Earnings Release • Jun 2, 2021
Earnings Release
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Rede des Vorstandsvorsitzenden Frank Dreeke Bremen, 02. Juni 2021
+++ Es gilt das gesprochene Wort +++
leider macht es die Pandemie auch in diesem Jahr unmöglich, Sie persönlich begrüßen zu können. Deshalb verlegen wir unsere Hauptversammlung erneut ins Internet.
Dennoch heiße ich Sie nicht weniger herzlich willkommen zur 141. Ordentlichen Hauptversammlung der BLG AG - und zwar im Namen des gesamten Vorstands.
Wie gewohnt, führe ich Sie durch die Zahlen eines Geschäftsjahrs, das den Zusatz "herausfordernd" mehr als verdient hat. Unser Ergebnis ist deutlich negativ, und ich werde die Zahlen gleich im Detail erläutern.
Die Corona-Pandemie hat unser Geschäft im vergangenen Jahr in nie gekanntem Maße beeinflusst. Nicht einmal die globale Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 hatte derartige Auswirkungen. Aber die BLG ist stabil aufgestellt.
Es ist wichtig festzuhalten, dass wir 2020 trotz der Pandemie herausragende, zukunftsweisende Projekte realisiert haben. Lassen Sie mich nur zwei davon nennen, die Sie kurz im Einspieler vor der Hauptversammlung gesehen haben.
Die Anzahl der Arbeitsplätze hierzulande blieb gleich, und unsere Kunden blieben uns treu. Wir halten an der Mission fest, unsere Kunden am Markt erfolgreicher zu machen. Wir werden weiterhin die Logistik von morgen gestalten.
Deshalb haben wir auch im Pandemie-Jahr die Themen Klimaschutz und Digitalisierung konsequent vorangetrieben.
BLG LOGISTICS hat den Weg, bis 2030 klimaneutral zu werden, weiter beschritten. Wir verringern die Emissionen, die innerhalb unseres Unternehmens entstehen und ebenso diejenigen, die außerhalb des Unternehmens durch unsere Geschäftstätigkeit verursacht wurden. Des Weiteren gleichen wir CO2 durch Investitionen in Klimaschutzprojekte aus.
Die BLG ist der erste deutsche Logistikdienstleister mit einer wissenschaftlich anerkannten Klimaschutzzielsetzung. Und zwar nicht von irgendwem, sondern von der international renommierten Science Based Targets Initiative. Dies ist ein Zusammenschluss von Umweltorganisationen wie dem Global Compact der Vereinten Nationen und dem WWF.
Wir haben unsere Mitarbeitenden auf unserem Weg zur Klimaneutralität einbezogen. Wir gleichen jährlich die Emissionen der Dienstwagenfahrten und Flugreisen aus. Dies tun wir mit einem Partner, der in hochwertige Klimaschutzprojekte investiert. Unsere Mitarbeitenden konnten mitentscheiden, wie wir die CO2-Emissionen kompensieren.
Die Themen Innovation und Digitalisierung beschäftigen uns weiter. Im Jahr 2020 beteiligte sich BLG LOGISTICS als Partner in drei neuen Forschungsprojekten zum Thema Künstliche Intelligenz. Diese untersuchen, wie KI in der Logistik einsetzbar ist. Das Gesamtprojektvolumen beträgt dabei 5,8 Millionen EURO.
Meine Damen und Herren, auch wenn wir bei der Hauptversammlung den Blick zurückwerfen, richten wir ihn gleichzeitig nach vorn. Deshalb lautet das Motto unserer Geschäftsberichterstattung 2020 "Klarer Kurs: Zukunft".
Erstmalig haben wir ein Magazin erstellt, das redaktionelle Berichte aus dem Unternehmen und aus dem Bereich Nachhaltigkeit vereint. Das Magazin gibt es auch in erweiterter, digitaler Form im Internet – mit zusätzlichen Services wie Filmund Fotostrecken zu neuen Standorten. Diese digitale Form hat zahlreiche Vorteile und spart darüber hinaus viel Papier.
Auch den Finanzbericht und den Nachhaltigkeitsbericht haben wir digitalisiert. Sie erreichen den Bericht über folgende Adresse: reporting.blg Minus logistics.com.
Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, danke, dass Sie unserem Unternehmen seit vielen Jahren - und teilweise sogar Jahrzehnten - verbunden sind und unserer Hauptversammlung bereits zum zweiten Mal virtuell folgen.
Nun zunächst zu Ihrem Unternehmen, der BREMER LAGERHAUS-GESELLSCHAFT -Aktiengesellschaft von 1877- (im Folgenden BLG AG): Wie Sie wissen, obliegt der börsennotierten Aktiengesellschaft als persönlich haftender Gesellschafterin die Geschäftsführung der BLG LOGISTICS GROUP AG & Co. KG (im Folgenden BLG KG) sowie der BLG-Gruppe. Am Gesellschaftskapital der BLG KG ist die BLG AG nicht beteiligt.
Die BLG AG erstellt gemeinsam mit der BLG KG einen Gruppenabschluss unter der Bezeichnung BLG LOGISTICS - mit der BLG AG und der BLG KG als einheitliches Mutterunternehmen.
Die BLG KG ist breit aufgestellt und hat ihre Kernkompetenzen in den drei Geschäftsbereichen AUTOMOBILE, CONTRACT und CONTAINER. Die operative Führung der Geschäftsfelder, einschließlich der Ergebnisverantwortung, obliegt den jeweiligen Geschäftsfeldleitungen. Im Geschäftsbereich CONTAINER ist es die Gruppengeschäftsführung des Teilkonzerns EUROGATE.
BLG LOGISTICS ist also nicht mit einem "typischen Konzern" vergleichbar, bei der eine Holding die finanziellen Beteiligungen an den operativ tätigen Tochtergesellschaften hält. Dies ist wichtig zu verstehen, wenn es um die Zahlung der Dividende geht. Das im operativen Geschäft erwirtschaftete Ergebnis schlägt nur minimal auf das Ergebnis der AG durch. Die Arbeitsvergütung, die die BLG AG für die Geschäftsführung von der BLG KG bekommt, beträgt in 2020 nur das Mindestniveau von 256 TEUR. Sonst beläuft sie sich auf 5 % des Ergebnisses der BLG KG mit einer Obergrenze von 2.500 TEUR.
Die BLG AG erhält von der BLG KG für die übernommene Haftung und ihre Geschäftsführungstätigkeit eine Vergütung in Höhe von 5 % ihres im Jahresabschluss des jeweiligen Vorjahrs ausgewiesenen Eigenkapitals.
2020 hat die BLG AG von der BLG KG eine Haftungsvergütung in Höhe von 1.047 TEUR – im Vorjahr waren es 1.061 TEUR – und eine Geschäftsführungsvergütung in Höhe von 256 TEUR erhalten. Der Beitrag liegt auf dem Niveau der Mindestvergütung. Im Vorjahr lag der Betrag bei 765 TEUR.
Zusätzlich werden der BLG AG alle unmittelbar aus der geschäftsführenden Tätigkeit bei der BLG KG entstehenden Aufwendungen, zum Beispiel für den Vorstand und Aufsichtsrat, von dieser erstattet.
Darüber hinaus erwirtschaftet die BLG AG durch das Ausleihen von Finanzmitteln an die BLG KG Zinserträge. 2020 beliefen sich die erwirtschafteten Zinserträge auf 673 TEUR, im Vorjahr waren es 679 TEUR.
Im Wesentlichen aufgrund der gegenüber dem Vorjahr niedrigeren Arbeitsvergütung von der BLG KG weist der Jahresabschluss der BLG AG für das Geschäftsjahr 2020 einen Bilanzgewinn nach HGB von 1.117 TEUR aus. Im Vergleich dazu waren es im Vorjahr 1.536 TEUR. Dieser Betrag ist nach deutschem Recht die Grundlage für die Dividendenausschüttung.
Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, grundsätzlich verfolgen wir das Ziel einer ergebnisorientierten und kontinuierlichen Dividendenpolitik. Wir haben jedoch bei anderen Unternehmen gesehen, dass Dividendenauszahlungen in einem Jahr mit negativem Ergebnis oftmals Unverständnis auslösten. Gleichzeitig sieht das Aktienrecht eine Mindestdividende vor. Aufgrund der Auswirkungen durch die Corona-Pandemie auf die Ergebnissituation der gesamten BLG-Gruppe schlagen wir die Ausschüttung einer Dividende entsprechend den Anforderungen des § 254 Aktiengesetz in Höhe von EUR 0,11 je Aktie auf das dividendenberechtigte Grundkapital von 9.984.000 vor – das entspricht 3.840.000 Stück Namensaktien. Im Vorjahr waren es 0,40 EUR je Aktie.
Die Ausschüttungsquote beträgt 37,8 Prozent. Zum Vergleich: 2019 waren es 105,6 Prozent.
Bezogen auf den Jahresschlusskurs von 12,33 EUR ergibt sich für das Geschäftsjahr 2020 eine Dividendenrendite von 0,9 Prozent. Für den übrigen Teil des Bilanzgewinns in Höhe von 695 TEUR schlagen Vorstand und Aufsichtsrat vor, diesen in die anderen Gewinnrücklagen einzustellen.
Die BLG-Aktie ist im Geschäftsjahr 2020 um 5,9 % gesunken und lag niedriger als die Indizes wie der DAX. Dieser schloss mit einem Plus von 3,7 % ab. Sie startete mit einem Kurs von 13,10 EUR und bewegte sich zunächst analog zu den großen deutschen Indizes seitwärts. Der höchste Schlusskurs des Jahres ergab sich vor dem massiven Eintreten der Corona-Krise am 5. Februar 2020 mit einem Kurs von 14,47 EUR.
Der Abschlusskurs am 30. Dezember 2020 lag bei 12,33 EUR.
Meine Damen und Herren, lassen Sie uns nun zum Gruppenabschluss und den Lagebericht kommen:
Der Umsatz der BLG-Gruppe lag 2020 bei knapp 1,1 Milliarden EUR. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Rückgang um 8,1 %. Die Umsatzerlöse sanken dabei in allen Geschäftsbereichen.
Das Ergebnis vor Steuern – das EBT – beträgt -116,1 Millionen EUR. Die EBT-Marge liegt bei -10,9 %. Zum Vergleich: 2019 betrug unser EBT 37,5 Millionen EUR und die EBT-Marge 3,2 %.
Das negative Ergebnis entsteht zum einen aus einem operativen Verlust in Höhe von 25 Millionen EUR sowie zum anderen aus hohen Sondereffekten in Höhe von 30,7 Millionen EUR bei der BLG und weiteren 60,2 Millionen EUR, die auf EUROGATE entfallen.
Die Sondereffekte sind teilweise Corona bedingt. So hat sich bei der BLG durch die überwiegende Schließung des stationären Handels die wirtschaftliche Situation im Geschäftsfeld Sports & Fashion nicht verbessert, ebenso ist die Ergebnissituation der BLG LOGISTICS Inc. USA weiterhin negativ.
Abgeschrieben wurden weiterhin die BLG International Forwarding, die mittlerweile zum 1. April 2021 verkauft wurde, und die Schwerlastplatte im Bereich High & Heavy.
Im Geschäftsbereich CONTAINER gibt es Rückstellungen für das Transformationsprogramm von EUROGATE sowie bilanzielle Wertabschreibungen für den Container Terminal Wilhelmshaven.
Der operative Verlust entstand größtenteils in den Monaten März bis Mai. Das sind die Lockdown-Monate, in denen bei unseren Kunden, insbesondere aus der Automobilindustrie und dem stationären Handel, alles stillstand. Und nicht nur in Deutschland, im letzten Jahr lag die gesamte Weltwirtschaft am Boden. Obwohl sich das Geschäft ab Sommer wieder zunehmend normalisierte, konnten diese Monate nicht aufgeholt werden.
Noch im Frühjahr 2020 waren wir davon ausgegangen, dass der operative Verlust dreimal höher sein wird. Dass wir besser durch die Krise kamen, liegt an unserer Strategie. Wir haben unser Geschäft in den letzten Jahren immer mehr diversifiziert und sind breit aufgestellt. Schwächelt der eine Kunde, kann es ein anderer ausgleichen. Dadurch können wir Verluste in einigen Geschäftsfeldern durch gute Ergebnisse in anderen zumindest teilweise kompensieren.
Das negative Ergebnis hat Einfluss auf unsere Eigenkapitalquote. Diese war im Geschäftsjahr 2019 bereits durch den neuen Bilanzierungsstandard IRFS 16 von 34,5 auf 15,8 % – also um knapp 19 % – gesunken. Infolge des negativen Ergebnisses im Geschäftsjahr 2020 liegt die Eigenkapitalquote nun bei 5,0 %.
Deshalb haben wir bereits im letzten Jahr begonnen, uns über Optionen zur Stärkung des Eigenkapitals mit unserem Gesellschafter auszutauschen.
Stand heute haben wir keine Finanzhilfen in Anspruch genommen. Wir dementieren auch Medienberichte, dass wir Gespräche über einen strategischen Investor führen.
Die detaillierten Aussagen zum Geschäftsverlauf, zur Lage und zum Gruppenabschluss finden Sie im Finanzbericht auf den Seiten 59 bis 61 sowie ab Seite 88. Den Bericht gibt es online auf unserer Internetseite.
Seit dem Geschäftsjahr 2017 legen wir jährlich eine nichtfinanzielle Gruppen-Erklärung vor, so auch für das Geschäftsjahr 2020. Damit folgen wir den Vorgaben des Gesetzes zur Stärkung der nichtfinanziellen Berichterstattung der Unternehmen gemäß § 315b HGB. Die entsprechende Erklärung ist im Nachhaltigkeitsbericht, der auf der Internetseite reporting.blg Minus logistics. com zum Download bereitsteht, integriert. In diesem finden Sie ebenfalls eine ausführliche Berichterstattung zu weiteren nichtfinanziellen Themen.
Lassen Sie uns nun die Ergebnisse in unseren drei Geschäftsbereichen im Detail anschauen.
Der Geschäftsbereich AUTOMOBILE ist der führende Technikund Logistikdienstleister für die internationale Automobilindustrie. Wir decken die gesamte logistische Leistungspalette vom Fahrzeughersteller bis zum Endkunden für Neu- und Gebrauchtfahrzeuge vollumfänglich ab. Zu unseren Dienstleistungen zählen neben dem Umschlag, der Lagerung und technischer Wertschöpfung auch Speditions- und Transportdienstleistungen auf der Straße, der Schiene und dem Binnenschiff.
Insofern ist unser Leistungsportfolio eng mit dem Allgemeinzustand der Automobilindustrie verwoben. Die Fahrzeughersteller befinden sich ohnehin schon in einer schwierigen Umbruchsphase im Hinblick auf das Thema Antriebstechnologien. 2020 brach zusätzlich der Fahrzeugabsatz pandemiebedingt um rund ein Viertel ein. Damit stand bzw. steht die Automobilbranche vor der größten Krise seit dem zweiten Weltkrieg. Die unmittelbaren Auswirkungen auf die Volumina waren in allen Geschäftsfeldern unseres AUTOMOBILE-Bereichs stark spürbar.
Im gesamten AUTOMOBILE-Netzwerk hat die BLG im letzten Jahr 4,8 Millionen Fahrzeuge gehandelt – die Zahl liegt deutlich unter dem Niveau von 2019 mit 6,3 Millionen Fahrzeugen.
Entsprechend resultiert der Rückgang der Umsatzerlöse aus den Volumenreduzierungen der Automobilindustrie. Konkret heißt das eine Verringerung um 82,4 Millionen EUR auf 521,3 Millionen EUR.
Das sind -13,6 Prozent. Im Vergleich: 2019 waren es noch 603,7 Millionen EUR Umsatzerlöse.
Das EBT im Geschäftsbereich AUTOMOBILE ist gegenüber dem Vorjahr von 19,3 Millionen EUR auf -9 Millionen EUR gesunken. Als Sondereffekt schlug eine Abschreibung in Höhe von 6,1 Millionen EUR zu Buche. Das heißt, das operative Ergebnis im Geschäftsbereich betrug -2,9 Millionen EUR.
Im Geschäftsfeld Seehafenterminals ging der Pkw-Umschlag auf unserem größten Terminal in Bremerhaven von 2,1 auf 1,7 Millionen Fahrzeuge zurück.
Der Neustädter Hafen in Bremen und der Bereich High & Heavy in Bremerhaven, die Bestandteile des Geschäftsfelds Seehafenterminals sind, lagen mit ihren Umschlagsmengen im Corona-Jahr ebenfalls unter dem Niveau von 2019. Der Volumenrückgang resultiert im Neustädter Hafen allerdings aus Verschiebungen von schweren Warenarten wie Stahl hin zu leichten Warenarten wie Schnittholz.
Positiv hervorzuheben sind arbeitsintensive Verladungen von großvolumigen Windenergieanlagen für weltweite Destinationen – so dass Auslastung und Beschäftigung im einzigen Universalhafen im Land Bremen um etwa 7 Prozent stiegen.
Trotz der angesprochenen teilweisen Volumenrückgänge konnte sich das Geschäftsfeld Inlandterminals positiv behaupten und schloss das Jahr mit einem positiven Ergebnis ab. Insbesondere der Standort Kelheim hatte durch eine gute Auftragslage und eine signifikante Wertschöpfungstiefe hieran einen bedeutenden Anteil. Für diesen Standort bauen wir derzeit für den Kunden Kia ein neues Parkregal.
Verstärkte Aktivitäten im Bereich Vermieter, Flotten und Remarketing trugen außerdem zum positiven Ergebnis im Geschäftsfeld Inlandterminals bei.
Die Geschäftsfelder AutoTransport und AutoRail konnten das Geschäftsjahr 2020 mit einem positiven Ergebnis abschließen. Obwohl hier die Volumina in einer Größenordnung von 20 bis 30 % rückläufig waren, konnten wir neue, grenzüberschreitende Verkehre hinzugewinnen, insbesondere in die GUS-Staaten.
Nicht nur neue Geschäfte, auch neue Kunden, haben wir im Pandemiejahr 2020 von uns überzeugt: zum Beispiel AIWAYS, ein chinesischer Hersteller von batterie-elektrischen SUVs. Beim Thema Elektromobilität begleiten und unterstützen wir unsere Bestandskunden aktiv. Das ist ein wichtiges Zukunftsthema: Jeder siebte zugelassene Wagen in Deutschland hatte 2020 einen Batterieantrieb.
Konsequent ergänzen wir unser Logistiknetzwerk mit smarten digitalen Lösungen und nachhaltigen Konzepten für klimafreundliche Transporte.
Der stärkste Geschäftsbereich nach Umsatzerlösen war 2020 die Kontraktlogistik mit 552,6 Millionen EUR. Prozentual verlor der Geschäftsbereich CONTRACT nur 2 % seiner Umsatzerlöse. Das sind in absoluten Zahlen -11,3 Millionen EUR; 2019 waren es 563,9 Millionen EUR. Das Ergebnis vor Steuern sank gegenüber dem Vorjahr um 21,3 Millionen EUR auf -13,9 Millionen EUR. Darin ist eine Sonderrückstellung (Drohverlust) in Höhe von 5 Mio. EUR enthalten. D.h. operativ hat der Geschäftsbereich CONTRACT mit -8,9 Millionen EUR abgeschlossen.
In der Kontraktlogistik managen wir komplexe Logistikprojekte. An mehr als 40 Standorten in Europa und Übersee arbeiten wir in eigenen Logistikzentren sowie in den Produktionsbereichen und Lagern unserer Kunden. Dazu zählen starke Marken wie BMW, Bosch, Daimler, Deutsche Bahn, Konica Minolta, OBI, Siemens oder Tchibo. Leistungsschwerpunkte sind die Autoteilelogistik, Industrie- und Produktionslogistik sowie die Handels- und Distributionslogistik.
Die Ergebnisse im Bereich CONTRACT müssen wir im Corona-Jahr differenziert betrachten. Denn es gibt sowohl regionale, als auch branchen- und kundenspezifische Unterschiede.
Das Geschäftsfeld Industrielogistik (Europa) musste sich 2020 mit den Auswirkungen durch die Werkschließungen und den stark gesunkenen Volumina in der Automobilindustrie auseinandersetzen. So blieb vor allem unsere Autoteilelogistik 2020 weit hinter den Erwartungen zurück, trotz Gegensteuern in Form von Kostenreduzierungen und Verbesserungen von Prozessen.
Von staatlichen Lockdowns und langsamen Wiederanläufen der Produktionsstätten waren nahezu alle unsere Kunden und Standorte im Geschäftsfeld Industrielogistik (Übersee) betroffen. Im zweiten Halbjahr konnten sich jedoch unsere Geschäfte in den USA, Südafrika, Malaysia und Indien erholen.
Im Geschäftsfeld Handelslogistik lief es hingegen in vielen Bereichen besser. Während die Schließung des stationären Handels zwar zu Rückgängen in den Bereichen Textil und Möbel führte, entwickelten sich Standorte mit E-Commerce-Dienstleistungen und die Retourenlogistik sehr gut. Das Geschäftsfeld Handelslogistik schloss insgesamt positiv und über Plan ab.
Getrennt haben wir uns, wie Sie wissen, von unserem International Forwarding Geschäft. Am 1. April 2021 hat Rhenus Air & Ocean unsere neun Luft- und Seefrachtstandorte übernommen. Mit dem Verkauf der Speditionsaktivitäten passt sich die BLG strategisch an veränderte Marktverhältnisse an und konzentriert sich auf sein Kerngeschäft der Kontraktlogistik.
2020 konnte der BLG-Geschäftsbereich CONTRACT neue Kunden hinzugewinnen und das Geschäft mit Bestandskunden sowohl deutschlandweit, als auch international, erheblich ausbauen. Lassen Sie mich ein paar Beispiele nennen:
Am Standort Bremen haben wir die Geschäfte mit einem wichtigen Automobilkunden langfristig abgesichert. Ab 2022 werden wesentliche Tätigkeiten im neuen, nachhaltigen 80.000 qm großen Logistikcenter "C3 Bremen" zusammengeführt.
Für den Sportartikelhersteller PUMA haben wir 2020 ein gigantisches europäisches Logistikzentrum errichtet, das pünktlich Anfang April 2021 an den Start gegangen ist. Die hochkomplexe Anlage umfasst 22 km Fördertechnik und 714.000 Karton- und Behälterstellplätze.
Erfolgreich angelaufen sind weitere Industrielogistik-Neugeschäfte, u.a. in Waiblingen, Ludwigsfelde bei Berlin sowie Bremen.
An dieser Stelle bedanke ich mich herzlich bei Jens Wollesen, Vorstand CONTRACT, für die sehr gute Arbeit in den letzten Jahren und wünsche ihm beruflich und persönlich alles Gute. Herr Wollesen verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch, was wir sehr bedauern. Wir suchen derzeit einen Nachfolger bzw. Nachfolgerin. Bis dahin führt Jens Wollesen die Geschäfte wie gehabt weiter.
Der Geschäftsbereich CONTAINER wird durch die Gesellschaftsanteile (50 %) an EUROGATE repräsentiert. Die Umsatzerlöse liegen mit anteilig 263,5 Millionen EUR um 6,7 % unter dem Vorjahr. In 2019 waren es 282,3 Millionen EUR. Neben den Einflüssen der Pandemie schlagen hier rückläufige Durchschnittserlöse durch den unverändert starken Wettbewerb zu Buche.
Die Pandemie hat die Umschlagsentwicklung negativ beeinflusst. Aber es hat sich auch der Trend der Vorjahre weiter fortgesetzt: Der Wettbewerb ist unverändert stark, die internationale Containerschifffahrt ist von Allianzen geprägt. Es gibt einen erheblichen Marktdruck. Deshalb sind die Durchschnittserlöse rückläufig.
Des Weiteren wirken sich bei der BLG Wertberichtigungen in Höhe von 35 Millionen EUR im Zusammenhang mit dem EUROGATE Container Terminal in Wilhelmshaven auf das Ergebnis des Geschäftsjahres 2020 aus. Wir sind am Standort kundenseitig nicht so weit, wie wir es heute sein wollten. Aber wir glauben unverändert, dass Wilhelmshaven seine Stärken mittel- bis langfristig ausspielen können wird. Der Trend zu großen Containerschiffen setzt sich fort, so dass die dortige Wassertiefe von 18 Metern sowie eine gute und uneingeschränkte nautische Erreichbarkeit immer bedeutsamere Kriterien werden.
Weitere außerordentliche Aufwendungen in Höhe von 20,9 Millionen EUR – das entspricht 50 % für die BLG - stehen im Zusammenhang mit dem Restrukturierungsprogramm "Zukunft EUROGATE".
EUROGATE hat bereits Ende 2019 dieses Transformationsprogramm auf den Weg gebracht, damit wir im Wettbewerbsvergleich insbesondere mit den europäischen Konkurrenzhäfen Antwerpen und Rotterdam in Zukunft wieder besser aufgestellt sind.
Insgesamt beträgt das anteilige EBT für den Geschäftsbereich CONTAINER -67,2 Millionen EUR, in 2019 waren es noch 23,7 Millionen EUR plus.
Lassen Sie mich auch Positives zu EUROGATE berichten. Im Geschäftsjahr 2020 wurden insgesamt zehn neue Containerbrücken in Bremerhaven und Hamburg installiert und in Betrieb genommen. Auch die Umstellung auf ein neues IT-System bei CTB und MSC Gate in Bremerhaven – ein Mammut-Projekt mit über 500 Einzelschritten – konnte reibungslos umgestellt werden und hat die Prozesse bereits verbessert.
Ebenfalls von großer Wichtigkeit war, für unsere Kunden während der Corona-Pandemie den laufenden Betrieb wie gewohnt – und zwar 360 Tage im Jahr – ohne spürbare Einschränkungen aufrecht zu erhalten.
Sicherlich möchten Sie wissen, ob es Neuigkeiten zum Thema strategische Partnerschaft mit der HHLA gibt. Erlauben Sie mir an dieser Stelle kurz in meine Funktion als EUROGATE-Aufsichtsratsvorsitzender zu wechseln, denn die Verhandlungen führt EUROGATE.
Die Gespräche ruhen zurzeit, wir warten auf Antworten der HHLA. Zu einer gemeinsamen Gesellschaft von EUROGATE und HHLA für die deutschen Terminals wird es nur kommen, wenn die Anteile zu 50 % bei EUROGATE liegen und der Hauptsitz oder mindestens ein Dienstsitz in Bremen liegt. Da sind wir uns mit der Stadt Bremen einig und tauschen uns regelmäßig mit den verantwortlichen Senatorinnen und Senatoren aus. EUROGATE hat als bremisches Unternehmen eine starke Verhandlungsposition: Die beiden größten Reedereien, Maersk und MSC, haben Terminals in Bremerhaven, und wir haben den EUROGATE Containerterminal Wilhelmshaven, Deutschlands einzigen Tiefwasserhafen.
Auch wenn das Geschäftsjahr 2020 voller Ungewissheit war – auf unsere Mitarbeitenden konnten wir uns verlassen.
Um sie in Pandemiezeiten zu schützen, haben wir frühzeitig einen Krisenstab eingerichtet und umfangreiche Schutz- und Hygienemaßnahmen ergriffen. Hier gilt unser Dank auch den Betriebsräten, die im Krisenstab mitgewirkt und alle Maßnahmen unterstützt haben. Wo immer möglich haben wir unseren Mitarbeitenden flexibles und mobiles Arbeiten ermöglicht. Unsere Maßnahmen hatten Erfolg: Im gesamten Jahr 2020 gab es keine Corona-Infektion von BLG-Mitarbeitenden am Arbeitsplatz.
Um die Auswirkungen von Corona zu kompensieren, wurde an 40 Standorten, hauptsächlich in den Monaten März bis Juni 2020, Kurzarbeit eingeführt. Dies führte für das gesamte Jahr 2020 zu Erstattungen durch die Bundesagentur für Arbeit in Höhe von 10.400 TEUR.
Insgesamt blieb die Anzahl der Mitarbeitenden in Deutschland stabil bei 11.600. Weltweit bietet die BLG-Gruppe einschließlich aller Beteiligungen 20.000 Arbeitsplätze. In der Region Bremen/ Bremerhaven bleiben wir einer der größten Arbeitgeber.
Um die BLG deutschlandweit als attraktiven Arbeitgeber zu positionieren, haben wir im vergangenen Jahr unsere Aktivitäten in den sozialen Medien ausgebaut. Zur Personalgewinnung haben wir erstmalig einen Chatbot – also eine Anwendung, die Künstliche Intelligenz verwendet – eingesetzt. An unserem noch jungen Standort in Schlüchtern haben wir die Möglichkeit genutzt, Langzeitarbeitslosen eine neue Chance zu geben.
Neue Standorte – insgesamt waren es 2020 sieben – und neue Projekte sind immer ein positiver Impuls für die Personalarbeit. Die meisten neuen Mitarbeitenden haben wir 2020 an den Standorten Geiselwind und Schlüchtern eingestellt – jeweils mehr als 150. In Geiselwind hatten wir über 1.300 Bewerbungen.
Auch im Land Bremen haben wir eingestellt, nämlich rund 400 Mitarbeitende des GHB. Wir haben unsere Zusagen aus dem verhandelten Zukunftskonzept eingehalten und darüber hinaus im Rahmen des Insolvenzverfahrens des GHBVs sogar weitere Mitarbeitende übernommen.
Zwei Themen, die in der Personalstrategie der BLG immer eine wesentliche Rolle gespielt haben, sind die Nachwuchsförderung und die Förderung von Diversität.
Bei der Nachwuchsförderung setzen wir kontinuierlich auf die BLG-eigene Ausbildung. Mit 328 Auszubildenden haben wir hier eine konstant hohe Zahl junger Menschen, denen wir einen Start ins Berufsleben ermöglichen.
Beim Thema Diversität hat sich 2020 insbesondere ganz oben einiges getan: Seit November ist der Vorstand paritätisch besetzt und zählt bei den börsennotierten Unternehmen in Deutschland beim Frauenanteil in Vorstands- und Aufsichtsratspositionen zur Spitze. Der Anteil von Frauen in den Funktionsebenen 0 bis 3 stieg um gut 2 Prozent, so dass rund ein Viertel dieser Positionen weiblich besetzt sind.
Zum Abschluss möchte ich auf die Ergebnisentwicklung 2021 blicken und starte mit den drei Geschäftsbereichen.
Während sich die Fahrzeugneuzulassungen in Europa nur langsam erholen, haben sich bereits seit letztem Sommer - insbesondere die asiatischen Märkte - positiv entwickelt. Allerdings stockt der Export aktuell aufgrund fehlender Halbleiter und anderer Teile. Fast alle OEMs haben deshalb Schichten reduziert oder Werke geschlossen. Das prägt den gesamten Geschäftsbereich AUTOMOBILE. Ob die geplanten Aufholprogramme der Hersteller im zweiten Quartal greifen, bleibt abzuwarten.
Im Bereich High & Heavy spüren wir derzeit eine höhere Auslastung als geplant. Hintergrund sind die aktuell nicht ausreichend verfügbaren Container, die zu einer Verlagerung der High & Heavy Ware auf Roll on-Roll Off Schiffe führt.
Die Veränderung der Antriebstechnologie bleibt eine wesentliche Herausforderung für die Automobilindustrie. Besonders der notwendige Ausbau der Infrastruktur und die Qualifizierung der Mitarbeitenden wird von uns aktiv vorangetrieben. Wir sind also eng am Ball bei diesem Zukunftsthema.
Aktuell läuft die Industrielogistik in Europa und in Übersee gut an. Sowohl in den USA, als auch in Indien konnten wir in den letzten Monaten neue Kunden gewinnen. Durch die Übergabe der International Freight Forwarding-Aktivitäten an die Rhenus-Gruppe entfällt ab dem zweiten Quartal der internationale Speditionsumsatz. Der verbleibende Standort Bremen wird in bestehende Geschäftsfelder integriert.
Der Geschäftsbereich CONTRACT steht deutlich robuster da als im Vorjahr und setzt auf sein breites Portfolio an Kunden aus Industrie und Handel. Die im Bereich AUTOMOBILE genannten Auswirkungen der Teileknappheit werden aber auch den Geschäftsbereich CONTRACT beeinflussen.
In den Medien wurde bereits berichtet, dass wir seit Längerem mit unserem Kunden tchibo über den Verkauf des Logistikcentrums verhandeln. tchibo will sich in Bremen vergrößern und hat den Wunsch geäußert, das Logistikzentrum zu kaufen. Die BLG würde das Geschäft aber auch nach einem möglichen Verkauf der Immobilie weiter betreiben.
Unsere E-Commerce-Aktivitäten, insbesondere die Retourenlogistik, bleiben weiter auf einem hohen Niveau. In Geiselwind bieten wir im Jahresverlauf diese Dienstleistungen auch neu für unseren Kunden PUMA an.
Das Konsumverhalten in den USA und Europa sowie Nachholeffekte führten im Geschäftsbereich CONTAINER zu einem guten Start in das Geschäftsjahr. Neben verbesserten Umschlagsmengen schlagen außerordentliche Lagergelder erheblich positiv zu Buche. Hintergrund ist, dass die Fahrpläne der Liniendienste der Containerredereien durch Corona, den Brexit und die Ever Given Havarie im Suez-Kanal durcheinandergeraten sind. Die Lagergelder sind jedoch Effekte, die nur temporär das Geschäft beeinflussen.
Deshalb ist es wichtig, das Transformationsprogramm "Zukunft EUROGATE" weiter voranzutreiben. Hierzu wurde in diesem Jahr bereits eine wichtige Betriebsvereinbarung für den Standort Bremerhaven abgeschlossen.
EUROGATE will durch dieses Programm wieder eine angemessene Rendite mit dem Containerumschlag erzielen. Das Ziel des Transformationsprozesses ist es, die jährlichen Gesamtkosten der Unternehmensgruppe in Deutschland schnellstmöglich und spätestens bis 2024 um dauerhaft 84 Millionen EUR zu senken. EUROGATE will und muss effizienter und produktiver werden. Deshalb investiert das Unternehmen auch in Digitalisierung, zeitgemäße Technik und die Qualifizierung der Mitarbeitenden.
Lassen Sie mich zum Schluss den Blick nach vorne richten. Es besteht weiterhin eine große Unsicherheit, wie sich die Corona-Pandemie weiter auswirken wird – sowohl auf die Wirtschaft, als auch auf unsere Kunden. Insbesondere die Märkte in Asien und den USA ziehen an. Parallel gibt es große Märkte wie Indien, die 2021 besonders stark von der Pandemie betroffen sind.
Die Unwägbarkeiten, insbesondere aufgrund von Corona und der fehlenden Teileverfügbarkeit in der Automobilindustrie, bleiben. Aber wir beobachten die Entwicklungen eng und steuern die BLG entsprechend.
Zwei Themen, in die wir seit einigen Jahren investieren, werden uns auch im Geschäftsjahr 2021 begleiten: Digitalisierung und Klimaschutz.
Liebe Aktionärinnen und Aktionäre, meine Damen und Herren, 2021 wird kein leichtes Jahr, aber wir gehen von einer deutlichen Erholung aus.
Die BLG-Gruppe ist breit, sie ist stabil aufgestellt. Die Ergebnisse der ersten Monate stimmen vorsichtig optimistisch: Das erste Quartal konnte die BLG positiv abschließen. Hinsichtlich der Dividende werden wir unsere Aktionär:innen auch zukünftig je nach wirtschaftlicher Entwicklung entsprechend angemessen am Ergebnis der BLG AG beteiligen.
Wir sind auf einem "Klaren Kurs Zukunft" und danken Ihnen, dass Sie in diesen herausfordernden Zeiten an unserer Seite stehen.
Damit beende ich meinen Bericht über das Geschäftsjahr 2020. Danke für Ihre Aufmerksamkeit.
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