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Baader Bank AG AGM Information 2002

Sep 15, 2002

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AGM Information

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Rede von

Uto Baader

Vorstandsvorsitzender der Baader Wertpapierhandelsbank AG, München

"Zurück zu den Wurzeln!"

Anlässlich der Hauptversammlung der Baader Wertpapierhandelsbank AG am 10. Juli 2002

Es gilt das gesprochene Wort

Sehr geehrte Damen und Herren Aktionäre,

zur Hauptversammlung der Baader Wertpapierhandelsbank AG möchte ich Sie sehr herzlich begrüßen. Als Vorstandsvorsitzender und Mehrheitsaktionär freue ich mich, dass Sie uns mit Ihrem Erscheinen Zeit und Vertrauen schenken.

Vertrauen zu haben ist in diesen Zeiten, da schlechte Nachrichten und böse Überraschungen Hochkonjunktur haben, nicht leicht. Konjunkturell sind die Zeiten unsicher bis schlecht, aber nicht dramatisch. Blicken wir indes auf die Börsen und insbesondere auf die Wachstumsmärkte, scheint es so, als sei den Anlegern der Glaube an eine Erholung, ja an die Zukunft als solche abhanden gekommen zu sein.

Der einzige Trost: Die Zeit wird diese Stimmung heilen. Die Frage ist nur, wann. Die Geschichte der Finanzmärkte erlebt so etwas nicht zum ersten und gewiss nicht zum letzten Mal.

Meine Damen und Herren,

wo stehen wir? Wie lassen sich die letzten beiden Börsenjahre, wie lässt sich die Situation unseres Unternehmens in die aktuellen Rahmenbedingungen an den Märkten einordnen?

Die Börsenphase 1997 bis Anfang 2000 war eine von historischer Dimension. Unmengen von Kapital wurden in windigen Firmen versenkt, die aus kaum mehr als einem Business Plan, einem Server und einem halbfertigen Programm bestanden.

So eine extreme Börsenphase erlebt jede Generation statistisch gesehen höchstens einmal.

Jetzt, da der Traum vom schnellen Gewinn an der Börse, vom Geldverdienen im Handumdrehen ausgeträumt ist, werden wir uns daran gewöhnen müssen, dass börsennotierte Gesellschaften auch Pleite gehen können. Mittlerweile sind über 10 Prozent der Unternehmen des Neuen Marktes zahlungsunfähig oder stehen unmittelbar davor. Die Aufräumarbeiten machen unterdessen auch vor den großen Adressen in der Wirtschaft nicht mehr Halt: Enron, Tyco oder Worldcom und Xerox heißen die Verlierer in den USA, Holzmann, Herlitz oder Kirch und Babcock heißen sie in Deutschland. Es werden wohl noch ein paar große Namen dazukommen.

Mein Damen und Herren,

diese Entwicklung ist – wie Sie längst wissen – auch an uns als Wertpapierhandelsbank nicht spurlos vorübergegangen. Im Gegenteil: Wertpapierhandelsbanken atmen mit den Märkten. In guten Zeiten

ragen ihre Gewinne aus der Branche der Finanzdienstleister heraus, in schlechten Börsenzeiten mit schwachen Kursen und sinkenden Umsätzen werden wir überdurchschnittlich in Mitleidenschaft gezogen.

Die Kursrückgänge 2001 gingen erneut mit deutlich niedrigeren Umsätzen an den Weltbörsen einher. Die Zahl der Neuemissionen ging in Deutschland weiter um fast 80 Prozent auf nur noch 32 zurück. Das gesamte Neuemissionsvolumen sank um über 90 Prozent auf etwa 3,2 Milliarden Euro.

Die Konsolidierung innerhalb der Branche der Wertpapierdienstleister hat sich im abgelaufenen Geschäftsjahr fortgesetzt. Das äußerst schwierige Börsenumfeld hat dazu geführt, dass sich die Liquiditätssituation und die Eigenkapitalbasis vieler Wertpapierhandelshäuser dramatisch verschlechtert haben und so den Konsolidierungsprozess beschleunigen. Diese Entwicklung spiegelt sich insbesondere in der Rückgabe von Skontren vorwiegend an den Börsen Berlin und Düsseldorf und in den Zusammenschlüssen von Fleischhacker und Reich sowie der geplanten Fusion Spütz Börsenservice und KlingJelko wider. Die Firma Lappe & Partner hat sogar ihren Geschäftsbetrieb eingestellt. Auch unsere Verschmelzung mit der KST Wertpapierhandels AG ist vor dem Hintergrund der Kosteneinsparungen im Verwaltungsbereich von mehreren Millionen als notwendig zu sehen.

Wenngleich auch das Eigenkapital im Baader-Konzern im Jahr 2001 um 27,0 Prozent abgenommen hat, verfügen wir im Vergleich zu den Wettbewerbern doch weiterhin über eine solide und wettbewerbsfähige Eigenkapitalgrundlage und eine ausgezeichnete Liquiditätsausstattung.

Wir haben das mit Abstand schwierigste Jahr in unserer Firmengeschichte frühzeitig zum Anlass genommen, um alle Geschäftsfelder einer kritischen Analyse zu unterziehen. Das Ergebnis dieser Überprüfung: Zukünftig werden wir uns wieder mehr auf unsere beiden Kernkompetenzen, den Wertpapierhandel, d.h. Liquiditätsdienstleistungen vor allem in Skontren, über die Privatanlegerorders laufen, und auf das Vermittlungsgeschäft für institutionelle Anleger, d.h. die diskrete und zuverlässige Abwicklung großer Orders beispielsweise von Fonds, konzentrieren. So konnte die Zahl von 4.291 betreuten Aktien zum 31.12.2001 im Jahresverlauf abermals leicht gesteigert werden.

Diese strategische Entscheidung haben wir durch verschiedene Maßnahmen, die im Geschäftsjahr 2001 zum Ausbau und zur Stärkung der Kerngeschäftsbereiche vorgenommen wurden, in die Praxis umgesetzt. Die positive Wirkung dieser Maßnahmen wird schon in der Anfangsphase des nächsten Aufschwunges deutlich sichtbar werden.

Die Maßnahmen im einzelnen:

Das Vermittlungsgeschäft des Konzerns haben wir im Januar 2001 in der Tochtergesellschaft Eckes Effektenhandel AG, die auf Ihrer Hauptversammlung die Namensänderung in Baader Securities AG beschlossen hat, gebündelt. Damit haben wir eine klare organisatorische Trennung zwischen Vermittlungsgeschäft und Eigenhandel vorgenommen. Der Baader-Konzern bietet in diesem Geschäftsbereich die professionelle und diskrete Ausführung von Orders für in- und ausländische Investoren an. Die Baader Securities AG ist, wie die Baader Wertpapierhandelsbank AG selbst, eine der aktivsten Börsenteilnehmerinnen und belegt daher in den Rankings der Deutsche Börse AG bezüglich des Umsatzanteils in den relevanten Segmenten vordere Plätze.

Das Geschäftsfeld Wertpapierhandel konnte mit der Verschmelzung der Meyenkoth & Co. Wertpapierhandelsgesellschaft mbH, Berlin, auf die Baader Wertpapierhandelsbank AG um festverzinsliche Wertpapiere ergänzt werden. Ein zusätzlicher Schritt zum Ausbau des Wertpapierhandels war im vergangenen Jahr die Übernahme der Mehrheit an der KST Wertpapierhandels AG. Nach Abschluss des öffentlichen Übernahmeangebots hält die Baaderbank 87% an der KST. Zur Hebung entsprechender Synergien schlagen wir Ihnen heute die vollständige Verschmelzung der KST auf die Baaderbank vor.

Im Zuge des Übernahmeangebots haben wir im vergangenen Jahr mit Wirkung zum 8. August 2001 eine Erhöhung des Grundkapitals gegen Sacheinlagen um 650.947 Euro vorgenommen. Diese neuen Aktien wurden ab August 2001 in den Handel an den Börsen einbezogen.

Unsere strategische Neuausrichtung hat weit reichende Konsequenzen für die übrigen Geschäftsbereiche. Den Geschäftsbereich Beteiligungen haben wir aufgegeben. Es werden keine Neuengagements mehr eingegangen. Das bestehende Portfolio wird jedoch weiterhin wertsteigernd betreut. Über geeignete Exit-Strategien, d.h. Maßnahmen zum Ausstieg aus den Beteiligungen, wollen wir dieses Portfolio mittelfristig schrittweise abbauen. Im vergangenen Jahr haben wir sechs von 25 Beteiligungen veräußert. Zum 31. Dezember 2001 hielten wir – ohne strategische Beteiligungen und Anteile an verbundene Unternehmen – noch 19 Beteiligungen, die zum Bilanzstichtag zu 69,0 Prozent wertberichtigt waren.

Im Geschäftsjahr 2001 haben wir für acht Unternehmen Kapitalmaßnahmen mit einem Gesamtvolumen von rund 20,6 Millionen Euro durchgeführt. Ursprünglich geplante Börsengänge mussten wir jedoch aufgrund der geringen Aufnahmefähigkeit des Marktes zurückstellen.

Wegen der schlechten Verfassung des Börsenumfeldes haben wir den Geschäftsbereich Emissionen personell angepasst und beschlossen, Platzierungsrisiken im gegebenen Marktumfeld weitgehend zu vermeiden.

Im Zuge der Restrukturierung der Geschäftsbereiche und Umsetzung der strategischen Neuausrichtung haben sich weitere Optimierungsmöglichkeiten ergeben. So haben wir im Berichtszeitraum die Verlagerung von Verwaltungstätigkeiten in die Zentrale nach Unterschleißheim eingeleitet. Mit dem Umzug in unsere im Bau befindliche neue Zentrale werden wir die Bündelung unserer Aktivitäten voraussichtlich im vierten Quartal 2002 abschließen. Mit der Zentralisierung und Modernisierung aller Verwaltungsabläufe sind für uns weitere Fortschritte bei der Effizienzsteigerung und beim Kostenmanagement verbunden.

Meine Damen und Herren,

die angesprochenen Umbaumaßnahmen und die eingeleitete Konzentration auf unsere Kernkompetenzen hat nicht verhindern können, dass wir das Geschäftsjahr 2001 mit einem erheblichen Verlust abgeschlossen haben. Die nachhaltige Eintrübung des geschäftlichen Umfeldes ist wesentlich schneller verlaufen als wir gedacht und gehofft

hatten. Die Anpassung der Strukturen eines Unternehmens geschieht naturgemäß nicht so rasant wie der Launenwechsel an den Börsen.

Wir haben für das Berichtsjahr 2001 erstmals einen befreienden Konzernabschluss nach den International Accounting Standards (IAS) erstellt. Zur Erhöhung der Transparenz und wirtschaftlichen Aussagekraft haben wir die wesentlichen Komponenten der Ergebnisentwicklung des Konzerns sowohl nach IAS als auch nach HGB im Vergleich zum Vorjahr im Ihnen vorliegenden Geschäftsbericht ausführlich dargestellt.

Die wesentlichen Unterschiede zwischen den Vorschriften für den Abschluss nach IAS und den Vorschriften nach HGB bestehen in der unterschiedlichen bilanziellen Behandlung von Firmenwertabschreibungen sowie zukünftigen Steuerminderungen aus

Verlustvorträgen. Im Endeffekt haben wir im Konzernabschluss nach IAS ein höheres Eigenkapital ausgewiesen als im Konzernabschluss nach HGB, aber auch einen höheren Jahresverlust.

In wenigen Jahren wird diese Art des Abschlusses ohnehin verpflichtend sein für alle in der EU börsennotierten Gesellschaften.

Mit dem Rating der Agentur Standard & Poor's, das wir im ersten Quartal 2002 erfolgreich durchgeführt haben, konnten wir uns als bisher einzige geratete Wertpapierhandelbank in Deutschland als führend

positionieren und Maßstäbe in der Kommunikation mit Analysten setzen. Mit einem Rating von "B" wird zudem unsere Fremdkapitalbeschaffung vereinfacht, da sich Kreditgeber auf die Einschätzung von Standard & Poor's stützen.

Im internationalen Vergleich misst sich damit die Baader Wertpapierhandelsbank AG mit Unternehmen wie Fresenius Medical Care mit dem Rating "BB" oder dem Chiphersteller AMD Advanced Micro Devices mit der Note "B". Auch der weltgrößte Spezialist an der NYSE La Branche wir derzeit mit einem "B" im kurzfristigen Bereich bewertet.

Obwohl wir also anerkanntermaßen als ein substanzstarker Wert erkannt werden, war es uns im vergangenen Jahr nicht möglich, gegen den breiten Abwärtssog der Börsen einen angemessenen Kurs für unsere Aktien zu erzielen. Die Baaderaktie fiel im Laufe des Jahres um 70 % auf 4,55 Euro am Jahresende. Nach zwischenzeitlichen Ansätzen zu einer Erholung notieren wir inzwischen immer noch auf diesem Niveau.

Unser bilanzielles Eigenkapital beläuft sich zur Jahresmitte 2002 auf rund 157 Millionen Euro, die aktuelle Marktkapitalisierung sieht uns bei knapp 100 Millionen Euro.

Sobald die Märkte wieder leicht in einen positiven Trend einschwenken und mit der Zuversicht die Umsätze zurückkommen, wird sehr deutlich werden, wie stark wir unterbewertet sind. Nicht zuletzt aus diesem Grund haben wir kürzlich mit dem auf der letzten Hauptversammlung genehmigten Rückkauf eigener Aktien begonnen. So lange wir die Aktien auf diesem Niveau erwerben können, werden wir das im Rahmen des genehmigten Rückkaufprogramms auch tun.

Meine Damen und Herren,

die Zahlen, die ich Ihnen nun vortragen möchte, basieren auf dem IAS-Abschluss. Vorab sei gesagt: In keinem Geschäftsbereich konnten die Erwartungen an die Erlössituation auch nur annähernd erfüllt werden. Dennoch ist es uns gelungen, im Jahr 2001 ein Handelsergebnis von 40,1 Millionen Euro zu erwirtschaften. D.h., operativ konnten wir uns im Markt behaupten. Diesem Ergebnis stehen auch erheblich geringere Verwaltungsaufwendungen gegenüber, die wir im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent reduzieren konnten.

Unter Berücksichtigung aller möglichen Vorsorgemaßnahmen in Form von Firmenwertabschreibungen auf verbundene Unternehmen, Abschreibungen und Zuführungen zu Einzelwertberichtigungen auf Anlagebuchbestände und Sonstige Vermögensgegenstände in Höhe

von zusammen 107,3 Millionen Euro betrug das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit des Jahres 2001 minus 116,2 Millionen Euro. Hier kommt vor allem der Zusammenbruch des Marktes für junge Wachstumsunternehmen zum Ausdruck, der voll auf unser Beteiligungsportfolio und auf unsere Handelsbestände durchgeschlagen hat.

Weitere Einzelergebnisse: Das Zinsergebnis hat sich gegenüber dem Vorjahr um 798.000 Euro oder 67,7 Prozent auf Minus 381.000 Euro verbessert. Dies ist im Wesentlichen auf die Volumenreduzierung des Wertpapierbestandes zurückzuführen, der typischerweise durch die Aufnahme von kurzfristigen Fremdmitteln bei Kreditinstituten refinanziert wurde.

Das Provisionsergebnis von Minus 3,7 Millionen Euro ist gegenüber dem Vorjahr erheblich gesunken. Dies ist bedingt durch geringere Courtageerträge, denen nur unterproportional gesunkene Abwicklungskosten gegenüberstehen.

Die Verringerung des Handelsergebnisses um 98,3 Millionen Euro oder 71,0 Prozent auf 40,1 Millionen Euro ist vor allem auf die geringeren Wertpapierumsätze zurückzuführen.

Das Ergebnis aus so genannten Available-for-Sale Beständen ist im Wesentlichen geprägt durch die Risikovorsorge in Höhe von 33,0

Millionen Euro auf Anlagebuchbestände und den sonstigen Anteilsbesitz. Unter Berücksichtigung der bereits in den letzten beiden Jahren gebildeten Risikovorsorge sind inzwischen 65,3 Prozent der ursprünglichen Anschaffungskosten dieser Bestände wertberichtigt. Zum 31.12.2001 betragen die restlichen Buchwerte nur noch 37,9 Millionen Euro.

Von der Verminderung des Verwaltungsaufwandes um 29,5 Millionen Euro oder 39,1 Prozent auf 45,9 Millionen entfallen 29,5 Millionen auf den Personalaufwand und 431.000 Euro auf die anderen Verwaltungsaufwendungen. Die Abschreibungen auf immaterielle Anlagewerte und Sachanlagen haben sich um 444.000 Euro auf 1,8 Millionen Euro erhöht.

Im Saldo der Sonstigen Aufwendungen und Erträge werden vor allem Zuführungen zu Drohverlustrückstellungen in Höhe von 6,1 Millionen Euro und ein Korrekturposten für konsolidierungspflichtige erworbene Ergebnisse in Höhe von 698.000 Euro ausgewiesen.

Durch Firmenwertabschreibungen von 66,9 Millionen Euro wird der negativen Ergebnisentwicklung der verbundenen Unternehmen Rechnung getragen. Zur Festsetzung der Firmenwertabschreibungen liegen für die wesentlichen verbundenen Unternehmen entsprechende Bewertungsgutachten einer unabhängigen

Wirtschaftsprüfungsgesellschaft vor. Die vorzutragenden Verluste

werden in den Folgejahren dazu führen, dass die Steuerbelastung reduziert wird.

Die Bilanzsumme ist im Berichtsjahr um 153,8 Millionen Euro oder 37,3 Prozent auf 258,7 Millionen Euro zurückgegangen. Dieser Rückgang resultiert hauptsächlich aus den Abschreibungen der Firmenwerte auf Anteile an verbundenen Unternehmen sowie aus dem Abbau des Wertpapierhandelsbestands.

In den Forderungen an Kreditinstitute sind vor allem für die Abwicklung von Börsengeschäften als Sicherheiten hinterlegte Guthaben ausgewiesen.

Die Handelsaktiva umfassen börsennotierte Aktien und Anleihen, die in der Bilanz in Höhe von 30,4 Millionen Euro ausgewiesen sind.

Die Finanzanlagen bestehen aus Schuldverschreibungen und anderen festverzinslichen Wertpapieren in Höhe von 29,6 Millionen Euro.

In den Sachanlagen wird das im Geschäftsjahr im Rahmen einer Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage in die Gesellschaft eingebrachte Grundstück sowie das im Bau befindliche Gebäude in der Weihenstephaner Straße in Unterschleißheim in Höhe von 5,9 Millionen Euro ausgewiesen. Die bis zum Bilanzstichtag zusätzlich angefallenen

Herstellungskosten in Höhe von 2,6 Millionen Euro sind ebenfalls in diesem Posten enthalten.

Das Gebäude wird im Herbst diesen Jahres fertiggestellt und der Bank als zentrales Verwaltungsgebäude für alle inländischen Standorte dienen. Die Gesamtkosten für die Fertigstellung des Gebäudes bis zur Bezugsfertigkeit werden etwa 24 Millionen Euro betragen.

Die Rückstellungen werden vor allem durch Rückstellungen für Eventualverbindlichkeiten und für Pensionsrückstellungen bestimmt.

Bei den Sonstigen Passiva handelt es sich hauptsächlich um Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie Verbindlichkeiten aus interner Verrechnung mit verbundenen Unternehmen und Arbeitnehmerprämien.

Die hohe Risikovorsorge und die Firmenwertabschreibungen haben unsere Eigenkapitalbasis deutlich reduziert. Gleichwohl verfügen wir mit einer Eigenkapitalquote von ca. 70 Prozent nach wie vor über eine wettbewerbsfähige Kapitalausstattung.

Unsere Zahlungs- und damit unsere Handlungsfähigkeit war im Berichtszeitraum jederzeit gewährleistet. Zum Bilanzstichtag stehen kurzfristigen Bankforderungen in Höhe von 82,9 Millionen Euro und jederzeit veräußerbaren börsenfähigen Wertpapieren sowie Finanzanlagen in Höhe von 60 Millionen Euro kurzfristige

Bankverbindlichkeiten in Höhe von 49,5 Millionen Euro gegenüber. Saldiert ergibt sich ein bilanzieller Liquiditätsüberschuss von 93,3 Millionen Euro. Damit ist unsere Zahlungsfähigkeit langfristig gesichert. Bis auf weiteres wird das Thema Kapitalausstattung für uns kein Thema sein. Unsere Finanzierungsstruktur bedeutet für die zukünftige geschäftliche Entwicklung – anders als bei den meisten Wettbewerbern – auch nach dem miserablen Geschäftsjahr 2001 kein Wachstumshemmnis.

Im Berichtsjahr blieb die Anzahl der Mitarbeiter im Konzern zum Bilanzstichtag mit 212 nahezu konstant. Im Vorjahr waren es zum Bilanzstichtag 215. Von den 212 Mitarbeitern waren 145 in den operativen Bereichen und 67 Mitarbeiter in der Verwaltung tätig. Dabei stellt die AG den Großteil der Verwaltungsmitarbeiter und übernimmt weitestgehend alle verwaltungstechnischen Aufgaben für die Tochtergesellschaften. Im Jahresdurchschnitt hatten wir 221 Mitarbeiter beschäftigt, woran Sie ersehen können, dass wir im Jahresverlauf schlanker geworden sind. Der Personalabbau im Zusammenhang mit den angesprochenen strategischen Maßnahmen hat sich im ersten Halbjahr 2002 fortgesetzt. Per 1.7. waren konzernweit noch 200 Mitarbeiter bei uns beschäftigt.

Dass wir nicht in größerem Umfang Leute freigesetzt haben, hat zwei Gründe. Zum einen ist unser Vergütungssystem sehr flexibel.

Wenn wir gut verdienen, steigen die Verwaltungs- und Personalkosten überdurchschnittlich; dafür kommen sie in ertragsärmeren Zeiten aber auch deutlicher zurück. Zum anderen aber gehören wir als ein mittelständisches Unternehmen auch nicht zu der Sorte Firmen, die Mitarbeiter behandeln wie Biertischgarnituren. Hier wird nicht je nach Wetterlage auf- und abgebaut, hier wird investiert in Know-how. Exzellente Mitarbeiter waren, sind und bleiben die Grundlage unseres Geschäfts. Ich möchte es bei dieser Gelegenheit nicht versäumen, mich bei allen Mitarbeitern sehr herzlich für ihr Engagement, ihr Vertrauen und ihre Loyalität zu bedanken. 2001 war für jeden einzelnen kein einfaches Jahr. Dem Aufsichtsrat möchte ich für die Unterstützung und die Ratschläge in diesen schwierigen Zeiten, ebenfalls ganz herzlich danken. Insbesondere Herrn Prof. Dr. Tremer, der seit 1996 alle Höhen und Tiefen unserer Unternehmensentwicklung miterlebt hat, mehrere Übernahmen und Fusionen maßgeblich begleitet hat und in den vergangenen Jahren jederzeit ein kritischer und konstruktiver Ratgeber und Aufseher war. Mit Ablauf dieser Hauptversammlung wird Herr Prof. Dr. Tremer auf eigenen Wunsch aus dem Gremium ausscheiden.

Durch den neuen Verwaltungsstandort in Unterschleißheim sowie die Einführung zusätzlicher sozialer Leistungen haben wir für die Mitarbeiter sicherlich an Attraktivität gewonnen.

Eines ist klar: Auf mittlere Sicht zählen kritische Masse der abgewickelten Transaktionen, Eigenkapitalbasis und Effizienz der EDV sowie Qualität der Mitarbeiter und Dienstleistungen zu den spielentscheidenden Faktoren. Nur wer auf allen Teilgebieten ganz vorne liegt, wird den absehbaren Prozess der Konsolidierung aktiv mitgestalten und am Ende seine Unabhängigkeit bewahren können. Im deutschsprachigen Raum ist derzeit keine andere Wertpapierhandelsbank so gut positioniert wie wir.

Meine Damen und Herren,

der Kapitalmarkt verlangt von uns jedes Jahr aufs Neue einen geschäftlichen Ausblick. Doch das Jahr 2001 hat uns, wie schon so manches Jahr davor, wieder einmal gezeigt, wie wenig prognostizierbar Umsatz- und Kursverläufe an den Weltbörsen sind, und wie volatil damit auch unsere Ertragssituation ist.

Derzeit scheint es mir besonders schwierig, eine Aussage über die Entwicklung an den nationalen und internationalen Märkten zu treffen. Auch die herrschenden Analystenmeinungen zu zitieren scheint mir nicht besonders hilfreich zu sein. Letztlich war die Mehrheit der Zunft zweieinhalb Jahre lang immer wieder viel zu optimistisch. Lassen Sie uns hoffen, dass wir allmählich in eine Börsenphase hineingleiten, in der

sich die Prognosen der Profis für einen längeren Zeitraum als zu pessimistisch erweisen.

Die Konjunkturvorhersagen sind verhalten positiv, aber nicht wirklich dazu angetan, Phantasie zu wecken. Die Gewinnerwartungen vieler Unternehmen sind weiterhin gedämpft. Die politische Entwicklung im Wahljahr 2002 trägt zur Unsicherheit speziell am deutschen Kapitalmarkt bei.

In unseren vorläufigen Zahlen zum ersten Halbjahr kommen freilich nochmals Belastungen aus dem Beteiligungsgeschäft sowie auch die noch anhaltende Schwäche der Börse zum Ausdruck. Im Konzern weisen wir für das 1. Halbjahr 2002 ein vorläufiges konsolidiertes Ergebnis pro Aktie von Minus 1,09 Euro im Vergleich zu Minus 0,60 Euro im Vorjahr aus. Das vorläufige Konzern-Ergebnis nach Steuern beträgt dementsprechend Minus 25 Millionen Euro gegenüber Minus 12,5 Millionen Euro im Vorjahr.

Vor allem die Abschreibung unserer Beteiligung an der im Neuen Markt notierten Brain International AG, die vor wenigen Tagen Insolvenz angemeldet hat, sowie weitere Abschreibungen auf Aktienbestände haben die sich im ersten Quartal abzeichnende Stabilisierung unseres operativen Geschäfts außerordentlich belastet.

Die Verwaltungskosten haben wir gegenüber dem Vorjahr um weitere 20 Prozent gesenkt. Außerdem haben wir per Anfang Mai unsere Abwicklungsbank gewechselt. Dies hat zu spürbaren Effizienzgewinnen bei unseren internen Abläufen und damit zusammenhängend auch zu einer deutlichen Kostenreduktion geführt, die im 2. Halbjahr sichtbar wird. Und schließlich haben wir einen Konzentrationsprozess aller EDV-Aktivitäten eingeleitet, den wir stufenweise umsetzen. Er wird mit dem Bezug unseres neuen Hauptgebäudes in Unterschleißheim vorläufig vollendet und führt zu substanziellen Einsparungen bei der Beschäftigung externer Mitarbeiter.

Durch diese Maßnahmen haben wir eine Verschlankung und Rationalisierung in allen Bereichen unseres operativen Geschäfts erreicht.

Unsere Geschäftserwartung für das zweite Halbjahr ist von gedämpftem Optimismus geprägt. Im Vergleich zum Berichtsjahr waren die ersten Monate des neuen Geschäftsjahres von weiterhin geringen Handelsvolumina und sinkenden Kursen geprägt. Trotz der Unwägbarkeiten in den Märkten und der Dynamisierung der gesamten Branche gehen wir in 2002 von einer Verbesserung des Geschäftsergebnisses aus. Mehr können und mehr wollen wir im Augenblick dazu nicht sagen.

Meine Damen und Herren,

so viel zunächst zu unserer geschäftlichen Entwicklung. Als Wertpapierdienstleister erfolgreich zu sein heißt nicht nur, gute Arbeit abzuliefern, ständig die Qualität seiner Dienstleistungen und internen Strukturen zu verbessern. Es verlangt auch, den sichtbaren Strukturwandel der Märkte aktiv zu begleiten. Welche ist die "Siegerbörse" der Zukunft? Welches Marktmodell wird von heute ab in drei Jahren das Geschäft dominieren? Die Kapitalmärkte sind in Deutschland und letztlich rund um den Globus, in einem geradezu revolutionären Umbruch begriffen.

In Deutschland haben hieran einen wesentlichen Beitrag

  • das 4. Finanzmarktförderungsgesetz,
  • die beabsichtigte Einführung des "Zentralen Kontrahenten" für die Abwicklung der Wertpapiergeschäfte und
  • Bestrebungen, Orderströme der Marktteilnehmer zu internalisieren. Letzteres verbindet sich mit dem Schlagwort "Xetra Best".

Global wirken darüber hinaus folgende Kräfte:

• Die IT-Revolution, die eine vollkommene Vernetzung aller Marktteilnehmer von jedem Flecken der Welt mit jedem

Handelsplatz in jeder Zeitzone erlaubt, d.h. der unmittelbare Wettbewerb jedes Handelsplatzes mit jedem anderen,

  • die Liberalisierung des Weltfinanzmarktes, d.h. die Integration der Finanzmärkte zu einem Weltkapitalmarkt und in diesem Zusammenhang
  • der besondere Druck auf Euroland, binnenmarktübergreifende Wertpapiermärkte und Strukturen aufzubauen, um die Kapitalkosten des Standortes Europa gegenüber den USA wettbewerbsfähig zu gestalten.

Strukturveränderungen an den Börsen werden stärker als bisher Investitionsanforderungen an die teilnehmenden Institute stellen. Wir sind diesen Anforderungen personell, organisatorisch und finanziell gewachsen. Durch das besondere Engagement an den Börsen München, Stuttgart und Berlin werden diese Veränderungen ganz wesentlich von uns mit vorangetrieben.

Im Prinzip hat ein Anleger zukünftig drei Marktmodelle zur Auswahl:

  • Die vollelektronische Handelsplattform Xetra,
  • Handelsplätze mit aktiven Liquiditätsdienstleistern wie die Marketmaker-Börse, die derzeit aus der Zusammenarbeit von Nasdaq Europe und der Berliner Börse entsteht, angelehnt an das Marktmodell von Nasdaq, wobei hier noch keine Informationen über

das neue Handelssystem "Supermontage" der Nasdaq verfügbar sind,

• oder eine so genannte Spezialistenbörse, wie wir sie in München unter dem Titel MAX-ONE aufbauen, angelehnt an das Marktmodell der New York Stock Exchange, die erfolgreichste Börse der Welt.

Xetra ist unbestritten sehr leistungsfähig bei liquiden Aktien. Das System schwächelt jedoch automatisch, wenn die Liquidität nachlässt und/oder wenn eine Order relativ klein ist. Rasch kommt es dann zu für den Privatanleger kostspieligen Teilausführungen und zu Verzögerungen. Er kann nicht wissen, wann seine Order ausgeführt wird und welche Gebühren auf ihn zukommen.

Deshalb versucht die Deutsche Börse AG auch immer wieder, Liquiditätsdienstleister wie Designated Sponsoren zu integrieren. Doch die verschiedenen Ansätze zum Erfolg zu kommen, sind bislang gescheitert. Nicht zuletzt deshalb haben wir das Designated Sponsoring in den Stars-Segmenten der Deutschen Börse AG wieder eingestellt. Weder uns noch den anderen Marktteilnehmern hat diese Dienstleistung den gewünschten Erfolg gebracht. Ich bin sicher: Dieser Erfolg wird auch nicht kommen, weil nur ein echter Markt, der letztlich von Spezialisten gemacht wird, für Anleger faire, zuverlässige und wettbewerbsfähige Konditionen bieten kann.

Der jahrzehntelange überragende Stellung der New York Stock Exchange hat in unseren Augen hinlänglich bewiesen: Nur eine Spezialistenbörse ist in der Lage, den Interessen des Anlegers voll gerecht zu werden. Die Münchener Börse baut deshalb mit unserer tatkräftigen Unterstützung ein neues Handelssystem und Marktmodell nach diesem Standard auf, um allen Investoren eine preisgünstigere und leistungsfähigere Alternative anbieten zu können.

Mit der so genannten Münchener Spezialistengarantie gewährleisten wir hier:

    1. bei allen Orders eine sofortige Ausführung und damit eine garantierte Liquidität,
    1. die Ausführung zu einem Preis, der immer mindestens so gut ist wie der beste zum Zeitpunkt der Ordererteilung im Markt verfügbare. Und
  • aus Emittentensicht eine kostenlose dauernde Liquidität in jeder Aktie – ganz ohne Designated Sponsoring Aufwand. Mit dem Start dieses neuen Handelssystems gibt es in Deutschland aus Sicht der Anleger wie auch aus Sicht von Emittenten keine effizientere Börse mehr!

MAX-ONE bietet den Banken zusätzlich den Vorteil, keinerlei Investitionen in neue Software tätigen zu müssen, da über das traditionelle Order-System Xontro, an das alle deutschen Banken angeschlossen sind, geroutet werden kann.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

bitte sehen Sie mir diesen etwas techniklastigen Exkurs zum Ende meines Vortrags nach. Nicht jeder von Ihnen wird mit den Börsenfachbegriffen entsprechend vertraut sein.

Entscheidend ist für Sie folgende Botschaft: In allen erkennbaren Marktmodellen haben gut aufgestellte, hoch effiziente Wertpapier- und Liquiditätsdienstleister eine viel versprechende Zukunft! An allen relevanten Börsenplätzen sind wir stark engagiert. Wir dürfen nach dem schwierigen Jahr 2001 und dem 1. Halbjahr 2002 stärker noch als zuvor über uns sagen, dass wir der Marktführer unter den unabhängigen Wertpapierhandelsbanken sind.

Wir sind, wie ich Ihnen eingangs erläutert habe, mit unserem Geschäftsmodell zu unseren Wurzeln zurück gekehrt. Mit unseren Kernkompetenzen wollen wir wachsen.

In der neuen, schlanken, fokussierten Struktur sind wir davon überzeugt, dass wir in einem wieder besseren Marktklima auch zu alten Eigenkapitalrenditen und damit auch wieder zu einer erfreulicheren Kursentwicklung zurückkehren werden.

Herzlichen Dank!