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Koenig & Bauer AG Annual Report 2002

Aug 4, 2003

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Annual Report

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78. Hauptversammlung der Koenig & Bauer AG am 26. Juni 2003 in Würzburg

Bericht von Reinhart Siewert, Vorstandsvorsitzender Koenig & Bauer AG

Sehr geehrte Aktionäre und Aktionärsvertreter,

meine sehr geehrten Damen und Herren und Freunde unseres Hauses, sehr verehrte Vertreter der Presse,

herzlich willkommen in Würzburg. Ich freue mich, Sie im Namen des Vorstandes so zahlreich zu unserer diesjährigen Hauptversammlung begrüßen zu dürfen. Auch diejenigen Aktionäre und Interessenten, die unsere heutige Versammlung live im Internet verfolgen, möchte ich willkommen heißen.

Bevor ich auf die wesentlichen Ereignisse des Berichtsjahres eingehe, möchte ich Sie bitten, sich von Ihren Plätzen zu erheben, um der Mitarbeiter und Pensionäre zu gedenken, die im letzten Jahr gestorben sind, und oft über sehr lange Zeit mit großem persönlichen Engagement für unser Unternehmen tätig waren. Wir werden unsere Toten in Ehren halten.

– kurze Pause –

Ich danke Ihnen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

die Konjunktur- und Werbeflaute in Europa, Nordamerika, Japan und anderen Teilen der Welt ist nicht spurlos an der Printmedien-Industrie vorbeigegangen. Wo weniger konsumiert, produziert und investiert wird, wird auch weniger Geld für Werbedrucksachen und Anzeigen in Zeitungen oder Zeitschriften ausgegeben. Seit jeher war die Geschäftslage in den grafischen Unternehmen ein Spiegelbild der Wirtschaftsentwicklung. Bereits vor 12 Monaten habe ich an dieser Stelle auf die schwache Konjunktur und die dadurch gesunkene Nachfrage bei Druckmaschinen hingewiesen.

Damals erwarteten wir alle noch einen Aufschwung in der 2. Jahreshälfte 2002. Leider ist dieser nicht eingetreten, und wird aus heutiger Sicht auch noch weiter auf sich warten lassen. Besonders in Deutschland und in der Eurozone tendiert das Wirtschaftswachstum gegen Null. Zeitungs- und Akzidenzdrucker klagen über eine rückläufige Auslastung ihrer Kapazitäten, geschrumpfte Anzeigenumsätze sowie wachsenden Preis- und Kostendruck, den auch wir als Druckmaschinenhersteller immer stärker spüren. Unter diesen ungünstigen Rahmenbedingungen hat sich die KBA-Gruppe 2002 recht achtbar geschlagen und erfüllte weitgehend die eigenen Prognosen:

  • Der Konzernumsatz konnte um knapp 4% auf 1,35 Mrd. Euro zulegen, wobei die Abwicklung früherer Aufträge aus den Boomjahren 1999 und 2000 noch stabilisierend wirkte.
  • Der Auftragseingang blieb knapp 10% hinter dem Vorjahreswert zurück, was hauptsächlich auf das Segment Rollenmaschinen zurückzuführen ist.
  • Der Auftragsbestand lag aufgrund der gestiegenen Auslieferungen und der rückläufigen Nachfrage mit 833 Mio. Euro rund 24% unter dem Vorjahresniveau.
  • Die Ergebnisentwicklung war mit einem Rückgang um rund 30% ein Spiegelbild der Marktverhältnisse.
  • Der erstmals nach internationaler Rechnungslegung erstellte Jahresüberschuss inklusive latenter Steuern ging ebenfalls um knapp 30% zurück.
  • Vor diesem Hintergrund schlägt die Verwaltung auf Basis des Jahresüberschusses der Muttergesellschaft Koenig & Bauer AG eine Dividende von 50 Cent je Aktie vor.

Meine Damen und Herren,

wie stellte sich nun der Geschäftsverlauf im Einzelnen dar?

Der Umsatz erreichte mit 1.354 Mio. Euro einen neue Bestmarke. Einen beachtlichen Beitrag dazu hat die erstmals für das gesamte Geschäftsjahr einbezogene schweizerische Tochtergesellschaft KBA-GIORI S.A. für den Wertpapierdruck geleistet.

Auf den zurückgegangenen Auftragsbestand habe ich bereits hingewiesen. Der mit 1.085 Mio. Euro um gut 113 Mio. Euro rückläufige Auftragseingang war ausschließlich eine Folge der schwachen Investitionsneigung der internationalen Zeitungsindustrie und des niedrigen Nachfragevolumens bei Rollenmaschinen für den Akzidenzdruck.

Ausgesprochen erfreulich entwickelte sich dagegen das Geschäft mit Bogenoffsetmaschinen: Zum neunten Mal in Folge konnte unser Werk in Radebeul zweistellige Zuwächse verbuchen.

Nun zu den wesentlichen Eckdaten des Konzernabschlusses 2002:

Der Jahresüberschuss blieb mit 28 Mio. Euro deutlich hinter dem Rekordwert des Jahres 2001 zurück. Der große Unterschied zwischen der heute nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften präsentierten Vergleichszahl von 40 Mio. Euro für 2001 und der Ihnen aus dem nach HGB erstellten Geschäftsbericht 2001 bekannten Zahl von 74,9 Mio. Euro resultiert hauptsächlich aus dem Ansatz latenter Steuern bei der Bilanzierung nach IAS.

Beim Eigenkapital führte die Anwendung der neuen Vorschriften im Umstellungsjahr 2001 durch einen positiven Basiseffekt von 54 Mio. Euro zu einer Erhöhung auf 437 Mio. Euro. Im Berichtsjahr 2002 wird durch die gesunkene Bilanzsumme sowie die Zuführung zu den Gewinnrücklagen wieder eine gute Eigenkapitalquote von 37,7% erreicht. Für die Innenfinanzierung und für das Rating durch externe Kreditgeber spielt diese Kennziffer eine wichtige Rolle.

Das Ergebnis je Aktie entwickelte sich analog zum Jahresüberschuss und wird nach IAS 33 mit 1 Euro 75 Cent ausgewiesen.

Kommen wir nun zur Gewinn- und Verlustrechnung und zur Bilanz, die Sie im Geschäftsbericht 2002 auf den Seiten 46 und 47 finden:

Mit der Umstellung auf die IAS-Rechnungslegung haben wir erstmals das Umsatzkostenverfahren für die Gewinn- und Verlustrechnung angewandt. Damit ist eine funktionsbezogene Zuordnung der Aufwendungen verbunden. Außerdem kommt bei der relativ lange dauernden Abwicklung von Aufträgen für große Zeitungsanlagen die Percentage-of-Completion-Methode zur Anwendung (Ermittlung des Umsatzes anteilig zur Fertigstellung). Diese führt im Anlagenbau zu einem stärker geglätteten Umsatz- und Ergebnisausweis.

Bei nochmals gestiegenem Umsatz verbesserte sich die Bruttomarge um 7,4% auf 302 Mio. Euro. Die gegenüber dem Vorjahr gestiegenen Vertriebs- und Verwaltungskosten enthalten neben höheren Provisionen für unsere Vertriebsgesellschaften und Vertretungen u.a. auch um knapp 4 Mio. Euro höhere Goodwillabschreibungen aus der Integration der Karat Digital Press GmbH in die Muttergesellschaft. Die höheren Vertriebsaufwendungen für die Akquisition kleinerer Aufträge in entfernter liegenden Regionen konnten leider aufgrund des harten Wettbewerbs nicht an den Markt weitergegeben werden. Entsprechend ging das Betriebsergebnis nach 59 Mio. Euro im Vorjahr auf 47 Mio. Euro zurück.

Das Finanzergebnis betrug durch die wachsende Bedeutung des weitgehend ohne größere Kundenanzahlungen ablaufenden Bogenoffsetgeschäftes sowie die niedrigeren Anzahlungen beim Verkauf großer Rollenmaschinen -3,4 Mio. Euro. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit wird demzufolge mit 43 Mio. Euro ausgewiesen. Der Jahresüberschuss erreichte unter Berücksichtigung latenter Steuern 28 Mio. Euro.

Im Vergleich zu unseren bedeutendsten Mitbewerbern kann sich dieses Ergebnis aber angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen durchaus sehen lassen. Ich möchte mich deshalb an dieser Stelle im Namen des Vorstandes, und wie ich denke, sicher auch im Namen der meisten Anteilseigner, bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren Einsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr bedanken.

Noch einige Anmerkungen zu den wichtigsten Positionen in der Bilanz: Das deutlich höhere Anlagevermögen auf der Aktivseite resultiert neben der fortgesetzten Modernisierung unseres Maschinenparks und unserer Werksanlagen aus der Neubewertung durch die Umstellung der Rechnungslegung. Außerdem macht sich auch hier die Integration der Karat Digital Press GmbH bemerkbar.

Beim ausgewiesenen Umlaufvermögen ist darauf hinzuweisen, dass die erhaltenen Kundenanzahlungen nicht mehr aktivisch von den Vorräten abgesetzt werden können. Gleichzeitig gelang durch eine optimierte Bestandsführung die Reduzierung des Working Capital.

Nach dem negativen Vorjahreswert konnte so wieder ein positiver Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit in Höhe von 6 Mio. Euro erwirtschaftet werden.

Die liquiden Mittel verminderten sich unter anderem durch die vermehrte Finanzierungstätigkeit im Bogenbereich und die Investitionstätigkeit auf 57,1 Mio. Euro.

Auf der Passivseite ist vor allem die solide Kapitalausstattung mit einer Eigenkapitalquote von 37,7% in Relation zur Bilanzsumme zu erwähnen. Die Verzinsung des Eigenkapitals ist mit 6% noch zufriedenstellend und entspricht der Abzinsung der langfristigen Rückstellungen aus Pensionsverpflichtungen.

Die sonstigen Rückstellungen bewegen sich mit 266 Mio. Euro auf Vorjahreshöhe, wobei den um 3 Mio. Euro höheren Pensionsrückstellungen eine Reduzierung der Rückstellungen aus dem Personal- und Vertriebsbereich gegenüber steht.

Nachdem in der jüngeren Vergangenheit die Diskussion um Verpflichtungen aus der Altersversorgung der Mitarbeiter zugenommen hat, möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass durch die Berücksichtigung zukünftiger Gehalts- und Rententrends der Ausweis nach IAS erheblich höher ausfällt und damit die Zukunft realistischer abbildet, als dies nach deutschem Handelsrecht der Fall war. Insgesamt stellt das Versorgungswerk der Koenig & Bauer AG auch künftig eine überschaubare Belastung dar.

In der Entwicklung der Verbindlichkeiten drückt sich hauptsächlich das rückläufige Geschäftsvolumen mit Rollenmaschinen aus. Mit 197 Mio. Euro lag der Saldo der erhaltenen Anzahlungen gut 100 Mio. Euro unter dem Vorjahreswert.

Insgesamt ist die KBA-Gruppe im Vergleich zu anderen Maschinenbauunternehmen sehr solide finanziert. Auch deshalb sind wir der Überzeugung, dass wir die aktuelle Branchenkrise gut meistern werden.

Mit einer Überleitung des IAS-Konzernabschlusses auf den für die Dividendenausschüttung maßgeblichen Einzelabschluss der Muttergesellschaft möchte ich Ihnen, verehrte Aktionäre, den vom Vorstand und Aufsichtsrat eingebrachten und unter TOP 2 zur Abstimmung stehenden Gewinnverwendungsvorschlag erläutern.

Für die Überleitung des Konzernergebnisses auf den Einzelabschluss der AG ist die unterschiedliche Behandlung der Integration des ehemaligen Joint Venture-Unternehmens Karat Digital Press GmbH von entscheidender Bedeutung. Während auf Konzernebene der Fusionsaufwand in Höhe von 20 Mio. Euro aktiviert und nach IAS nur zeitanteilig abgeschrieben wird, wurde er im AG-

Abschluss nach HGB in voller Höhe als außerordentlicher Aufwand behandelt. Hieraus ergibt sich zusammen mit anderen Ansatz- und Bewertungsvorschriften nach IAS sowie den Ergebnissen der Tochterunternehmen ein Delta von –10,2 Mio. Euro zwischen dem Konzern-Jahresüberschuss von 28,1 Mio. Euro und dem AG-Jahresüberschuss von 17,9 Mio. Euro.

Aus dem AG-Überschuss haben Vorstand und Aufsichtsrat satzungsgemäß die Hälfte, also knapp 9 Mio. Euro, in die anderen Gewinnrücklagen eingestellt. Aus dem Bilanzgewinn in Höhe von 8,9 Millionen Euro wird eine Ausschüttung von 8 Mio. Euro vorgeschlagen. Der verbleibende Gewinn von 0,9 Mio. Euro soll auf neue Rechnung vorgetragen werden. Damit beträgt die Ausschüttungsquote, gemessen am Jahresüberschuss der Koenig & Bauer AG, 45%.

Insofern halten wir den Gewinnverwendungsvorschlag, auch im Hinblick auf die im Vorfeld der heutigen Versammlung aufgekommene Diskussion, durchaus für fair.

Sehr geehrte Aktionäre,

Die Kursentwicklung der KBA-Aktie in den vergangenen 18 Monaten kann, wie ein Blick auf das aktuelle Chart zeigt, trotz der jüngsten Erholung nur als unbefriedigend bezeichnet werden. Der Kurs folgte

mehr oder weniger parallel dem DAX-Index. Unternehmensbezogene Meldungen hatten nur einen temporären Einfluss auf den Kursverlauf. Die vielen Maßnahmen, die KBA in den vergangenen Jahren hinsichtlich der gewachsenen Transparenz-Anforderungen des Kapitalmarktes durchgeführt hat, bis hin zur Erfüllung der anspruchsvollen Auflagen des Prime Standard, haben sich bislang nicht in einer nachhaltig höheren Bewertung unserer Aktie niedergeschlagen.

Aktuelle Meinungen nennen einen "fairen Wert" zwischen 13 und 20 Euro für die KBA-Aktie. In Anbetracht des ausgewiesenen Eigenkapitals je Aktie von rund 29 Euro halten wir unser Unternehmen auch bei Berücksichtigung der aktuell schwierigen Marktsituation für deutlich unterbewertet. Nach wie vor weist KBA als Maschinen- und Anlagenbauer eine äußerst solide Bilanzstruktur auf, die allerdings in der Wahrnehmung von der gegenwärtigen Ertragsschwäche überlagert wird.

Kommen wir nun zu den beiden Geschäftsbereichen:

2002 haben wir im Rahmen der IAS-Umstellung die Geschäftsbereiche neu definiert und den Wertpapierbereich zusammen mit den klassischen Zeitungsrotationen und den Rollenmaschinen für den Akzidenz- und Illustrationsdruck im Segment Rollen- und Sondermaschinen zusammengefasst. Somit weist das Segment Bogenoffsetmaschinen nur noch die Geschäftsentwicklung am Standort Radebeul aus.

Der Geschäftsbereich Bogenoffsetmaschinen konnte 2002 erneut an das dynamische Wachstum der vergangenen Jahre anschließen und den Segmentumsatz um 12% auf 619 Mio. Euro steigern. Damit war unser Radebeuler Werk trotz der auch im Bogenoffset erkennbaren Abkühlung des Investitionsklimas überdurchschnittlich erfolgreich. Mit nicht alltäglichen, auf die jeweiligen Kundenwünsche abgestimmten Anlagen konnte die Bogensparte weitere Marktanteile hinzugewinnen und nimmt bei innovativen Verfahrenstechniken mittlerweile eine Vorreiterrolle ein.

Der Geschäftsbereich Rollen- und Sondermaschinen, der von unserem Stammgeschäft mit Anlagen für den Zeitungsdruck dominiert wird, hat beim Umsatz im 1. Halbjahr noch teilweise vom Investitionsboom früherer Jahre profitiert. In der zweiten Jahreshälfte machte sich allerdings die schon seit dem Frühjahr 2001 erkennbare Investitionszurückhaltung bei Neuanlagen für den Zeitungsdruck in einer unbefriedigenden Auslastung der Rollenmaschinenstandorte bemerkbar.

Obwohl wir schon zur Jahresmitte das Personal durch den Abbau von Leiharbeitsverhältnissen und die Beendigung befristeter Verträge um mehrere hundert Mitarbeiter zurückgefahren haben, mussten wir Anfang September die Arbeitszeit der Stammbelegschaft durch die Einführung von Kurzarbeit reduzieren. Diese geht noch bis Ende September dieses Jahres weiter. Da die erhoffte Nachfragebelebung immer noch nicht eingetreten ist, hat der Vorstand für 2003 und darüber hinaus ein Paket zur weiteren Kapazitäts- und Kostenanpassung beschlossen, das ich Ihnen später noch vorstellen werde.

Lediglich im Produktsegment für den Wertpapierdruck verlief die Geschäftsentwicklung weitgehend stabil. Insgesamt steuerten die Rollen- und Sondermaschinen bei einem Minus von 2% mit 735 Mio. Euro 2002 rund 54% zum Konzernumsatz bei. Angesichts des deutlich gesunkenen Auftragsbestandes im Rollenbereich wird allerdings im laufenden Geschäftsjahr der Bogenbereich erstmals mit mehr als 50% zum Konzernumsatz beitragen.

Die hohe Exportquote von 81% spiegelt den aktuellen Investitionsstau in der deutschen Zeitungsund Verlagsindustrie wider. Auch Europa zeigte sich in 2002 deutlich schwächer, obwohl in den aufstrebenden Ländern Osteuropas Zuwächse verzeichnet werden konnten.

Signifikante Wachstumsimpulse für Bogen- und Rollendruckmaschinen kamen überwiegend aus Übersee. Die Region USA/Kanada entwickelte sich trotz der auch dort anhaltenden Konjunkturschwäche aus unserer Sicht erfreulich. Hauptwachstumszone war aber einmal mehr die Vertriebsregion Asien/Pazifik und dort insbesondere die Volksrepublik China. Erstmals lag Fernost in der Exportstatistik vor Nordamerika. Dem auch weiterhin überdurchschnittlichen Wachstumspotenzial in China trugen wir mit der Gründung der neuen Tochtergesellschaft KBA Printing Machinery im Wirtschaftszentrum Shanghai Rechnung.

Beide Geschäftsbereiche haben das Jahr 2002 mit positiven Ergebnisbeiträgen abgeschlossen. Während der Bereich Rollen- und Sondermaschinen mit 29 Mio. Euro von der erstmals ganzjährigen Konsolidierung des Wertpapierbereiches profitierte, musste der Geschäftsbereich Bogenoff- setmaschinen neben dem wachsenden Preisdruck am Markt erhöhte Abschreibungen aus der Integration der Karat Digital Press verkraften.

Damit möchte ich das alte Geschäftsjahr abschließen und zum laufenden Berichtsjahr 2003 kommen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

angesichts der weiterhin instabilen politischen und wirtschaftlichen Großwetterlage ist jeder Ausblick mit vielfältigen Unsicherheiten behaftet. Dies hat das Jahr 2002 – ein Jahr der enttäuschten Konjunkturhoffnungen – exemplarisch gezeigt. Gleichwohl wird an der Börse sensibel jedes Wort über die zukünftigen Geschäftsperspektiven interpretiert und so erklären sich dann die großen Kurssprünge vieler Aktien in den letzten Monaten.

Zahlen zum zweiten Quartal 2003:

Unsere Hochrechnungen im bald zu Ende gehenden ersten Halbjahr 2003 zeigen beim Umsatz einen deutlichen Rückgang von etwa 30 %, der ausschließlich auf die in dieser Periode stark geschrumpften Auslieferungen bei Rollendruckmaschinen zurückzuführen ist. Der Bogenoffsetbereich trotzt dagegen immer noch mit einer stabilen Umsatzentwicklung auf Vorjahresniveau der allgemeinen Branchenschwäche.

Der Auftragseingang im Konzern lag im ersten Halbjahr trotz der recht erfreulichen Entwicklung bei den Bogenoffsetmaschinen aufgrund der immer noch sehr gedämpften Nachfrage bei den großen Rotationsanlagen mit etwa 495 Mio Euro um ca. 10% unter dem Vorjahr.

Zwar konnten auch im zweiten Quartal mehrere Aufträge für Zeitungs- und Akzidenzdruckmaschinen gewonnen werden. Das Volumen insgesamt reicht jedoch nicht aus, um unsere Kapazitäten an den Rollen-Standorten zu füllen, zumal einige Anlagen erst im nächsten Jahr zur Auslieferung kommen sollen.

In diesen Tagen erwarten wir einen größeren Auftrag im Wertpapierbereich, so dass sich die Auftragslage im Segment Rollen- und Sondermaschinen im Juli verbessern dürfte. Dennoch ist der Bestelleingang nach wie vor nicht zufriedenstellend.

Das Halbjahresergebnis, das wir am 14. August veröffentlichen werden, wird daher einen Verlust in einstelliger Millionenhöhe für die KBA-Gruppe ausweisen.

Ausblick auf 2003:

In den vergangenen Wochen und Monaten waren insbesondere in Europa noch keine Anzeichen für eine deutliche Wendung zum Besseren erkennbar. Allerdings registrierte KBA auf der Anfang Juni in Mailand abgehaltenen Fachmesse GEC 03 ein reges Interesse und auch bei der soeben zu Ende gegangenen Zeitungsfachmesse NEXPO in Las Vegas, USA, wurden eine Reihe neuer Projekte diskutiert, die in den nächsten Monaten zu Bestellungen führen könnten.

Im Anlagenbau ist allerdings das Jahr 2003 weitgehend gelaufen und Neuaufträge in den nächsten Monaten werden hauptsächlich 2004 oder erst 2005 umsatzwirksam werden.

Im laufenden Geschäftsjahr 2003 rechnen wir für die KBA-Gruppe dennoch weiterhin mit einem Konzernumsatz in der Größenordnung von 1,2 Mrd. Euro, was einen Rückgang gegenüber dem Rekordumsatz des Vorjahres von gut 10% bedeuten würde.

Trotz der hohen Restrukturierungsaufwendungen für die Kapazitätsanpassung an den Rollen-Standorten und der durch Widerstände aus Teilen der Belegschaft eintretenden Verzögerungen bei der kostendämpfenden Umsetzung der geplanten Maßnahmen wird im Konzern 2003 aus heutiger Sicht wahrscheinlich ein ausgeglichenes Ergebnis erreichbar sein.

Eine genauere Prognose ist gegenwärtig noch nicht möglich, da auch die währungsbedingten Einflüsse aus der Aufwertung des Euro noch nicht exakt quantifizierbar sind.

Legt man das aktuelle Investitionsklima und die von den großen deutschen Druckmaschinenherstellern veröffentlichten Zahlen und Prognosen zugrunde, steht die Branche vor einem weiteren Jahr der Konsolidierung. Erst zur international bedeutendsten Messe für die Printmedienindustrie, der drupa im Mai 2004, wird mit einer nachhaltigen Belebung der Nachfrage gerechnet. Nach dem nun schon gut zwei Jahre zurückliegenden Boom, der auch von den Blütenträumen der New Economy und vom scheinbaren Wundermedium Internet genährt wurde, steht aktuell bei vielen Unternehmen konsequentes Kostenmanagement auf der Tagesordnung ganz oben. Dies spüren natürlich auch die Zulieferer von Investitionsgütern. Neuinvestitionen werden oft unbefristet verschoben und ältere, abgeschriebene Anlagen bei ohnehin oft zu geringer Auslastung vorerst weiter betrieben.

Das überwiegend organische Wachstum von KBA in den letzten Jahren weist im Vergleich zum Branchenführer mit seinen zahlreichen Akquisitionen geringere Zuwachsraten auf. Wir hoffen deshalb, mit unserer eher auf Kontinuität ausgerichteten Strategie auch in der Phase der Konsolidierung geringere Umsatzeinbußen hinnehmen zu müssen. Die Branche insgesamt tendiert wieder in Richtung des Umsatzniveaus der Jahre 1998/99.

Mit einem Blick auf unsere Märkte und Produkte, möchte ich unsere längerfristigen Perspektiven über das laufende Geschäftsjahr hinaus erläutern:

Diese Grafik zeigt, dass seit dem Jahr 2000 die Nettowerbeeinnahmen nahezu aller wichtigen Werbeträger in Deutschland aufgrund der rückläufigen Wirtschaftsentwicklung mehr oder weniger stark zurückgegangen sind. Besonders hart hat es die Zeitungsindustrie getroffen, da dort auch die für den Anzeigenumsatz wichtigen Rubrikenanzeigen für Personal, Immobilien und der Automarkt eingebrochen bzw. teilweise ins Internet abgewandert sind. Die in der Zeitungsindustrie in den vergangenen zwei Jahren um 30 oder mehr Prozent gesunkenen Anzeigeneinnahmen sowie

die mangelnde Auslastung der Druckkapazitäten erklären die aktuelle Investitionszurückhaltung in der Branche, die Koenig & Bauer als ein führender Anbieter in diesem Segment besonders spürt.

Trotz der aktuellen Krise gehen aber die Vorhersagen von Prognos und anderen renommierten Forschungsinstituten davon aus, dass die weltweite Druckleistung in den nächsten 10 Jahren deutlich zunehmen wird. Dies gilt zum einen für die hochindustrialisierten Länder in Europa und Nordamerika, aber besonders für die bevölkerungsstarken Wachstumsmärkte in Fernost, allen voran die Volksrepublik China. Gerade in China konnten wir zu Beginn diesen Jahres bei Bogenund Rollendruckmaschinen erfreuliche Verkaufserfolge erzielen, bevor die Lungenseuche SARS auch dort das Investitionsklima zumindet vorübergehend gedämpft hat. Das Schlimmste scheint aber mittlerweile überwunden zu sein.

Sehr geehrte Damen und Herren,

wenn man sich als Zulieferer mit der Zukunft des Printmedien-Marktes beschäftigt, ist von entscheidender Bedeutung, in welchen Segmenten man sich bewegt: In den Segmenten mit den höchsten Marktanteilen bzw. überdurchschnittlichen Wachstumsraten wie Zeitungen und Zeitschriften, Katalogen, Verpackungen oder Büchern ist KBA sehr gut positioniert. Wir gehen deshalb davon aus, dass wir am künftigen Wachstum der Printmedien angemessen partizipieren werden, sobald die aktuelle Branchenkrise überwunden ist.

Worauf basiert die Annahme, dass die gegenwärtigen Schwierigkeiten hauptsächlich vorübergehender Natur sind?

Analysen der Vergangenheit zeigen, dass das weltweite Wachstum des BIP eng mit der Entwicklung der Druckmärkte korreliert. Das weltweite BIP wird irgendwann wieder deutlich stärker als heute wachsen. Dabei bieten Zeitungen und Zeitschriften als Medienplattform mit die höchsten Erlösmöglichkeiten. Auch der Verpackungs- und Etikettendruck ist mit einem Anteil von rund 20% an der weltweiten Druckleistung sehr zukunftssicher, weil unersetzbar. Besonders in saturierten Märkten kommt den Printprodukten nach wie vor eine Schlüsselrolle als Markenträger zu.

Im Segment Bogenoffsetmaschinen, das für KBA in den vergangenen 12 Jahren aufgrund der erfolgreichen Arbeit meines Nachfolgers Albrecht Bolza-Schünemann und seiner Mannschaft in Radebeul enorm an Bedeutung gewonnen hat, wollen wir unsere inzwischen schon recht gute Weltmarktposition weiter ausbauen und mittelfristig weiter wachsen. Im einzelnen sieht unsere Strategie folgendes vor:

  • die Sicherung der Marktführerschaft im Großformat mit neuen Maschinengenerationen wie der 2004 auf den Markt kommenden Supergroßformat-Maschine Rapida 205
  • weitere Marktanteilsgewinne im bedeutenden Mittelformat durch kundenorientierte Maschinenkonfigurationen wie den längsten Bogenoffsetmaschinen der Welt mit integrierter Inline-Veredelung, die so oft kein anderer Hersteller liefern kann,
  • den Ausbau unserer noch schwachen Marktstellung im Kleinformat durch neue innovative Produkte wie die Genius 52 oder die Karat-Reihe
  • die Vorreiterrolle bei neuen Verfahren, wie dem Hybriddruck, dem Öko-Bogenoffset- oder dem Direktdruck auf Wellpappe
  • den Ausbau erfolgreicher Systempartnerschaften wie z.B. mit dem international führenden kanadischen Vorstufenanbieter Creo und
  • die Vorstellung neuer Produkte und Lösungen zur drupa 2004, über die ich im Detail heute noch nicht sprechen möchte.

Im Geschäftsbereich Rollendruckmaschinen kommt es insgesamt darauf an, dem durch die aktuellen Überkapazitäten auf der Anbieterseite ständig wachsenden Preisdruck am Markt durch ein konsequentes Programm zur Kostensenkung im Sach- und Personalbereich zu begegnen. Gleichzeitig haben wir schon vor einiger Zeit eine Produkt- und Innovationsoffensive gestartet, um unseren Rollenmaschinen-Kunden bei der Bewältigung ihres ebenfalls deutlich gewachsenen Kostendrucks zu helfen und Print im Medienwettbewerb auch weiterhin konkurrenzfähig zu halten.

Im Zeitungsdruck sind hier unter anderem die neue wasserlose Offset-Kompaktrotation KBA Cortina für kleinere, regional orientierte Häuser und die 6-Platten-breite Zeitungsrotation Commander 6/2 im hoch-

auflagigen Bereich zu nennen. Beide Maschinentypen finden am Markt viel Interesse und ermöglichen unseren Kunden bei passenden Auftragsstrukturen geringere Investitions- und Produktionskosten.

Im Illustrationstiefdruck wird KBA seiner Rolle als Markt- und Technologieführer mit einer neuen Maschinengeneration für eine Papierbahnbreite von 4,32 m gerecht, die einen sehr hohen Ausstoß bei reduzierten Exemplarkosten erlaubt.

Und auch im Akzidenz-Rollenoffset werden wir im nächsten Jahr zur drupa eine neue Maschinenreihe vorstellen.

Im Segment Banknoten- und Wertpapierdruck, einem für KBA traditionell sehr wichtigen und dazu noch relativ konjunkturunabhängigen Nischenmarkt, betreiben wir neben der Weiterentwicklung unseres Maschinenprogramms einen erheblichen Entwicklungsaufwand für neue Systeme zur Qualitätsprüfung und Erhöhung der Fälschungssicherheit von Banknoten, mit denen unsere Tochtergesellschaft KBA-GIORI S.A. inzwischen mehr als die Hälfte ihres Umsatzes erzielt.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

zum Schluss meiner Ausführungen möchte ich Ihnen noch die Szenarien und Maßnahmen vorstellen, mit denen der Vorstand das Unternehmen auf den Wandel in der Printmedienindustrie vorbereitet:

Die bereits teilweise über die Medien bekannt gewordenen Maßnahmen zur Anpassung der Kapazitäten und Kosten der KBA-Standorte für Rollendruckmaschinen an das erheblich gesunkene Nachfrage- und Preisniveau sollen ab dem Jahr 2005 die Kostenbasis im Rollenbereich um rund 100 Mio. Euro per anno reduzieren.

  • Dazu werden wir die Beschäftigung im laufenden und, wenn erforderlich, auch im nächsten Geschäftsjahr den Marktgegebenheiten anpassen,
  • Die Kapazitäten und Fixkosten durch die Schließung der Montagewerke Kusel und Berlin reduzieren,
  • Unsere Prozesse und Abläufe zur Senkung der Herstellkosten weiter verschlanken und
  • Den Materialeinsatz zusätzlich optimieren.

Gleichzeitig gilt es aber, den Service für unsere Kunden weiter zu verbessern sowie die Präsenz in fernen Wachstumsmärkten auszubauen, damit die KBA-Gruppe gestärkt in das drupa-Jahr 2004 und die spätestens dann erwartete Markterholung gehen kann.

Unter der Voraussetzung, dass alle geplanten Maßnahmen im vorgesehenen Zeitraum umgesetzt und damit verbundene Kosteneinsparungen realisiert werden können, sehen wir gute Chancen, bereits im kommenden Jahr wieder schwarze Zahlen zu schreiben.

Liebe Aktionärinnen und Aktionäre, verehrte Freunde unseres Hauses,

offiziell erst zum 30. Juni am Monatsende, praktisch aber eigentlich schon heute mit dem Ende der Hauptversammlung werde ich das Amt des Vorstandsvorsitzenden an meinen Nachfolger, Herrn Albrecht Bolza-Schünemann, übergeben und selbst in den aktiven Ruhestand eintreten. Nach vielen Jahren als Finanzvorstand und in den vergangenen acht Jahren zusätzlich als Vorstandsvorsitzender der Koenig & Bauer AG konnte ich die beachtliche Entwicklung der KBA-Gruppe in den letzten 24 Jahren an entscheidender Stelle mitgestalten. Heute reiche ich das Zepter an Herrn Albrecht Bolza-Schünemann weiter - zu meinem Bedauern in einer ausgesprochen schwierigen Zeit. Dennoch ist mir nicht bange.

In seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender unserer ehemaligen Tochter KBA-Planeta AG und seit 2000 als stellvertretender Vorstandsvorsitzender der nach der Fusion größer gewordenen Koenig & Bauer AG hat Herr Bolza-Schünemann den Geschäftsbereich Bogenoffsetmaschinen gemeinsam mit seinen Kollegen und seiner motivierten Mannschaft in Radebeul zum Erfolg

geführt. Im laufenden Jahr wird das Bogenoffsetgeschäft erstmals mehr als die Hälfte zum Konzernumsatz beitragen und KBA ist gerade dort hervorragend aufgestellt.

Nach dem wirtschaftlichen Zusammenbruch das Ostblocks Anfang der 90er Jahre und dem Wegbrechen der für Planeta vorher dominierenden Hauptabsatzmärkte, hat mein Nachfolger es mit seinem Team geschafft, die Strukturen am Standort Radebeul völlig neu auszurichten, komplett neue Produktreihen zu entwickeln und diese auf den Kernmärkten der etablierten Mitbewerber aus dem Westen erfolgreich zu vermarkten. Während in den schwierigen Anfangsjahren der Sanierer gefragt war, kam es später auf den vorausschauenden Unternehmenslenker an. Beide Schuhe konnte mein Nachfolger ausfüllen und dabei wertvolle Erfahrungen sammeln.

Auch sein Bruder, Herr Claus Bolza-Schünemann, der ihn künftig in seiner erweiterten Funktion als stellvertretender Vorstandsvorsitzender im Geschäftsbereich Rollen- und Sondermaschinen entlasten und tatkräftig unterstützen wird, hat in den vergangenen Jahren seine Innovations- und Führungskraft unter Beweis gestellt. Mit den beiden sind nach meinem Intermezzo wieder zwei Vertreter der Gründerfamilie in der sechsten Generation an der Spitze der ältesten Druckmaschinenfabrik der Welt.

Ich hoffe sehr, dass Sie, verehrte Anteilseigner, KBA auch weiterhin Ihr Vertrauen entgegenbringen und das Unternehmen in dieser Phase des Übergangs aktiv und interessiert begleiten.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.