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Baader Bank AG — AGM Information 2006
Jul 19, 2006
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AGM Information
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Rede des Vorstandsvorsitzenden
Uto Baader
zur Hauptversammlung der
Baader Wertpapierhandelsbank AG
München, 19. Juli 2006
Es gilt das gesprochene Wort

Sehr geehrte Aktionäre,
im Namen der Baader Wertpapierhandelsbank AG darf ich Sie ganz herzlich zu unserer diesjährigen Hauptversammlung begrüßen.
Bitte erlauben Sie, dass ich Ihnen zunächst einen kurzen Überblick über das gebe, was ich Ihnen in den kommenden 40 Minuten vortragen werde.
Zu Beginn werde ich Ihnen die wesentlichen Veränderungen der Aufstellung der Baader Wertpapierhandelsbank in den letzten achtzehn Monaten vorstellen und diese Änderungen strategisch einordnen.
Dann werde ich auf das Geschäftsjahr 2005 eingehen und Sie zusätzlich auf den neusten Stand bringen, was die aktuelle Geschäftsentwicklung in den ersten beiden Quartalen 2006 angeht.
Im Anschluss möchte ich etwas detaillierter auf Baaders aktuelle Marktposition, die zukünftige strategische Ausrichtung, die Einordnung der aktuellen Entwicklung in unsere langfristige Strategie und die Aussichten für die nächsten Jahre zu sprechen kommen.
Sie sehen also: Es lohnt sich, die ganze Zeit dabei zu bleiben!
Meine Damen und Herren,
das Jahr 2005 war gekennzeichnet durch Rekordpreise beim Öl, Terroranschläge, Naturkatastrophen und die Angst vor steigenden Zinsen. 2005 haben sich die Börsianer jedoch nicht ins Bockshorn jagen lassen. Trotz dieser Widrigkeiten war es ein sehr gutes Börsenjahr. Weltweit schlossen zum Jahresende die führenden Indices währungsbereinigt deutlich im Plus. Der Dow Jones Industrial Average stieg um 14 Prozent, während der NASDAQ 100 Index um 16 Prozent zulegte. Der japanische NIKKEI-225 kletterte kräftig um 41 Prozent. Damit erreichte dieses Barometer den höchsten Stand seit Herbst 2000. Der Stoxx 50 erhöhte sich um 24 Prozent.
Noch besser sah es in den Schwellenländern aus. Die neuen EU-Länder Tschechien, Polen und Ungarn beeindruckten mit einer anhaltend positiven Indexentwicklung von mehr als 40 Prozent. Brasilien und Mexiko überraschten mit Wachstumsraten ihrer Börsen von mehr als 65 Prozent.
Auch in Deutschland überwog die Zuversicht. Der Leitindex DAX stieg um 27 Prozent. Noch besser entwickelten sich MDAX und SDAX mit Steigerungsraten von 36 Prozent und 35 Prozent. Selbst der TecDAX, der im Vorjahr 4 Prozent eingebüßt hatte, stieg um 15 Prozent.

Diese Entwicklung wirkte sich natürlich auch auf die Handelsvolumina aus. Der Gesamtumsatz an den deutschen Börsen erhöhte sich um 15 Prozent auf 3,8 Billionen Euro. Der Umsatz mit Aktien stieg um 26 Prozent auf 1,2 Billionen Euro. Davon entfielen 76 Milliarden Euro auf Auslandsaktien, was einem Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Die positive Stimmung an den Kapitalmärkten hat im vergangenen Jahr 23 Unternehmen den Gang an die Börse wagen lassen. Insgesamt wurde ein Emissionsvolumen von über 4,1 Milliarden Euro platziert.
Auch unser Haus hatte hieran teil. Im Geschäftsjahr 2005 haben wir 25 Kapitalmaßnahmen mit einem Gesamtvolumen von ca. 90 Millionen Euro begleitet. Darunter befanden sich 3 IPOs: die Sunline AG, VIB Vermögen AG und die Plan Optik AG. 2006 haben wir bereits vier weitere Börsengänge begleitet: ecotel communication AG, impreglon AG, artec technologies AG und die Endor AG.
Meine Damen und Herren,
jetzt könnte man meinen, diese erfreuliche Entwicklung der Märkte wäre die ganze Erklärung für das gute Abschließen der Baader Wertpapierhandelsbank im letzten Geschäftsjahr. Mitnichten. Bedenken Sie, dass das Handelsvolumen an deutschen Börsen immer noch bei nur 50 Prozent des Niveaus aus dem Jahr 2001 liegt.
Unsere aktuelle Positionierung verdanken wir in erster Linie der beharrlichen Verfolgung einer Strategie, die wir uns im Jahr 2001 verordnet haben und ich sie Ihnen hier immer wieder in den letzten Jahren darlegte. Im Geschäftsjahr 2005 sehen wir sehr deutlich, wie sich die konsequente Umsetzung dieser Strategie auszahlt.
Heute ist die Baader Wertpapierhandelsbank AG gemessen an Mitarbeiterzahl, Eigenkapitalausstattung und Marktanteil der größte unabhängige Wertpapierdienstleister in Deutschland. Dies zu werden, hatten wir uns 2002 zum Ziel gesetzt. Und dieses Ziel haben wir 2005 erreicht.
Gemessen am Umsatz erreichen wir an der Frankfurter Wertpapierbörse, also nicht auf Xetra, sondern auf dem "Parkett", wie man es früher nannte, einen Marktanteil von über 30 Prozent, an der Börse München sogar 60 Prozent der aktiv gemakelten Umsätze. Damit haben wir unseren Marktanteil an der Frankfurter Wertpapierbörse innerhalb von nur drei Jahren verzehnfacht.
Dies schlägt sich natürlich auch in der Mitarbeiterzahl nieder. Als einer der wenigen unabhängigen Finanzdienstleister haben wir in den letzten Jahren immer wieder Personal eingestellt. Die Mitarbeiterzahl stieg von 160 im Jahr 2003 auf aktuell (1. Halbjahr 2006) 250 Mitarbeiter. Vor allem durch antizyklische Zukäufe, d.h. durch das

offensive Einsteigen in die Rolle des aktiven Konsolidierers, ist es uns gelungen, die Nr.-1-Position zu erlangen.
Gleichzeitig haben wir unser Kerngeschäft gestärkt, indem wir unsere Produktpalette um weitere handelbare Papiere erweitert haben. Dies erlaubt es uns, erhebliche Skaleneffekte zu nutzen. Die IT-Infrastruktur für die Order-Ausführung war und ist eine große Investition. Je mehr Orders wir darüber laufen lassen können, desto höher der wirtschaftliche Erfolg.
Wie angekündigt sind wir im Jahr 2005 in das stark wachsende Hedgefonds-Geschäft eingestiegen. Gemeinsam mit der Frankfurter Citigroup Investment Deutschland KAG und der Wiener Bank Medici AG hat die Baader Service Bank im August 2005 ihren ersten Single Hedgefonds gestartet. Mit 25 Millionen Euro ist er einer der größten Single Hedgefonds in Deutschland.
Die Baader Service Bank versteht sich als erster Rundum-Dienstleister für Hedgefonds. Sie berät und unterstützt bei Konzeption, Planung und Strukturierung aller rechtlich zulässigen Hedgefonds-Konstruktionen und steht mit ihrem Transaktions-Know-how und dem Risikocontrolling als kompetenter Partner zur Verfügung. Die Bank kann dabei die Aufgaben eines Investment Managers und eines Execution Brokers übernehmen.
Wenn die Baader Service Bank nicht selbst als Investment Manager agiert, vergibt sie das so genannte "Investment Advisory" an ausgewählte Dritte, die – anders als die BSB – vor der BaFin nicht berechtigt sind, als Investment Manager zu agieren.
Ich möchte noch einmal klar stellen, dass sich die Baader Service Bank primär als Infrastrukturdienstleister in diesem Geschäft versteht.
Aktuell beliefert die Baader Service Bank bereits einige Dritt-Fonds mit Abwicklungsund Reporting-Dienstleistungen.
Ich bin ganz offen und sage Ihnen, dass wir erst in zwei Jahren mit nennenswerten Erträgen aus diesem Geschäft rechnen. Aber: Nach jahrelangen Verlusten zeigt das erstmals positive Jahresergebnis der Baader Service Bank im Jahr 2005, dass wir die Bank gedreht haben und auf dem richtigen Weg sind. Wir investieren hier in die Kunden der Zukunft.
Unsere Produktpalette haben wir nicht nur um das Fondsgeschäft erweitert. So haben wir unsere Beteiligung an der Heins & Seitz Capital Management GmbH von bisher 50 Prozent auf 70 Prozent aufgestockt. Heins & Seitz ist auf den Handel mit festverzinslichen Wertpapieren, insbesondere Schuldscheindarlehen und

Nachrangdarlehen, spezialisiert. Auch Heins & Seitz hat ihre Produktpalette in diesem Jahr erweitert und ist in den Geldhandel eingestiegen.
Insgesamt ist Heins & Seitz ein extrem profitables Unternehmen. Im letzten Jahr hat die Baader Wertpapierhandelsbank mit der Beteiligung an Heins & Seitz eine Rendite auf das eingesetzte Kapital in Höhe von 22 Prozent erzielt.
Außerdem haben wir im Februar dieses Jahres unsere Beteiligung an der Conservative Concept Portfolio Management Gruppe (CCPM) in Bad Homburg von 19,96 auf 49,96 Prozent aufgestockt. CCPM hat sich auf die Konzeption und Umsetzung von alternativen Anlagestrategien – neudeutsch: Alternative Investments – konzentriert und ist auf den Einsatz von Futures und Optionen in Form von Single Hedgefonds, Managed Accounts und Zertifikaten spezialisiert.
CCPM verwaltet inzwischen ein Vermögen in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro. Als wir im August 2005 bei CCPM eingestiegen sind, waren es rund 60 Millionen Euro. CCPM hat sich auch international längst einen Namen gemacht. Als erster unabhängiger deutscher Fonds war CCPM für den "European Hedge Fund Performance Award" in der Kategorie "Best Managed Futures Fund" nominiert.
Verehrte Aktionäre,
alternative Investmentstrategien stecken in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Aber sie werden das Rennen machen. Davon bin ich überzeugt. Die Baader Wertpapierhandelsbank will ihren Teil dazu beitragen, dass mehr deutsche Portfoliomanager eine Chance bekommen, ihre Anlagestrategien zu verwirklichen – sofern sie das Zeug dazu haben, den Markt zu schlagen. Denn schlaue Köpfe gibt es nicht nur in London, New York oder Bad Homburg bei CCPM!
Aus diesem Grund werden wir Ende Juli einen Talentfonds ins Leben rufen. Es handelt sich dabei um einen Spezialfonds, der Talenten im Fondsmanagement zu Gute kommen soll. Wir stellen diesen Leuten für eine Dauer von zwei Jahren Kapital zur Verfügung, das sie einsetzen können, um zu beweisen, dass ihre Anlagestrategien funktionieren.
Die Erfolgreichsten unter ihnen werden dann im Anschluss beim Aufbau eines eigenen Fonds unterstützt. Das ist echtes Wagniskapital für Fondsmanager, wenn Sie so wollen. Für diese Leute kann unsere Initiative ein Sprungbrett zum unabhängigen Fondsmanager sein.
Für uns wiederum ist dies eine Chance, mehrere viel versprechende Strategien zu testen, um dann die Besten auszuwählen. Wir beginnen mit einem Fondsvolumen von 10 Millionen Euro. Der Fonds wird zum jetzigen Zeitpunkt noch allein von Baader gestellt. Einige große institutionelle Investoren haben aber bereits ihre feste Absicht

erklärt, diese Initiative zu unterstützen. Die Zielgröße für das Fondsvolumen liegt bei 50 Millionen Euro, das wir in Tranchen von bis zu 5 Millionen Euro an Nachwuchsfondsmanager ausgeben wollen. Bitte gehen Sie dabei davon aus, dass wir die notwendigen Sicherungsmaßnahmen für unser Investment ergreifen. Auch hier geht es letzten Endes um den langfristigen Kundenaufbau, nicht ums Geldanlegen.
Ich bin mir sicher, die Ergebnisse werden uns alle überraschen. In Deutschland schlummern große Finanzmarkttalente. Davon bin ich überzeugt.
Meine Damen und Herren,
wie schlägt sich unsere Strategie der Konzentration auf das Kerngeschäft und die Ausweitung der Produktpalette im Ergebnis 2005 nieder? Ich werde nun auf einige Kennzahlen eingehen. Darüber hinausgehende Details insbesondere bezüglich des Risikoberichts entnehmen Sie bitte dem ausführlichen Geschäftsbericht, der Ihnen vorliegt.
Zum Stichtag 31.12.2005 haben wir insgesamt 61.552 Orderbücher betreut. Auf Aktien entfielen 9.018 Skontren, auf Optionsscheine, Zertifikate und ETFs 45.533 Skontren und auf Renten und Genussscheine 7.001 Skontren.
Unser Betriebsergebnis konnten wir deutlich, nämlich von 3,2 Millionen Euro auf 9,9 Millionen Euro, steigern. Das ist eine Verdreifachung. Darüber hinaus trägt ein positiver Saldo der Sonstigen Aufwendungen und Erträge dazu bei, dass ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit in Höhe von 11,1 Millionen Euro erreicht wurde. Dies entspricht gegenüber dem Vorjahr einer Steigerung um 175,4 Prozent.
Diese Zahlen bestätigen eindrucksvoll, dass unsere Strategie, antizyklisch in unsere Kerngeschäftsfelder zu investieren, voll aufgeht. Sobald wir zusätzliche Umsätze an der Börse sehen, wachsen unsere Erträge deutlich überproportional.
Die GuV 2005 weist ein negatives Zinsergebnis aus. Dies hat vor allem mit den Zinsaufwendungen für die Refinanzierung des Verwaltungsgebäudes in Unterschleissheim zu tun.
Besonders erfreulich ist die positive Entwicklung des Provisionsergebnisses von 14,4 Millionen Euro auf 24,4 Millionen Euro. Alle Geschäftsbereiche haben zu dieser Ergebnissteigerung beigetragen. Von der Erhöhung des Provisionsergebnisses entfallen auf die Geschäftsbereiche Skontroführung und Eigenhandel 5,7 Millionen Euro, auf Kapitalmarktdienstleistungen 0,8 Millionen Euro und auf das Vermittlungsgeschäft 3,8 Millionen Euro.

Das Handelsergebnis konnte trotz sinkender Handelsspannen vor allem durch die Erhöhung unseres Marktanteils auf 34,9 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr um 16,2 Prozent gesteigert werden.
Die Personalkosten sind von 23,2 Millionen Euro im Vorjahr auf 27,2 Millionen gestiegen. Die anderen Verwaltungsaufwendungen stiegen nur leicht von 15,8 Million Euro im Vorjahr auf jetzt 16,2 Millionen Euro.
Die Steigerung des Personalaufwandes um 3,9 Millionen Euro ist fast ausschließlich auf höhere variable Gehaltsbestandteile zurückzuführen.
Zur Vermögenslage: Die Bilanzsumme ist im Berichtsjahr um 18,5 Millionen Euro – also 11,2 Prozent – auf 184 Millionen Euro gestiegen.
Die Available-for-Sale-Bestände setzen sich aus Aktien in Höhe von 19,4 Millionen Euro, Beteiligungen in Höhe von 6,7 Millionen Euro sowie Anleihen und Schuldverschreibungen in Höhe von 3,6 Millionen Euro zusammen. Die Erhöhung der Position Aktien und Beteiligungen resultiert hauptsächlich aus Zuschreibungen sowie aus dem Erwerb von Anteilen an der Conservative Concept Portfolio Management GmbH, Bad Homburg.
Die Anteile an at-equity-bewerteten Unternehmen betreffen die Beteiligung an der SPAG St. Petersburg Immobilien- und Beteiligungs AG, Darmstadt, sowie Fondsanteile am Herald Europe-CI und Globe CC AMI-Fonds.
Als wesentliche Veränderungen im Portfolio sind zwei Ereignisse zu nennen. Erstens: Im Geschäftsjahr 2001 hatte der Vorstand beschlossen, sich aus dem Beteiligungsgeschäft zurückzuziehen. Entsprechend haben wir im Januar 2005 die Gelegenheit genutzt, fünf Unternehmensbeteiligungen an einen von der Ventizz Capital Partners Advisory GmbH beratenen Fonds zu veräußern.
Zweitens: Zum 31.12.2005 war die Baader Wertpapierhandelsbank zu 18,29 Prozent an der KST Beteiligungs AG, Stuttgart, beteiligt. Nachdem der Kurs der KST-Aktie seit Beginn des Jahres 2006 deutlich gestiegen ist, wurde der Anteilsbesitz weitgehend abgebaut, d.h. Stand heute haben wir mehr als die Hälfte der Anteile verkauft. Insgesamt sind auf diese Weise in erheblichen Umfang Veräußerungsgewinne angefallen, die in der Gewinn- und Verlustrechung des ersten Halbjahrs 2006 ihren Niederschlag gefunden haben.

In der Position Grundstücke und Gebäude wird ausschließlich das im Jahr 2002 bezogene Verwaltungsgebäude in Unterschleissheim ausgewiesen.
Die Abnahme der immateriellen Anlagewerte und Geschäftswerte ist vor allem durch planmäßige Abschreibungen verursacht.
Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten enthalten mit 13,6 Millionen Euro langfristige Fremdmittelaufnahmen für die Finanzierung des Verwaltungsgebäudes.
Der im Geschäftsjahr 2005 erzielte Gewinn hat unsere Eigenkapitalbasis noch einmal leicht verbessert. Die Eigenkapitalquote betrug Ende 2005 68,9 Prozent.
Die Liquiditätslage war auch 2005 zu jedem Zeitpunkt unproblematisch. Zum Bilanzstichtag ergibt sich ein bilanzieller Liquiditätsüberschuss in Höhe von 47,6 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es 34,7 Millionen Euro.
Meine Damen und Herren,
die langjährigen Baader-Aktionäre unter Ihnen wissen, dass das Geschäft an und mit der Börse ein risikoreiches Unterfangen sein kann. Denn die Börse ist schließlich nichts anderes als ein Marktplatz für Chancen und Risiken.
Das abgelaufene Berichtsjahr war, was die Ertragsseite anbelangt, ein erfolgreiches Jahr. Diese Erträge wurden jedoch nicht durch das Eingehen höherer Risiken erzielt – die eingegangenen Risiken blieben nahezu unverändert –, sondern durch die Nutzung der Chancen, die sich durch die strategische Ausrichtung der Bank über die letzten Jahre ergaben. Wir können heute aus denselben Umsätzen an den Börsen deutlich mehr Ertrag gewinnen. Unser skalierbares Geschäftsmodell ist genau darauf hin angelegt.
Der professionelle Umgang mit Chancen und Risiken, d.h. diese zu identifizieren, zu beurteilen, effizient zu steuern, zu überwachen, zu kommunizieren und in Handelsmaßnahmen umzusetzen, ist Grundlage unserer Geschäftstätigkeit. Sie trägt den finanziellen Risiken durch ein Risikomanagementsystem entsprechend den seit 20.12.2005 geltenden neuen "Mindestanforderungen an das Risikomanagement" (MaRisk) der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Rechnung.
Zusammenfassend lässt sich zum Geschäftsjahr 2005 sagen, dass die konsequente Fokussierung auf unsere Kernkompetenzen und deren gezielter Ausbau im Jahr 2005 Früchte getragen hat und auch 2006 weiter Früchte tragen wird. Das bestätigen auch die Ergebnisse des ersten Halbjahrs 2006. Mit einem Ergebnis nach Steuern in

Höhe von 17 Millionen Euro konnten wir das Gesamtergebnis des Vorjahres bereits mehr als verdoppeln.
An dieser Stelle möchte ich allen Mitarbeitern der Baader Wertpapierhandelsbank meinen Dank und meine Anerkennung aussprechen. Ohne Ihre Leistung und Ihr Engagement wäre dieses Ergebnis nicht möglich gewesen. Und ohne Ihre Flexibilität wäre es nicht in dem praktizierten Maße möglich, unser Geschäftsmodell mit den Märkten "atmen" zu lassen.
Meine Damen und Herren,
soviel zum aktuellen Geschehen. Vieles davon haben Sie schon gewusst. Etwas spannender ist sicherlich die Frage: Was erwarten wir für die Zukunft? Was sind unsere Pläne? Was macht ein Unternehmen, das seinen Heimatmarkt zu einem sehr guten Anteil erschlossen und eine Kernkompetenz klar für sich herausgearbeitet hat?
Ich gehe fest davon aus, dass wir im Kerngeschäft weiter wachsen. Die Rahmenbedingungen dafür sind günstig.
Nach dem erfolgreichen Börsenjahr 2005 mit Wachstumsraten von mehr als 20 Prozent hat auch das Jahr 2006 – trotz der jüngsten Rückschläge – sehr stark begonnen, wenn auch die Aufwärtsbewegung im zweiten Quartal nachgelassen hat. Vor allem der steigende Ölpreis, die anstehende Mehrwertsteueranhebung und das wenig Vertrauen erweckende Auftreten der Großen Koalition und der anhaltende Ehrgeiz der neuen US-Notenbankführung, die US- und die Weltkonjunktur durch Zinserhöhungen zu bremsen, dämpfen die Stimmung. Die politische Lage insbesondere im Nahen Osten wird weiterhin zur Unsicherheit an den Weltmärkten beitragen.
Dennoch werden die Handelsvolumina aller Voraussicht nach auch 2006 noch weiter zunehmen. Die Investoren sind nach dem guten letzten Jahr zuversichtlich, und bisherige Anlagealternativen (z.B. Lebensversicherungen, Immobilienfonds) werden für deutsche Anleger zunehmend unattraktiv. Hiervon werden die Aktienmärkte profitieren.
Weiter steigende Mittelzuflüsse an die Kapitalmärkte, die zunehmende Zahl an Börsengängen und Kapitalmaßnahmen deutscher Unternehmen sowie eine anhaltend positive Entwicklung der neueren Geschäftsbereiche – ich setze hier vor allem auf das Hedgefonds-Geschäft – lassen mich auch in diesem Jahr eine Verbesserung des Ergebnisses erwarten. Die durch die Konzernstruktur bereits erreichte Diversifizierung sollte die Ertragsseite weiter stabilisieren.

Längerfristig in die Zukunft geblickt, erwarte ich, dass wichtige Impulse für weiteres Wachstum auch aus dem Ausland kommen werden. Hierfür haben wir in den letzten Monaten vorsichtig die Weichen gestellt. Das Stichwort lautet Internationalisierung, d.h. Übertragung unseres Geschäftsmodells auf starke Zukunftsmärkte.
Seit zwei Jahren ist Baader bereits Mitglied der Wiener Börse, seit einem Vierteljahr auch Mitglied an der Schweizer Börse. In Europa können wir uns heute schon, wenn wir wollen, an viele Börsen elektronisch anbinden.
Das große Wachstum der Kapitalmärkte aber findet außerhalb Kontinentaleuropas statt. Sie denken jetzt sicherlich an London oder New York. Dort werden wir uns allerdings nicht engagieren. Denn diese Märkte zeigen schon jetzt einen starken Verdrängungswettbewerb unter den Wertpapierdienstleistern. Dort hat man sicherlich nicht auf uns gewartet!
Außerhalb Europas und Nordamerikas gibt es jedoch einige sehr kapitalintensive Märkte mit großem Potenzial. Interessant sind vor allem wachstumsstarke Länder mit hohen Sparquoten und einer gesunden demografischen Struktur mit einem großen Bevölkerungsanteil der jungen Leute. Also solche Länder, die mittelfristig auch kapitalmäßig sehr stark ausgestattet sein werden und die zudem bereits über einen funktionierenden Kapitalmarkt verfügen.
Viele von Ihnen denken jetzt an die BRIC-Länder, also Brasilien, Russland, Indien und China. Richtig. Aber nur eines dieser Länder erfüllt alle für uns entscheidenden Kriterien. Und das ist Indien.
Indien hat einen riesigen Binnenmarkt. Jeder fünfte Mensch weltweit ist Inder. Seit 15 Jahren wächst Indiens BIP mit stabilen 6 – zuletzt sogar 8 Prozent – pro Jahr. Breite Schichten der Bevölkerung partizipieren an diesem Wachstum. Bombays Börse ist die älteste Börse Asiens. Es gibt hervorragende Derivate-Märkte und ein angelsächsisch geprägtes Rechtssystem, mit dem wir umzugehen verstehen. Die Sparquote in Indien liegt knapp unter 30 Prozent (!), und die Zahl der Besserverdienenden nimmt pro Jahr um 25 Prozent zu. Kurzum: ein Markt, in dem wir uns einfach engagieren müssen.
Wie sie wissen, haben wir uns zu Beginn des Jahres an dem börsennotierten indischen Finanzdienstleiser Parsoli Corporation Ltd. mit 9 Prozent beteiligt und planen, diese Beteiligung auf 25 Prozent auszubauen. Parsoli mit Hauptsitz in Bombay ist als Finanzdienstleister von der indischen Zentralbank zugelassen und Mitglied an der National Stock Exchange of India, der Bombay Stock Exchange (BSE) und deren angeschlossener Derivatebörsen.

Meine Damen und Herren,
neben Indien gibt es einen weiteren Markt, auf den wir unser Augenmerk richten werden. Wir beabsichtigen, uns an einem Finanzdienstleister im Oman zu beteiligen.
Die Logik hinter dieser Beteiligung ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Denn hierzulande hat kaum jemand bemerkt, dass die Mitgliedsstaaten des Golfkooperationsrates (GCC) beim Aufbau einer einheitlichen Finanzregion mit dem Ziel, bis zum Jahr 2010 eine Währungsunion zu vollziehen, bereits sehr weit fortgeschritten sind. Das bestätigt auch die EZB. In der Golfregion suchen enorme Kapitalüberschüsse nach Anlagemöglichkeiten. Oman ist derzeit dabei, eine hochmoderne Börsen-Handelsplattform aufzubauen. Das Land gilt bereits heute als die Schweiz Arabiens.
Über die geplante Beteiligung wollen wir uns sowohl Zugang zu den Kapitalmärkten der Golfstaaten als auch zu arabischen Investoren verschaffen. Diese blicken verstärkt nach Europa, um ihre Gelder anzulegen. Baader kann diesen Investoren Zugang zu weltweiten Börsenplätzen verschaffen.
Aber auch hier gilt: Schuster, bleib bei deinem Leisten! Unser langfristiges Ziel ist es, die Order-Ausführung für weltweite Transaktionen dieser Investoren bereitzustellen.
Meine Damen und Herren,
wenn Sie mich schon länger kennen, dann wissen Sie: Ich bin Optimist. Aber auch Sie als Aktionäre der Baader Wertpapierhandelsbank haben allen Grund, positiv in die Zukunft zu blicken. In unseren Kerngeschäftsfeldern in Deutschland sind wir gut aufgestellt. Die in den letzten Jahren erreichte Produktdiversifikation innerhalb unserer Branche sorgt für eine hohe Stabilität in einem Geschäft, das von Natur aus volatil ist. Baader ist längst ein Wertpapierhändler im breitesten denkbaren Wortsinn geworden. Wir unterstützen den Handel mit fast allem, was an den Kapitalmärkten handelbar ist, angefangen von A wie Aktie über F wie Fonds und festverzinsliche Wertpapiere bis hin zu Z wie Zertifikaten.
In den vergangen drei Jahren hat sich Baader deutlich besser entwickelt als die Umsätze der Frankfurter Wertpapierbörse, wie sie dieser Abbildung entnehmen können.
So wie wir heute aufgestellt sind, würde unser Haus überproportional von einem Börsenaufschwung profitieren. Die Skaleneffekte, die uns heute schon zu Gute kommen, kämen dann noch stärker zum Tragen.

Ein weiterer Trend, der unsere Geschäftsentwicklung in den kommenden 12 Monaten positiv beeinflussen dürfte, ist die im Jahr 2007 anstehende Einführung der neuen EU-Richtlinie MiFID. Die Abkürzung steht für "Markets in Financial Instruments Directive". MiFID trifft umfassende Neuregelungen für die Geschäfte mit Finanzinstrumenten und betrifft Banken, Handelsplattformen, Asset Manager oder private Vermögensverwalter. MiFiD ist das wichtigste Grundgesetz in Europa für den Handel mit Wertpapieren.
Die Baader Wertpapierhandelsbank und ihre Tochtergesellschaften sind hierauf bereits gut vorbereitet. Unsere Prozesse sind schon jetzt in weiten Teilen MiFIDkonform und werden es bei Inkrafttreten des Gesetzes vollständig sein. Außerdem hat die Baader Wertpapierhandelsbank zum 1. Oktober 2006 ein neues Vorstandsmitglied bestellt, das sich speziell um die Entwicklung und den Vertrieb MiFID-konformer Produkte kümmern wird. Wir freuen uns, Herrn Christopher Schütz, vorher verantwortlich für den Bereich Brokerage, Clearing und Custody Services bei der HypoVereinsbank AG, für diese neue Aufgabe gewonnen zu haben.
Nicht alle Banken und Börsen sind auf MiFID vorbereitet. Deswegen erwarten wir, dass es zu einer Neuausrichtung bei einigen Finanzinstituten kommen wird, die die Wertpapierabwicklung zukünftig nicht mehr inhouse erledigen werden. Von diesem Trend zum Outsourcing der Order-Ausführung an Häuser wie das Unsere wird Baader profitieren.
Meine Damen und Herren,
für mich hat die Baader Wertpapierhandelsbank alles, was eine Erfolgsgeschichte braucht: Wir haben uns auf unser Kerngeschäft konzentriert und dort gleichzeitig unsere Produktpalette stark diversifiziert, d.h. das Gesamtrisiko im Kerngeschäft abgebaut. Wir haben ein stabiles und profitables Kerngeschäft im Heimatmarkt und nutzen die Gunst der Stunde, attraktive Wachstumschancen in Auslandsmärkten zu realisieren bzw. dafür die Weichen zu stellen. Wir sind ein traditionsreiches Familienund zugleich ein modernes Börsenunternehmen. Seien es nun Bären oder Bullen, die in den kommenden Jahren auf uns warten – mit beiden werden wir fertig werden!
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und übergebe das Wort nun wieder an Herrn Dr. Schiessl.