Earnings Release • Mar 8, 2012
Earnings Release
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Peter Bauer Vorsitzender des Vorstands Infineon Technologies AG
München, 8. März 2012
Wachstum, Rendite, Innovationen. Im vergangenen Geschäftsjahr hat Infineon die 2009 begonnene Erfolgsgeschichte fortgeschrieben: ein Umsatzplus von 21 Prozent, 4 Milliarden Euro Erlöse, ein Segmentergebnis von fast 800 Millionen Euro und über 60 Prozent Rendite auf das eingesetzte Kapital. Unsere finanziellen Ziele haben wir erreicht, viele davon sogar übertroffen. Mit der 300- Millimeter-Dünnwafer-Technologie sichern wir uns einen deutlichen Wettbewerbsvorsprung. Der Konzernumbau ist abgeschlossen, Infineon im Markt bestens positioniert.
Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, meine Damen und Herren, liebe Gäste,
guten Morgen!
Auch im Namen meiner Vorstandskollegen begrüße ich Sie zur heutigen Hauptversammlung.
Bevor ich auf die Geschäftsentwicklung eingehe, möchte auch ich ein paar Worte über Arunjai Mittal sagen – unseren neuen Kollegen im Vorstand. Obwohl einer der jüngsten DAX-Vorstände, ist er – ich glaube, ich darf das sagen – ein alter Hase: Arunjai Mittal arbeitet schon seit 20 Jahren mit uns im Unternehmen und ist bei Infineon von Anfang an dabei. Seine Karriere ist bemerkenswert: Sie führte ihn von Mumbai über Singapur und Villach bis nach München. Zwischen Oktober 2008 und Dezember 2011 hat er das Segment Industrial & Multimarket geleitet und sehr erfolgreich weiterentwickelt.
Seit Januar ist Herr Mittal im Vorstand von Infineon, verantwortlich für die Regionen, den Vertrieb, das Marketing, die Strategieentwicklung sowie für Fusionen und Übernahmen. Herr Mittal ist die beste Besetzung für diese Aufgaben. Er hat jahrelange internationale Erfahrung. Er ist bei unseren Kunden sehr gut vernetzt. Er kennt sich hervorragend aus in den für uns so wichtigen asiatischen Märkten. Wir freuen uns sehr, dass wir ihn als neuen Vorstand gewinnen konnten.
Meine Damen und Herren, nun kommen wir zum Rückblick auf das Geschäftsjahr 2011.
Mit dem Verkauf des Mobilfunkgeschäfts im Januar 2011 wurde ein mehrjähriger Konzernumbau abgeschlossen. Das Unternehmen ist jetzt optimal auf die Märkte Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit zugeschnitten. Hier belegt Infineon weltweit führende Positionen. Durch die Portfolio-Fokussierung unterliegen wir nicht mehr den typischen "Schweinezyklen" so mancher Halbleitermärkte.
Infineon ist also robuster und leistungsfähiger geworden. Mit unserem heutigen Geschäftsmodell werden wir künftig weiter wachsen: im Schnitt über den Konjunkturzyklus hinweg um mindestens 10 Prozent pro Jahr. Und damit schneller als der Halbleitermarkt.
Das erfordert geschicktes Zyklusmanagement – ohnehin unser edelstes Handwerk im konjunkturellen Auf und Ab. Für Infineon heißt das:
Damit haben wir Infineon auf stabiles und dauerhaftes Wachstum ausgerichtet.
Wir sind stabiler, jedoch nicht immun gegen konjunkturelle Schwankungen. Das zeigte sich sehr deutlich in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres: Die Weltkonjunktur trübte sich ein. Das Wachstum in Asien – und dort speziell in China – wurde langsamer. Die erhofften Impulse aus den USA blieben zunächst aus. Doch vor allem die hohe Staatsverschuldung in Europa sorgte weltweit für große Verunsicherung.
Die Stimmung in der Realwirtschaft in Deutschland verbessert sich zunehmend. Zu Recht, wie ich meine. Das liegt vor allem am Export. Auf vielen Märkten belegt die deutsche Industrie Spitzenpositionen. Hinter den Erfolgen steht eine herausragende Grundlagenforschung, die getragen wird von exzellenten Hochschulen, Instituten und innovativen Unternehmen.
Dennoch mache ich mir Sorgen um die Rahmenbedingungen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung unseres Kontinents. Ein kurzer Ausflug in die Industriepolitik:
Asien holt sehr schnell auf – nicht zuletzt dank einer gezielten staatlichen Förderung insbesondere von Produkten und Anwendungen. Hier droht uns in Europa – und ganz besonders in Deutschland – ein erheblicher Wettbewerbsnachteil.
Man sieht es am Beispiel Elektroauto:
Europa muss sich anstrengen, den Anschluss zu finden.
Know-how alleine reicht eben nicht. Wir müssen es auch in marktfähige Produkte ummünzen. Was passiert, wenn man die Macht der Anwendung von technologischem Wissen unterschätzt, sehen wir bei zwei Schlüsselmärkten: Von der Unterhaltungselektronik haben wir Europäer uns bereits vollständig verabschiedet, von der Telekommunikation weitestgehend. In beiden Märkten waren wir technologisch führend.
Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit – das sind globale Wachstumsmärkte. Hier ist Infineon Technologieführer. Wollen wir diesen Vorsprung halten, benötigt Infineon hoch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, hervorragende Ingenieure und Wissenschaftler. Dafür braucht Infineon aber auch innovationsfreundliche Rahmenbedingungen für eine zukunftsweisende Technologie- und Produktentwicklung.
Die europäische Kommission spricht von "Key Enabling Technologies" als wichtigem Faktor im globalen Wettbewerb. Halbleiter sind die Schlüsseltechnologie für Elektrotechnik. Diese spielt eine zentrale Rolle für wichtige deutsche Leitmärkte: alternative Energieerzeugung, Stromübertragung, Automobilproduktion, Maschinen- und Anlagenbau. Auch wenn es etwas unbescheiden klingt: Will Deutschland, will Europa bei diesen Märkten führend bleiben und die Wertschöpfung beherrschen, führt an Infineon kein Weg vorbei.
Meine Damen und Herren, Wachstum im 21. Jahrhundert gelingt nur mit Spitzenprodukten auf den Weltmärkten. Asien ist schnell – auch bei der technologischen Aufholjagd. Wollen wir in Europa Schritt halten, ist Geschwindigkeit gefragt: nicht nur bei der Bewältigung der europäischen Schuldenkrise – sondern auch bei der Umsetzung einer weltweit wettbewerbsfähigen Industriepolitik.
Nun zurück zum vergangenen Geschäftsjahr: Mit Wireless Solutions haben wir ein Drittel des Umsatzes verkauft. Trotzdem lagen unsere Erlöse über denen des Vorkrisenjahres 2008. Auch das hohe Ertragsniveau macht Infineon zu einem Unternehmen mit langfristigen Wachstumsperspektiven. Wir haben alle Ziele für 2011 erreicht oder sogar übertroffen. Wir haben gehalten, was wir Ihnen versprochen haben.
Wachstum und Ergebnis sind die Kennzeichen der beiden letzten Jahre. Noch einmal zur Erinnerung: Im Geschäftsjahr 2010 legten wir beim Umsatz mehr als 50 Prozent zu, im abgelaufenen um weitere 21 Prozent. Damit liegen wir über der Entwicklung der Halbleiterindustrie und unseren Wettbewerbern.
Um diesen Weg fortzusetzen, hat Infineon den Ausbau von Fertigungskapazitäten vorangetrieben. Insgesamt belief sich die Investitionssumme auf 887 Millionen Euro – verteilt auf Kapazitätsausbau und strategische Investitionen in neue Fertigungstechnologien. Im laufenden Geschäftsjahr werden wir einen ähnlich hohen Betrag investieren. Damit wird Infineon auch für zukünftiges Wachstum gerüstet sein.
Dass wir bei Wachstum und Investitionen die Rendite im Auge behalten, hat Infineon im abgelaufenen Geschäftsjahr bewiesen: Die Kapitalverzinsung belief sich auf über 60 Prozent – und damit auf ein Vielfaches der Kapitalkosten.
Meine Damen und Herren, mit dem Ende des Geschäftsjahres 2010 hatte Infineon erstmals eine kontinuierliche Dividendenpolitik angekündigt. Wir haben dem Aufsichtsrat eine Anhebung der Ausschüttung an die Aktionäre um 20 Prozent empfohlen. Sollten Sie, meine Damen und Herren, heute diesem Vorschlag folgen, dann werden wir seit dem Beginn des letzten Geschäftsjahres – zusammen mit dem Rückkauf von Anleihen und Aktien – insgesamt eine halbe Milliarde Euro an den Kapitalmarkt zurückgeführt haben. 239 Millionen
Euro – also knapp die Hälfte der Summe – sind Dividendenzahlungen an Sie, die Aktionäre von Infineon.
Ohne die Turbulenzen auf den Finanzmärkten stünde Infineon heute noch besser da. Der plötzliche Einbruch traf uns jedoch nicht unvorbereitet. Zwar ging im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2012 der Umsatz um knapp 10 Prozent zurück. Der Rückgang war aber geringer als im Halbleitermarkt allgemein und bei unseren direkten Wettbewerbern. Auch die Segmentergebnismarge erreichte 15 Prozent – unsere Zielmarge über den Konjunkturzyklus hinweg. Ein sehr ordentliches Ergebnis.
Mein Kollege Dominik Asam wird Sie nachher gern über die weiteren finanziellen Details informieren.
Bei Ihnen, meine Damen und Herren, unseren Investoren, hat Infineon offensichtlich Vertrauen aufgebaut: Der Aktienkurs stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr um 10 Prozent. Zum Vergleich: Der DAX ging im selben Zeitraum um 12 Prozent zurück. Der Halbleiter-Index SOX verlor im Vergleichszeitraum 3 Prozent, ähnlich entwickelte sich der Dow Jones Semiconductors Index.
Das stabilere Ertragsmodell bewährt sich.
Wir halten, was wir versprechen.
Glaubwürdigkeit, zum eigenen Wort stehen – das ist meinen Kollegen und mir wichtig.
Vertrauen schaffen wir auch mit Transparenz. Deshalb möchte ich auch das Thema Qimonda ansprechen. Für die Risiken aus der Insolvenz unserer ehemaligen Speicher-Tochter haben wir unsere Rückstellungen erhöht: Zum Ende des letzten Geschäftsjahres waren es insgesamt 300 Millionen Euro, aktuell sind es 305 Millionen Euro.
Wie Sie wissen, sind die vom Insolvenzverwalter geltend gemachten Ansprüche erheblich höher. Gegen unberechtigte Forderungen haben wir uns bislang jedoch – auch vor Gericht – erfolgreich zur Wehr gesetzt, und wir werden dies auch weiterhin energisch tun. In unserer Ad-hoc-Meldung vom 14. Februar konnten Sie über eine Präzisierung und vor allem Quantifizierung der Ansprüche des Insolvenzverwalters zur sogenannten "wirtschaftlichen Neugründung" und zur Differenzhaftung lesen. Wie schon früher gemeldet, hält Infineon Ansprüche aus angeblicher wirtschaftlicher Neugründung für nicht gegeben. Was die jüngsten Ansprüche zur sogenannten Differenzhaftung angeht, sind wir ebenfalls zuversichtlich: Sie stehen im Widerspruch zu mehreren Wertgutachten.
Einen Vergleich mit dem Insolvenzverwalter, der sämtliche Aspekte der Qimonda-Insolvenz abdeckt, schließen wir nicht aus. Wir werden jedoch nur zustimmen, wenn ein solcher Vergleich die Chancen und Risiken aus den verschiedenen Rechtsstreitigkeiten für Infineon angemessen berücksichtigt.
Wie geht es weiter mit Ihrem Unternehmen, meine Damen und Herren? Warum blicken wir – trotz unsicherer Wirtschaftslage – optimistisch in die Zukunft? Die Antwort: Wir setzen auf Wachstumsmärkte mit hoher gesellschaftlicher Bedeutung.
Beispiel Energieeffizienz: Die Weltbevölkerung wächst, der Energiebedarf steigt. Die Einsparung von elektrischer Energie und eine nachhaltige Energieversorgung aus erneuerbaren Ressourcen gehören heute zu den drängendsten gesellschaftlichen Aufgaben. Mit Produkten und Lösungen für eine effizientere Nutzung von Energie machen wir heute bereits 60 Prozent unseres Umsatzes.
Beispiel Mobilität: Egal ob Individualverkehr oder öffentliche Verkehrsmittel – Infineon sorgt für die Mobilität der Menschen in und zwischen den Metropolen. Unsere Halbleiter finden Sie in Schnellzügen und Metros, in Autos mit Verbrennungs- oder Elektromotor, in Hybridfahrzeugen, die beides haben, und in elektrobetriebenen Zweirädern.
Vom Trend zu Elektromobilität profitieren wir besonders: Halbleiter von Infineon fahren überall mit.
Beispiel Sicherheit: Die Vernetzung der Gesellschaft stellt immer höhere Anforderungen an den Schutz persönlicher Daten. Halbleiter von Infineon bieten die weltweit höchsten Sicherheitsstandards. Das ermöglicht neue Anwendungen wie die sogenannte Near Field Communication. Die kontaktlose Kommunikationstechnologie NFC macht Smartphones und andere mobile Geräte als Geldbörse, Fahrkarte und Schlüssel nutzbar. Wie einfach das funktioniert, erkennen Sie auf dem Bild hinter mir: Sie halten Ihr Handy an das Lesegerät und können so sicher bezahlen. Infineon ist führender Anbieter von Sicherheitscontrollern für Near Field Communication. Auch sorgen wir für Sicherheit bei PCs und Laptops: So verfügt zum Beispiel das Google Chromebook über unser "Trusted Platform Module" für sichere Online-Kommunikation.
Meine Damen und Herren, Infineon hat also gute Antworten auf die Frage:
Was benötigen unsere Kunden?
Wenn wir weiter so erfolgreich wachsen wollen, müssen wir nicht nur darauf achten, unsere heutigen Kunden zufrieden zu stellen.
Wir müssen wir uns auch fragen:
Wo sind unsere zukünftigen Kunden?
Für diese Antwort schauen wir verstärkt nach Asien. Asien – und hier besonders China – bietet für Infineon ein enormes Marktpotenzial. Im vergangenen Geschäftsjahr 2011 hat Infineon in Asien mehr als 40 Prozent des Konzernumsatzes erwirtschaftet. Mit dieser Quote sind wir führend unter den DAX-Unternehmen. Fast 17 Prozent des Umsatzes entfielen alleine auf China. Für einige Produkte, wie etwa IGBT-Schalter für sehr hohe Spannungen und Ströme, ist China bereits heute der größte nationale Einzelmarkt.
Die mittelfristigen Aussichten für den chinesischen Halbleitermarkt sind hervorragend. In den nächsten zehn Jahren wird die Mittelschicht in China rapide wachsen, die Nachfrage nach Gütern mit Halbleitern entsprechend zunehmen. Sie sehen, es ist für Infineon wichtig, in dieser Region optimal aufgestellt zu sein. Auch daher ist es richtig, dass wir mit Arunjai Mittal jetzt einen ausgewiesenen Asien-Experten an Bord haben.
Wie erfolgreich wir in dieser Region bereits sind, zeigt ein Beispiel aus dem Bereich der Elektromobilität: E-Bikes haben den Individualverkehr in chinesischen Großstädten revolutioniert. Schätzungsweise 25 Millionen werden jedes Jahr gebaut. Speziell für China haben wir einen Spannungsregler entwickelt. Mit diesem Produkt fertigt unser Partner vor Ort Steuerungseinheiten für E-Bikes. Der Partner bedient rund ein Drittel des chinesischen Markts.
Meine Damen und Herren, im Foyer haben wir einige Produkte ausgestellt. Sie zeigen das breite Anwendungsspektrum für Halbleiter von Infineon. Hier finden Sie auch ein E-Bike. Ich lade Sie herzlich ein: Nehmen Sie sich in der Mittagspause etwas Zeit und machen Sie einen kurzen Streifzug durch die Produktwelt von Infineon. Bei jedem Exponat stehen Mitarbeiter, die Ihre Fragen gerne beantworten werden.
Wenn wir in China weiter erfolgreich mitspielen wollen, müssen wir unsere Präsenz vor Ort verstärken und ein "chinesischeres" Unternehmen werden. Im Januar haben wir daher das Projekt "China Local Citizen" gestartet. Wir wollen strategische Kooperationen eingehen und stärkere Unterstützung der lokalen Regierung erhalten. Das Ziel ist, Marktanteil und Umsatz von Infineon in China deutlich auszubauen.
In Korea zum Beispiel haben wir dies bereits sehr erfolgreich umgesetzt.
Asien ist und bleibt Wachstumsmarkt für Halbleiter. Auch hier sind wir auf dem richtigen Weg.
Wir konzentrieren uns auf die richtigen Kunden in der alten und in der neuen Welt – Grundvoraussetzung, um erfolgreich zu sein.
Infineon muss aber auch erfolgreich bleiben. Das können wir nur mit Innovationen.
Innovationskraft ist der Motor für Wachstum, Produktivität und Erfolg von Infineon. Gerade in der Halbleiterindustrie ist Innovation das Differenzierungsmerkmal schlechthin. Exzellente Entwicklungsarbeit in marktfähige, attraktive Produkte überführen – das ist unsere größte Aufgabe.
Besonders in unserer schnelllebigen Hochtechnologie-Branche gilt das alte Sprichwort:
"Stillstand ist Rückschritt."
Wie bereits im vergangenen Jahr werden wir auch in Zukunft strategische Investitionen tätigen, um den Technologievorsprung auszubauen und die Innovationsführerschaft zu sichern.
Ein herausragendes Beispiel ist die neue Fertigungstechnologie für 300- Millimeter-Dünnwafer. Hier ist uns ein Durchbruch gelungen. Mit der 300- Millimeter-Dünnwafer-Technologie können wir Leistungshalbleiter erheblich günstiger herstellen und so die führende Position von Infineon stärken.
Meine Damen und Herren, dies ist ein Muster eines 300-Millimeter-Dünnwafers. Er ist dünner als ein Blatt Papier – eine ideale Voraussetzung für
Leistungshalbleiter. Denn so kann der Chip Strom nahezu verlustfrei leiten. Eine beeindruckende technische Meisterleistung unserer Ingenieure!
Mittlerweile haben wir auf einem 300-Millimeter-Dünnwafer testweise die ersten Leistungshalbleiter-Chips gefertigt. Wir nennen das "First silicon". Infineon ist das erste Unternehmen, dem das gelungen ist. Damit hat sich Infineon einen erheblichen Vorsprung verschafft: Unsere Wettbewerber brauchen mindestens zwei Jahre, um diese Entwicklung nachzuvollziehen.
Neue Ideen für Produkte oder Fertigungstechnologien fallen aber nicht vom Himmel. Hinter derartigen Erfolgen steht eine Innovationskultur, die Freiräume und Anreize für unsere Ingenieure bietet: Fehler sind erlaubt, Experimente mit ungewissem Ergebnis manchmal wichtig. Nur so kann Neues entstehen. Dennoch: Der Entwickler muss von Anfang an das marktfähige Produkt vor seinem geistigen Auge haben.
Kreativer Freiraum, die Anforderungen des Marktes und Renditeorientierung – diese schwierige Balance bekommen wir mittlerweile sehr gut hin.
Mit innovativen Produkten hat Infineon in den vergangenen Monaten wichtige neue Geschäfte hinzugewonnen – bei so völlig unterschiedlichen Anwendungen wie im Antriebsstrang des Autos, bei Motoren für Züge oder bei Chipkarten für Krankenkassen. Diese Erfolge haben ein gemeinsames Merkmal: Wir kennen die Systeme und Anwendungen der Kunden und entwickeln gemeinsam mit ihnen passgenaue Halbleiterlösungen. Kunden können damit wettbewerbsfähige Produkte anbieten. Das verschafft Infineon wiederum eine hervorragende Position.
Ich möchte Ihnen zwei Anwendungen zeigen, die Sie vermutlich nicht mit Halbleitern in Verbindung bringen, wenn Sie sie sehen:
Gemeinsam mit einem bedeutenden Hersteller für Baumaschinen werden wir IGBT-Module entwickeln. In den Baumaschinen steuern diese Module
Elektromotoren, die die einzelnen Räder antreiben. Störanfällige Getriebe sind folglich überflüssig. Selbstverständlich haben die Fahrzeuge des Herstellers weiterhin Dieselmotoren. Der Dieselmotor dient aber lediglich dazu, die Elektromotoren mit Strom zu versorgen. Der Vorteil dieser Technik: In schwierigem Gelände kann jedes Rad einzeln angesteuert werden. Die Bewegungsmöglichkeiten sind deutlich größer als mit konventionellen Antrieben und die Betriebssicherheit wird erhöht. Gerade beim Einsatz in Minen mit ihren engen Serpentinen kann ein Getriebeschaden zu einem Ausfall und schlimmstenfalls zu einer Katastrophe führen.
Sie sehen, meine Damen und Herren, Halbleiter von Infineon bewegen Großes.
Von ganz groß zu ganz klein:
Ein Hörgerät. Es ist leicht, leistungsstark und winzig. Der digitale Signalprozessor ist von Infineon. Er hat die gleiche Rechenleistung wie die berühmte Saturn-V-Rakete, die 1969 Neil Armstrong zum Mond brachte. Der Prozessor von Infineon ist gerade mal 10 Quadratmillimeter groß. Und ein Musterbeispiel für Energieeffizienz: Deshalb kann die Miniatur-Batterie das Hörgerät extrem lange mit Strom versorgen.
Meine Damen und Herren, zurück zu einem großen Thema: Die Energiewende ist weltweit eine der drängendsten Aufgaben. Es geht darum, mehr Strom aus Wind, Wasser und Sonne zu gewinnen. Und das schneller, als wir dachten.
Im vergangenen März wurde die Welt alarmiert von den schrecklichen Nachrichten aus Fukushima. Bilder von Rauchwolken über Reaktorblöcken im hoch entwickelten Industrieland Japan führten bei uns zu einem Umdenken bei der Kernenergie.
Für mich war die Atomkraft in Ländern wie Japan oder Deutschland ausreichend sicher, das kleinere Übel gegenüber fossilen Brennstoffen. Läuft alles nach Plan, produziert sie günstigen Strom und entlastet das Klima. Technik ist aber nur gut, solange sie vom Menschen beherrschbar ist. Eine hundertprozentige Beherrschbarkeit der Kernenergie gibt es offenbar nicht. Das ist die bittere Lehre aus Fukushima.
Deshalb meine ich heute: Die Energiewende ist richtig. Wir müssen raus aus der Atomkraft und schneller rein in die erneuerbaren Energien. Aber: Für die Energiewende brauchen wir mehr als Solar- und Windkraftwerke. Wir benötigen neue Leitungen, die den Strom dorthin transportieren, wo er genutzt wird. Insbesondere müssen wir die Verbraucher zu energieeffizientem Handeln anregen und ihnen technische Lösungen bieten. Hier sind wir noch nicht weit genug vorangekommen.
Das Problem der Energiewende ist nicht die fehlende Absicht, sondern die mangelnde Umsetzung. Wir haben Gesetze und Verordnungen formuliert – getan wurde bisher aber zu wenig.
Trotzdem bleibe ich Optimist. Denn die Technik gibt es bereits. Wir müssen sie nur richtig einsetzen. Deutschland kann der Welt zeigen: Es geht in hoch industrialisierten Staaten auch ohne Atomstrom. Und die Energiewende bietet enorme Marktchancen.
Und das gilt ganz besonders für Infineon.
Zwei Zahlen: In einem konventionellen Kraftwerk sind Chips im Wert von etwa 250.000 Euro verbaut. Ein moderner Offshore-Windpark mit gleicher Leistung benötigt Halbleiter für rund 11 Millionen Euro. Faktor 45! Sie sehen, welche Möglichkeiten für Infineon in den erneuerbaren Energien liegen.
Gerade Deutschland hat die Chance, aus der Energiewende ein ökologisches Wirtschaftswunder zu machen. Das meine ich im doppelten Sinn, denn von den neuen Technologien profitieren wir sowohl als Exporteur als auch als Abnehmer. Sowohl das finanzielle als auch das ökologische Potenzial der Energiewende ist riesig.
Wir dürfen uns aber nicht beschränken auf die Suche nach neuen, regenerativen Energiequellen.
Die größte Energiequelle, aus der wir schon heute schöpfen können, heißt: Energie-Effizienz – zugegeben: keine Energiequelle im technischen Sinn.
Dennoch:
Hier schlummert ein riesiges Potenzial. Viel zu lange haben wir uns nur dafür interessiert, woher wir mehr Energie bekommen, um unseren Bedarf zu decken. Darüber haben wir vernachlässigt, Fabriken, Autos, Computern und auch uns Verbrauchern beizubringen, wie wir mit weniger Energie auskommen.
Energieeffizienz spielt in der modernen Gesellschaft eine zentrale Rolle. Der "Energieausblick 2030" von BP schätzt die Zunahme der weltweiten Energienachfrage bis zum Jahr 2030 auf 39 Prozent.
Wir müssen also nachdenken, wie wir vorhandene Energiequellen effizienter nutzen. Mit wenigen Mitteln können wir eine Menge erreichen. Vielversprechende Ansätze, Energie ohne Leistungseinbußen effizienter zu nutzen, sehen wir beim Strom.
Elektrischer Strom ist die wohl reinste Form von Energie. Strom wird zum wichtigsten Energieträger des 21. Jahrhunderts – vor allem weil er günstig und sehr schnell transportiert und effizient gewandelt werden kann.
Das ist gut für Infineon.
Denn unsere Leistungshalbleiter kommen überall zum Einsatz, wo Strom erzeugt, transportiert und verbraucht wird. Über alle Stufen dieser Wertschöpfungskette sorgen unsere Produkte dafür, dass die Verluste verringert werden. Damit ermöglichen wir effizientere Nutzung von Energie.
Den Energieverbrauch zu senken, ohne auf Leistung zu verzichten – das wird der größte Beitrag zur Energiewende sein. Dabei führt kein Weg an unseren Halbleitern vorbei.
Dafür möchte ich Ihnen ein leuchtendes Beispiel zeigen – im wahrsten Sinn des Wortes:
Diese LED-Lampe wird über eine kleine Schaltung mit unseren Leistungshalbleitern angesteuert. Die Chips sorgen für einen konstanten Stromfluss mit geeigneter Spannung über Temperaturschwankungen und die gesamte Lebensdauer der Lampe hinweg. Daraus folgt: Das Licht leuchtet immer gleich hell. Das macht die LED-Leuchte besonders langlebig und sparsam. Der Einspareffekt gegenüber konventionellen Glühbirnen ist enorm: LED-Lampen sorgten bereits 2010 weltweit für die Einsparung von insgesamt einer Terawattstunde – das entspricht in etwa dem Jahresverbrauch einer mittelgroßen Stadt wie Kiel.
Leistungshalbleiter von Infineon erhöhen auch den Wirkungsgrad von Windrädern. Vereinfacht ausgedrückt: Sie sorgen dafür, dass aus viel Wind auch möglichst viel Strom wird, der ins Netz eingespeist werden kann. Aber genau hier gibt es das nächste Problem: Bis zu 10 Prozent der elektrischen Energie gehen heute beim Transport verloren.
Die Lösung heißt: Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung. Wird Gleichstrom mit einer Spannung von bis zu 800.000 Volt transportiert, sind die Verluste am geringsten. Beim Verbraucher muss die Elektrizität aber als Wechselstrom mit einer Spannung von 230 Volt ankommen. Gleichstrom muss also wieder in Wechselstrom mit niedrigerer Spannung transformiert werden. Intelligente
Halbleiterlösungen von Infineon sorgen hier für eine nahezu verlustfreie Umwandlung.
Und auf der Verbraucherseite sorgen Chips von Infineon beispielsweise dafür, dass Netzteile von Servern oder Laptops keine unnötige Wärme produzieren, sie also keine Energie "verheizen". Sie werden darüber hinaus immer kompakter: Moderne Server-Netzteile sind zehnmal kleiner als Modelle von vor acht Jahren. Davon können Sie sich im Foyer überzeugen – hier sind Exemplare ausgestellt.
Energieeffizienz ist weit mehr als ein Geschäft, mehr als nur ein Markt. Wir leisten einen wertvollen Beitrag, um den Klimawandel zu bremsen: Mit unseren Produkten haben wir allein im vergangenen Jahr CO2-Einsparungen von 4,6 Millionen Tonnen ermöglicht.
Selbstverständlich entsteht bei der Halbleiterproduktion auch CO2. Seit Jahren aber gelingt es uns, den Ausstoß immer weiter zu verringern. Auch in Zeiten großer unternehmerischer Herausforderungen waren wir nicht zu bequem, die Nachhaltigkeit unserer Wertschöpfung zu verbessern.
Von 2002 bis 2010 kumuliert haben wir in unseren Fertigungen etwa die Strommenge eingespart, die eine Stadt mit 1,7 Millionen Einwohnern jährlich verbraucht.
Im Vergleich mit dem Durchschnitt der Halbleiterindustrie benötigen wir bei der Herstellung eines Quadratzentimeters Wafer-Fläche 58 Prozent weniger Wasser, 44 Prozent weniger Strom und erzeugen 49 Prozent weniger Abfall. Beeindruckende Resultate, die aus einer Vielzahl intelligenter Entscheidungen resultieren. Jüngstes Beispiel ist die bereits erwähnte 300-Millimeter-Dünnwafer-Technologie: Sobald wir sie in der Volumenproduktion einsetzen, werden wir auch damit eine spürbare Effizienzsteigerung erreichen.
Rechnen wir alles zusammen – also die entstehenden Abgase bei Produktion, Logistik und Stromverbrauch –, dann kommt Infineon auf eine Summe von einer Million Tonnen CO2-Ausstoß. Ziehen wir davon die Einsparung von 4,6 Millionen Tonnen CO2 ab, die unsere Produkte ermöglichen, kommt Infineon im vergangenen Jahr auf einen Einsparungs-Saldo von rund 3,6 Millionen Tonnen. Wir reden also nicht nur von Nachhaltigkeit – wir handeln auch.
Sie sehen: Nachhaltigkeit ist wichtiger Bestandteil unseres unternehmerischen Handelns. Das wird von unabhängiger Stelle bestätigt: Seit September 2010 ist Infineon im Dow Jones Sustainability Europe Index aufgeführt. Im Jahr 2011 wurden die Kriterien verschärft: Inzwischen ist Infineon das einzige europäische Halbleiterunternehmen in diesem Index.
Mehr noch: Die Investment-Spezialisten von Sustainable Asset Management geben gemeinsam mit der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG das Sustainability Yearbook heraus. Die Ausgabe für 2012 wurde vor einigen Wochen auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vorgestellt. In diesem Referenzwerk rangiert Infineon unter den ersten 15 Prozent der nachhaltigsten Unternehmen weltweit.
Ein tolles Ergebnis – und eine Belohnung unserer Anstrengungen.
Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, 2011 war ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr für Ihr Unternehmen. Vor einem Jahr haben wir Ihnen Wachstum, Rendite und Innovationen versprochen.
Wir haben unser Versprechen gehalten. Für Ihr Vertrauen bedanken sich meine Kollegen und ich.
Ich bedanke mich auch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das erfolgreiche Geschäftsjahr ist das Ergebnis unserer gemeinsamen Arbeit. Infineon ist stabil, die Strategie stimmt, wir sind optimal aufgestellt. Mit unseren Produkten und Lösungen für Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit haben wir die Antworten auf wichtige Fragen unserer Zeit.
Heute verspreche ich Ihnen deshalb: Infineon wird weiter Fortschritt machen.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
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