und Branchenumfeldern sowie die Bewertung von Trends, aus denen sich geschäftliche Chancen ableiten lassen. Die Identifikation der Entwicklungspotenziale erfolgt in einem ersten Schritt dezentral und ist eine wesentliche Aufgabe der jeweiligen Führungskräfte. Insbesondere die marktnahen Funktionen nehmen hierbei eine führende Rolle ein, wie Marketing und Produktmanagement der jeweiligen Sparten. Sie werden bei der Marktbeobachtung, Datenanalyse und der Umsetzung von strategischen Projekten durch den zentralen Bereich Business Development unterstützt. Als Partner der Biopharma- und Laborbranche ist Sartorius in zukunftsorientierten und wachstumsstarken Branchen tätig. Wesentliche Chancen ergeben sich aus verschiedenen Markt- und Technologietrends, die in den Kapiteln „Branchenspezifisches Umfeld“ sowie „Künftiges Branchenumfeld“ auf den Seiten 35 und 85 ausführlich beschrieben werden. Sartorius gehört nach eigener Einschätzung in vielen Teilbereichen und Produktsegmenten weltweit zu den Marktführern. Auf der Grundlage von Qualitätsprodukten, hoher Markenbekanntheit und etablierten Kundenbeziehungen bestehen gute Chancen, die führende Marktposition zu stabilisieren und weiter auszubauen. Die entsprechenden Spartenstrategien und darauf basierende Wachstumschancen und ‑initiativen werden in den Kapiteln „Strategie der Sparte Bioprocess Solutions“ auf Seite 28 sowie „Strategie der Sparte Lab Products & Services“ auf Seite 29 dargelegt.

Risikomanagement Organisation

Die Gesamtverantwortung für ein effektives Risikomanagementsystem trägt der Vorstand. Die Koordinierung und Weiterentwicklung dieses Systems sowie die zusammenfassende Risikoberichterstattung obliegen dabei dem Finanzbereich, während für die Identifizierung und Meldung einzelner Risiken sowie die Beurteilung und ggf. Durchführung von Gegenmaßnahmen die jeweiligen funktionalen Bereiche zuständig sind. Der Aufsichtsrat der Sartorius AG überwacht die Effektivität des Risikomanagementsystems, wobei diese Aufgabe vom Auditausschuss des Aufsichtsrates vorbereitet wird. Der Abschlussprüfer beurteilt im Rahmen des gesetzlichen Prüfungsauftrags für Jahresabschluss und Konzernabschluss, ob das Risikofrüherkennungssystem geeignet ist, unternehmensgefährdende Risiken frühzeitig zu erkennen. Schließlich überprüft die Interne Revision regelmäßig die Funktionsfähigkeit des Risikomanagementsystems. Die wesentlichen Ergebnisse dieser Prüfungen werden in Vorstands-, Aufsichtsrats- und Auditausschuss-Sitzungen diskutiert. Etwaige Anpassungen des Risikomanagementsystems werden dann durch das zentrale Risikomanagement umgesetzt.

Versicherungen

Soweit möglich und unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sinnvoll, hat sich Sartorius gegen eine Vielzahl von Risiken versichert. Diese Versicherungen umfassen unter anderem Haftpflicht-, Sach-, Betriebsunterbrechungs-, Transport- und Vermögensschadensrisiken sowie einen umfangreichen Rechtsschutz. Art und Umfang des Versicherungsschutzes werden durch eine eigenständige Abteilung in Zusammenarbeit mit einem externen Versicherungsmakler regelmäßig geprüft und angepasst. Bei der Auswahl der Versicherer wird besonderes Augenmerk auf die Bonität der Vertragspartner sowie eine möglichst große Diversifizierung gelegt, um die damit einhergehenden Risiken zu minimieren.

Risikomanagementsystem und Risikoberichterstattung

Das Risikomanagementsystem des Sartorius Konzerns ist im konzernweit gültigen Risikomanagementhandbuch dokumentiert. Dieses umfasst Definitionen zum Rahmenwerk, zur Aufbauorganisation, zu Prozessen, zur Risikoberichterstattung sowie zur Überwachung und Kontrolle der Wirksamkeit des Risikomanagementsystems und ist insgesamt angelehnt an die ISO 31000 „Risikomanagement – Leitlinien“ sowie den COSO- Standard (COSO = Committee of Sponsoring Organizations of the Treadway Commission). Daneben bestehen verschiedene weitere Quellen wie Satzungen und Geschäftsordnungen der Konzerngesellschaften oder weitere Richtlinien, die Vorgaben zum Umgang mit Risiken enthalten. Vor allem das starke Wachstum der vergangenen Jahre, aber auch steigende regulatorische und kundenseitige Anforderungen erfordern eine kontinuierliche Weiterentwicklung dieser Richtlinien und Vorgaben.# Risikomanagement

Der vorgeschriebene Berichtsprozess in den nachfolgend beschriebenen Risikoklassen regelt die fortlaufende Überprüfung und Information über den Status von Risiken. Sofern dabei konkrete Risiken ersichtlich sind, werden diese entsprechend ihrer Bewertung, Eintrittswahrscheinlichkeit und der vorgesehenen Maßnahmen zur Risikovermeidung oder –verminderung dokumentiert und bei Erreichung festgelegter Größenkriterien über eine spezielle Risikomanagement-Software an das zentrale Risikomanagement gemeldet. Entscheidend für die Beurteilung ist dabei grundsätzlich das verbleibende Nettorisiko, also unter Berücksichtigung risikominimierender Maßnahmen. Das zentrale Risikomanagement aggregiert die Risikomeldungen und berichtet regelmäßig über die Risikolage des Konzerns an Vorstand und Aufsichtsrat. Diese Berichterstattung umfasst auch eine Gegenüberstellung des Risikoportfolios zu der auf Basis der rollierenden Liquiditätsplanung ermittelten Risikotragfähigkeit des Konzerns. Bei neu auftretenden größeren Risiken für die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage ist ein Eilmeldeverfahren implementiert, über das der Vorstand der Sartorius AG unverzüglich alle notwendigen Informationen erhält. Um die einzelnen Risiken sinnvoll strukturieren zu können, hat Sartorius vier Hauptkategorien definiert: externe Risiken, operative Risiken, Finanzrisiken und Compliance-Risiken. Jede dieser Hauptkategorien teilt sich in mehrere Unterkategorien auf, die in den folgenden Abschnitten erörtert werden. Darüber hinaus wurde eine sog. Risikomatrix festgelegt, die die Eintrittswahrscheinlichkeit und die potenziellen Auswirkungen auf den Jahresüberschuss wie folgt in bestimmte Klassen einteilt.

Eintrittswahrscheinlichkeit
* Unwahrscheinlich: < 10 %
* Möglich: 10 % - 50 %
* Wahrscheinlich: 50 % - 75 %
* Sehr wahrscheinlich: > 75 %

Relevanz in Mio. €
* Ergebniseffekt Unwesentlich: < 10
* Moderat: 10 - 50
* Wesentlich: 50 - 100
* Kritisch: > 100

Aus der Kombination beider Elemente ergibt sich folgende Matrix, die die Bedeutung der einzelnen Risiken für den Konzern darstellt:

Eintrittswahrscheinlichkeit < 10 Mio. € 10 - 50 Mio. € 50 - 100 Mio. € > 100 Mio. €
> 75 % niedrig mittel hoch hoch
50 - 75 % niedrig mittel mittel hoch
10 - 50 % niedrig mittel mittel mittel
< 10 % niedrig niedrig mittel mittel

Externe Risiken

Allgemeine Risiken

Grundsätzlich können direkte oder indirekte Folgen im Bereich des allgemeinen Lebensrisikos wie beispielsweise Naturkatastrophen, Pandemien, bewaffnete Konflikte oder höhere Gewalt und daraus resultierende Schäden an wirtschaftlich relevanter oder gar kritischer Infrastruktur nur eingeschränkt vorhergesehen und beherrscht werden. Soweit möglich werden dennoch proaktiv Maßnahmen ergriffen, um sicherzustellen, dass auf entsprechende Krisen angemessen und kurzfristig reagiert werden kann beziehungsweise die entsprechenden Schäden versichert sind.

Die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie haben auch die Geschäftsentwicklung von Sartorius deutlich beeinflusst. Insgesamt konnte der Konzern als einer der führenden Bioprozesstechnologie-Anbieter mit der Lieferung von Produkten für die Herstellung von Coronavirus-Impfstoffen und -Testverfahren zur Bewältigung der Pandemie beitragen. Die in diesem Zusammenhang erzielten Umsatzerlöse blieben allerdings deutlich unter dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig wirkte sich der zeitweise Lockdown in China leicht dämpfend auf das Geschäft aus. Pandemiebedingte Reise- und Kontaktbeschränkungen sind im Berichtsjahr zu einem großen Teil ausgelaufen und wirkten sich daher weniger aus als in den Vorjahren. Derzeit wird davon ausgegangen, dass das Zusatzgeschäft im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie in Zukunft keinen wesentlichen Einfluss mehr auf die Geschäftsentwicklung des Konzerns haben wird.

Die Situation bei den Lieferketten war auch 2022 herausfordernd, hat sich gegenüber dem Vorjahr insgesamt jedoch etwas entspannt. Der seit Februar 2022 anhaltende Krieg in der Ukraine hatte im Geschäftsjahr keine wesentlichen unmittelbaren Auswirkungen auf den Konzern insgesamt. Der Anteil der betroffenen Länder an den Konzernumsatzerlösen belief sich 2021 in Summe auf gut 2 %. Sartorius hat seit Beginn des Krieges sämtliche Geschäftsaktivitäten in Russland eingestellt, die nicht im Zusammenhang mit humanitären medizinischen Produkten stehen. Dies geschieht unter Einhaltung der geltenden Sanktionen und in Einklang mit der Praxis anderer Unternehmen aus dem Pharma- und Gesundheitssektor. Im Geschäftsjahr 2022 lagen die Umsätze sehr deutlich unter dem Niveau des Vorjahres, für 2023 wird mit einem weiteren Rückgang gerechnet. Sartorius besitzt keine aus Konzernsicht wesentlichen langfristigen Vermögenswerte in Russland, Belarus und der Ukraine. Die Ausfallrisiken in Zusammenhang mit Forderungen aus Lieferungen und Leistungen in Russland sind begrenzt aufgrund eines zum Stichtag unwesentlichen Forderungsvolumens sowie intensivem Forderungsmanagements und veränderten Zahlungsbedingungen (bspw. Lieferungen gegen Vorauszahlung).

Während die direkten Auswirkungen des Kriegs auf die wirtschaftliche Lage des Sartorius Konzerns insgesamt begrenzt waren, ergeben sich spürbare indirekte Effekte. So hat das Unternehmen zwar keine wesentlichen Lieferanten in den betroffenen Ländern, verzeichnete jedoch inflationsbedingt gestiegene Logistik- und Energieaufwendungen sowie einen Anstieg der Beschaffungskosten für Vorprodukte und Rohmaterialien. Des Weiteren besteht in einigen Ländern, insbesondere in Deutschland, eine hohe Abhängigkeit von russischem Erdgas, sodass an den eigenen Konzernstandorten sowie bei wichtigen Lieferanten im Fall einer Gasknappheit massive Auswirkungen bis hin zu Produktionsausfällen drohen. Diese Risiken werden seit Beginn der Krise mit einer Vielzahl von Maßnahmen reduziert. Zur Kompensation der gestiegenen Beschaffungskosten wurden umfangreiche Preiserhöhungen eingeführt. Die deutschen Konzernstandorte haben sich weitgehend unabhängig von der russischen Gasversorgung machen können, z.B. durch die Schaffung der technischen Voraussetzungen für eine Umstellung auf Öl. In Bezug auf Lieferanten mit energieintensiven Produktionsverfahren wurden Sicherheitsbestände deutlich erhöht. Insgesamt sind die direkten und indirekten Auswirkungen des Ukrainekriegs auf die Geschäftsentwicklung des Konzerns derzeit nicht wesentlich. Da der Konflikt andauert und die weitere Entwicklung der Auseinandersetzung wie auch die indirekten Auswirkungen nicht zuverlässig abschätzbar sind, besteht in diesem Zusammenhang eine relativ hohe Unsicherheit.

Die größten Konzernstandorte in Deutschland und Frankreich sind keinen wesentlichen Risiken aus Naturkatastrophen ausgesetzt, während die Produktionsstandorte in Puerto Rico und Fremont, Kalifornien, von den Auswirkungen schwerer Hurrikans beziehungsweise Erdbeben beeinträchtigt werden könnten. Um die damit einhergehenden Risiken zu reduzieren, legt Sartorius beim Bau von Gebäuden höchstmögliche Sicherheitsstandards an und berücksichtigt mögliche Risikoszenarien explizit bei der Festlegung der Strategien im Hinblick auf Lagerhaltung und das internationale Produktionsnetzwerk. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat der Hurrikan „Fiona“ signifikante Schäden in der Karibik und in Kanada verursacht. Sartorius musste am Standort in Yauco, Puerto Rico, in einem begrenzten Umfang die Produktion stoppen, es gab aber keine nachhaltigen Beeinträchtigungen der Lieferfähigkeit und die Produktion konnte innerhalb weniger Tage in vollem Umfang wieder aufgenommen werden.

Weiterhin können politische Entwicklungen wie Änderungen in der Außenhandelspolitik verschiedener Staaten Auswirkungen auf die Geschäfte des Konzerns haben. Die Konzerngesellschaften agieren global und haben internationale Verflechtungen, weshalb Strafzölle und Handelskonflikte negative Effekte auf die Geschäftstätigkeit haben können. Zur Reduzierung möglicher Auswirkungen werden kontinuierlich verschiedene Maßnahmen, wie zum Beispiel die Ausweitung des Lieferantennetzwerkes, geprüft. Insgesamt hat sich die Bedeutung geopolitischer Risiken für die Geschäftstätigkeit des Konzerns in den letzten Jahren deutlich erhöht. Die diesbezüglichen Entwicklungen werden beobachtet und soweit möglich werden frühzeitig Maßnahmen zur Risikoreduzierung eingeleitet.

Konjunkturelle Risiken

Aufgrund der Konzentration seiner Geschäftsaktivitäten auf die Life Science Branche ist Sartorius von der allgemeinen Konjunktur nur unterdurchschnittlich betroffen. Die Sparte Lab Products & Services unterliegt in einigen Bereichen konjunkturellen Einflüssen, die ein Risiko für das Wachstum darstellen können. Die zunehmende Fokussierung dieser Sparte auf die Biopharma-Branche reduziert diese Risiken allerdings deutlich.

Operative Risiken und Chancen

Die Wertschöpfung reicht bei Sartorius von der Beschaffung über die Produktion bis hin zum Vertrieb. Störungen innerhalb dieses Ablaufs können unter anderem Lieferverzögerungen zur Folge haben. Das Supply Chain Management stellt sicher, dass die gesamten Abläufe entlang der Wertschöpfungskette analysiert und gesteuert werden, sodass die Risiken in diesem Zusammenhang weitgehend minimiert werden. Andererseits eröffnen sich durch den hohen Internationalisierungsgrad eine Reihe von Chancen. Nachfolgend werden die einzelnen Risiken und Chancen innerhalb der Wertschöpfungskette ausführlich dargestellt.

Beschaffungsrisiken und -chancen

Sartorius bezieht von seinen Lieferanten ein breites Spektrum an Rohstoffen, Bauteilen, Komponenten und Dienstleistungen und ist daher Risiken in Form von unerwarteten Lieferengpässen und/oder Preissteigerungen ausgesetzt. Im Bereich des Lieferantenmanagements wurden in den letzten Jahren leistungsfähige Tools und robuste Prozesse zum Management von Risiken und der Sicherstellung von Lieferkontinuität implementiert.# Wichtige Maßnahmen zur Reduzierung potenzieller Versorgungsengpässe sind das Vorhalten von Sicherheitslagerbeständen sowie die Festlegung von Alternativmaterialien beziehungsweise -lieferanten. Zusätzlich werden regelmäßig Lieferantenüberprüfungen durchgeführt und der Lieferstatus und die Lagerreichweite von kritischen Rohstoffen sorgfältig überwacht. Sartorius managt Beschaffungsrisiken auf Grund der aktuellen Rohstoffknappheit am Markt aktiv. Durch den Abschluss verbindlicher Einkaufsverträge mit Lieferanten und/oder durch die Suche nach Alternativen innerhalb des Lieferantennetzwerks werden die entsprechenden Auswirkungen reduziert und so eine kontinuierliche Versorgung weitgehend gesichert. Aufgrund des angespannten Marktes für elektronische Bauelemente besteht derzeit ein erhöhtes Risiko von Produktfälschungen in diesem Bereich. Um das Risiko so gering wie möglich zu halten, wurden zusätzliche interne und externe Testzyklen implementiert. Darüber hinaus identifiziert und bewertet Sartorius die Lieferantenbasis bezüglich der Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards. Im Falle von Abweichungen sieht der Prozess eine Vielzahl von Maßnahmen vor, die mit den betroffenen Lieferanten abgestimmt werden. Chancen im Bereich der Beschaffung können sich ergeben, wenn sich Bestellmengen erhöhen und dadurch die Stellung bei wichtigen Lieferanten gestärkt wird.

Produktionsrisiken und -chancen

Auf Basis der technologischen Kernkompetenz fertigt Sartorius einen erheblichen Teil der Produkte mit hoher Fertigungstiefe selbst, beispielsweise Filter und Laborwaagen. Bei anderen Produkten, wie etwa Mehrwegfermentern, wird mit Lieferanten zusammengearbeitet, wodurch ein Teil der Produktionsrisiken auf externe Dritte verlagert werden kann. Im Fall der Eigenproduktion werden die damit verbundenen Risiken selbst getragen, wie beispielsweise Kapazitätsengpässe beziehungsweise Überkapazitäten, Produktionsausfälle, überhöhte Ausschussraten und hohe Working Capital-Bindung sowie die Abhängigkeit von einzelnen Produktionsstandorten. Durch sorgfältige Planung der Produktionskapazitäten, die Nutzung variabel einsetzbarer Maschinen und halbautomatischer Einzelarbeitsplätze in Verbindung mit flexiblen Arbeitszeitmodellen sowie durch die kontinuierliche Überwachung der Produktionsprozesse können diese Risiken deutlich begrenzt werden. Darüber hinaus ist Sartorius aufgrund seines globalen Produktionsnetzwerks in der Lage, eventuell auftretende Kapazitätsengpässe durch Produktionsverlagerung teilweise auszugleichen und die Abhängigkeiten von einzelnen Standorten zu begrenzen. Zur Kompensation möglicher Produktionsausfälle werden zudem Betriebsunterbrechungsversicherungen abgeschlossen. In einigen Produktionsbereichen werden leicht entzündliche oder explosive Stoffe eingesetzt. Eine unsachgemäße Handhabung dieser Materialien kann zu signifikanten Sachschäden und Betriebsunterbrechungen führen. Der Konzern hat an den betroffenen Standorten alle notwendigen organisatorischen und baulichen Maßnahmen getroffen, um diese Risiken weitestgehend zu reduzieren. Der Konzern sieht es als Chance an, dass durch Investitionen in die Infrastruktur und Produktionsmittel eine hohe Flexibilität in der Fertigung besteht und somit die Anforderungen von Kunden und Regulierern im Hinblick auf Konzepte zum betrieblichen Kontinuitätsmanagement erfüllt werden können. Dieser Ansatz gewährleistet außerdem, dass sich die internationalen Produktionsstandorte auf bestimmte Produktionstechnologien konzentrieren und regionale Kostenvorteile nutzen können. Kontinuierliche Verbesserungen in der Fertigung, wie die Vereinfachung von Prozessen, sowie eine höhere Automatisierung und Digitalisierung, helfen zudem, die Effizienz weiter zu erhöhen.

Absatzrisiken und -chancen

Der Vertrieb der Produkte ist weltweit über verschiedene Kanäle organisiert. Mögliche Risiken bestehen in einer unerwarteten Änderung der Nachfragestruktur, beispielsweise durch Konsolidierungen in den von Sartorius bedienten Märkten, in einem zunehmenden Preisdruck sowie in der Nichteinhaltung von mit Kunden getroffenen Liefervereinbarungen. Anhand gezielter Marktanalysen versucht Sartorius, Entwicklungstendenzen in der Nachfrage auf einzelnen Teilmärkten frühzeitig zu erkennen, um entsprechend reagieren zu können. Mit technischen Innovationen sowie durch den Umstand, dass eine Vielzahl der Produkte für validierte Produktionsprozesse in der biopharmazeutischen Industrie eingesetzt wird, verringert sich das Risiko eines zunehmenden Preisdrucks. Durch den Aufbau und die Nutzung von Zentrallagern wurde in den letzten Jahren die Vertriebslogistik optimiert und so die entsprechenden Risiken begrenzt. Chancen im Bereich des Absatzes ergeben sich, wenn durch die zunehmende Breite des Produktportfolios sowohl im Bioprozess- als auch im Laborbereich weitere Produkte bei bestehenden Kunden platziert werden können. Weiterhin eröffnen sich für Sartorius Chancen aus den in der Regel langfristig angelegten Geschäftsbeziehungen und der weltweiten Präsenz. Schließlich wird das Angebot kontinuierlich durch Akquisitionen erweitert. So bietet Sartorius seinen Kunden nach den Übernahmen in den vergangenen Jahren neue Technologien in den Bereichen Zell- und Proteinanalyse, Zellkulturen und Medien sowie im Downstream Processing. Die wichtigsten Kunden von Sartorius stammen aus der Pharma- und Biotechindustrie sowie teilweise auch aus der chemischen Industrie und aus Forschungs- und Bildungseinrichtungen des öffentlichen Sektors. Dabei handelt es sich meist um relativ große, bereits seit Langem existierende Unternehmen mit hoher Bonität. Da in den meisten Geschäftsbereichen eine stark diversifizierte Kundenstruktur vorliegt, ist die Abhängigkeit von einzelnen Großkunden insgesamt relativ gering.

Wettbewerbsrisiken und -chancen

Sartorius hat in seinen Kerntechnologien eine führende Wettbewerbsposition und steht dabei in Konkurrenz zu überwiegend größeren, ebenfalls international agierenden Unternehmen. Die Wahrscheinlichkeit des kurzfristigen Auftretens neuer relevanter Wettbewerber wird als relativ gering eingeschätzt, da zum einen eine Vielzahl von Kunden aus stark regulierten Branchen wie der Pharma- oder der Lebensmittelindustrie bedient wird und zum anderen die technologischen Markteintrittsbarrieren eher hoch sind. Die Tatsache, dass viele Sartorius-Produkte – vor allem beim Einsatz in der biopharmazeutischen Industrie – in validierten Prozessen zum Einsatz kommen, reduziert das Risiko des kurzfristigen Verlusts von größeren Marktanteilen. Umgekehrt sind in dieser Industrie die Hürden für Sartorius aber auch höher, Kunden von Wettbewerbern zu gewinnen. Aus einer Veränderung des Wettbewerbsumfelds, etwa durch eine weitere Konsolidierung der Märkte oder durch neue Wettbewerber, beispielsweise in China, könnten sich weitere Risiken ergeben. Sartorius hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich Akquisitionen getätigt und damit seine Marktstellung weiter gestärkt und zusätzlich Synergiepotenziale geschaffen.

Qualitätsrisiken und -chancen

Die Produkte des Konzerns kommen auf Kundenseite in kritischen Produktionsprozessen wie der Herstellung von Medikamenten, medizinischen Geräten, Lebensmitteln oder Chemikalien sowie in Forschungs- und Entwicklungslaboren zum Einsatz. Risiken in diesem Zusammenhang bestehen vor allem in der Nichterfüllung festgelegter Qualitätskriterien, die sich auf die Leistung der gelieferten Produkte auswirken und im schlimmsten Fall zu Verlusten auf Seiten der Kunden führen, für die Sartorius in Form von Schadensersatz in Anspruch genommen werden kann. Durch umfangreiche Qualitätskontrollen sowie den Einsatz moderner Fertigungstechniken in klassifizierter Reinraumumgebung stellt Sartorius sicher, dass alle Produkte höchsten Qualitätsansprüchen und den hohen regulatorischen Anforderungen genügen. Ferner unterliegen diese Fertigungstechniken und -verfahren im Rahmen von Verbesserungsprozessen einer kontinuierlichen Überprüfung und werden entsprechend aktuellen Anforderungen optimiert. Qualitätskontrollen erfolgen sowohl innerhalb der Fertigungsprozesse als auch im Rahmen von Testverfahren an den Endprodukten. So wird gewährleistet, dass kritische oder wesentliche Produkteigenschaften kontinuierlich erfüllt werden. Ein strenger Produktfreigabeprozess stellt zudem sicher, dass nur Produkte versendet werden, die den vereinbarten Spezifikationen entsprechen. Die Wirksamkeit der bestehenden Qualitätssysteme wird durch die erfolgreiche Durchführung regelmäßiger Kunden-Audits ebenso bestätigt, wie durch die Zertifizierungen nach ISO 9001 und, wenn anwendbar, auch nach ISO 13485. Unabhängig davon werden in signifikantem Umfang Produkthaftungsrisiken versichert. Mit einem Rückverfolgungssystem wird garantiert, dass komplette Chargen sofort identifiziert und bei Bedarf zurückgerufen werden können. Dies minimiert die Folgen bei der Entdeckung eines Mangels oder einer nicht konformen Komponente an einem Produkt. Die zeitnahe Bearbeitung und systematische Dokumentation von Kundenmeldungen erfolgt über ein Beschwerdemanagementsystem, welches eine effiziente Analyse der gemeldeten Fälle sowie die Einleitung von notwendigen Maßnahmen sicherstellt. In den Zielbranchen des Konzerns lässt sich der Trend zu immer höheren Qualitätsansprüchen beobachten, der nicht zuletzt durch steigende Anforderungen der zuständigen Behörden beim Patientenschutz und der Produktsicherheit ausgelöst wurde. Neue Regulierungen bergen das Risiko, dass sie übersehen werden oder schwer umzusetzen sind. Für Sartorius eröffnen sie jedoch auch Chancen, da die Eintrittsbarriere für potenzielle Marktteilnehmer weiter erhöht wird. Zugleich schaffen sie einen Anreiz zur Entwicklung weiterer technologischer Innovationen. Durch Gremienarbeit, Mitgliedschaften in Industrieverbänden und Normenausschüssen ist Sartorius in der Lage, an der Gestaltung neuer Richtlinien mitzuwirken beziehungsweise diese frühzeitig zu erkennen und sich entsprechend darauf vorzubereiten.# Forschungs- und Entwicklungsrisiken und -chancen

Sartorius verwendet einen erheblichen Teil seiner Ressourcen für Forschungs- & Entwicklungsaktivitäten. Potenzielle Risiken ergeben sich in diesem Bereich aus nicht markt- oder anwendungsgerechten Produktentwicklungen und dem Überschreiten von geplanten Entwicklungszeiten und -budgets. Diese Risiken werden reduziert zum einen durch eine kontinuierliche Überwachung von Trends und Proof-of-Concept Aktivitäten, zum anderen durch Projektmanagement, intensives Entwicklungscontrolling sowie die frühzeitige Einbindung von Kunden in den Entwicklungsprozess. Insbesondere wird sichergestellt, dass Funktionsmuster und Produktdesigns zeitnah auf ihre Kundenorientierung hin überprüft und gegebenenfalls angepasst werden können. Die kontinuierliche Verfolgung von Technologietrends und Wettbewerbsaktivitäten sowie eine frühzeitige Patentanmeldung sichern eine entsprechende Technologie- und Vermarktungsposition ab. Die intensive Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern, die in ihren Bereichen zu den Weltmarkt- und Meinungsführern zählen, versetzt Sartorius in die Lage, Produkte mit besonders hohem Innovationsgrad zu entwickeln. In den Bereichen der Membran- und Kunststofftechnologie, der Sensorik und pharmazeutischen Bioverfahrenstechnik sowie der analytischen Technologien für Laboranwendungen zählen Sartorius-Spezialisten weltweit zu den Know-how-Führern. Hier besteht die Chance, diese technologische Expertise zu nutzen, um Marktposition und Absatzpotenziale weiter zu verbessern. Die Bündelung verschiedener innovativer Aktivitäten in der eigenständigen Funktion Corporate Research ermöglicht es dem Konzern, interessante Entwicklungen an Universitäten, in Start-Ups oder auch bei Kunden zu identifizieren und relevante IP Positionen frühzeitig zu sichern.

Akquisitionsrisiken und -chancen

Durch Akquisitionen ergeben sich zahlreiche Chancen wie Umsatzwachstum, die Ergänzung des Produktportfolios oder die Erschließung neuer Märkte. Gleichzeitig birgt der Kauf von Unternehmen oder Unternehmensteilen aber auch eine Reihe typischer Risiken, beispielsweise falsche Bewertungsannahmen oder ungenügende Ausschöpfung erwarteter Synergieeffekte. Um diese zu reduzieren, werden verschiedene Maßnahmen ergriffen. Hierzu gehören die Durchführung einer gründlichen Due-Diligence-Prüfung im Hinblick auf die relevanten Bereiche und eine umfangreiche Analyse des betreffenden Marktes. Ferner werden bei Bedarf externe Berater und Sachverständige in die Kauf- oder Verkaufsprozesse eingebunden. Besonderes Augenmerk legt Sartorius auf die risikoadäquate Ausgestaltung der Transaktionsverträge, insbesondere durch die Zusicherung bestimmter Eigenschaften oder Garantien sowie die Vereinbarung von Kaufpreis-Anpassungsmechanismen und Haftungsklauseln. Zudem werden bei Bedarf entsprechende Versicherungen abgeschlossen. Nach Durchführung der Akquisition schließt sich unmittelbar eine Integrationsphase an, in der ebenfalls mögliche Risiken zu einem frühestmöglichen Zeitpunkt erkannt und durch entsprechende Gegenmaßnahmen vermieden oder minimiert werden können. Um einen effizienten Integrationsprozess zu gewährleisten und die damit einhergehenden Risiken zu reduzieren, wurde ein sogenanntes Post Merger Integration (PMI) Office als eigenständige Funktion im Verantwortungsbereich des Finanzvorstands etabliert.

Mitarbeiterrisiken und -chancen

Als innovatives Technologieunternehmen beschäftigt Sartorius einen großen Anteil hoch qualifizierter Mitarbeiter. In diesem Zusammenhang besteht das Risiko, in Zukunft nicht in ausreichender Anzahl qualifizierte Mitarbeiter gewinnen zu können oder aber bestehende Leistungsträger zu verlieren. Das starke Wachstum des Konzerns und die damit einhergehende Ausweitung der Belegschaft stellt zudem große Herausforderungen an die Integration und Einarbeitung neuer Kollegen und birgt damit auch Risiken. Sartorius versucht Mitarbeiter in Schlüsselpositionen und Talente durch leistungsbasierte Vergütungsmodelle, gezielte Fortbildungsangebote, attraktive Sozialleistungen sowie durch das Aufzeigen interessanter Entwicklungsperspektiven langfristig im Unternehmen zu halten. In diesem Zusammenhang wurden insbesondere Personalentwicklungsinitiativen und Führungskräfte-Programme weiterentwickelt. Der Erfolg dieser Maßnahmen spiegelt sich in einer in den vergangenen Jahren geringen Fluktuation wider. In Einzelfällen enthalten Arbeitsverträge eine Klausel, die einen Wechsel zu direkten Konkurrenzunternehmen untersagt. Dem demografischen Wandel begegnet Sartorius vor allem durch die Ausbildung von Nachwuchskräften sowie der Förderung des kontinuierlichen Lernens für jeden Mitarbeiter, begleitet durch entsprechende Leistungsentwicklungsprozesse. Hieraus resultieren wiederum Chancen für den Konzern, indem Mitarbeiter selbst qualifiziert werden und dadurch der Bedarf an qualifiziertem Fachpersonal gedeckt werden kann. Um einen reibungslosen Einstieg neuer Mitarbeiter und einen angemessenen Wissenstransfer zu gewährleisten, wurden spezifische Einarbeitungsprozesse für Mitarbeiter und Führungskräfte entwickelt und eingeführt. Zudem nutzt Sartorius eine digitale HR-Plattform, die sichere und stabile Prozesse unterstützt und Entscheidungen auf Basis hochwertiger Daten ermöglicht.

IT-Risiken und -Chancen

Die Geschäftsprozesse des Sartorius Konzerns werden durch eine Vielzahl spezifischer IT-Anwendungen und -Systeme unterstützt. Der Ausfall oder eine wesentliche Beeinträchtigung der geschäftskritischen IT-Systeme und der unterstützenden technischen Infrastruktur durch Cyber-Attacken oder andere Bedrohungen, könnte das reibungslose Funktionieren der Geschäftsprozesse des Unternehmens erheblich beeinträchtigen und zu Manipulationen oder zum unkontrollierten Verlust oder Abfluss von Daten führen. Diese Risiken werden verringert, indem in die Implementierung und den Betrieb sicherer IT-Systeme und -Anwendungen investiert wird und die Konzepte und Sicherheitsmaßnahmen unter anderem auf der Grundlage der internationalen Norm ISO 27001 für Informationssicherheits-Managementsysteme kontinuierlich weiterentwickelt und angewendet werden. Darüber hinaus werden die Ergebnisse regelmäßiger Audits und Schwachstellenbewertungen durch externe, auf IT-Sicherheit spezialisierte Unternehmen, einbezogen. Der Schutz der Daten, Systeme und Anwendungen vor Missbrauch und anderen Bedrohungen wird über das einheitliche Risikomanagement auf Konzernebene gesteuert und über die Governance-Struktur und das IT-Risikomanagement durch entsprechende IT-Sicherheitsrichtlinien sowie wirksame Kommunikation und Praktiken umgesetzt. Grundprinzipien wie sichere Konfiguration, Benutzerschulung und Sicherheitsbewusstsein, Netzwerksicherheit, Malware-Prävention, Rechteverwaltung und Reaktion auf Vorfälle sind für die Sicherheitsorganisation und -verfahren von grundlegender Bedeutung. Der Konzern geht weiterhin davon aus, dass die Bedrohung durch Cyberangriffe weltweit sowohl in Anzahl als auch Intensität zunehmen wird. Deshalb wurden auch im abgelaufenen Geschäftsjahr die entsprechenden Maßnahmen und Aktivitäten weiter ausgebaut. Die konzernweite IT-Sicherheitsorganisation wurde personell und fachlich gestärkt, ein rund um die Uhr besetztes Sicherheitskontroll- und Abwehrteam etabliert und weitere Systeme und Dienste zur Überwachung, Erkennung und Abwehr von Cyberangriffen eingerichtet. Die IT-Abteilung informiert konzernweit aktiv und gezielt zu möglichen Cyber-Bedrohungen und bindet die Mitarbeitenden ein, indem einfache, aber wirksame Möglichkeiten zur dezentralen Abwehr und zur Meldung verdächtiger Vorfälle zur Verfügung gestellt werden.

Finanzielle Risiken und Chancen

Durch die globale Ausrichtung des Sartorius Konzerns ist die Geschäftstätigkeit zwangsläufig mit finanziellen Risiken verbunden. Hierzu zählen vor allem das Wechselkursrisiko, das Zinsänderungsrisiko, das Liquiditätsrisiko sowie Steuerrisiken. Umgekehrt stehen den finanziellen Risiken, insbesondere dem Wechselkurs- und Zinsänderungsrisiko, entsprechende Chancen gegenüber.

Wechselkursrisiken und -chancen

Sartorius ist infolge seiner weltweiten Geschäftsaktivitäten Risiken aus Wechselkursschwankungen ausgesetzt. Da rund zwei Drittel des Konzernumsatzes in Fremdwährungen und davon wiederum rund zwei Drittel in US-Dollar beziehungsweise in an den US-Dollar gekoppelte Währungen erzielt werden, ist Sartorius bei der Währungsumrechnung von Bilanz- beziehungsweise G&V-Positionen von Wechselkursänderungen positiv oder negativ betroffen. Weitere für Sartorius wesentliche Währungen sind das britische Pfund, der Singapur Dollar, der südkoreanische Won, der japanische Yen, der chinesische Renminbi sowie der Schweizer Franken. Durch das globale Produktionsnetzwerk ist Sartorius in der Lage, den überwiegenden Teil der in Fremdwährung erzielten Umsatzerlöse konzernintern durch ebenfalls in Fremdwährung anfallende Kosten zu kompensieren. So werden beispielsweise viele der Produkte für den nordamerikanischen Markt vor Ort gefertigt und haben insoweit keinen kostenseitigen Nachteil gegenüber den amerikanischen Wettbewerbern. Zur Abschätzung und Steuerung des verbleibenden Risikos wird auf Basis des mit hinreichender Wahrscheinlichkeit erwarteten Nettowährungsexposures der kommenden zwölf Monate und unter Berücksichtigung bereits abgeschlossener Sicherungsgeschäfte laufend die Risikoposition über ein Cashflow-at-Risk-Modell berechnet. Auf dieser Grundlage kommen gegebenenfalls weitere derivative Finanzinstrumente, vor allem Spot-, Forward- und Swapgeschäfte, zur Steuerung des maximalen Verlustrisikos zum Einsatz.

Zinsänderungsrisiken und -chancen

Für über 70 % der ausstehenden Finanzverbindlichkeiten wurden Festzinssatzvereinbarungen getroffen, sodass die Auswirkungen eines veränderten Zinsniveaus auf das Konzernergebnis begrenzt werden können. Der verbleibende Teil der zum Stichtag ausstehenden Finanzierungsinstrumente wird in Abhängigkeit eines kurzfristigen Geldmarktsatzes variabel verzinst.# Risikomanagementbericht

Das Zinsexposure und die Zinsentwicklung werden kontinuierlich beobachtet und für einzelne Kredite werden Sicherungsgeschäfte abgeschlossen, sofern dies für notwendig und unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten als sinnvoll erachtet wird. Zum 31.12.2022 waren keine Zinsderivate im Bestand.

Liquiditätsrisiken und -chancen

Sartorius betreibt ein aktives zentrales Liquiditätsmanagementsystem, um einerseits Liquiditätsrisiken in den einzelnen Konzerngesellschaften zu minimieren und andererseits das Zinsergebnis im Konzern zu optimieren. Hierzu werden verschiedene lang- und kurzfristige Finanzierungsinstrumente eingesetzt. Im Hinblick auf die Laufzeiten von Krediten wird dabei grundsätzlich ein risikoaverser Ansatz gewählt. Zur kurzfristigen Liquiditätssicherung wird eine Konsortialkreditlinie in Höhe von 800 Millionen Euro verwendet, die kurzfristig abruf- und rückführbar ist, sowie mehrere kleinere bilaterale Kreditlinien bei einzelnen Konzerngesellschaften. Ferner werden zur Liquiditätssteuerung im Konzern vor allem Cash-Pooling-Vereinbarungen zwischen ausgewählten Konzerngesellschaften genutzt, die eine effiziente Verwendung der verfügbaren Liquidität sicherstellen.

Steuerrisiken

Sartorius agiert mit seinen Tochtergesellschaften weltweit und unterliegt damit vielfältigen nationalen steuerlichen Gesetzen und Regelungen. Änderungen der Steuergesetze, der Rechtsprechung und der Auslegung durch die Finanzbehörden oder -gerichte in diesen Ländern können zu zusätzlichen Steueraufwendungen und -zahlungen führen und damit auch Auswirkungen auf die entsprechenden Steuerpositionen in der Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung haben. Die zentrale Konzernsteuerabteilung, die von externen Beratern in den jeweiligen Ländern unterstützt wird, beobachtet und analysiert kontinuierlich die steuerlichen Rahmenbedingungen zur Kontrolle der sich ergebenden Risiken.

Compliance Risiken

Regulatorische Risiken

Als Partner der biopharmazeutischen Industrie und des Gesundheitswesens ist Sartorius auch von regulatorischen Änderungen in diesen Branchen betroffen. Das wesentliche Risiko in diesem Zusammenhang besteht in einer möglichen restriktiveren Vorgehensweise der Aufsichtsbehörden, wie zum Beispiel der Food & Drug Administration (FDA), USA, der European Medicines Agency (EMA) sowie weiterer nationaler bzw. internationale Instanzen bei der Zulassung neuer Medikamente oder medizinischer Geräte. Des Weiteren ist auch die Beachtung von Vorschriften anderer relevanter Behörden (z.B. Environmental Protection Agency oder Department of Agriculture in den USA) wichtig, um lokale oder globale regulatorische Risiken zu kontrollieren. Eine unzureichende Beachtung der jeweils gültigen Vorschriften seitens der Sartorius-Kunden könnte Zulassungsprozesse verzögern oder sogar die Anzahl der neu zugelassenen Medikamente verringern und damit auch die Zukunftsaussichten von Sartorius mittelfristig verschlechtern. Im Hinblick auf eigene Produkte unterliegt der Konzern in zahlreichen Ländern ebenfalls umfangreichen Zulassungs-, Registrierungs- und Meldeverpflichtungen. Die Nichteinhaltung der teilweise komplexen Anforderungen kann zu Verkaufs- bzw. Einfuhrverboten sowie Strafzahlungen führen. Die für regulatorische Angelegenheiten zuständigen Funktionen innerhalb von Sartorius überwachen die betroffenen Märkte und bewerten, ob Änderungen in den Prozessen erforderlich sind.

Umweltrisiken

Sartorius bezieht ein breites Spektrum an Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen, beispielsweise Kunststoff-, Metall- und Elektronikkomponenten sowie Verpackungen. Zudem entstehen in einigen Produktionsprozessen aufgrund des Einsatzes von Lösungsmitteln Abfälle, die besonderen Regeln hinsichtlich der Verwertung bzw. Entsorgung unterliegen. In diesem Zusammenhang besteht das Risiko, dass diesbezügliche gesetzliche Regelungen nicht eingehalten werden. Für die Beachtung der entsprechenden Vorschriften im Hinblick auf die sicherer Handhabung der Materialien, Vermeidung von Emissionen sowie geordnete Entsorgungswege ist insgesamt der Bereich Umwelt-, Gesundheits- und Arbeitsschutz zuständig. Sartorius hat für beide Sparten Umweltmanagementsysteme (ISO 14001:2015) zur Steuerung von Umweltthemen und zur Risikominderung eingerichtet. Darüber hinaus sind die meisten großen Produktionsstandorte nach ISO 14001: 2015 zertifiziert, darunter Frankreich, Indien, Puerto Rico und China. An diesen Standorten existieren entsprechende Funktionen, um die Einhaltung gesetzlicher und interner Vorgaben und die kontinuierliche Umsetzung nachhaltiger technischer Innovationen zur Verbesserung der Umweltaspekte in den Produktionsprozessen zu gewährleisten. Umwelt- bzw. Nachhaltigkeitsaspekte nehmen bei Sartorius eine zunehmend wichtige Rolle in vielen Geschäftsprozessen ein. So ist der Aspekt des ökologisch nachhaltigen Handelns zu einem zentralen Element der Lieferantenauswahl geworden. Für weitergehende Informationen zu diesen Themen wird auf die nichtfinanzielle Konzernerklärung verwiesen.

Prozessrisiken

Prozessrisiken für Sartorius können sich aus anhängigen oder bevorstehenden Rechtsstreitigkeiten oder aus behördlichen Verfahren ergeben. Gerichtliche und außergerichtliche Rechtsstreitigkeiten werden von eigenen Juristen begleitet, die bei Bedarf externe Anwälte hinzuziehen. Zum jetzigen Zeitpunkt sind bilanziell nicht berücksichtigte Rechtsstreitigkeiten oder Gerichtsprozesse, die einen erheblichen negativen Einfluss auf das Konzernergebnis haben können, weder anhängig noch erkennbar.

Einschätzung der Gesamtrisikosituation und künftigen Entwicklung

Für erkennbare Risiken innerhalb des Sartorius Konzerns, die sich negativ auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage auswirken könnten, wurden im Berichtsjahr — soweit möglich und sinnvoll — Gegenmaßnahmen und | oder bei entsprechender Eintrittswahrscheinlichkeit bilanzielle Vorsorge getroffen. In nachfolgender Tabelle wurde für jede der benannten Risikoklassen die Wahrscheinlichkeit des Eintritts der dargestellten Risiken bewertet und daneben die Relevanz der Risiken für den Gesamtkonzern klassifiziert. Es ergaben sich keine wesentlichen Änderungen im Vergleich zum Vorjahr.

Risikoklasse Eintrittswahrscheinlichkeit Relevanz Gesamtbeurteilung Gesamtbeurteilung (Vorjahr)
Externe Risiken
Allgemeine Risiken wahrscheinlich moderat mittel mittel
Konjunkturelle Risiken möglich moderat mittel mittel
Operative Risiken
Beschaffungsrisiken möglich wesentlich mittel mittel
Produktionsrisiken möglich wesentlich mittel mittel
Absatzrisiken möglich moderat mittel mittel
Wettbewerbsrisiken möglich moderat mittel niedrig
Qualitätsrisiken unwahrscheinlich wesentlich mittel mittel
Forschungs- & Entwicklungsrisiken möglich wesentlich mittel mittel
Akquisitionsrisiken möglich wesentlich mittel mittel
Mitarbeiterrisiken möglich wesentlich mittel mittel
IT-Risiken möglich wesentlich mittel mittel
Finanzielle Risiken
Wechselkursrisiken wahrscheinlich moderat mittel mittel
Zinsänderungsrisiken wahrscheinlich moderat mittel niedrig
Liquiditätsrisiken unwahrscheinlich moderat niedrig niedrig
Steuerrisiken möglich moderat mittel mittel
Compliance Risiken
Regulatorische Risiken möglich wesentlich mittel mittel
Umweltrisiken unwahrscheinlich moderat niedrig niedrig
Prozessrisiken möglich moderat mittel mittel

Nach eingehender Analyse der gesamten Risikosituation sind aus heutiger Sicht keine bestandsgefährdenden Risiken erkennbar. Auch für die Zukunft sind aus heutiger Sicht keine bestandsgefährdenden Risiken absehbar.

Prognosebericht

Künftiges gesamtwirtschaftliches Umfeld

Die Weltwirtschaft sollte im laufenden Jahr nach Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) weiter wachsen, jedoch mit geringerem Tempo. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte 2023 global um 2,7 % zunehmen (2022: + 3,2 %), wobei für die Industrieländer mit einem Anstieg von 1,1 % gerechnet wird (2022: + 2,4 %) und für die Schwellen- und Entwicklungsländer von 3,7 (2022: + 3,7 %). Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind weiterhin von zahlreichen Risikofaktoren geprägt, welche sich negativ auf die Verbraucher- und Unternehmensstimmung auswirken. Weiterhin hohe Preissteigerungsraten und Lebenshaltungskosten belasten die privaten Konsumausgaben, während steigende Zinsen und sich eintrübende Konjunkturaussichten Unternehmensinvestitionen dämpfen. Gleichzeitig stehen den nationalen Regierungen angesichts steigender Schuldenstände weniger Mittel für fiskalpolitische Stützungsmaßnahmen zur Verfügung, sodass die Risiken für eine globale Rezession beziehungsweise Stagflation insgesamt gestiegen sind.

Für die EU erwartet der IWF 2023 ein Wachstum von 0,7 % nach 3,2 % im Berichtsjahr. In der größten europäischen Volkswirtschaft Deutschland dürfte die Wirtschaftsleistung um 0,3 % schrumpfen (2022: + 1,5 %) und weitere für Sartorius wichtige europäische Volkswirtschaften wie Frankreich und Großbritannien nahezu stagnieren mit Zuwächsen von + 0,7 % (2022: + 2,5 %) beziehungsweise + 0,3 % (2022: + 3,6 %) Quelle: Internationaler Währungsfonds

Die USA sollen nach aktuellen Schätzungen 2023 um 1,0 % wachsen, nach 1,6 % im Vorjahr. Für den asiatisch-pazifischen Wirtschaftsraum wird ein Zuwachs von rund 4,3 % prognostiziert (2022: + 4,0 %), wobei das BIP in China mit einem Plus von 4,4 % wachsen dürfte (2022: + 3,2 %) und Indien mit 6,1 % (2022: + 6,8 %). Weitere für Sartorius wichtige Länder in dieser Region sollten ebenfalls zulegen. Für Südkorea wird eine Zunahme von 2,0 % erwartet (2022: + 2,6 %) und für Japan von 1,6 % (2022: + 1,7 %).

Wechselkurs- und Zinsentwicklung

Auf Basis von Expertenschätzungen sollen die Leitzinsen in der Europäischen Währungsunion von 2,50 % zum Jahresende 2022 auf bis zu 3,00 % im laufenden Jahr steigen. Auch von der amerikanischen Notenbank wird erwartet, dass sie den Leitzins zunächst weiter anhebt, bevor es in der zweiten Jahreshälfte zu Zinssenkungsschritten auf schätzungsweise 4,65 % bis Ende 2023 kommt.# Die Inflationserwartungen 2023 für den Euroraum belaufen sich auf 6,2 %, wohingegen die Teuerungsrate in den USA bei 3,2 % erwartet wird. Der Marktkonsens bezüglich des Euro-US-Dollar-Wechselkurses für den Jahresverlauf 2023 bewegt sich zwischen 0,95 Euro | US-Dollar und 1,10 Euro | US-Dollar. Quellen: Internationaler Währungsfonds, World Economic Outlook, Oktober 2022; Bloomberg, UBS, November 2022.

Künftiges branchenspezifisches Umfeld

Biopharmabranche wächst weiter dynamisch

Das Wachstum der Pharmaindustrie basiert auf starken langfristigen Trends und ist weitestgehend konjunkturunabhängig. Bis zum Jahr 2028 soll der Weltpharmamarkt nach Schätzungen von EvaluatePharma jährlich um circa 6 % wachsen. Innerhalb des Pharmamarktes entwickelt sich das Segment Biopharma seit Jahren besonders stark und wird auf Basis verschiedener Prognosen auch weiter überproportional zulegen. Das durchschnittliche jährliche Wachstum dürfte in den kommenden Jahren bei etwa 8 % bis 11 % liegen. Für 2028 wird ein Marktvolumen von rund 575 Mrd. € prognostiziert, sodass der Anteil biologisch hergestellter Medikamente und Impfstoffe am Gesamtumsatz des Weltpharmamarktes von aktuell 37 % auf 41 % steigen könnte.

Regional wird die höchste Marktdynamik weiterhin für China erwartet. Positive regulatorische und politische Rahmenbedingungen, eine steigende Zahl lokaler Biotech-Unternehmen sowie eine zunehmende Nachfrage nach modernen Biopharmazeutika führen bereits seit einigen Jahren zu überdurchschnittlichen Wachstumsraten. Diese Entwicklung könnte sich aufgrund des großen Aufholpotenzials und der besseren Verfügbarkeit biotechnologischer Medikamente fortsetzen. Für die USA und Europa wird ebenfalls mit einem deutlichen Anstieg gerechnet.

Wachstumsimpulse ergeben sich insbesondere aus dem steigenden Medikamentenbedarf der alternden Gesellschaften und einer zunehmenden Patientenzahl. Darüber hinaus steigt die Zahl zugelassener biopharmazeutischer Medikamente beständig. Von den schätzungsweise mehr als 10.000 Arzneimitteln, die sich aktuell in der Entwicklung befinden, basieren über 40 % auf biologischen Herstellverfahren. Biopharmazeutika werden etwa vermehrt in bisher wenig erforschten Therapiegebieten sowie zur Behandlung seltener, bislang nicht behandelbarer Erkrankungen eingesetzt. Dabei setzt die Pharmaindustrie verstärkt auf neuartige Therapieformen wie Zell- und Gentherapien oder biotechnologisch bearbeitete Gewebeprodukte. 2022 belief sich die Zahl klinischer Studien mit derartigen Behandlungsansätzen auf über 2.000, sodass dieser Bereich mittel- bis langfristig ein großes Wachstumspotenzial bietet.

Innovative Therapieformen im Bereich der regenerativen Medizin und neue Wirkstoffklassen wie die der Antikörperwirkstoffkonjugate oder mRNA-basierte Medikamente erweitern langfristig sowohl Zahl als auch Bandbreite zugelassener Biopharmazeutika und erfordern Investitionen in innovative Produktionstechnologien. Damit stellen sie einen wichtigen Wachstumstreiber dar.

Auch Biosimilars, das heißt generische Versionen eines Biologikums mit vergleichbarer beziehungsweise besserer Wirksamkeit oder Verträglichkeit als das Originalpräparat, spielen eine zunehmend wichtige Rolle für das Wachstum des Biotechnologiemarktes. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass der Markt bis zum Jahr 2026 jährlich um durchschnittlich 20 % bis 30 % zulegen und ein Volumen von rund 42 Mrd. € erreichen könnte. Insbesondere in den Schwellen- und Entwicklungsländern eröffnen die signifikant niedrigeren Preise von Biosimilars neue, bezahlbare Therapieoptionen und sollten zu einer erhöhten Nachfrage und steigenden Produktionsvolumina führen. Der Aufbau eigener nationaler Produktionskapazitäten zur Deckung des steigenden Medikamentenbedarfs wird in diesen Ländern politisch unterstützt und führt zur Entstehung lokaler Biotechunternehmen. Auch in den Industrieländern dürfte der Biosimilarmarkt in den kommenden Jahren durch das Auslaufen von Patenten für umsatzstarke Biopharmazeutika und eine steigende Zahl zugelassener Biosimilars deutlich wachsen. Während die Nachahmerpräparate in Europa bereits seit vielen Jahren etabliert sind und teils signifikante Marktanteile gewinnen konnten, verlief die Entwicklung in den USA aufgrund regulatorischer, patentrechtlicher und vermarktungsseitiger Herausforderungen bislang eher gebremst. In den kommenden Jahren dürfte sich die Entwicklung aber beschleunigen.

Biopharmazeutika gewinnen an Bedeutung – Wachsender Umsatzanteil am Weltpharmamarkt

Da die Biopharmaindustrie eine wachsende Medikamentennachfrage bedienen und gleichzeitig die Produktion einer steigenden Zahl zugelassener Medikamente sowie neuer Therapieformen sicherstellen muss, dürfte der Ausbau der weltweiten Bioreaktorkapazitäten nach Einschätzung von Branchenbeobachtern in den kommenden Jahren weiter voranschreiten. Die Industrie sieht sich zugleich einem wachsenden Kostendruck ausgesetzt, daher wird die Bedeutung von Innovationen zur Erhöhung von Flexibilität und Effizienz in der biopharmazeutischen Forschung und Produktion steigen. Dies gilt auch vor dem Hintergrund, dass der Biopharmamarkt in Zukunft weniger stark durch eine überschaubare Zahl besonders umsatzstarker Medikamente geprägt sein wird, die einen Großteil des gesamten Produktionsvolumens ausmachen, als vielmehr durch eine steigende Vielfalt an Produkten für kleinere Patientengruppen. Da aufgrund des technologischen Fortschritts die Produktivität biopharmazeutischer Produktionsprozesse beständig zunimmt, dürften Hersteller nach Angaben des Forschungs- und Beratungsinstituts BioPlan für die kommerzielle Produktion vieler neuer Medikamente zukünftig verstärkt auf flexibel nutzbare Einwegtechnologien zurückgreifen, die insbesondere bei kleineren Chargen kostengünstiger als die klassischen Edelstahlanlagen produzieren und einen besseren ökologischen Fußabdruck aufweisen. Zur Bewältigung der genannten Herausforderungen setzt die Pharmaindustrie zudem verstärkt auf die Digitalisierung und Automatisierung, sowie auf innovative Softwarelösungen zur Steuerung und Optimierung ihrer Prozesse. Ein weiterer Trend besteht in der Prozessintensivierung, bei der unter anderem durch die Verknüpfung mehrerer Prozessschritte in kürzerer Zeit größere Produktmengen bei gleichzeitig höherer Qualität hergestellt werden können.

Weiteres Wachstum des Labormarkts erwartet

Der Markt für Laborinstrumente und –verbrauchsmaterialien soll nach Einschätzung verschiedener Marktbeobachter in den kommenden Jahren jährlich um etwa 4 % bis 5 % wachsen und 2026 ein Volumen von etwa 85 Mrd. € erreichen. Bezogen auf die Endmärkte dürften insbesondere von der Pharma- und Biopharmaindustrie angesichts der kontinuierlichen Erforschung und Zulassung neuer Medikamente, der hohen wissenschaftlichen und technologischen Innovationsdynamik sowie des starken Wachstums in China weiterhin die größten Nachfrageimpulse ausgehen. Beispielsweise rechnet EvaluatePharma für den Zeitraum 2022 bis 2028 mit einer Zunahme der sektorspezifischen Forschungsausgaben um jährlich 3,0 %. Der Produktbereich bioanalytischer Instrumente sollte nach Marktstudien in besonderem Maße von dieser Entwicklung profitieren und innerhalb des Labormarktes weiter überdurchschnittlich wachsen. Budgeterhöhungen für akademische und öffentliche Forschungseinrichtungen sollten in einigen Ländern ebenfalls wachstumsfördernd wirken, wohingegen von der Pandemie und potenziellen Lockdowns oder Produktionsstilllegungen sowie der prognostizierten Abschwächung des globalen Wirtschaftswachstums Risiken für die Nachfrage aus industriellen Endmärkten ausgehen. Mit den höchsten Steigerungsraten rechnen Marktbeobachter weiterhin in China und Indien. Strengere regulatorische Anforderungen in verschiedenen Industrien führen hier zu einem höheren Bedarf an Instrumenten für die Probenanalyse und Qualitätskontrolle. Zudem werden insbesondere in China durch staatlich unterstützte Bemühungen, die Innovationskraft einiger Schlüsselindustrien zu fördern, Investitionen in die Laborinfrastruktur attraktiver. Das Land hat 2021 erstmals mehr in Forschung und Entwicklung investiert als die USA, wodurch sich der Anteil an den globalen F&E-Ausgaben weiter erhöht hat.

Quellen: BioPlan: 19th Annual Report and Survey of Biopharmaceutical Manufacturing Capacity and Production, April 2022; Evaluate Pharma: World Preview 2022, Outlook to 2028, Oktober 2022; SDi: Global Assessment Report 2022, Juni 2022; www.fda.gov

Ausblick 2023

Nach den außerordentlich starken Vorjahren rechnet Sartorius für 2023 trotz Nachfragenormalisierung und erwarteter weiterer Rückgänge im coronabezogenen Geschäft mit weiterem Wachstum. So soll der Umsatzzuwachs im unteren einstelligen Prozentbereich liegen. Ohne Berücksichtigung des Coronageschäfts würde sich der Anstieg im oberen einstelligen Prozentbereich bewegen. Rund 1 Prozentpunkt Wachstumsbeitrag soll aus Akquisitionen kommen. Die operative EBITDA-Marge wird in etwa auf dem Niveau des Vorjahres (33,8 %) erwartet.

Für die Sparte Bioprocess Solutions geht das Unternehmen von einem Umsatzwachstum im unteren einstelligen Prozentbereich aus. Ohne Berücksichtigung des Coronageschäfts würde sich der Anstieg im oberen einstelligen Prozentbereich bewegen. Rund 1 Prozentpunkt Wachstumsbeitrag soll aus Akquisitionen kommen. Die operative EBITDA-Marge der Sparte wird in etwa auf Höhe des Vorjahres (35,7 %) erwartet.

Die Umsatzerwartung für den Bereich Lab Products & Services sieht für 2023 ein Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich vor, wobei ohne Berücksichtigung des Coronageschäfts ein Wachstum im oberen einstelligen Prozentbereich erwartet wird. Die operative EBITDA-Marge wird für die Laborsparte ebenfalls in etwa auf dem Vorjahresniveau (26,2 %) erwartet.

Das Unternehmen wird sein umfangreiches Programm zur Kapazitätserweiterung 2023 fortsetzen. Die Investitionsquote bezogen auf den Umsatz dürfte bei etwa 12,5 % und der dynamische Verschuldungsgrad bei etwa 1,5 liegen.# Mögliche Akquisitionen sind dabei nicht berücksichtigt. Alle prognostizierten Zahlen sind, wie in den vergangenen Jahren auch, auf Basis konstanter Währungsrelationen angegeben. Zudem weist die Unternehmensleitung darauf hin, dass sich in den vergangenen Jahren die Dynamiken und Volatilitäten in der Life-Science- und Biopharma-Branche erhöht haben und diese Trends durch die Coronavirus-Pandemie verstärkt wurden. Ferner stehen die Prognosen unter der Annahme einer sich nicht verschlechternden Situation hinsichtlich der geopolitischen und weltwirtschaftlichen Lage, der Lieferketten, der Inflation und der Energieversorgung sowie keiner erneuten relevanten Einschränkungen im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie. Dementsprechend weisen die Prognosen aktuell höhere Unsicherheiten auf als dies üblicherweise der Fall ist.

Beschreibung der wesentlichen Merkmale des internen Kontrollsystems im Hinblick auf den Rechnungslegungsprozess (§ 289 Abs. 4 und § 315 Abs. 4 HGB)

Begriffsbestimmungen und Elemente des internen Kontrollsystems im Sartorius Konzern

Das interne Kontrollsystem (IKS) der Sartorius AG und des Sartorius Konzerns umfasst alle Grundsätze, Verfahren und Maßnahmen, die auf die organisatorische Umsetzung der Entscheidungen der Unternehmensleitung gerichtet sind. Im Hinblick auf den (Konzern-) Rechnungslegungsprozess stehen dabei die Sicherung der Wirtschaftlichkeit und der Ordnungsmäßigkeit der Rechnungslegung sowie die Einhaltung der maßgeblichen rechtlichen Vorschriften im Vordergrund. Dabei bilden prozessintegrierte ebenso wie prozessunabhängige Überwachungsmaßnahmen die Elemente des internen Kontrollsystems des Sartorius Konzerns. Die prozessintegrierten Sicherungsmaßnahmen sind zum einen organisatorische Maßnahmen, sowie zum anderen Kontrollmaßnahmen. Der Aufsichtsrat, hier insbesondere der Auditausschuss der Sartorius AG, und der Bereich Konzernrevision sind mit prozessunabhängigen Prüfungstätigkeiten in das interne Kontrollsystem im Sartorius Konzern eingebunden. Neben dem Jahres- und Konzernabschluss befasst sich der Auditausschuss regelmäßig mit der Quartalsberichterstattung. Des Weiteren ist im Sartorius Konzern zur Sicherstellung der konzernweiten systematischen Risikofrüherkennung ein Überwachungssystem zur Früherkennung existenzgefährdender Risiken gemäß § 91 Abs. 2 AktG eingerichtet. Der Abschlussprüfer der Sartorius AG beurteilt gemäß § 317 Abs. 4 HGB die Funktionsfähigkeit des Risikofrüherkennungssystems, das durch die Sartorius AG jeweils zeitnah an jeweilige Umfeldveränderungen angepasst wird. Bestandteil dieses Systems ist auch das operative Risikomanagement, das beispielsweise den Risikotransfer auf Versicherungsgesellschaften durch die Absicherung von Schadens- oder Haftungsrisiken sowie den Abschluss geeigneter Sicherungsgeschäfte zur Begrenzung von Fremdwährungs- und Zinsrisiken sicherstellt.

Organisatorische Maßnahmen

Die Rechnungslegungsprozesse sind organisatorisch konsequent nach dem Prinzip der Funktionstrennung unter Beachtung des Vier-Augen-Prinzips strukturiert. Dabei besteht zwischen den beteiligten Fachbereichen und Gesellschaften eine klare Aufgabenabgrenzung. Die Funktionstrennung im Hinblick auf Verwaltung, Ausführung, Abrechnung und Genehmigung reduziert die Möglichkeit zu dolosen Handlungen. Sie trägt weiterhin maßgeblich dazu bei, dass mögliche Fehler frühzeitig entdeckt werden oder mögliches Fehlverhalten verhindert wird. Die in Rechnungslegungsprozesse eingesetzten IT-Anwendungen sind mit Zugriffsbeschränkungen versehen. Diese erlauben lediglich den berechtigten Personen einen kontrollierten System- und Datenzugang. Die Zugriffsberechtigungen werden jeweils gemäß der Aufgabenstellung vergeben und unterliegen einer jährlichen Überprüfung. Außerdem wird auch bei der IT-Prozessgestaltung und der Vergabe der Berechtigungen das Vier-Augen-Prinzip angewandt. Zudem existieren schriftlich festgelegte lokale und globale Arbeitsanweisungen, die regelmäßig aktualisiert und konzernweit kommuniziert werden. Der Regelungsumfang der Konzernbilanzierungsrichtlinie erstreckt sich unter anderem auf die zentrale Festlegung von Bewertungsregeln und -parametern. Ferner erfolgen auf Konzernebene die Aufbereitung und Aggregation weiterer Daten für die Erstellung externer Informationen im Anhang und Lagebericht. Die laufende, unterjährige Abstimmung von interner Planungsrechnung und externer Rechnungslegung trägt maßgeblich zur Qualität der Konzern-Finanzberichtserstattung bei. Die Berichterstattung selbst erfolgt dabei durch ein konzernweit implementiertes, einheitliches Reporting-System, in dem sämtliche Konsolidierungsprozesse abgebildet werden. Durch interne Kontrollen einerseits und den Konzernabschlussprüfer der Sartorius AG andererseits wird sichergestellt, dass die Konzern-Finanzberichterstattung zutreffend aus den einbezogenen Abschlüssen der Konzerngesellschaften entwickelt wird. Die am Rechnungslegungsprozess beteiligten Mitarbeiter erfüllen die qualitativen Anforderungen und werden regelmäßig geschult. Die Abteilung Group Financial Reporting unterstützt die lokalen Einheiten bei komplexen Bilanzierungsfragen, wie beispielsweise Fair Value-Bewertungen, und stellt so eine einheitliche und sachgerechte Darstellung im Konzernabschluss sicher. Komplexe Bewertungen wie versicherungsmathematische Berechnungen oder Unternehmensbewertungen bzw. Kaufpreisallokationen werden durch spezialisierte Dienstleister unter Einbindung entsprechend qualifizierter Mitarbeiter erstellt.

Kontrollmaßnahmen

In den Rechnungslegungsprozessen werden umfangreiche Kontrolltätigkeiten zur Sicherstellung der Ordnungsmäßigkeit und Verlässlichkeit der Rechnungslegung durch die Führungskräfte und Mitarbeiter durchgeführt. Damit wird gewährleistet, dass die gesetzlichen Vorschriften und internen Richtlinien eingehalten werden sowie eine ordnungsmäßige Geschäftstätigkeit sichergestellt wird. Diese Kontrollaktivitäten umfassen beispielhaft die Analyse von Sachverhalten und Entwicklungen anhand spezifischer Kennzahlen. Ferner kommentieren und erläutern die einzelnen Berichtseinheiten monatlich Besonderheiten und Planabweichungen auf Basis eines konzernweit einheitlichen Analysetools. Weitere spezifische Kontrollen zur Sicherstellung der Ordnungsmäßigkeit und Verlässlichkeit der Konzernrechnungslegung umfassen die Analyse und ggf. Korrektur der Einzelabschlüsse von Konzerngesellschaften. Auf Grundlage einer hohen Anzahl bereits im Konsolidierungssystem festgelegter automatisierter Kontrollmechanismen können fehlerbehaftete Informationen identifiziert und auf Konzernebene korrigiert werden. Mit der zentralen Durchführung sogenannter Werthaltigkeitstests für die aus Konzernsicht wesentlichen Vermögenswerte bzw. zahlungsmittelgenerierenden Geschäftseinheiten wird die Anwendung einheitlicher und standardisierter Bewertungskriterien sichergestellt. Die Konzernrevision erstellt jährlich einen risikoorientierten Prüfungsplan und prüft in Stichproben, ob die gesetzlichen Rahmenbedingungen und konzerninternen Richtlinien für das gesamte Kontroll- und Risikomanagementsystem des Konzerns eingehalten werden. Diese Überwachungsfunktion umfasst insbesondere die Prüfung der Funktionsfähigkeit und Wirksamkeit von definierten Kontrollen. Die Ergebnisse der Prüfungen werden direkt an die geprüften Bereiche berichtet und ermöglichen so eine effiziente Beseitigung festgestellter Mängel und die permanente Weiterentwicklung des IKS. Vorstand und Aufsichtsrat erhalten regelmäßige Berichte über die Prüfungstätigkeiten. Die wesentlichen Regelungen im Hinblick auf die Ausgestaltung des internen Kontrollsystems sind in einem an Geschäftsprozessen orientierten Handbuch festgelegt. Damit sind in einem einheitlichen Dokument alle von der Unternehmensleitung als wesentlich erachteten IKS-relevanten Vorgaben zusammengefasst und werden in der Zukunft ggf. durch sinnvolle weitere Regelungen ergänzt.

Einschränkende Hinweise

Das interne Kontroll- und Risikomanagementsystem ermöglicht durch die im Sartorius Konzern festgelegten Organisations-, Kontroll- und Überwachungsstrukturen die vollständige Erfassung, Aufbereitung und Würdigung von unternehmensbezogenen Sachverhalten sowie deren sachgerechte Darstellung in der Rechnungslegung. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass ein internes Kontrollsystem, unabhängig von der Ausgestaltung, keine absolute Sicherheit hinsichtlich der richtigen und vollständigen Erfassung von Sachverhalten in der Konzernrechnungslegung gewährleisten kann. Die getroffenen Aussagen beziehen sich nur auf die in den Konzernabschluss der Sartorius AG einbezogenen Tochterunternehmen, bei denen die Sartorius AG mittelbar oder unmittelbar über Beherrschung im Sinne der internationalen Rechnungslegungsstandards verfügt.

Erläuternder Bericht des Vorstands zu den Angaben gem. §§ 289a, 315a HGB

Zusammensetzung des gezeichneten Kapitals | Stimmrechtsbeschränkungen

Das Grundkapital der Sartorius AG beträgt 74.880.000 €. Es ist eingeteilt in 74.880.000 auf den Inhaber lautende nennwertlose Stückaktien, aufgeteilt in je 37.440.000 Stamm- und stimmrechtslose Vorzugsaktien. Der rechnerische Anteil am Grundkapital beträgt 1 € pro Aktie. Die mit den Aktien verbundenen Rechte und Pflichten ergeben sich aus den Bestimmungen des Aktiengesetzes. Die Vorzugsaktien sind satzungsgemäß gegenüber den Stammaktien mit einem um einen Eurocent pro Aktie höheren Dividendenbezugsrecht ausgestattet. Das Dividendenbezugsrecht besteht jedoch mindestens in Höhe von zwei Eurocent pro Vorzugsaktie. Ein Stimmrecht gewähren die Vorzugsaktien abgesehen von den in den §§ 140 und 141 des Aktiengesetzes vorgesehenen Fällen nicht. Darüber hinaus gewähren die Vorzugsaktien die jedem Aktionär aus der Aktie zustehenden Rechte. 3.213.991 Stamm- und 3.250.147 Vorzugsaktien werden von der Gesellschaft selbst gehalten; aus ihnen stehen der Gesellschaft keine Mitgliedschaftsrechte zu.# Direkte oder indirekte Beteiligungen am Kapital, die 10 % der Stimmrechte überschreiten

Die Erbengemeinschaft nach Horst Sartorius hält laut Stimmrechtsmitteilungen 18.754.160 Stammaktien der Sartorius AG (rund 50,1 % aller ausgegebenen bzw. rund 54,8 % aller ausstehenden Stammaktien) und damit knapp über 50 % der Stimmrechte an der Gesellschaft bzw. knapp über 25,0 % am gesamten Grundkapital der Sartorius AG. Mitglieder der Erbengemeinschaft sind derzeit: Karin Sartorius-Herbst, Sartorius-Herbst Beteiligungen I GmbH, Sartorius-Herbst Beteiligungen II GmbH (beide vorgenannten Gesellschaften laut Stimmrechtsmitteilung beherrscht von Karin Sartorius-Herbst), Christine Franken und LifeScience Holding SCSp (laut Stimmrechtsmitteilung mittelbar beherrscht von Alexander Schemann über die Kette der Tochterunternehmen, beginnend mit dem obersten beherrschenden Unternehmen, Armira Partners Verwaltungs GmbH, Armira Partners GmbH & Co. KG, Armira HC Holding GmbH, LSH Management GP S.à r.l.); Karin Sartorius-Herbst hat ferner mitgeteilt, dass sie außerhalb der Erbengemeinschaft weitere 855.673 Stammaktien der Gesellschaft (rund 2,3 % aller ausgegebenen bzw. rd. 2,5 % aller ausstehenden Stammaktien) direkt hält. Der Erblasser Horst Sartorius hat Testamentsvollstreckung angeordnet. Zum Testamentsvollstrecker ist Herr Dr. Lothar Kappich bestellt, der die Stimmrechte der Erbengemeinschaft nach eigenem Ermessen im Sinne des § 34 Abs. 1 Satz 1 Nr. 6 WpHG ausübt.

Laut einer Stimmrechtsmitteilung werden mehr als 30 % der ausgegebenen Stammaktien der Sartorius AG von der Bio-Rad Laboratories GmbH gehalten (laut Stimmrechtsmitteilung mittelbar beherrscht von Alice N. Schwartz über die Kette der Tochterunternehmen, beginnend mit dem obersten beherrschenden Unternehmen, David Schwartz Non-Exempt Marital Trust, Blue Raven Partners, L.P., Bio-Rad Laboratories, Inc., Bio-Rad Luxembourg S.à r.l., Bio-Rad France Holding SAS). Die Anzahl der von der Bio-Rad Laboratories Inc. gehaltenen bzw. ihr zugerechneten Aktien der Sartorius AG beträgt gemäß eigenem Quartalsbericht vom 28. Oktober 2022 konkret 12.987.900 Stammaktien (rund 34,7 % aller ausgegebenen bzw. rund 37,9 % aller ausstehenden Stammaktien) sowie ferner 9.588.908 Vorzugsaktien (rund 25,6 % aller ausgegebenen bzw. rund 28,0 % aller ausstehenden Vorzugsaktien), somit rund 30,2 % am gesamten Grundkapital der Sartorius AG.

Ernennung und Abberufung der Mitglieder des Vorstands | Änderungen der Satzung

Die Mitglieder des Vorstands der Sartorius AG werden nach den §§ 84 f. des Aktiengesetzes und den §§ 31 und 33 des Mitbestimmungsgesetzes ernannt bzw. bestellt und abberufen. Für Änderungen der Satzung der Sartorius AG sind die §§ 133 und 179 des Aktiengesetzes maßgeblich.

Befugnisse des Vorstands zur Ausgabe von Aktien

Der Vorstand ist ermächtigt, mit Zustimmung des Aufsichtsrats die Veräußerung der von der Gesellschaft gehaltenen eigenen Aktien auch in anderer Weise als über die Börse oder durch Angebot an alle Aktionäre im Verhältnis ihrer Beteiligung an der Gesellschaft vorzunehmen, sofern diese Aktien an Dritte gegen Sachleistung, insbesondere beim (auch mittelbaren) Erwerb von Unternehmen übertragen werden. Das Bezugsrecht der Aktionäre ist insoweit ausgeschlossen.

Wesentliche Vereinbarungen, die Regelungen für den Fall eines Kontrollwechsels vorsehen

Für den überwiegenden Teil der Darlehensvereinbarungen bestehen marktübliche Regelungen für den Fall eines Kontrollwechsels (Change of Control), die den beteiligten Kreditgebern die Möglichkeit geben, die vollständige Rückzahlung der ausstehenden Darlehen zu verlangen. Hierbei handelt es sich im Wesentlichen um die ausstehenden Schuldscheindarlehen, eine Reihe bilateraler Kreditvereinbarungen sowie die Konsortialkreditlinie. Die ausstehende Rückzahlungssumme aus diesen Vereinbarungen beträgt zum 31. Dezember 2022 2.393 Mio. €.

Erklärung zur Unternehmensführung

Diese Inhalte waren nicht Teil der Prüfung des Konzernlageberichts und der nichtfinanziellen Konzernerklärung. Wesentliche Eckpfeiler der Unternehmenskultur bei Sartorius sind eine an den Interessen der Stakeholder ausgerichtete Unternehmensführung, rechtmäßiges und verantwortungsvolles Handeln sowie eine konstruktive, vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Organen und innerhalb des Unternehmens. Aufsichtsrat und Vorstand berichten in nachfolgender Erklärung gemäß § 289f HGB über die Corporate Governance der Gesellschaft.

Erklärung zum Corporate Governance Kodex

Erklärung des Vorstands und des Aufsichtsrats der Sartorius AG zu den Empfehlungen der „Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex“ gemäß § 161 Aktiengesetz

Vorstand und Aufsichtsrat erklären, dass den Empfehlungen der „Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex“ (DCGK) im Zeitraum seit Abgabe der letztjährigen Entsprechenserklärung vom 9. Dezember 2021 mit der folgenden Ausnahme entsprochen wurde und auch künftig entsprochen werden wird:

Abweichend von der Empfehlung gemäß G.10 Satz 1 DCGK besteht die variable Vergütung der Mitglieder des Vorstands – mit Ausnahme der variablen Vergütung des Vorstandsvorsitzenden – nur zu einem nicht überwiegenden Teil aus aktienbasierten Vergütungsbestandteilen. Der Aufsichtsrat ist der Auffassung, dass auch durch die bestehende Ausgestaltung der variablen Vergütung, die dem durch die Hauptversammlung gebilligten Vergütungssystem entspricht, eine Anreizstruktur erreicht wird, die auf eine nachhaltige und langfristige Entwicklung der Gesellschaft ausgerichtet ist.

Die vorstehende Erklärung bezieht sich für den Zeitraum vor dem 27. Juni 2022 auf den DCGK in der bis dahin geltenden Fassung vom 16. Dezember 2019 und für nachfolgende Zeiträume auf den DCGK in der vom Bundesjustizministerium am 27. Juni 2022 im amtlichen Teil des Bundesanzeigers bekannt gemachten Fassung vom 28. April 2022.

Göttingen, den 8. Dezember 2022

Für den Aufsichtsrat
Dr. Lothar Kappich

Für den Vorstand
Dr. Joachim Kreuzburg

Grundlegendes zur Unternehmensverfassung

Die Sartorius AG ist eine Aktiengesellschaft deutschen Rechts mit Sitz in Göttingen. Sie hat mit Hauptversammlung, Aufsichtsrat und Vorstand drei Organe, deren Aufgaben und Befugnisse sich im Wesentlichen aus dem Aktiengesetz sowie der Satzung der Gesellschaft ergeben. Als Eigentümer des Unternehmens üben die Aktionäre ihre Rechte im Rahmen der Hauptversammlung aus. Dort entscheiden sie insbesondere über die Gewinnverwendung, Kapitalmaßnahmen, Satzungsänderungen, die Entlastung von Aufsichtsrat und Vorstand, die Bestellung des Abschlussprüfers und wählen die Vertreter der Anteilseigner in den Aufsichtsrat. Die Hauptversammlung findet mindestens einmal jährlich innerhalb der ersten acht Monate des Geschäftsjahres statt.

Bei der Führung des Unternehmens wirken Aufsichtsrat und Vorstand in einem dualen Führungssystem mit jeweils eigenständigen Pflichten und Kompetenzen wie folgt zusammen: Der Aufsichtsrat bestellt die Mitglieder des Vorstands, legt ihre Vergütung fest und überwacht und berät den Vorstand bei der Leitung des Unternehmens. Er ist nicht befugt, Maßnahmen der operativen Geschäftsführung zu ergreifen. Die Geschäftsordnung des Aufsichtsrats ist auf der Homepage des Unternehmens veröffentlicht. Der Vorstand leitet das Unternehmen in eigener Verantwortung. Insbesondere legt er die Unternehmensstrategie fest, stimmt diese mit dem Aufsichtsrat ab und setzt sie um. Nach Maßgabe festgelegter Berichtspflichten informiert er den Aufsichtsrat regelmäßig, zeitnah und umfassend und holt für bestimmte, wichtige Geschäfte seine Zustimmung ein.

Zusammensetzung und Arbeitsweise des Aufsichtsrats und seiner Ausschüsse

Der Sartorius-Aufsichtsrat ist paritätisch besetzt und besteht aus sechs von der Hauptversammlung gewählten Vertretern der Aktionäre sowie sechs nach dem Mitbestimmungsgesetzes gewählten Vertretern der Arbeitnehmer. Die Amtszeit der Mitglieder beträgt regelmäßig fünf Jahre. Eine Wiederwahl ist zulässig. Details zur Zusammensetzung des Aufsichtsrats und seiner Ausschüsse finden sich auf den Seiten 246 bis 249.

Der Aufsichtsratsvorsitzende koordiniert die Arbeit im Aufsichtsrat, beruft die Sitzungen ein und leitet sie. Weiterhin ist er erster Ansprechpartner gegenüber dem Vorstand und nimmt die Belange des Gremiums nach außen wahr. Der Aufsichtsrat hält mindestens zwei Sitzungen pro Kalenderhalbjahr ab. Der Aufsichtsrat hat vier Ausschüsse gebildet, den Präsidialausschuss, den Auditausschuss, den Vermittlungsausschuss und den Nominierungsausschuss. Präsidial-, Audit- und Vermittlungsausschuss bestehen aus jeweils vier Mitgliedern und sind paritätisch mit Vertretern der Anteilseigner und Arbeitnehmer besetzt. (Präsidial- und Auditausschuss tagen regelmäßig, Vermittlungs- und Nominierungsausschuss nach Bedarf.

Auditausschuss

Vorsitz: Prof. Dr. Klaus Rüdiger Trützschler
Weitere Mitglieder:
* Dr. Lothar Kappich
* Dietmar Müller
* Manfred Zaffke

Aufgaben: Der Auditausschuss unterstützt den Aufsichtsrat bei der Wahrnehmung seiner Überwachungsfunktion. Ihm müssen mindestens ein Mitglied des Aufsichtsrats, das über Sachverstand auf dem Gebiet der Rechnungslegung verfügt, und mindestens ein weiteres Mitglied, das über Sachverstand auf dem Gebiet der Abschlussprüfung verfügt, angehören. Der Vorsitzende des Auditausschusses, Prof. Dr. Klaus Trützschler, ist unabhängig und verfügt aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit als Finanzvorstand, Prüfungsausschussmitglied und Professor der Betriebswirtschaftslehre über Sachverstand auf den Gebieten der Rechnungslegung, der Abschlussprüfung sowie des Risikomanagements. Zudem verfolgt Prof. Trützschler aktiv die aktuellen Entwicklungen auf dem Gebiet der Nachhaltigkeitsberichterstattung und bringt diese Expertise in den Prüfungsausschuss sowie den Aufsichtsrat der Sartorius AG ein. Als weiteres Mitglied des Auditausschusses verfügt Dr.# Aufsichtsrat und seine Ausschüsse

Lothar Kappich aus seiner beruflichen Praxis als Controller, Geschäftsführer und Unternehmensberater über besondere Kenntnisse und Erfahrung in der Anwendung von Rechnungslegungsgrundsätzen und internen Kontrollverfahren. Dr. Kappich bringt ebenso Expertise auf den Gebieten des Nachhaltigkeitsreportings und dessen Prüfung mit.

Präsidialausschuss

Vorsitz: Dr. Lothar Kappich

Weitere Mitglieder:
* Annette Becker
* Prof. Dr. Klaus Rüdiger Trützschler
* Manfred Zaffke

Aufgaben: Der Präsidialausschuss bereitet Beschlüsse und Themen vor, die in den Sitzungen des Aufsichtsrats behandelt werden. Er nimmt darüber hinaus die Vorbereitung der Bestellungen einschließlich der Bedingungen der Anstellungsverträge und der Vergütung von Vorstandsmitgliedern wahr. Der Präsidialausschuss berät regelmäßig über die langfristige Nachfolgeplanung für den Vorstand.

Nominierungsausschuss

Mitglieder:
* Dr. Lothar Kappich
* Dr. Daniela Favoccia
* Prof. Dr. Klaus Rüdiger Trützschler

Aufgaben: Der Nominierungsausschuss besteht aus drei Mitgliedern der Anteilseignervertreter. Er hat die Aufgabe, dem Aufsichtsrat für dessen Wahlvorschläge an die Hauptversammlung geeignete Kandidaten für die Vertreter der Anteilseigner im Aufsichtsrat vorzuschlagen. Hierbei berücksichtigt er die Ziele zur Zusammensetzung.

Vermittlungsausschuss

Vorsitzender: Dr. Lothar Kappich

Weitere Mitglieder:
* Annette Becker
* Prof. Dr. Klaus Rüdiger Trützschler
* Manfred Zaffke

Aufgaben: Der Vermittlungsausschuss tritt zusammen, wenn bei einer Bestellung von Mitgliedern des zur gesetzlichen Vertretung der Gesellschaft berechtigten Organs die erforderliche Mehrheit nicht erreicht wird.

Weitere Informationen zur Anzahl und zu Inhalten der einzelnen Sitzungen des Aufsichtsrats und dessen Ausschüssen sowie die individuelle Sitzungsteilnahme im Berichtsjahr finden sich im Bericht des Aufsichtsrats auf den Seiten 12 bis 16.

Der Aufsichtsrat führt jährlich eine Beurteilung durch, wie wirksam er insgesamt und seine Ausschüsse im Speziellen ihre Aufgaben erfüllen. Diese Selbstbeurteilung erfolgte im Berichtsjahr mit externer Unterstützung auf Basis eines Fragebogens mit den Aufsichtsratsmitgliedern. Die Ergebnisse der Befragung wurden in der Aufsichtsratssitzung im Dezember 2022 anonymisiert präsentiert und im Aufsichtsrat diskutiert.

Ziele für die Besetzung des Aufsichtsrats hinsichtlich Kompetenzen und Diversität

Der Aufsichtsrat der Sartorius AG ist so zu besetzen, dass seine Mitglieder insgesamt über die Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen verfügen, die zur ordnungsgemäßen Wahrnehmung seiner Aufgaben erforderlich sind. Zu diesem Zweck und auf Basis der Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex hat der Aufsichtsrat nachfolgende Besetzungsziele beschlossen:

Diversität:

Die Mitglieder des Aufsichtsrats sollen über sich ergänzende berufliche Profile und internationale Erfahrung verfügen. Mit Blick auf eine angemessene Berücksichtigung beider Geschlechter gilt für den Sartorius-Aufsichtsrat die gesetzliche Quote von mindestens 30 % Frauen und mindestens 30 % Männern. Die Anteilseigner- und die Arbeitnehmerseite des Aufsichtsrats haben die getrennte Erfüllung dieser Quoten beschlossen. Näheres erläutert das Kompetenzprofil des Aufsichtsrats.

Altersgrenze:

Für Aufsichtsratsmitglieder gilt eine Altersgrenze von grundsätzlich maximal 70 Jahren zum Zeitpunkt der Wahl. Von dieser Altersgrenze darf im Einzelfall abgewichen werden, soweit keine Zweifel an der Eignung der vorgeschlagenen Personen bestehen und deren Wahl trotz Überschreitens der Altersgrenze im Interesse des Unternehmens zweckmäßig erscheint.

Höchstzahl an Mandaten / zeitliche Ressourcen:

Ein Aufsichtsratsmitglied, das keinem Vorstand einer börsennotierten Gesellschaft angehört, soll insgesamt nicht mehr als fünf Aufsichtsratsmandate bei konzernexternen börsennotierten Gesellschaften oder vergleichbare Funktionen wahrnehmen, wobei ein Aufsichtsratsvorsitz doppelt zählt. Ein Aufsichtsratsmitglied, das dem Vorstand einer börsennotierten Gesellschaft angehört, soll insgesamt nicht mehr als zwei Aufsichtsratsmandate in konzernexternen börsennotierten Gesellschaften oder vergleichbare Funktionen und keinen Aufsichtsratsvorsitz in einer konzernexternen börsennotierten Gesellschaft wahrnehmen. Unabhängig von der Übernahme weiterer Mandate ist darauf zu achten, dass jedem Mitglied genügend Zeit für die Wahrnehmung seines Mandats im Aufsichtsrat der Sartorius AG zur Verfügung steht.

Unabhängigkeit:

Nach dem DCGK soll dem Aufsichtsrat auf Anteilseignerseite eine nach deren Einschätzung angemessene Anzahl, jedoch mindestens vier unabhängige Mitglieder angehören. Dabei soll die Eigentümerstruktur berücksichtigt werden. Nach Einschätzung der Anteilseignervertreter im Aufsichtsrat sind Prof. Dr. David Ebsworth, Dr. Daniela Favoccia, Ilke Hildegard Panzer, Frank Riemensperger sowie Prof. Dr. Klaus Rüdiger Trützschler unabhängige Mitglieder des Aufsichtsrats. In seiner Eigenschaft als Testamentsvollstrecker der Erbengemeinschaft nach Horst Sartorius ist Dr. Lothar Kappich als abhängig vom kontrollierenden Aktionär anzusehen. Obwohl Dr. Kappich dem Aufsichtsrat seit April 2007 und somit seit mehr als zwölf Jahren angehört, schätzen die Anteilseignervertreter im Aufsichtsrat ihn jedoch als unabhängig von der Gesellschaft und deren Vorstand ein, da die langjährige Mitgliedschaft im Aufsichtsrat allein keinen wesentlichen oder nicht nur vorübergehenden Interessenkonflikt begründe. Insbesondere auch der Umstand, dass Dr. Kappich die Mehrheit der Stimmrechte der Gesellschaft vertrete, spreche gegen die Vermutung seiner Abhängigkeit von der Gesellschaft und deren Vorstand.

Ehemalige Vorstandsmitglieder:

Dem Aufsichtsrat sollen nicht mehr als zwei ehemalige Mitglieder des Vorstands angehören.

Funktion bei Wettbewerbern:

Aufsichtsratsmitglieder sollen keine Organfunktion oder Beratungsaufgaben bei wesentlichen Wettbewerbern des Unternehmens ausüben und nicht in einer persönlichen Beziehung zu einem wesentlichen Wettbewerber stehen.

Zudem hat der Aufsichtsrat ein Kompetenzprofil definiert.Im Aufsichtsrat sollen Erfahrungen im Life Science-Sektor sowie Kenntnisse über wesentliche Mitbewerber und ein grundlegendes Verständnis zu Marketing- und Vertriebsstrategien vorhanden sein. Mitglieder des Aufsichtsrats sollen Kenntnisse konzernrelevanter Technologien und Produkte sowie Erfahrungen auf den Gebieten von Innovationsprozessen und Forschung & Produktentwicklung, speziell im biopharmazeutischen Bereich mitbringen. Im Aufsichtsrat soll Expertise über die für den Sartorius Konzern relevanten internationalen Märkte vorhanden sein. Dem Gremium sollen Mitglieder mit fundiertem Wissen zu finanzwirtschaftlichen Unternehmensprozessen sowie Kompetenzen in den Bereichen Controlling und Risikomanagement angehören; mindestens ein Mitglied des Aufsichtsrats muss über Sachverstand auf dem Gebiet Rechnungslegung und mindestens ein weiteres Mitglied des Aufsichtsrats über Sachverstand auf dem Gebiet Abschlussprüfung verfügen (§ 100 Abs. 5 AktG). Zur Rechnungslegung und Abschlussprüfung gehören auch die Nachhaltigkeitsberichterstattung und deren Prüfung. Mitglieder des Aufsichtsrats solleneingehende Kenntnisse in den Bereichen Recht und Compliance, hier insbesondere Expertise auf den Gebieten Kapitalmarkt und Gesellschaftsrecht haben. Zudem sollen Kenntnisse und Erfahrungen im Bereich Corporate Governance vorhanden sein. Das Gremium soll vertiefte Kenntnisse und Erfahrungen in Fragen der Personalwirtschaft, insbesondere auf den Gebieten der internationalen Personalplanung sowie der Führungskräfterekrutierung und Nachfolgeplanung- haben. Der Aufsichtsrat soll vertiefte Kenntnisse über die Sartorius Organisation und Sartorius Prozesse haben, um die Perspektive der Mitarbeitenden einbringen zu können. Mitglieder im Aufsichtsrat sollen über Erfahrung in den Bereichen Digitalisierung sowie datenbasierter Geschäftsmodelle verfügen. Des Weiteren sollen Nachhaltigkeits-/ESG- und CSR-Expertise im Gremium ausreichend vorhanden sein. Dem Aufsichtsrat sollen stets auch Mitglieder mit internationalen Erfahrungen bzw. Lebenshintergründen angehören.

Nach Selbsteinschätzung des Gremiums ist der Aufsichtsrat von Sartorius vielfältig und kompetent besetzt. Auch werden die vorgenannten Besetzungsziele erreicht:

Kompetenzprofil

L. Kappich M. Zaffke A. Becker D. Ebsworth D. Favoccia P. Kirchhoff
Unternehmensführung und Strategieentwicklung X X X X
Kundenspezifische Perspektiven X
Technologie- und Produktentwicklung
Internationale Märkte X
Finanzwirtschaft X X X X
Unternehmens- und Kapitalmarktrecht X
Personalwirtschaft X
Mitarbeiterspezifische Perspektiven X X
Digitalisierung
Kompetenz Nachhaltigkeit und Regulatorik X X
Internationale Erfahrungen bzw. Lebenshintergründe X
D. Müller I. Panzer H. Ritzau K. Trützschler F. Riemensperger S. Wirth
Unternehmensführung und Strategieentwicklung X X X X
Kundenspezifische Perspektiven X X
Technologie- und Produktentwicklung X X
Internationale Märkte X
Finanzwirtschaft X
Unternehmens- und Kapitalmarktrecht X X
Personalwirtschaft X X X
Mitarbeiterspezifische Perspektiven X X
Digitalisierung X X
Kompetenz Nachhaltigkeit und Regulatorik X
Internationale Erfahrungen bzw. Lebenshintergründe X X X

Mit Blick auf die ausgeglichenere Beteiligung beider Geschlechter erfüllt der Aufsichtsrat die Quote für das unterrepräsentierte Geschlecht von 30 %. Dem Aufsichtsrat gehören insgesamt sieben Männer an (rd. 58 %), darunter vier Vertreter der Anteilseigner und drei Vertreter der Arbeitnehmer. Weiterhin gehören dem Gremium fünf Frauen an (rd. 42 %), darunter zwei Vertreterinnen der Anteilseigner und drei Vertreterinnen der Arbeitnehmer. Somit wird der Quotenanforderung sowohl auf beiden Seiten des Aufsichtsrats als auch im Gesamtgremium entsprochen. Um einen Abgleich mit den Besetzungszielen zu erleichtern, sind Kurzlebensläufe der Aufsichtsratsmitglieder auf der Sartorius-Internetseite abrufbar.# Zusammensetzung und Arbeitsweise des Vorstands

Der Vorstand der Sartorius AG leitet das Unternehmen in eigener Verantwortung mit dem Ziel nachhaltiger Wertschöpfung. Er legt die strategische Ausrichtung fest, stimmt sie mit dem Aufsichtsrat ab und sorgt für ihre Umsetzung. Die Geschäftsordnung des Vorstands definiert darüber hinaus solche Rechtsgeschäfte, zu deren Wirksamkeit der Aufsichtsrat seine Zustimmung erteilen muss. Der Vorstand ist verantwortlich für die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen und unternehmensinternen Regeln sowie für ein angemessenes Risikomanagement.

Die Entscheidungsfindung im Vorstand erfolgt in regelmäßigen Vorstandssitzungen, die vom Vorsitzenden einberufen und geleitet werden. Zu diesen Sitzungen werden bei Bedarf weitere Fach- und Führungskräfte beratend hinzugezogen. Der Vorstand ist als Kollegialorgan gemeinsam für Angelegenheiten von besonderer Bedeutung verantwortlich. Im Übrigen führt jedes Mitglied das ihm zugewiesene Ressort gemäß Geschäftsverteilungsplan eigenständig, wobei der Vorsitzende über alle wesentlichen Vorgänge zu unterrichten ist.

Besetzung des Vorstands, Diversität und Kompetenzanforderungen

Grundlegende Eignungskriterien bei der Besetzung von Vorstandspositionen stellen nach Auffassung des Aufsichtsrats die fachliche Eignung für die Leitung des jeweiligen Ressorts dar, nachgewiesene Leistungen in der bisherigen Karriere sowie überzeugende Führungskompetenz. Zudem achtet der Aufsichtsrat bei seinen Entscheidungen auch auf Vielfalt. So strebt der Aufsichtsrat an, Personen mit sich ergänzenden Profilen, Berufs- und Lebenserfahrungen sowie unterschiedlichen Alters in den Vorstand zu berufen. Das Vorstandsgremium soll zudem über breite internationale Erfahrung verfügen.

Der Aufsichtsrat befasst sich sowohl im Präsidialausschuss als auch im Plenum regelmäßig mit der Nachfolgeplanung des Vorstands. Um besondere Talente aus dem Unternehmen zu identifizieren, werden vielversprechende Nachwuchskräfte dazu eingeladen, im Aufsichtsrat zu bestimmten Themen zu präsentieren. Zum Zeitpunkt der Bestellung soll ein Vorstandsmitglied nicht älter als 65 Jahre sein. Von dieser Altersgrenze kann im Einzelfall abgewichen werden, soweit keine Zweifel an der Eignung der vorgeschlagenen Person bestehen und deren Bestellung trotz Überschreitens der Altersgrenze im Interesse des Unternehmens zweckmäßig erscheint.

Aktuell besteht der Vorstand der Sartorius AG aus vier Männern und seit dem 1. Januar 2019 in unveränderter personeller Zusammensetzung.

Name Ressort Geburtsjahr Erstbestellung Ende der aktuellen Bestellperiode
Dr. Joachim Kreuzburg (Vorsitzender) Vorstandsvorsitzender 1965 2002 10. November 2025
Dr. René Fáber Ordentliches Mitglied, verantwortlich für den Geschäftsbereich BPS 1975 2019 31. Dezember 2026
Rainer Lehmann Finanzvorstand 1975 2017 28. Februar 2025
John Gerard Mackay Ordentliches Mitglied, verantwortlich für den Geschäftsbereich LPS 1962 2019 31. Dezember 2023

Weitere Informationen, auch zu Mitgliedschaften in Aufsichtsräten und anderen vergleichbaren in- und ausländischen Kontrollgremien von Wirtschaftsunternehmen, sind auf Seite 250 ff dieses Geschäftsberichts veröffentlicht.

Für den Frauenanteil im Vorstand gilt das im August 2022 in Kraft getretene gesetzliche Beteiligungsgebot gemäß § 76 Abs. 3a AktG. Mit der nächsten Neubestellung in den Vorstand wird das gesetzliche Beteiligungsgebot umgesetzt werden. Auch im Hinblick auf die Berufung von Frauen in den Vorstand der Sartorius AG unterstützt der Aufsichtsrat die Aktivitäten des Vorstands, den Frauenanteil auf den dem Vorstand nachgelagerten Führungsebenen im Unternehmen weiter zu steigern. Der Präsidialausschuss sowie das Gesamtgremium lassen sich regelmäßig vom Vorstand zur Entwicklung der Frauenanteile an oberen Führungspositionen berichten.

Erste und zweite Führungsebene unterhalb des Vorstands

Auf den ersten beiden Führungsebenen unterhalb des Vorstands hat sich in den vergangenen Jahren der Frauenanteil insgesamt deutlich erhöht und liegt bereits auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Der Vorstand hatte im Jahr 2017 für die Frist bis 30. Juni 2022 beschlossen, den Anteil weiblicher Führungskräfte auf beiden nachgelagerten Ebenen auf rund 30 % zu steigern. Die Zielmarke wurde mit einem Anteil von Frauen auf der ersten Ebene mit 50 % (N-1: 9 Frauen / 9 Männer) deutlich übertroffen, während sie auf der zweiten Ebene mit rund 29 % (N-2: 25 Frauen / 61 Männer) in etwa erreicht wurde. Im März 2022 wurden für die Frist zum 31. Dezember 2025 für beide Führungsebenen festgelegt, dass der Frauenanteil jeweils ein Drittel betragen soll. Aufgrund der relativ geringen Anzahl von Führungskräften insbesondere auf der ersten Ebene können bereits einzelne personelle Veränderungen zu größeren Veränderungen bei der Quote führen. Überdies hat in der Vergangenheit der Einbezug von akquirierten Unternehmen häufig zu Schwankungen geführt. Dies kann auch für die Zukunft nicht ausgeschlossen werden.

Vergütungsbericht | Vergütungssystem

Der Vergütungsbericht über das Geschäftsjahr 2022 und der Vermerk des Abschlussprüfers gemäß § 162 AktG, das geltende, von der Hauptversammlung am 25. März 2022 gebilligte Vergütungssystem gemäß § 87a Abs. 1 und 2 Satz 1 AktG und der von der Hauptversammlung am 26. März 2021 gefasste Vergütungsbeschluss gemäß § 113 Abs. 3 AktG sind unter www.sartorius.de/Compliance öffentlich zugänglich.

Weitere Praktiken der Unternehmensführung

Risikomanagement, Internes Kontrollsystem und Compliance Management System

Ein wesentlicher Grundsatz guter Corporate Governance ist der verantwortungsbewusste Umgang mit geschäftlichen Risiken. In der Sartorius AG und im Konzern stehen konzernübergreifende und unternehmensspezifische Berichts- und Kontrollsysteme zur Verfügung, die die Erfassung, Bewertung und Steuerung von geschäftlichen Risiken ermöglichen. Es erfolgt eine kontinuierliche Weiterentwicklung und Anpassung der Systeme an veränderte Rahmenbedingungen. Der Aufsichtsrat wird vom Vorstand regelmäßig über bestehende Risiken und deren Entwicklung informiert. Der Auditausschuss befasst sich insbesondere mit der Überwachung des Rechnungslegungsprozesses, einschließlich der Berichterstattung, der Wirksamkeit des internen Kontrollsystems, des Risikomanagements und des internen Revisionssystems, der Compliance sowie der Abschlussprüfung. Einzelheiten zum Risikomanagement sind im Chancen- und Risikobericht dargestellt.

Das Interne Kontrollsystem (IKS) basiert auf den vom Vorstand eingeführten Grundsätzen, Richtlinien und Maßnahmen, die auf die organisatorische Umsetzung der Entscheidungen des Vorstands abzielen. Sie umfassen das Management von Risiken und Chancen in Bezug auf das Erreichen der Geschäftsziele, die Ordnungsmäßigkeit und Verlässlichkeit der internen und externen Rechnungslegung sowie die Einhaltung der für Sartorius maßgeblichen rechtlichen Vorschriften und Regelungen. Dabei sind auch Nachhaltigkeitsaspekte eingeschlossen, die auf Basis der regulatorischen Vorgaben fortlaufend weiterentwickelt werden.

Alle Funktionen des Sartorius Konzerns sind in eine globale Matrixorganisation eingebettet und Bestandteil des IKS. Der Umfang der von jeder Funktion auszuführenden Aktivitäten ist unterschiedlich und hängt unter anderem von den spezifischen Risiken, die mit der Funktion verbunden sind, ab. Das Management jeder Funktion ist dabei verpflichtet, in seinem Verantwortungsbereich, basierend auf der konzernweit verpflichtenden Methodik, ein angemessenes und wirksames IKS zu implementieren.

Die Gesamtverantwortung für das IKS obliegt dem Vorstand. Die einzelnen Funktionen des Sartorius Konzerns unterstützen den Vorstand bei der Gestaltung und Aufrechterhaltung angemessener und wirksamer Prozesse zur Implementierung, Überwachung und Berichterstattung von internen Kontrollaktivitäten. In den einzelnen definierten Prozessen der jeweiligen Funktionen werden umfangreiche Kontrolltätigkeiten zur Sicherstellung der Ordnungsmäßigkeit und Verlässlichkeit der Prozesse durch die Führungskräfte und Mitarbeiter durchgeführt. Damit wird gewährleistet, dass die gesetzlichen Vorschriften und internen Richtlinien eingehalten werden sowie eine ordnungsmäßige Geschäftstätigkeit sichergestellt wird. Diese Kontrollaktivitäten umfassen beispielhaft die Analyse von Sachverhalten und Entwicklungen anhand spezifischer Kennzahlen. Auf Grundlage der festgelegten Kontrollmechanismen können Fehler identifiziert und auf Konzernebene korrigiert werden.

Zusätzlich erstellt die Konzernrevision jährlich einen risikoorientierten Prüfungsplan und prüft in Stichproben, ob die gesetzlichen Rahmenbedingungen und konzerninternen Richtlinien für das gesamte Kontroll- und Risikomanagementsystem des Konzerns eingehalten werden. Diese Überwachungsfunktion umfasst insbesondere die Prüfung der Funktionsfähigkeit und Wirksamkeit von definierten Kontrollen. Die Ergebnisse der Prüfungen werden direkt an die geprüften Funktionen berichtet und ermöglichen so eine effiziente Beseitigung festgestellter Mängel und die permanente Weiterentwicklung des IKS. Vorstand und Aufsichtsrat erhalten regelmäßige Berichte über die Prüfungstätigkeiten.

Die wesentlichen Regelungen im Hinblick auf die Ausgestaltung des IKS sind in einem an Geschäftsprozessen orientierten Handbuch festgelegt. Damit sind in einem einheitlichen Dokument alle von der Unternehmensleitung als wesentlich erachteten IKS-relevanten Vorgaben zusammengefasst und werden in der Zukunft ggf. durch sinnvolle weitere Regelungen ergänzt.

Teil des IKS ist auch ein weltweit gültiges Compliance Management System. Mit diesem stellt Sartorius sicher, dass Organmitglieder, Führungskräfte und Mitarbeiter alle gesetzlichen Regeln und Kodizes einhalten und entsprechend den internen Richtlinien handeln. Durch gezielte Aufklärung wird Fehlverhalten vorgebeugt und wirtschaftliche Schäden und Imageverlust werden vermieden.# Sartorius

Sartorius versucht durch ein Zusammenspiel aus einem präventiven Compliance-Ansatz, der potenzielle Regelverstöße bereits im Vorfeld verhindern soll, und einem repressiven Compliance-Ansatz, der eine kontinuierliche Überwachung der Regeleinhaltung bieten soll, eine optimale Risikobewältigung zu gewährleisten. Durch ein Ineinandergreifen der beiden Ansätze entsteht ein einheitliches Compliance Management System, das einen bestmöglichen Schutz vor potenziellen Regelungsverstößen bieten soll. Als präventive Komponente des Compliance Management Systems hat Sartorius einen Verhaltenskodex entwickelt und sich einem Antikorruptionskodex verpflichtet. Für etwaige Verdachtsmomente auf Compliance-Verstöße steht ein internes Meldesystem zur Verfügung. Dem Vorstand sind keine Umstände bekannt, die gegen die Angemessenheit und Wirksamkeit des Risikomanagements und des IKS sprechen würden. Weitere Informationen dazu finden sich im Kapitel „Beschreibung der wesentlichen Merkmale des internen Kontrollsystems“ auf den Seiten 89 ff. sowie im Internet unter www.sartorius.com.

Transparenz

Eine einheitliche, umfassende und zeitnahe Information hat bei der Sartorius AG einen hohen Stellenwert. Es erfolgt daher für die Teilnehmer am Kapitalmarkt und die interessierte Öffentlichkeit eine unverzügliche, regelmäßige und zeitgleiche Information über die wirtschaftliche Lage des Konzerns und neue Tatsachen. Geschäftsbericht, Halbjahresfinanzbericht sowie die Quartalsmitteilungen werden im Rahmen der dafür vorgegebenen Fristen veröffentlicht. Aktuelle Entwicklungen und wichtige Ereignisse werden durch Pressemeldungen und gegebenenfalls durch Ad-hoc-Mitteilungen verlautbart. Diese Informationen stehen in der Regel zeitgleich in deutscher und englischer Sprache zur Verfügung und werden über geeignete Medien und im Internet publiziert. Die Kapitalmarktteilnehmer stehen in engem Kontakt zum Investor-Relations-Team des Unternehmens. In Telefonkonferenzen zur jeweiligen Quartalsberichterstattung werden Investoren und Analysten über die aktuelle und künftige Geschäftsentwicklung informiert. Regelmäßig ist Sartorius auf Roadshows und Investorenkonferenzen vertreten beziehungsweise führt eigene Kapitalmarktveranstaltungen durch. Die wesentlichen wiederkehrenden Ereignisse und Veröffentlichungen, wie zum Beispiel die Hauptversammlung, der Geschäftsbericht und die Zwischenberichte, sind in einem Finanzkalender zusammengestellt, der auf der Internetseite dauerhaft zur Verfügung gestellt wird.

Aktiengeschäfte der Organmitglieder

Mitteilungspflichtige Eigengeschäfte in Aktien der Sartorius AG oder sich darauf beziehende Finanzinstrumente durch Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder oder sonstige Personen mit Führungsaufgaben sowie ihnen nahestehenden Personen sind uns folgende mitgeteilt worden:

Der Vorstandsvorsitzende Dr. Joachim Kreuzburg hat am 14. November 2022 insgesamt 20.000 Vorzugsaktien veräußert. Gemeldete Transaktionen werden auf der Webseite der Sartorius AG veröffentlicht. Dr. Joachim Kreuzburg hält 113.785 Stamm- und 93.785 Vorzugsaktien der Gesellschaft. Diese sind ihm als Teil seiner Vergütung aufgrund entsprechender Vereinbarungen aus den Anstellungsverträgen am 18. Dezember 2015 bzw. am 26. November 2020 mit einer jeweiligen Mindesthaltefrist von vier Jahren ab dem jeweiligen Vertragsbeginn übertragen worden. Weitere Informationen dazu finden sich im Vergütungsbericht auf den Seiten 139 ff.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Lothar Kappich hält als Testamentsvollstrecker des Nachlasses von Horst Sartorius rund 50,1 % der von der Gesellschaft ausgegebenen Stammaktien. Darüber hinaus besteht kein mitteilungspflichtiger Besitz von Aktien oder Finanzinstrumenten von Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern, der direkt oder indirekt größer als 1 % der von der Gesellschaft ausgegebenen Aktien ist.

Rechnungslegung und Abschlussprüfung

Der Konzernabschluss, Konzernlagebericht sowie die Konzernzwischenabschlüsse und -lageberichte werden nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) — wie sie in der EU anzuwenden sind — und den nach § 315e Abs. 1 HGB anwendenden handelsrechtlichen Vorschriften aufgestellt. Der Jahresabschluss der Sartorius AG erfolgt nach deutschem Handelsrecht (HGB). Der Konzernabschluss und der Jahresabschluss werden vom Vorstand aufgestellt, vom Abschlussprüfer, der von der Hauptversammlung gewählt wurde, geprüft und vom Aufsichtsrat festgestellt. Mit dem Abschlussprüfer wurde vereinbart, dass er den Aufsichtsrat umgehend über auftretende mögliche Ausschluss- oder Befangenheitsgründe sowie über wesentliche Feststellungen und Vorkommnisse während der Prüfung unterrichtet. Dies umfasst auch die Berichtspflichten der Verwaltung zur Corporate Governance gemäß § 161 Aktiengesetz.

Der Aufsichtsrat | Der Vorstand

Nachhaltigkeit

Diese Inhalte waren nicht Teil der Prüfung des Konzernlageberichts und der nichtfinanziellen Konzernerklärung.

Beitrag des Geschäftsmodells zu Gesundheit und Wohlergehen

2016 traten die Ziele für die nachhaltige Entwicklung („Sustainable Development Goals“, SDG) der Vereinten Nationen in Kraft – kurz: Agenda 2030. Die 17 politischen Ziele sollen der weltweiten Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene dienen und sind adressiert an Regierungen weltweit, aber auch an die Zivilgesellschaft, Privatwirtschaft und Wissenschaft. Sartorius trägt mit seiner Geschäftstätigkeit insbesondere zu neun der globalen Nachhaltigkeitsziele bei. Im Fokus steht das Ziel Nummer 3 für „Gesundheit und Wohlergehen“, welches durch das Geschäftsmodell des Unternehmens adressiert wird. Sartorius ist im Life-Science-Sektor tätig – genauer im Bereich der medizinischen Biotechnologie. Als Partner der biopharmazeutischen Industrie, stellt der Konzern Produkte und Prozesstechnologien für die Entwicklung und Herstellung von biologischen Medikamenten und Impfstoffen her. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Innovationen, die es ermöglichen, den Entwicklungs- und Produktionsprozess solcher Wirkstoffe sicherer, schneller und effizienter zu gestalten. Neue Therapien können Patienten auf diese Weise früher, zu günstigeren Preisen und einer größeren Anzahl an Patienten zur Verfügung gestellt werden. Die biopharmazeutische Industrie spielt eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe zur Vorbeugung und Behandlung von zum Teil zuvor unheilbaren Krankheiten. Sie verbessert damit das Leben von Patienten weltweit. So konnte der Einsatz rekombinanter Antikörper die Sterblichkeit bei Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom um circa. ein Viertel reduzieren, die Überlebensdauer bei metastasiertem Hautkrebs konnte verdoppelt werden. Rund 198 Milliarden US Dollar hat die Industrie im Jahr 2020 in biopharmazeutische Forschung investiert und mehr als 9.000 Präparate befanden sich im Jahr 2021 in verschiedenen Stadien der Entwicklung. Die Schwerpunkte lagen dabei auf Therapien zur Behandlung von Krebs, Autoimmun- und neurologischen Erkrankungen sowie auf der Entwicklung von Impfstoffen gegen Infektionskrankheiten. Impfstoffe haben sich als eine der wirksamsten präventiven Technologien erwiesen und schützen heute vor mehr als 30 Infektionskrankheiten – mit nahezu beispiellosen Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit: Krankheiten wie Pocken, Polio, Masern, Diphtherie und Röteln, die früher Millionen von Todesopfern forderten, wurden weitgehend ausgerottet. Derzeit retten Impfstoffe jedes Jahr das Leben von über 2,5 Millionen Kindern (Quelle: IFPMA, The pharmaceutical industry and global health. Facts and figures 2015, S. 15). Bei der Bewältigung der Coronavirus-Pandemie spielten ebenfalls Impfstoffe eine zentrale Rolle. Die Entwicklung der neuartigen mRNA-Vakzine innerhalb nur eines Jahres war möglich durch die intensive Forschungsaktivität und Kooperation innerhalb der biopharmazeutischen und biotechnologischen Industrie. Weltweit wurden über 13 Milliarden Impfdosen verabreicht (Quelle: WHO Covid-19 Dashboard, 24. Januar 2023) und damit rund 20 Millionen Menschenleben gerettet (Quelle: The Lancet, Infectious Diseases, Vol. 22, September 2022). Impfstoffe tragen auf diese Weise auch zur Nachhaltigkeit der Gesundheitssysteme bei, indem Hospitalisierungen reduziert und damit Kosten für Krankenhausaufenthalte, Folgetherapien und Pflege vermindert werden. In Entwicklungs- und Schwellenländern liegen Verfügbarkeit und Bezahlbarkeit von medizinischer Versorgung noch deutlich unterhalb des Standards der Industrienationen: Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung hat keinen oder nur unzureichenden Zugang zu medizinischer Versorgung. Innovative Technologien zur Entwicklung und Herstellung biopharmazeutischer Therapeutika und Impfstoffe werden auch in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen bei der Erreichung medizinischen Fortschritts. Deshalb trägt Sartorius mit seiner Geschäftstätigkeit an einer wichtigen Stelle zu besserer Gesundheit für mehr Menschen bei. Sartorius unterstützt damit auch die Umsetzung des Menschenrechts auf Gesundheit und Wohlergehen aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen, welches auch in der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung globalpolitisch hinsichtlich des Zugangs zu wirksamen, hochwertigen und bezahlbaren Medikamenten und Impfstoffen priorisiert wurde.

Beitrag zu den UN Sustainable Development Goals

Die folgende Übersicht zeigt die für Sartorius relevanten Sustainable Development Goals und referenziert die entsprechenden Seiten in diesem Geschäftsbericht für entsprechende Beschreibungen zum Beitrag des Unternehmens im Geschäftsjahr 2022.

Ziel Verweis
Gesundheit und Wohlergehen Seite 105
Hochwertige Bildung NFE1 > Entwicklung der strategischen Nachhaltigkeitsthemen > Soziale Verantwortung, S.

Das folgende Kapitel stellt die nichtfinanzielle Erklärung der Sartorius AG für den Sartorius Konzern für das Geschäftsjahr 2022, im Folgenden als „nichtfinanzielle Erklärung“ bezeichnet, dar. Der Teilkonzern Sartorius Stedim Biotech S.A. ist mit Vorlage dieser nichtfinanziellen Konzernerklärung von der Pflicht zur Erstellung einer eigenen nichtfinanziellen Erklärung befreit. Diese Inhalte waren nicht Teil der Prüfung des Konzernlageberichts, da sie einer gesonderten Prüfung mit begrenzter Sicherheit (,Limited Assurance‘) durch die KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft unterlagen. Der Vermerk des unabhängigen Wirtschaftsprüfers ist auf Seite 135 ff. in diesem Geschäftsbericht zu finden.

Hinweise zur Berichterstattung

Rahmenwerk

Die Aufstellung der Erklärung erfolgte gemäß §§ 315b, 315c i. V. m. 289c bis 289e HGB. Für die Ermittlung der Kennzahlen wurden internationale Rahmenwerke wie GRI und Greenhouse Gas Protocol (GHG) Protocol genutzt.

Wesentliche berichtspflichtige Themen

Die berichtspflichtigen Themen leiten sich direkt aus den im Geschäftsjahr 2022 definierten strategischen Nachhaltigkeitsthemen ab, welche im Abschnitt Nachhaltigkeitsmanagement beschrieben sind.

Konsolidierung

Die nach § 289c Abs. 3 HGB für die wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen darzustellenden Konzepte inklusive Due-Diligence-Prozessen und Ergebnisse der Konzepte beziehen sich auf den gesamten Konzern gemäß dem Konsolidierungskreises für die Finanzberichterstattung (siehe Seite 184 ff. in diesem Geschäftsbericht), sofern an entsprechender Stelle nicht anders angegeben.

Weitere Informationen

Die in dieser Erklärung angegebenen Kennzahlen dienen der quantifizierten Ergebnisbeschreibung und stellen keine steuerungsrelevanten Leistungsindikatoren im Sinne von § 289c Abs. 3 HGB dar. Die Kennzahlendarstellung wurde im Vergleich zum Vorjahr zum Großteil neu strukturiert und ergänzt. Die Werte für das Geschäftsjahr 2021 wurden – sofern verfügbar – aus der nichtfinanziellen Erklärung 2021 übernommen oder nachträglich berechnet und ergänzt. Nachträgliche Berechnungen und Ergänzungen wurden an entsprechender Stelle kenntlich gemacht. Im Falle von neuen Datenkonzepten und Berechnungsmethoden sowie identifizierten Fehlern in den Datenmeldungen wurden die Werte für das Geschäftsjahr 2021 in dieser nichtfinanziellen Erklärung korrigiert. Dies betrifft die im Abschnitt „Klima“ berichteten Treibhausgasemissionen sowie die im Abschnitt „Soziale Verantwortung“ berichteten Arbeitsunfälle. Datenkorrekturen werden an entsprechender Stelle kenntlich gemacht. Detaillierte Erläuterungen zur Treibhausgasbilanzierung sind auf Seite 131 ff. in dieser nichtfinanziellen Erklärung zu finden. Die Nachhaltigkeitsberichterstattung in der nichtfinanziellen Erklärung wird komplettiert durch den Nachhaltigkeitsbericht des Sartorius Konzerns, dessen Aufstellung in Orientierung an den GRI Standards erfolgt. Dieser wird im ersten Quartal 2023 für das Geschäftsjahr 2022 veröffentlicht.

Nachhaltigkeitsmanagement

Geschäftsmodell

Sartorius ist im Life-Science-Sektor tätig – genauer im Bereich der medizinischen Biotechnologie. Als Partner der biopharmazeutischen Industrie, stellt der Konzern Produkte und Prozesstechnologien für die Entwicklung und Herstellung von biologischen Medikamenten und Impfstoffen her. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Innovationen, die es ermöglichen, den Entwicklungs- und Produktionsprozess solcher Wirkstoffe sicherer, schneller und effizienter zu gestalten. Neue Therapien können Patienten auf diese Weise früher, zu günstigeren Preisen und einer größeren Anzahl an Patienten zur Verfügung gestellt werden. Weitere Informationen zum Geschäftsmodell und zur Geschäftsstrategie sowie den Zielen sind im Kapitel „Geschäftsmodell, Strategie und Ziele" auf Seite 27 ff. in diesem Geschäftsbericht zu finden.

Ambition und strategische Nachhaltigkeitsthemen

Als Unterzeichner des Global Compact der Vereinten Nationen bekennt sich der Konzern zur Einhaltung bestimmter sozialer und ökologischer Standards in der Geschäftstätigkeit. Dies beinhaltet nachteilige Auswirkungen, die sich in der gesamten vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette auf Umwelt und Gesellschaft durch die Geschäftstätigkeit ergeben können, zu identifizieren und zu verhindern oder zu begrenzen und wiedergutzumachen. Mit seinen Stakeholdern steht Sartorius hierzu in einem kontinuierlichen Austausch. Als Stakeholder werden dabei diejenigen Personen, Unternehmen, Institutionen und Interessengruppen definiert, die den Erfolg von Sartorius beeinflussen können oder von den Handlungen des Konzerns betroffen sind. Dies sind insbesondere Kunden, Mitarbeitende, Investoren, Lieferanten und Geschäftspartner sowie Anrainer. Im Berichtsjahr hat Sartorius den Austausch mit seinen Kunden in unterschiedlichen Formaten fortgesetzt. Größere Dialogveranstaltungen im Geschäftsjahr waren eine ESG-Investoren-Konferenz, ein Lieferantentag mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit sowie ein interner Austausch zur neuen Sartorius Klimaschutzstrategie, an dem sich fast 3.000 Mitarbeitende des Konzerns aktiv beteiligten. Im Geschäftsjahr 2022 hat Sartorius unter Einbezug der Anliegen seiner Stakeholder folgende strategische Nachhaltigkeitsthemen für den Konzern definiert: Klima, Materialien und Zirkularität, Wasser und Abwasser, Soziale Verantwortung, Unternehmensführung und Nachhaltigkeit in den Lieferketten. Für diese Nachhaltigkeitsthemen werden nun sukzessive dedizierte Ambitionen, Ziele auf Konzernebene und operative Ziele sowie Implementierungspläne erarbeitet und umgesetzt bzw. weiterentwickelt.

Steuerung

Im Geschäftsjahr 2022 hat Sartorius die Abteilung Corporate Sustainability eingerichtet, um das Thema Nachhaltigkeit systematisch im Konzern voranzutreiben. Die Abteilung ist im Ressort des Vorstandsvorsitzenden angesiedelt und steht in direkter Berichtslinie. Aufgabe der Abteilung ist das Konzern-Nachhaltigkeitsmanagement und damit die Entwicklung der strategischen Nachhaltigkeitsthemen sowie korrespondierender Ziele auf Konzernebene. Die Identifizierung und Koordination notwendiger Initiativen zur Erreichung dieser Ziele, das Nachhaltigkeitsberichtswesen sowie die Durchführung des Corporate Sustainability Committee liegen ebenfalls in der Verantwortung der Abteilung Corporate Sustainability. Im Corporate Sustainability Committee kommen unter der Leitung des Vorstandsvorsitzenden, der gesamte Vorstand sowie die Leitungen jeweils relevanter Abteilungen anlassbezogen zusammen und beraten über die Weiterentwicklung der strategischen Nachhaltigkeitsthemen hinsichtlich Zielen und Konzepten. Eine Sitzung hat im Berichtsjahr nicht stattgefunden und ist für das Jahr 2023 geplant. Im Geschäftsjahr 2022 hat sich die Abteilung Corporate Sustainability schwerpunktmäßig mit der Entwicklung eines umfassenden Treibhausgas (THG)-Berichtswesens als Grundlage für die Steuerung von Nachhaltigkeitsthemen befasst. In diesem Zusammenhang fanden zahlreiche Abstimmungen mit Vorstandsbe- teiligung statt. Darüber wurden die Umsetzung der Klimastrategie und des deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes im Rahmen von Steuerungskreisen vorangetrieben.

Risiken

Die erforderlichen Angaben zu Risiken nach § 289c Abs. 3 HGB sind im Chancen- und Risikobericht auf Seite 71 ff. zu finden. Im Geschäftsjahr 2022 wurden keine Risiken im Sinne von § 289c Abs. 3 identifiziert.

Externe Unternehmensbewertungen und Kapitalmarktindizes

Die Nachhaltigkeitsleistung von Sartorius wird regelmäßig bewertet. Eine Übersicht der aktuellen Unternehmensbewertungen ist in folgender Tabelle zu finden. Die Ergebnisse fließen in die Konzepte zur kontinuierlichen Verbesserung der Nachhaltigkeitsleistung mit ein.

Unternehmen Rating Veröffentlichung Ergebnisse
Sartorius AG EcoVadis 10.11.2021 60/100 (83. Perzentil) – Silber
Sartorius AG CDP 14.12.2022 B
Sartorius AG MSCI 27.09.2022 A
Sartorius Stedim Biotech S.A. MSCI 05.12.2022 BBB

Zudem ist die Sartorius AG im Nachhaltigkeitsindex DAX ESG 50 der Deutschen Börse gelistet. Der Index bildet die führenden 50 Unternehmen basierend auf der ESG (Environmental, Social, Governance) -Leistung, Börsenwert und Umsatz ab.

Entwicklung der strategischen Nachhaltigkeitsthemen

Klima

Ambition

Sartorius strebt an, den Ausstoß von Treibhausgasen (THG) in Relation zum Umsatz zu reduzieren und damit vom Konzernwachstum graduell zu entkoppeln.

Konzept und Due-Diligence-Prozesse

Vor diesem Hintergrund wurde das Konzernziel festgelegt, die CO2 -Emissionsintensität, um durchschnittlich 10 % pro Jahr gemessen am Basisjahr 2019 zu reduzieren. Diesen Indikator hat Sartorius als bereinigte Brutto- THG-Intensität pro Nettoumsatz nach marktbasierter Berechnung in gCO2e/EUR in Orientierung an den Accounting und Reporting Standards des Greenhouse Gas (GHG) Protocol definiert.# THG-Bilanz

Jedoch werden in der THG-Kategorie „Purchased goods and services“ anstelle der eingekauften, nur die tatsächlich verbrauchten Waren und Dienstleistungen bilanziert, die für die Herstellung der im Geschäftsjahr verkauften Produkte und Dienstleistungen benötigt wurden. Der Indikator wurde im Geschäftsjahr 2022 in die langfristigen variablen Vergütungskomponenten des Vorstands und des Managements aufgenommen. Um die angestrebte Reduktion zu erreichen, fokussiert sich Sartorius auf die Vermeidung von Emissionen sowie die Verbesserung der Prozesseffizienz – an den eigenen Standorten und in der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette. Für die bereits Ende des Geschäftsjahres 2021 identifizierten Hebel wird gegenwärtig eine Umsetzungsplanung erarbeitet. So sollen die Scope 1 - und Scope 2 -Emissionen insbesondere durch die Umstellung auf erneuerbare Energien an den eigenen Standorten reduziert werden. Für die Reduktion der Scope 3 -Emissionen liegt der Fokus zunächst auf Maßnahmen, die die vorgelagerte Wertschöpfungskette adressieren. Hierzu gehören zum Beispiel eine angepasste Lieferantenstrategie sowie die Optimierung der Transport- und Logistikprozesse und der Ressourcennutzung. Sartorius rechnet mit Aufwendungen für die Reduktion der CO2 -Emissionsintensität von perspektivisch rund 1 % des Umsatzes jährlich.

Zur Erreichung der CO2 -Emissionsintensität hat sich der Konzern folgende absolute Ziele im Bereich der Scope 1 - und Scope 2 -THG-Emissionen gesetzt:

  • Reduktion der vermeidbaren Scope 1 -THG-Emissionen auf null bis 2030. Als unvermeidbar nach heutigem Stand der Technik gelten die Prozessemissionen in der Membranproduktion.
  • Reduktion der Scope 2 -THG-Emissionen auf null bis 2030. Dieses Ziel steht unter dem Vorbehalt der Verfügbarkeit von erneuerbarer Energie an den weltweiten Standorten.

Ergebnisse des Konzepts THG-Bilanz

Erstmals veröffentlicht Sartorius im Geschäftsjahr 2022 eine umfassende THG-Bilanz, die in Orientierung am GHG Protocol alle 17 THG-Kategorien berücksichtigt. Detaillierte Erläuterungen zur Treibhausgas-bilanzierung sind auf Seite 131 ff. in dieser nichtfinanziellen Erklärung zu finden.

Die gesamten Brutto-THG-Emissionen (Scope 1, 2 und 3) nach marktbasierter Berechnung beliefen sich im Geschäftsjahr 2022 auf 1.137.703 t CO2e (Vorjahr: 914.731 t CO2e; Basisjahr: 573.539 t CO2e). Dies ist eine Steigerung von 24,4 % im Vergleich zum Vorjahr und von 98,4 % im Vergleich zum Basisjahr 2019. Diese Entwicklung ist insbesondere auf das starke Wachstum des Konzerns zurückzuführen.

Da keine negativen THG- Emissionen, sogenannte Carbon Removal, gegengerechnet werden konnten, entsprechen die Brutto-THG-Emissionen den Netto-THG-Emissionen. Durch Carbon Removal werden THG-Emissionen mithilfe von biologischen, chemischen und physikalischen Verfahren dauerhaft aus der Atmosphäre entfernt.

Die Brutto-Scope 1 -THG-Emissionen betrugen 17.939 t CO2e (Vorjahr: 13.841 t CO2e, Basisjahr: 13.529 t CO2e) und sind damit um 29,6 % im Vergleich zum Vorjahr und um 32,6 % zum Basisjahr angestiegen.

Die Brutto-Scope 2 -THG-Emissionen nach marktbasierter Berechnung betrugen 28.714 t CO2e (Vorjahr: 20.885 t CO2e, Basisjahr: 25.777 t CO2e) und sind damit um 37,5 % im Vergleich zum Vorjahr und um 11,4 % zum Basisjahr angestiegen. Die jeweiligen Entwicklungen sind auf den wachstumsbedingt gestiegenen Energieverbrauch und die Prozessemissionen in der Membranproduktion zurückzuführen.

Die Brutto-THG-Intensität pro Nettoumsatz nach marktbasierter Berechnung betrug 0,000273 t CO2e (Vorjahr: 0,000265 CO2e, Basisjahr: 0,000314 CO2e). Dies ist eine Steigerung um 2,6 % im Vergleich zum Vorjahr bzw. eine Reduktion von 13,2 % im Vergleich zum Basisjahr 2019.

THG-Bilanz

GJ 2022 GJ 2021 Basisjahr: GJ 2019
Brutto-THG-Emissionen – Scope 1 in t CO2e³´⁴´⁵ 17.939 13.841⁶ 13.529
Anteil der Scope 1 -Emissionen, die unter den regulierten Emissionshandel fallen in % 0 0 0
Brutto-THG-Emissionen – Scope 2 – standortbasierte Berechnung in t CO2e³´⁴´⁵ 53.886 42.066 30.689
Brutto-THG-Emissionen – Scope 2 – marktbasierte Berechnung in t CO2e³´⁷ 28.714 20.885 25.777
Brutto-THG-Emissionen – Scope 3 t CO2e 1.091.050 880.006 534.233
Kategorie 1: „Purchased goods and services” in t CO2e 521.912 447.894 238.446
Kategorie 2: „Capital goods“ in t CO2e 95.492 69.759 36.892
Kategorie 3: „Fuel- and energy-related activities (not included in scope 1 and 2)” in t CO2e³ 11.323 9.067 6.553
Kategorie 4: „Upstream transportation and distribution” in t CO2e 128.734 98.358 57.426
Kategorie 5: „Waste generated in operations” in t CO2e³ 9.235 7.876 4.021
Kategorie 6: „Business travel” in t CO2e 21.067 6.318 26.093
Kategorie 7: „Employee commuting” in t CO2e⁸ 22.053 19.134 15.019
Kategorie 8: „Uptream leased assets” in t CO2e 0 0 0
Kategorie 9: „Downstream transportation and distribution” in t CO2e 10.942 8.360 4.881
Kategorie 10: „Processing of sold products” in t CO2e 0⁹ 0⁹ 0⁹
Kategorie 11: „Use of sold products” in t CO2e¹⁰ 222.138 165.654 108.626
Kategorie 12: “End-of-life treatment of sold products” in t CO2e 48.153 47.584 36.276
Kategorie 13: „Downstream leased assets” in t CO2e 0 0 0
Kategorie 14: „Franchises“ in t CO2e 0 0 0
Kategorie 15: „Investments“ in t CO2e 0⁹ 0⁹ 0⁹
Gesamte Brutto-THG-Emissionen (Scope 1, 2 und 3) – standortbasierte Berechnung in t CO2e 1.162.875 935.913 578.451
Gesamte Brutto-THG-Emissionen (Scope 1, 2 und 3) – marktbasierte Berechnung in t CO2e⁷ 1.137.703 914.731 573.539
Gesamte negative THG-Emissionen durch Carbon Removal in t CO2e 0 0 0
Gesamte Netto-THG-Emissionen (Scope 1, 2 und 3) – standortbasierte Berechnung in t CO2e 1.162.875 935.913 578.451
Gesamte Netto-THG-Emissionen (Scope 1, 2 und 3) – marktbasierte Berechnung in t CO2e⁷ 1.137.703 914.731 573.539
Brutto-THG-Intensität pro Nettoumsatz – standortbasierte Berechnung in t CO2e / € 0,000279 0,000271 0,000317
Brutto-THG-Intensität pro Nettoumsatz – marktbasierte Berechnung in t CO2e / €⁷ 0,000273 0,000265 0,000314

1 Die dargestellten Daten beinhalten Unsicherheiten und sind mit Blick auf die Scope 3 -Emissionen derzeit als Indikation zu verstehen. Erläuterungen zur Treibhausgasbilanzierung inklusive der angewendeten Datenkonzepte und Berechnungsmethoden sind auf Seite 131 ff. in dieser nichtfinanziellen Erklärung zu finden.
2 Aufstellung in Orientierung an dem GHG Protocol (Corporate Accounting and Reporting Standard 2004 und dem Corporate Value Chain (Scope 3) Accounting and Reporting Standard 2011).
3 Basierend auf den von Produktionsstandorten und einigen administrativen Standorten berichteten Daten; ohne die im Berichtsjahr neu akquirierten Gesellschaften.
4 Ohne die THG-Emissionen aus den Kraftstoffverbräuchen des Fuhrparks.
5 Erfassung der flüchtigen Emissionen derzeit nur in Göttingen und Yauco.
6 Die Daten für das Geschäftsjahr 2021 wurden aufgrund von im Geschäftsjahr 2022 neu angewendeter und vervollständigter Datenkonzepte korrigiert.
7 Falls für die marktbasierte Berechnungsmethode kein vertragsspezifischer Emissionsfaktor verfügbar war, wurde gemäß GHG Protocol der standortbasierte Emissionsfaktor verwendet.
8 Ohne die THG-Emissionen aus dem Pendelverkehr von Auszubildenden, Praktikanten und Leiharbeitern.
9 Diese Kategorie wird gemäß GHG Protocol mit null THG-Emissionen ausgewiesen, da sie derzeit für Sartorius aufgrund der vielfältigen potenziellen Weiterverarbeitungsmöglichkeiten der Produkte mit ihrerseits jeweils spezifischen THG-Profilen nicht angemessen bilanzierbar und einer Abschätzung zufolge auch nicht wesentlich für die gesamte THG-Bilanz des Konzerns ist.
10 Die THG-Bilanzierung erstreckt sich derzeit ausschließlich auf Produkte, für deren Nutzung Strom benötigt wird.
11 Diese Kategorie wird mit null THG-Emissionen ausgewiesen, da die unter THG-Gesichtspunkten relevanteste Unternehmensbeteiligung im Geschäftsjahr 2022 in der Finanzberichterstattung als nicht wesentlich eingestuft worden ist und auch die mit dieser Unternehmensbeteiligung zusammenhängenden THG-Emissionen einer Abschätzung zufolge als nicht wesentlich für die gesamte THG-Bilanz bewertet worden sind.

CO2 -Emissionsintensität

Im Geschäftsjahr 2022 betrug die CO2 -Emissionsintensität, das heißt die bereinigte Brutto-THG-Intensität pro Nettoumsatz 256 g CO2e / € (Vorjahr: 245 gCO2e / €). Das für die Klimastrategie definierte Basisjahr 2019 wurde aufgrund von im Geschäftsjahr 2022 neu angewendeter und vervollständigter Datenkonzepte von 250 g CO2e / € auf 308 g CO2e / € korrigiert. Die durchschnittliche jährliche Reduktion der CO2 -Emissionsintensität zum Basisjahr betrug somit 6,0 % im Geschäftsjahr 2022. Sartorius plant die THG-Bilanzierung in den kommenden Jahren weiter zu verfeinern, weshalb auch zukünftig gegebenenfalls Anpassungen bereits berichteter Kennzahlen vorgenommen werden. Erläuterungen zur Treibhausgasbilanzierung inklusive der angewendeten Datenkonzepte und Berechnungsmethoden sind auf Seite 131 ff. in dieser nichtfinanziellen Erklärung zu finden.

CO2 -Emissionsintensität

GJ 2022 GJ 2021 Basisjahr: GJ 2019
Bereinigte Brutto-THG-Intensität pro Nettoumsatz – marktbasierte Berechnung in g CO2 / €¹ 256 245 308²
Durchschnittliche jährliche Reduktion in % 6,0 10,8 n. r.

1 Für die „Bereinigte Brutto-THG-Intensität pro Nettoumsatz – marktbasierte Berechnung“ werden in der THG-Kategorie „Purchased goods and services“ anstelle der eingekauften, nur die tatsächlich verbrauchten Waren und Dienstleistungen bilanziert, die für die Herstellung der im Geschäftsjahr verkauften Produkte und Dienstleistungen benötigt wurden. Das heißt es findet eine Bereinigung der Daten um Lagerbestände statt.
2 Die Daten für das Geschäftsjahr 2021 und das Basisjahr 2019 wurden aufgrund von im Geschäftsjahr 2022 neu angewendeter und vervollständigter Datenkonzepte korrigiert.

Energieverbrauch

Der gesamte Energieverbrauch ist im Geschäftsjahr 2022 um 23,6 % auf 200.715 MWh (Vorjahr: 162.340 MWh) gestiegen.# Der Anteil an erneuerbaren Energien befand sich mit 31,7 % auf dem Vorjahresniveau (Vorjahr: 30,9 %). Der konzernweite Abdeckungsgrad mit zertifizierten Energiemanagementsystemen nach ISO 50001 betrug zum 31.12. gemessen an der Anzahl der Mitarbeitenden 27,1 % (Vorjahr: n. a.).

Im Rahmen der standortbezogenen Energiemanagementsysteme nach ISO 50001 werden systematisch Energieflüsse wie zum Beispiel die genutzten Energieträger und die Energieverbraucher sowie der Stand der Energieeffizienz der größten energieverbrauchenden Anlagen/Einrichtungen und Prozessen/Tätigkeiten ermittelt und bewertet. Daraus können Maßnahmen abgeleitet werden, die die Emissionsreduktion im Scope 1 und Scope 2 unterstützen sowie deren Erfolg messen. Am Standort Göttingen, der mit knapp 50 % zum gesamten Energieverbrauch beiträgt und damit mit Abstand den größten Energieverbraucher im Konzern darstellt, wurde am Ausbau der Energieversorgung mit Geothermie gearbeitet. Ziel ist es, die Energieversorgung zu sichern und schon 2030 einen klimaneutralen Campus zu betreiben.

Kennzahlen Energie

GJ 2022 GJ 2021¹
Gesamter Energieverbrauch in MWh², ³ 200.715 162.340
Erneuerbarer Energieverbrauch in MWh 63.546 50.151
Eingekaufter, zertifizierter erneuerbarer Strom in MWh 62.256 48.669
Eigenerzeugter Solarstrom in MWh 697 775
Eingekaufte Geothermie in MWh 594 707
Andere eingekaufte erneuerbare Energie in MWh 0 0
Nicht erneuerbarer Energieverbrauch in MWh 137.169 112.189
Eingekauftes Erdgas in MWh 60.774 52.466
Eingekaufter nicht erneuerbarer Strom in MWh 53.422 45.094
Eingekaufte Fernwärme in MWh 10.653 6.262
Eingekaufter Diesel in MWh 8.797 4.957
Eingekauftes Heizöl in MWh 2.490 1.130
Einkaufte Fernkälte in MWh 815 1.530
Eingekauftes LPG in MWh 218 751
Gesamter Anteil erneuerbarer Energien in % 31,7 30,9
Zertifizierte Managementsysteme nach ISO 50001 - Abdeckungsgrad Mitarbeitende zum 31.12. in % 27,1 n. a.

¹ Der gesamte Energieverbrauch für das Geschäftsjahr 2021 wurde aus der nichtfinanziellen Erklärung 2021 übernommen und die Aufteilung in erneuerbare und nicht-erneuerbare Energieverbräuche sowie der gesamte Anteil erneuerbarer Energien nachträglich berechnet und ergänzt.
² Aufstellung der Kennzahl in Orientierung an den GRI Standards.
³ Basierend auf den von Produktionsstandorten und einigen administrativen Standorten berichteten Daten; ohne die im Berichtsjahr neu akquirierten Gesellschaften.

Materialien und Zirkularität

Ambition

Sartorius bezieht ein breites Spektrum an Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen zur Herstellung von Produkten und Produktverpackungen. Hierzu gehören insbesondere Kunststoff-, Metall- und Elektronikkomponenten sowie Verpackungen. Ziel eines zirkulären Wirtschaftens ist es, durch Kreislaufführung von Materialien, Wirtschaftswachstum und Umweltbelastungen voneinander zu entkoppeln, d. h., es wird nicht nur der Verbrauch von Ressourcen, sondern gleichzeitig auch die Erzeugung von Abfällen, Umweltverschmutzung und Treibhausgasemissionen reduziert. Daher will Sartorius die Materialauswahl und -verwendung entlang der Wertschöpfungskette kontinuierlich optimieren und dadurch den ökologischen Fußabdruck seiner Produkte verbessern. Dies betrifft die eingesetzten Materialien hinsichtlich Art und Menge am Produktlebensbeginn, die Materialintensität auf Seiten des Kunden sowie den Umgang mit Materialien am Produktlebensende. Zur Unterstreichung des Engagements ist Sartorius seit 2019 auch Unterzeichner des European Plastics Pack.

Konzept und Due-Diligence-Prozesse

Das Wirtschaften in geschlossenen Kreisläufen stellt für die spezielle biopharmazeutische Branche, in der Sartorius tätig ist, erhebliche Herausforderungen dar. Dies ist vor allem durch die hohen Qualitätsvorgaben für Produkte bedingt, da diese im medizinischen Bereich genutzt werden. Sartorius erzielt einen großen Anteil des Umsatzes mit überwiegend aus Kunststoff hergestellten, vorsterilisierten Produkten, die oftmals zur Herstellung einer einzelnen Produktionscharge auf Seiten der Kunden genutzt werden. Der gesamte ökologische Fußabdruck dieser Kunststoffprodukte ist oftmals besser, weil für die Herstellung der Produktionscharge weniger Energie und Wasser benötigt wird. Somit kann der Einsatz dieser Kunststoffprodukte eine Verbesserung des ökologischen Fußabdrucks auf Seiten der Kunden ermöglichen. Dennoch sieht Sartorius Potenzial für Verbesserungen und sucht insbesondere nach Möglichkeiten die Zirkularität von Plastik entlang des Produktlebenszyklus in Einklang mit der globalen Vision „New Plastics Economy Global Commitment“ zu erhöhen. Ziel ist es, die benötigten Ressourcen auf ein Minimum zu reduzieren sowie ein effektives und praktikables Recycling zu fördern oder unter Verwendung desselben Ressourceneinsatzes die Produktionsleistung zu erhöhen. Ein ganzheitliches Verständnis der Produkte, beispielsweise für die Materialzusammensetzung, die Herstellung, Transport, Verwendung und Behandlung am Lebensende ist dabei unerlässlich. Ab dem Geschäftsjahr 2023 will der Konzern Lebenszyklusanalysen, sogenannte Life Cycle Assessments (LCA) gemäß anerkannter Standards und Branchenpraktiken, als Entscheidungshilfe im Zuge der Entwicklung oder Aktualisierung der Produkte, Verpackungen und Prozesse durchführen, um die relevanten ökologischen Auswirkungen zu analysieren und zu bewerten. Zur Optimierung des Materialeinsatzes und Verbesserung der Zirkularität bestehen verschiedene Initiativen, Projekte sowie Einzelmaßnahmen und Kooperationen in den Sparten und Geschäftsbereichen, die von unterschiedlichen Funktionen verantwortet werden. Hinsichtlich des Abfallmanagements arbeitet Sartorius entlang des fünfstufigen Ansatzes der Abfallhierarchie insbesondere an der Abfallvermeidung und dem Recycling. Hierzu setzt Sartorius bereits im Produktionsprozess an, um Verschnitt zu reduzieren. Dies betrifft vor allem die Bag-, Membran- und Kerzenproduktion. Am Standort Aubagne erfolgt die Sortierung des Plastikabfalls direkt auf dem Werksgelände, um den Verschnitt für die Wiederverwendung in anderen Prozessen zu recyceln. Verantwortlich für das Abfallmanagement ist die Abteilung Environment, Health and Safety (EHS).

Ergebnisse des Konzepts

Das gesamte Abfallaufkommen ist um 64,5 % auf 18.581 t gestiegen (Vorjahr: 11.295 t). Dies ist auf den Anfall aufgefangener Prozessabwässer und deren entsprechender Entsorgung an unserem Standort Yauco zurückzuführen. Das nach jeweils lokaler Gesetzgebung als gefährlich eingestufte Abfallaufkommen hat sich um 11,1 % auf 3.593 t erhöht (Vorjahr: 3.235 t). Gefährlicher Abfall entsteht vorwiegend in der Membranproduktion durch den Einsatz von Lösungsmitteln. Die gesamte Abfallrecyclingquote betrug 28,8 % und ist damit aufgrund der insgesamt erhöhten Abfallmenge gesunken (Vorjahr: 44,2 %). Die Konzerninitiative zur Reduktion des Plastikeinsatzes und damit verschiedene Projekte, die sich mit der Reduktion von Verpackungsabfall, dem Recycling von Produktionsabfall und Strategien für das Produktlebensende beschäftigen, wurde im Geschäftsjahr 2022 fortgeführt. Der Plastikabfall hat sich um 1,3 % auf 2,113 t erhöht (Vorjahr: 2,087 t). Gleichzeitig ist die Plastikrecyclingquote um 0,8 Prozentpunkte auf 75,4 % gestiegen (Vorjahr: 74,5 %).

Kennzahlen Abfallaufkommen

GJ 2022 GJ 2021¹
Gesamtes Abfallaufkommen in t², ³ 18.581 11.295
Gefährlicher Abfall in t 3.593 3.235
Recycelter gefährlicher Abfall in t⁴, ⁵ 456 527
Nicht gefährlicher Abfall in t 14.988 8.060
Recycelter nicht gefährlicher Abfall in t⁴, ⁵ 4.894 4.464
Gesamte Abfallrecyclingquote in %³, ⁴ 28,8 44,2

¹ Die Daten für das Geschäftsjahr 2021 wurden aus der nichtfinanziellen Erklärung 2021 übernommen.
² Aufstellung der Kennzahl in Orientierung an den GRI Standards.
³ Basierend auf den von Produktionsstandorten und einigen administrativen Standorten berichteten Daten; ohne die im Berichtsjahr neu akquirierten Gesellschaften.
⁴ Als Abfallrecycling wird die Wiederaufbereitung von Produkten, Komponenten und Materialien verstanden.
⁵ Die Einstufung als gefährlicher Abfall erfolgt jeweils gemäß lokaler Gesetzgebung.

Kennzahlen Plastikabfall

GJ 2022 GJ 2021¹
Plastikabfall in t² 2.113 2.087
Recycelter Plastikabfall in t² 1.593 1.555
Plastikabfallrecyclingquote in %² 75,4 74,5

¹ Die Daten für das Geschäftsjahr 2021 wurden aus der nichtfinanziellen Erklärung 2021 übernommen und der recycelte Plastikabfall sowie die Plastikabfallrecyclingquote wurden nachträglich berechnet und ergänzt.
² Basierend auf den von Produktionsstandorten und einigen administrativen Standorten berichteten Daten ; ohne die im Berichtsjahr neu akquirierten Gesellschaften.

Wasser und Abwasser

Ambition

Wasser wird bei Sartorius insbesondere in der Membranproduktion und -modifizierung der Sparte Bioprocess Solutions eingesetzt. Die Herstellungsprozesse für Membranen und Membranprodukte sind optimiert für einen minimalen Einsatz von Spülwasser. Organische Lösungsmittel werden verarbeitet und weitgehend recycelt. Ziel ist die Einhaltung von Vorschriften bei der Verwendung und Handhabung von Gefahrstoffen. Auf kritische Stoffe soll bei der Entwicklung von neuen Produkten verzichten werden.

Konzept und Due-Diligence-Prozesse

An den relevanten Verbrauchsstandorten wie Göttingen und Yauco existieren Destillationsanlagen, die einen nahezu geschlossenen Lösemittelkreislauf gewährleisten sollen. Zusätzlich gibt es am Standort Yauco und Bangalore ein Zisternensystem, das aufgefangenes Regenwasser für verschiedene Anwendungen nutzbar macht. Die Verwendung von Gefahrstoffen wird zum Beispiel anhand der REACH-Kandidatenliste und vergleichbarer anderer Stofflisten überwacht. Verantwortlich für das konzernweite Wasser- und Gefahrstoffmanagement ist die Abteilung Environment, Health and Safety (EHS). EHS-Manager an den Standorten sind für das lokale Umweltmanagement zuständig. Im Rahmen der lokalen Umweltmanagementsysteme werden Umweltaspekte wie Wasser und Abwasserfrachten bewertet sowie Verbesserungsmaßnahmen abgeleitet und nachverfolgt.# Ergebnisse des Konzepts

Zum 31.12. betrug der Abdeckungsgrad mit zertifizierten Umweltmanagementsystemen nach ISO 14001 gemessen an der Anzahl der Mitarbeitenden 53,6 % (Vorjahr: n. a.). Die Wasserentnahme belief sich für das Geschäftsjahr 2022 auf 701.568 m3 (Vorjahr: 692.672 m3). Dabei entfiel der größte Anteil mit 95,9 % (Vorjahr: 95,7 %) auf die öffentliche Wasserversorgung und stammte mit 67,6 % aus Wasserstressgebieten (Vorjahr: 69,7 %).

Kennzahlen Wasser und Abwasser

GJ 2022 GJ 2021¹
Gesamte Wasserentnahme in m3 701.568 692.672
Öffentlicher Versorger in m³ 672.630 663.156
Grundwasser in m³ 19.119 18.979
Oberflächenwasser m³ 9.820 10.536
Gesamte Wasserentnahme aus Wasserstressgebieten in %⁴ 67,6 69,7
Zertifizierte Managementsysteme nach ISO 14001 - Abdeckungsgrad Mitarbeitende zum 31.12. in % 53,6 n. a.

¹ Die Daten für das Geschäftsjahr 2021 wurden aus der nichtfinanziellen Erklärung 2021 übernommen.
² Aufstellung der Kennzahl in Orientierung an den GRI Standards.
³ Basierend auf den von Produktionsstandorten und einigen administrativen Standorten berichteten Daten; ohne die im Berichtsjahr neu akquirierten Gesellschaften.
⁴ Als Wasserentnahme aus Wasserstressgebieten werden diejenigen Wasserentnahmen gezählt, für die eine Klassifizierung als „hoch“ (40 -80 %) oder „sehr hoch“ (>80 %) gemäß World Resources Institute (WRI) „Aqueduct Water Risk Atlas vorliegt.

Soziale Verantwortung

Ambition

Die Gewinnung neuer und Bindung bestehender Mitarbeitenden hat für Sartorius vor dem Hintergrund des angestrebten Wachstums des Konzerns eine strategische Priorität. Hierzu ist die Schaffung eines attraktiven, fairen und sicheren Arbeitsumfelds zentral. Als Unterzeichner des UN Global Compact hat sich der Konzern zusätzlich zum Respekt von grundlegenden Menschenrechten im eigenen Einflussbereich verpflichtet.

Konzept und Due-Diligence-Prozesse

Menschenrechte und Arbeitsstandards

Eine Grundsatzerklärung zur Achtung der Menschenrechte sowie eine Position „Arbeits- und Sozialstandards“ und „Arbeitssicherheit und Gesundheit“ ist im Intranet allen Mitarbeitenden weltweit zugänglich. Die Menschenrechte und Arbeitsstandards, zu denen sich Sartorius bekennt, beinhalten die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, die Internationale Menschenrechtscharta, insbesondere die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte (Zivilpakt) und den Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (Sozialpakt) der Vereinten Nationen, die Erklärung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) über grundlegende Prinzipien und Rechte am Arbeitsplatz und die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen.

Der Sartorius Verhaltenskodex legt die Mindeststandards für gesetzestreues und ethisches Handeln im Konzern verbindlich fest, zu denen auch verbindliche Arbeitsstandards gehören. Die Arbeitsstandards werden von unterschiedlichen Funktionen auf verschiedenen Ebenen bei Sartorius gesteuert. Beispielsweise koordiniert die Abteilung Environment, Health & Safety (EHS) die weltweiten Konzepte im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. Einzelne Standorte haben außerdem spezifische Managementsysteme nach ISO 45001 etabliert.

Die Einhaltung der Regelungen des Kodexes wird im Rahmen des Compliance-Management-Systems beispielsweise durch regelmäßige Prüfungen der Konzernrevision überwacht. Einmal jährlich erfolgt ein Bericht an das zuständige Gremium des Aufsichtsrates oder, sofern dieses Gremium nicht mit Arbeitnehmervertretern besetzt ist, an die lokale Arbeitnehmervertretung. Weitere Informationen zum Compliance-Management- System finden sich in der Erklärung zur Unternehmensführung auf Seite 102 ff. in diesem Geschäftsbericht.

Zusätzlich wurde im Geschäftsjahr 2022 ein zentraler Prozess zur Bewertung der Nachhaltigkeit der Standorte eingeführt, mithilfe dessen auch die Einhaltung von menschenrechtlichen Vorgaben im Verhaltenskodex überprüft wird. Hierzu werden die Standorte nach den Standards der Pharmaceutical Supply Chain Initiative (PSCI) durch eine akkreditierte Organisation extern auditiert. Die PSCI Initiative hat sich in der Pharmabranche zur Förderung von Nachhaltigkeit in der gesamten Wertschöpfungskette etabliert. In einem rollierenden Prozess wird jedes Jahr eine festgelegte Anzahl an risikobasiert ausgewählten Standorten überprüft.

Mitarbeitende haben zudem jederzeit die Möglichkeit, Verstöße gegen Menschenrechte und Arbeitsstandards bei der zuständigen Führungskraft, den Arbeitnehmervertretern, dem oder der Compliance-Beauftragten oder über die Compliance- oder der Whistleblowing-Hotline zu melden.

Vielfalt

Als Unterzeichner der Charta der Vielfalt setzt sich Sartorius über diese grundlegenden Arbeitsstandards hinaus für die Förderung der Vielfalt der Belegschaft ein und hat hierzu unternehmensweite Netzwerke etabliert, wie zum Beispiel eine LGBTQ-Allianz und die Sartorius Business Women Association (SBWA) zur Etablierung von Geschlechterparität in Führungspositionen.

Beschäftigungsfähigkeit

Weiterhin engagiert sich Sartorius für die Förderung der kontinuierlichen persönlichen und fachlichen Weiterentwicklung der Mitarbeitenden und hat dies auch in den Führungskräfteleitlinien fixiert. Jährliche Gespräche zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden dienen dazu, individuelle Leistung, Ziele und Entwicklungsmöglichkeiten zu reflektieren. Es existieren konzernweite verschiedene Weiterbildungsangebote wie Selbstlernmöglichkeiten, gezielte Führungskräfteentwicklungs- und Mentoringprogramme sowie auch Entsendungsmöglichkeiten.

Zufriedenheit

Im Rahmen einer zweimal jährlich stattfindenden globalen Befragung der Mitarbeitenden ermittelt der Konzern regelmäßig ein Stimmungsbild und lässt zum Beispiel die Unternehmens- und Führungskultur, den Arbeitsplatz sowie die Arbeitszufriedenheit im Allgemeinen bewerten. Im Geschäftsjahr 2022 wurde der sogenannte „Employee Net Promoter Score“, der die Weiterempfehlung von Sartorius als Arbeitgeber durch die Mitarbeitenden misst, in die kurzfristigen variablen Vergütungskomponenten des Vorstands sowie des Managements aufgenommen. Sartorius hat sich das Ziel gesetzt, jährlich einen durchschnittlichen Score von 35 zu erreichen, der im Personalwesen als gut angesehen wird.

Ergebnisse des Konzepts

Im Geschäftsjahr 2022 beschäftigte Sartorius 15.942 Mitarbeitende, 15,3 % mehr als im Vorjahr (Vorjahr: 13.832). Die Belegschaft bestand ähnlich wie im Vorjahr zu 38,9 % aus Frauen (Vorjahr: 39,3 %) und zu einem überwiegenden Teil aus Mitarbeitenden der Altersgruppe 30 -49 Jahre, die einen Anteil von 58,8 % einnahmen (Vorjahr: 57,2 %). Das Durchschnittsalter und die Betriebszugehörigkeit lagen fast unverändert zum Vorjahr bei 39,2 Jahren (Vorjahr: 39,1 Jahre) bzw. 6,6 Jahren (Vorjahr: 6,7 Jahre). 5,6 % der Mitarbeiter arbeiteten in Teilzeit (Vorjahr: 7,0 %).

Im Geschäftsjahr 2022 fanden fünf externe nachhaltigkeitsbezogene Standortaudits nach den Standards der PSCI statt, in denen u.a. die Einhaltung der Menschenrechte geprüft wurde. Der Abdeckungsgrad der Mitarbeitenden für Standortaudits betrug 38,5 % (Vorjahr: n. a.). Zertifizierte Arbeitssicherheitsmanagementsysteme erstreckten sich auf 6,9 % der Mitarbeitenden (Vorjahr: n. a.). Im gesamten Konzern ereigneten sich 5,8 Arbeitsunfälle pro eine Million Arbeitsstunden. Der Vorjahreswert wurde aufgrund einer signifikanten internen Fehlmeldung einer Konzerngesellschaft von 6,3 auf 4,4 korrigiert. Somit ereigneten sich 31,8 % Arbeitsunfälle pro eine Million Arbeitsstunden mehr als im Vorjahr. Im Geschäftsjahr 2022 wurden drei Arbeitsunfälle mit schwerwiegenden Folgen verzeichnet (Vorjahr: 0). Hierbei handelt es sich um Arbeitsunfälle, die mehr oder absehbar mehr als sechs Monate Ausfallzeit verursachen. Wie auch im Vorjahr verlief keiner der Arbeitsunfälle tödlich (Vorjahr: 0). Es fielen 232.699 Stunden für Weiterbildungsmaßnahmen an (Vorjahr: 167.600 Stunden). Dies sind durchschnittlich 14,8 Weiterbildungsstunden je Mitarbeitenden (Vorjahr: 12,2 Stunden). Die Fluktuationsrate ist auf 9,2 % (Vorjahr: 8,4 %) gestiegen und die Neueinstellungsrate auf 22,9 % (Vorjahr: 31,7 %) gesunken. Der Employee Net Promoter Score belief sich im Jahresdurchschnitt auf 29,2 und ist damit im Vergleich zum Vorjahr gestiegen (Vorjahr: 27,4). Der Score entwickelte sich damit tendenziell in Richtung des gesetzten Zieles von 35. Dies lag auch an der Umsetzung von Maßnahmen auf Team-Ebene, die durch die Befragung der Mitarbeitenden indiziert worden sind.

Kennzahlen soziale Verantwortung

GJ 2022 GJ 2021¹
Gesamte Mitarbeitende zum 31.12. 15.942 13.832
Frauen in % 38,9 39,3
Altersgruppe ≤ 29 Jahre in % 20,8 22,2
Altersgruppe 30 - 49 Jahre in % 58,8 57,2
Altersgruppe ≥ 50 Jahre in % 20,4 20,6
Teilzeit in % 5,6 7,0
Durchschnittsalter 39,2 39,1
Frauen in Führungspositionen in % 32,9 32,2
Durchschnittliche Betriebszugehörigkeit zum 31.12. 6,6 6,7
Frauen 6,1 6,2
Men 6,8 7,0
≤ 4 Jahre in % 61,1 59,0
5 -14 Jahre in % 25,5 27,0
≥ 15 Jahre in % 13,4 14,0
Externe nachhaltigkeitsbezogene Standortaudits (PSCI Audits) 5 n. a.
Abdeckungsgrad Mitarbeitende in % 38,5 n. a.
Zertifizierte Managementsysteme nach ISO 45001 - Abdeckungsgrad Mitarbeitende zum 31.12. in % 6,9 n. a.
Arbeitsunfälle 159 104
Arbeitsunfälle pro 1 Mio.
GJ 2022 GJ 2021¹
Arbeitsstunden 5,8 4,4
Schwerwiegende Arbeitsunfälle 3 0
Arbeitsunfälle mit Todesfolge 0 0
Gesamte Weiterbildungsstunden 232.699 167.600
Gesamte durchschnittliche Weiterbildungsstunden je Mitarbeitenden 14,8 12,2
Frauen 15,2 12,5
Männer 14,5 12,1
Gesamte Fluktuationsrate in % 9,2 8,4
Frauen 10,1 9,6
Männer 8,5 7,6
Altersgruppe ≤ 29 Jahre in % 13,3 13,3
Altersgruppe 30 - 49 Jahre in % 7,8 6,7
Altersgruppe ≥ 50 Jahre in % 8,9 7,9
Gesamte Neueinstellungsrate in % 22,9 31,7
Frauen 24,2 33,4
Männer 22,1 30,5
Altersgruppe ≤ 29 Jahre in % 44,2 65,2
Altersgruppe 30 - 49 Jahre in % 20,1 25,5
Altersgruppe ≥ 50 Jahre in % 9,4 12,7
Employee Net Promoter Score 29,2 27,4

¹ Die Daten für das Geschäftsjahr 2021 wurden aus der nichtfinanziellen Erklärung 2021 übernommen. Dies gilt nicht für die gesamten Mitarbeitenden aufgeschlüsselt nach Altersgruppen, Durchschnittsalter und Frauen in Führungspositionen sowie Employee Net Promoter Score. Diese Daten wurden nachträglich berechnet und ergänzt.
² Aufstellung der Kennzahl in Orientierung an den GRI Standards.
³ Gezählt werden alle Arbeitsunfälle, die über Erste Hilfe hinausgehen, das heißt bei denen ein Arztbesuch erforderlich ist; ohne Wegeunfälle; ohne die Arbeitsunfälle von Auszubildenden, Praktikanten und Leiharbeitern.
⁴ Ohne die im Berichtsjahr neu akquirierten Gesellschaften.
⁵ Aufgrund einer signifikanten Fehlmeldung einer Konzerngesellschaft wurden die Daten für das Geschäftsjahr 2021 korrigiert. Es ereigneten sich weniger Arbeitsunfälle als zuvor gemeldet.
⁶ Als schwerwiegende Arbeitsunfälle werden solche gezählt, die mehr als 6 Monate Ausfallzeit verursacht haben oder verursachen werden.

Unternehmensführung

Ambition

Wesentliche Pfeiler der Unternehmenskultur bei Sartorius sind eine an den Interessen der Stakeholder ausgerichtete Unternehmensführung, rechtmäßiges und verantwortungsvolles Handeln sowie eine konstruktive, vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Organen der Unternehmensführung und innerhalb des Unternehmens.

Konzept und Due-Diligence-Prozesse

Die Unternehmensführung orientiert sich an den Vorgaben des Deutschen Corporate Governance Kodex. Die Erklärung zur Unternehmensführung und Entsprechenserklärung ist auf Seite 94 ff. in diesem Geschäftsbericht zu finden. Mit einem globalen Compliance-Management-System will Sartorius sicherstellen, dass Organmitglieder, Führungskräfte und Mitarbeitende alle gesetzlichen Regeln und Kodizes einhalten und entsprechend den internen Richtlinien handeln. Die Grundzüge des Compliance-Management-Systems, welches im Kern auf einem globalen Verhaltenskodex basiert, werden ebenfalls in der Erklärung zur Unternehmensführung auf Seite 102 ff. erläutert. Zentraler Bestandteil des Compliance-Management-Systems ist auch das Thema Antikorruption. Ein spezieller Antikorruptionskodex bündelt die Vorgaben an die Mitarbeitenden. Diese werden regelmäßig bezüglich des Kodexes geschult.

Ergebnisse des Konzepts

Im Geschäftsjahr 2022 haben 11.883 Mitarbeitende (Vorjahr: 9.143 Mitarbeitende) das Training für den Verhaltenskodex und 12.154 Mitarbeitende (Vorjahr: 9.341 Mitarbeitende) das Training zum Antikorruptionskodex absolviert. Dies sind jeweils 75,6 % bzw. 77,4 % der gesamten Mitarbeitenden.

Kennzahlen Unternehmensführung

GJ 2022 GJ 2021¹
Mitarbeitende, die eine Schulung zum Verhaltenskodex absolviert haben² 11.883 9.143
Abdeckungsgrad Mitarbeitende in %² 75,6 66,8
Mitarbeitende, die eine Schulung zum Antikorruptionskodex absolviert haben² 12.154 9.341
Abdeckungsgrad Mitarbeitende in %² 77,4 68,2

¹ Die Daten für das Geschäftsjahr 2021 wurden aus der nichtfinanziellen Erklärung 2021 übernommen. Dies gilt nicht für den Abdeckungsgrad der Mitarbeitenden. Dieser wurde nachträglich berechnet und ergänzt.
² Ohne die im Berichtsjahr neu akquirierten Gesellschaften.

Nachhaltigkeit in der Lieferkette

Ambition

Mit rund 8.000 Lieferanten aus über 40 Ländern und einem Einkaufsvolumen, das mehr als 40 % des Umsatzes entspricht, kommt der Lieferkette von Sartorius eine signifikante Bedeutung für die Nachhaltigkeitstransformation zu. Daher erwartet der Konzern die Befolgung von Nachhaltigkeitsstandards sowie die Förderung von Nachhaltigkeit auch von Lieferanten sowie deren Lieferanten.

Konzept und Due-Diligence-Prozesse

Die grundlegenden Nachhaltigkeitsanforderungen wurden im Verhaltenskodex für Geschäftspartner festgelegt, welcher im September 2022 hinsichtlich einiger Menschenrechtsthemen im Kontext der Implementierung des deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG) aktualisiert und in neuer Version veröffentlicht wurde. Der Verhaltenskodex ist seit 2019 für neue Lieferanten verbindlich. Der aktualisierte Verhaltenskodex soll sowohl durch neue als auch bestehende Lieferanten unterzeichnet werden. Im Geschäftsjahr 2022 hat Sartorius einen standardisierten, mehrstufigen Prozess für die Nachhaltigkeitsbewertung von Lieferanten eingeführt. Dieser basiert auf internen und externen Informationen und sieht Korrektivmaßnahmen bei Abweichungen vor. Zur Diskussion der Ergebnisse wurde in der Sparte Bioprocess Solutions bereits in diesem Geschäftsjahr ein Risikokomitee eingerichtet, in dem regelmäßig über die Ergebnisse berichtet wird. Der neue Lieferantenbewertungsprozess beinhaltet, dass die Einhaltung von Nachhaltigkeitsanforderungen mithilfe von Selbstauskünften basierend auf standardisierten Fragebögen über anerkannte Nachhaltigkeitsplattformen überprüft wird. Für ausgewählte Lieferanten beauftragt Sartorius unabhängige Nachhaltigkeitsaudits durch externe Dritte vor Ort. Weiterhin sind Nachhaltigkeitsaspekte auch Bestandteil der von Sartorius selbst durchgeführten Qualitätsaudits vor Ort. Für die Verbindlichkeit des Verhaltenskodexes für Lieferanten und die Überprüfung der Einhaltung der Vorgaben sind die Einkaufsabteilungen verantwortlich. Die Durchführung der Qualitätsaudits liegt im Verantwortungsbereich der Qualitätsabteilungen. Darüber hinaus steht Sartorius mit Lieferanten im kontinuierlichen Austausch, um das Engagement für Nachhaltigkeitsthemen zu fördern.

Ergebnisse des Konzepts

Im November 2022 hat die Sparte Bioprocess Solutions mit mehr als 50 ausgewählten, internationalen Lieferanten am Hauptstandort in Göttingen einen Workshop veranstaltet, um unter anderem die Themen Klimaschutz und der Umsetzung des deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG) zu diskutieren und damit weiter voranzutreiben. Zum 31.12.2022 hatten 441 Lieferanten den aktualisierten Verhaltenskodex 2022 unterzeichnet (Vorjahr: n. a.). Der Abdeckungsgrad des Einkaufsvolumens für den unterzeichneten Verhaltenskodex 2022 betrug somit 12 % (Vorjahr: n. a.). Außerdem lagen 654 gültige nachhaltigkeitsbezogene Lieferantenselbstauskünfte vor (Vorjahr: 110). Der Abdeckungsgrad des Einkaufsvolumens für diese Lieferantenselbstauskünfte betrug somit 49 % (Vorjahr: n. a.). Weiterhin wurden 125 eigene qualitätsbezogene Lieferantenaudits durchgeführt, die Nachhaltigkeitsaspekte beinhalteten (Vorjahr: 107). Es wurden noch keine externen Nachhaltigkeitsaudits bei Lieferanten vor Ort durchgeführt, da der Prozess im Geschäftsjahr 2022 erst neu eingeführt wurde. Die Nachhaltigkeitsbewertung für strategische Lieferanten wurde in der Sparte Bioprocess Solutions im Geschäftsjahr 2022 bereits abgeschlossen. Die Ergebnisse wurden analysiert und auf dieser Basis Korrektivmaßnahmen definiert, die derzeit implementiert werden. Die Bewertung der nicht strategischen Lieferanten wurde gestartet.

Kennzahlen Nachhaltigkeit in der Lieferkette

GJ 2022 GJ 2021¹
Lieferanten, die den Verhaltenskodex 2022 unterzeichnet haben 441 n. a.
Abdeckungsgrad Einkaufsvolumen in % 12 n. a.
Nachhaltigkeitsbezogene Lieferantenselbstauskünfte zum 31.12.² 654 110
Abdeckungsgrad Einkaufsvolumen zum 31.12. in %² 49 n. a.
Externe nachhaltigkeitsbezogene Lieferantenaudits 0 n. a.
Abdeckungsgrad Einkaufsvolumen in % 0 n. a.
Eigene qualitätsbezogene Lieferantenaudits, die Nachhaltigkeitsaspekte beinhalten 125 107

¹ Die Daten für das Geschäftsjahr 2021 wurden aus der nichtfinanziellen Erklärung 2021 übernommen.
² Gezählt wurden die vorliegenden nachhaltigkeitsbezogenen Selbstauskünfte über anerkannte Nachhaltigkeitsplattformen, die laut Plattform zum Stichtag gültig sind oder deren Gültigkeitsdatum nicht älter als zwei Jahre ist.

Angaben nach EU-Taxonomie-Verordnung

Die EU-Taxonomie ist ein Klassifizierungssystem zur Bestimmung von ökologisch nachhaltigen Wirtschaftsaktivitäten in der Realwirtschaft, verbunden mit speziellen Offenlegungsvorschriften für Unternehmen. Diese beziehen sich auf die taxonomiekonformen Umsätze, Investitionsausgaben und Betriebsausgaben bezüglich der sechs EU-Umweltziele Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel, Schutz von Wasser und Meeresressourcen, Übergang in eine Kreislaufwirtschaft, Eingrenzung der Umweltverschmutzung sowie Schutz von Artenvielfalt und Ökosystemen. Die Offenlegungspflicht für das Geschäftsjahr 2021 beschränkte sich gemäß den von der EU-Kommission gewährten Erleichterungsvorschriften zunächst nur auf die taxonomiefähigen Umsätze, Investitionsausgaben und Betriebsausgaben für die Umweltziele Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel. Als taxonomiefähig gelten dabei diejenigen Wirtschaftsaktivitäten, die in den delegierten Rechtsakten beschrieben sind, da sie einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der EU-Umweltziele leisten. Für das Geschäftsjahr 2022 sind erstmals die taxonomiekonformen Umsätze, Investitionsausgaben und Betriebsausgaben offenzulegen. Als taxonomiekonform gelten diejenigen Wirtschaftsaktivitäten, die die technischen Bewertungskriterien und die Mindestschutzkriterien erfüllen. Bei den folgenden Angaben handelt es sich um die Pflichtangaben des Sartorius Konzerns nach Art. 8 der EU-Taxonomie-Verordnung (EU-Tax-VO) 2020/852 für das Geschäftsjahr 2022.# Spezielle Hinweise zur Berichterstattung

Rechtliche Rahmenbedingungen

Die Aufstellung der erforderlichen Angaben war für Sartorius grundsätzlich mit Unsicherheiten verbunden, insbesondere weil derzeit noch offene Fragen in Bezug auf die Definition der taxonomiefähigen Wirtschaftsaktivitäten, der Interpretation der technischen Bewertungskriterien und der Mindestschutzkriterien, die seitens der EU-Kommission noch nicht abschließend geklärt worden sind. Das Unternehmen hat Informationen berücksichtigt, die bis zum 31.01.2023 vorlagen.

Wesentlichkeitsansatz

Der Ausweis der Investitionsausgaben und Betriebsausgaben erfolgte unter Anwendung von Wesentlichkeitsgrenzen. Wirtschaftsaktivitäten, mit denen weniger als 1 % der gesamten taxonomiefähigen Investitionsausgaben und Betriebsausgaben getätigt wurden, wurden qualitativ hinsichtlich ihrer Bedeutung für Sartorius bewertet. Die als unwesentlich eingestuften Beträge wurden als nicht taxonomiefähig ausgewiesen und somit auch keiner weiteren Prüfung auf Taxonomiekonformität unterzogen. Dies betrifft Investitionsausgaben und Betriebsausgaben in Verbindung mit den Aktivitäten 4.1. „Stromerzeugung mittels Fotovoltaik-Technologie“, 7.4 „Installation, Wartung und Reparatur von Ladestationen für Elektrofahrzeuge in Gebäuden (und auf zu Gebäuden gehörenden Parkplätzen)“ und 8.1 „Datenverarbeitung, Hosting und damit verbundene Tätigkeiten“.

Vorgehensweise bei der Ermittlung der Taxonomiekonformität („Compliance Assessment“)

Die Ermittlung der taxonomiekonformen Umsätze, Investitionsausgaben und Betriebsausgaben erfolgte bei Sartorius in einem dreistufigen Prozess:

  1. Ermittlung der grundsätzlich taxonomiefähigen Wirtschaftsaktivitäten: Die Ermittlung der grundsätzlich taxonomiefähigen Wirtschaftsaktivitäten erfolgte für die Aufstellung der Umsätze sowie Investitionsausgaben und Betriebsausgaben jeweils separat. Die Ergebnisse werden in den nachfolgenden Abschnitten zu taxonomiekonformen Umsätzen sowie Investitionsausgaben und Betriebsausgaben jeweils beschrieben.
  2. Prüfung der Einhaltung der technischen Bewertungskriterien: Die Einhaltung der technischen Bewertungskriterien, zu denen die Prüfung des wesentlichen Beitrags zu einem EU-Umweltziel („Substantial contribution“ – SC) sowie die Prüfung der nicht erheblichen Beeinträchtigung der anderen EU-Umweltziele („Do no significant harm“ – DNSH) zählt, wurde über eine Abfrage bei den relevanten Konzerngesellschaften ermittelt. Die Ergebnisse werden in den nachfolgenden Abschnitten jeweils beschrieben. Für das EU-Umweltziel „Anpassung an den Klimawandel“ wurde generell kein wesentlicher Beitrag festgestellt.
  3. Prüfung der Einhaltung der Mindestschutzkriterien: Die Einhaltung der Mindestschutzkriterien wurde von Sartorius auf Grundlage der Empfehlungen aus dem „Final Report on Minimum Safeguards“, welcher im Oktober 2022 von der European Platform on Sustainable Finance veröffentlicht wurde, für die folgenden vier Themen wie folgt geprüft und festgestellt:
  4. Thema „Steuern“: Der Konzern verweist diesbezüglich insbesondere auf das bestehende konzernweite Risikomanagementsystem, welches im Kapitel „Risiko- und Chancenbericht“ in diesem Geschäftsbericht ab Seite 71 ff. beschrieben ist. Die Verantwortung für die Einhaltung steuerlicher Vorschriften liegt grundsätzlich beim lokalen Management der einzelnen Konzerngesellschaften. Diese werden dabei sowohl von lokalen Steuerberatungsgesellschaften als auch von der Konzernsteuerabteilung unterstützt. Mit einem System aus verschiedenen Maßnahmen wie dem Monitoring der lokalen Regularien (Abgabefristen, Steuersätze usw.) sowie der steuerlichen Risiken wird sichergestellt, dass die Informationen im Konzern gesammelt werden und entsprechend an den Vorstand berichtet werden.
  5. Thema „Korruption und Bestechung“: Der Konzern verweist auf das bestehende konzernweite Compliance Managementsystem, welches im Kapitel „Erklärung zur Unternehmensführung“ in diesem Geschäftsbericht ab Seite 102 ff. dargestellt ist.
  6. Thema „Fairer Wettbewerb“: Der Konzern verweist auf das bestehende konzernweite Compliance Managementsystem, welches im Kapitel „Erklärung zur Unternehmensführung“ in diesem Geschäftsbericht ab Seite 102 ff. dargestellt ist.
  7. Thema „Menschenrechte“: Der Konzern verweist bezüglich des erforderlichen menschenrechtlichen Sorgfaltspflichtensystems in Übereinstimmung mit den UN Guiding Principles for Human Rights und den OECD-Leitlinien für multinationale Unternehmen auf die bestehenden und in dieser nichtfinanziellen Erklärung beschriebenen Maßnahmen für die eigenen Standorte und die direkten und indirekten Lieferanten, die jeweils im Abschnitt „Soziale Verantwortung“ bzw. „Nachhaltigkeit in der Lieferkette“ zu finden sind. Das menschenrechtlichen Sorgfaltspflichtensystem von Sartorius erstreckt sich nicht auf die Kundenbeziehungen, da der Konzern keine relevanten Risikobereiche durch die Produkte und Dienstleistungen von Sartorius identifiziert hat.
    Da sich die im Folgenden für das Geschäftsjahr 2022 ausgewiesenen taxonomiekonformen Investitionsausgaben und Betriebsausgaben auf Deutschland beziehen, hat Sartorius die Effektivität des Systems ausschließlich in diesem Rahmen geprüft und festgestellt.

Vermeidung von Doppelzählungen

Die im folgenden genannten Beträge werden von Sartorius derzeit ausschließlich auf das Umweltziel Klimaschutz allokiert. Weiterhin sind die einzelnen für Investitionsausgaben und Betriebsausgaben geltend gemachten Wirtschaftsaktivitäten nicht miteinander verbunden. Durch diesen Ansatz sind Doppelzählungen ausgeschlossen.

Umsätze aus taxonomiefähigen und -konformen Wirtschaftsaktivitäten

Die Umsätze gemäß Abschnitt 1.1.1. des Delegierten Rechtsakts zu Art. 8 der Tax-VO entsprechen dem in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesenen Wert für das betreffende Geschäftsjahr auf S. 168 in diesem Geschäftsbericht, der auf Basis der für den Konzernabschluss anzuwendenden International Financial Reporting Standards (IFRS) ermittelt wurde. Im Geschäftsjahr 2022 hat der Sartorius Konzern keine Umsätze mit den in den delegierten Rechtsakten für Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel genannten Wirtschaftsaktivitäten erzielt. Der Gesetzgeber hat bis jetzt nur besonders relevante Wirtschaftsaktivitäten für die Erreichung der Umweltziele im Bereich Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel adressiert, sodass nur ein begrenzter Teil an Branchen abgedeckt ist. Daher liegen aktuell keine taxonomiefähigen Wirtschaftsaktivitäten vor, für die eine Prüfung auf Einhaltung der technischen Bewertungskriterien hätte durchgeführt werden können. Da bei Sartorius für die in der Delegierten Verordnung 2022/1214 der EU Kommission und in Anhang XII beschriebenen Wirtschaftstätigkeiten im Geschäftsjahr 2022 keine Investitionsausgaben und nur unwesentliche Betriebsausgaben, die sich auf den Bereich fossiles Gas beziehen, aufgewendet werden, findet die Berichterstattung nach Anhang XII der Delegierten Verordnung 2021/2178 der EU Kommission keine Anwendung. Der Anteil der taxonomiekonformen Umsätze am Konzernumsatz betrug im Geschäftsjahr 2022 dementsprechend 0 % (Vorjahr: n. a.).

Wirtschaftsaktivitäten NACE Codes Umsatz in Mio. € Anteil am Umsatz in % Klimaschutz (SC)¹ Klimaschutz (DNSH)² Anpassung Klimawandel (SC)¹ Anpassung Klimawandel (DNSH)² Wasserschutz (SC)¹ Wasserschutz (DNSH)² Verschmutzung (SC)¹ Verschmutzung (DNSH)² Zirkularität (SC)¹ Zirkularität (DNSH)² Biodiversität (SC)¹ Biodiversität (DNSH)² Mindestschutz Kategorie E/T³ GJ 2022 in % GJ 2021 in %
A. Taxonomiefähige Wirtschaftsaktivitäten
A.1. Ökologisch nachhaltige Aktivitäten (taxonomiekonform)
Umsatz der ökologisch nachhaltigen Aktivitäten (taxonomiekonform) (A.1.) n. a. 0 0 0 n. a. n. a. n. a. n. a. n. a. n. a. n. a. n. a. n. a. n. a. n. a. 0 n. a. n. a. n. a.
A.2. Taxonomiefähige, aber nicht ökologisch nachhaltige Aktivitäten (nicht taxonomiekonforme Aktivitäten)
Umsatz der taxonomiefähigen, aber nicht ökologisch nachhaltigen Aktivitäten (nicht taxonomiekonforme Aktivitäten) (A.2) n. a. 0 0
Gesamt (A.1. + A.2.) n. a. 0 0
B. Nicht taxonomiefähige Wirtschaftsaktivitäten
Umsatz der nicht taxonomiefähigen Aktivitäten (B) n. a. 4.174,7 100
Gesamt (A + B) n. a. 4.174,7 100

¹ SC = „Substantial contribution“ (wesentlicher Beitrag)
² DNSH = „Do no significant harm“ (keine erhebliche Beeinträchtigung)
³ E = „enabling“ (ermöglichend); T = „transitional“ (Übergang)

Investitionsausgaben für taxonomiefähige und -konforme Wirtschaftsaktivitäten

Die Investitionsausgaben gemäß Abschnitt 1.1.2. des delegierten Rechtsakts zu Art. 8 der Tax-VO setzten sich zusammen aus den Bruttozugängen zum materiellen und immateriellen Anlagevermögen im Berichtsjahr, einschließlich Zugängen aus Unternehmenserwerben. Geschäfts- oder Firmenwerte werden dabei nicht berücksichtigt. Die Ermittlung der Investitionsausgaben erfolgte auf Basis der für den Konzernabschluss anzuwendenden International Financial Reporting Standards (IFRS). Die Investitionsausgaben entsprechen der Summe der im Anhang zum Konzernabschluss ausgewiesenen Beträge aus Investitionen und Zugängen aus Akquisitionen, in den Abschnitten „15. Sonstige immaterielle Vermögenswerte“ auf Seite 197 „16. Sachanlagen“ auf Seite 102 f. sowie „17. Leasingverhältnisse“ auf Seite 202 ff.. Die Analyse dieser Investitionsausgaben hat ergeben, dass der Sartorius Konzern solche tätigt, die sich auf den Erwerb von Produkten oder Dienstleistungen (Buchstabe c unter Abschnitt 1.1.2.2 des delegierten Rechtsakts zu Art.# Der Tax-VO) aus den folgenden taxonomiefähigen Wirtschaftstätigkeiten beziehen:

  • Aktivität 6.5: Beförderung mit Motorrädern, Personenkraftwagen und leichten Nutzfahrzeugen
  • Aktivität 7.7: Erwerb von und Eigentum an Gebäuden

Die Prüfung der Einhaltung der technischen Bewertungskriterien für diese taxonomiefähigen Wirtschaftsaktivitäten durch Sartorius führte zu dem Ergebnis, dass die taxonomiefähigen Beträge der Aktivität 6.5 aufgrund fehlender Informationen für die Einhaltung der DNSH-Kriterien für das EU-Umweltziel „Verschmutzung“ nicht als taxonomiekonform ausgewiesen werden können. Die Investitionen in Fahrzeuge umfassen bereits zahlreiche E-Autos. Somit werden wesentliche Kriterien der EU-Taxonomie, beispielsweise im Hinblick auf CO2 -Emissionen erfüllt. Allerdings konnten weitere Anforderungen, u. a. die vorgeschriebenen EU-Reifenlabel nicht vollumfänglich nachgewiesen werden. Bei der Aktivität 7.7. konnte die Einhaltung der technischen Bewertungskriterien ausschließlich für die deutschen Gebäude ermittelt werden. Für die Prüfung wurden unter anderem bestehende und geplante DGNB-Zertifizierungen und Energieausweise herangezogen. Für die meisten Gebäude in Deutschland konnten die SC- und DNSH-Kriterien erfolgreich geprüft werden. Der Anteil von taxonomiekonformen Investitionsausgaben betrug im Geschäftsjahr 2022 dementsprechend 13 % (Vorjahr: n. a.). Die Investitionsausgaben setzen sich zu 100 % aus Zugängen aus IAS 16, IAS 38, IAS 40 und IFRS 16 zusammen.

SC¹ DNSH²

Taxonomie-konformer Anteil der Investitionsausgaben

Wirtschaftsaktivitäten NACE Codes Investitionsausgaben in Mio. € Anteil in % Anteil am Umsatz in % Klimaschutz Ja / Nein Klimaschutz Anpassung Ja / Nein Klimawandel Ja / Nein Wasserschutz Ja / Nein Verschmutzung Ja / Nein Zirkularität Ja / Nein Biodiversität Ja / Nein Mindestschutz Ja / Nein GJ 2022 in % GJ 2021 in % Kategorie E/T³
A. Taxonomiefähige Wirtschaftsaktivitäten
A.1. Ökologisch nachhaltige Aktivitäten (taxonomiekonform)
7.7. Erwerb von und Eigentum an Gebäuden n. a. 110,5 13 100 Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja 13 n. a. E
Investitionsausgaben für ökologisch nachhaltige Aktivitäten (taxonomiekonform) (A.1.) n. a. 110,5 13 100 13 n. a.
A.2. Taxonomiefähige, aber nicht ökologisch nachhaltige Aktivitäten (nicht taxonomiekonforme Aktivitäten)
6,5 Beförderung mit Motorrädern, Personenkraftwagen und leichten Nutzfahrzeugen n. a. 7,8 1
7.7. Erwerb von und Eigentum an Gebäuden n. a. 180,2 21
Investitionsausgaben für taxonomiefähige, aber nicht ökologisch nachhaltige Aktivitäten (nicht taxonomiekonforme Aktivitäten) (A.2) n. a. 188,0 22
Gesamt (A.1. + A.2.) n. a. 298,5 34
B. Nicht taxonomiefähige Wirtschaftsaktivitäten
Investitionsausgaben für nicht taxonomiefähige Aktivitäten 569,6 66
Gesamt (A + B) 868,1 100

¹ SC = „Substantial contribution“ (wesentlicher Beitrag)
² DNSH = „Do no significant harm“ (keine erhebliche Beeinträchtigung)
³ E = „enabling“ (ermöglichend); T = „transitional“ (Übergang)
⁴ mathematisch bedingte Abrundung

Betriebsausgaben für taxonomiefähige und -konforme Wirtschaftsaktivitäten

Die Betriebsausgaben gemäß Abschnitt 1.1.3. des delegierten Rechtsakts zu Art. 8 der Tax-VO setzen sich zusammen aus allen direkten, nicht aktivierten Kosten im Zusammenhang mit Forschung und Entwicklung, Renovierungsmaßnahmen, kurzfristigen Leasingverhältnissen sowie Instandhaltung und Wartung bzw. Reparatur. Die Analyse dieser Betriebsausgaben hat ergeben, dass der Sartorius Konzern solche tätigt, die sich auf den Erwerb von Produkten oder Dienstleistungen (Buchstabe c unter Abschnitt 1.1.3.2 des delegierten Rechtsakts zu Art. 8 der Tax-VO) aus den folgenden taxonomiefähigen Wirtschaftstätigkeiten beziehen:

  • Aktivität 6.5: Beförderung mit Motorrädern, Personenkraftwagen und leichten Nutzfahrzeugen
  • Aktivität 7.7: Erwerb von und Eigentum an Gebäuden

Basierend auf den ermittelten taxonomiekonformen Investitionsausgaben wurden die damit verbundenen Betriebsausgaben zugeordnet. Darunter fallen bei Sartorius ausschließlich Renovierungs- und Instandhaltungskosten für Gebäude. Der Anteil von taxonomiekonformen Betriebsausgaben betrug im Geschäftsjahr 2022 dementsprechend 1 % (Vorjahr: n. a.).

SC¹ DNSH²

Taxonomie-konformer Anteil der Betriebsausgaben

Wirtschaftsaktivitäten NACE Codes Betriebsausgaben in Mio. € Anteil an Betriebsausgaben in % Klimaschutz Ja / Nein Klimaschutz Anpassung Ja / Nein Klimawandel Ja / Nein Wasserschutz Ja / Nein Verschmutzung Ja / Nein Zirkularität Ja / Nein Biodiversität Ja / Nein Mindestschutz Ja / Nein GJ 2022 in % GJ 2021 in % Kategorie E/T³
A. Taxonomiefähige Wirtschaftsaktivitäten
A.1. Ökologisch nachhaltige Aktivitäten (taxonomiekonform)
7.7. Erwerb von und Eigentum an Gebäuden n. a. 2,1 1 100 Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja 1 n. a. E
Betriebsausgaben für ökologisch nachhaltige Aktivitäten (taxonomiekonform) (A.1.) n. a. 2,1 1 1 n. a.
A.2. Taxonomiefähige, aber nicht ökologisch nachhaltige Aktivitäten (nicht taxonomiekonforme Aktivitäten)
6,5 Beförderung mit Motorrädern, Personenkraftwagen und leichten Nutzfahrzeugen n. a. 3,4 2
7.7. Erwerb von und Eigentum an Gebäuden n. a. 27,5 16
Betriebsausgaben für taxonomiefähige, aber nicht ökologisch nachhaltige Aktivitäten (nicht taxonomiekonforme Aktivitäten) (A.2) n. a. 30,9 18
Gesamt (A.1. + A.2.) n. a. 33,0 19
B. Nicht taxonomiefähige Wirtschaftsaktivitäten
Betriebsausgaben für nicht taxonomiefähige Aktivitäten 141,3 81
Gesamt (A + B) 174,3 100

¹ SC = „Substantial contribution“ (wesentlicher Beitrag)
² DNSH = „Do no significant harm“ (keine erhebliche Beeinträchtigung)
³ E = „enabling“ (ermöglichend); T = „transitional“ (Übergang)

Erläuterungen zur Berechnung der THG-Emissionen

Genutzte Standards

Die Bilanzierung und Berichterstattung der THG-Emissionen erfolgt in Orientierung an den Pflichtangaben des Corporate Accounting and Reporting Standard 2004 und des Corporate Value Chain (Scope 3) Accounting and Reporting Standard 2011 des GHG Protocol. Als Konsolidierungsansatz wurde die operative Kontrolle gewählt.

Datenkonzepte

Die Bilanzierung der THG-Emissionen im Scope 1 und 2 sowie der Scope 3 -Kategorien in der vorgelagerten Wertschöpfungskette beruht auf Berechnungen. Die Bilanzierung der Scope 3 -Kategorien in der nachgelagerten Wertschöpfungskette basiert auf Modellierungen unter Einbezug diverser Annahmen und Schätzungen. Es wurden größtenteils unternehmenseigene Daten verwendet. Die Bilanzierung der THG-Kategorien „Upstream transportation and distribution“ und „Downstream transportation and distribution“ erfolgte unter Einbezug von berichteten Daten der Spediteure. Die für die Bilanzierung im Geschäftsjahr 2022 verwendeten Datenkonzepte werden im Folgenden für jede THG-Kategorie beschrieben.

  • Scope 1: Die Brennstoffverbräuche sowie flüchtigen Emissionen für Lösungsmittel und Kältemittel wurden mit einem spezifischen Emissionsfaktor multipliziert.
  • Scope 2: Die Strom-, Wärme- und Kälteverbräuche wurden mit einem spezifischen Emissionsfaktor multipliziert.
  • Scope 3
  • Kategorie 1: “Purchased goods and services”: Das Gewicht oder die gruppierten Betriebsausgaben für eingekaufte Waren und Dienstleistungen wurde mit einem spezifischen Emissionsfaktor multipliziert. Für die „Bereinigte Brutto-THG-Intensität pro Nettoumsatz – marktbasierte Berechnung“ (so genannte „CO2 -Emissionsintensität“, siehe Abschnitt „Klima“) werden in der THG-Kategorie „Purchased goods and services“ anstelle der eingekauften und bezahlten Waren, nur die tatsächlich verbrauchten Waren bilanziert. Das heißt es findet eine Bereinigung der Daten um Lagerbestände statt.
    • Kategorie 2: “Capital goods”: Die gruppierten Investitionsausgaben für Waren und Dienstleistungen wurden mit einen spezifischen Emissionsfaktor multipliziert.
  • Kategorie 3: “Fuel- and energy-related activities (not included in scope 1 and 2)”: Der für die Berechnung der THG-emissionen im Scope 1 und 2 zugrunde gelegte Brennstoff- und Energieverbrauch wurde mit jeweils spezifischen Emissionsfaktoren multipliziert.
  • Kategorie 4: “Upstream transportation and distribution”: Die von den größten Spediteuren berichteten THG-Emissionen wurden bilanziert und die durch diese Methode nicht abgedeckte Logistikausgaben mit einem durchschnittlichen ausgabenbasierten Emissionsfaktor multipliziert.
    • Kategorie 5: “Waste generated in operations”: Das Abfallaufkommen wurde mit jeweils material- und entsorgungsspezifischen Emissionsfaktoren multipliziert.
  • Kategorie 6: “Business travel”: Die erfassten Zug-, Flug- und Mietwagenstrecken sowie die Anzahl der Hotelübernachtungen wurden mit jeweils spezifischen Emissionsfaktoren multipliziert. Die jeweils nicht erfassten Strecken und Hotelübernachtungen wurden geschätzt und ebenfalls mit einem spezifischen Emissionsfaktor multipliziert.
  • Kategorie 7: “Employee commuting”: Die Durchschnittsstrecke pro Tag für den Pendelverkehr von Mitarbeitenden wurde anhand der Mitarbeitendenzahl hochgerechnet und anhand von Präsenztagen vor Ort und geschätzten Arbeitswochen skaliert und das Ergebnis mit jeweils transportspezifischen Emissionsfaktoren multipliziert.
  • Kategorie 8: “Uptream leased assets”: In der Kategorie „Uptream leased assets“ wurden keine THG-Emissionen bilanziert, da der Energieverbrauch vollständig von Sartorius kontrolliert wird und die entsprechenden Emissionen somit bereits im Scope 1 und 2 dargestellt sind.
  • Kategorie 9: “Downstream transportation and distribution”: Die für die Kategorie „Upstream transportation and distribution” bilanzierten THG-Emissionen wurden mit einem geschätzten Faktor für das Verhältnis der bezahlten zu unbezahlten Transportaktivitäten zu den Kunden in einem nach Datenverfügbarkeit ausgewählten Lager multipliziert.# Kategorie 10: „Processing of sold products”
    Diese Kategorie wird gemäß GHG Protocol mit null THG-Emissionen ausgewiesen, da sie derzeit für Sartorius aufgrund der vielfältigen potenziellen Weiterverarbeitungsmöglichkeiten der Produkte mit ihrerseits jeweils spezifischen THG-Profilen nicht angemessen bilanzierbar und einer Abschätzung zufolge auch nicht wesentlich für die gesamte THG-Bilanz des Konzerns ist.

Kategorie 11: „Use of sold products”

Der Umsatz mit energieverbrauchenden Produktgruppen wurde spezifischen Energiefaktoren multipliziert, die auf Basis von repräsentativen Produkten ermittelt wurden. Der daraus resultierende gesamte Energieverbrauch der verkauften Produkte wurde mit einem globalen Emissionsfaktor für Strom multipliziert.

Kategorie 12: „End-of-life treatment of sold products”

Für das geschätzte Gewicht der verkauften Produkte wurde der globale Mix für Entsorgungsmethoden angenommen (siehe Studie „What a waste 2.0“, World Bank Report 2018) und mit jeweils material- und entsorgungsspezifischen Emissionsfaktoren multipliziert.

Kategorie 13: „Downstream leased assets”

In der Kategorie „Downstream leased assets“ wurden keine THG-Emissionen bilanziert, da der Energieverbrauch vollständig von Sartorius kontrolliert wird und die entsprechenden Emissionen somit bereits im Scope 1 und 2 dargestellt sind.

Kategorie 14: „Franchises”

In der Kategorie „Franchises“ wurden keine THG-Emissionen bilanziert, da Sartorius aktuell keinen Franchise-Vertrieb nutzt.

Kategorie 15: „Investments”

Diese Kategorie wird mit null Emissionen ausgewiesen, da die unter THG-Gesichtspunkten relevanteste Unternehmensbeteiligung im Geschäftsjahr 2022 in der Finanzberichterstattung als nicht wesentlich eingestuft worden ist und auch die mit dieser Unternehmensbeteiligung zusammenhängenden THG-Emissionen einer Abschätzung zufolge als nicht wesentlich für die gesamte THG-Bilanz bewertet worden sind.

Emissionsfaktoren

Für die THG-Bilanzierung wurden Emissionsfaktoren von Defra (Version 10.0, 09/2021), Gabi (Version 13.0, 12/2020), Ecometrica (Version 2022), Ecoinvent (Version 3.9 2022) und EPA (U.S. Environmental Protection Agency, Version 3.0, 12/2021), VfU (Verein für Umweltmanagement und Nachhaltigkeit in Finanzinstituten e. V., Version 04/2016), GHG Protocol/IEA (Version 15.0, 05/2021) sowie weitere Faktoren wie zum Beispiel selbstberechnete Durchschnittsfaktoren angewendet.

Ausblick

Sartorius hat sich zum Ziel gesetzt, die THG-Emissionen strategisch zu steuern. Dafür plant das Unternehmen die THG-Bilanzierung in den kommenden Jahren weiter zu verfeinern. Ziel ist es, die Faktoren für die interne Steuerung in den derzeitigen Berechnungsansätzen besser zu reflektieren. Hierzu sollen insbesondere die Datenerfassungskonzepte in den größten THG-Kategorien der vorgelagerten Wertschöpfungskette, insbesondere die Kategorien “Purchased goods and services” und „Upstream transportation and distribution“ von der ausgabenbasierten Berechnungsmethode auf eine treiberbasierte Berechnungsmethode umgestellt werden. Es ist anzunehmen, dass die THG-Emissionen mit der ausgabenbasierten Methode aktuell überschätzt werden. Die derzeitigen Unsicherheiten in den Daten werden durch diese Umstellung somit zunehmend beseitigt.

Gewinn- und Verlustrechnung in Mio. €

Anhang 2022 2021
Umsatzerlöse [9] 4.174,7 3.449,2
Kosten der umgesetzten Leistungen [10] – 1.978,3 – 1.610,3
Bruttoergebnis 2.196,5 1.838,9
Vertriebskosten [10] – 628,5 – 580,7
Forschungs- und Entwicklungskosten [10] – 177,8 – 139,9
Allgemeine Verwaltungskosten [10] – 200,5 – 165,0
Sonstige betriebliche Erträge [11] 94,3 59,3
Sonstige betriebliche Aufwendungen [11] – 219,1 – 109,4
Überschuss vor Finanzergebnis und Steuern (EBIT) 1.064,8 903,2
Finanzielle Erträge [12] 198,2 29,3
Finanzielle Aufwendungen [12] – 81,3 – 264,0
Finanzergebnis 116,9 – 234,7
Ergebnis vor Steuern 1.181,7 668,4
Ertragsteuern [13] – 268,6 – 241,4
Jahresüberschuss 913,1 427,0
Davon entfallen auf:
Aktionäre der Sartorius AG 678,1 318,9
Nicht beherrschende Anteile 235,0 108,1
Ergebnis je Aktie [14]
Ergebnis je Stammaktie (€) (unverwässert) 9,91 4,66
Ergebnis je Stammaktie (€) (verwässert) 9,91 4,66
Ergebnis je Vorzugsaktie (€) (unverwässert) 9,92 4,67
Ergebnis je Vorzugsaktie (€) (verwässert) 9,92 4,67

Die sonstigen betrieblichen Erträge und Aufwendungen werden seit dem Geschäftsjahr 2022 unsaldiert ausgewiesen. Die Vorjahreszahlen wurden entsprechend angepasst. Der Anhang ist integraler Bestandteil des Konzernabschlusses.

Gesamtergebnisrechnung in Mio. €

2022 2021
Jahresüberschuss 913,1 427,0
Absicherung künftiger Zahlungsströme (Cashflow Hedges) – 5,9 – 23,7
davon effektiver Teil der Veränderungen des beizulegenden Zeitwertes – 56,2 – 17,2
davon umgegliedert in Gewinn oder Verlust 50,3 – 6,5
Ertragsteuern auf die Absicherung von Zahlungsströmen 1,8 7,1
Nettoinvestition in einen ausländischen Geschäftsbetrieb 29,6 38,3
Ertragsteuern auf Nettoinvestitionen in ausländische Geschäftsbetriebe 2,0 – 10,3
Währungsumrechnungsdifferenzen 13,8 85,5
Posten, die möglicherweise in die Gewinn- und Verlustrechnung umgegliedert werden, nach Steuern 41,3 97,0
Neubewertungen der Nettoschuld aus leistungsorientierten Versorgungsplänen 19,6 3,7
Ertragsteuern auf Neubewertungen der Nettoschuld aus leistungsorientierten Versorgungsplänen – 3,6 – 1,2
FVOCI Eigenkapitalinstrumente 16,3 0,0
Posten, die nicht in die Gewinn- und Verlustrechnung umgegliedert werden, nach Steuern 32,3 2,5
Sonstiges Ergebnis nach Steuern 73,5 99,5
Gesamtergebnis 986,6 526,4
Davon entfallen auf:
Aktionäre der Sartorius AG 753,1 405,8
Nicht beherrschende Anteile 233,5 120,7

Bilanz in Mio. €

Anhang 31.12.2022 31.12.2021
Langfristige Vermögenswerte
Geschäfts- oder Firmenwerte [15] 1.718,9 1.362,0
Sonstige immaterielle Vermögenswerte [15] 1.283,1 1.095,6
Sachanlagen [16][17] 1.714,8 1.305,8
Finanzielle Vermögenswerte [35] 150,9 60,8
Sonstige Vermögenswerte 3,3 1,6
Aktive latente Steuern [18] 83,6 75,2
4.954,6 3.901,1
Kurzfristige Vermögenswerte
Vorräte [19] 1.179,1 892,8
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen [29] 484,5 424,0
Sonstige finanzielle Vermögenswerte [30] 47,4 24,9
Ertragsteueransprüche 30,8 29,0
Sonstige Vermögenswerte 115,6 83,3
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente [28] 165,9 342,8
2.023,2 1.796,8
Gesamtvermögen 6.977,7 5.697,9
Anhang 31.12.2022 31.12.2021
Eigenkapital
Den Aktionären der Sartorius AG zustehendes Eigenkapital 1.989,8 1.260,3
Gezeichnetes Kapital [20] 68,4 68,4
Kapitalrücklage [21] 44,6 43,3
Andere Rücklagen und Bilanzgewinn [21] 1.876,7 1.148,6
Nicht beherrschende Anteile [22] 669,1 459,9
2.658,9 1.720,2
Langfristiges Fremdkapital
Pensionsrückstellungen [23] 57,5 75,4
Sonstige Rückstellungen [24] 20,2 13,3
Finanzverbindlichkeiten [31] 1.873,8 1.649,1
Leasingverbindlichkeiten [17][31] 112,4 88,9
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten [32] 216,3 421,8
Passive latente Steuern [18] 235,2 182,0
2.515,5 2.430,6
Kurzfristiges Fremdkapital
Rückstellungen [24] 66,4 58,4
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen [33] 551,9 515,0
Finanzverbindlichkeiten [31] 523,8 311,3
Leasingverbindlichkeiten [17][31] 31,2 26,1
Verbindlichkeiten gegenüber Arbeitnehmern [26] 114,3 153,9
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten [34] 144,2 169,0
Ertragsteuerverbindlichkeiten 222,0 178,7
Sonstige Verbindlichkeiten [25] 149,5 134,7
1.803,4 1.547,2
Gesamtkapital 6.977,7 5.697,9

Kapitalflussrechnung in Mio. €

Anhang 2022 2021
Ergebnis vor Steuern 1.181,7 668,4
Finanzergebnis [12] – 116,9 234,7
Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen [15][16][17] 287,1 231,2
Veränderung der Rückstellungen [23][24] 16,0 29,7
Veränderung der Forderungen und sonstige Vermögenswerte [29][30] – 86,6 – 99,1
Veränderung der Vorräte [19] – 261,6 – 294,4
Veränderung der Verbindlichkeiten (ohne Finanzverbindlichkeiten) [25][33][34] – 57,3 281,6
Einzahlungen für Zinsen [12] 7,2 7,4
Ertragsteuern [13] – 239,4 – 189,4
Sonstige nicht zahlungswirksame Transaktionen 4,0 3,1
Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit 734,2 873,2
Investitionsauszahlungen [15][16] – 522,6 – 407,2
Sonstige Zahlungen – 71,2 – 20,8
Cashflow aus Investitionstätigkeit vor Akquisitionen – 593,8 – 427,9
Erwerb von Tochterunternehmen und anderen Geschäftsbetrieben [8] – 536,1 – 141,7
Cashflow aus Investitionstätigkeit – 1.129,9 – 569,6
Auszahlungen für Zinsen und sonstige Finanzierungsauszahlungen [12] – 35,6 – 31,5
Dividendenzahlungen an:
- Aktionäre der Sartorius AG – 85,9 – 48,2
- Nicht beherrschende Anteile – 32,3 – 17,5
Veränderung der nicht beherrschenden Anteile [8][22] – 41,3 – 0,6
Aufnahme von Finanzverbindlichkeiten [6][31] 1.648,1 137,0
Tilgung von Finanzverbindlichkeiten [6][31] – 1.243,3 – 211,7
Cashflow aus Finanzierungstätigkeit 209,9 – 172,6
Veränderung der Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente – 185,8 131,0
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente am Anfang der Periode 342,8 203,4
Veränderungen Konsolidierungskreis 0,0 0,3
Veränderung aus der Währungsumrechnung 8,9 8,0
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente am Ende der Periode [28] 165,9 342,8

Einzahlungen für Zinsen werden seit dem Geschäftsjahr 2022 im Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit ausgewiesen. Die Vorjahreszahlen wurden entsprechend angepasst.

Eigenkapitalveränderungsrechnung in Mio. €# Anhang

1. Allgemeine Informationen

Die Sartorius AG ist eine börsennotierte Aktiengesellschaft deutschen Rechts und oberstes Mutterunternehmen des Sartorius Konzerns. Die Gesellschaft ist im Handelsregister des Amtsgerichts Göttingen (HRB 1970) eingetragen und hat ihren Sitz in Göttingen, Bundesrepublik Deutschland, Otto-Brenner-Str. 20. Der Sartorius Konzern ist ein international führender Partner der biopharmazeutischen Forschung und Industrie. Die Sparte Lab Product & Services (LPS) konzentriert sich mit innovativen Laborinstrumenten und Verbrauchsmaterialien auf Forschungs- und Qualitätssicherungslabore in Pharma- und Biopharmaunternehmen und akademischen Forschungseinrichtungen. Die Sparte Bioprocess Solutions (BPS) trägt mit einem breiten Produktportfolio mit Fokus auf Einweg-Lösungen dazu bei, dass Biotech-Medikamente und Impfstoffe sicher und effizient hergestellt werden. Der Konzernabschluss der Sartorius AG zum 31. Dezember 2022 wurde gemäß § 315e Abs. 1 des deutschen Handelsgesetzbuches (HGB) in Verbindung mit Art. 4 der Verordnung Nr. 1606/2002 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 19. Juli 2002 (Abl. EG Nr. L243 S. 1) nach den Rechnungslegungsstandards und den Interpretationen (IFRS und IFRIC) des International Accounting Standards Board (IASB) aufgestellt, wie sie in der EU anzuwenden sind. Diese stehen auf der folgenden Website zur Verfügung: https://ec.europa.eu/info/business-economy-euro/company-reporting-and-auditing/company-reporting/financial-reporting_en#ifrs-financial-statements Der Konzernabschluss wurde in Euro aufgestellt. Soweit nicht anders vermerkt, werden alle Beträge in Millionen Euro (Mio. €) angegeben. Rundungen können in Einzelfällen dazu führen, dass sich Werte in diesem Bericht nicht exakt zur angegebenen Summe aufaddieren und dass sich Prozentangaben nicht exakt aus den dargestellten Werten ergeben. Der Vorstand wird den Konzernabschluss am 10. Februar 2023 dem Aufsichtsrat vorlegen.

2. Auswirkungen neuer oder geänderter Standards

Erstmalig in 2022 anzuwendende Standards

Folgende neue bzw. geänderte Rechnungslegungsstandards wurden erstmalig angewendet, ohne dass sich wesentliche Auswirkungen auf den Konzernabschluss ergaben:

  • Änderungen an IFRS 3, IAS 16 und IAS 37 sowie Jährliche Verbesserungen der IFRS: Zyklus 2018-2020 (veröffentlicht im Mai 2020) mit Änderungen an IFRS 1, IFRS 9, IAS 41 und IFRS 16

Die Änderungen betreffen kleinere Änderungen an den genannten Standards:

  • Mit der Änderung an IFRS 3 wurde ein Verweis auf das konzeptionelle Rahmenwerk für die Finanzberichterstattung aktualisiert.
  • Die Änderung an IAS 16 verlangt, dass Einnahmen aus Verkäufen von Produkten, die bereits vor Fertigstellung einer Produktionsanlage produziert wurden, als Umsatzerlöse erfasst und nicht von den Anschaffungs- und Herstellungskosten der Anlage abgezogen werden.
  • Die Änderung an IAS 37 stellt klar, welche Kosten zu berücksichtigen sind, wenn das Vorliegen eines belastenden Vertrags beurteilt wird.
  • Die Änderung an IFRS 1 betrifft Tochterunternehmen, die erstmalig einen Abschluss nach IFRS aufstellen.
  • Die Änderung an IFRS 9 betrifft die bei der Beurteilung des Abgangs finanzieller Verbindlichkeiten in den „10%-Test“ einzubeziehenden Gebühren.
  • Die Änderung an IAS 41 betrifft die Berücksichtigung von Steuerzahlungen bei der Bewertung von biologischen Vermögenswerten.
  • Die Änderung an IFRS 16 betrifft ein Beispiel des Standards und soll mögliche Unklarheiten zur Bilanzierung von Anreizen des Leasinggebers vorbeugen.

Neue Standards und Interpretationen, die noch nicht angewendet wurden

Die nachfolgenden Standards bzw. Überarbeitungen und Änderungen von Standards sowie Interpretationen wurden im Berichtsjahr noch nicht angewendet, da sie noch nicht von der EU übernommen wurden bzw. ihre Anwendung für 2022 nicht verpflichtend war:

Standard Interpretation Titel Anwendungs- pflicht für Geschäftsjahre beginnend ab Übernahme durch EU-Kommission
Änderungen an IAS 8 Definition von rechnungslegungsbezogenen Schätzungen 1. Januar 2023 Ja
Änderungen an IAS 1 und IFRS-Leitliniendokument 2 Angabe von Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden 1. Januar 2023 Ja
Änderungen an IAS 12 Latente Steuern, die sich auf Vermögenswerte und Schulden beziehen, die aus einer einzigen Transaktion entstehen 1. Januar 2023 Ja
IFRS 17 Versicherungsverträge 1. Januar 2023 Ja
Änderungen an IFRS 17 Erstanwendung von IFRS 17 und IFRS 9 - Vergleichsinformationen 1. Januar 2023 Ja
Änderungen an IAS 1 Klassifizierung von Schulden als kurz- oder langfristig, Klassifizierung von Schulden als kurz- oder langfristig - Verschiebung des Zeitpunkts des Inkrafttretens, Langfristige Schulden mit Covenants 1. Januar 2024 Nein
Änderungen an IFRS 16 Leasingverbindlichkeit in einer Sales-and-leaseback-Transaktion 1. Januar 2024 Nein
Änderungen an IFRS 10 und IAS 28 Veräußerung oder Einbringung von Vermögenswerten zwischen einem Investor und einem assoziierten Unternehmen oder Joint Venture n/a Nein
  • 1 Anwendungspflicht entsprechend der Übernahme durch die EU-Kommission bzw. der Standards.
    Der Konzern plant jeweils keine frühzeitige Anwendung.
    Der Konzern geht gegenwärtig davon aus, dass sich diese Änderungen nicht wesentlich auf den Konzernabschluss auswirken.

3. Wesentliche allgemeine Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze

Die wesentlichen Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden werden in den jeweiligen Abschnitten beschrieben, welche die betroffenen Abschlusspositionen erläutern, soweit sie einzelnen Positionen zugeordnet werden können. Allgemeine Grundsätze werden im Folgenden dargelegt.

Grundlage der Erstellung

Der Konzernabschluss basiert auf dem Grundsatz historischer Anschaffungs- und Herstellungskosten, mit Ausnahme der Positionen, die mit ihrem beizulegenden Zeitwert ausgewiesen werden, wie z. B. derivative Finanzinstrumente oder finanzielle Verbindlichkeiten aufgrund von bedingten Gegenleistungen.

Währungsumrechnung

Die Umrechnung der in ausländischer Währung aufgestellten Jahresabschlüsse der Tochtergesellschaften erfolgt gemäß IAS 21, Auswirkungen von Änderungen der Wechselkurse, nach dem Konzept der funktionalen Währung. Ausländische Tochterunternehmen werden im Sartorius Konzern als wirtschaftlich selbstständige Teileinheiten betrachtet. Die Umrechnung der Bilanzposten erfolgt grundsätzlich zu Stichtagskursen. Hiervon ausgenommen ist das Eigenkapital der einbezogenen Tochterunternehmen, das zu historischen Kursen umgerechnet wird. Aufwands- und Ertragsposten werden zu Jahresdurchschnittskursen umgerechnet.

Eigenkapital

Gezeichnetes Kapital Kapital- rücklage Hedging- rücklage Pensions- rücklage Gewinnrück- lagen und Bilanzgewinn Unterschied aus der Währungs- umrechnung Den Aktionären der Sartorius AG zuzurechnendes Eigenkapital Nicht beherrschende Anteile Eigenkapital Gesamt
Saldo zum 01.01.2021 68,4 42,0 8,3 – 30,2 1.064,2 – 121,2 1.031,4 348,9 1.380,3
Jahresüberschuss 0,0 0,0 0,0 0,0 318,9 0,0 318,9 0,0 318,9
Cashflow Hedges 0,0 0,0 – 19,1 0,0 0,0 – 19,1 – 19,1 – 4,6 – 23,7
Neubewertungen der Nettoschuld aus leistungsorientierten Versorgungsplänen 0,0 0,0 0,0 3,1 108,1 0,0 108,1 0,0 108,1
Währungsumrechnungsdifferenzen 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 70,0 70,0 15,5 85,5
Nettoinvestition in einen ausländischen Geschäftsbetrieb 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 38,3 38,3 0,0 38,3
Steuereffekt 0,0 0,0 5,7 – 1,0 – 10,3 – 5,5 1,1 – 4,4 – 4,4
Sonstiges Ergebnis nach Steuern 0,0 0,0 – 13,4 2,1 98,1 86,9 12,6 99,5 99,5
Gesamtergebnis 0,0 0,0 – 13,4 2,1 318,9 98,1 405,8 120,7 526,4
Aktienbasierte Vergütung 0,0 1,3 0,0 0,0 1,3 0,0 1,3
Dividenden – 48,2 – 48,2 – 17,5 – 65,8
Kaufpreisverbindlichkeiten BI Israel / CellGenix – 130,3 – 130,3 – 46,2 – 176,5
Veränderung der Anteile nicht beherrschender Gesellschafter 54,4 54,4 0,3 0,3
Sonstige Eigenkapitalveränderungen – 0,3 0,0 – 0,3 0,0 0,0
Saldo zum 31.12.2021 68,4 43,3 – 5,1 – 28,1 1.204,9 – 23,1 1.260,3 459,9 1.720,2
Saldo zum 01.01.2022 68,4 43,3 – 5,1 – 28,1 1.204,9 – 23,1 1.260,3 459,9 1.720,2
Jahresüberschuss 0,0 0,0 0,0 0,0 678,1 0,0 678,1 235,0 913,1
Cashflow Hedges 0,0 0,0 – 3,4 0,0 0,0 – 3,4 – 3,4 – 2,5 – 5,9
Neubewertungen der Nettoschuld aus leistungsorientierten Versorgungsplänen 0,0 0,0 0,0 15,9 19,6 0,0 19,6 3,7 19,6
Währungsumrechnungsdifferenzen 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 14,9 14,9 – 1,1 13,8
Nettoinvestition in einen ausländischen Geschäftsbetrieb 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 29,6 29,6 0,0 29,6
FVOCI Eigenkapitalinstrumente 0,0 0,0 0,0 0,0 16,3 0,0 16,3 0,0 16,3
Steuereffekt 0,0 0,0 1,0 – 2,6 3,3 1,7 – 1,5 0,2 0,2
Sonstiges Ergebnis nach Steuern 0,0 0,0 – 2,3 13,3 47,8 75,0 – 1,5 73,5 73,5
Gesamtergebnis 0,0 0,0 – 2,3 13,3 753,1 47,8 753,1 233,5 986,6
Aktienbasierte Vergütung 0,0 1,3 0,0 0,0 1,3 0,0 1,3
Dividenden – 85,9 – 85,9 – 32,3 – 118,1
Ausgabe eigener Anteile für den Erwerb BIA Separations 64,5 64,5 3,6 68,1
Kaufpreisverbindlichkeiten ALS / BI Israel / CellGenix 4,7 4,7 13,0 17,6
Umgliederung Kaufpreissicherung Albumedix 18,1 18,1 0,0 18,1
Nicht beherrschende Anteile ALS Erwerb zusätzlicher Anteile an Tochterunternehmen – 30,4 – 30,4 – 8,7 – 39,1
Veränderung der Anteile nicht beherrschender Gesellschafter 4,0 4,0 – 7,2 – 3,2
Sonstige Eigenkapitalveränderungen 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0
Saldo zum 31.12.2022 68,4 44,6 10,7 – 14,8 1.856,2 24,7 1.989,8 669,1 2.658,9

Effekte aus der Währungsumrechnung von Darlehen, die einen Teil der Nettoinvestition in einen ausländischen Geschäftsbetrieb darstellen, werden seit dem Geschäftsjahr 2022 in der Rücklage für Unterschiede aus der Währungsumrechnung erfasst. Die Vorjahreszahlen wurden entsprechend angepasst. Ein Betrag in Höhe von 66,9 Mio. € wurde zum 1. Januar 2021 von den Gewinnrücklagen in die Rücklage für Unterschiede aus der Währungsumrechnung umgegliedert.

Die ausgeschüttete Dividende je Aktie stellt sich wie folgt dar:

2022 2021
gesamt in Mio. € je Aktie in € gesamt in Mio. € je Aktie in €
Dividende auf Stammaktien 42,8 1,25 24,0 0,70
Dividende auf Vorzugsaktien 43,1 1,26 24,3 0,71
85,9 48,2
Stichtagskurs 2022 Stichtagskurs 2021 Durchschnittskurs 2022 Durchschnittskurs 2021
USD 1,06695 1,13245 1,05351 1,18270
GBP 0,88584 0,83902 0,85265 0,85972
CHF 0,98370 1,03336 1,00486 1,08106
JPY 140,73000 130,36000 138,04150 129,87475
SGD 1,43060 1,52820 1,45160 1,58913
KRW 1.344,77000 1.347,69000 1.357,87961 1.353,74171
CNY 7,36960 7,18870 7,08120 7,62740

4. Ermessensentscheidungen und Schätzungen

Bei der Erstellung des Konzernabschlusses wendet die Konzernleitung Schätzungen und Annahmen auf Basis der aktuellen Erkenntnisse an, die auch die Zukunft betreffen. Die tatsächlichen Ergebnisse können jedoch von diesen Schätzwerten abweichen. Diese Schätzungen und zugrundeliegenden Annahmen werden daher regelmäßig überprüft, und die Effekte sämtlicher Überarbeitungen werden sofort ergebniswirksam in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst. Die allgemeine Unsicherheit, die den rechnungslegungsrelevanten Schätzungen und Annahmen inhärent ist, wird aufgrund des seit Februar 2022 eskalierenden Konflikts zwischen Russland und der Ukraine sowie der anhaltenden COVID-19 Pandemie weiterhin als vergleichsweise hoch eingeschätzt. Gleichwohl erreichte der Konzern im Geschäftsjahr 2022 erneut ein zweistelliges Umsatzwachstum. Auf der Beschaffungsseite zeigten sich trotz der geopolitischen Entwicklungen keine signifikanten Lieferengpässe, sodass die Aufrechterhaltung des Produktionsbetriebs gesichert war. Die für den Konzern besonders wichtige Biopharma-Branche ist weitestgehend unabhängig von konjunkturellen Schwankungen. Dies hat sich im Berichtszeitraum erneut bestätigt und gilt in besonderem Maße für die Sparte Bioprocess Solutions, welche als Lösungsanbieter für die biopharmazeutische Industrie weiterhin eine Nachfrage im Zusammenhang mit der Produktion von Coronavirus-Impfstoffen und Covid-19-Therapeutika verzeichnen konnte, allerdings auf einem geringeren Niveau als im Vorjahreszeitraum. Auch die Sparte Lab Products & Services verzeichnete im Geschäftsjahr 2022 ein zweistelliges Umsatzwachstum. Darüber hinaus trifft die Konzernleitung Ermessensentscheidungen bei der Anwendung der Rechnungslegungsmethoden für spezifische Transaktionen, für die die bestehenden Rechnungslegungsstandards und Interpretationen keine genauen Angaben zur Behandlung des betreffenden Rechnungslegungsproblems vorschreiben. Wesentliche Ermessensentscheidungen und Schätzungen betreffen insbesondere die in Abschnitt 8 beschriebenen Unternehmenserwerbe sowie die im Zusammenhang mit früheren Akquisitionen angesetzten bedingten Gegenleistungen, deren Werte aufgrund der komplexen Bilanzierung zum beizulegenden Zeitwert schwanken können (siehe hierzu Abschnitt 35). Die wesentlichen Schätzungen und Ermessensentscheidungen werden in den jeweiligen Abschnitten beschrieben, welche die betroffenen Abschlusspositionen erläutern, soweit sie einzelnen Positionen zugeordnet werden können. Die übergreifenden Annahmen und Schätzungen betreffen in erster Linie folgende Sachverhalte:

Auswirkungen des Russland-Ukraine Konflikts

Seit Beginn des Krieges zwischen Russland und der Ukraine im Februar 2022 haben die EU sowie die USA Russland mit Sanktionen belegt, die den gegenseitigen Handel beschränken. Der Krieg hat zudem zu Verwerfungen der Märkte geführt, insbesondere für Energie und Rohstoffe, deren Preise in 2022 merklich angestiegen sind. Überdies ist der Transport- und Logistikbereich stark von den Auswirkungen des Konflikts betroffen. Der Konzern beschäftigt gegenwärtig rund 130 Mitarbeiter in Russland. In Weißrussland und der Ukraine werden hingegen keine Mitarbeiter des Konzerns beschäftigt. Seit Beginn des Krieges hat Sartorius alle Geschäftsaktivitäten in Russland ausgesetzt, die nicht im Zusammenhang mit humanitären Medizinprodukten stehen. Dies geschieht in Übereinstimmung mit den geltenden Sanktionen und im Einklang mit der Praxis anderer Unternehmen im Pharma- und Gesundheitssektor. Die Umsatzerlöse in Russland sind im Vergleich zu 2021 infolge der nicht absehbaren Entwicklungen allerdings deutlich gesunken. Das Ausmaß der künftigen mittelfristigen Auswirkungen ist abhängig von der weiteren geopolitischen Entwicklung und lässt sich gegenwärtig schwerlich quantifizieren. Zu betonen ist indes, dass das Geschäft des Konzerns in Russland, Weißrussland und der Ukraine mit gut 2% Anteil am Konzernumsatz des Jahres 2021 insgesamt keine kritische Bedeutung mit Blick auf den Konzern als Ganzes aufwies. Des Weiteren sind keine wesentlichen Lieferanten des Konzerns in Russland, Weißrussland oder der Ukraine ansässig. Der Konzern ist somit vor allem den indirekten Auswirkungen des Konflikts ausgesetzt, beispielsweise den steigenden Energiepreisen oder den Beeinträchtigungen des weltweiten Transport- und Logistiksektors. Der Konzern beobachtet diese indirekten Auswirkungen und geht gegenwärtig davon aus, dass die Profitabilität mit entsprechenden Gegenmaßnahmen wie z. B. Preiserhöhungen auf dem bisherigen Niveau gehalten werden kann. Der Konzern unterhält keine wesentlichen langfristigen Vermögenswerte in Russland, Weißrussland und der Ukraine. Die Ausfallrisiken in Zusammenhang mit Forderungen aus Lieferungen und Leistungen in Russland sind begrenzt aufgrund eines zum Stichtag unwesentlichen Forderungsvolumens. Die in Russland befindlichen Bestände an Zahlungsmitteln liegen im einstelligen Millionenbereich und unterliegen aktuell Restriktionen mit Blick auf eine Verwendung außerhalb Russlands. Insbesondere sind derzeit keine Ausschüttungen möglich. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt führen die direkten und indirekten Auswirkungen des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine auf den Konzern nicht zu Änderungen der wesentlichen rechnungslegungsrelevanten Annahmen und Schätzungen bzw. wirken sich nicht über das verringerte Geschäftsvolumen hinaus auf den Konzernabschluss aus. Insbesondere wurden keine Anzeichen für Wertminderungen langfristiger Vermögenswerte zum 31. Dezember 2022 identifiziert.

Wertminderungen

Die Buchwerte der Sachanlagen (siehe hierzu Abschnitte 16 und 17) und der immateriellen Vermögenswerte einschließlich des Geschäfts- oder Firmenwerts (Abschnitt 15) werden gemäß IAS 36, Wertminderungen, auf Anhaltspunkte für einen Wertminderungsbedarf überprüft. Liegt ein Anzeichen für eine Wertminderung bei einem Vermögenswert vor, erfolgt die Schätzung des erzielbaren Betrags. Dabei ist der erzielbare Betrag der höhere der beiden Beträge aus beizulegendem Zeitwert abzüglich der Verkaufskosten und Nutzungswert eines Vermögenswerts oder einer zahlungsmittelgenerierenden Einheit. Kann der erzielbare Betrag für den einzelnen Vermögenswert nicht geschätzt werden, erfolgt die Schätzung des erzielbaren Betrags der zahlungsmittelgenerierenden Einheit, zu welcher der Vermögenswert gehört. Im Allgemeinen basiert die Berechnung des Nutzungswerts auf „Discounted-Cash-Flow"-Verfahren, die in der Regel Zahlungsstrom-Prognosen von bis zu fünf Jahren verwenden. Diese Cashflow-Prognosen berücksichtigen Erfahrungen der Vergangenheit und beruhen auf von der Unternehmensleitung vorgenommenen Einschätzungen über die zukünftigen Entwicklungen von Umsatzerlösen und Kosten. Cashflows jenseits der Planungsperiode werden unter Anwendung individueller Wachstumsraten extrapoliert. Die wichtigsten Annahmen der Unternehmensleitung, auf denen die Ermittlung des Nutzungswerts beruht, umfassen u. a. geschätzte Wachstumsraten, gewichtete durchschnittliche Kapitalkosten und Steuersätze. Diese Schätzungen können einen erheblichen Einfluss auf die jeweiligen Werte und letztlich auf die Höhe einer möglichen Wertminderung haben.

Bewertung zum beizulegenden Zeitwert

Eine Reihe von Rechnungslegungsmethoden und Angaben des Konzerns verlangen die Bestimmung der beizulegenden Zeitwerte für finanzielle und nicht finanzielle Vermögenswerte und Verbindlichkeiten, einschließlich der beizulegenden Zeitwerte der Stufe 3. Wenn Informationen von Dritten, beispielsweise Preisnotierungen von Brokern oder Kursinformationsdiensten, zur Bestimmung der beizulegenden Zeitwerte verwendet werden, prüft das Bewertungsteam die von den Dritten erlangten Nachweise für die Schlussfolgerung, dass derartige Bewertungen die Anforderungen der IFRS erfüllen, einschließlich der Stufe in der Fair Value-Hierarchie, der diese Bewertungen zuzuordnen sind. Bei der Bestimmung des beizulegenden Zeitwertes eines Vermögenswertes oder einer Schuld verwendet der Konzern soweit wie möglich am Markt beobachtbare Daten.# 5. Segmentberichterstattung

Die Segmentabgrenzung ergibt sich gem. IFRS 8 aus dem sog. Management-Approach, d. h. die Festlegung der Segmente erfolgt entsprechend der internen Steuerungs- und Berichtsstruktur des Unternehmens. Ein Tätigkeitsfeld des Unternehmens ist demnach als operatives Segment anzusehen, wenn seine unternehmerischen Aktivitäten zu Erträgen und Aufwendungen führen können, sein operatives Ergebnis zum Zwecke der Erfolgsbeurteilung und der Ressourcenallokation regelmäßig von den Haupt-Entscheidungsträgern (Vorstand der Sartorius AG) überwacht wird und eigenständige Finanzinformationen im internen Berichtswesen vorliegen. Demnach sind die Sparten Bioprocess Solutions (BPS) sowie Lab Products & Services (LPS) als operative Segmente anzusehen. Wesentliches Kriterium für diese Abgrenzung sind dabei die in den Sparten vertriebenen Produkte.

Die für die Beurteilung der Segmenterfolge relevante Erfolgsgröße ist für den Sartorius Konzern das sog. „underlying EBITDA“, da das Management den Konzern und die Segmente nach dieser Größe steuert. Das EBITDA entspricht dem Überschuss vor Finanzergebnis, Steuern und Abschreibungen. Beim „underlying EBITDA“ handelt es sich um ein um Sondereffekte bereinigtes, operatives Ergebnis. Als Sondereffekte gelten Aufwendungen und Erträge im Zusammenhang mit Akquisitionen, Strukturmaßnahmen (z. B. Restrukturierungen, größere Konzernprojekte) sowie sonstige Aufwendungen und Erträge, die die nachhaltige Ertragskraft des Segments verzerren, wie etwa Veräußerungsgewinne und -verluste aus Anlagenabgängen. Beim „underlying EBITDA“ handelt es sich um eine Performance-Größe, die in den IFRS nicht definiert ist. Die vom Konzern verwendete Definition dieser Größe stimmt möglicherweise nicht mit den von anderen Unternehmen veröffentlichten Kennzahlen überein, die ähnliche Bezeichnungen tragen können.

Die Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden der berichtspflichtigen Segmente entsprechen im Übrigen den allgemeinen Konzernbilanzierungsrichtlinien. Die Lieferungen und Leistungen zwischen den Segmenten erfolgen grundsätzlich auf Basis von Verrechnungspreisen, wie sie in der jeweiligen Situation und unter den gegebenen Rahmenbedingungen unter fremden Dritten vereinbart worden wären. Es werden dabei die Kostenaufschlagsmethode und die Wiederverkaufspreismethode oder eine Kombination dieser Methoden angewendet. Die Methoden zur Ermittlung der Verrechnungspreise werden zeitnah dokumentiert und kontinuierlich beibehalten. Der Umfang dieser Lieferungen und Leistungen ist insgesamt unwesentlich. Segmentvermögen und Segmentschulden werden nicht auf regelmäßiger Basis dem Vorstand als Hauptentscheidungsträger gemeldet und sind daher nicht Bestandteil der Segmentberichterstattung.

Umsatz Underlying EBITDA in Mio. €
2022 2021 2022
Bioprocess Solutions 3.326,5 2.727,0 1.188,4
Lab Products & Services 848,2 722,2 222,0
Summe 4.174,7 3.449,2 1.410,4

Überleitung zum Ergebnis vor Steuern

Abschreibungen (ohne Sondereffekte) Sondereffekte Überschuss vor Finanzergebnis und Steuern (EBIT) Finanzergebnis Ergebnis vor Steuern
2022 2021 2022 2021 2022
– 285,3 – 231,1 – 60,4 – 40,7 1.064,8

Abschreibungen in Mio. €

2022 2021
Bioprocess Solutions – 191,0 – 150,6
Lab Products & Services – 96,1 – 80,6
Gesamt – 287,1 – 231,2

Die Sondereffekte stellen sich wie folgt dar:

Sondereffekte in Mio. € 2022 2021
M&A Projekte Integrationskosten – 16,1
Strukturmaßnahmen – 29,6 – 10,4
Sonstige – 14,7 – 7,8
Gesamt – 60,4 – 40,7

Geografische Informationen

Die Außenumsätze sowie die langfristigen Vermögenswerte teilen sich regional wie folgt auf:

Umsatz in Mio. € Langfristige Vermögenswerte in Mio. €
2022 2021 2022 2021
EMEA 1.550,6 1.411,0 3.313,4 2.531,5
davon Deutschland 350,5 318,0 1.369,6 1.176,6
davon Frankreich 144,7 125,7 511,5 432,8
Amerika 1.543,8 1.141,2 1.280,3 1.141,8
davon USA 1.442,0 1.061,7 1.277,8 1.139,3
Asien Pazifik 1.080,3 897,0 123,1
davon China 470,6 378,7 58,2 45,3
davon Südkorea 197,5 161,9 25,2 15,9
Konzern 4.174,7 3.449,2 4.716,8 3.763,5

Die regionale Zuordnung der langfristigen Vermögenswerte bezieht sich jeweils auf den Sitz der Gesellschaft, der Umsatz ist nach dem Sitz des Kunden zugeordnet worden. Die langfristigen Vermögenswerte entsprechen den Sachanlagen und immateriellen Vermögenswerten (inkl. Goodwill). Im Geschäftsjahr 2022 und im Vorjahr wurden mit keinem Kunden mehr als 5 % der Umsatzerlöse des Konzerns getätigt.

6. Kapitalflussrechnung

Die Kapitalflussrechnung stellt Zahlungsmittelzuflüsse und -abflüsse mit deren Auswirkungen auf den Zahlungsmittelbestand des Konzerns dar. Gem. IAS 7, Kapitalflussrechnung, wird dabei zwischen operativer Tätigkeit, Investition sowie Finanzierung unterschieden. Zahlungsmittel bzw. Zahlungsmitteläquivalente liegen vor, wenn diese kurzfristig (im Regelfall innerhalb von drei Monaten) in Zahlungsmittel transformiert werden können. Der in der Kapitalflussrechnung ausgewiesene Betrag setzt sich im Wesentlichen aus Bargeldbeständen, Bankguthaben und ähnlichen Positionen zusammen und entspricht dem Wert der Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente in der Bilanz.

Folgende nicht zahlungswirksame Transaktionen haben stattgefunden, die keine Auswirkung auf die Kapitalflussrechnung hatten:

Die Zugänge zum Anlagevermögen aufgrund von Leasingverhältnissen gem. IFRS 16 sind in Abschnitt 17 dargestellt. Der Aufwand aus der Aktiengewährung an den Vorstandsvorsitzenden belief sich auf 1,3 Mio. € in 2022 (2021: 1,3 Mio. €). Im Geschäftsjahr 2022 wurde die erste Tranche der bedingten Kaufpreisverbindlichkeit im Zusammenhang mit dem Erwerb von BIA Separations in Aktien der Sartorius Stedim Biotech S.A. beglichen. Im Zeitpunkt des Ausgleichs betrug der Wert der Verpflichtung 68,1 Mio. €. Für weitere Informationen zu dieser bedingten Gegenleistung wird auf Abschnitt 35 verwiesen. Im Zuge des Erwerbs der ALS Automated Lab Solutions GmbH wurde den nicht beherrschenden Anteilseignern das Recht gewährt, die bei ihnen verbliebenen Anteile dem Konzern anzudienen. Hierfür wurde im Erwerbszeitpunkt eine finanzielle Verbindlichkeit in Höhe von 30,9 Mio. € angesetzt (vgl. Abschnitt 8).

Die aus der Finanzierungstätigkeit resultierenden finanziellen Verbindlichkeiten entwickelten sich wie folgt:

Bilanzausweis 31.12.2020 in Mio. €

zahlungs- wirksame Änderungen Währungs- effekt sonstige nicht zahlungs- wirksame Änderungen Bilanzausweis 31.12.2021 in Mio. €
Finanzverbindlichkeiten – 51,0 0,0 9,6 1.960,4
Leasingverbindlichkeiten – 23,7 3,9 49,3 115,0
Verbindlichkeiten aus Erwerb nicht beherrschender Anteile 0,0 0,0 176,5 218,0
Bedingte Kaufpreisverbindlichkeiten aus Unternehmenserwerben 0,0 0,1 3,8 4,6
Summe finanzieller Verbindlichkeiten aus Finanzierungstätigkeit – 74,7 4,1 239,1 2.298,1

Bilanzausweis 31.12.2021 in Mio. €

zahlungs- wirksame Änderungen Währungs- effekt sonstige nicht zahlungs- wirksame Änderungen Bilanzausweis 31.12.2022 in Mio. €
Finanzverbindlichkeiten 434,7 0,0 2,5 2.397,6
Leasingverbindlichkeiten – 29,9 0,3 58,1 143,6
Verbindlichkeiten aus Erwerb nicht beherrschender Anteile – 39,1 0,0 21,5 200,4
Bedingte Kaufpreisverbindlichkeiten aus Unternehmenserwerben 0,0 0,2 – 0,6 4,1
Summe finanzieller Verbindlichkeiten aus Finanzierungstätigkeit 365,8 0,5 81,4 2.745,7

7. Konsolidierungskreis

Abgrenzung des Konsolidierungskreises

In den Konzernabschluss der Sartorius AG werden die Abschlüsse aller wesentlichen Unternehmen einbezogen, die von der Sartorius AG unmittelbar oder mittelbar über ihre Tochterunternehmen beherrscht werden. Beherrschung im Sinne von IFRS 10, Konzernabschlüsse, liegt vor, wenn die folgenden Kriterien erfüllt sind:

  • Verfügungsgewalt, d. h. die Fähigkeit, die maßgeblichen Tätigkeiten im Hinblick auf die Renditen des Beteiligungsunternehmen zu lenken
  • Risikobelastung durch bzw. Anrechte auf schwankende Renditen aus dem Beteiligungsunternehmen
  • Fähigkeit, die Verfügungsgewalt dergestalt zu nutzen, dass dadurch die Höhe der Rendite des Investors aus dem Beteiligungsunternehmens beeinflusst wird.

Diese Unternehmen werden ab dem Zeitpunkt in den Konzernabschluss einbezogen, ab dem die Sartorius AG oder ihre Tochterunternehmen die Möglichkeit der Beherrschung erhalten. Die Einbeziehung endet mit dem Zeitpunkt der Aufgabe dieser Beherrschungsmöglichkeit, z. B. aufgrund der Veräußerung an eine Gesellschaft außerhalb des Konzerns. Die Einbeziehung der Tochterunternehmen erfolgt auf Basis ihrer an konzerneinheitliche Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden angepassten Jahresabschlüsse für dieselbe Berichtsperiode wie die der Muttergesellschaft.# Consolidated Financial Statements

7. Subsidiaries

All intercompany assets and liabilities, equity, income and expenses, and cash flows related to transactions between group members are eliminated in consolidation.

Capital share in % Consolidated
Sartorius AG, Göttingen, Deutschland
Mutter X Sartorius Stedim Biotech S.A., Aubagne, Frankreich with its subsidiaries
73,6 X EMEA Sartorius Stedim Belgium SA, Woluwe-Saint-Lambert, Belgium
100,0 X Sartorius Xell GmbH, Schloß Holte-Stukenbrock, Deutschland
100,0 X Sartorius Stedim Biotech GmbH, Göttingen, Deutschland
100,0 X Sartorius Stedim Plastics GmbH, Göttingen, Deutschland
100,0 X Sartorius Stedim North America Holding GmbH, Göttingen, Deutschland
100,0 X Sartorius Stedim Systems GmbH, Guxhagen, Deutschland
100,0 X Sartorius CellGenix GmbH, Freiburg i. B., Deutschland
51,0 X Metreon Bioproducts GmbH, Freiburg i. B., Deutschland
100,0 Sartorius Stedim Cellca GmbH, Ulm, Deutschland
100,0 X Sartorius Stedim Nordic Oy, Helsinki, Finland
100,0 X Sartorius Stedim FMT S.A.S., Aubagne, France
100,0 X Sartorius Stedim France S.A.S., Aubagne, France
100,0 X Sartorius Stedim Chromatography Resins S.A.S., Cergy, France
100,0 X Sartorius Stedim Aseptics S.A.S., Lourdes, France
100,0 X Sartorius Chromatography Equipment S.A.S., Pompey, France
100,0 X Sartorius Stedim Ireland Ltd., Dublin, Ireland
100,0 X Biological Industries Israel Beit Haemek Ltd., Kibbutz Beit Haemek, Israel
100,0 X Sartorius Stedim Italy S.r.l., Florence, Italy
100,0 X Sartorius Stedim Netherlands B.V., Amersfoort, Netherlands
100,0 X Sartorius Stedim Austria GmbH, Vienna, Austria
100,0 X Sartorius Stedim Poland Sp. z o.o., Kostrzyn, Poland
100,0 X LLC Sartorius Stedim RUS, St. Petersburg, Russia
100,0 X Sartorius Stedim Data Analytics AB, Umeå, Sweden
100,0 X Sartorius Stedim Switzerland AG, Tagelswangen, Switzerland
100,0 X Sartorius BIA Separations, separacijske tehnologije, d.o.o., Ajdovščina, Slovenia
100,0 X Sartorius Stedim Spain S.A., Madrid, Spain
100,0 X Sartorius Stedim Bioprocess S.A.R.L., M'Hamdia, Tunisia
100,0 X Sartorius Stedim Hungária Kft., Budapest, Hungary
100,0 X Sartorius Stedim BioOutsource Ltd., Glasgow, United Kingdom
100,0 X Sartorius Stedim UK Ltd., Epsom, United Kingdom
100,0 X Sartorius Stedim Lab Ltd., Stonehouse, United Kingdom
100,0 X Sartorius Stedim Chromatography Systems Ltd., Royston, United Kingdom
100,0 X TAP Biosystems Group Ltd., Royston, United Kingdom
100,0 X The Automation Partnership (Cambridge) Ltd., Royston, United Kingdom
100,0 X Albumedix Ltd., Nottingham, United Kingdom
Amerika
100,0 X Sartorius Stedim Filters Inc., Yauco, Puerto Rico
100,0 X CellGenix Inc., Wilmington, Delaware, USA
100,0 WaterSep BioSeparations LLC, Boston, Massachusetts, USA
100,0 X Sartorius Stedim North America Inc., Dover, Delaware, USA
Asien Pazifik
100,0 X Sartorius Stedim Australia Pty. Ltd., Dandenong South, Victoria, Australia
100,0 X Sartorius Stedim Biotech (Beijing) Co. Ltd., Beijing, China
100,0 X Sartorius Stedim (Shanghai) Trading Co. Ltd., Shanghai, China
100,0 X Biological Industries Hong Kong Ltd., Kowloon, Hong Kong
100,0 X Sartorius Stedim India Pvt. Ltd., Bangalore, India
100,0 X Sartorius Stedim Japan K.K., Tokyo, Japan
100,0 X Sartorius Stedim Malaysia Sdn. Bhd., Kuala Lumpur, Malaysia
100,0 X Sartorius Stedim Singapore Pte. Ltd., Singapore, Singapore
100,0 X Sartorius Korea Biotech LLC, Seoul, South Korea
100,0 X Sartorius Korea Operations LLC, Seoul, South Korea
100,0 X Sartorius Stedim Taiwan Inc., New Taipei City, Taiwan
EMEA
100,0 X Sartorius Belgium SA, Woluwe-Saint-Lambert, Belgium
100,0 X Sartorius Weighing Technology GmbH, Göttingen, Deutschland
100,0 X Sartorius Corporate Administration GmbH, Göttingen, Deutschland
100,0 X SI Weende-Verwaltungs-GmbH, Göttingen, Deutschland
100,0 X SIV Weende GmbH & Co. KG, Göttingen, Deutschland
100,0 X SI Grone 1 -Verwaltungs-GmbH, Göttingen, Deutschland
100,0 X SIV Grone 1 GmbH & Co. KG, Göttingen, Deutschland
100,0 X SIV Grone 2 GmbH, Göttingen, Deutschland
100,0 X SWT Treuhand GmbH, Göttingen, Deutschland
100,0 X Sartorius Ventures GmbH, Göttingen, Deutschland
94,0 LabTwin GmbH, Berlin, Deutschland
100,0 Life Science Factory gGmbH, Göttingen, Deutschland
100,0 Life Science Factory Management GmbH, Göttingen, Deutschland
80,0 Life Science Valley GmbH, Göttingen, Deutschland
100,0 X Sartorius Lab Holding GmbH, Göttingen, Deutschland
100,0 X Sartorius Lab Instruments GmbH & Co. KG, Göttingen, Deutschland
62,5 X ALS Automated Lab Solutions GmbH, Jena, Deutschland
100,0 X Sartorius Biohit Liquid Handling Oy, Helsinki, Finland
100,0 X Sartorius Nordic Oy, Helsinki, Finland
100,0 X Sartorius France S.A.S., Dourdan, France
100,0 X Sartorius Ireland Ltd., Dublin, Ireland
100,0 X Sartorius Israel Ltd., Kibbutz Beit Haemek, Israel
100,0 X Sartorius Italy S.r.l., Florence, Italy
100,0 X Sartorius Netherlands B.V., Amersfoort, Netherlands
100,0 X Sartorius Austria GmbH, Vienna, Austria
100,0 X Sartorius Poland Sp. z o.o., Kostrzyn, Poland
100,0 X LLC Sartogosm, St. Petersburg, Russia
100,0 X LLC Sartorius RUS, St. Petersburg, Russia
100,0 X Sartorius Spain S.A., Madrid, Spain
100,0 X Sartorius South Africa (Pty) Ltd., Midrand, South Africa
100,0 X Sartorius Hungária Kft., Budapest, Hungary
100,0 X Essen BioScience Ltd., Royston, United Kingdom
100,0 X Sartorius UK Ltd., Epsom, United Kingdom
Amerika
100,0 X Sartorius Argentina S.A., Buenos Aires, Argentina
100,0 X Sartorius do Brasil Ltda., Sao Paulo, Brazil
100,0 X Sartorius Canada Inc., Oakville, Canada
100,0 X Sartorius de México S.A. de C.V., Tepotzotlán, Mexico
100,0 X Sartorius BioAnalytical Instruments Inc., Dover, Delaware, USA
100,0 X Sartorius North America Inc., Dover, Delaware, USA
100,0 X Sartorius Corporation, Dover, Delaware, USA
Asien Pazifik
100,0 X Sartorius Australia Pty. Ltd., Dandenong South, Victoria, Australia
100,0 X Sartorius Scientific Instruments (Beijing) Co. Ltd., Beijing, China
100,0 X Sartorius ForteBio (Shanghai) Co. Ltd., Shanghai, China
100,0 X Sartorius (Shanghai) Trading Co. Ltd., Shanghai, China
100,0 X Sartorius Hong Kong Ltd., Kowloon, Hong Kong
100,0 X Sartorius India Pvt. Ltd., Bangalore, India
100,0 X Sartorius Japan K.K., Tokyo, Japan
100,0 X Sartorius Malaysia Sdn. Bhd., Kuala Lumpur, Malaysia
100,0 X Sartorius Singapore Pte. Ltd., Singapore, Singapore
100,0 X Sartorius Korea LLC, Seoul, South Korea
100,0 X Sartorius (Thailand) Co. Ltd., Bangkok, Thailand
1 32,7 X Sartorius Vietnam Co. Ltd., Ho Chi Minh City, Vietnam

1 The inclusion of Sartorius Thailand is based on contractual arrangements (see also Section 22). Companies marked as non-consolidated in the tables above were not included in the scope of consolidation because the relevant figures are insignificant for the presentation of the Group's assets, financial position, and earnings. The revenue and total assets of the non-consolidated companies amount to less than 2% of the Group figures in total. All companies marked with "X" are fully consolidated.

In fiscal year 2022, the following companies were included in the consolidated financial statements for the first time:
* ALS Automated Lab Solutions GmbH, Jena, Germany
* Novasep Equipment Solutions S.A.S., Pompey, France
* Albumedix Ltd., Nottingham, United Kingdom

Control over ALS Automated Lab Solutions GmbH was obtained on January 3, 2022, in the course of a business combination. The company Novasep Equipment Solutions S.A.S. was acquired on February 7, 2022, in the course of the acquisition of the chromatography business from Novasep. The company was renamed Sartorius Chromatography Equipment S.A.S. immediately after the acquisition. Albumedix Ltd. was also acquired on September 30, 2022, in the course of a business combination. For information on business combinations, see Section 8.

In fiscal year, the outstanding approximately 30% of shares in Biological Industries Israel Beit Haemek Ltd. were acquired from the non-controlling shareholder (see Section 22).

In fiscal year 2022, Essen Instruments Inc., Michigan, USA was merged into Sartorius BioAnalytical Instruments Inc., Delaware, USA. Furthermore, Essen BioScience K.K., Tokyo, Japan was liquidated in the current fiscal year. The company names of Sartorius Korea Biotech Co., Ltd. and Sartorius Korea Ltd. were changed in fiscal year 2022 to Sartorius Korea Biotech LLC and Sartorius Korea LLC, respectively, in the course of a change of legal form.

The application of the equity method to the investment in Distribo GmbH (capital share: 26%) is omitted for reasons of materiality.

8. Business Combinations

Business combinations are accounted for using the acquisition method. Identifiable assets acquired by the Group, liabilities assumed, and consideration transferred are recognized and measured at their fair values at the acquisition date. Costs directly related to the business combination are recognized in profit or loss in the period.

The accounting for acquisitions requires certain estimates and judgments, particularly with regard to determining the fair value of the consideration transferred, as well as the acquired intangible assets and property, plant and equipment, the liabilities assumed at the acquisition date, and the useful lives of the acquired intangible assets and property, plant and equipment. The valuation is based to a large extent on expected cash flows. Deviations between expected and actual cash flows can materially affect future Group earnings.## Die Kaufpreisaufteilung wesentlicher Akquisitionen erfolgt regelmäßig unter der Mithilfe externer neutraler Gutachter.

Die Bewertungen stützen sich dabei auf die zum Erwerbszeitpunkt verfügbaren Informationen. Sofern nach einem Unternehmenszusammenschluss nicht beherrschende Anteile am erworbenen Unternehmen verbleiben und der Konzern aufgrund geschriebener Put-Optionen zu deren Erwerb in der Zukunft verpflichtet ist, prüft der Konzern, ob die mit dem Eigentum an diesen Anteilen verbundenen wesentlichen Chancen und Risiken bereits im Erwerbszeitpunkt auf den Konzern übergegangen sind. Für den Fall, dass die wesentlichen Chancen und Risiken bei den nicht beherrschenden Gesellschaftern verbleiben, hat der Konzern entschieden, weiterhin nicht beherrschende Anteile am erworbenen Unternehmen auszuweisen. Die für derartige Verpflichtungen anzusetzende Verbindlichkeit wird im Erwerbszeitpunkt gegen die Gewinnrücklagen erfasst. Für die Folgebewertung wurde die erfolgsneutrale Erfassung direkt gegen das Eigenkapital gewählt.

Akquisition ALS Automated Lab Solutions

Am 3. Januar 2022 hat der Konzern die Mehrheit der Anteile und Stimmrechte an der ALS Automated Lab Solutions GmbH erworben und erweitert damit sein Bioanalytik-Portfolio der Sparte Lab Products & Services um einen weiteren komplementären Baustein. Das Labortechnologie-Unternehmen mit Sitz in Jena, Deutschland, entwickelt, produziert und vertreibt Lösungen für die automatisierte Analyse, Selektion und Isolierung von Zellen. Mit diesen Lösungen ermöglicht ALS Life-Science-Kunden, Entwicklungszeiten und -kosten in der Zelllinienentwicklung und Antikörperforschung deutlich zu verringern. Andere Anwendungsfelder sind die Entwicklung von Zell- und Gentherapien sowie die molekulare Diagnostik von seltenen Einzelzellen in der Krebs- und Pränatalforschung. Das Unternehmen beschäftigte im Erwerbszeitpunkt etwa 30 Mitarbeiter.

Die Kaufpreisallokation stellt sich wie folgt dar:

in Mio. € Endgültige Kaufpreisallokation
Sonstige immaterielle Vermögenswerte 19,2
Sachanlagen 5,4
Vorräte 1,5
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 0,4
Sonstige Vermögenswerte 0,1
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 5,0
Latente Steuern netto – 7,1
Finanzverbindlichkeiten – 2,5
Sonstige Verbindlichkeiten – 2,7
Erworbenes Nettovermögen 19,3
Kaufpreis 25,6
Nicht beherrschende Anteile 7,3
Geschäfts- oder Firmenwerte 13,5

Der Kaufpreis für die erworbenen 62,5% der Anteile an der ALS Automated Lab Solutions GmbH in Höhe von 25,6 Mio. € wurde in Barmitteln entrichtet. Die dem Erwerb direkt zurechenbaren Aufwendungen in Höhe von 0,1 Mio. € waren bereits in den sonstigen betrieblichen Aufwendungen des Jahres 2021 erfasst. Die nicht-beherrschenden Anteile wurden mit ihrem Anteil am Nettovermögen angesetzt. Die wesentlichen separat anzusetzenden immateriellen Vermögenswerte bestehen aus Technologien mit begrenzter Nutzungsdauer (18,1 Mio.€). Der Geschäfts- oder Firmenwert entfällt auf Synergien, etwa aus der Integration des erworbenen Unternehmens in das globale Vertriebsnetzwerk des Konzerns und der Ergänzung des Bioanalytik-Portfolios der Sparte Lab Products & Services, und weitere nicht separierbare immaterielle Werte, wie z. B. das Know-how des Mitarbeiterstamms. Eine steuerliche Abziehbarkeit des Geschäfts- oder Firmenwerts ist nicht gegeben. Die Parteien vereinbarten Put- und Call-Optionen, wonach der Erwerb der restlichen 37,5% der Anteile im Jahr 2026 geplant ist. Der Ausübungspreis der Optionen ist abhängig von den künftigen Umsatzerlösen des erworbenen Geschäfts. Die wesentlichen mit dem Eigentum an diesen Anteilen verbundenen Chancen und Risiken sind noch nicht auf den Konzern übergangenen. Für die hieraus resultierende Verpflichtung Anteile zu erwerben hat der Konzern im Erwerbszeitpunkt eine finanzielle Verbindlichkeit in Höhe von 30,9 Mio. € erfasst. Die Folgebewertung dieser Verbindlichkeit erfolgt gemäß der Effektivzinsmethode erfolgsneutral im Eigenkapital. Zum Bilanzstichtag 31. Dezember 2022 beträgt der Wert der Verbindlichkeit 31,5 Mio. €. Unter der Annahme um 10% höherer (geringerer) Umsatzerlöse in allen verbleibenden relevanten Planjahren wäre die auszuweisende Verbindlichkeit am Bilanzstichtag etwa 1,7 Mio. € höher (ca. 2,3 Mio. € niedriger).

Akquisition Chromatographie-Geschäft von Novasep

Am 7. Februar 2022 hat der Konzern die Übernahme des Chromatographie-Geschäfts von Novasep vollzogen. Zum Erwerbszeitpunkt wurden insgesamt etwa 100 Mitarbeiter übernommen, von denen der Großteil in der vollständig erworbenen Gesellschaft Novasep Equipment Solutions am Standort Pompey in Nordfrankreich, einige weitere in den USA, China und Indien tätig sind. Das erworbene Chromatographie-Geschäft umfasst Batch- und Intensivchromatographie-Systeme und konzentriert sich in erster Linie auf Anwendungen für kleinere Moleküle wie Oligonukleotide, Peptide und Insulin. Es ergänzt das bestehende Chromatographie-Angebot des Konzerns und wird in die Sparte Bioprocess Solutions integriert.

Die Kaufpreisallokation stellt sich wie folgt dar:

in Mio. € Endgültige Kaufpreisallokation
Sonstige immaterielle Vermögenswerte 26,9
Sachanlagen 1,0
Vorräte 7,5
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 12,0
Sonstige Vermögenswerte 0,8
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 8,1
Latente Steuern netto 0,9
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen und erhaltene Anzahlungen – 14,2
Sonstige Verbindlichkeiten – 4,3
Erworbenes Nettovermögen 38,6
Kaufpreis 53,0
Geschäfts- oder Firmenwerte 14,4

Für den Erwerb des Chromatographie-Geschäfts wurde ein Kaufpreis in Höhe von rund 53,0 Mio. € in bar gezahlt. Anschaffungsnebenkosten in Höhe von rund 6,3 Mio. € wurden größtenteils in Vorjahren aufwandswirksam erfasst. Die wesentlichen anzusetzenden immateriellen Vermögenswerte bestehen aus Technologien (17,0 Mio. €) sowie Kundenbeziehungen (9,4 Mio. €) mit begrenzter Nutzungsdauer. Der Geschäfts- oder Firmenwert entfällt auf Synergien, etwa aus der Integration in die Sparte Bioprocess Solutions und der Ergänzung des Produktportfolios im Chromatographie-Bereich, sowie nicht separat angesetzte immaterielle Vermögenswerte wie dem erworbenen Mitarbeiterstamm. Eine steuerliche Abziehbarkeit des Geschäfts- oder Firmenwerts ist nicht gegeben.

Akquisition Albumedix

Am 30. September 2022 hat der Konzern 100 % der Anteile und Stimmrechte an der Albumedix Ltd. mit Sitz im englischen Nottingham erworben. Das 1984 gegründete Unternehmen ist ein Anbieter von branchenführenden Lösungen, die auf rekombinantem Albumin basieren. Rekombinantes Humanalbumin ist ein wichtiger Baustein für die biopharmazeutische Industrie und wird für eine Reihe von Anwendungen benötigt, zum Beispiel als tierzellfreier Zusatz für Zellkulturmedien und für die Stabilisierung von Impfstoffen und Virustherapien. Albumedix hatte im Erwerbszeitpunkt etwa 120 Mitarbeiter.

Die Kaufpreisallokation stellt sich wie folgt dar:

in Mio. € Endgültige Kaufpreisallokation
Sonstige immaterielle Vermögenswerte 190,4
Sachanlagen 30,0
Vorräte 12,1
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 4,4
Sonstige Vermögenswerte 3,0
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 7,8
Latente Steuern netto – 47,8
Personalverbindlichkeiten (kurzfristig) – 18,6
Rückstellungen – 3,2
Sonstige Verbindlichkeiten – 8,1
Erworbenes Nettovermögen 170,1
Kaufpreis 460,3
Effektiver Teil der Kaufpreissicherung 18,1
Geschäfts- oder Firmenwerte 308,3

Der Kaufpreis für Albumedix in Höhe von umgerechnet 460,3 Mio. € wurde in Barmitteln entrichtet. Der Konzern sicherte das Wechselkursrisiko in Verbindung mit dem in britischen Pfund denominierten Kaufpreis fast vollständig mit einem Termingeschäft auf den Erwerbsstichtag ab und designierte die Kassakomponente des Termingeschäfts und die Kaufpreiszahlung bis zu einem Wert von 400 Mio. GBP als Sicherungsbeziehung gemäß IFRS 9. Dementsprechend wurde die im sonstigen Ergebnis erfasste Wertänderung der Kassakomponente in Höhe von etwa -18,1 Mio. € im Rahmen des Unternehmenszusammenschlusses im Erwerbszeitpunkt aus dem Eigenkapital in die übertragene Gegenleistung umgegliedert. Die Wertänderung der Forward-Komponente wurde hingegen ergebniswirksam im Finanzergebnis erfasst (+1,1 Mio. €).Die dem Erwerb direkt zurechenbaren Aufwendungen in Höhe von 3,7 Mio. € wurden in den sonstigen betrieblichen Aufwendungen erfasst. Die separat angesetzten immateriellen Vermögenswerte beziehen sich auf Technologien (148,7 Mio. €) mit Nutzungsdauern von bis zu 16 Jahren sowie Kundenbeziehungen (36,5 Mio. €) und Marken (5,1 Mio. €) mit begrenzter Nutzungsdauer. Der Geschäfts- oder Firmenwert entfällt auf Synergien, etwa aus der Integration des erworbenen Unternehmens in das globale Vertriebsnetzwerk des Konzerns und der Kombination des erworbenen Geschäfts mit den bestehenden Aktivitäten des Konzerns im Bereich Advanced Therapies (insbesondere mit dem Zellkulturmediengeschäft), sowie die Erweiterung des Produktportfolios der Sparte Bioprocess Solutions und weitere nicht separierbare immaterielle Werte, wie z. B. das Know-how des Mitarbeiterstamms. Eine steuerliche Abziehbarkeit des Geschäfts- oder Firmenwerts ist nicht gegeben.

Beitrag der Akquisitionen zu Umsatz und Ergebnis in 2022

Seit der erstmaligen Einbeziehung haben die in 2022 erworbenen Unternehmen einen Umsatz von rund 6,2 Mio. € (ALS), 30,3 Mio. € (Chromatographie-Geschäft von Novasep) und 10,3 Mio. € (Albumedix) zum Konzernumsatz beigetragen. Die Auswirkungen auf das Konzernergebnis wären ohne einmalige Effekte aus der Kaufpreisallokation unwesentlich. Wären sämtliche Akquisitionen des Berichtsjahres zum 1. Januar 2022 erfolgt, hätten die Umsatzerlöse des Konzerns 2022 etwa 4.199,4 Mio. € betragen. Die Auswirkungen auf das Nettoergebnis des Konzerns wären unwesentlich.

Erläuterungen zur Gewinn- und Verlustrechnung

9. Umsatzerlöse

Die Umsatzrealisierung folgt IFRS 15, Umsatzerlöse aus Verträgen mit Kunden.# Die Umsatzerlöse sind nach den beiden Kategorien „Art der Produkte“ sowie „geographische Regionen“ aufgegliedert und in nachfolgender Tabelle dargestellt. Die Kategorisierung nach „Art der Produkte“ entspricht den berichtspflichtigen Segmenten, da die Abgrenzung der berichteten Segmente auf den unterschiedlichen vertriebenen Produkten basiert. Die regionale Zuordnung der Umsatzerlöse erfolgt nach dem Sitz des Kunden.

2022 2021
in Mio. € Konzern Bioprocess Solutions Lab Products & Services Konzern Bioprocess Solutions Lab Products & Services
Umsatz 4.174,7 3.326,5 848,2 3.449,2 2.727,0 722,2
EMEA 1.550,6 1.260,5 290,1 1.411,0 1.130,5 280,5
Amerika 1.543,8 1.240,8 303,0 1.141,2 913,1 228,2
Asien | Pazifik 1.080,3 825,2 255,1 897,0 683,5 213,5

Der Konzern produziert und verkauft Instrumente und Verbrauchsmaterialien sowie hiermit in Verbindung stehende Dienstleistungen in den beiden Segmenten BPS und LPS. Der Konzern erfüllt seine Leistungsverpflichtungen hierbei in Abhängigkeit von den zu übertragenden Gütern und den geschuldeten Dienstleistungen. Der weit überwiegende Teil der Umsätze aus Produktverkäufen wird zeitpunktbezogen dann realisiert, wenn die Verfügungsgewalt über die Güter auf den Kunden übertragen wird. Dies ist typischerweise der Fall, wenn die wesentlichen Chancen und Risiken auf den Kunden übergehen, sodass der Zeitpunkt je nach Vereinbarung mit dem Kunden variieren kann. Bei komplexeren Produkten, die vor Ort beim Kunden zu installieren sind, erfolgt die Umsatzrealisierung nach formaler Bestätigung des Kunden. In geringem Umfang erfolgt im kundenspezifischen Projektgeschäft eine zeitraumbezogene Umsatzrealisierung im Verhältnis zum Leistungsfortschritt, wobei dieser im Verhältnis der tatsächlich angefallenen zu den geplanten Gesamtkosten gemessen wird. Der tatsächliche Kostenanfall spiegelt den Leistungsfortschritt und die Übertragung auf den Kunden angemessen wider, da Zahlungsansprüche bei Projektabbruch mindestens in Höhe der angefallenen Kosten zuzüglich einer entsprechenden Marge bestehen. Umsatzerlöse für Dienstleistungen werden regelmäßig dann realisiert, wenn die Leistungen erbracht werden bzw. nachdem die Leistungen erbracht worden sind. Bei kontinuierlicher Leistungserbringung über einen Zeitraum erfolgt die Realisierung zeitraumbezogen. Umsatzerlöse werden dann im Verhältnis zur Gesamtlaufzeit des jeweiligen Dienstleistungsvertrags zeitanteilig realisiert. Die Produktverkäufe erfolgen typischerweise unter Gewährung der gesetzlich vorgesehenen Gewährleistungen. Etwaige erweiterte Garantien werden als separate Leistungsverpflichtung behandelt. Die Zahlungsbedingungen sehen regelmäßig kurzfristige Zahlungsziele für den Kunden vor, welche typischerweise 30 bis 60 Tage nicht überschreiten. Der Konzern vereinnahmt zum Teil Voraus- und Anzahlungen, beispielsweise um Ausfallrisiken vorzubeugen, sodass regelmäßig Vertragsverbindlichkeiten (erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen) bestehen. Zudem resultieren Vertragsverbindlichkeiten (Rechnungsabgrenzungsposten) aus Dienstleistungsverträgen, wenn die Zahlung des Kunden im Voraus erfolgt. Die Verträge enthalten üblicherweise keine signifikanten Finanzierungskomponenten. Der Konzern nimmt in diesem Zusammenhang die Erleichterungsmöglichkeit des IFRS 15 in Zusammenhang mit sog. Finanzierungskomponenten in Anspruch, d. h. Finanzierungskomponenten werden lediglich dann berücksichtigt, wenn die Zeitspanne zwischen Übertragung der Güter bzw. Dienstleistungen auf den Kunden und dem Erhalt der Gegenleistung erwartungsgemäß mehr als ein Jahr beträgt und der Effekt wesentlich ist. Die Gesamthöhe des Transaktionspreises, der auf die zum Ende der Berichtsperiode nicht oder teilweise nicht erfüllten Leistungsverpflichtungen entfällt (Auftragsbestand), beträgt etwa 1.998,3 Mio. Euro (2021: 2.057,7 Mio. Euro). Der Konzern geht davon aus, dass diese Leistungsverpflichtungen ganz überwiegend im Geschäftsjahr 2023 erfüllt werden. Während der Berichtsperiode ergaben sich keine außergewöhnlichen Veränderungen in der Höhe der Buchwerte der Vertragsverbindlichkeiten bzw. Vertragsvermögenswerte. In der Berichtsperiode wurden Umsatzerlöse in Höhe von 249,1 Mio. € realisiert, die in den Vertragsverbindlichkeiten zum Beginn der Periode enthalten waren (2021: 134,0 Mio. €). Die Buchwerte der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie Vertragsvermögenswerte sind in Abschnitt 29 dargestellt. Für Informationen zu den in der Berichtsperiode erfassten Wertminderungsaufwendungen für Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und Vertragsvermögenswerte wird auf Abschnitt 40 verwiesen.

Nachfolgende Tabelle stellt die Buchwerte der Vertragsverbindlichkeiten dar.

Bilanzposition Buchwert zum 31. Dezember 2022 Buchwert zum 31. Dezember 2021
in Mio. €
Rechnungsabgrenzungsposten 76,5 73,9
Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen 247,1 232,0
Summe Vertragsverbindlichkeiten 323,5 306,0

10. Funktionskosten

Die Gewinn- und Verlustrechnung ist nach dem Umsatzkostenverfahren aufgestellt. Die Aufwendungen sind den Funktionsbereichen Produktion, Vertrieb, Forschung und Entwicklung sowie allgemeine Verwaltung zugeordnet. Aufwendungen im Zusammenhang mit funktionsübergreifenden Initiativen oder Projekten werden auf Basis eines geeigneten Zuordnungsprinzips auf die betreffenden Funktionskosten aufgeteilt. In der Position „Kosten der umgesetzten Leistungen“ werden die Kosten der umgesetzten Erzeugnisse und die Einstandskosten der veräußerten Handelswaren ausgewiesen. Die Kosten der umgesetzten Leistungen enthalten neben den direkt zurechenbaren Aufwendungen wie die Material-, Personal- und Energiekosten auch die dem Fertigungsbereich zuzurechnenden Gemeinkosten und die entsprechenden Abschreibungen. Die Kosten des Vertriebs betreffen insbesondere die Kosten der Vertriebsorganisation, der Distribution und des Marketings. Die Forschungs- und Entwicklungskosten enthalten die Kosten der Forschung und der Produkt- und Verfahrensentwicklung, soweit diese nicht aktiviert werden. Der Posten Verwaltungskosten umfasst hauptsächlich die Personal- und Sachkosten des allgemeinen Verwaltungsbereichs. Alle Posten in der Gewinn- und Verlustrechnung, die einem der erwähnten Funktionsbereiche nicht zuzuordnen sind, werden als sonstige betriebliche Erträge und Aufwendungen erfasst. Diese enthalten im Wesentlichen Effekte aus der Währungsumrechnung, Verkäufe von Anlagevermögen, Wertberichtigungen auf Forderungen und Sondererträge und -aufwendungen. Erträge aus aufwandsbezogenen Zuschüssen werden als sonstige betriebliche Erträge erfasst, wenn eine angemessene Sicherheit dafür besteht, dass die damit verbundenen Bedingungen erfüllt und die Zuwendungen gewährt werden.

Die in den Funktionen insgesamt enthaltenen Material- und Personalaufwendungen stellen sich wie folgt dar:

Materialaufwand

2022 2021
in Mio. €
Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie für bezogene Waren (einschl. Bestandsveränderungen) 774,7 620,3
Aufwendungen für bezogene Leistungen 294,9 236,9
Summe 1.069,7 857,2

Personalaufwand

2022 2021
in Mio. €
Löhne und Gehälter 912,3 789,5
Soziale Abgaben 198,2 158,3
Aufwendungen für Altersversorgung 23,4 17,7
Summe 1.133,9 965,5

11. Sonstige betriebliche Erträge und Aufwendungen

2022 2021
in Mio. €
Erträge aus der Währungsumrechnung 74,4 45,9
Erträge aus der Herabsetzung von Wertberichtigungen zu Forderungen 6,2 5,3
Erträge aus Zuschüssen 3,9 1,7
Sonstige Erträge 9,8 6,4
Sonstige betriebliche Erträge 94,3 59,3
Sonderaufwendungen – 60,4 – 40,7
Aufwand aus der Währungsumrechnung – 125,4 – 35,3
Wertberichtigungen zu Forderungen – 7,6 – 4,7
Sonstige Aufwendungen – 25,8 – 28,6
Sonstige betriebliche Aufwendungen – 219,1 – 109,4
Sonstige betriebliche Erträge und Aufwendungen – 124,8 – 50,2

Bei den Erträgen aus Zuschüssen handelt es sich um Aufwandszuschüsse (im Wesentlichen bezogen auf Forschungs- und Entwicklungsprojekte), die als Ertrag erfasst werden, sobald eine hinreichende Sicherheit dafür besteht, dass die Voraussetzungen erfüllt werden. Zur Zusammensetzung der Sonderaufwendungen wird auf Abschnitt 5 verwiesen. In den Erträgen aus der Währungsumrechnung sind im Geschäftsjahr 2022 50,3 Mio. € (2021: – 6,5 Mio. €) aus der Umgliederung der im Zusammenhang mit Sicherungsbeziehungen zunächst kumuliert im Eigenkapital erfassten Beträge enthalten (vgl. Abschnitt 37).

12. Finanzergebnis

2022 2021
in Mio. €
Zinsen und ähnliche Erträge 1,0 0,4
Erträge aus derivativen Finanzinstrumenten 5,3 6,1
Erträge aus der Bewertung von bedingten Kaufpreiszahlungen und ähnlichen Vereinbarungen 148,9 0,0
Sonstige finanzielle Erträge 42,9 22,8
Finanzielle Erträge 198,2 29,3
Zinsen und ähnliche Aufwendungen – 34,5 – 26,6
Aufwendungen für derivative Finanzinstrumenten – 12,5 – 5,9
Zinsaufwand für Pensionen und weitere Versorgungsleistungen – 0,7 – 0,4
Aufwendungen für bedingte Kaufpreiszahlungen und ähnliche Vereinbarungen – 0,3 – 212,3
Sonstige finanzielle Aufwendungen – 33,4 – 19,0
Finanzielle Aufwendungen – 81,3 – 264,0
Finanzergebnis 116,9 – 234,7

Die sonstigen finanziellen Aufwendungen und Erträge umfassen Effekte aus der Aufzinsung und Bewertung von Darlehen und anderen finanziellen Verbindlichkeiten, die in Fremdwährung aufgenommen wurden. Die Erträge aus bedingten Kaufpreiszahlungen resultieren in Höhe von 148,0 Mio. € aus der Neubewertung der bedingten Gegenleistung im Zusammenhang mit dem Erwerb von BIA Separations (Vorjahr: -207,7 Mio. €). Zu dieser Verbindlichkeit wird auf Abschnitt 35 verwiesen.

13. Ertragsteuern

2022 2021
in Mio. €
Laufende Ertragsteuern – 278,1 – 260,9
Latente Steuern 9,5 19,4
- davon aus Verlustvorträgen – 7,2 – 1,7
- davon aus temporären Differenzen 16,7 21,1
Summe – 268,6 – 241,4

Die laufenden Ertragsteuern werden basierend auf den jeweiligen nationalen steuerlichen Ergebnissen des Jahres sowie den nationalen Steuervorschriften berechnet.# Anhang (Fortsetzung)

Wesentliche Rechnungslegungsmethoden (Fortsetzung)

Steueraufwand

Zudem können die laufenden Steuern des Jahres auch Anpassungsbeträge für eventuell anfallende Steuerzahlungen bzw. -erstattungen für noch nicht veranlagte Jahre enthalten. Nachfolgend wird die Abweichung zwischen dem erwarteten Steueraufwand und dem für das jeweilige Geschäftsjahr ausgewiesenen Ertragsteueraufwand erläutert. Der erwartete Steueraufwand ermittelt sich dabei unter Anwendung eines gewichteten Durchschnittssteuersatzes auf das Vorsteuerergebnis des Konzerns.

in Mio. € 2022 2021
Erwartete Steuerquote 25,7 % 22,7 %
Erwarteter Steueraufwand – 304,1 – 152,0
Effekte aus konzerninternen Dividenden und andere nicht abziehbare Aufwendungen – 11,4 – 75,1
Steuerfreie Erträge und Steuergutschriften 58,6 5,7
Nicht aktivierte Verlustvorträge und temporäre Differenzen – 7,0 – 3,2
Steuern aus Vorjahren
davon laufende Steuern – 7,8 – 14,1
davon latente Steuern 6,2 1,9
Quellensteuern und andere Ertragsteuern mit abweichender Bemessungsgrundlage – 2,6 – 3,9
Sonstige – 0,6 – 0,8
Ertragsteuern – 268,6 – 241,4
Effektiver Steuersatz 22,7 % 36,1 %

Der Rückgang des effektiven Steuersatzes ist insbesondere auf den Effekt aus der Neubewertung der bedingten Gegenleistung im Zusammenhang mit dem Erwerb von BIA Separations zurückzuführen (vgl. dazu Abschnitte 12 und 35). Der entsprechende Ertrag ist steuerlich nicht relevant und führt daher zu einer Minderung der Steuerquote in Bezug auf das im Konzernabschluss ausgewiesene Ergebnis vor Steuern.

14. Ergebnis je Aktie

Nach IAS 33 (Earnings per Share) ist das Ergebnis je Aktie für jede Aktiengattung gesondert zu ermitteln. Das unverwässerte Ergebnis je Aktie (basic EPS) wird auf Basis der während der Periode im Umlauf befindlichen Aktien berechnet. Eigene Aktien sind bei der Berechnung der durchschnittlichen Anzahl ausstehender Aktien nicht zu berücksichtigen.

Stammaktien

in Mio. € 2022 2021
Basis für das unverwässerte Ergebnis je Stammaktie (Jahresergebnis nach Anteilen anderer Gesellschafter) 339,0 159,4
Gewichteter Durchschnitt der Anzahl der ausstehenden Aktien 34.226.009 34.226.009
Unverwässertes Ergebnis pro Stammaktie in € 9,91 4,66
Gewichteter Durchschnitt der Anzahl der ausstehenden Aktien für das verwässerte Ergebnis je Aktie 34.226.009 34.226.009
Verwässertes Ergebnis pro Stammaktie in € 9,91 4,66

Vorzugsaktien

in Mio. € 2022 2021
Basis für das unverwässerte Ergebnis je Vorzugsaktie (Jahresergebnis nach Anteilen anderer Gesellschafter) 339,0 159,5
Gewichteter Durchschnitt der Anzahl der ausstehenden Aktien 34.189.853 34.189.853
Unverwässertes Ergebnis pro Vorzugsaktie in € 9,92 4,67
Gewichteter Durchschnitt der Anzahl der ausstehenden Aktien für das verwässerte Ergebnis je Aktie 34.189.853 34.189.853
Verwässertes Ergebnis pro Vorzugsaktie in € 9,92 4,67

Erläuterungen zur Bilanz

15. Geschäfts- oder Firmenwerte und sonstige immaterielle Vermögenswerte

Geschäfts- oder Firmenwerte

in Mio. € 01.01.2021 01.01.2022 31.12.2021 31.12.2022
Bruttobuchwerte 1.231,4 1.362,0 1.362,0 1.718,9
Währungsumrechnung 45,4 20,7
Zugänge aus Akquisitionen 85,3 336,2
Bruttobuchwerte 1.362,0 1.718,9 1.362,0 1.718,9
Wertminderungen 0,0 0,0 0,0 0,0
Währungsumrechnung 0,0 0,0
Wertminderungen 2021 0,0
Wertminderungen 2022 0,0
Wertminderungen 0,0 0,0 0,0 0,0
Nettobuchwerte 1.362,0 1.718,9 1.362,0 1.718,9

Der Zugang der Geschäfts- oder Firmenwerte im Geschäftsjahr 2022 entfällt auf die Erwerbe der ALS Automated Lab Solutions GmbH, des Chromatographie-Geschäfts von Novasep sowie der Albumedix Ltd. (vgl. Abschnitt 8). Der Zugang im Vorjahr entfällt auf die Erwerbe der CellGenix GmbH und der Xell AG. Aufgrund der Integration der Geschäfte in den Sparten Bioprocess Solutions sowie Lab Products & Services und unserer entsprechenden Positionierung als „Total Solution Provider" werden die Geschäfts- oder Firmenwerte auf Ebene dieser Zahlungsmittel generierenden Einheiten überwacht und gemäß IAS 36 jährlich auf Wertminderungsbedarf getestet (Impairment Test).

Der Geschäfts- oder Firmenwert verteilt sich wie folgt auf die Segmente:

in Mio. € 31.12.2022 31.12.2021
Bioprocess Solutions 1.339,2 1.010,9
Lab Products & Services 379,7 351,1
1.718,9 1.362,0

Für das Geschäftsjahr 2022 wurden die Impairment Tests wie in den Vorjahren auf den 30. November durchgeführt. Dabei wird der erzielbare Betrag auf Basis des Nutzungswerts der jeweiligen Zahlungsmittel generierenden Einheit ermittelt. Die Cashflow-Projektionen berücksichtigen vergangene Erfahrungen und beruhen auf den aktuellen Planungen der Konzernleitung für einen Zeitraum von vier Jahren. Für die Jahre nach 2026 wurde für die Sparte Bioprocess Solutions eine Wachstumsrate von durchschnittlich 2,5 % zu Grunde gelegt. Diese Wachstumsrate leitet sich aus Markterwartungen ab, die für den von der Sparte adressierten Biopharma-Markt mittelfristig hohe einstellige bis zweistellige Wachstumsraten prognostizieren. Wachstumstreiber werden dabei u. a. die zunehmend alternde Bevölkerung, der Bevölkerungsanstieg und der verbesserte Zugang zu Arzneien in Schwellenländern sowie der andauernde Paradigmenwechsel in Hinblick auf die Verwendung von Einwegprodukten in den Herstellungsprozessen von Biopharmazeutika sein. In der Sparte Lab Products & Services wurde eine Wachstumsrate von 1,5 % für Geschäftsjahre nach 2026 verwendet. Die Diskontierungssätze der Zahlungsmittel generierenden Einheiten entsprechen deren gewichteten Kapitalkostensätzen (WACC) und wurden wie folgt ermittelt:

2022 2021
vor Steuern nach Steuern vor Steuern nach Steuern
Bioprocess Solutions 10,6 % 8,4 % 7,8 % 6,3 %
Lab Products & Services 10,9 % 8,3 % 8,4 % 6,4 %

Im Geschäftsjahr 2022 haben die Werthaltigkeitstests nicht zur Erfassung von Wertminderungsaufwendungen geführt. Auch realistische Veränderungen der Grundannahmen, auf denen die Bestimmung des Nutzungswerts basiert, würden nicht dazu führen, dass der Buchwert der Zahlungsmittel generierenden Einheiten deren Nutzungswert übersteigt.

Sonstige immaterielle Vermögenswerte

in Mio. € Patente, Lizenzen, Technologien und ähnliche Rechte Markennamen Kunden- beziehungen Aktivierte Entwicklungs- kosten Geleistete Anzahlungen Summe
Bruttobuchwerte
01.01.2021 807,1 50,1 334,2 234,1 0,2 1.425,7
Währungsumrechnung 33,2 2,8 14,7 3,5 0,0 54,2
Zugänge aus Akquisitionen 89,6 5,2 35,2 0,0 0,0 130,1
Investitionen 8,1 0,0 0,0 50,9 0,2 59,2
Abgänge – 0,1 0,0 0,0 0,0 0,0 – 0,1
Umbuchungen 0,1 – 0,4 0,4 0,0 0,0 0,1
Bruttobuchwerte 31.12.2021 938,0 57,7 384,6 288,4 0,4 1.669,1
Abschreibungen und Wertminderungen
01.01.2021 – 170,8 – 10,5 – 152,4 – 100,2 0,0 – 433,9
Währungsumrechnung – 7,0 – 0,6 – 5,0 – 1,0 0,0 – 13,7
Abschreibungen und Wertminderungen 2021 – 66,6 – 3,3 – 30,8 – 25,2 0,0 – 126,0
Abgänge 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0
Umbuchungen 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0
Abschreibungen und Wertminderungen 31.12.2021 – 244,4 – 14,4 – 188,3 – 126,4 0,0 – 573,5
Nettobuchwerte 31.12.2021 693,6 43,3 196,3 162,0 0,4 1.095,6
in Mio. € Patente, Lizenzen, Technologien und ähnliche Rechte Markennamen Kunden- beziehungen Aktivierte Entwicklungs- kosten Geleistete Anzahlungen Summe
Bruttobuchwerte
01.01.2022 938,0 57,7 384,6 288,4 0,4 1.669,1
Währungsumrechnung 17,1 1,7 1,8 – 0,8 0,0 19,9
Zugänge aus Akquisitionen 181,5 5,8 46,6 2,7 0,0 236,5
Investitionen 3,1 0,0 0,3 81,7 0,3 85,4
Abgänge – 12,8 – 0,6 – 6,5 – 2,3 – 0,1 – 22,3
Umbuchungen 0,2 0,0 0,0 0,0 – 0,2 0,0
Bruttobuchwerte 31.12.2022 1.127,1 64,7 426,7 369,6 0,5 1.988,7
Abschreibungen und Wertminderungen
01.01.2022 – 244,4 – 14,4 – 188,3 – 126,4 0,0 – 573,5
Währungsumrechnung – 3,8 – 0,4 0,0 0,3 0,0 – 3,9
Abschreibungen und Wertminderungen 2022 – 81,8 – 3,2 – 31,8 – 33,8 0,0 – 150,6
Abgänge 12,8 0,6 6,5 2,5 0,0 22,4
Umbuchungen 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0
Abschreibungen und Wertminderungen 31.12.2022 – 317,2 – 17,5 – 213,5 – 157,4 0,0 – 705,6
Nettobuchwerte 31.12.2022 809,9 47,2 213,2 212,2 0,5 1.283,1

Erworbene immaterielle Vermögenswerte werden zu Anschaffungskosten, vermindert um planmäßige lineare Abschreibungen, bewertet. Die Nutzungsdauer eines immateriellen Vermögenswerts ist der Zeitraum, über den der Vermögenswert erwartungsgemäß einen direkten oder indirekten Beitrag zu den zukünftigen Cashflows des betreffenden Unternehmens leistet. Kosten, die im Rahmen der Entwicklung neuer Produkte und Verfahren anfallen, werden nur bei Erfüllung der Kriterien gemäß IAS 38.57 als selbst geschaffene immaterielle Vermögenswerte aktiviert. Die Aktivierung selbst geschaffener immaterieller Vermögenswerte beinhaltet in einem gewissen Maß Schätzungen und Annahmen, wie z. B. die Bewertung der technischen Realisierbarkeit eines Entwicklungsprojekts und der zu erwartenden Marktaussichten sowie die Bestimmung der Nutzungsdauer. Die aktivierten Entwicklungskosten umfassen im Wesentlichen die den Projekten zuzuordnenden Kosten des an der Entwicklung beteiligten Personals, Materialkosten, Fremdleistungen sowie unmittelbar zuzuordnende Gemeinkosten. Selbst geschaffene immaterielle Vermögenswerte werden linear über ihre wirtschaftliche Nutzungsdauer abgeschrieben. Darf ein selbst geschaffener immaterieller Vermögenswert nicht aktiviert werden, werden die Entwicklungskosten sofort in der Periode als Aufwand erfasst, in der sie angefallen sind. Kosten für Forschungsaktivitäten werden in der Periode ihres Anfalls ebenfalls sofort als Aufwand erfasst. Für die Abschreibungen der immateriellen Vermögenswerte werden folgende Nutzungsdauern zu Grunde gelegt:

  • Software: 2 bis 10 Jahre
  • Technologien: 3 bis 20 Jahre
  • Aktivierte Entwicklungskosten: 4 bis 6 Jahre
  • Kundenbeziehungen: 1 bis 20 Jahre
  • Markenname: 2 Jahre bis unbegrenzt

Der im Rahmen der Stedim-Transaktion erworbene Markenname (Buchwert: 10,8 Mio. €) hat eine unbegrenzte Nutzungsdauer, da keine Begrenzung der Periode abzusehen ist, in der der Vermögenswert voraussichtlich Netto-Cashflows für das Unternehmen erzeugen wird.Durch die Integration des Markennamens „Stedim" in den Gesellschafts- und Teilkonzernnamen „Sartorius Stedim Biotech" ist eine separate Messung der entsprechenden Zahlungsmittelzuflüsse jedoch nicht möglich. Die Werthaltigkeit der Marke wurde auf Ebene der nächsthöheren Zahlungsmittel generierenden Einheit, also der Bioprocess Solutions-Sparte, überprüft. Bei den übrigen im Rahmen von Akquisitionen erworbenen Marken wird von begrenzten Nutzungsdauern von bis zu 20 Jahren ausgegangen. Die Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte werden den entsprechenden Funktionen in der Gewinn- und Verlustrechnung zugeordnet. Abschreibungen auf aktivierte Entwicklungskosten werden in den Kosten der umgesetzten Leistungen gezeigt. Im Geschäftsjahr 2022 wurden Wertminderungsaufwendungen auf aktivierte Entwicklungskosten in Höhe von 9,9 Mio. € (davon LPS: 6,0 Mio. €, BPS: 3,9 Mio. €) erfasst (Vorjahr: 0,9 Mio. €).

16. Sachanlagen

in Mio. €

Grundstücke und Gebäude Technische Anlagen und Maschinen Betriebs- und Geschäftsausstattung und andere Anlagen Geleistete Anzahlungen und Anlagen im Bau Summe
Bruttobuchwerte 01.01.2021 596,0 297,9 211,5 167,8 1.273,1
Währungsumrechnung 12,7 8,4 2,7 5,1 29,0
Zugänge aus Akquisitionen 13,0 5,6 1,0 0,1 19,7
Investitionen 45,5 44,2 35,0 222,4 347,1
Abgänge – 0,4 – 5,3 – 5,3 – 11,1
Umbuchungen 55,2 17,1 3,2 – 75,6 – 0,1
Bruttobuchwerte 31.12.2021 722,0 367,9 248,1 319,8 1.657,7
Abschreibungen 01.01.2021 – 111,0 – 145,9 – 126,4 0,0 – 383,3
Währungsumrechnung – 2,3 – 3,3 – 1,9 0,0 – 7,6
Abschreibungen und Wertminderungen 2021 – 26,4 – 30,1 – 22,9 0,0 – 79,5
Abgänge 0,6 4,1 5,0 0,0 9,7
Umbuchungen 0,1 0,1 – 0,1 0,0 0,0
Abschreibungen 31.12.2021 – 139,1 – 175,1 – 146,4 0,0 – 460,6
Nettobuchwerte 31.12.2021 582,9 192,8 101,7 319,8 1.196,9
Nettobuchwerte Nutzungsrechte per 31.12.2021 95,3 1,9 11,5 0,0 108,7
Gesamtbuchwert Sachanlagen per 31.12.2021 678,2 194,7 113,2 319,8 1.305,8

in Mio. €

Grundstücke und Gebäude Technische Anlagen und Maschinen Betriebs- und Geschäftsausstattung und andere Anlagen Geleistete Anzahlungen und Anlagen im Bau Summe
Bruttobuchwerte 01.01.2022 722,0 367,9 248,1 319,8 1.657,7
Währungsumrechnung 2,4 1,0 – 0,7 3,0 5,7
Zugänge aus Akquisitionen 10,7 17,4 1,0 3,7 32,8
Investitionen 45,5 45,6 47,7 312,1 450,9
Abgänge – 1,6 – 10,1 – 33,1 – 0,1 – 44,9
Umbuchungen 56,9 46,2 14,4 – 115,5 2,0
Bruttobuchwerte 31.12.2022 835,9 468,0 277,5 522,9 2.104,2
Abschreibungen 01.01.2022 – 139,1 – 175,1 – 146,4 0,0 – 460,6
Währungsumrechnung 0,2 – 0,1 0,5 0,0 0,6
Abschreibungen und Wertminderungen 2022 – 33,7 – 41,5 – 29,5 0,0 – 104,8
Abgänge 1,1 9,2 31,8 0,0 42,1
Umbuchungen – 1,7 0,9 – 0,8 0,0 – 1,7
Abschreibungen 31.12.2022 – 173,3 – 206,6 – 144,4 0,0 – 524,4
Nettobuchwerte 31.12.2022 662,5 261,4 133,0 522,9 1.579,9
Nettobuchwerte Nutzungsrechte per 31.12.2022 121,9 1,9 11,2 0,0 134,9
Gesamtbuchwert Sachanlagen per 31.12.2022 784,4 263,3 144,2 522,9 1.714,8

Die Position Sachanlagevermögen wird zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten und, soweit abnutzbar, unter Berücksichtigung planmäßiger Abschreibungen bewertet. Bei Vorliegen von Anzeichen auf eine Wertminderung wird ein Wertminderungstest durchgeführt. Die Abschreibungen werden im Konzernabschluss nach der linearen Methode vorgenommen. Für die Abschreibungen im Sachanlagevermögen wird jeweils die wirtschaftliche Nutzungsdauer zu Grunde gelegt. Die üblichen Annahmen sind nachfolgend dargestellt:

  • Gebäude: 15 bis 50 Jahre
  • Maschinen: 5 bis 15 Jahre
  • Betriebs- und Geschäftsausstattung: 3 bis 13 Jahre

Die Abschreibungen sind in der Gewinn- und Verlustrechnung entsprechend der Nutzung der Vermögenswerte in den Kosten der umgesetzten Leistungen, den Vertriebskosten, den Forschungs- und Entwicklungskosten, den Verwaltungskosten sowie den sonstigen betrieblichen Aufwendungen enthalten. Fremdkapitalkosten werden im Zeitpunkt ihres Anfalls aufwandswirksam erfasst, sofern sie nicht direkt dem Erwerb, dem Bau oder der Herstellung eines qualifizierten Vermögenswerts zugeordnet werden können und deshalb zu den Anschaffungs- oder Herstellungskosten dieses Vermögenswerts gehören. Zuwendungen für Vermögenswerte werden grundsätzlich von den Anschaffungskosten des Vermögenswertes aktivisch abgesetzt.

17. Leasingverhältnisse

Die Leasingbilanzierung erfolgt gemäß IFRS 16, Leasingverhältnisse. Für die Finanzierung des Sartorius Konzerns ist Leasing nicht von besonderer Bedeutung. So wurden im Geschäftsjahr 2022 und in der Vergangenheit große eigene Investitionen in die Standorte des Konzerns vorgenommen. Im Vordergrund stehen bei Leasingverhältnissen daher regelmäßig praktische Überlegungen, beispielsweise mit Blick auf das Management von IT Hardware oder des Fuhrparks. Entsprechend stellen Leasingverträge über IT-Ausstattung sowie Fahrzeuge die Vielzahl der im Konzern vorliegenden Leasingverhältnisse dar. Die Laufzeiten dieser Leasingverträge sind regelmäßig fixiert und liegen typischerweise bei drei bis fünf Jahren. Überdies bestehen an einigen Standorten Mietverträge über Gebäude, welche vom lokalen Management verhandelt und dezentral verwaltet werden. Diese Verträge können z. T. Verlängerungsoptionen enthalten, welche ab dem Zeitpunkt bei der Bestimmung der Leasingdauer berücksichtigt werden, ab dem der Konzern hinreichend sicher von deren Ausübung ausgeht. Der Konzern betätigt sich nicht in wesentlichem Umfang als Leasinggeber.

Gemäß IFRS 16 erfasst ein Leasingnehmer grundsätzlich ein Nutzungsrecht (right-of-use asset) sowie eine Schuld aus dem Leasingverhältnis, die seine Verpflichtung zu Leasingzahlungen darstellt. Der Konzern wendet die Erleichterungsmöglichkeiten für kurzfristige Leasingverhältnisse sowie Leasingverhältnisse über geringwertige Vermögenswerte an und erfasst die Leasingzahlungen für diese Verträge aufwandswirksam grundsätzlich linear über den Vertragszeitraum. Für diese Leasingverhältnisse werden somit keine Leasingverbindlichkeiten und Nutzungsrechte bilanziert. Für etwaige konzerninterne Leasingverhältnisse wird auf die Erfassung von Nutzungsrechten und Leasingverbindlichkeiten unter Berücksichtigung von IFRS 16 verzichtet. Überdies wendet der Konzern den Standard nicht auf Leasingverhältnisse über immaterielle Vermögenswerte an.

Der Konzern weist die Nutzungsrechte entsprechend den zugrunde liegenden Vermögenswerten in der Bilanz unter den Sachanlagen aus. Die Nutzungsrechte werden zu Anschaffungskosten abzüglich kumulierter planmäßiger Abschreibungen sowie etwaiger Wertminderungen angesetzt. Die Anschaffungskosten entsprechen dem Barwert der künftigen Leasingzahlungen zuzüglich etwaiger Zahlungen, die bereits bei oder vor Beginn des Leasingverhältnisses gezahlt wurden, sowie etwaiger anfänglicher direkter Kosten (Abschlusskosten) und Kosten für die Wiederherstellung oder Demontage des Leasingobjekts. Die Abschreibung erfolgt grundsätzlich über den Leasingzeitraum. Wenn der Übergang des Eigentums am Ende des Leasingzeitraums vorgesehen ist, wird auf die wirtschaftliche Nutzungsdauer des Leasingobjekts abgestellt. Die Abschreibungen werden in der Gewinn- und Verlustrechnung den Funktionskosten zugeordnet. Der Bilanzausweis der Leasingverbindlichkeiten erfolgt separat. Leasingverbindlichkeiten werden erstmalig zum Barwert der künftigen Leasingzahlungen angesetzt. Die Leasingzahlungen umfassen grundsätzlich nicht den auf Nichtleasingkomponenten entfallenden Anteil des vertraglich vereinbarten Entgelts. Die Diskontierung erfolgt in der Regel mit dem jeweils anwendbaren Grenzfremdkapitalzinssatz des Konzerns. In der Folge wird der Buchwert der Verbindlichkeiten aufgezinst und erfolgsneutral um die geleisteten Leasingzahlungen gemindert. Die Aufzinsung wird aufwandswirksam im Finanzergebnis ausgewiesen. Soweit zahlungswirksam erfolgt der Ausweis in der Kapitalflussrechnung gemeinsam mit den „Auszahlungen für Zinsen“ im Cashflow aus Finanzierungstätigkeit. Zum 31. Dezember 2022 betragen die Leasingverbindlichkeiten insgesamt 144 Mio. € (Vorjahr: 115 Mio. €). Die Fälligkeiten der Leasingverbindlichkeiten sind in Abschnitt 39 dargestellt.

Die Zusammensetzung der in den Sachanlagen zum 31. Dezember 2022 sowie im Vorjahr enthaltenen Nutzungsrechte sowie die wesentlichen Veränderungen sind in nachfolgender Tabelle dargestellt.

in Mio. €

Grundstücke und Gebäude Technische Anlagen und Maschinen Betriebs- und Geschäftsausstattung und andere Anlagen Summe
Bruttobuchwerte 01.01.2021 98,9 3,1 21,6 123,7
Währungsumrechnung 5,3 0,0 0,4 5,7
Zugänge aus Akquisitionen 3,3 1,0 0,1 4,4
Zugänge 39,4 0,3 7,3 47,1
Abgänge – 5,0 – 0,1 – 2,5 – 7,7
Umbuchungen 0,0 0,0 – 0,1 – 0,1
Bruttobuchwerte 31.12.2021 141,9 4,4 26,8 173,1
Abschreibungen 01.01.2021 – 30,6 – 1,8 – 9,9 – 42,3
Währungsumrechnung – 1,7 0,0 – 0,2 – 1,9
Abschreibungen und Wertminderungen 2021 – 18,3 – 0,8 – 6,6 – 25,7
Abgänge 4,1 0,0 1,4 5,5
Umbuchungen 0,0 0,0 0,0 0,0
Abschreibungen 31.12.2021 – 46,6 – 2,5 – 15,3 – 64,4
Nettobuchwerte 31.12.2021 95,3 1,9 11,5 108,5

in Mio. €

Grundstücke und Gebäude Technische Anlagen und Maschinen Betriebs- und Geschäftsausstattung und andere Anlagen Summe
Bruttobuchwerte 01.01.2022 141,9 4,4 26,8 173,1
Währungsumrechnung 0,1 0,0 0,0 0,1
Zugänge aus Akquisitionen 3,6 0,0 0,0 3,6
Zugänge 50,4 0,8 7,6 58,8
Abgänge – 4,3 0,0 – 1,6 – 5,9
Umbuchungen – 2,4 0,4 0,0 – 2,0
Bruttobuchwerte 31.12.2022 189,4 5,5 32,8 227,8
Abschreibungen 01.01.2022 – 46,6 – 2,5 – 15,3 – 64,4
Währungsumrechnung 0,1 0,0 0,1 0,1
Abschreibungen und Wertminderungen 2022 – 23,7 – 1,0 – 6,9 – 31,7
Abgänge 1,0 0,0 0,5 1,5
Umbuchungen 1,7 – 0,1 0,0 1,6
Abschreibungen 31.12.2022 – 67,6 – 3,6 – 21,6 – 92,8
Nettobuchwerte 31.12.2022 121,9 1,9 11,2 134,9

Die im Finanzergebnis ausgewiesenen Zinsaufwendungen, die gesamten Auszahlungen für die bestehenden Leasingverhältnisse sowie die für die von den Anwendungserleichterungen betroffenen Leasingverhältnisse in der Berichtsperiode angefallenen Aufwendungen sind in nachfolgender Tabelle dargestellt.Es ergaben sich keine wesentlichen Aufwendungen aufgrund variabler Leasingzahlungen in der Berichtsperiode.
in Mio. € | 2022 | 2021
------- | ---- | ----
Zinsaufwendungen für Leasingverhältnisse | 3,8 | 3,1
Aufwendungen für kurzfristige Leasingverhältnisse | 4,0 | 2,7
Aufwendungen für Leasingverhältnisse über geringwertige Vermögenswerte | 7,8 | 7,1
Tilgung von Leasingverbindlichkeiten | 29,9 | 23,7
Gesamtauszahlungen für Leasingverhältnisse | 45,5 | 36,5

18. Latente Steuern

Aktive latente Steuern Passive latente Steuern davon erfolgswirksame Veränderung
31.12.2022 31.12.2021 31.12.2022
Sonstige immaterielle Vermögenswerte 4,5 2,1 221,8
Sachanlagen 0,0 0,0 24,0
Vorräte 52,6 31,8 0,0
Forderungen und sonstige Vermögenswerte 2,3 5,4 1,7
Rückstellungen 13,6 17,3 0,0
Verbindlichkeiten 23,3 28,5 0,0
Steuerliche Verlustvorträge 5,3 11,8 0,0
Zinsvorträge 0,0 0,0 0,0
Steuer auf Beteiligungen an Tochterunternehmen 0,0 0,0 5,7
Summe 101,5 96,9 253,1
Saldierungen – 18,0 – 21,7 – 18,0
Gesamt 83,6 75,2 235,2

Aktive und passive latente Steuern werden auf Basis von temporären Differenzen zwischen den bilanziellen und steuerlichen Wertansätzen einschließlich temporären Differenzen aus der Konsolidierung bewertet. Ferner werden Verlust- und Zinsvorträge sowie Steuergutschriften berücksichtigt. Die Bewertung erfolgt anhand der Steuersätze, deren Gültigkeit für die Periode zu erwarten ist, in der ein Vermögenswert realisiert oder eine Schuld erfüllt, bzw. Verlust- oder Zinsvorträge genutzt werden. Die Veränderung der aktiven und passiven latenten Steuern spiegelt sich in den Ertragsteuern in der Gewinn- und Verlustrechnung wider. Eine Ausnahme hiervon stellen die im sonstigen Ergebnis erfolgsneutral vorzunehmenden Veränderungen sowie Auswirkungen aus Akquisitionen dar. Grundsätzlich werden die Steuersätze und -vorschriften zugrunde gelegt, die zum Bilanzstichtag gültig oder angekündigt sind. Aktive latente Steuern werden in dem Umfang erfasst, in dem zu versteuerndes Einkommen für die Nutzung der abzugsfähigen temporären Differenzen oder Verlustvorträge zur Verfügung stehen wird. Der Konzern ist in vielen Steuerjurisdiktionen tätig. Daher müssen die im Abschluss dargestellten Steuerpositionen unter Berücksichtigung der jeweiligen Steuergesetze sowie der einschlägigen Verwaltungsauffassungen ermittelt werden. Diese Positionen unterliegen wegen ihrer Komplexität möglicherweise einer abweichenden Interpretation durch Steuerpflichtige einerseits und lokale Finanzbehörden andererseits. Der Betrag unsicherer Steuerpositionen wird auf Basis der bestmöglichen Schätzung der erwarteten Steuerzahlung gebildet. Im Jahr 2021 haben sich mehr als 130 Länder auf die Einführung einer Mindestbesteuerung (sog. Pillar Two) für internationale Konzerne mit einem globalen Umsatz von mehr als 750 Mio. € geeinigt. Ziel der Mindestbesteuerung ist, dass die betroffenen Unternehmen einen effektiven Unternehmenssteuersatz von 15% zahlen. Sobald die Änderungen der Steuergesetze in den Ländern, in denen der Konzern tätig ist, gelten, kann der Konzern der Mindeststeuer unterliegen. Zum Zeitpunkt der Genehmigung des Konzernabschlusses zur Veröffentlichung gilt die Steuergesetzgebung im Zusammenhang mit der Mindeststeuer weder in einem der Länder, in denen der Konzern tätig ist, noch wird sie dort in Kürze gelten. Zum 31. Dezember 2022 verfügte der Konzern nicht über ausreichende Informationen, um die möglichen quantitativen Auswirkungen zu bestimmen. Latente Steueransprüche sind für sämtliche abzugsfähige temporäre Differenzen und noch nicht genutzte steuerliche Verluste in dem Maße zu bilanzieren, wie es wahrscheinlich ist, dass ein zu versteuerndes Ergebnis verfügbar sein wird, gegen das die abzugsfähigen temporären Differenzen und noch nicht genutzten steuerlichen Verluste verwendet werden können. Da künftige Geschäftsentwicklungen unsicher sind und sich teilweise der Steuerung durch die Unternehmensleitung entziehen, sind Annahmen zur Schätzung von künftigem steuerpflichtigem Einkommen sowie über den Zeitpunkt der Realisierung von aktiven latenten Steuern erforderlich. Schätzgrößen werden in der Periode angepasst, wenn ausreichende Hinweise für eine Anpassung vorliegen. Sofern die Unternehmensleitung davon ausgeht, dass aktive latente Steuern teilweise oder vollständig nicht realisiert werden können, erfolgt eine Wertberichtigung in entsprechender Höhe.

Aktive latente Steuern

Für Verlustvorträge in Höhe von 141 Mio. € (Vorjahr: rund 128 Mio. €) wurde aufgrund der mangelnden Vorhersehbarkeit zukünftiger Gewinne kein latenter Steueranspruch berücksichtigt. Von diesen nicht nutzbaren Verlustvorträgen sind 6,0 Mio. € (Vorjahr: 7,1 Mio. €) zeitlich befristet vortragbar, davon verfallen in den nächsten 5 Jahren Verluste in Höhe von 4,1 Mio. € (Vorjahr: 5,2 Mio. €). Des Weiteren verfügt der Konzern über nicht genutzte Zinsvorträge in Höhe von 3,0 Mio. € (Vorjahr: 2,1 Mio. €). Für diese Zinsvorträge wurde wie im Vorjahr kein latenter Steueranspruch berücksichtigt. Zudem wurde für abzugsfähige temporäre Differenzen in Höhe von 20 Mio. € (Vorjahr: 30 Mio. €) kein aktiver latenter Steueranspruch bilanziert. In Höhe von ca. 3 Mio. € (Vorjahr: ca. 1 Mio. €) beziehen sich die aktivierten latenten Steueransprüche auf Unternehmen, die in diesem oder dem vorherigen Geschäftsjahr Verluste erzielt haben. Eine Aktivierung wurde vorgenommen, soweit davon ausgegangen wird, dass in der Zukunft zu versteuernde Ergebnisse verfügbar sein werden, gegen die die aktivierten Verlustvorträge und temporären Differenzen verrechnet werden können.

Passive latente Steuern

Die passiven latenten Steuern im Zusammenhang mit immateriellen Vermögenswerten beziehen sich im Wesentlichen auf im Rahmen von Unternehmenserwerben bezogene Vermögenswerte und entfallen daher primär auf Technologien und Kundenbeziehungen. Für zu versteuernde temporäre Differenzen im Zusammenhang mit Anteilen an Tochterunternehmen in Höhe von 87 Mio. € (Vorjahr: 55 Mio. €) wurden keine passiven latenten Steuern bilanziert, da der Konzern in der Lage ist, den zeitlichen Verlauf der temporären Differenz zu steuern und absehbar ist, dass sich diese in absehbarer Zeit nicht umkehren werden.

Die im sonstigen Ergebnis erfassten Ertragsteuern sind in der folgenden Übersicht dargestellt:

in Mio. € 2022 2021
Cashflow Hedges 1,8 7,1
Neubewertungen der Nettoschuld aus leistungsorientierten Versorgungsplänen – 3,6 – 1,2
Nettoinvestition in einen ausländischen Geschäftsbetrieb 2,0 – 10,3
Währungsumrechnung – 0,2 – 2,3
Gesamt 0,0 – 6,7

19. Vorräte

in Mio. € 31.12.2022 31.12.2021
Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe 454,8 307,1
Unfertige Erzeugnisse 239,9 210,8
Fertige Erzeugnisse und Waren 466,1 356,2
Geleistete Anzahlungen 18,3 18,8
Summe 1.179,1 892,8
in Mio. € 31.12.2022 31.12.2021
Bruttowert Vorräte 1.278,8 961,5
Abwertungen – 99,7 – 68,7
Nettowert Vorräte 1.179,1 892,8

Unter den Vorräten werden die Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie Handelswaren zu durchschnittlichen Anschaffungskosten angesetzt. Die fertigen und unfertigen Erzeugnisse sind grundsätzlich zu Herstellungskosten bewertet. Diese umfassen neben den direkt zurechenbaren Kosten auch angemessene Teile der Fertigungs-, Material- und Verwaltungsgemeinkosten sowie die Abschreibungen des Anlagevermögens, soweit diese durch die Fertigung veranlasst sind. Die Vorräte sind zu dem niedrigeren Wert aus Anschaffungs- oder Herstellungskosten und Nettoveräußerungswert anzusetzen. Der Nettoveräußerungswert stellt den geschätzten Verkaufspreis abzüglich aller geschätzten Kosten bis zur Fertigstellung sowie der direkten Kosten für Verkauf und Vertrieb dar. Bestandsrisiken, die sich aus der Lagerdauer sowie geminderter Verwendbarkeit ergeben, werden hierbei durch Wertabschläge berücksichtigt.

20. Gezeichnetes Kapital

Das Grundkapital der Sartorius AG ist eingeteilt in 37.440.000 auf den Inhaber lautende Stammaktien und 37.440.000 stimmrechtslose Vorzugsaktien mit einem rechnerischen Nennbetrag von je 1,00 €. Die Inhaber von Vorzugsaktien erhalten aus dem jährlichen Bilanzgewinn einen erhöhten Gewinnanteil (Mehrdividende) von 0,01 € je Vorzugsaktie, mindestens jedoch einen Gewinnanteil (Mindestdividende) in Höhe von 0,02 € je Vorzugsaktie. Alle Aktien sind voll eingezahlt. Die Sartorius AG hat aufgrund der Ermächtigung der Hauptversammlung vom 21. Juni 2000 eigene Aktien nach § 71 Abs. 1 Nr. 8 AktG zu Anschaffungskosten von 16.082 T€ erworben. Die eigenen Aktien wurden gem. IAS 32 vom Grundkapital und der Kapitalrücklage abgesetzt. Die Aktien werden insbesondere als Akquisitionswährung für zukünftige Unternehmenserwerbe gehalten. Insgesamt wurden vom 27. Oktober 2000 bis zum Bilanzstichtag 831.944 Stammaktien zu einem Durchschnittskurs von 11,27 € und 840.983 Vorzugsaktien zu einem Durchschnittskurs von 7,98 € erworben. Im Dezember 2015 wurden gem. der Vergütungsvereinbarung aus dem Jahr 2014 25.000 Stammaktien und 25.000 Vorzugsaktien an den Vorstandsvorsitzenden, Dr. Joachim Kreuzburg, ausgegeben. Im November 2020 wurden gem. der Vergütungsvereinbarung aus dem Jahr 2019 13.785 Stammaktien und 13.785 Vorzugsaktien an den Vorstandsvorsitzenden, Dr. Joachim Kreuzburg, ausgegeben. Nach dem in 2016 erfolgten Aktiensplit verbleiben 3.213.991 Stammaktien und 3.250.147 Vorzugsaktien und damit ein Anteil von 6.464 T€ (8,6 %) als eigene Anteile am Grundkapital. Im Geschäftsjahr 2022 wurden wie im Vorjahr keine eigenen Aktien erworben.

21. Rücklagen

Kapitalrücklage

Die Kapitalrücklage enthält die in den Vorjahren bei der Ausgabe von Aktien durch die Sartorius AG über den Nennbetrag hinaus erzielten Beträge. Im Rahmen des Aktiensplits wurde ein Betrag von 51,3 Mio. € von der Kapitalrücklage ins Gezeichnete Kapital umgegliedert. Durch den zu verrechnenden Personalaufwand im Rahmen der anteilsbasierten Vergütungsvereinbarung mit Herrn Dr. Kreuzburg hat sich die Kapitalrücklage im Geschäftsjahr 2022 um 1,3 Mio. € verringert.# Anhang

€ (Vorjahr: 1,3 Mio. €) erhöht. Hedgingrücklage In die Hedgingrücklage werden Beträge eingestellt, die im Rahmen einer effektiven Sicherungsbeziehung im sonstigen Ergebnis erfasst werden. Dies sind insbesondere die Schwankungen im beizulegenden Zeitwert von Währungssicherungsgeschäften sowie die jeweiligen Steuereffekte. Der zum Bilanzstichtag kumuliert ins sonstige Ergebnis eingestellte Wert vor Steuern beträgt – 15,2 Mio. € (Vorjahr: – 9,3 Mio. €). Pensionsrücklage Die versicherungsmathematischen Gewinne und Verluste aus leistungsorientierten Versorgungszusagen inkl. der jeweiligen Steuereffekte gehen in die Pensionsrücklage ein. Für weitere Details wird auf Abschnitt 23 verwiesen.

22. Nicht beherrschende Anteile

Die nicht beherrschenden Anteile im Sartorius Konzern entfallen ganz überwiegend auf den Sartorius Stedim Biotech Teilkonzern mit Hauptsitz in Aubagne (Frankreich), an dem ca. 74 % der Kapitalanteile und 85 % der Stimmrechte gehalten werden. Weitere Beträge entfallen auf die folgenden Tochtergesellschaften: ALS Automated Lab Solutions GmbH, Jena, Deutschland (Kapitalanteil 62,5%) Sartorius CellGenix GmbH, Freiburg i. B., Deutschland (51 %) Sartorius Korea Biotech, Seoul, Südkorea (69 %) Sartorius Thailand, Bangkok (33 %) Im Geschäftsjahr wurden die ausstehenden etwa 30% der Anteile an der Gesellschaft Biological Industries Israel Beit Haemek Ltd. für einen Kaufpreis von etwa 39,1 Mio. € in bar erworben. Der entsprechende Zahlungsmittelabfluss wird im Cashflow aus Finanzierungstätigkeit ausgewiesen. Die aufgrund der Put Option der nicht beherrschenden Gesellschafter über diese Anteile bisher bilanzierte finanzielle Verbindlichkeit in Höhe von etwa 44,5 Mio. € wurde in die Gewinnrücklagen umgegliedert. Die Auswirkungen auf die nicht beherrschenden Anteile sowie das den Anteilseignern des Konzerns zuzurechnende Eigenkapital sind in der Eigenkapitalveränderungsrechnung dargestellt. Die Konsolidierung der Gesellschaft Sartorius Thailand erfolgt aufgrund von vertraglichen Gestaltungen über die Ausübung von Stimmrechten, die die Beherrschung sicherstellen.

in Mio. € 2022 2021
Kumulierte nicht beherrschende Anteile per 31.12.
Sartorius Stedim Biotech 597,2 384,2
Sartorius CellGenix GmbH 52,0 50,7
Sonstige 19,9 25,0
669,1 459,9
Den nicht beherrschenden Gesellschaftern zugeordneter Gewinn oder Verlust
Sartorius Stedim Biotech 231,3 108,5
Sartorius CellGenix GmbH 1,3 – 3,7
Sonstige 2,3 3,3
235,0 108,1
Dividenden an nicht beherrschende Gesellschafter
Sartorius Stedim Biotech 30,6 16,4
Sartorius CellGenix GmbH 0,0 0,0
Sonstige 1,6 1,1
32,3 17,5

Die folgenden zusammengefassten Finanzinformationen beziehen sich auf den Sartorius Stedim Biotech Konzern:

Verkürzte Bilanz in Mio. €

31.12.2022 31.12.2021
Langfristige Vermögenswerte 3.394,2 2.495,5
Kurzfristige Vermögenswerte 1.671,2 1.455,6
5.065,4 3.951,1
Eigenkapital 2.514,2 1.733,2
Langfristiges Fremdkapital 1.515,3 1.180,8
Kurzfristiges Fremdkapital 1.035,9 1.037,1
5.065,4 3.951,1

Verkürzte Gewinn- und Verlustrechnung sowie Gesamtergebnisrechnung in Mio. €

2022 2021
Umsatzerlöse 3.492,7 2.887,0
Ergebnis vor Steuern 1.130,4 646,7
Ertragsteuern – 250,5 – 232,4
Jahresüberschuss 879,9 414,3
Sonstiges Ergebnis nach Steuern – 6,2 42,9
Gesamtergebnis 873,7 457,2

Verkürzte Kapitalflussrechnung in Mio. €

2022 2021
Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit 612,3 701,9
Cashflow aus Investitionstätigkeit – 957,5 – 465,2
Cashflow aus Finanzierungstätigkeit 220,7 – 77,7
Veränderung der Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente – 124,5 159,0
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente am Anfang der Periode 223,6 59,8
Veränderung aus der Währungsumrechnung 8,0 4,8
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente Endbestand 107,1 223,6

Die folgenden zusammengefassten Finanzinformationen beziehen sich auf Sartorius CellGenix GmbH:

Verkürzte Bilanz in Mio. €

31.12.2022 31.12.2021
Langfristige Vermögenswerte 98,4 111,2
Kurzfristige Vermögenswerte 47,3 33,1
145,7 144,3
Eigenkapital 106,2 103,4
Langfristiges Fremdkapital 31,1 36,0
Kurzfristiges Fremdkapital 8,5 4,8
145,7 144,3

Verkürzte Gewinn- und Verlustrechnung in Mio. €

2022 2021
Umsatzerlöse 32,0 12,5
Jahresüberschuss 2,8 – 7,6

Die Vorjahreszahlen beziehen sich auf den Zeitraum seit Erwerb der Gesellschaft am 2. Juli 2021.

23. Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen

Beitragsorientierte Pläne

Bei den meisten Gesellschaften im Konzern bestehen beitragsorientierte Versorgungspläne, häufig in Form von staatlichen Rentenversicherungen. Im Geschäftsjahr 2022 wurde ein Betrag von 60,6 Mio. € (Vorjahr: 51,9 Mio. €) für beitragsorientierte Pläne erfasst.

Leistungsorientierte Pläne

Die Bilanzierung von leistungsorientierten Versorgungsplänen erfolgt gem. IAS 19, Leistungen an Arbeitnehmer, nach der Projected‑Unit‑Credit‑Methode. Nach diesem Anwartschafts-Barwertverfahren werden die Verpflichtungen für Pensionen mit Hilfe von versicherungsmathematischen Bewertungen ermittelt. Diese Bewertungen beruhen neben bekannten Renten und Anwartschaften auf bestimmten Prämissen, darunter Abzinsungsfaktoren, voraussichtliche Gehalts- und Rentensteigerungen sowie Lebenserwartungen. Die dem Abzinsungssatz zugrundeliegenden Annahmen, die für die zu erbringenden Leistungen herangezogen werden, werden auf Grundlage der Renditen bestimmt, die zum Abschlussstichtag für erstrangige, festverzinsliche Industrieanleihen mit angemessener Laufzeit und Währung am Markt erzielt werden. Sofern entsprechend langfristige Industrieanleihen nicht oder in unzureichendem Ausmaß vorhanden sind, wird der laufzeitkongruente Zinssatz durch Extrapolation ermittelt. Aufgrund von Veränderungen der Markt- und Wirtschaftsbedingungen können die zugrunde gelegten Prämissen von der tatsächlichen Entwicklung abweichen und damit wesentliche Auswirkungen auf die Verpflichtungen für Pensionen und sonstige Leistungen nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses haben. Die hieraus resultierenden Differenzen werden gemäß IAS 19 in der Periode ihres Entstehens im sonstigen Ergebnis erfasst und sind somit nicht erfolgswirksam. Die in die Pensionsrücklage eingestellten versicherungsmathematischen Verluste aufgrund von Neubewertungen, die im Wesentlichen aus Änderungen des Diskontierungszinssatzes resultieren, betragen insgesamt – 21,2 Mio. € (Vorjahr: – 40,8 Mio. €). Ein Betrag von 44,1 Mio. € (Vorjahr: 57,4 Mio. €) des Nettowerts der Pensionsverpflichtungen entfällt auf Deutschland. Diese Verpflichtungen basieren auf direkten Leistungszusagen an Arbeitnehmer. Nach diesen Zusagen erhalten die Mitarbeiter Zuwendungen für jedes geleistete Dienstjahr in der jeweiligen Gesellschaft. Die Verpflichtungen sind üblicherweise nicht über einen Fonds finanziert. Ein wesentlicher Teil der Pensionsrückstellungen für leistungsorientierte Versorgungspläne bezieht sich auf die Sartorius AG. Die bilanzierten Verpflichtungen betreffen hier zum einen die Allgemeine Versorgungsordnung in Bezug auf Mitarbeiter, deren Arbeitsverhältnis vor dem 1. Januar 1983 begonnen hatte. Zum anderen bestehen Einzelzusagen an aktive und ehemalige Vorstandsmitglieder sowie leitende Angestellte. Der Bewertung der Pensionsverpflichtungen der deutschen Konzerngesellschaften liegen folgende versicherungsmathematische Annahmen zugrunde:

2022 2021
Abzinsungssatz 3,16 % 0,90 %
Erwartete Gehaltssteigerungsrate 3,00 % 3,00 %
Zukünftige Rentenerhöhungen 2,10 % 2,00 %

Im Hinblick auf die Annahmen zur Sterblichkeit und Invalidität wurden die Richttafeln (RT) 2018 G von Klaus Heubeck verwendet. Bei den französischen Gesellschaften kamen folgende Parameter zur Anwendung:

2022 2021
Abzinsungssatz 3,60 % 0,90 %
Erwartete Gehaltssteigerungsrate 2,25 % 2,00 %

Die in der Gewinn- und Verlustrechnung sowie der Gesamtergebnisrechnung erfassten Beträge setzen sich wie folgt zusammen:

in Mio. € 2022 2021
Dienstzeitaufwand 2,6 2,2
Nettozinsaufwand 0,6 0,3
In der Gewinn- und Verlustrechnung erfasste Aufwendungen für leistungsorientierte Pläne 3,2 2,5
Erträge aus Planvermögen (ohne Zinsen) – 0,2 0,0
Versicherungsmathematische Gewinne | Verluste – 19,4 – 3,7
Bestandteile der Aufwendungen für leistungsorientierte Pläne, die im sonstigen Ergebnis erfasst werden – 19,6 – 3,7
Gesamtaufwendungen für leistungsorientierte Pläne – 16,4 – 1,2

Der laufende Dienstzeitaufwand wird entsprechend der funktionalen Zuordnung der Mitarbeiter in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesen. Der Nettowert bzw. der Barwert der dotierten Verpflichtungen hat sich im Geschäftsjahr wie folgt entwickelt:

in Mio. € 31.12.2022 31.12.2021
Barwert dotierter Verpflichtungen 79,3 97,4
Zeitwert des Planvermögens 21,8 22,0
Nettowert der Pensionsverpflichtungen 57,5 75,4

Anwartschaftsbarwert in Mio. €

2022 2021
Barwert dotierter Verpflichtungen zum 1. Januar 97,4 98,4
Laufender Leistungsaufwand 3,5 3,4
Nachträglicher Dienstzeitaufwand – 0,9 – 1,2
Zinsaufwand 0,9 0,5
Versicherungsmathematische Gewinne | Verluste – 19,5 – 3,8
Währungsdifferenzen 0,9 0,8
Rentenzahlungen im Geschäftsjahr – 8,3 – 2,6
Beiträge des Arbeitgebers 0,6 0,3
Beiträge der Arbeitnehmer 0,8 0,5
Änderung Konsolidierungskreis 0,0 0,0
Beiträge der Planteilnehmer 3,1 2,5
Sonstige Veränderungen 0,7 – 1,5
Barwert dotierter Pensionsverpflichtungen zum 31.12. 79,3 97,4

Die versicherungsmathematischen Gewinne und Verluste im Buchwert des Anwartschaftsbarwertes setzen sich wie folgt zusammen:

in Mio. € 2022 2021
Erfahrungsbedingte Anpassungen 4,0 2,2
Veränderungen der demografischen Annahmen – 5,5 – 1,0
Veränderungen der finanziellen Annahmen – 18,0 – 5,0
Gesamt – 19,5 – 3,8

Planvermögen in Mio. €

2022 2021
Planvermögen zum 01.01. 22,0 18,1
Zinserträge 0,3 0,2
Erträge aus Planvermögen (ohne Zinsen) 0,2 0,0
Versicherungsmathematische Gewinne | Verluste – 0,1 – 0,1
Beiträge und Zahlungen des Konzerns – 6,9 – 2,0
Beiträge der Arbeitnehmer 0,8 0,5
Währungsdifferenzen 0,7 0,6
Beiträge des Arbeitgebers 3,3 2,2
Beiträge der Planteilnehmer 3,2 2,5
Sonstige Veränderungen – 1,7 0,0
Planvermögen zum 31.12.

Das Planvermögen besteht im Wesentlichen aus Versicherungsverträgen bei Versicherungsgesellschaften in Deutschland und der Schweiz. Ein Betrag von 6,3 Mio. € (Vorjahr: 7,6 Mio. €) wird bei Tochtergesellschaften in Südkorea bei lokalen Banken als Einlage gehalten.

Risiken

Aus den leistungsorientierten Versorgungsplänen ergeben sich keine signifikanten plan- oder unternehmensspezifischen Risiken. Aufgrund der eher geringen Abdeckung der Verpflichtung durch Planvermögen entstehen dem Grunde nach Liquiditätsrisiken, die aber der Höhe nach für den Konzern nicht wesentlich sind.

Sensitivitätsanalyse

Eine Veränderung der versicherungsmathematischen Annahmen hätte folgende Auswirkungen auf den Barwert der dotierten Verpflichtungen zum 31.12.2022 (ein positives Vorzeichen bedeutet eine Zunahme der Verpflichtung):

Demografische Annahmen
| Veränderungen der Lebenserwartung | Auswirkung |
| :--------------------------------- | :--------- |
| – 1 Jahr | – 2,9 |
| + 1 Jahr | 3,0 |

Finanzielle Annahmen
| Veränderungen des Abzinsungssatzes | Auswirkung |
| :--------------------------------- | :--------- |
| – 100 bps | 9,1 |
| + 100 bps | – 7,3 |

Veränderungen des Gehaltstrends Auswirkung
– 50 bps – 2,1
+ 50 bps 2,3
Veränderungen des Pensionstrends Auswirkung
– 25 bps – 2,4
+ 25 bps 2,5

Barwert der dotierten Verpflichtungen zum 31.12.2021:

Demografische Annahmen
| Veränderungen der Lebenserwartung | Auswirkung |
| :--------------------------------- | :--------- |
| – 1 Jahr | – 3,9 |
| + 1 Jahr | 4,0 |

Finanzielle Annahmen
| Veränderungen des Abzinsungssatzes | Auswirkung |
| :--------------------------------- | :--------- |
| – 100 bps | 12,9 |
| + 100 bps | – 11,2 |

Veränderungen des Gehaltstrends Auswirkung
– 50 bps – 2,6
+ 50 bps 2,7
Veränderungen des Pensionstrends Auswirkung
– 25 bps – 3,2
+ 25 bps 3,4

Die vorstehende Sensitivitätsanalyse wird nicht uneingeschränkt repräsentativ für die tatsächliche Veränderung der leistungsorientierten Verpflichtung sein, da es als unwahrscheinlich anzusehen ist, dass Abweichungen von den getroffenen Annahmen isoliert und unabhängig voneinander auftreten. Des Weiteren wurde der Barwert der leistungsorientierten Verpflichtung nach derselben Methode abgeleitet wie bei der Erfassung in der Bilanz (projected unit credit method; Verfahren der laufenden Einmalprämien).

Fälligkeitsanalyse

Die undiskontierten Zahlungsströme aus leistungsorientierten Verpflichtungen stellen sich nach Fälligkeiten wie folgt dar:

in Mio. €
| | 31.12.2022 | 31.12.2021 |
| :---------- | :--------- | :--------- |
| <1 Jahr | 4,8 | 4,3 |
| 1 -5 Jahre | 18,4 | 17,0 |
| 6 -10 Jahre | 28,9 | 27,0 |
| >10 Jahre | 145,3 | 138,0 |

Die durchschnittliche gewichtete Duration der Verpflichtungen beträgt 13,8 Jahre (Vorjahr: 15,4 Jahre). Für das Geschäftsjahr 2023 werden Zahlungen für leistungsorientierte Zusagen in Höhe von 6,2 Mio. € (Vorjahr: 5,8 Mio. €) erwartet. Diese umfassen die Dotierung des Planvermögens sowie Rentenzahlungen.

24. Sonstige Rückstellungen

Rückstellungen werden gebildet, wenn eine rechtliche oder faktische Verpflichtung gegenüber Dritten besteht und wenn der Ressourcenabfluss wahrscheinlich und die voraussichtliche Verpflichtung zuverlässig schätzbar sind. Der für eine Rückstellung angesetzte Betrag stellt den bestmöglichen Schätzwert der Verpflichtung am Bilanzstichtag dar. Zur Bestimmung der Höhe der Verpflichtung müssen bestimmte Schätzungen und Annahmen getroffen werden, inklusive einer Einschätzung der Eintrittswahrscheinlichkeit und Höhe der anfallenden Kosten. Die Ermittlung von Rückstellungen für belastende Verträge, Gewährleistungskosten, Stilllegungs- und Rückbauverpflichtungen und für Rechtsstreitigkeiten ist typischerweise mit entsprechenden Unsicherheiten verbunden.

Langfristige Rückstellungen

in Mio. €
| | Altersteilzeit | Übrige | Gesamt |
| :------------------------- | :------------- | :----- | :----- |
| Stand zum 01.01.2021 | 5,1 | 6,8 | 11,9 |
| Änderung Konsolidierungskreis | 0,0 | 0,0 | 0,0 |
| Währungsumrechnung | 0,0 | 0,0 | 0,0 |
| Verbrauch | – 2,4 | – 0,4 | – 2,8 |
| Auflösung | Verwendung | 0,0 | – 0,1 | – 0,1 |
| Zuführung | 3,7 | 0,7 | 4,3 |
| Stand zum 31.12.2021 | 6,3 | 7,0 | 13,3 |

in Mio. €
| | Altersteilzeit | Übrige | Gesamt |
| :------------------------- | :------------- | :----- | :----- |
| Stand zum 01.01.2022 | 6,3 | 7,0 | 13,3 |
| Änderung Konsolidierungskreis | 0,0 | 3,2 | 3,2 |
| Währungsumrechnung | 0,0 | – 0,2 | – 0,2 |
| Verbrauch | – 2,9 | – 0,4 | – 3,3 |
| Umgliederungen | 0,0 | 2,4 | 2,4 |
| Auflösung | Verwendung | 0,0 | – 1,2 | – 1,2 |
| Zuführung | 3,4 | 2,5 | 6,0 |
| Stand zum 31.12.2022 | 6,8 | 13,4 | 20,2 |

Die sonstigen langfristigen Rückstellungen umfassen im Wesentlichen Rückstellungen für Altersteilzeitvereinbarungen und für Dienstjubiläen, die im Allgemeinen nur bei deutschen Gesellschaften existieren. Überdies werden seit dem Geschäftsjahr 2022 in dieser Position auch die langfristigen Verpflichtungen aufgrund des neu eingeführten sog. Long-term Incentive Programms (LTI Programm) ausgewiesen (vgl. hierzu Abschnitt 42). Bei der Altersteilzeit handelt es sich um Vereinbarungen mit Arbeitnehmern, die unmittelbar vor dem Eintritt in den Ruhestand für einen Zeitraum von 3 bis 5 Jahren in ein Teilzeitmodell eintreten, das von Unternehmensseite finanziell unterstützt wird. Bei diesen Verpflichtungen handelt es sich gem. IAS 19 um Aufwendungen im Zusammenhang mit Abfindungen, die über die verbleibende aktive Arbeitszeit des Arbeitnehmers zu verteilen sind. Versicherungsmathematische Gewinne und Verluste sowie nachzuverrechnender Dienstzeitaufwand sind in der Gewinn- und Verlustrechnung zu erfassen. Die Jubiläumszuwendungen werden im Allgemeinen bei einer Betriebszugehörigkeit von 20, 25, 30 und 40 Jahren gewährt und umfassen zusätzlichen Sonderurlaub sowie kleinere Geldzuwendungen. Langfristige Rückstellungen werden mit ihrem Barwert zum Bilanzstichtag angesetzt. Der Diskontierungszinssatz für Altersteilzeit beträgt 2,9 % (Vorjahr: -0,2 %), für Jubiläumsrückstellungen 3,16 % (Vorjahr: 0,77 %). Die Effekte aus der Aufzinsung der langfristigen Rückstellungen sowie der Auswirkungen aus Änderungen im Zinssatz waren in 2021 und 2022 insgesamt unwesentlich.

Kurzfristige Rückstellungen

in Mio. €
| | Gewährleistungen | Übrige | Gesamt |
| :------------------------- | :--------------- | :----- | :----- |
| Stand zum 01.01.2021 | 13,2 | 16,3 | 29,5 |
| Währungsumrechnung | 0,8 | 0,1 | 0,9 |
| Verbrauch | – 1,1 | – 1,1 | – 2,2 |
| Auflösung | – 4,0 | – 3,6 | – 7,6 |
| Zuführung | 25,7 | 11,6 | 37,3 |
| Stand zum 31.12.2021 | 34,7 | 23,7 | 58,4 |

in Mio. €
| | Gewährleistungen | Übrige | Gesamt |
| :------------------------- | :--------------- | :----- | :----- |
| Stand zum 01.01.2022 | 34,7 | 23,7 | 58,4 |
| Währungsumrechnung | 0,6 | – 0,1 | 0,5 |
| Verbrauch | – 1,9 | – 1,6 | – 3,5 |
| Auflösung | – 11,0 | – 7,2 | – 18,2 |
| Zuführung | 23,9 | 5,3 | 29,2 |
| Stand zum 31.12.2022 | 48,5 | 17,9 | 66,4 |

Die Rückstellungen für Gewährleistungen umfassen im Wesentlichen Ersatzlieferungen und Reparaturen. Die Bildung erfolgt für Einzelrisiken, sofern der Eintritt wahrscheinlicher ist als der Nicht-Eintritt sowie für generelle Gewährleistungsrisiken auf Basis der Erfahrungen der Vergangenheit. Die übrigen Rückstellungen enthalten Rückstellungen für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften, ungewisse Verpflichtungen gegenüber Mitarbeitern sowie Rückstellungen für Zinsen im Zusammenhang mit Steuerrisiken.

25. Sonstige Verbindlichkeiten

in Mio. €
| | 31.12.2022 | 31.12.2021 |
| :----------------------------------- | :--------- | :--------- |
| Verbindlichkeiten aus Steuern und Sozialversicherung | 52,2 | 54,5 |
| Sonstige | 97,3 | 80,2 |
| Sonstige Verbindlichkeiten | 149,5 | 134,7 |

26. Verbindlichkeiten gegenüber Arbeitnehmern

Die in den Verbindlichkeiten gegenüber Arbeitnehmern ausgewiesenen Abgrenzungen für Personalaufwendungen stellen sich wie folgt dar:

in Mio. €
| | 31.12.2022 | 31.12.2021 |
| :----------------------------------- | :--------- | :--------- |
| Erfolgsabhängige Vergütungsbestandteile | 67,9 | 108,2 |
| Urlaubsansprüche und geleistete Mehrarbeit | 25,0 | 17,0 |
| Sonstige | 21,5 | 28,7 |
| Verbindlichkeiten gegenüber Arbeitnehmern | 114,3 | 153,9 |

Finanzinstrumente | Finanzielle Risiken

Finanzinstrumente sind Verträge, die bei einem Vertragspartner zur Entstehung eines finanziellen Vermögenswerts und beim anderen zu einer finanziellen Verbindlichkeit oder einem Eigenkapitalinstrument führen und werden zum Handelstag erfasst. Die folgenden Abschnitte geben einen umfassenden Überblick über die Bedeutung von Finanzinstrumenten für Sartorius und liefern zusätzliche Informationen über die Bilanzpositionen, die Finanzinstrumente enthalten. Finanzielle Vermögenswerte umfassen hauptsächlich flüssige Mittel, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie derivative Finanzinstrumente mit positivem beizulegenden Zeitwert. Die finanziellen Verbindlichkeiten des Konzerns bestehen vorwiegend aus Bankkrediten, Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, Verbindlichkeiten aus Leasingverhältnissen und aus derivativen Finanzinstrumenten mit negativem beizulegenden Zeitwert. Überdies bestehen wesentliche finanzielle Verbindlichkeiten aufgrund bedingter Gegenleistungen i. S. d. IFRS 3 sowie aus geschriebenen Put Optionen über nicht beherrschende Anteile. Mit Ausnahme der derivativen Finanzverbindlichkeiten und bedingten Gegenleistungen werden die finanziellen Verbindlichkeiten unter Anwendung der Effektivzinsmethode zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet.

27. Finanzinstrumente: Wesentliche Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden

Die Bilanzierung von Finanzinstrumenten folgt IFRS 9, Finanzinstrumente. Der Ansatz zur Klassifizierung und Bewertung für finanzielle Vermögenswerte gemäß IFRS 9 spiegelt das Geschäftsmodell (held-to-collect, held-to-collect-and-sell, other), in dessen Rahmen die Vermögenswerte gehalten werden, sowie die Eigenschaften ihrer Cash-flows (solely payments of principal and interest; sog. SPPI Kriterium) wider. In der Berichtsperiode erfolgten keine Umklassifizierungen von Finanzinstrumenten. Für die Ermittlung von Wertminderungen enthält IFRS 9 ein Modell der Berücksichtigung erwarteter Verluste (expected loss model). Finanzielle Vermögenswerte gelten grundsätzlich als wertgemindert, sofern die volle Einbringlichkeit aufgrund objektiver Indizien zweifelhaft erscheint. Im Sartorius Konzern kommt insbesondere der vereinfachte Wertminderungsansatz für die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen zum Tragen. Neben den Forderungen aus Lieferungen und Leistungen stellen zum Stichtag 31. Dezember 2022 Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente mit Blick auf die Konzernbilanz die bedeutsamsten finanziellen Vermögenswerte dar. Eine Wertminderung unterbleibt aus Wesentlichkeitsgründen. Wie im Vorjahr ergibt sich zum Bilanzstichtag# Anhang

Dezember 2022 für die übrigen zu fortgeführten Anschaffungskosten bewerteten finanziellen Vermögenswerte angesichts der unwesentlichen historischen Kreditausfälle keine zu erfassende Wertminderung für die erwarteten Ausfälle in den nächsten 12 Monaten. Sogenannte derivative Finanzinstrumente bzw. Derivate, wie beispielsweise Devisentermingeschäfte, werden zum beizulegenden Zeitwert bilanziert. Dabei werden für die Bewertung der Derivate, die unter Anwendung anerkannter mathematischer Verfahren ermittelten Zeitwerte angesetzt. Diese basieren auf den zum jeweiligen Berechnungszeitpunkt vorliegenden Marktdaten. Die Instrumente, die nicht als Sicherungsinstrumente designiert sind und für die kein Hedge Accounting angewendet wird, stuft das Unternehmen als zu Handelszwecken gehalten ein. Änderungen der beizulegenden Zeitwerte von derivativen Finanzinstrumenten werden entweder erfolgswirksam im Gewinn oder Verlust der Periode oder, bei Sicherungsbeziehungen, im sonstigen Ergebnis erfasst. Im Rahmen des Hedge Accounting wendet der Konzern die Anforderungen des IFRS 9 an. Der Konzern verwendet Devisentermingeschäfte zur Absicherung der Schwankungen der Zahlungsströme im Zusammenhang mit Änderungen der Wechselkurse aus der Produktveräußerung sowie der Produktionstätigkeit und designiert hierbei lediglich die Kassakomponente der Sicherungsinstrumente.

Finanzielle Vermögenswerte

28. Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente

Der Konzern betrachtet alle hochliquiden Finanzinvestitionen mit einer Laufzeit von bis zu drei Monaten zur Zeit des Erwerbs als Zahlungsmittel (bzw. Zahlungsmitteläquivalente). Diese umfassen insbesondere Bankguthaben. Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente werden zu Anschaffungskosten bewertet. Zum Bilanzstichtag 31. Dezember 2022 beträgt der Bestand an Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläquivalenten rund 165,9 Mio. € (Vorjahr: 342,8 Mio. €).

29. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen

in Mio. €

31.12.2022 31.12.2021
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen gegenüber Konzernfremden 470,3 419,9
Vertragsvermögenswerte (IFRS 15) 13,8 4,1
Forderungen an nicht konsolidierte Tochterunternehmen 0,4 0,0
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 484,5 424,0

Der Buchwert der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen entspricht aufgrund der kurzen Laufzeiten annähernd ihrem beizulegenden Zeitwert. Die Vertragsvermögenswerte resultieren aus kundenspezifischen Fertigungsaufträgen, welche die Kriterien zur Umsatzrealisierung über die Zeit gemäß IFRS 15 erfüllen (vgl. Abschnitt 9). Der bilanzierte Forderungsbestand zum Bilanzstichtag 31. Dezember 2022 ist in Höhe von rund 240,0 Mio. € (Vorjahr: 168,1 Mio. €) aufgrund eines Forderungsverkaufs vermindert, da im Wesentlichen alle Chancen und Risiken in Verbindung mit den veräußerten Vermögenswerten auf den Käufer übertragen wurden. Insbesondere Forderungsausfallrisiken sowie etwaige Wechselkursrisiken werden vollständig übertragen. Wertminderungen von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und sonstigen Forderungen werden auf separaten Wertberichtigungskonten erfasst. Zur Ermittlung der Wertberichtigungen vgl. Abschnitt 40.

30. Sonstige finanzielle Vermögenswerte

in Mio. €

31.12.2022 31.12.2021
Derivative Finanzinstrumente 8,1 1,5
Darlehensforderungen an verbundene Unternehmen 8,4 5,3
Andere sonstige finanzielle Vermögenswerte 30,9 18,2
Sonstige finanzielle Vermögenswerte 47,4 24,9

Der Buchwert der Derivate entspricht den positiven Marktwerten der zur Währungssicherung abgeschlossenen Sicherungsgeschäfte. Die übrigen sonstigen finanziellen Vermögenswerte werden zu fortgeführten Anschaffungskosten, abzüglich etwaiger Wertminderungen bewertet, wobei die Effektivzinsmethode angewendet wird.

Finanzielle Verbindlichkeiten

31. Finanzverbindlichkeiten und Leasingverbindlichkeiten

in Mio. €

Bilanzausweis 31.12.2022 davon langfristig Bilanzausweis 31.12.2021 davon langfristig
Finanzverbindlichkeiten 2.397,6 1.873,8 1.960,4 1.649,1
Leasingverbindlichkeiten 143,6 112,4 115,0 88,9
2.541,2 1.986,2 2.075,5 1.738,0

Eine wesentliche Säule der Finanzierung des Sartorius Konzerns bildet eine im Mai 2022 abgeschlossene Konsortialkreditlinie in Höhe von 800 Mio. € mit einer Laufzeit bis 2027, die im Frühjahr 2023 sowie im Frühjahr 2024 einvernehmlich um jeweils ein Jahr verlängert werden kann. Die Kreditlinie ist zum Stichtag mit 80 Mio. € in Anspruch genommen (Vorjahr: 0 Mio. €). Einen weiteren Baustein der Unternehmensfinanzierung bilden verschiedene Schuldscheindarlehen, die in den Jahren 2016, 2017, 2020 und 2022 mit ursprünglichen Laufzeiten von bis zu 13 Jahren begeben wurden und zum Bilanzstichtag ein Gesamtvolumen von ca. 1.550 Mio. € aufweisen. Weitere rund 210 Mio. € der in 2022 begebenen Schuldscheindarlehen kommen im ersten Quartal 2023 zur Auszahlung. Zudem bestehen mehrere kurz- und langfristige Darlehen über insgesamt rund 665 Mio. €. Diese vornehmlich langfristigen Finanzierungsinstrumente werden um diverse kurzfristige Kreditlinien in Höhe von insgesamt rund 475 Mio. € ergänzt.

32. Sonstige langfristige finanzielle Verbindlichkeiten

in Mio. €

31.12.2022 31.12.2021
Verbindlichkeiten aus Erwerb nicht beherrschender Anteile 134,2 211,7
Bedingte Kaufpreisverbindlichkeiten aus Unternehmenserwerben 76,2 194,9
Verbindlichkeit Phantom Units in Zusammenhang mit dem Erwerb AllPure 0,0 7,8
Sonstige Verbindlichkeiten 5,8 7,4
Gesamt 216,2 421,8

Zu den bedingten Gegenleistungen aus den Erwerben von BIA Separations, WaterSep BioSeparations und Xell sowie zu den Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit dem möglichen Erwerb der verbleibenden nicht beherrschenden Anteile an Sartorius CellGenix sowie ALS Automated Lab Solutions GmbH aufgrund der Put Optionen der Inhaber vgl. Abschnitte 8 und 35. Die Verbindlichkeit in Zusammenhang mit dem Erwerb von AllPure wurde im Geschäftsjahr vorzeitig beglichen. Zudem hat sich der Konzern mit den bisherigen nicht beherrschenden Gesellschaftern von Biological Industries über einen vorzeitigen Erwerb der ausstehenden 30% der Anteile an der Gesellschaft geeinigt und diese bereits im Geschäftsjahr 2022 erworben (vgl. Abschnitt 22).

33. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

in Mio. €

31.12.2022 31.12.2021
Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen ¹ 247,1 232,0
Verbindlichkeiten gegenüber Konzernfremden 303,1 281,9
Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen und Beteiligungsunternehmen 1,8 1,1
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 551,9 515,0

¹ Es handelt sich um Vertragsverbindlichkeiten im Sinne des IFRS 15 (vgl. Abschnitt 9).

34. Sonstige kurzfristige finanzielle Verbindlichkeiten

in Mio. €

31.12.2022 31.12.2021
Derivative Finanzinstrumente 11,3 11,5
Verbindlichkeiten aus Erwerb nicht beherrschender Anteile 66,1 6,3
Rückerstattungsverbindlichkeiten (IFRS 15) 29,5 21,9
Sonstige 37,3 129,3
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 144,2 169,0

Die Verbindlichkeiten in Zusammenhang mit dem möglichen Erwerb nicht beherrschender Anteile betreffen im Berichtsjahr Sartorius CellGenix GmbH sowie im Vorjahr Biological Industries. In der Position "Sonstige" war im Vorjahr der kurzfristige Teil der bedingten Gegenleistung im Zusammenhang mit dem Erwerb von BIA Separations enthalten (97,9 Mio. €). Zum Erwerb der nicht beherrschenden Anteile an Biological Industries in 2022 wird auf Abschnitt 22 verwiesen. Für den Ausgleich der ersten Tranche der bedingten Gegenleistung für den Erwerb von BIA Separations wird auf Abschnitt 35 verwiesen.

35. Buchwerte und beizulegende Zeitwerte

Die folgende Tabelle stellt die Buch- und beizulegenden Zeitwerte der Finanzinstrumente des Konzerns zum 31. Dezember 2022 und zum 31. Dezember 2021 nach IFRS 9 dar.

in Mio. €

Kategorien gem. IFRS 9 Buchwert 31. Dez. 2022 Beizulegender Zeitwert 31. Dez. 2022 Buchwert 31. Dez. 2021 Beizulegender Zeitwert 31. Dez. 2021
Beteiligungen an nicht-konsolidierten Tochterunternehmen n/a 45,4 45,4 31,6
Finanzanlagen Eigenkapitaltitel zum beizulegenden Zeitwert bewertet (erfolgswirksam) 4,4 4,4 4,5 4,5
Finanzanlagen Eigenkapitaltitel zum beizulegenden Zeitwert bewertet (erfolgsneutral) 67,7 67,7 0,0 0,0
Finanzanlagen Schuldtitel zum beizulegenden Zeitwert bewertet (erfolgswirksam) 26,4 26,4 17,3 17,3
Finanzielle Vermögenswerte zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet 7,0 7,0 7,4 7,4
Finanzielle Vermögenswerte (langfristig) 150,9 150,9 60,8 60,8
Aktivischer Saldo aus Fertigungsaufträgen (Vertragsvermögenswerte) n/a 13,8 13,8 4,1
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen Schuldtitel zum beizulegenden Zeitwert bewertet (erfolgsneutral) 213,9 213,9 180,9 180,9
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet 256,7 256,7 239,0 239,0
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 484,5 484,5 424,0 424,0
Forderungen und sonstige Vermögenswerte zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet 39,3 39,3 23,4 23,4
Derivative Finanzinstrumente in Sicherungsbeziehung ¹ n/a 8,1 8,1 1,5
Sonstige finanzielle Vermögenswerte (kurzfristig) 47,4 47,4 24,9 24,9
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet 165,9 165,9 342,8 342,8
Finanzverbindlichkeiten zu Anschaffungskosten 2.397,6 2.241,5 1.960,4 1.986,6
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen Finanzielle Verbindlichkeiten zu Anschaffungskosten 304,9 304,9 283,0 283,0
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen erhaltene Anzahlungen (Vertragsverbindlichkeiten) n/a 247,1 247,1
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 551,9 551,9 515,0 515,0
Derivative Finanzinstrumente in Sicherungsbeziehung ¹ n/a 11,4 11,4 11,5
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten Finanzielle Verbindlichkeiten zum beizulegenden Zeitwert bewertet (erfolgswirksam) 76,2 76,2 292,8 292,8
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten Finanzielle Verbindlichkeiten zu Anschaffungskosten 273,0 258,6 286,5 286,1
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 360,5 346,2 590,8 590,4

¹ Die Beträge enthalten jeweils auch den# Nicht designierten Teil der Derivate in Höhe von insgesamt – 6,2 Mio. € (Vorjahr: – 0,6 Mio. €).

Die beizulegenden Zeitwerte der Finanzinstrumente wurden grundsätzlich basierend auf den am Bilanzstichtag verfügbaren Marktinformationen ermittelt und sind einer der drei Hierarchiestufen von beizulegenden Zeitwerten gemäß IFRS 13 zuzuordnen.

  • Finanzinstrumente der Stufe 1 werden auf Basis quotierter Preise auf aktiven Märkten für identische Vermögenswerte und Verbindlichkeiten bewertet.
  • Innerhalb der Stufe 2 wird die Bewertung der Finanzinstrumente auf Basis von Faktoren, die aus beobachtbaren Marktdaten ableitbar sind, oder anhand von Marktpreisen für ähnliche Instrumente durchgeführt.
  • Finanzinstrumente der Stufe 3 werden auf Basis von Inputfaktoren, die nicht aus beobachtbaren Marktdaten ableitbar sind, bewertet.

Die zum beizulegenden Zeitwert bewerteten Finanzinstrumente umfassen zum Bilanzstichtag 31. Dezember 2022 insbesondere die bedingten Gegenleistungen im Zusammenhang mit den Erwerben von BIA Separations, WaterSep BioSeparations sowie Xell. Da die Bewertung jeweils u. a. von der prognostizierten Umsatzentwicklung der erworbenen Geschäftsbetriebe abhängt, sind die Bewertungen der Stufe 3 zuzuordnen. Die Bewertungen erfolgen unter Verwendung aktueller Bewertungsparameter zum Bilanzstichtag.

Im Zuge der Akquisition von BIA Separations vereinbarten die Parteien u. a. drei Tranchen von Earn-Out Zahlungen, die von der Umsatzentwicklung der erworbenen Gesellschaft in den fünf auf den Erwerb folgenden Jahren abhängen. In Abhängigkeit der Umsatzentwicklung erhalten die Veräußerer weitere Anteile an der Gesellschaft Sartorius Stedim Biotech S.A. Die Bewertung dieser bedingten Gegenleistung berücksichtigt neben der antizipierten Umsatzentwicklung und damit der zu übertragenen Aktienanzahl auch den Barwert des im jeweiligen künftigen Übertragungszeitpunkt erwarteten Aktienkurses der Sartorius Stedim Biotech S.A.

Am Bilanzstichtag 31. Dezember 2022 wurde der beizulegende Zeitwert der zu diesem Zeitpunkt noch ausstehenden bedingten Gegenleistung mit 72,1 Mio. € bewertet. Die Änderung seit dem 31. Dezember 2021 (Wert: 288,2 Mio. €; davon kurzfristig: 97,9 Mio. €) reflektiert vor allem den Rückgang des Aktienkurses der Sartorius Stedim Biotech S.A. sowie den Ausgleich des zum 31. Dezember 2021 ausgewiesenen kurzfristigen Anteils der Verbindlichkeit im ersten Halbjahr 2022 (Wert im Zeitpunkt des Ausgleichs: 68,1 Mio. €). Überdies wurden die Diskontierungszinssätze zur Ermittlung des Barwerts der künftigen Verpflichtung an die Verhältnisse zum 31. Dezember 2022 angepasst. Die nicht auf den beschriebenen Ausgleich der ersten Tranche entfallende Differenz zwischen den Wertansätzen zum 31. Dezember 2021 und dem Bilanzstichtag in Höhe von insgesamt rund 148,0 Mio. € wurde ergebniswirksam im Finanzergebnis erfasst.

Die wesentlichen Bewertungsparameter sind die für die Planjahre angenommenen Umsatzerlöse sowie der Aktienkurs der Sartorius Stedim Biotech S.A. am jeweiligen Bewertungsstichtag. Die Bewertungsergebnisse sind hingegen weniger sensitiv bezüglich realistischer Veränderungen anderer Parameter, wie z. B. der verwendeten Diskontierungszinssätze. Unter der Annahme um 20% höherer (geringerer) Umsatzerlöse in allen verbleibenden relevanten Planjahren wäre die auszuweisende Verbindlichkeit am Bilanzstichtag etwa 29,5 Mio. € höher (ca. 26,9 Mio. € niedriger). Bei einem um 20% höheren (niedrigeren) Aktienkurs am Bilanzstichtag wäre die Verbindlichkeit etwa 14,4 Mio. € höher (ca. 14,4 Mio. € niedriger) bewertet worden. Die tatsächlichen künftigen Ergebnisse können von diesen isoliert betrachteten Sensitivitäten abweichen. Das untere Ende der Bandbreite der möglichen Ergebnisse für die ausstehenden beiden Tranchen der bedingten Gegenleistung beträgt Null. Aufgrund des Ausgleichs in Aktien lässt sich das obere Ende möglicher Ergebnisse nicht quantifizieren.

Im Zusammenhang mit dem Erwerb von WaterSep BioSeparations vereinbarten die Parteien eine Earn-Out Komponente, die im Jahr 2024 zur Auszahlung kommt und deren Höhe von der Erzielung künftiger Umsatzerlöse in den Jahren 2021 bis 2023 abhängt. Das untere (obere) Ende der Bandbreite der möglichen Ergebnisse für die bedingte Gegenleistung beträgt unverändert Null (9 Mio. USD). Am 31. Dezember 2022 beträgt der beizulegende Zeitwert etwa 3,0 Mio. €. Die Wertänderung seit dem 31. Dezember 2021 (Wert: 2,6 Mio. €) in Höhe von 0,4 Mio. € wurde ergebniswirksam im Finanzergebnis erfasst.

Im Zuge des Erwerbs der Xell AG wurden den Veräußerern zwei Earn-Out-Komponenten zugesagt, die in den Jahren 2024 und 2026 zur Auszahlung kommen und deren Höhe von der Erzielung künftiger Umsatzerlöse in den Jahren 2022 bis 2025 abhängt. Am 31. Dezember 2022 beträgt der beizulegende Zeitwert etwa 1,1 Mio. €. Die Wertänderung seit dem 31. Dezember 2021 (Wert: 2,0 Mio. €) in Höhe von 0,9 Mio. € wurde ergebniswirksam im Finanzergebnis erfasst. Unter der Annahme um 10% höherer (geringerer) Umsatzerlöse in allen verbleibenden Planjahren wäre die auszuweisende Verbindlichkeit am Bilanzstichtag etwa 0,9 Mio. € höher (ca. 0,6 Mio. € niedriger). Das untere (obere) Ende der Bandbreite der möglichen Ergebnisse für die bedingte Gegenleistung beträgt unverändert Null (25,6 Mio. €).

Bei den übrigen zum Bilanzstichtag zum beizulegenden Zeitwert angesetzten Finanzinstrumenten handelt es sich insbesondere um die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen der am Factoring-Programm teilnehmenden Gesellschaften, die somit Teil eines Portfolios sowohl mit Halte- als auch Veräußerungsabsicht sind, sowie Derivate in Form von Devisentermingeschäften. Die Bewertung dieser Forderungen aus Lieferungen und Leistungen erfolgt angesichts der kurzen Vertragslaufzeiten und unwesentlichen Ausfallrisiken analog zur Bewertung der zu fortgeführten Anschaffungskosten bilanzierten Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Die Bewertung der Derivate erfolgt jeweils auf Basis notierter Devisenkurse und am Markt erhältlicher Zinsstrukturkurven (Stufe 2).

Die im Dezember 2022 erworbene Beteiligung von etwa 10% an der schwedischen BICO Group AB wird zum beizulegenden Zeitwert gemäß IFRS 9 bewertet. Aufgrund der Börsennotierung an der Nasdaq Stockholm wird der Bewertung regelmäßig der aktuelle Aktienkurs am Bilanzstichtag zugrunde gelegt (Stufe 1). Die Wertänderungen dieser Beteiligung werden aufgrund der mit der Börsennotierung verbundenen Volatilität gemäß dem Wahlrecht des IFRS 9 im sonstigen Ergebnis erfasst. Der beizulegende Zeitwert der Beteiligung beträgt am Bilanzstichtag 67,7 Mio. €. Die im sonstigen Ergebnis erfasste Wertänderung seit Erwerb beträgt 16,5 Mio. €.

Die übrigen zum beizulegenden Zeitwert bilanzierten Finanzanlagen werden auf Basis der jüngsten am Bilanzstichtag verfügbaren verlässlichen Wertindikation, beispielsweise auf Basis der jüngsten durchgeführten Finanzierungsrunde, aktueller Investoreninformationen oder unveränderter Anschaffungskosten, bewertet (Stufe 3).

Die Ermittlung der beizulegenden Zeitwerte für die zu fortgeführten Anschaffungskosten bilanzierten finanziellen Verbindlichkeiten (insbesondere Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten und aus Schuldscheindarlehen) erfolgte auf der Basis der Marktzinskurve unter Berücksichtigung aktueller (indikativer) Credit Spreads (Stufe 2).

Die in den sonstigen finanziellen Verbindlichkeiten enthaltenen Verbindlichkeiten für den Erwerb nicht beherrschender Anteile an den Tochterunternehmen Automated Lab Solutions GmbH (siehe hierzu Abschnitt 8) sowie Sartorius CellGenix GmbH werden erfolgsneutral gemäß der Effektivzinsmethode bilanziert. Die Verbindlichkeit in Zusammenhang mit letztgenannter Gesellschaft teilt sich zum 31. Dezember 2022 in einen kurzfristigen Betrag in Höhe von 66,1 Mio. € sowie einen langfristigen Betrag in Höhe von 102,8 Mio. € auf. Die Höhe des langfristigen Teils ist variabel und hängt von den Umsatzerlösen des CellGenix-Geschäfts in den kommenden drei Jahren ab. Unter der Annahme um 10% höherer (geringerer) Umsatzerlöse in allen verbleibenden Planjahren im Vergleich zur aktuellen Planung wäre die auszuweisende Verbindlichkeit am Bilanzstichtag etwa 6,2 Mio. € höher (ca. 6,7 Mio. € niedriger).

Die beizulegenden Zeitwerte der übrigen finanziellen Vermögenswerte und Schulden entsprechen aufgrund ihrer überwiegend kurzen Restlaufzeit annähernd ihrem Buchwert. Das maximale Ausfallrisiko wird durch die Buchwerte der in der Bilanz angesetzten finanziellen Vermögenswerte wiedergegeben.

Umgliederungen zwischen den Hierarchiestufen werden zum Ende der Berichtsperiode erfasst, in denen die Änderung eingetreten ist. In der Berichtsperiode gab es keine Übertragungen zwischen den Stufen.

36. Nettoergebnis aus Finanzinstrumenten

Die Nettogewinne und -verluste der einzelnen Kategorien sind im Folgenden dargestellt:

Kategorien gem. IFRS 9 in Mio. € 2022 2021
Finanzielle Vermögenswerte zu fortgeführten Anschaffungskosten 19,3 17,7
Zum beizulegenden Zeitwert bewertete finanzielle Vermögenswerte und Verbindlichkeiten (erfolgswirksam) 151,3 – 207,5
Schuldtitel zum beizulegenden Zeitwert bewertet (erfolgsneutral) – 2,4 1,8
Eigenkapitaltitel zum beizulegenden Zeitwert bewertet (erfolgsneutral) 16,5 0,0
Finanzielle Verbindlichkeiten zu Anschaffungskosten – 16,2 – 14,1

Das Nettoergebnis aus finanziellen Vermögenswerten zu fortgeführten Anschaffungskosten enthält hauptsächlich Effekte aus der Währungsumrechnung sowie Änderungen in den Wertberichtigungen. Das Nettoergebnis aus erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewerteten finanziellen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten beinhaltet überwiegend Marktwertänderungen derivativer Finanzinstrumente, Zinserträge und -aufwendungen dieser Finanzinstrumente sowie die Wertänderungen der bedingten Gegenleistungen im Zusammenhang mit Unternehmenserwerben (vgl. Abschnitt 35).# 37. Währungsrisikomanagement und Hedge Accounting

Währungsrisikomanagement

Der Konzern ist Wechselkursrisiken ausgesetzt, da rund zwei Drittel des Konzernumsatzes in Fremdwährungen und davon wiederum etwa zwei Drittel in US-Dollar erzielt werden. Gleichzeitig ist Sartorius aufgrund seines globalen Produktionsnetzwerkes in der Lage, den überwiegenden Teil der in Fremdwährung erzielten Umsatzerlöse konzernintern durch ebenfalls in Fremdwährung anfallende Kosten zu kompensieren. Die verbleibenden Nettowährungsexposures, werden gemäß eines Cashflow-at-Risk-Modells (CfaR) unter Einhaltung eines Risikobudgets mit derivativen Finanzinstrumenten abgesichert, wobei die Sicherungsquote der Einzelwährungen bis zu 80 % beträgt. Die Sicherungsstrategie sieht dabei grundsätzlich eine rollierende Absicherung von bis zu 12 Monaten im Voraus vor. Die Sicherungsmaßnahmen werden regelmäßig anhand von aktuellen Marktrisikoparametern beurteilt und gegebenenfalls angepasst. Mit den wesentlichen zum Bilanzstichtag abgeschlossenen Devisentermingeschäften sichern wir uns das Recht und verpflichten uns gleichzeitig, zum Verfallszeitpunkt unabhängig von dem dann aktuellen Wechselkurs einen festgelegten Fremdwährungsbetrag zu einem bestimmten Wechselkurs gegen Euro zu kaufen bzw. zu verkaufen. Der aus der Differenz zwischen dem dann aktuellen und dem zuvor festgelegten Wechselkurs resultierende Gewinn oder Verlust wird grundsätzlich als Ertrag bzw. Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst. Zum Bilanzstichtag bestanden die folgenden Devisentermingeschäfte zur Absicherung von Wechselkursrisiken:

31. Dezember 2021

Währung Volumen in Mio. Fälligkeit Beizulegender Zeitwert in Mio. €
Termingeschäft USD 426,7 2022 – 10,2
Termingeschäft JPY 3.750,0 2022 0,2
Termingeschäft CHF – 5,0 2022 0,0
Termingeschäft GBP 93,8 2022 0,2
Termingeschäft SEK 120,0 2022 – 0,1

31. Dezember 2022

Währung Volumen in Mio. Fälligkeit Beizulegender Zeitwert in Mio. €
Termingeschäft USD 549,1 2023 – 3,3
Termingeschäft JPY 6.690,0 2023 0,7
Termingeschäft JPY 450,0 2024 – 0,1
Termingeschäft CHF 8,0 2023 0,0
Termingeschäft GBP 5,0 2023 – 0,1
Termingeschäft SEK 87,0 2023 – 0,5

Sartorius verwendet zur Messung der Währungsrisiken ein Cashflow-at-Risk-Modell (CfaR). Basis für die Analyse des Währungsrisikos sind die geplanten Einzahlungs- und Auszahlungsüberschüsse in Fremdwährung (die sog. Nettowährungsexposures). Das gesamte Währungsexposure, als Aggregation der Absolutwerte sämtlicher Einzelwährungsexposures, stellt sich zum Bilanzstichtag für das jeweils darauffolgende Geschäftsjahr wie folgt dar:

in Mio. €
| | 31.12.2022 | 31.12.2021 |
| :--------------- | :--------- | :--------- |
| Währungsexposure | 1.100,4 | 1.056,0 |
| davon Shortpositionen | 189,9 | 58,0 |

Die Risikoposition des Konzerns wird durch den nach allen getätigten Absicherungen verbleibenden CfaR repräsentiert. Der CfaR-Ansatz berücksichtigt die Auswirkungen möglicher Währungsschwankungen auf die Cashflows in Fremdwährung (ggü. EUR) anhand von Wahrscheinlichkeitsverteilungen. Hierbei dienen die mit den Nettowährungsexposures gewichteten Kovarianzen der Fremdwährungen als Inputfaktoren zur Schätzung der Portfoliovolatilität, die maßgeblich für die Ermittlung des CfaR ist. Korrelationen zwischen den Währungen werden dadurch bei der Risikoaggregation risikomindernd berücksichtigt. Die möglichen negativen Auswirkungen auf das EBITDA werden je Währung basierend auf aktuellen Kursen und Nettowährungsexposures mit einem Konfidenzniveau von 95 % für die folgenden 12 Monate ermittelt. Die nachfolgende Tabelle stellt die mit dem CfaR-Ansatz ermittelten möglichen negativen Auswirkungen für den Konzern aufgrund von Wechselkursänderungen für das darauffolgende Geschäftsjahr dar:

in Mio. €
| | 31.12.2022 | 31.12.2021 |
| :----------- | :--------- | :--------- |
| Cashflow-at-Risk | 32,7 | 37,0 |

Hedge Accounting

Derivative Finanzinstrumente werden zum Erwerbszeitpunkt erfasst und an den folgenden Abschlussstichtagen zum beizulegenden Zeitwert bewertet. Die Wertveränderungen der derivativen Finanzinstrumente sind zum Bilanzstichtag grundsätzlich im Jahresergebnis zu berücksichtigen. Sofern derivative Finanzinstrumente der Absicherung des Cashflow-Risikos aus Wechselkursrisiken dienen und eine effektive Sicherungsbeziehung nach den Kriterien des IFRS 9 vorliegt, werden die Wertveränderungen des effektiven Teils im sonstigen Ergebnis erfasst. Designiert wird regelmäßig lediglich die Kassakomponente der zur Absicherung der Schwankungen der Zahlungsströme verwendeten Devisentermingeschäfte. Die im Eigenkapital kumulierten Beträge werden ergebniswirksam in denselben Perioden in die sonstigen betrieblichen Aufwendungen bzw. Erträge umgegliedert (vgl. Abschnitt 11), in denen die jeweiligen gesicherten Grundgeschäfte erfolgswirksam werden. Die Veränderungen der Hedgingrücklage werden aus der Eigenkapitalveränderungsrechnung sowie der Gesamtergebnisrechnung ersichtlich. Der nicht designierte bzw. ineffektive Teil der Sicherungsinstrumente wird erfolgswirksam im Finanzergebnis erfasst. Die Effektivität der Sicherungsbeziehung bzw. der wirtschaftliche Zusammenhang zwischen Sicherungsinstrument und gesichertem Grundgeschäft wird anhand der Übereinstimmung der wesentlichen Vertragsmodalitäten der Geschäfte („Critical Terms Match“) bestimmt. Der Konzern führt insofern eine qualitative Beurteilung durch. Ineffektivität kann möglicherweise dann entstehen, wenn sich die Zeitpunkte geplanter künftiger Transaktionen gegenüber der ursprünglichen Annahme verändern oder sich das Ausfallrisiko der Vertragsparteien des Devisentermingeschäfts ändert. Nachfolgend werden die Auswirkungen der fremdwährungsbezogenen Sicherungsinstrumente auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns dargestellt:

31. Dezember 2021

Währung Buchwert (Vermögenswerte) zum 31. Dezember 2021 in Mio. € Buchwert (Verbindlichkeiten) zum 31. Dezember 2021 in Mio. € Sicherungsquote Wertänderung der Sicherungsinstrumente in Mio. € Wertänderung des gesicherten Grundgeschäfts in Mio. € Nennbetrag in jeweiliger Fremdwährung in Mio. Fällig in 1 – 6 Monaten nach dem Stichtag Fällig in 7 – 12 Monaten Durchschnittlicher Ausübungskurs
USD 0,2 9,6 100 % – 9,4 – 9,4 426,7 253,4 173,3 1,17
CHF 0,0 0,0 100 % 0,0 0,0 5,0 5,0 0,0 1,04
JPY 0,2 0,0 100 % 0,2 0,2 3.750,0 1.420,0 2.330,0 130,28
GBP 0,9 0,8 100 % 0,1 0,1 93,8 88,8 5,0 0,86
SEK 0,0 0,1 100 % – 0,1 – 0,1 120,0 49,0 71,0 10,22

31. Dezember 2022

Währung Buchwert (Vermögenswerte) zum 31. Dezember 2022 in Mio. € Buchwert (Verbindlichkeiten) zum 31. Dezember 2022 in Mio. € Sicherungsquote Wertänderung der Sicherungsinstrumente in Mio. € Wertänderung des gesicherten Grundgeschäfts in Mio. € Nennbetrag in jeweiliger Fremdwährung in Mio. Fällig in 1 – 6 Monaten nach dem Stichtag Fällig in 7 – 12 Monaten Fällig nach 12 Monaten Durchschnittlicher Ausübungskurs
USD 10,3 7,4 100 % 2,8 2,8 549,1 390,4 158,7 0,0 1,09
CHF 0,0 0,0 100 % 0,0 0,0 8,0 8,0 0,0 0,0 0,99
JPY 1,2 0,5 100 % 0,7 0,7 7.140,0 5.490,0 1.200,0 450,0 138,90
GBP 0,0 0,1 100 % – 0,1 – 0,1 5,0 5,0 0,0 0,0 0,88
SEK 0,0 0,5 100 % – 0,5 – 0,5 87,0 87,0 0,0 0,0 10,52

Sicherungsinstrumente mit positivem Marktwert werden in den Bilanzpositionen „Finanzielle Vermögenswerte (langfristig)“ bzw. „Sonstige finanzielle Vermögenswerte (kurzfristig)“ ausgewiesen. Sicherungsinstrumente mit negativem Marktwert werden in den Bilanzpositionen „Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten (langfristig)“ bzw. „Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten (kurzfristig)“ ausgewiesen.

38. Zinsrisikomanagement

Die Finanzierung des Gesamtkonzerns erfolgt grundsätzlich über die Sartorius AG, die mit Hilfe konzerninterner Darlehen die Finanzierung sämtlicher Konzerngesellschaften sicherstellt.# 38. Finanzrisikomanagement

Dabei ist der Sartorius Konzern Zinsrisiken ausgesetzt, da die Finanzmittel z. T. zu variablen Zinssätzen aufgenommen werden. Zum Bilanzstichtag 31. Dezember 2022 finanziert sich der Konzern zu weit überwiegendem Teil (ca. 80 %) zu Festsätzen, sodass Zinsrisiken derzeit von geringerer Bedeutung für die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns sind. Die in der Vergangenheit zur Absicherung gegen steigende Zinsen abgeschlossenen Zinssicherungsgeschäfte kommen wie im Vorjahr auch gegenwärtig nicht zur Anwendung. Der Konzern ist weiterhin nicht wesentlich von der IBOR-Reform betroffen. Zum Bilanzstichtag 31. Dezember 2022 betrug das Volumen variabel verzinslicher Darlehen etwa 439 Mio. € (Vorjahr: 140 Mio. €). Für die zum Bilanzstichtag gehaltenen Finanzinstrumente lassen sich folgende Sensitivitäten ermitteln: Bei einem um 1,0 Prozentpunkte höheren Marktzinssatz am Bilanzstichtag wäre die Auswirkung aus den variabel verzinslichen Darlehen auf das Ergebnis vor Steuern - 3,3 Mio. € (Vorjahr: - 1,1 Mio. €). Bei einem um 1,0 Prozentpunkte niedrigeren Marktzinssatz wäre die Auswirkung aus den variabel verzinslichen Darlehen auf das Ergebnis vor Steuern +0,9 Mio. € (Vorjahr: +0,3 Mio. € bei einem im Vorjahr angenommenen Basiszinssatz von 0%).

39. Liquiditätsrisikomanagement

Die folgende Tabelle zeigt die Liquiditätsanalyse der finanziellen Verbindlichkeiten (ohne Derivate) in Form der vertraglich vereinbarten undiskontierten Zahlungsströme auf Basis der Konditionen am Bilanzstichtag:

in Mio. € Buchwert 31. Dez. 2021 Cashflows 31. Dez. 2021 <1 Jahr 1 bis 5 Jahre >5 Jahre
Finanzverbindlichkeiten 1.960,4 2.043,0 330,0 1.065,7 647,3
Leasingverbindlichkeiten 115,0 133,8 29,1 66,9 37,7
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 283,0 283,0 283,0 0,0 0,0
Sonstige Verbindlichkeiten (ohne Derivate) 579,3 585,2 167,7 307,1 110,4
Finanzielle Verbindlichkeiten 2.937,8 3.045,0 809,8 1.439,8 795,4
in Mio. € Buchwert 31. Dez. 2022 Cashflows 31. Dez. 2022 <1 Jahr 1 bis 5 Jahre >5 Jahre
Finanzverbindlichkeiten 2.397,6 2.598,3 564,0 1.504,4 529,8
Leasingverbindlichkeiten 143,6 171,5 36,3 77,4 57,8
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 304,9 304,9 304,9 0,0 0,0
Sonstige Verbindlichkeiten (ohne Derivate) 349,2 357,7 133,0 224,7 0,1
Finanzielle Verbindlichkeiten 3.195,3 3.432,4 1.038,2 1.806,5 587,7

Die Buchwerte und Zahlungsströme der Derivate stellen sich wie folgt dar:

in Mio. € Buchwert 31. Dez. 2021 Cashflows 31. Dez. 2021 <1 Jahr 1 bis 5 Jahre >5 Jahre
Bruttoerfüllung Termingeschäfte 11,5 11,5 11,5 0,0 0,0
Zahlungsverpflichtung 395,7 0,0 0,0
Zahlungsanspruch 384,3 0,0 0,0
Derivate 11,5 11,5 11,5 0,0 0,0
in Mio. € Buchwert zum 31. Dezember 2022 Cashflows 31. Dez. 2022 <1 Jahr 1 bis 5 Jahre >5 Jahre
Bruttoerfüllung Termingeschäfte 11,4 11,4 11,3 0,1 0,0
Zahlungsverpflichtung 294,5 3,3 0,0
Zahlungsanspruch 283,2 3,2 0,0
Derivate 11,4 11,4 11,3 0,1 0,0

Der Konzern steuert Liquiditätsrisiken durch das Vorhalten von Kreditlinien und weiteren Fazilitäten bei Banken sowie durch ständiges Überwachen des prognostizierten und tatsächlichen Cashflows und das Abstimmen der Fälligkeitsprofile von finanziellen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten. Es wird nicht erwartet, dass die Zahlungsmittelabflüsse zu wesentlich abweichenden Stichtagen oder mit wesentlich abweichenden Beträgen auftreten werden. Über lokale Zahlungsmittel in bestimmten Ländern (z. B. China, Indien) kann der Konzern grenzüberschreitend nur unter Beachtung geltender Devisenverkehrsbeschränkungen verfügen. Zu den Beschränkungen in Bezug auf lokale Zahlungsmittel in Russland wird auf Abschnitt 4 verwiesen. Wie im Vorjahr gelten hinsichtlich der Saldierungsmöglichkeit für sämtliche Derivate des Konzerns die Regelungen des Deutschen Rahmenvertrags für Finanztermingeschäfte. Die variabel verzinsliche Konsortialkreditlinie in Höhe von 800 Mio. € wurde zum 31.12.2022 in Höhe von 80 Mio. € in Anspruch genommen (Ausnutzung im Vorjahr: 0 Mio. €). Des Weiteren verfügte der Konzern zum 31.12.2022 über bilaterale, variabel verzinsliche Kreditlinien in Höhe von 475 Mio. € (Vorjahr: 270 Mio. €), wovon zum Bilanzstichtag etwa 100 Mio. € in Anspruch genommen wurden (Vorjahr: 33 Mio. €). Zum 31. Dezember 2022 bestehen keine Finanzierungsvereinbarungen, welche den Konzern zu einer Einhaltung von Finanzkennzahlen, sog. Financial Covenants, verpflichten.

40. Ausfallrisikomanagement

Das Ausfallrisiko ist die Gefahr, dass ein Vertragspartner des Konzerns bei einem Geschäft über ein Finanz-instrument bei Sartorius finanzielle Verluste verursacht, da er seinen Verpflichtungen nicht nachkommt. Ausfallrisiken entstehen insbesondere aus Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie aus Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläquivalenten bzw. Guthaben bei Banken und Finanzinstituten. Der Konzern ist überdies Ausfallrisiken aus derivativen Finanzinstrumenten mit positivem Marktwert ausgesetzt sowie in geringem Maß aus sonstigen vertraglichen Cashflows aus Schuldtiteln. Das Ausfallrisiko wird zentral vom Treasury Management für den Konzern gesteuert. Bei Banken und Finanz-instituten als Vertragsparteien wird die Bonität fortlaufend überwacht, sodass erhöhte Ausfallrisiken frühzeitig erkannt werden. Sofern hierbei keine neuen Erkenntnisse gewonnen werden, geht der Konzern in diesem Zusammenhang davon aus, dass die finanziellen Vermögenswerte weiterhin nur ein geringes Ausfallrisiko aufweisen. Kunden werden unterschiedlich hohe Risikolimits zugewiesen, die im Wesentlichen auf dem Geschäftsvolumen, Erfahrungen in der Vergangenheit sowie der Vermögens- und Finanzlage des Kunden basieren. Die Einhaltung der Kreditlimits wird regelmäßig vom zuständigen Management überwacht. In einigen Fällen wird gegen Vorauszahlung geliefert, sodass Ausfallrisiken vermieden werden. Es gibt keine wesentlichen Konzentrationen von Ausfallrisiken durch einzelne Kunden oder Regionen. Für einige Forderungen aus Lieferungen und Leistungen bestehen Sicherheiten für den Konzern wie etwa Bürgschaften oder Garantien, auf die bei Zahlungsverzug der Vertragspartner im Rahmen der Vertragsmodalitäten zurückgegriffen werden kann.

Wertminderung von finanziellen Vermögenswerten

Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und Vertragsvermögenswerte

Dem Modell der Erfassung erwarteter Kreditverluste unterliegen insbesondere die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie Vertragsvermögenswerte gemäß IFRS 15. Der Sartorius Konzern wendet den vereinfachten Wertminderungsansatz gemäß IFRS 9 für die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie Vertragsvermögenswerte an. Somit werden die über die Vertragslaufzeit erwarteten Kreditverluste berücksichtigt. Ausgangspunkt des Wertminderungsmodells ist eine Analyse der tatsächlichen historischen Ausfallraten. Diese historischen Ausfallraten werden bei gegebener Relevanz unter Berücksichtigung zukunftsgerichteter Informationen und der Einflüsse aktueller Veränderungen im makroökonomischen Umfeld angepasst. Aufgrund der Ausrichtung auf die biopharmazeutische Industrie, die sich weitgehend stabil und unabhängig von konjunkturellen Entwicklungen zeigt, sieht der Konzern auch gegenwärtig keine wesentlichen Auswirkungen makroökonomischer Entwicklungen sowie zukunftsgerichteter Informationen auf die erwarteten Forderungsausfälle (vgl. hierzu auch Abschnitt 4). Angesichts lediglich unwesentlicher historischer bonitätsbedingter Forderungsausfälle wird der erwartete Kreditverlust weiterhin für das Gesamtportfolio an Forderungen des Konzerns ermittelt. Die historischen Ausfallraten werden aber regelmäßig analysiert, um bei Bedarf eine differenzierte Vorgehensweise für unterschiedliche Portfolios anzuwenden. Die Vertragsvermögenswerte betreffen Projekte für typische Sartorius-Kunden, sodass der Konzern davon ausgeht, dass die Verlustquoten für Forderungen aus Lieferungen und Leistungen einen angemessenen Näherungswert der Verlustquoten für Vertragsvermögenswerte darstellen. Es erfolgt insofern keine Differenzierung zwischen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und Vertragsvermögenswerten.

Auf dieser Basis wurde die Wertberichtigung für Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie Vertragsvermögenswerte zum 31. Dezember 2021 und zum 31. Dezember 2022 wie folgt ermittelt:

31.12.2021 in Mio. € Nicht überfällig 1 - 30 Tage überfällig 31 - 60 Tage überfällig 61 - 90 Tage überfällig Mehr als 90 Tage überfällig Summe
Bruttobuchwert Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 324,6 29,4 26,3 18,6 36,6 435,4
Bruttobuchwert Vertragsvermögenswerte 4,1 0,0 0,0 0,0 0,0 4,1
Wertberichtigung 0,7 0,1 0,6 0,1 14,0 15,5
31.12.2022 in Mio. € Nicht überfällig 1 - 30 Tage überfällig 31 - 60 Tage überfällig 61 - 90 Tage überfällig Mehr als 90 Tage überfällig Summe
Bruttobuchwert Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 367,6 9,8 22,8 19,0 66,9 486,2
Bruttobuchwert Vertragsvermögenswerte 13,8 0,0 0,0 0,0 0,0 13,8
Wertberichtigung 0,2 0,0 0,0 0,3 15,0 15,6

Die Wertminderungen im Berichtsjahr entfallen in Höhe von etwa 4,1 Mio. € auf ergebnisneutral zum beizulegenden Zeitwert bewertete Forderungen (Vorjahr: 3,4 Mio. €). Die erwarteten Kreditverluste werden unter Anwendung einer Ausfallquote von 0,05 % ermittelt. Überdies werden Wertberichtigungen im Rahmen individueller Würdigungen vorgenommen. Ein wesentliches Kriterium ist in diesem Zusammenhang die Überfälligkeit. Ein Ausfall gilt grundsätzlich als eingetreten, wenn keine realistische Erwartung auf Vereinnahmung der Zahlungsströme mehr besteht. In diesen Fällen werden die betroffenen Forderungen ausgebucht. Die Wertberichtigungen haben sich wie folgt entwickelt:

in Mio. € 2022 2021
Wertberichtigungen zum 1.

Im Gewinn und Verlust des Geschäftsjahres erfasste Erhöhung/Verminderung der Wertberichtigung für Kreditverluste – 7,6 – 4,7
Im Geschäftsjahr als uneinbringlich abgeschriebene Beträge 1,4 0,4
Nicht in Anspruch genommene, aufgelöste Beträge 6,3 5,3
Währungseffekte – 0,1 – 0,5
Änderungen Konsolidierungskreis 0,0 – 0,1
Wertberichtigungen zum 31. Dez. – 15,6 – 15,5

Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente

Neben den Forderungen aus Lieferungen und Leistungen stellen zum 31. Dezember 2022 wie im Vorjahr Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente mit Blick auf die Konzernbilanz die bedeutsamsten finanziellen Vermögenswerte dar. Die erwarteten Ausfälle werden regelmäßig beobachtet. Angesichts der hohen Bonität der Vertragspartner sowie der definitionsgemäß kurzfristigen Verfügbarkeiten bzw. Vertragslaufzeiten ist die für diese Vermögenswerte theoretisch zu erfassende Wertminderung von unwesentlicher Höhe, sodass eine Abwertung des Bestands an Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläquivalenten unterbleibt.

Sonstige finanzielle Vermögenswerte

Für die übrigen zu fortgeführten Anschaffungskosten bewerteten finanziellen Vermögenswerte ergibt sich angesichts der unwesentlichen historischen Kreditausfälle zum 31. Dezember 2022 wie im Vorjahr keine zu erfassende Wertminderung für die erwarteten Ausfälle in den nächsten 12 Monaten. Im Falle einer signifikanten Erhöhung des Ausfallrisikos, welche bei diesen finanziellen Vermögenswerten grundsätzlich angenommen wird, wenn eine Zahlung mehr als 30 Tage überfällig ist, werden die über die Laufzeit des jeweiligen finanziellen Vermögenswerts erwarteten Kreditausfälle berücksichtigt. Ein Ausfall gilt grundsätzlich als eingetreten, wenn keine vernünftige Erwartung auf Vereinnahmung der vertraglichen Zahlungsströme mehr besteht. Dies wird grundsätzlich bei einer Überfälligkeit von 90 Tagen angenommen. Zum Abschlussstichtag liegen keine Indikationen für Erhöhungen des Ausfallrisikos in wesentlichem Umfang vor. Die Buchwerte der finanziellen Vermögenswerte stellen zum Ende des Geschäftsjahres jeweils das maximale Ausfallrisiko dar.

41. Sonstige Risiken aus Finanzinstrumenten

Der Sartorius Konzern ist zum Bilanzstichtag 31. Dezember 2022 aufgrund der bedingten Gegenleistung im Zusammenhang mit dem Erwerb von BIA Separations Risiken aus der Volatilität des Aktienkurses der Sartorius Stedim Biotech S.A. ausgesetzt. Überdies bestehen zum Bilanzstichtag keine signifikanten Risiken aus der Volatilität von Aktienkursen, lediglich die Teile der anteilsbasierten Vergütung hängen unmittelbar mit der Kursentwicklung der Sartorius Aktie zusammen (vgl. Abschnitt 42). Zu Details hinsichtlich weiterer Risikoarten wird auf den Lagebericht verwiesen.

42. Anteilsbasierte Vergütung

Anteilsbasierte Vergütungssysteme bestehen im Sartorius Konzern bei der Sartorius AG in der Form von sog. Phantom Stocks sowie des sog. Long-term Incentive Programm (LTI Programm). Im Geschäftsjahr 2022 hat der Konzern für ausgewählte Mitarbeiter der höheren Führungsebenen eine neue langfristige Vergütungskomponente eingeführt, das sog. LTI Programm. Jedem Teilnehmer an diesem LTI-Programm werden zu Beginn eines Geschäftsjahres virtuelle Vorzugsaktien an der Sartorius AG zugesagt, welche nach vier Jahren in bar zur Auszahlung kommen. Die Auszahlung für die in 2022 gewährten virtuellen Aktien ist somit für das erste Quartal 2026 geplant. Die Aktienzahl variiert mit der Zielerreichung in den vier Jahren vor der Auszahlung, wobei Ziele für die gleichgewichteten Dimensionen organisches Umsatzwachstum, underlying EBITDA Marge sowie CO2-Emissionsintensität definiert sind. Die Bewertung der anteilsbasierten Vergütung erfolgt auf Basis der bisherigen Zielerreichung sowie Annahmen über die Zielerreichung in den verbleibenden Jahren bis zur Auszahlung und wird unter Zugrundelegung des aktuellen Aktienkurses vorgenommen.Der Aufwand aus der Gewährung und Bewertung der virtuellen Aktien sowie der beizulegende Zeitwert der Verpflichtung betrug im Geschäftsjahr 2022 0,6 Mio. €. Die Verpflichtung wird in den langfristigen Rückstellungen ausgewiesen (vgl. Abschnitt 24).

Bei den Phantom Stocks handelt es sich um virtuelle Optionen auf die Aktien der Sartorius AG. Der Phantom Stock-Plan sieht im Detail vor, dass das jeweilige Vorstands-Mitglied am Anfang eines jeden Jahres Phantom Stocks im Wert eines vereinbarten Geldbetrags zugeschrieben bekommt. Die Ausübung ist frühestens nach vier Jahren und nur dann zulässig, wenn bestimmte Bedingungen in Bezug auf die Performance der Sartorius AG Aktien erfüllt sind. Im Fall der Ausübung wird die Anzahl der gewährten Phantom Stocks mit dem aktuellen Börsenkurs bewertet, der Auszahlungsbetrag besitzt eine Obergrenze (Cap) in Höhe des 2,5fachen des Zuteilungskurses.

Der beizulegende Zeitwert der Phantom Stocks wurde mittels eines Black-Scholes-Modells ermittelt und stellt sich wie folgt dar:

Komponenten mit langfristiger Anreizwirkung Anzahl Phantom Stocks Beizulegende Zeitwerte 31.12.2022 in Mio. € Beizulegende Zeitwerte 31.12.2021 in Mio. € Ausgezahlt in Mio. €
Tranche Geschäftsjahr 2018 5.647 0,0 1,1 1,1
Tranche Geschäftsjahr 2019 5.413 1,5 1,5 0,0
Tranche Geschäftsjahr 2020 3.332 1,2 1,6 0,0
Tranche Geschäftsjahr 2021 2.084 0,7 1,1 0,0
Tranche Geschäftsjahr 2022 1.646 0,5 0,0 0,0
Gesamt 18.122 4,0 5,4 1,1

Der Aufwand aus der Gewährung und Bewertung der Phantom Stocks betrug im Geschäftsjahr 2022 0,3 Mio. € (Vorjahr: 1,8 Mio. €). Zum Bilanzstichtag waren, wie im Vorjahr, keine Phantom Stocks ausübbar. Sämtliche im Geschäftsjahr gewährten Phantom Stocks entfallen auf Mitglieder des Vorstands.

Mit dem Beschluss des Aufsichtsrats vom 5. Dezember 2019 wurde Herrn Dr. Kreuzburg eine ergänzende Vergütungskomponente gewährt, die die Übertragung von Aktien der Gesellschaft vorsieht. Diese aktienbasierten Vergütungen unterliegen den Regelungen des IFRS 2. Unter Berücksichtigung der vereinbarten Bedingungen sind die sich ergebenden Beträge ab dem Gewährungszeitpunkt über den zu erfüllenden Erdienungszeitraum ergebniswirksam als Personalaufwand zu verteilen.Im Geschäftsjahr 2022 wurde entsprechend ein Betrag in Höhe von 1,3 Mio. € (Vorjahr: 1,3 Mio. €) als Personalaufwand aus Aktiengewährung erfasst. Für weitere Details im Hinblick auf die gewährten Phantom Stocks und die aktienbasierte Vergütung von Herrn Dr. Kreuzburg wird auf den Vergütungsbericht verwiesen.

Sonstige Angaben

Der Konzernabschluss wurde unter der Annahme der Unternehmensfortführung aufgestellt. Für die Jahresabschlüsse zum 31. Dezember 2022 der Gesellschaften Sartorius Lab Holding GmbH, Sartorius Weighing Technology GmbH und Sartorius Corporate Administration GmbH, alle Göttingen, wurde von den Befreiungsmöglichkeiten des § 264 Abs. 3 HGB Gebrauch gemacht. Für die Jahresabschlüsse zum 31. Dezember 2022 der Gesellschaften SIV Weende GmbH & Co. KG, SIV Grone 1 GmbH & Co. KG und Sartorius Lab Instruments GmbH & Co. KG, alle Göttingen, wurde von den Befreiungsmöglichkeiten des § 264b HGB Gebrauch gemacht.

Ereignisse nach dem Bilanzstichtag

Bis zur Beendigung der Aufstellung des Konzernabschlusses haben sich keine weiteren wesentlichen Ereignisse ergeben.

Erklärung gem. § 314 Abs. 1 Nr. 8 HGB

Die nach § 161 AktG vorgeschriebene Erklärung zum Deutschen Corporate Governance Kodex wurde am 9. Dezember 2022 abgegeben und den Aktionären der Sartorius AG auf der Homepage der Gesellschaft www.sartorius.com zugänglich gemacht.

Mitglieder des Aufsichtsrats und des Vorstands

Die Mitglieder des Aufsichtsrats und des Vorstands sowie die weiteren Angaben gem. § 285 Nr. 10 HGB sind im Anschluss an diesen Abschnitt angegeben.

Personalstand

Während des Geschäftsjahres waren durchschnittlich beschäftigt:

2022 2021
Bioprocess Solutions 12.434 9.536
Lab Products & Services 3.272 2.974
Gesamt 15.707 12.510

Honorar des Abschlussprüfers

In den Geschäftsjahren 2021 und 2022 sind folgende Honorare für den Konzernabschlussprüfer, die KPMG AG, angefallen:

in Mio. €
2022
Abschlussprüfungen 1,0
Steuerberatungsleistungen 0,0
Sonstige Bestätigungsleistungen 0,1
Sonstige Leistungen 0,0
Gesamt 1,2

Die Honorare für Abschlussprüfungen enthalten das Honorar für die prüferische Durchsicht des Halbjahresfinanzberichts nach § 115 Abs. 5 WpHG in Höhe von 0,1 Mio. € (Vorjahr: 0,1 Mio. €) sowie sonstige Leistungen, die unmittelbar durch die Prüfung veranlasst sind.

Nahestehende Unternehmen und Personen

Die in den Konzernabschluss einbezogenen Konzerngesellschaften stehen in Geschäftsbeziehungen mit nahestehenden Unternehmen im Sinne von IAS 24. Dies betrifft insbesondere Geschäfte mit nicht konsolidierten Tochterunternehmen. Diese Transaktionen werden grundsätzlich zu marktüblichen Konditionen abgewickelt. Mit einem verbundenen Unternehmen besteht ein langfristiger Dienstleistungsvertrag, in der Berichtsperiode sind dafür im Konzernabschluss Aufwendungen in Höhe von 15,7 Mio. € (Vorjahr: 11,7 Mio. €) angefallen. Weitere Details zu den im Geschäftsjahr erfolgten Transaktionen bzw. den am Bilanzstichtag ausstehenden Salden werden in den relevanten Abschnitten des Anhangs angegeben, insbesondere in Abschnitt 29.

Nahestehende Personen sind gem. IAS 24 u. a. solche, die für die Planung, Leitung und Überwachung des Unternehmens verantwortlich sind. Hierzu zählen insbesondere Vorstand und Aufsichtsrat der Sartorius AG.Die Gesamtbezüge des Aufsichtsrats betrugen 1,0 Mio. € (Vorjahr: 1,1 Mio. €), die des Vorstands 5,9 Mio. € (Vorjahr: 5,8 Mio. €). Die Bezüge früherer Geschäftsführer und Mitglieder des Vorstands und deren Hinterbliebenen betrugen 0,7 Mio. € (Vorjahr: 0,9 Mio. €). Die Pensionsverpflichtungen gegenüber früheren Geschäftsführern und Mitgliedern des Vorstands und deren Hinterbliebenen betrugen 9,0 Mio. € (Vorjahr: 9,1 Mio. €). Bezüglich der Details der Bezüge wird auf den Vergütungsbericht verwiesen.Über die Aufsichtsratsvergütung hinaus erhalten die Arbeitnehmervertreter, die Arbeitnehmer im Sartorius Konzern sind, Entgeltleistungen, die nicht im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit für den Aufsichtsrat stehen.

Die Gesamtbezüge des Vorstands gem. IFRS sind in den folgenden Übersichten dargestellt:

in Mio. € 2022 2021
Kurzfristige fällige Leistungen (ohne aktienbasierte Vergütung) 3,7 4,2
Leistungen nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses 0,7 0,5
Sonstige langfristige Leistungen 0,7 0,7
Aktienbasierte Vergütung 1,1 3,0
Gesamtvergütung 6,3 8,3

Abschläge auf die mehrjährige variable Vergütung des Vorstands:

in Mio. € 2022 2021
Stand zum 01.01. des Geschäftsjahres 0,6 0,5
verrechnete Abschläge – 0,3 – 0,2
gezahlte Abschläge 0,4 0,3
Stand zum 31.12. des Geschäftsjahres 0,8 0,6

Die Gesamtbezüge des Aufsichtsrats stellen sich wie folgt dar:

in Mio. € 2022 2021
Kurzfristige fällige Leistungen (ohne aktienbasierte Vergütung) 1,0 1,1
Leistungen nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses 0,0 0,0
Sonstige langfristige Leistungen 0,0 0,0
Aktienbasierte Vergütung 0,0 0,0
Gesamtvergütung 1,0 1,1

Vorschlag für die Gewinnverwendung

Der Aufsichtsrat und der Vorstand werden der Hauptversammlung vorschlagen, den zum 31. Dezember 2022 ausgewiesenen Bilanzgewinn der Sartorius AG in Höhe von 267.109.441,57 € für Dividendenzahlungen in Höhe von insgesamt 98.176.581,19 € zu verwenden (1,43 € je Stammaktie, 1,44 € je Vorzugsaktie):

€ Zahlung einer Dividende von € 1,43 je Stammaktie | 48.943.192,87
€ Zahlung einer Dividende von € 1,44 je Vorzugsaktie | 49.233.388,32
Vortrag auf neue Rechnung | 168.932.860,38
Summe | 267.109.441,57

Göttingen, den 7. Februar 2023

Sartorius Aktiengesellschaft

Der Vorstand

Dr. Joachim Kreuzburg
Rainer Lehmann
Dr. René Fáber
John Gerard Mackay

Versicherung der gesetzlichen Vertreter

Wir versichern nach bestem Wissen, dass gemäß den anzuwendenden Rechnungslegungsgrundsätzen der Konzernabschluss des Geschäftsjahres 2022 ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns vermittelt und im Konzernlagebericht der Geschäftsverlauf einschließlich des Geschäftsergebnisses und die Lage des Konzerns so dargestellt sind, dass ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild vermittelt wird, sowie die wesentlichen Chancen und Risiken der voraussichtlichen Entwicklung des Konzerns beschrieben sind.

Göttingen, den 7. Februar 2023

Sartorius Aktiengesellschaft

Der Vorstand

Dr. Joachim Kreuzburg
Rainer Lehmann
Dr. René Fáber
John Gerard Mackay