Annual Report • Apr 25, 2024
Preview not available for this file type.
Download Source File1 JUNGHEINRICH AKTIENGESELLSCHAFT ZUSAMMENGEFASSTER LAGEBERICHT FÜR DAS GESCHÄFTSJAHR 2023 GRUNDLAGEN DES KONZERNS Geschäftsaktivitäten und Organisationsstruktur Integriertes Geschäftsmodell Jungheinrich zählt zu den weltweit führenden Lösungsanbietern für die Intralogistik. Mit einem umfassenden Portfolio an Flurförderzeugen, Automatisierung und Dienstleistungen bietet Jungheinrich seinen Kunden Lösungen für die Herausforderungen der Industrie 4.0. Das integrierte Geschäftsmodell umfasst die Entwicklung, die Produktion und den Verkauf von neuen Flur- förderzeugen sowie die Planung und Realisierung von Automatisierungsprojekten, die Vermietung von neuen und gebrauchten Flurförderzeugen, die Aufarbeitung und den Verkauf von Gebrauchtfahrzeugen sowie den Kundendienst. Außerdem gehören Regalbediengeräte und Lastaufnahmemittel zum Produktprogramm. Darüber hinaus erhalten Kunden die gesamte Betriebs- und Geschäftsausstattung aus einer Hand. Jungheinrich fertigt außer Elektromotoren und Antriebssteuerungen auch passende Lithium-Ionen-Batterien und Ladegeräte. Sämtliche Flurförderzeuge werden mit elektromotorischem Antrieb hergestellt und nahezu alle Fahrzeuge sind mit Lithium-Ionen-Batterien erhältlich. Des Weiteren runden digitale Produkte auf Basis der neuesten Generation der Jungheinrich Internet-of-Things-Plattform in der Cloud das Portfolio ab. Ergänzend steht Kunden ein umfassendes Finanzdienstleistungsangebot zur Verfügung. Ziel von Jungheinrich ist es, nachhaltig Werte zu schaffen. 2 Produktion und Aufarbeitung Der Konzern verfügt über zwölf Werke, sieben davon primär für die Produktion von Flurförderzeugen, drei für Regalbediengeräte sowie zwei für die industrielle Aufarbeitung von Gebrauchtfahrzeugen. Daneben fertigt Jungheinrich nahezu seinen gesamten Bedarf an Elektromotoren in einem Gemeinschaftsunternehmen mit einem anderen Flurförderzeughersteller in Moravany (Tschechien) und Putian (China). In Norderstedt stellt Jungheinrich Hochhubwagen, Schubmaststapler und Horizontalkommissionierer her. Zusätzlich zur Fahrzeugproduktion ist hier auch die Herstellung von elektronischen Steuerungen, Lithium- Ionen-Batterien und Ladegeräten angesiedelt. Am Standort Lüneburg werden neben Kleinserien- und Sonderbaufahrzeugen auch leichte Vertikalkommissionierer, Schlepper sowie Automated Guided Vehicles (AGV) produziert. In Moosburg werden Gegengewichtsstapler gefertigt, während in direkter Nachbarschaft im Werk Degernpoint Schmalgangstapler, schwere Vertikalkommissionierer und AGV hergestellt werden. Im Werk Landsberg/Saale liegt der Produktionsschwerpunkt auf Niederhubwagen und Doppelstockfahrzeugen. Im neuen Werk in Chomutov (Tschechien) werden seit Juni 2023 ebenfalls Schubmaststapler produziert. In Qingpu (China) werden Nieder- und Hochhubwagen, Elektro-Gegengewichtsstapler und Schubmaststapler produziert, darüber hinaus auch Steuerungen und Batterien. Die MIAS Group fertigt an ihren Standorten in München, Gyöngyös (Ungarn) und Kunshan (China) Regalbediengeräte und Lastaufnahmemittel. Gebrauchtgeräte werden in einem Werk in der Nähe von Dresden und in einem Werk in Ploieşti (Rumänien) industriell aufgearbeitet. Die Entwicklung von digitalen Produkten konzentriert sich auf die Standorte Graz (Österreich), Hamburg und Madrid (Spanien). Darüber hinaus sind Dienstleistungen im Bereich Software- und Hardwareentwicklung in Zagreb (Kroatien) angesiedelt. Portfolioveränderungen Jungheinrich hat am 25. Januar 2023 den Erwerb der in Westfield, Indiana (USA), ansässigen Storage- Solutions-Gruppe (Storage Solutions), eines in den USA führenden Anbieters von Lösungen aus den Bereichen Regalsysteme und Lagerautomatisierung, bekannt gegeben. Damit erweitert Jungheinrich seinen Zugang zum US-Markt für Lagereinrichtungen und Automatisierung. Mit Vollzug der Akquisition zum 15. März 2023 wurden 100 Prozent der Anteile an der Storage-Solutions-Gruppe erstkonsolidiert. Die Storage- Solutions-Gruppe umfasst sieben in den USA ansässige Gesellschaften. Der anteilige Umsatzbeitrag von Storage Solutions im Geschäftsjahr 2023 betrug 219 Mio. €. Als einen weiteren wichtigen Schritt zur Stärkung der Automatisierungskompetenz hat Jungheinrich mit Wirkung zum 23. August 2023 – zusätzlich zu seiner bestehenden Beteiligung – die restlichen Anteile am Robotikspezialisten Magazino GmbH, München, (Magazino) erworben und ab diesem Zeitpunkt vollkonsolidiert. Internationaler Vertrieb mit Fokus auf Direktvertrieb und Servicenetz Zur bestmöglichen Kundenbetreuung setzt Jungheinrich auf ein eigenes Direktvertriebs- und Servicenetz in 42 Ländern. Darüber hinaus ist der Jungheinrich Konzern in rund 80 weiteren Ländern durch Partnerunternehmen vertreten. Kernmarkt ist Europa, wo 80 Prozent des Konzernumsatzes erzielt werden. Wiederum 27 Prozent der europäischen Umsätze entfallen auf Deutschland. Durch die Akquisition von Storage Solutions deckt Jungheinrich seit dem Berichtsjahr auch den US- amerikanischen Markt für Regalsysteme und Lagerautomatisierung ab. Ergänzend kooperiert Jungheinrich für sein Fahrzeuggeschäft in Nordamerika mit Mitsubishi Logisnext Americas Inc. (MLA), einem Vertriebspartner mit umfangreicher Händlerpräsenz. Zum einen werden von Jungheinrich in Deutschland hergestellte Geräte über die Vertriebsorganisation von MLA in Nordamerika vermarktet. Zum anderen produziert MLA in seinen Werken Fahrzeuge, die von Jungheinrich vor Ort in Houston entwickelt werden. Außerdem kooperiert Jungheinrich mit MLA seit September 2023 in dem Gemeinschaftsunternehmen Rocrich AGV Solutions LLC (Rocrich) (vormals MCJ Supply Chain Solutions LLC). Rocrich bietet mobile Automatisierungs- und Robotiklösungen für Lager- und Produktionsstätten an. 3 In China ist Jungheinrich mit Anhui Heli Co. Ltd. in einem Gemeinschaftsunternehmen in der Vermietung von Flurförderzeugen über vier Tochtergesellschaften in den Metropolregionen Shanghai, Changzhou, Guangzhou und Tianjin aktiv. Für das stetig wachsende Kundendienstgeschäft verfügt Jungheinrich über ein zentrales Ersatzteilzentrum in Kaltenkirchen. Über dieses Lager und weitere Standorte in Lahr, Bratislava (Slowakei), Shanghai (China), Birmingham (Großbritannien) und Singapur (Singapur) wird die Versorgung des Jungheinrich Kundendienstes mit Ersatzteilen weltweit gewährleistet. Durch das Gemeinschaftsunternehmen TREX.PARTS GmbH & Co. KG erschließt sich Jungheinrich zusätzliche Marktpotenziale im Ersatzteilmarkt. Organisation und Konzernsteuerung Die Jungheinrich AG ist die börsennotierte Management-Holding des Konzerns. Sie steuert die Unterneh- mensaktivitäten und übernimmt übergeordnete Funktionen, wie beispielsweise Strategie, Finanzierung, M&A, Rechnungswesen, Controlling, Personalmanagement, Nachhaltigkeit, Unternehmenskommunikation, Informationstechnologie, Recht, Steuern, interne Revision und Compliance. Das operative Geschäft wird in den zwei nach IFRS berichtspflichtigen Segmenten „Intralogistik“ und „Finanzdienstleistungen“ abgebildet. Dem Segment „Intralogistik“ sind die Geschäftsfelder Neugeschäft, Miete und Gebrauchtgeräte sowie Kundendienst zugeordnet. Dabei umfasst das Neugeschäft neue manuelle Flurförderzeuge, automatisierte Flurförderzeuge und Anlagen (inklusive Regalbediengeräten und Lastaufnahmemitteln), Lagereinrichtungen, Betriebs- und Geschäftsausstattung, Energielösungen sowie digitale Produkte. Das Berichtssegment „Finanzdienstleistungen“ wird nicht weiter in Geschäftsfelder unterteilt. Jungheinrich verfügt im Rahmen eines Nearshoring-Konzeptes über mehrere sogenannte Business-Service- Center, die unternehmensinterne Dienstleistungen bündeln. Der Vorstand ist für die strategische Steuerung und die operative Führung des Konzerns verantwortlich. Dies umfasst unter anderem die Festlegung und Kontrolle der Unternehmensziele, die Zuständigkeit für Füh- rungs-, Steuerungs- und Controllingprozesse – einschließlich des internen Compliance-Managementsystems sowie der internen Kontroll- und Risikomanagementsysteme – und die Ressourcenallokation. Die dem Gesamtvorstand regelmäßig zur Verfügung stehenden Kennzahlen und Berichte orientieren sich an bereichsübergreifenden betriebswirtschaftlichen Steuerungsgrößen. Aufsichts- und Beratungsgremium für den Vorstand ist der Aufsichtsrat, der sich gemäß den Vorschriften des Mitbestimmungsgesetzes aus zwölf Personen zusammensetzt. Die Mitglieder des Aufsichtsrates verteilen sich paritätisch auf die Vertretung der Anteilsinhabenden und die Vertretung der Arbeitnehmenden. Als Konzernobergesellschaft hält die Jungheinrich AG direkt oder indirekt Anteile an Tochter- und Beteili- gungsgesellschaften im In- und Ausland. Den Geschäftsführungen der Tochtergesellschaften obliegt die ope- rative und wirtschaftliche Verantwortung in den jeweiligen lokalen Märkten. Die Gesellschaften werden bei dieser Aufgabe von der Management-Holding unterstützt, sind rechtlich jedoch selbstständig. Im Konzern- abschluss werden – einschließlich der Jungheinrich AG – 102 Gesellschaften vollkonsolidiert. Die Aufstellung des vollständigen Anteilsbesitzes der Jungheinrich AG ist im Konzernanhang zu finden. Wichtige Steuerungskennzahlen Der Jungheinrich Konzern definiert seine Budgetziele sowie seine mittel- bis langfristigen Unternehmensziel- setzungen auf der Grundlage ausgewählter Kennzahlen. Für die Konzernsteuerung orientiert sich der Vor- stand in erster Linie an Finanzkennzahlen. Neben dem Auftragseingang und dem Umsatz, dem Ergebnis vor Finanzergebnis und Ertragsteuern (EBIT) beziehungsweise der EBIT-Rendite (EBIT-ROS) sowie dem Er- gebnis vor Steuern (EBT) beziehungsweise der EBT-Rendite (EBT-ROS) werden der Return On Capital Employed (ROCE) sowie der Free Cashflow für Steuerungszwecke herangezogen. Weitere Steuerungsgröße ist die Ausrüstungsquote von Fahrzeugen mit Lithium-Ionen-Batterien. Die Finanzkennzahl ROCE stellt die Rendite auf Basis des im Segment „Intralogistik“ erwirtschafteten EBIT im Verhältnis zu dem diesem Segment zugeordneten gebundenen Kapital dar. Damit erfolgt eine Messung 4 der Rendite unabhängig davon, ob Kunden eine Finanzierung über das Segment „Finanzdienstleistungen“ des Jungheinrich Konzerns in Anspruch nehmen. Das gebundene Kapital errechnet sich aus dem Anlage- vermögen (ohne Miet- und Leasinggeräte) zuzüglich der Mietgeräte und dem Working Capital abzüglich der übrigen Rückstellungen. Das Working Capital enthält Vorräte sowie Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und Vertragsvermögenswerte abzüglich der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen und Vertragsverbindlichkeiten. Eine Durchschnittsbildung des gebundenen Kapitals erfolgt dabei unter Ein- schluss der Werte zum Bilanzstichtag des Berichtsquartals und der drei diesem Stichtag vorangehenden Quartale, um stichtagsbedingte Schwankungen im gebundenen Kapital zu vermeiden. Bei unterjähriger Be- richterstattung wird das EBIT der jeweiligen Periode annualisiert und ins Verhältnis zum durchschnittlich ge- bundenen Kapital gesetzt. Ein ROCE für das Segment „Finanzdienstleistungen“ wird nicht berichtet, da eine EBIT-Kapitalrendite keine Steuerungsgröße dieses Segmentes darstellt. Der Free Cashflow ist definiert als Summe der Cashflows aus der laufenden Geschäftstätigkeit und der Investitionstätigkeit. Dabei wird der Cashflow aus der Investitionstätigkeit um die Auszahlungen für den Erwerb und die Einzahlungen aus dem Verkauf von Wertpapieren sowie die Aus- und Einzahlungen aus Termingeldern bereinigt. Die Wertpapiere und Termingelder werden grundsätzlich der Konzernliquidität (Bilanzausweis der liquiden Mittel und Wertpapiere) zugeordnet. Deren Veränderungen sind daher nicht Bestandteil des Free Cashflow des Jungheinrich Konzerns. Daneben stellt die Ausrüstungsquote von Fahrzeugen mit Lithium-Ionen-Batterien, die Bestandteil sowohl der kurzfristigen als auch der langfristigen variablen Vergütung des Vorstandes ist, eine wesentliche nichtfinanzielle Steuerungsgröße für den Jungheinrich Konzern dar. Sie ist Ausdruck des Nachhaltigkeitsver- ständnisses des Unternehmens und integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie. Gleichzeitig ist sie eine der zentralen Zielgrößen der Strategie 2025+. Die Ausrüstungsquote Lithium-Ionen errechnet sich aus dem Verhältnis des Auftragseinganges für Fahrzeuge mit elektromotorischem Antrieb mit Lithium-Ionen- Batterie (in Stück; ohne zugekaufte Elektro-Flurförderzeuge mit fest verbauter Batterie) zum Auftragseingang für Fahrzeuge mit elektromotorischem Antrieb, unabhängig von der Batterieart (in Stück; ohne zugekaufte Elektro-Flurförderzeuge mit fest verbauter Batterie). Der Vorstand verfolgt die Entwicklung der vorgenannten Kennzahlen im Rahmen eines regelmäßigen Be- richtswesens. Anhand einer kontinuierlichen Soll-Ist-Betrachtung werden wesentliche Abweichungen analy- siert und gegebenenfalls erforderliche Maßnahmen eingeleitet. Um mögliche künftige Unternehmensentwicklungen frühzeitig zu erkennen und eine Grundlage für geschäfts- politische Entscheidungen zu haben, werden die Veränderungen verschiedener Frühindikatoren beobachtet und ausgewertet. Vorrangig sind dies Prognosen von Wirtschaftsexpertinnen und -experten zur Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes in den Kernmärkten von Jungheinrich, Indizes zur Einschätzung der konjunktu- rellen Lage in der Industrie sowie die kontinuierliche Beobachtung des eigenen Auftragseinganges und Auf- tragsbestandes. Geopolitische Spannungen erfordern weiterhin vorausschauendes Lieferkettenmanagement Die weltweiten Lieferketten haben sich im Jahresverlauf 2023 kontinuierlich stabilisiert. Ebenfalls entspannt hat sich die Lage auf den Energiemärkten, wenngleich die weiteren energiepolitischen Entwicklungen genau beobachtet werden müssen. Jedoch blieb die Verfügbarkeit von elektronischen Bauteilen weiterhin angespannt. Sämtliche in den vergangenen Jahren eingeleiteten Maßnahmen zur Sicherung der Materialversorgung und Energieabsicherung wurden konsequent weitergeführt. Das Lieferantenrisikomanagement umfasst die regelmäßige Überwachung der Warenbestände, Versorgungsreichweiten und Transportzeiten, verbunden mit einem engen Lieferantencontrolling. Ergänzend konnte im Berichtsjahr durch ein angepasstes und flexibles Bestands- und Bedarfsplanungsmanagement in enger Abstimmung mit Lieferanten auf Bedarfsänderungen frühzeitig reagiert werden. Der fortgesetzte Aufbau alternativer Bezugsquellen zur Reduzierung von Abhängigkeiten und die Verbreiterung der europäischen Lieferantenbasis waren wesentliche Bausteine zur Sicherstellung einer stabilen Versorgung. Beides trägt zusätzlich dazu bei, die Verhandlungsposition von Jungheinrich zu stärken und wettbewerbsfähige Preise zu erzielen. 5 Ein zunehmend kritischer Faktor auf der Beschaffungsseite war die Verfügbarkeit von Fachkräften, sodass Lieferanten bereits frühzeitig Kapazitätsprobleme aufgrund von Personalengpässen meldeten. Hier hat sich die über Jahre aufgebaute Zusammenarbeit mit Lieferanten im Hinblick auf die Bedarfs- und Produktionsplanung sowie eine gezielte Prozesssteuerung bewährt. Unterbrechungen in den Lieferketten konnten so vermieden werden. Auch wenn sich die Energieversorgungssituation in Europa aktuell weiter entspannt hat, können geopolitische Krisenherde die Energieversorgung erheblich beeinträchtigen. Längerfristiges Ziel ist es, die Abhängigkeit von der Gasversorgung zu reduzieren und Gas als Energieträger zu substituieren. Dabei setzt Jungheinrich sowohl bei der Prozesswärme als auch bei der Heizwärme neben einer gezielten Einsparung von Verbrauchsmengen auf den Einsatz alternativer fossiler und regenerativer Energieträger, um eine Entkoppelung von der Gasversorgung zu unterstützen. Die Weiterentwicklung und Verankerung der nachhaltigen Beschaffung in den unternehmensinternen Prozessen und bei den Lieferanten wurden 2023 fortgesetzt. So wurden die Anforderungen aus dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) in die Beschaffungsprozesse und den Prozess zur Lieferantenqualifizierung bei Jungheinrich integriert. Darüber hinaus wurde das bestehende Managementsystem zur nachhaltigen Beschaffung um Präventiv- und Abhilfemaßnahmen erweitert und die organisatorischen Voraussetzungen geschaffen, um neben den Anforderungen des LkSG auch die strategischen Nachhaltigkeitsziele zu erfüllen. Vor dem Hintergrund leicht rückläufiger Produktionsstückzahlen bei gleichzeitigem Abbau von Sicherheitsbeständen verringerte sich das Einkaufsvolumen für Produktionsmaterial. Im Wesentlichen inflationsbedingt stieg hingegen das Einkaufsvolumen für indirektes Material und Dienstleistungen spürbar. Insgesamt resultierte daraus ein Anstieg des Einkaufsvolumens im Geschäftsjahr 2023 auf 3.215 Mio. € nach 3.118 Mio. € im Vorjahr. Grundsätzlich unterteilt sich das Einkaufsvolumen in: • Produktionsmaterial inklusive Nachserienmaterial, • indirektes Material und Dienstleistungen, • Handelsware. Bedingt durch die starke Präsenz von Jungheinrich im europäischen Markt und die überwiegend in Deutschland befindlichen Produktionsstandorte entfielen 90 Prozent des Einkaufsvolumens auf Europa. Die umsatzstärksten Warengruppen waren Batterien, Lagereinrichtungen, Stahlbaugruppen, elektrische Antriebsstränge und Logistikdienstleistungen. 6 Forschung und Entwicklung Wesentliche Aktivitäten im Bereich Forschung und Entwicklung (F&E) konzentrierten sich im Geschäftsjahr auf die Konstruktion neuer Flurförderzeuge mit Schwerpunkt auf der Weiterentwicklung effizienter Energiespeichersysteme basierend auf der Lithium-Ionen-Technologie. Darüber hinaus stand die Entwicklung von Mobile Robots und die Optimierung von automatisierten Systemen im Fokus. Ein weiterer F&E-Schwerpunkt waren digitale Produkte. Die F&E-Ausgaben beinhalten im Wesentlichen Eigenleistungen. Sie lagen im Konzern – einschließlich der Inanspruchnahme von Leistungen Dritter – mit 152 Mio. € um 18,8 Prozent über dem Vorjahreswert (128 Mio. €). Dies entsprach wie auch im Vorjahr einem Anteil von 2,7 Prozent des Konzernumsatzes. Aufgrund der Zunahme wesentlicher Produktentwicklungen stieg die Aktivierungsquote auf 29 Prozent (Vorjahr: 24 Prozent). In den Abschreibungen und Wertminderungen auf aktivierte Entwicklungsausgaben waren im Berichtsjahr Wertminderungen in Höhe von 3 Mio. € enthalten. Sie betrafen die Entwicklung einer Technologie, die nicht fortgeführt wird. Der Bereich F&E wurde im Berichtsjahr personell weiter verstärkt. Die Zahl der Beschäftigten, die konzern- weit in Entwicklungsprojekten tätig waren, lag im Berichtszeitraum bei durchschnittlich 1.017 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (Vorjahr: 885). Die Veränderung resultierte zu einem Großteil aus dem vollständigen Erwerb von Magazino. Auf die Jungheinrich AG, die für die konzernübergreifende Grundlagen- und Produktentwicklung verantwortlich ist, entfielen 141 (Vorjahr: 130) Beschäftigte. Forschung und Entwicklung in Mio. € 2023 2022 Veränd. % F&E-Ausgaben gesamt 152 128 18,8 davon aktivierte Entwicklungsausga- ben 45 30 50,0 Aktivierungsquote 29 % 24 % - Abschreibungen und Wertminderungen auf aktivierte Entwicklungsausgaben 14 16 -12,5 F&E-Kosten (GuV) 121 113 7,1 F&E-Ausgaben/Konzernumsatz 2,7 % 2,7 % - ø F&E-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter (in FTE) 1.017 885 14,9 Anzahl angemeldeter Schutzrechte 133 99 34,3 Anzahl erteilter Patente 152 165 -7,9 Tabelle enthält rundungsbedingte Differenzen. Strategie 2025+ Im Geschäftsjahr 2023 haben wir die Umsetzung der Strategie 2025+ konsequent vorangetrieben. Trotz anhaltend herausfordernder gesamtwirtschaftlicher und geopolitischer Rahmenbedingen wurden Initiativen und Maßnahmen in allen sechs Handlungsfeldern weiter umgesetzt. 7 Zentrale Zielgrößen überprüft und angepasst Unter Berücksichtigung der Akquisition und der erwarteten Beiträge von Storage Solutions sowie vor dem Hintergrund wesentlich anderer makroökonomischer Herausforderungen als zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Unternehmensstrategie im November 2020 haben wir unsere Ziele im Berichtsjahr überprüft und teilweise angepasst. Bis zum Jahr 2025 wollen wir unseren Konzernumsatz organisch auf 6,0 Mrd. € (zuvor: 5,5 Mrd. €) steigern und weiterhin eine Ziel-EBIT-Rendite von 8 bis 10 Prozent erreichen. Wir streben an, mehr als 20 Prozent des Umsatzes außerhalb Europas zu erzielen, dieser Umsatzzuwachs soll sowohl organisch als auch anorganisch erzielt werden. Der ROCE soll zwischen 14 und 18 Prozent (zuvor: 21 Prozent bis 25 Prozent) liegen. Die Veränderung der Bandbreiten reflektiert die Berücksichtigung der Geschäfts- oder Firmenwerte der Akquisitionen. Im Jahr 2025 sollen 50 Prozent (zuvor: 70 Prozent) der Fahrzeuge von Jungheinrich mit Lithium-Ionen-Batterien ausgestattet sein. Die deutlichen Kostensteigerungen bei Zellpreisen haben zu dieser Zielanpassung geführt. Wir wollen einen EBIT-Wert pro Mitarbeitenden von rund 23.000 € erreichen. Bis 2025 soll der Anteil weiblicher Führungskräfte auf 20 Prozent steigen. Unser Mindestziel für den Free Cashflow liegt nun bei über 300 Mio. € (zuvor: mindestens 100 Mio. €). Mit Blick auf Nachhaltigkeit haben wir verschiedene Ziele definiert, von denen ein Hauptziel das Erreichen von Netto-Null-Treibhausgasemissionen in den Scopes 1 und 2 bis 2030 ist. Dafür wollen wir bis 2030 gemäß Science Based Targets initiative (SBTi) bereits 42 Prozent (Basis: 2021) unserer direkten CO 2 e- Emissionen in Scope 1 einsparen und 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien beziehen . Automatisierung: Schlüsselfaktor für angestrebtes Wachstum Im Mittelpunkt unserer Maßnahmen für das strategische Handlungsfeld Automatisierung stehen Mobile Robots und Automated Storage & Retrieval Systems (ASRS). Dabei fassen wir unter Mobile Robots sowohl Automated Guided Vehicles (AGV) als auch Autonomous Mobile Robots (AMR) zusammen. Für unser im Jahr 2022 in den Markt eingeführtes automatisiertes Behälterkompaktlager PowerCube haben wir im Berichtsjahr weitere Entwicklungsaktivitäten initiiert. Darüber hinaus hat Jungheinrich im Jahr 2023 mit dem EAE 212a eine neu entwickelte Mobile-Robot-Lösung für Niederhubeinsätze auf den Markt gebracht. Im Berichtsjahr haben wir unsere Beteiligung am Robotikspezialisten Magazino auf 100 Prozent aufgestockt. Der Kaufpreis für die restlichen Anteile betrug 20 Mio. €. Magazino verfügt über eine leistungsfähige Technologieplattform, die den Betrieb von Logistikrobotern auch in einer gemischten Mensch-Maschine- Umgebung ermöglicht. Mit rund 120 Mitarbeitenden wird dadurch das Geschäft mit autonomen mobilen Robotern gestärkt und die Softwarekompetenz von Jungheinrich weiter ausgebaut. Für den AMR arculee haben wir 2023 den Kundenkreis ausgeweitet. Der autonome mobile Roboter wurde 2022 in den Markt eingeführt und findet Anwendung im Underload-Transport sowie bei der Ware-zur-Person- Kommissionierung. Wir sind davon überzeugt, dass der sehr volumenstarke globale Markt für Automatisierung in der Lagerlogistik einer der Märkte mit überdurchschnittlichem Wachstum ist, die wir uns verstärkt erschließen. Entsprechend wurde entschieden, ein neues Vorstandsressort Automatisierung zu schaffen. Infolgedessen werden ab dem 1. April 2024 alle Einheiten und Ressourcen unseres kundenspezifischen Projektgeschäftes mit den Schwerpunkten Mobile Robots, ASRS und Lagereinrichtungen in diesem Ressort gebündelt. Digitalisierung: Weiterentwicklung der IT-Infrastruktur Unser digitales Flottenmanagementsystem, Jungheinrich FMS, ist seit 2023 in drei weiteren Ländern – Lettland, Litauen und Slowenien – erhältlich. Somit ist das System nunmehr in 25 Ländern verfügbar. Die Ausweitung auf weitere Länder, vor allem außerhalb Europas, ist für die nächsten Jahre geplant. Im Jahr 2023 haben wir das Jungheinrich FMS um neue Softwaremodule und Funktionen erweitert. Auch konnte die Migration von Kunden des Vorgängersystems ISM Online auf das neue Jungheinrich FMS fast vollständig durchgeführt werden. Seit August 2023 ist in nahezu jedem in Europa gebauten Flurförderzeug ab Werk eine Telematikbox verbaut. Damit kann jetzt für jedes Fahrzeug mit einer Telematikbox das kostenlose Starterkit des Jungheinrich FMS aktiviert und mit weiteren Premiummodulen ergänzt werden. Die Telematikbox ist zudem die technische Basis für weitere zukünftige datenbasierte Services wie Remote Diagnostics und Predictive Maintenance. 8 Das bisher größte IT-Vorhaben von Jungheinrich – der Aufbau einer neuen IT-Infrastruktur – wurde 2023 abgeschlossen. Das geschaffene Zusammenwirken der privaten Jungheinrich Cloud mit den Angeboten von IT-Anbietern garantiert weltweit eine sichere, flexible und schnelle Verfügbarkeit von IT-Services und -Produkten. Die fortlaufende digitale Transformation von Jungheinrich optimiert auf dieser Infrastrukturbasis sowohl das Zusammenspiel der Prozesse, Daten und Anwendungen der eigenen Prozesse als auch die Digitalisierung der intralogistischen Prozesse bei unseren Kunden. Energiesysteme: Stark steigende Nachfrage im Kernkompetenzbereich Im März 2023 hat Jungheinrich die Produktion von Fahrzeugen mit verbrennungsmotorischem Antrieb eingestellt und fertigt seitdem zu 100 Prozent Elektrofahrzeuge. Wir verzeichneten im Geschäftsjahr 2023 eine stark steigende Nachfrage nach sogenannten POWERLiNE-Fahrzeugen, die aufgrund der integrierten Lithium-Ionen-Batterie wesentlich kompakter als ihre Vorgängermodelle sind und daher in engen Lagerumgebungen einen Vorteil bieten. Darüber hinaus sind POWERLiNE-Fahrzeuge bis zur Anlieferung beim Kunden CO 2 e-neutral. Effizienz: Fortschreitende organisatorische und prozessuale Transformation Seit Juni 2023 produziert Jungheinrich im neuen Werk im tschechischen Chomutov den Schubmaststapler ETV 216i. Auf 37.000 Quadratmetern wurde ein Neubau errichtet, der sowohl energieeffizient als auch CO 2 - optimiert ist. Das budgetierte Projektvolumen von rund 60 Mio. € wurde im Berichtsjahr fast vollständig ausgeschöpft. Das neue Werk ist für uns ein zentraler Baustein, um Effizienz und Profitabilität zu steigern. Weiterhin haben wir im Jahr 2023 unsere Nearshoring-Organisation ausgebaut. In Madrid liegt der Fokus auf internen IT-Dienst- und Entwicklungsleistungen für digitale Produkte. Dort waren zum Jahresende 2023 knapp 100 Mitarbeitende beschäftigt. Die personellen Kapazitäten in Rumänien, wo wir in Braşov zunehmend interne Dienstleistungen der administrativen Bereiche ansiedeln, wurden im Berichtsjahr mit 140 Mitarbeitenden mehr als verdoppelt. Am kapazitätsmäßig noch kleinen Standort in Zagreb erbringen Fachkräfte für den gesamten Konzern Dienstleistungen im Bereich Soft- und Hardwareentwicklung. Wesentliche Maßnahmen zur Effizienzsteigerung im Jungheinrich Konzern, darunter die digitale Transformation des Unternehmens, steuern wir mit dem DEEP-Programm (Digitale Ende-zu-Ende- Prozesse). DEEP zielt auf kundenzentrierte und schlanke, automatisierte Prozesse. Im Jahr 2023 wurde sowohl die Design- als auch die Implementierungsphase fortgesetzt. Mit der zentralen Stammdatenlösung und dem zentralen Finanzsystem haben wir die ersten beiden Programmmeilensteine realisiert. Die Entwicklungsarbeiten am unternehmensweiten ERP-System wurden fortgesetzt, ebenso wie die Implementierung weiterer wichtiger Applikationen, wie zum Beispiel einer neuen internen Servicemanagementlösung für das Kundendienstgeschäft. Global Footprint: Mit Storage Solutions und Rocrich präsent im amerikanischen Markt Strategisches Ziel von Jungheinrich ist, auch durch Akquisitionen und Partnerschaften zu wachsen. Durch den Erwerb der Storage-Solutions-Gruppe, eines führenden Anbieters von Regalsystemen und Lagerautomatisierung in den USA, haben wir unseren Global Footprint in der Region Nordamerika entscheidend erweitert. Der Kaufpreis betrug 325 Mio. €. Mit Storage Solutions haben wir nun Zugang zum US-Markt für Lagereinrichtungen und Automatisierung und können so weitere Wachstumspotenziale in diesem Markt erschließen. Die Post-Merger-Integration von Storage Solutions verläuft planmäßig und die Geschäftsentwicklung erfüllte im Berichtszeitraum unsere Erwartungen. Ein optimiertes Angebot von Automatisierungslösungen in Nordamerika haben wir mit dem Gemeinschaftsunternehmen Rocrich erreichen können. Durch die Kombination der Fahrzeugportfolios von Mitsubishi Logisnext (Marke: Rocla) und Jungheinrich im Bereich AGV sind wir in der Lage, den nordamerikanischen Markt mit über 570 Logisnext-Händlerstandorten zu bedienen. Nachhaltigkeit: Nachhaltig Werte schaffen bleibt zentraler Fokus 9 Um den Fortschritt unseres Nachhaltigkeitsengagements aufzuzeigen, nehmen wir an Ratings und Rankings teil. Auf Basis von Stakeholder-Dialogen und internen Analysen haben wir uns auf ausgewählte ESG-Ratings fokussiert, um unsere extern bewertete Nachhaltigkeitsleistung gezielt weiterzuentwickeln. EcoVadis zeichnete Jungheinrich im Jahr 2023 zum dritten Mal in Folge mit dem Platin-Status aus. Die CDP- Bewertung des Vorjahres wurde für 2023 mit B (neunstufige Skala von A bis F) in der Klimakategorie für transparenten und engagierten Klimaschutz bestätigt. ISS ESG Corporate Rating bewertete Jungheinrich im Berichtsjahr wiederholt mit dem branchenspezifischen Status Prime. Das Rating konnte auf B– (zwölfstufige Skala von A+ bis D–) verbessert werden. Vom Anbieter MSCI ESG Ratings erlangte Jungheinrich 2023 erneut ein A-Rating (siebenstufige branchenspezifische Skala von AAA bis CCC). Unter den zahlreichen konzernweiten Fortschritten auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit sind folgende hervorzuheben: Zum Ende des Geschäftsjahres 2023 konnten bereits Standorte in 28 Ländern auf Strom aus erneuerbaren Energien umgestellt werden. Darüber hinaus haben wir den CO 2 e-neutralen Kundendienst auf fünf Märkte ausgeweitet. Des Weiteren haben wir das konzernweite Human-Rights-Managementsystem formalisiert und eine erste Grundsatzerklärung von Jungheinrich zur Achtung der Menschenrechte veröffentlicht. Zudem sind wir der Global Compact Initiative der Vereinten Nationen beigetreten. Ausführlich informieren wir zum Thema Nachhaltigkeit im zusammengefassten gesonderten nichtfinanziellen Bericht gemäß CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz im Geschäftsbericht. 10 WIRTSCHAFTSBERICHT Gesamtwirtschaftliche und branchenbezogene Rahmenbedingungen Der regionale Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit von Jungheinrich ist Europa. Außerhalb Europas stehen Nordamerika und Asien-Pazifik im Fokus. Zur Beurteilung der Geschäftsentwicklung in diesen Regionen kommt daher dem jeweiligen Bruttoinlandsprodukt (BIP) als wesentlichem Wirtschaftsindikator eine wichtige Bedeutung zu. Europa bremst Weltwirtschaftswachstum Die Weltwirtschaft verzeichnete 2023 trotz höherer BIP-Zuwächse in den USA und China ein schwächeres Wachstum als im Jahr zuvor. Der andauernde Russland-Ukraine-Krieg, steigende Zinsen, Rezessionsängste und die jüngste Eskalation im Nahostkonflikt prägten das weltweite Wirtschaftsgeschehen und führten insbesondere in der Eurozone zu einem erheblich geringeren Anstieg der Wirtschaftsleistung im Berichtsjahr. Wachstumsraten für ausgewählte Wirtschaftsregionen Bruttoinlandsprodukt in % 2023 2022 Welt 3,1 3,5 USA 2,5 1,9 China 5,2 3,0 Eurozone 0,5 3,4 Deutschland -0,3 1,8 Quelle: Internationaler Währungsfonds (Stand: Schätzungen 30. Januar 2024 mit aktualisierten Vorjahresangaben im Vergleich zum zusammengefassten Lagebericht 2022) So wies die Eurozone mit einem BIP-Zuwachs von nur 0,5 Prozent eine spürbar geringere Erhöhung der Wirtschaftsleistung als im Vorjahr (3,4 Prozent) auf. Nach einem Wachstum von 1,8 Prozent im Vorjahr schrumpfte die exportorientierte deutsche Wirtschaft im Jahr 2023 um 0,3 Prozent. Die Konjunktur in Frankreich verzeichnete ausgehend von einem BIP-Anstieg von 2,5 Prozent im Vorjahr im Berichtsjahr lediglich eine Erhöhung der Wirtschaftsleistung von 0,8 Prozent. Eine ähnliche Entwicklung zeigten die Wachstumsraten für Italien und Großbritannien: Im Berichtsjahr wuchs die italienische Wirtschaft um 0,7 Prozent nach 3,7 Prozent im Vorjahr, während Großbritannien einen BIP-Anstieg von 0,5 Prozent nach 4,3 Prozent im Jahr 2022 zeigte. In den vier vorgenannten Ländern erwirtschaftet Jungheinrich 45 Prozent des Konzernumsatzes. Gesamtaussage des Vorstandes und Zielerreichung Vor dem Hintergrund der aktualisierten Unternehmensplanung und der guten Geschäftsentwicklung im 1. Quartal 2023 hatte der Vorstand mit einer Ad-hoc-Meldung am 24. April 2023 seine im Geschäftsbericht 2022 veröffentlichten Prognosebandbreiten für das Jahr 2023 angehoben. Im Rahmen dieser Prognoseanpassung wurden auch die Effekte des Erwerbes der Storage-Solutions-Gruppe auf die einzelnen Prognosewerte angegeben. Zuvor waren diese zwar in der Prognose berücksichtigt, jedoch nicht einzeln quantifiziert. Nach der finalen Kaufpreisanpassung und der abgeschlossenen Kaufpreisallokation wurden zudem die Effekte des Erwerbes der Storage-Solutions-Gruppe mit Veröffentlichung des Zwischenberichtes zum 30. Juni 2023 am 9. August 2023 aktualisiert. Der Auftragseingang im Konzern lag mit 5.238 Mio. € im mittleren Bereich des Prognosekorridors von 5,0 Mrd. € bis 5,4 Mrd. €. Der Beitrag von Storage Solutions war dabei mit 0,3 Mrd. € erwartet worden, fiel nachfragebedingt mit 0,2 Mrd. € allerdings niedriger aus. Der Konzernumsatz in Höhe von 5.546 Mio. € traf den oberen Wert der prognostizierten Bandbreite von 5,1 Mrd. € bis 5,5 Mrd. €. Der Umsatzbeitrag von Storage Solutions erreichte planmäßig 0,2 Mrd. €. 11 Trotz Personalaufbau – auch durch Akquisitionen –, Tarifeffekten und Materialpreissteigerungen sowie gegenüber dem Vorjahr leicht rückläufigen Produktionsstückzahlen konnten wir durch geeignete Maßnahmen ein EBIT von 430 Mio. € erzielen und damit einen Wert im mittleren Bereich des prognostizierten Korridors von 400 Mio. € bis 450 Mio. € erreichen. Ebenfalls berücksichtigt ist der EBIT-Effekt der Storage- Solutions-Gruppe in Höhe von insgesamt -5 Mio. €. Dieser Wert ergibt sich aus einem positiven operativen EBIT-Beitrag, Belastungen aus transaktionsbezogenen Kosten, Kaufpreisallokationseffekten sowie der Berücksichtigung der variablen Vergütung für das Management von Storage Solutions. Die EBIT-Rendite betrug 7,8 Prozent und traf somit den unteren Wert der Bandbreite von 7,8 Prozent bis 8,6 Prozent. Das EBT lag mit einem Wert von 399 Mio. € im mittleren Bereich des erwarteten Korridors von 370 Mio. € bis 420 Mio. €. Die EBT-Rendite betrug 7,2 Prozent und traf damit den unteren Wert der erwarteten Bandbreite von 7,2 Prozent bis 8,0 Prozent. Für den ROCE ergab sich mit 15,9 Prozent ein Wert in der unteren Hälfte der prognostizierten Bandbreite von 15,0 Prozent bis 18,0 Prozent. Ursächlich hierfür war der Anstieg des durchschnittlich gebundenen Kapitals im Berichtsjahr aufgrund der bilanzierten Geschäfts- oder Firmenwerte von Storage Solutions und Magazino in Höhe von insgesamt 302 Mio. €. Der Free Cashflow belief sich auf +15 Mio. € und war damit wie prognostiziert deutlich besser als im Vorjahr (-239 Mio. €). Ursprünglich wurde von einem negativen Free Cashflow ausgegangen. Aufgrund des gegenüber dem Vorjahr stabilen Working Capital konnte – anders als prognostiziert – sogar ein leicht positiver Free Cashflow erzielt werden. Der positive Free Cashflow berücksichtigt Belastungen in Höhe von 326 Mio. € aus den Akquisitionen von Storage Solutions und Magazino. Geschäftsverlauf und Ertragslage Auftragsbestand spiegelt Normalisierung der Lieferketten wider Der stückzahlbezogene Auftragseingang im Neugeschäft, der die Bestellungen für Neufahrzeuge einschließ- lich der für Mietfahrzeuge enthält, betrug 122 Tsd. Fahrzeuge und sank damit um 5,4 Prozent (Vorjahr: 129 Tsd. Fahrzeuge). Der wertmäßige Auftragseingang, der die Geschäftsfelder Neugeschäft, Miete und Gebrauchtgeräte sowie Kundendienst umfasst, lag mit 5.238 Mio. € um 9,3 Prozent über dem Wert des Vorjahres (4.791 Mio. €). Der auf die Storage-Solutions-Gruppe entfallende Auftragseingang betrug 157 Mio. €. 12 Der Auftragsbestand des Neugeschäftes zum 31. Dezember 2023 belief sich auf 1.441 Mio. € (Vorjahr: 1.595 Mio. €) und berücksichtigt den Auftragsbestand der Storage-Solutions-Gruppe in Höhe von 51 Mio. €. Hintergrund der Entwicklung des Auftragsbestandes ist die weitere Normalisierung der Lieferketten, wodurch eine sukzessive Abarbeitung bestehender Aufträge erfolgen konnte. Umsatz außerhalb Europas übertrifft akquisitionsbedingt 1 Mrd. € Der Konzernumsatz überschritt den Vorjahreswert (4.763 Mio. €) um 16,4 Prozent beziehungsweise 783 Mio. € und belief sich auf 5.546 Mio. €. Auf Europa entfielen 80 Prozent (Vorjahr: 84 Prozent) der Umsatzerlöse. Die Auslandsumsätze erhöhten sich um 18,7 Prozent auf 4.341 Mio. € (Vorjahr: 3.657 Mio. €). Dort stiegen neben den Umsätzen außerhalb Europas die Umsätze in Großbritannien, Frankreich und Italien deutlich an. Die Auslandsquote lag bei 78 Prozent (Vorjahr: 77 Prozent). Außerhalb Europas lag der Umsatzsprung bei 45,7 Prozent auf 1.087 Mio. € (Vorjahr: 746 Mio. €). Damit stieg der außereuropäische Anteil am Konzernumsatz auf 20 Prozent (Vorjahr: 16 Prozent). Wesentlicher Grund hierfür ist die erstmalige anteilige Einbeziehung der Storage-Solutions-Gruppe. Die Umsatzentwicklung im Konzern profitierte analog zur Entwicklung des Auftragsbestandes von der weiteren Normalisierung der Lieferketten. Haupttreiber war insbesondere das Neugeschäft mit einem Umsatzanstieg um 526 Mio. €. Neben den sehr guten Zuwächsen bei Neufahrzeugen trugen auch die im Neugeschäft berücksichtigten Umsatzerlöse von Storage Solutions (219 Mio. €) zu dieser Entwicklung bei. Der Umsatz im Miet- und Gebrauchtgerätegeschäft erhöhte sich ebenfalls und betrug 761 Mio. € (Vorjahr: 710 Mio. €). Diese Entwicklung wurde sowohl durch die Nachfrage nach Mietgeräten als auch nach Gebrauchtfahrzeugen getragen. Der Kundendienst legte mit einem Umsatz von 1.451 Mio. € im Berichtszeitraum (Vorjahr: 1.310 Mio. €) deutlich zu. Der Anteil des Kundendienstes am Konzernumsatz belief sich auf 26 Prozent (Vorjahr: 28 Prozent). Der Umsatz im Finanzdienstleistungsgeschäft lag mit 1.322 Mio. € über dem Vorjahreswert (1.131 Mio. €). 13 Umsatzaufteilung in Mio. € 2023 2022 Veränd. % Neugeschäft 3.384 2.858 18,4 Miete und Gebrauchtgeräte 761 710 7,2 Kundendienst 1.451 1.310 10,8 Segment „Intralogistik“ 5.595 4.878 14,7 Segment „Finanzdienstleistungen“ 1.322 1.131 16,9 Konsolidierung -1.372 -1.245 10,2 Jungheinrich Konzern 5.546 4.763 16,4 Tabelle enthält rundungsbedingte Differenzen. Bruttoergebnis profitiert von höheren Umsätzen Das Bruttoergebnis vom Umsatz stieg um 251 Mio. € auf 1.724 Mio. € (Vorjahr: 1.473 Mio. €). Es profitierte im Berichtszeitraum trotz Materialpreissteigerungen von den höheren Umsatzerlösen einschließlich der erstmaligen anteiligen Einbeziehung von Storage Solutions und geeigneter Maßnahmen zur Margenabsicherung. Die Bruttomarge stieg von 30,9 Prozent im Vorjahreszeitraum auf 31,1 Prozent. Kostenstruktur (GuV) in Mio. € 2023 2022 Veränd. % Umsatzkosten 3.822 3.290 16,2 Bruttoergebnis 1.724 1.473 17,0 Vertriebskosten 975 834 16,9 F&E-Kosten 121 113 7,1 Allgemeine Verwaltungskosten 203 161 26,1 Die Vertriebskosten erhöhten sich in etwa proportional zum Umsatzwachstum. Dies resultierte vorwiegend aus dem Personalaufbau im Vertrieb und dem damit verbundenen Anstieg der Personalaufwendungen. Ebenfalls schlugen sich Effekte aus der Akquisition von Storage Solutions nieder. Der Anteil der Vertriebskosten am Konzernumsatz betrug 17,6 Prozent (Vorjahr: 17,5 Prozent). Die F&E-Kosten stiegen im Berichtszeitraum um 8 Mio. € auf 121 Mio. € (Vorjahr: 113 Mio. €). Der Anstieg reflektiert die Ausweitung der Entwicklungsaktivitäten hinsichtlich der Erweiterung des Produktportfolios. Der Anteil der Verwaltungskosten am Konzernumsatz lag mit 3,7 Prozent leicht über dem Niveau des Vorjahres (3,4 Prozent). Die Entwicklung der Verwaltungskosten spiegelt die mit der Fortführung der strategischen Projekte zur Prozessoptimierung, Effizienzsteigerung und Digitalisierung verbundenen Aufwendungen – einschließlich der Aufwendungen für den Aufbau von Personalkapazitäten – wider, die gegenüber dem Vorjahr wie geplant weiter gesteigert wurden. Die sonstigen betrieblichen Erträge sanken um 9 Mio. € auf 8 Mio. € (Vorjahr: 17 Mio. €). Der hohe Vorjahreswert enthielt einen Nettoertrag aus der Übergangskonsolidierung der Anteile an der JT Energy Systems GmbH (5 Mio. €) sowie einen Ertrag aus einem Grundstücksverkauf (6 Mio. €). Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen stiegen um 10 Mio. € auf 12 Mio. € (Vorjahr: 2 Mio. €). Dies war im Wesentlichen bedingt durch die Transaktionskosten (8 Mio. €) im Zusammenhang mit der Akquisition der Storage-Solutions-Gruppe. 14 EBIT erstmals über 400 Mio. € Das EBIT übertraf mit 430 Mio. € den Vorjahreswert (386 Mio. €) um 44 Mio. € beziehungsweise 11,4 Prozent. Der darin enthaltene operative Ergebnisbeitrag der Storage-Solutions-Gruppe belief sich auf 31 Mio. €. Unter Berücksichtigung der belastenden Effekte aus den transaktionsbezogenen Kosten (8 Mio. €), der Kaufpreisallokation (13 Mio. €) sowie der variablen Vergütungskomponente (15 Mio. €) ergab sich ein EBIT-Beitrag der Storage-Solutions-Gruppe in Höhe von insgesamt -5 Mio. €. Der vollständige Erwerb von Magazino schlug sich im EBIT in Summe mit -7 Mio. € nieder. Die EBIT-Rendite lag mit 7,8 Prozent unter dem Vorjahreswert (8,1 Prozent). Das Finanzergebnis betrug -31 Mio. € (Vorjahr: -39 Mio. €) und war im Wesentlichen durch die Bewertung der im Spezialfonds gehaltenen Wertpapiere und Derivate beeinflusst. Im Berichtsjahr waren hier Erträge zu verzeichnen, im Vorjahr hingegen fielen spürbare Verluste an. Hinzu kamen positive Effekte aus der Währungssicherung der Kaufpreiszahlung für Storage Solutions. Mit 399 Mio. € übertraf das EBT den Vorjahreswert (347 Mio. €). Die EBT-Rendite lag bei 7,2 Prozent (Vorjahr: 7,3 Prozent). Die Ertragsteuerbelastung erhöhte sich entsprechend der Ergebnisentwicklung auf 100 Mio. € (Vorjahr: 78 Mio. €). Die Konzernsteuerquote betrug 25 Prozent nach 22 Prozent im Vorjahr. Hauptursache für die höhere Steuerquote des Berichtsjahres war, dass im Vergleich zum Vorjahr ein deutlich höherer Gewinnanteil in Deutschland erzielt wurde. Somit wurde ein Ergebnis nach Steuern in Höhe von 299 Mio. € (Vorjahr: 270 Mio. €) erzielt. Das Ergebnis je Vorzugsaktie (auf Basis des Ergebnisanteiles der Aktionärinnen und Aktionäre der Jungheinrich AG) erreichte 2,94 € (Vorjahr: 2,65 €). Der ROCE ging auf 15,9 Prozent (Vorjahr: 16,3 Prozent) zurück. Ursächlich hierfür war der Anstieg des durchschnittlich gebundenen Kapitals im Berichtsjahr aufgrund der bilanzierten Geschäfts- oder Firmenwerte von Storage Solutions und Magazino in Höhe von insgesamt 302 Mio. €. Dividende steigt auf historische Bestmarke Der Vorstand und der Aufsichtsrat der Jungheinrich AG werden der Hauptversammlung am 15. Mai 2024 vorschlagen, eine Dividende in Höhe von 0,73 € (Vorjahr: 0,66 €) je Stammaktie und 0,75 € (Vorjahr: 0,68 €) je Vorzugsaktie auszuschütten. Aus dem Dividendenvorschlag ergibt sich eine Gesamtausschüttung in Höhe von 75 Mio. € (Vorjahr: 68 Mio. €). Die Ausschüttungsquote von wie im Vorjahr 25 Prozent liegt im Rahmen der Zielsetzung des Unternehmens, zwischen 25 und 30 Prozent des Ergebnisses nach Steuern an die Aktionärinnen und Aktionäre auszuschütten. Grundsätzlich verfolgt Jungheinrich eine Politik kontinuierlicher Dividendenzahlungen. 15 Finanz- und Vermögenslage Grundzüge und Ziele des Finanzmanagements Als Konzernobergesellschaft trägt die Jungheinrich AG die Verantwortung für das Finanzmanagement des Konzerns. Sie stellt die Verfügbarkeit ausreichender Finanzmittel zur Erfüllung der strategischen und opera- tiven Finanzbedarfe sicher. Das Group Treasury nimmt vor allem das Cash- und Währungsmanagement wahr. Ziel ist es, die Konzernge- sellschaften zins- und währungsoptimal mit Finanzmitteln zu versorgen und Zahlungsströme zu steuern. Die Beschaffung der notwendigen kurz-, mittel- und langfristigen finanziellen Mittel wird unter Ausschöpfung der Finanzierungsmöglichkeiten an den internationalen Geld- und Kapitalmärkten sichergestellt. Ein hoher Stellenwert kommt der Sicherung ausreichend hoher Liquiditätsreserven zu, um auch in konjunk- turell schwierigen Zeiten jederzeit in der Lage zu sein, die erforderlichen strategischen Maßnahmen umzu- setzen und die finanzielle Unabhängigkeit des Konzerns zu gewährleisten. Für die überschüssige Liquidität wird eine konservative Anlagepolitik verfolgt. Diese ist nicht auf Gewinnmaxi- mierung ausgelegt, sondern – unter Berücksichtigung der aktuellen Bedingungen auf den internationalen Geld- und Kapitalmärkten – auf den Erhalt der Vermögenswerte. Zur Stärkung der Innenfinanzierungskraft wird ein zentrales Working-Capital-Management eingesetzt, das die Optimierung und Standardisierung wesentlicher Prozesse und Systeme sicherstellt. Der Kapitalbedarf der Jungheinrich AG wird aus dem operativen Cashflow sowie durch kurz- und langfristige Finanzierungen gedeckt. Jungheinrich verfügt über eine solide Liquiditätsreserve. Zum 31. Dezember 2023 betrug die Höhe der zugesagten mittelfristigen Kreditrahmen 305 Mio. €. Diese wurden durch kurzfristige bilaterale Kreditlinien in Höhe von 196 Mio. € sowie ein Commercial-Paper-Programm in Höhe von 300 Mio. € ergänzt. Die mittelfristigen Kreditrahmen und die kurzfristigen Kreditlinien waren nur zu einem geringen Anteil ausgenutzt. Zum Bilanzstichtag gab es keine Inanspruchnahme des Commercial-Paper- Programmes. Ergänzend standen separate Avalkreditlinien in Höhe von insgesamt 159 Mio. € zur Verfügung, die fast zur Hälfte ausgenutzt waren. Darüber hinaus bestanden zum Berichtsstichtag Schuldscheindarlehen in Höhe von insgesamt 160 Mio. €. Zur Fremdfinanzierung der Akquisition von Storage Solutions wurde eine zweckbezogene Brückenfinanzierung in Höhe von 300 Mio. € aufgenommen. Zusätzlich wurde im Berichtsjahr ein Kreditrahmenvertrag in Höhe von 125 Mio. € zur mittel- bis langfristigen Finanzierung von Forschungs- und Entwicklungsausgaben abgeschlossen. Zum 31. Dezember 2023 wurden hieraus keine Mittel in Anspruch genommen. Kreditrahmen- und Schuldscheindarlehensverträge enthalten keine Financial Covenants. 16 Nettoverschuldung reflektiert Akquisitionstätigkeit Mit 662 Mio. € lagen die liquiden Mittel und Wertpapiere zum Jahresende 2023 um 127 Mio. € über dem Wert des Vorjahres (535 Mio. €). Das Working Capital ist im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben. Der Abbau der Vorräte wurde durch den Aufbau der Forderungen, den Abbau der Vertragsverbindlichkeiten sowie von Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen im Wesentlichen kompensiert. Zum 31. Dezember 2023 ergab sich eine Nettoverschuldung in Höhe von 262 Mio. € (Vorjahr: 75 Mio. €). Die deutliche Erhöhung um 187 Mio. € war vorrangig auf die Kaufpreiszahlungen für Storage Solutions und Magazino zurückzuführen, die den Free Cashflow mit 326 Mio. € belasteten. Kapitalstruktur in Mio. € 31.12.2023 31.12.2022 Veränd. % Eigenkapital 2.222 2.051 8,3 Langfristige Schulden 2.236 2.130 5,0 Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen 180 159 13,2 Finanzverbindlichkeiten 357 420 -15,0 Verbindlichkeiten aus Finanzdienstleistungen 1.529 1.416 8,0 Übrige Schulden 170 135 25,9 Kurzfristige Schulden 2.451 1.983 23,6 Übrige Rückstellungen 343 292 17,5 Finanzverbindlichkeiten 567 189 >100,0 Verbindlichkeiten aus Finanzdienstleistungen 617 576 7,1 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 560 556 0,7 Übrige Schulden 364 370 -1,6 Bilanzsumme 6.910 6.164 12,1 Tabelle enthält rundungsbedingte Differenzen. 17 Wesentliche Einflussfaktoren für das um 171 Mio. € höhere Eigenkapital waren im Berichtszeitraum neben dem Ergebnis nach Steuern die gegenläufigen ergebnisneutralen Belastungen aus der Währungsumrechnung. Diesem Zuwachs des Eigenkapitals stand die Dividendenausschüttung in Höhe von 68 Mio. € (Vorjahr: 68 Mio. €) gegenüber. Aufgrund des stärkeren Anstieges der Bilanzsumme sank die Eigenkapitalquote leicht auf 32 Prozent (Vorjahr: 33 Prozent). Bereinigt um sämtliche Einflüsse des Segmentes „Finanzdienstleistungen“ ergab sich eine auf das Segment „Intralogistik“ bezogene Eigenkapitalquote in Höhe von 47 Prozent (Vorjahr: 50 Prozent). Die Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen stiegen mit 180 Mio. € gegenüber dem Vorjahr (159 Mio. €) an. Dies war hauptsächlich durch den Rückgang des Diskontierungssatzes für die Neubewertung der Pensionsverpflichtungen in Deutschland von 4,2 Prozent zum Jahresende 2022 auf 3,5 Prozent zum Bilanzstichtag bedingt. Die lang- und kurzfristigen Finanzverbindlichkeiten des Konzerns stiegen um 315 Mio. € auf 924 Mio. € (Vorjahr: 609 Mio. €). Ursächlich war die Brückenfinanzierung für die Akquisition von Storage Solutions (300 Mio. €) in den kurzfristigen Finanzverbindlichkeiten. Die lang- und kurzfristigen Verbindlichkeiten aus Finanzdienstleistungen lagen bedingt durch den höheren Vertragsbestand mit 2.146 Mio. € um 154 Mio. € über dem Wert zum 31. Dezember 2022 (1.992 Mio. €). Die übrigen kurzfristigen Rückstellungen lagen mit 343 Mio. € über dem Wert zum 31. Dezember 2022 (292 Mio. €). Dies resultierte hauptsächlich aus Zuführungen zu Personalrückstellungen in Höhe von 57 Mio. €. Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen verblieben mit 560 Mio. € auf dem Vorjahresniveau (556 Mio. €). Die übrigen kurzfristigen Schulden sanken geringfügig – im Wesentlichen aufgrund niedrigerer Vertragsverbindlichkeiten – auf 364 Mio. € (Vorjahr: 370 Mio. €). 18 Die für die Steuerung der Liquidität und Finanzierung des Konzerns verwendete Steuerungskennzahl Free Cashflow wird wie folgt aus den in der Kapitalflussrechnung dargestellten Cashflows aus der laufenden Geschäftstätigkeit und der Investitionstätigkeit übergeleitet: Überleitung Free Cashflow in Mio. € 2023 2022 Cashflow aus der laufenden Geschäfts- tätigkeit 472 -136 Cashflow aus der Investitionstätigkeit -430 79 Bereinigung um die Auszahlungen für den Erwerb und die Einzahlungen aus dem Verkauf von Wertpapieren sowie die Auszahlungen für Termingelder und Einzahlungen aus Termingeldern -27 -182 Cashflow aus der Investitionstätigkeit (bereinigt) -457 -103 Free Cashflow 15 -239 Kapitalflussrechnung 1 in Mio. € 2023 2022 Ergebnis nach Steuern 299 270 Abschreibungen, Wertminderungen und Wertaufholungen 447 401 Veränderung der Miet- und Leasinggeräte (ohne Abschreibungen) sowie der Forde- rungen aus Finanzdienstleistungen -487 -465 Veränderung der Verbindlichkeiten aus der Finanzierung von Mietgeräten und Fi- nanzdienstleistungen 145 19 Veränderung aus Working Capital 1 -364 Sonstige Veränderungen 68 4 Cashflow aus der laufenden Geschäfts- tätigkeit 472 -136 Cashflow aus der Investitionstätigkeit (bereinigt) -457 -103 Cashflow aus der Finanzierungs- tätigkeit 117 37 Zahlungswirksame Veränderung des Finanzmittelbestandes 132 -202 Tabellen enthalten rundungsbedingte Differenzen. 1 In der Kapitalflussrechnung wurden Wechselkurseffekte eliminiert. Daher können die dort dargestellten Veränderungen von Bilanzpositionen in der Bilanz nicht nachvollzogen werden. Cashflow aus Geschäftstätigkeit spiegelt Entlastung aus stabilem Working Capital wider Der Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit betrug im Zeitraum Januar bis Dezember 2023 +472 Mio. € und erhöhte sich damit deutlich um 608 Mio. € gegenüber dem Vorjahreszeitraum (-136 Mio. €). Durch das unveränderte Working Capital ergab sich im Vorjahresvergleich eine Entlastung des Cashflow in Höhe von 365 Mio. €. Aus dem Zugang von Miet- und Leasinggeräten sowie der Entwicklung der Forderungen aus Finanzdienstleistungen in Verbindung mit den zugrunde liegenden Finanzierungen resultierte insgesamt eine Entlastung von 104 Mio. €. 19 Der negative Cashflow aus der Investitionstätigkeit lag im Berichtszeitraum mit -457 Mio. € deutlich über dem Wert des Vorjahreszeitraumes (-103 Mio. €). Aus den Kaufpreiszahlungen für Storage Solutions und Magazino war im Berichtszeitraum ein Betrag von 326 Mio. € im Cashflow aus der Investitionstätigkeit enthalten. Daneben schlugen sich in den Investitionen für Sachanlagen 16 Mio. € für den Werksneubau im tschechischen Chomutov nieder. Der Free Cashflow als Summe aus den Cashflows aus der laufenden Geschäftstätigkeit und der Investitionstätigkeit verbesserte sich deutlich auf +15 Mio. € (Vorjahr: -239 Mio. €). Der positive Free Cashflow berücksichtigt die Belastungen aus den Akquisitionen von Storage Solutions und Magazino (326 Mio. €). Akquisitionsfinanzierung prägt Cashflow aus Finanzierungstätigkeit Der Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit in Höhe von 117 Mio. € erhöhte sich im Berichtsjahr um 80 Mio. € gegenüber dem Vorjahreszeitraum (37 Mio. €). Wesentlicher Treiber war die Kaufpreisfinanzierung für die Akquisition von Storage Solutions in Höhe von 300 Mio. €. Lang- und kurzfristige Vermögenswerte nehmen akquisitionsbedingt zu Der Anstieg der immateriellen Vermögenswerte und Sachanlagen um 437 Mio. € auf 1.355 Mio. € resultierte im Wesentlichen aus dem Erwerb der Storage-Solutions-Gruppe. Aus dieser Transaktion wurden in den immateriellen Vermögenswerten zum Bilanzstichtag insgesamt 53 Mio. € für Kundenbeziehungen, Marken, Auftragsbestand und Software/Technologien sowie 274 Mio. € für den verbleibenden Geschäfts- oder Firmenwert ausgewiesen. Darüber hinaus schlugen sich die erworbenen Technologien sowie der Geschäfts- oder Firmenwert von Magazino mit insgesamt 40 Mio. € nieder. Die Buchwerte für die Miet- und Leasinggeräte betrugen zum Bilanzstichtag 1.038 Mio. €. Die Buchwerte der Mietgeräte erhöhten sich leicht auf 470 Mio. € nach 459 Mio. € zum Geschäftsjahresende 2022, während die der Leasinggeräte aus Finanzdienstleistungen mit 568 Mio. € gegenüber dem 31. Dezember 2022 (567 Mio. €) kaum verändert waren. Die lang- und kurzfristigen Forderungen aus Finanzdienstleistungen lagen aufgrund der Geschäftsausweitung mit 1.652 Mio. € um 189 Mio. € über dem Vorjahreswert (1.463 Mio. €). Der Abbau der Vorräte um 67 Mio. € auf 927 Mio. € (Vorjahr: 994 Mio. €) resultierte aus Maßnahmen zur Bestandsreduktion. Die liquiden Mittel und kurzfristigen Wertpapiere erhöhten sich zum Bilanzstichtag um 146 Mio. € auf 652 Mio. € (Vorjahr: 506 Mio. €). 20 Vermögensstruktur in Mio. € 31.12.2023 31.12.2022 Veränd. % Langfristige Vermögenswerte 3.832 3.251 17,9 Immaterielle Vermögenswerte und Sach- anlagen 1.355 918 47,6 Miet- und Leasinggeräte 1.038 1.026 1,2 Forderungen aus Finanzdienstleistungen 1.212 1.057 14,7 Übrige Vermögenswerte (inklusive Finanzanlagen) 217 221 -1,8 Wertpapiere 10 29 -65,5 Kurzfristige Vermögenswerte 3.078 2.913 5,7 Vorräte 927 994 -6,7 Forderungen aus Lieferungen und Leis- tungen 955 899 6,2 Forderungen aus Finanzdienstleistungen 440 406 8,4 Übrige Vermögenswerte 105 108 -2,8 Liquide Mittel und Wertpapiere 652 506 28,9 Bilanzsumme 6.910 6.164 12,1 Tabelle enthält rundungsbedingte Differenzen. Gestiegene Investitionen reflektieren Kapazitätserweiterung in Tschechien Mit 90 Mio. € lagen die Investitionen in Sachanlagen im Berichtszeitraum spürbar über dem Vorjahreswert (73 Mio. €). Von dem Projektbudget für den Werksneubau im tschechischen Chomutov (rund 60 Mio. €) entfielen auf das Berichtsjahr 16 Mio. €, während im Vorjahr 7 Mio. € in der Investitionssumme enthalten waren. Das Bestellobligo für Investitionen ausschließlich in Sachanlagen betrug zum Bilanzstichtag 7 Mio. €. Die Finanzierung der Investitionen erfolgte mit Eigenmitteln. 21 Finanzdienstleistungen Finanzdienstleistungsgeschäft sichert langfristige Kundenbindung Sämtliche Finanzdienstleistungsaktivitäten des Unternehmens sind im Segment „Finanzdienstleistungen“ zu- sammengefasst. Mit individuellen Angeboten zur Nutzungsüberlassung und Absatzfinanzierung dienen sie der Absatzförderung von Fahrzeugen. Die angebotenen Finanzdienstleistungsverträge sind grundsätzlich mit einer Full-Service- oder Wartungsvereinbarung kombiniert. Das Geschäftsmodell zielt darauf ab, Kunden über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeuges zu betreuen und eine langfristige Kundenbindung zu erreichen. Sämtliche Risiken und Chancen, die aus Finanzdienstleistungsverträgen resultieren, werden mit Ausnahme des Ausfallrisikos von Kundenforderungen und des Refinanzierungsrisikos den operativen Vertriebseinheiten im Segment „Intralogistik“ zugeordnet. Jungheinrich ist in acht Ländern mit eigenen Finanzdienstleistungsgesellschaften vertreten: Deutschland, Ita- lien, Frankreich, Großbritannien, Spanien, den Niederlanden, Österreich und Australien. Die Aufbau- und Ablauforganisation des Segmentes „Finanzdienstleistungen“ ermöglicht eine Finanzierungsstruktur und -ausgestaltung mit leistungsstarken in- und ausländischen Banken. Mit der Refinanzierungsgesellschaft Elbe River Capital S.A., Luxemburg, können zudem Refinanzierungen am Ka- pitalmarkt realisiert werden. Das Volumen dieser Finanzierungsplattform belief sich zum 31. Dezember 2023 wie im Vorjahr auf 301 Mio. €. Zusätzlich zu der im Finanzdienstleistungsgeschäft eingesetzten SAP-Standardsoftware zur Erfassung und Bilanzierung von Leasingverträgen existiert eine datenbankbasierte Softwarelösung (Global Lease Center) für kleinere Vertriebseinheiten. Laufzeit- und zinskongruente Refinanzierung Jungheinrich Gesellschaften schließen Finanzdienstleistungsverträge entweder direkt mit Kunden oder indi- rekt über Leasinggesellschaften oder Banken (sogenannte Vendor-Verträge) ab. Direkt mit Kunden abge- schlossene Verträge werden entsprechend den IFRS-Bilanzierungsregeln entweder als Leasinggeräte (Operating Leases) oder als Forderungen aus Finanzdienstleistungen (Finance Leases) ausgewiesen. Die Refinanzierung dieser langfristigen Kundenverträge erfolgt unter Einhaltung des Grundsatzes der Laufzeit- und Zinskongruenz und wird unter den Verbindlichkeiten aus Finanzdienstleistungen ausgewiesen. Die Zah- lungseingänge aus den Kundenverträgen decken dabei mindestens die Refinanzierungszahlungen an die Kreditinstitute für dieses Geschäft. Für Vendor-Verträge werden Umsatzabgrenzungen, die aus bereits erziel- ten Verkaufserlösen mit einer zwischengeschalteten Leasinggesellschaft resultieren, unter den Verbindlichkeiten aus Ertragsabgrenzungen vorgenommen. Kennzahlen Finanzdienstleistungen in Mio. € 31.12.2023 31.12.2022 Veränd. % Vertragszugang zum Neuwert 1 971 851 14,1 Vertragsbestand zum Neuwert 4.069 3.821 6,5 Leasinggeräte aus Finanzdienstleistun- gen 708 712 -0,6 Forderungen aus Finanzdienstleistungen 1.665 1.476 12,8 Eigenkapital 122 120 1,7 Schulden 2.589 2.418 7,1 Umsatz 1 1.322 1.131 16,9 EBIT 1 17 25 -32,0 1 01.01. – 31.12. Umsatz mit Finanzdienstleistungen deutlich über 1 Mrd. € 22 Das Zugangsvolumen aus langfristigen Finanzdienstleistungsverträgen ist im Jahr 2023 um 120 Mio. € gestiegen (Vorjahr: 74 Mio. €). Hervorzuheben sind die eigenständigen Finanzdienstleistungsgesellschaften in Großbritannien, Spanien, Österreich und den Niederlanden mit einem Anstieg im wertmäßigen Zugangsvolumen von mehr als 30 Prozent. Auf die acht Länder mit Jungheinrich Finanzdienstleistungsgesellschaften entfielen 62 Prozent (Vorjahr: 61 Prozent) des Vertragszuganges. Zum Jahresende 2023 lag der Vertragsbestand mit insgesamt 223 Tsd. Fahrzeugen um 2,8 Prozent über dem Vorjahreswert (217 Tsd. Fahrzeuge). Dies entspricht einem Neuwert von 4.069 Mio. € (Vorjahr: 3.821 Mio. €). Bezogen auf die Anzahl der verkauften Neufahrzeuge wurden 42 Prozent über Finanzdienstleistungsverträge abgesetzt (Vorjahr: 40 Prozent). Der Umsatz im Segment „Finanzdienstleistungen“ lag mit 1.322 Mio. € über dem Vorjahr (1.131 Mio. €). 23 Mitarbeitende Anzahl der weltweit Beschäftigten steigt auf über 21.000 Im Berichtsjahr erhöhte sich die Anzahl der weltweit Beschäftigten um insgesamt 1.310. Entsprechend waren zum 31. Dezember 2023 21.117 (Vorjahr: 19.807) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (gemessen in Vollzeitäquivalenten) im Konzern beschäftigt. Wesentliche Treiber des Mitarbeitendenaufbaus waren die Akquisitionen von Storage Solutions (186 Mitarbeitende) und Magazino (117 Mitarbeitende), der Ausbau der Nearshoring-Organisation (177 Mitarbeitende) sowie der Produktionsstart im neuen Werk in Tschechien (65 Mitarbeitende). Um flexibler auf Auslastungsschwankungen reagieren zu können, werden neben der Stammbelegschaft in den Werken auch Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer eingesetzt. Vor dem Hintergrund der leicht rückläufigen Produktionsstückzahlen im Berichtsjahr ging die Zahl der in Leiharbeit Beschäftigten im Jahresdurchschnitt auf 491 (Vorjahr: 635) zurück. Zum 31. Dezember 2023 waren 438 (Vorjahr: 681) Leiharbeitnehmende im Konzern beschäftigt. Dies entspricht einem Verhältnis von Leiharbeitnehmenden zur Belegschaft (hier: Mitarbeitende plus Leiharbeitnehmende zum 31. Dezember 2023 in Vollzeitäquivalenten) von 2,0 Prozent (Vorjahr: 3,3 Prozent). Auf die Kundendienstorganisation entfielen 42 Prozent der Belegschaft beziehungsweise 8.950 (Vorjahr: 8.497) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Davon waren weltweit 6.255 (Vorjahr: 6.022) Kundendiensttechnikerinnen und -techniker im Einsatz. 24 Jungheinrich bietet 24 Ausbildungsberufe an Zum 31. Dezember 2023 waren 511 (Vorjahr: 496) Auszubildende im Konzern beschäftigt, davon 329 (Vorjahr: 334) im Inland. In Deutschland bildet der Jungheinrich Konzern in 24 Ausbildungsberufen aus. Dies umfasst auch duale Studiengänge in Zusammenarbeit mit Hochschulen. Der Anteil der Auszubildenden in den dualen Studiengängen betrug 2023 – bezogen auf die Anzahl der Auszubildenden im Inland – wie auch im Vorjahr 15 Prozent. Personelle Veränderungen Der ehemalige Vorsitzende des Aufsichtsrates Herr Hans-Georg Frey ist mit Wirkung ab Beendigung der ordentlichen Hauptversammlung am 11. Mai 2023 im Wege der Amtsniederlegung aus seinen Ämtern ausgeschieden. Die ordentliche Hauptversammlung hat am 11. Mai 2023 Herrn Rolf Najork für eine volle Amtszeit zum Mitglied des Aufsichtsrates gewählt. Herr Najork wurde anschließend durch den Aufsichtsrat zu dessen Vorsitzendem gewählt und hat in dieser Funktion zugleich den Vorsitz im Personalausschuss und im Vermittlungsausschuss übernommen. Zudem wurde Herr Udo Panenka mit Wirkung ab dem 1. April 2024 als neues Mitglied des Vorstandes, verantwortlich für das neue Ressort Automatisierung, bestellt. Mit Frau Sabine Neuß wurde eine Beendigungsvereinbarung getroffen, im Zuge derer sie ihr Amt als Mitglied des Vorstandes vorzeitig bis zum 30. Juni 2024 niederlegen wird. Als Nachfolger für das Ressort Technik wurde Herr Maik Manthey mit Wirkung ab dem 1. Juli 2024 bestellt. 25 GESETZLICHE ANGABEN Erklärung zur Unternehmensführung gemäß §§ 289f und 315d HGB Gemäß §§ 289f und 315d HGB ist die Jungheinrich AG als börsennotierte Aktiengesellschaft dazu verpflich- tet, eine Erklärung zur Unternehmensführung für den Konzern abzugeben. Diese Erklärung ist auf der Inter- netseite des Unternehmens (www.jungheinrich.com/investor-relations/corporate-governance) veröffentlicht. Zusammengefasster gesonderter nichtfinanzieller Bericht gemäß CSR-Richtli- nie-Umsetzungsgesetz Gemäß dem CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz zur Stärkung der nichtfinanziellen Unternehmensberichter- stattung sind sowohl der Jungheinrich Konzern als auch die Jungheinrich AG verpflichtet, mindestens über nichtfinanzielle Umwelt-, Arbeitnehmenden- und Sozialbelange sowie die Achtung der Menschenrechte und die Bekämpfung von Korruption und Bestechung zu berichten. Der Verpflichtung kommen der Jungheinrich Konzern und die Jungheinrich AG in Form eines zusammenge- fassten gesonderten nichtfinanziellen Berichtes gemäß §§ 289b Abs. 3 und 315b Abs. 3 HGB nach, der als eigenständiges Kapitel Teil des Geschäftsberichtes ist. Der Geschäftsbericht ist auf der Internetseite des Unternehmens (www.jungheinrich.com/investor-relations/berichte-und-praesentationen-1308) veröffentlicht. 26 INTERNES KONTROLL- UND RISIKOMANAGEMENTSYSTEM Internes Kontrollsystem 1 Unter dem internen Kontrollsystem (IKS) versteht Jungheinrich die Gesamtheit aller eingeführten Grundsätze, Prozesse und Richtlinien zur Sicherung der Erreichung der Geschäftsziele. Zielsetzung des IKS ist es, die Funktionsfähigkeit, Sicherheit und Effizienz wesentlicher Geschäftsabläufe sowie die Zuverlässigkeit der Finanzberichterstattung und die Übereinstimmung aller Aktivitäten mit Gesetzen und Richtlinien zu gewährleisten. Bei Jungheinrich ist ein IKS gemäß § 91 Abs. 3 AktG etabliert. Es orientiert sich am Rahmenwerk „Internal Control – Integrated Framework (2013)“ des Committee of the Sponsoring Organizations of the Treadway Commission (COSO), das die Elemente eines Kontrollsystems definiert und den Maßstab für die Bewertung der Angemessenheit und Wirksamkeit eines IKS setzt. Hierbei betrachtet das IKS alle wesentlichen Geschäftsprozesse und berücksichtigt über das rechnungslegungsbezogene IKS hinaus auch nichtfinanzielle Aspekte, insbesondere die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Ein effektives und effizientes IKS ist entscheidend, um Risiken in den Geschäftsprozessen zu steuern. Im Geschäftsjahr 2023 wurde eine umfassende Weiterentwicklung des IKS initiiert, einschließlich einer entsprechenden Etablierung von Verantwortlichkeiten, Methoden, Prozessen und einer neuen IKS-Software. Die Gesamtverantwortung für das IKS obliegt dem Jungheinrich Vorstand, er verantwortet somit die Sicherstellung eines angemessenen und wirksamen IKS. Der Konzernvorstand informiert den Aufsichtsrat und seinen Finanz- und Prüfungsausschuss fortlaufend. Dabei unterstützen ihn gemäß dem Drei-Linien- Modell des Institute of Internal Auditors in der zweiten Verteidigungslinie neben dem Risikomanagement die IKS-Organisation, die für die operative Umsetzung des IKS verantwortlich ist, sowie in der dritten Verteidigungslinie die interne Revision, die im Rahmen des verabschiedeten Revisionsprüfungsplanes das IKS in allen geprüften Gesellschaften auf Angemessenheit und Wirksamkeit beurteilt. Zur Weiterentwicklung und Überwachung des IKS-Prozesses und um die Integration und Vereinheitlichung bestehender Kontrollaktivitäten im Einklang mit den rechtlichen und operativen Anforderungen weiter voranzutreiben, hat der Vorstand eine Risikomanagement- und interne Kontrollorganisation etabliert. Diese besteht aus einer Zentralfunktion, welche die Richtlinie, den IKS-Prozess und die Methodik verantwortet. Die jährliche Überprüfung des Geltungsbereiches der Richtlinie sichert ab, dass alle wesentlichen Komponenten im IKS betrachtet werden. Alle Jungheinrich Gesellschaften sind Bestandteil des IKS. Der Umfang der implementierten Kontrollen und die Überwachung von Angemessenheit und Wirksamkeit der Kontrollen variieren und hängen unter anderem von der Wesentlichkeit der Gesellschaften und Unternehmensprozesse für den Konzern sowie den spezifischen Risiken, die mit der Gesellschaft verbunden sind, ab. Das Management der jeweiligen Gesellschaft ist verpflichtet, in seinem Verantwortungsbereich ein angemessenes und wirksames IKS zu implementieren. Das risikobasierte Scoping (quantitativ und qualitativ anhand der Risikokategorien Reporting, Strategy & Operations sowie Compliance) für die IKS-relevanten Gesellschaften und Prozesse wird jährlich geprüft und nach Bedarf angepasst. Die Prozesse beinhalten neben Prozessen mit rechnungslegungsbezogener Relevanz, wie zum Beispiel Record-to-Report, Purchase-to-Pay und Order-to- Cash, auch weitergehende Themen, beispielsweise die Nachhaltigkeitsberichterstattung und IT. Gemeinsam mit den zentralen Prozessverantwortlichen werden die wesentlichen Geschäftsprozesse analysiert, um relevante Risiken für die Finanz- und Nachhaltigkeitsberichterstattung zu identifizieren. Die entsprechenden Kontrollen zur Risikominderung werden dokumentiert und in einer prozessübergreifenden Risikokontrollmatrix festgehalten. Darüber hinaus bestehen im Jungheinrich Konzern Richtlinien, die Befugnisse, Abläufe und Kontrollen für alle wesentlichen Prozesse festlegen. Die Richtlinien stehen im Intranet allen Mitarbeitenden zur Einsicht zur Verfügung. Die Kontrollen im Rahmen des IKS orientieren sich an den in den Richtlinien beschriebenen Prozessen. Die IKS-Richtlinie und das Handbuch beschreiben die IKS-Ziele, den Scope, die Rollen und Verantwortlichkeiten sowie den IKS-Prozess. 1 lageberichtsfremde Angabe, die nicht Gegenstand der Abschlussprüfung ist 27 Die gesetzlichen Vertreterinnen und Vertreter der Gesellschaften und die Verantwortlichen der Organisationsbereiche geben als Abschluss der unterjährigen Kontrollen und Überwachungsaktivitäten zum Jahresabschluss Auskunft darüber, ob es im Rahmen des IKS Verstöße gegen Vorschriften und Gesetze oder Unregelmäßigkeiten gab und ob die Richtigkeit und Vollständigkeit der Dokumentation zum IKS für ihren jeweiligen Verantwortungsbereich gegeben sind. Weiterhin ist das IKS regelmäßig Gegenstand von Prüfungsaktivitäten der internen Revision. Diese erfolgen entweder im Rahmen des risikobasiert abgeleiteten jährlichen Prüfungsplanes oder im Rahmen von anlassbezogenen Prüfungen. Der Aufsichtsrat überwacht die Wirksamkeit von interner Revision, Risikomanagement und IKS. Zusätzlich werden die für die Finanzberichterstattung relevanten Teile des IKS vom Abschlussprüfer im Rahmen eines risikoorientierten Prüfungsansatzes auf Wirksamkeit geprüft. Der Finanz- und Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates von Jungheinrich überwacht auf Grundlage des § 107 Abs. 3 AktG die Wirksamkeit des IKS. Unter Berücksichtigung der im Jahr 2023 durchgeführten externen und internen Prüfungen des IKS sind keine Sachverhalte aufgetreten, die den Vorstand der Jungheinrich AG zu der Auffassung gelangen lassen, dass das IKS im Geschäftsjahr 2023 in allen wesentlichen Belangen nicht angemessen und wirksam war. Jungheinrich entwickelt die Anforderungen an das IKS kontinuierlich weiter und passt die Kontrollmechanismen an sich ändernde Prozesse und Anforderungen fortlaufend an. Internes Kontrollsystem bezogen auf den Konzernrechnungslegungsprozess Die wesentlichen Merkmale des im Jungheinrich Konzern bestehenden internen Kontroll- und Risikomanagementsystems im Hinblick auf den Konzernrechnungslegungsprozess lassen sich wie folgt beschreiben: • Der Jungheinrich Konzern zeichnet sich durch eine differenzierte Organisations- und Unternehmensstruktur aus, die eine zweckmäßige Funktionskontrolle gewährleistet. • Zur ganzheitlichen Analyse und Steuerung ertragsrelevanter Risikofaktoren und bestandsgefährdender Risiken bestehen konzernweit abgestimmte Führungs-, Planungs- und Controllingprozesse sowie ein Risikomanagement- und Risikofrüherkennungssystem, das im nächsten Abschnitt erläutert wird. • Die Funktionen in sämtlichen Bereichen des Konzernrechnungslegungsprozesses (zum Beispiel Corporate Accounting, Corporate Controlling und Group Treasury) sind eindeutig zugeordnet. • Bei den im Corporate Accounting eingesetzten IT-Systemen, die gegen unbefugte Zugriffe geschützt werden, handelt es sich überwiegend um Standardsoftware (im Wesentlichen um SAP-Systeme). • Im Jungheinrich Konzern bestehen Richtlinien, die Zuständigkeiten, Abläufe und Kontrollen für alle wesentlichen Prozesse festlegen. Die Richtlinien stehen im Intranet allen Mitarbeitenden zur Einsicht zur Verfügung. • Ein umfangreiches Konzernbilanzierungshandbuch regelt den Konzernrechnungslegungsprozess der Einzelgesellschaften sowie die Konsolidierung auf Konzernebene und sichert somit die konzerneinheitliche Bilanzierung, Bewertung und Berichterstattung von Geschäftsvorgängen. Das Handbuch wird regelmäßig aktualisiert und den am Konzernrechnungslegungsprozess beteiligten Abteilungen zur Verfügung gestellt. Um die Vollständigkeit und Richtigkeit von Daten der Konzernrechnungslegung zu gewährleisten, werden regelmäßig dezentral sowie zentral Stichproben- und Plausibilitätskontrollen durchgeführt. Diese können manuell oder softwaregestützt erfolgen. • Wesentliche rechnungslegungsrelevante Prozesse unterliegen regelmäßigen Prüfungen. Die Einrichtung des Risikofrüherkennungssystems ist Gegenstand der jährlichen gesetzlichen Jahres- und Konzernabschlussprüfung. Erkenntnisse, die sich daraus ergeben, werden bei der kontinuierlichen Weiterentwicklung des konzernweiten Jungheinrich spezifischen Systems berücksichtigt. Der Bereich Corporate Compliance, Audit & Data Protection überprüft die Effektivität der rechnungslegungsbezogenen internen Kontrollen. 28 • Der Aufsichtsrat beziehungsweise sein Finanz- und Prüfungsausschuss befassen sich unter anderem mit wesentlichen Fragen der Konzernrechnungslegung und des Risikomanagements, der Compliance sowie der Prüfungsaufträge und -schwerpunkte für die Abschlussprüfer und den Bereich Corporate Compliance, Audit & Data Protection. • Ein weiteres zentrales Element der Risiko-Governance ist die Überprüfung der Gesellschaften durch die interne Revision auf Grundlage einer risikoorientierten Revisionsprüfungsplanung. Risiko- und Chancenbericht Die Früherkennung von Risiken und Chancen sowie die daraus abzuleitenden Maßnahmen sind wichtiger Bestandteil der Unternehmensführung bei Jungheinrich. Grundsätze und Vorgehensweisen hierzu sind im Rahmen des Risikomanagementsystems in einer entsprechenden Konzernrichtlinie sowie in einem Risiko- managementhandbuch definiert und werden fortlaufend überprüft und weiterentwickelt. Ziele des Risikomanagementsystems und Risikokultur Risiken und Chancen sind grundlegende Bestandteile unternehmerischen Handelns. Insbesondere in einem komplexen, globalen Marktumfeld bestehen eine Vielzahl externer, aber auch interner Einflüsse auf die Ge- schäftsaktivitäten von Jungheinrich. Das unternehmensinterne Risikomanagementsystem hat zum Ziel, so- wohl Risiken als auch Chancen, die aus diesen Einflüssen erwachsen können, frühzeitig zu erkennen und zu bewerten, um adäquate Maßnahmen zu deren Steuerung einzuleiten. Ein weiteres Ziel besteht – neben der Schaffung von Transparenz über Risiken und Chancen – in der aktiven Förderung einer Unternehmens- kultur, in der ein konzernweit konsistentes Verständnis von Risiken und Chancen zum Tragen kommt. Risiken und Chancen umfassen sämtliche künftige Entwicklungen oder Ereignisse, die zu einer negativen (Risiko) oder positiven (Chance) Zielabweichung führen können. Das Jungheinrich Risikomanagementsystem basiert auf den Elementen des Prüfungsstandards 981 des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Deutschland (IDW) und ist in einer konzernweit verbindlichen Richtlinie verankert, die allen Mitarbeitenden zugänglich ist. Organisation und Prozesse des Risikomanagementsystems Der Jungheinrich Vorstand ist verantwortlich für die Entwicklung und Aufrechterhaltung eines effektiven und wirksamen Risikomanagementsystems. Das Corporate Risk Management, organisatorisch dem Corporate Controlling zugeordnet, definiert und entwickelt die Methoden und Prozesse des Risikomanagementsystems kontinuierlich weiter und übernimmt eine übergreifende Qualitätssicherungs-, Koordinations- und Analysefunktion. Alle Prozessbeteiligten werden fortlaufend im Rahmen von Schulungen, Informationsver- anstaltungen und Kommunikationsinitiativen über die Anforderungen, Methoden und Neuerungen zum Risi- komanagementsystem unterrichtet. Das Risikomanagementsystem ist entlang der Organisationsstruktur des Jungheinrich Konzerns unter Einbeziehung der dezentralen Organisationseinheiten organisiert. Identifikation Die Verantwortung für die Identifikation von Risiken und Chancen – ebenso wie für die Bewertung und Steu- erung – obliegt den Führungskräften in den zentralen und dezentralen Organisationseinheiten in ihrer Funk- tion als Risikoverantwortliche. Neben der Erörterung von Risiko- und Chancenaspekten in regelmäßig statt- findenden Managementsitzungen führen die Risikoverantwortlichen im Rahmen der Planungs- und Hochrechnungsprozesse dreimal jährlich eine vollumfängliche Risiko- und Chanceninventur durch. Identifi- zierte Risiken und Chancen werden vordefinierten Risikofeldern zugeordnet, die am Geschäftsumfeld sowie an den Unternehmenszielen von Jungheinrich ausgerichtet sind. 29 Bewertung und Steuerung Die Bewertung der Risiken und Chancen erfolgt auf Basis der geplanten Geschäftsentwicklung beziehungs- weise der jeweils aktuellen Hochrechnung. Der Betrachtungszeitraum für die Bewertung der Risiken und Chancen umfasst neben dem jeweils laufenden Geschäftsjahr auch die beiden darauffolgenden Jahre. Für jedes der betrachteten Jahre werden die Eintrittswahrscheinlichkeit und die finanzielle Auswirkung der Un- ternehmensrisiken auf das Konzern-EBIT beziehungsweise auf das Ergebnis nach Steuern für Risiken mit unmittelbarer Auswirkung auf das Finanzergebnis oder auf die Ertragsteuern mittels standardisierter Methoden eingeschätzt. Die finanzielle Bewertung erfolgt sowohl vor (brutto) als auch nach (netto) Berücksichtigung möglicher Steuerungsmaßnahmen. Steuerungsmaßnahmen werden hierbei systematisch dokumentiert und nachverfolgt. Ergänzend werden je Risiko und Chance qualitative Auswirkungen in Bezug auf Reputation, Compliance, Unternehmensstrategie sowie den operativen Betrieb erfasst. Analyse der Risikosituation Eine mehrstufige Qualitätssicherung der gemeldeten Risiken und Chancen findet sowohl durch das Corpo- rate Controlling über alle Organisationseinheiten als auch durch designierte Risikofeldverantwortliche je Ri- sikofeld statt. Dies dient dazu, die Plausibilität der Meldungen zu prüfen sowie etwaige Redundanzen und Interdependenzen zu identifizieren. Anschließend analysiert das Corporate Risk Management die gemeldeten Risiken und Chancen hinsichtlich möglicher Konzernauswirkungen. Durch Aggregation aller wesentlichen Risiken und Chancen mittels stochastischer Simulationsverfahren werden potenzielle Ergebnisauswirkungen und konzernweite Entwicklungen unter Berücksichtigung von Interdependenzen frühzeitig identifiziert. Hierzu wird die Kennzahl Value at Risk (VaR) 1 mit Konfidenzniveau von 99 Prozent für das Gesamtrisikoportfolio ermittelt. Überwachung der Risikotragfähigkeit Zur Bewertung der Risikotragfähigkeit von Jungheinrich wird das ermittelte Gesamtrisiko dem Risikode- ckungspotenzial gegenübergestellt, das sowohl Eigenkapital- als auch Liquiditätspositionen berücksichtigt. Weitere definierte Frühwarnindikatoren dienen der kontinuierlichen Überwachung der Risikotragfähigkeit und der Risikofrüherkennung. Kommunikation Die Ergebnisse der Risikoanalyse werden im Konzernrisikoausschuss mit Teilnahme des Vorstandes berich- tet. Dies beinhaltet Aussagen zur Risikotragfähigkeit, zu wesentlichen Risiken und Chancen sowie etwaigen Steuerungsmaßnahmen. Darüber hinaus ist eine ad-hoc Berichterstattung implementiert, durch die das Kon- zernrisikomanagement sowie der Vorstand über alle wahrscheinlichen und sehr wahrscheinlichen Risiken und Chancen ab einer als moderat bewerteten Auswirkung informiert werden. Überwachung der Wirksamkeit Der Vorstand berichtet über die Risiko- und Chancensituation als integralen Bestandteil der Planung und der Hochrechnungen an den Aufsichtsrat. Der Aufsichtsrat überwacht die Wirksamkeit des Risikomanagementsystems sowie den angemessenen Umgang mit Risiken und Chancen. Der Bereich Corporate Compliance, Audit & Data Protection hat zudem als prozessunabhängige Instanz die Aufgabe, die Funktionsfähigkeit und Wirksamkeit des Risikomanagementsystems zu prüfen. Gesamtaussage zur Risiko- und Chancensituation Im Berichtszeitraum wurden keine Risiken identifiziert, die den Fortbestand des Jungheinrich Konzerns ge- fährden könnten. Beschaffungsseitige Lieferengpässe und -verzögerungen sowie volatile Materialkosten haben sich im Vergleich zum Vorjahr reduziert, stellen jedoch weiterhin zentrale Risiken dar, die sich durch die Wertschöpfungskette auf die Produktionsstabilität sowie absatzseitige Liefertermine auswirken können. Jungheinrich hat zentrale sowie lokale Krisenstäbe in den Organisationseinheiten und Werken installiert, um die aufkommenden Risiken durch beschaffungsseitige Lieferengpässe frühzeitig zu identifizieren und deren 1 Der Value at Risk gibt den maximalen Wert an, der innerhalb eines bestimmten Zeitraumes und einer bestimmten Wahrscheinlichkeit (Konfidenzniveau) nicht überschritten wird. 30 Auswirkungen auf das Unternehmen durch zeitnahe, geeignete und koordinierte Maßnahmen möglichst gering zu halten. Aufgrund der internationalen Geschäftstätigkeit von Jungheinrich bergen konjunkturzyklische Schwankun- gen Risiken für die Geschäftsentwicklung. Auf Basis regelmäßiger Analysen des Marktes für Flurförderzeuge und Automatisierung, des Wettbewerbsumfeldes und der Kapitalmärkte, insbesondere im Hinblick auf Wechselkurs- und Zinsänderungen, wird die Konjunkturentwicklung daher kontinuierlich beobachtet und bewertet. Ziel ist es, Hinweise auf die künftige Auftragsentwicklung zu erhalten. Die Produktionspläne werden laufend an die Auftragseingänge angepasst, um eine optimale Produktionsauslastung zu erzielen. Produktionsauslastungsrisiken in den Werken haben sich auf Grund der gestiegenen konjunkturzyklischen Unsicherheiten im Vergleich zum Vorjahr erhöht. Dem Risiko eines Geschäftsrückganges begegnet Jungheinrich damit, dass der Konzern seine Produktpalette fortlaufend weiterentwickelt, seinen Dienstleistungsumfang ausbaut, den Vertrieb weiter stärkt, Finanzierungslösungen anbietet und Effizienzmaßnahmen umsetzt. Weiterhin stellen Cyber-Angriffe Risiken dar, die durch Sicherheitsvorkehrungen, insbesondere durch den kontinuierlichen und gezielten Ausbau des Informationssicherheitsmanagementsystems, reduziert werden. Auf Grund einer erhöhten allgemeinen Gefahrenlage sowie einer weiter professionalisierten Bewertungsmethodik der Cyber-Risiken inklusive umfangreicher quantitativer Analysen verschiedener Risikoszenarien, hat sich die Bewertung potenzieller Auswirkungen durch Cyber-Angriffe im Vergleich zum Vorjahr erhöht. Aus dem anhaltenden Russland-Ukraine-Krieg und seinen humanitären, politischen und ökonomischen Folgen ergeben sich diverse Risiken für den Jungheinrich Konzern, die sich bis hin zu einer vollständigen Wertminderung der russischen Gesellschaft durch Enteignung entwickeln können. Das Risiko eines potenziellen Ausfalles der Gas- oder Stromversorgung hat sich im Vergleich zum Vorjahr, auch durch die Implementierung von Maßnahmen zur alternativen Energieversorgung, reduziert. Unter Berücksichtigung der im Jahr 2023 durchgeführten externen und internen Prüfungen des Risikoma- nagementsystems und des Compliance-Managementsystems sind keine Sachverhalte bekannt geworden, die den Vorstand der Jungheinrich AG zu der Auffassung gelangen lassen, dass das Risikomanagementsystem oder das Compliance-Managementsystem im Geschäftsjahr 2023 in allen wesentlichen Belangen nicht angemessen und wirksam war. 1 Risiko- und Chancensituation Die nachstehende Tabelle zeigt einen Gesamtüberblick über die wesentlichen Risiken und Chancen und ihre Auswirkungen auf den Jungheinrich Konzern für die beiden auf das Jahr 2023 folgenden Geschäftsjahre sowie die Veränderung im Vergleich zum Vorjahr. Die Nettoauswirkungen von Risiken und Chancen werden hierbei getrennt dargestellt und nicht miteinander verrechnet. Risiken und Chancen werden bei Jungheinrich zu Risikofeldern aggregiert und Risiken nach negativer Ergebnisauswirkung anhand des VaR 99 Prozent (Verlustwert), Chancen nach positiver Ergebnisauswirkung anhand des VaR 20 Prozent (Chancenwert) klassifiziert. Der aufgezeigte Vorjahresvergleich bezieht sich auf eine Veränderung der Zuordnung zur Aus- wirkungsklasse ab einer Mindestveränderung von 2 Mio. €. 1 lageberichtsfremde Angabe, die nicht Gegenstand der Abschlussprüfung ist 31 Risiken und Chancen werden nach ihren Nettoauswirkungen in folgende Auswirkungsklassen unterteilt: Die Auswirkungen der Einzelrisiken beziehungsweise -chancen werden anhand ihres Maximalwertes den Auswirkungsklassen zugeordnet. Die Beschreibung der Eintrittswahrscheinlichkeit von Einzelrisiken und -chancen erfolgt anhand der folgen- den Klassen: Im Folgenden werden die dargestellten Risikofelder einzeln beschrieben. Hierbei wird der jeweilige Chancenwert dargestellt, sofern sich dieser gegenüber dem Vorjahr verändert hat. Darüber hinaus werden je Risikofeld wesentliche Einzelrisiken und -chancen mit einer moderaten oder größeren Nettoauswirkung ab 5 Mio. € erläutert. Operative Risiken und Chancen After Sales Das Risikofeld After Sales umfasst Risiken und Chancen, die im Zuge der Zusammenarbeit mit den Kunden während des Produktlebenszyklus entstehen können. Gesamthaft wird die Auswirkung der After-Sales-Risi- ken von Jungheinrich weiterhin als moderat eingestuft. Das grundsätzliche Risiko von potenziellen Lieferantenausfällen beziehungsweise Lieferverzögerungen aufgrund mangelnder Materialverfügbarkeiten im Ersatzteilgeschäft besteht weiterhin, hat sich jedoch im Vergleich zum Vorjahr reduziert. Darüber hinaus besteht ein Risiko, dass die Materialkosten weiter ansteigen Sehr gering ≤ 0,5 Mio. € Gering > 0,5 Mio. € bis ≤ 2 Mio. € Moderat > 2 Mio. € bis ≤ 10 Mio. € Hoch > 10 Mio. € bis ≤ 20 Mio. € Sehr hoch > 20 Mio. € Risikofelder des Jungheinrich Konzerns Sehr gering Ge ring Moderat Hoch Sehr hoch ≤ 0,5 Mio. € > 0,5 Mio. € bis ≤ 2 Mio. € > 2 Mio. € bis ≤ 10 Mio. € > 10 Mio. € bis ≤ 20 Mio. € > 20 Mio. € Operative Risiken und Chancen After Sales ■ ■ → → Beschaffung ■ ■ → → Digitale Produkte ■ ■ → → Forschung und Entwicklung ■ ■ → → Informationstechnologie ■ ■ ↑ → Produktion ■ ■ ↑ → Produktqualität und -sicherheit ■ ■ ↑ → Projektgeschäft ■ ■ → → Umsatz und Absatz ■ ■ → ↓ Zoll ■■ → → Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen Extremereignisse ■ ■ → → Klimawandel und Umweltschutz ■■ → → Personal und Soziales ■■ → ↑ Finanzwirtschaftliche Risiken und Chancen Finanzdienstleistungen ■ ■ → → Fremdwährungen ■ ■ → → Forderungsausfall ■ ■ → → Finanzierung und Kapitalanlage ■ ■ → → Steuern ■■ → → Recht und Compliance Risiken und Chancen Compliance und Datenschutz ■ ■ → → Recht ■ ■ → → Risiko (VaR 99 Proze nt) ■ I Chance (VaR 20 Prozent) ■ I Veränderung Risiko (VaR 99 Prozent) ↑↓ I Veränderung Chance (VaR 20 Prozent) ↑↓ Der aufgezeigte Vorjahresvergleich bezieht sich auf eine Veränderung der Zuordnung zur Auswirkungsklasse ab einer Mindestveränderung von 2 Mio. €. Nettorisiko / Nettochance (aggregiert) Vorjahres- vergleich 32 und die Einstandspreise kundenseitig nicht weitergegeben werden können. Um trotz der angespannten Marktverhältnisse auch im Ersatzteilgeschäft Lieferantenrisiken vorzubeugen, findet eine enge Überwachung im Rahmen regelmäßiger Task-Force-Termine statt. Eine detaillierte Beschreibung der Lieferantenrisiken wird im nachfolgenden Risikofeld Beschaffung dargestellt. Um Materialverfügbarkeiten trotz Volatilitäten sicherzustellen, werden entsprechende Bestände vorgehalten. Beschaffung Risiken und Chancen im Beschaffungsumfeld umfassen Störungen in der Versorgungskette und Schwan- kungen der Rohstoff-, Material- und Energiepreise. Gesamthaft werden Beschaffungsrisiken weiterhin als sehr hoch eingestuft. Die weltweiten Lieferketten haben sich im Laufe des Jahres kontinuierlich stabilisiert, gleichwohl können potenzielle Handelseinschränkungen sowie potenzielle Lieferkettenunterbrechungen durch Produktions- und Logistikeinschränkungen Materialengpässe und Versorgungsabrisse zur Folge haben. Außerdem bergen Insolvenzen von Lieferanten, Cyber-Angriffe auf Lieferanten sowie geopolitische Entwicklungen, insbesondere im Hinblick auf China und die jüngste Eskalation im Nahostkonflikt, weitere Risiken. Die Eintrittswahrscheinlichkeit hierfür hat sich im Vergleich zum Vorjahr reduziert und wird als unwahrscheinlich eingestuft. Die Auswirkungen bleiben in Extremszenarien jedoch sehr hoch und können zu Produktionsstillständen sowie deutlich erhöhten Kosten für Alternativbeschaffungen beziehungsweise notwendige Dienstleistungen führen. Um Störungen in der Versorgungskette präventiv entgegenzusteuern, setzt Jungheinrich im Rahmen eines konsequenten Lieferantenmanagements Kontrollsysteme zur Beobachtung und Analyse der finanziellen Bo- nität der Lieferanten, der Stabilität der Versorgungsketten und der Transportwege ein. Zusätzlich werden im Rahmen des Lieferkettenmanagements täglich die Entwicklungen in den Lieferketten analysiert, um frühzeitig und präventiv auf mögliche Materialengpässe sowie Entwicklungen in der Materialversorgung reagieren zu können und die Stabilität der weltweiten Lieferketten bestmöglich zu gewährleisten. Auch werden Versorgungsreichweiten kontinuierlich ermittelt und alternative Beschaffungsquellen und Produkte eingeführt. Details im Hinblick auf eine etwaige Gasmangellage oder eine Unterversorgung der Stromnetze werden im Risikofeld Extremereignisse behandelt. Des Weiteren bestehen Unsicherheiten in der Energiepreisentwicklung sowie allgemeine inflationäre Tendenzen. Dies zeigt sich insbesondere in Bezug auf die Volatilität der Gas- und Energiemärkte. Um einen Versorgungsabriss in der Produktion zu vermeiden, werden signifikante Preissteigerungen, auch durch alternative Energieträger, akzeptiert. Dies betrifft sowohl die Versorgung der eigenen Jungheinrich Standorte als auch die Weitergabe höherer Energiekosten von Lieferanten an Jungheinrich. Hieraus können sich sowohl risiko- als auch chancenseitig moderate Auswirkungen ergeben. Die Rohstoffpreise am Weltmarkt bleiben weiterhin von Schwankungen geprägt und bergen dadurch Unsicherheiten in der Planung der Materialkosten. Beschaffungsunsicherheiten für Produktionsmaterialien und Ersatzteile ergeben sich im Berichtszeitraum im Wesentlichen in den Bereichen der Elektronikkomponenten, Lithium-Ionen-Batterien und Stahl. Digitale Produkte Jungheinrich entwickelt und vertreibt digitale Produkte, wie das Warehouse-Management-System (Jungheinrich WMS), Steuerungssoftware für Fördertechnik sowie weitere digitale Lösungen für Flurförderzeuge. Zur Vernetzung der Flurförderzeuge betreibt Jungheinrich das cloudbasierte Flottenmanagementsystem (Jungheinrich FMS). Im Risikofeld Digitale Produkte werden darüber hinaus Risiken und Chancen aus der Entwicklung von Softwareanwendungen für mobile Roboter erfasst und bewertet. Die Risiken aus digitalen Produkten werden weiterhin als moderat eingestuft. Zur kontinuierlichen Verbesserung und Aufrechterhaltung der Informationssicherheit ist ein zertifiziertes Informationssicherheitsmanagementsystem nach ISO/IEC 27001 etabliert. Die Zertifizierung deckt einen 33 Großteil der Entwicklung, Wartung und – insofern es in der Verantwortung von Jungheinrich liegt – auch den Betrieb der Endkundensoftwarelösungen ab. Weitere Details zu dieser Zertifizierung werden im Risikofeld Informationstechnologie behandelt. Jungheinrich hat außerdem seit November 2022 eine erfolgreiche Bewertung nach dem Branchenstandard TISAX (Trusted Information Security Assessment Exchange). Darüber hinaus arbeitet Jungheinrich stetig am Ausbau der digitalen Produkte. Dies beinhaltet insbesondere den kontinuierlichen Aufbau von Fachexpertise, der durch Zentralfunktionen des Konzerns begleitet wird. Forschung und Entwicklung Das Risikofeld Forschung und Entwicklung umfasst sowohl Risiken als auch Chancen aus Entwicklungspro- jekten und -ergebnissen. Gesamthaft werden Risiken aus der Forschung und Entwicklung weiterhin als mo- derat eingestuft. Ein grundsätzliches Risiko besteht in Patentstreitigkeiten, daher werden Innovationen aus Forschung und Entwicklung durch Patente geschützt. Ihre Einhaltung wird systematisch zentral überwacht und es werden, wo erforderlich, juristische Schritte eingeleitet. Informationstechnologie Risiken im Bereich der Informationstechnologie umfassen die allgemeine Stabilität der Informationsinfra- struktur und schließen hierbei mögliche Risiken der Informationssicherheit und insbesondere die Wider- standsfähigkeit der IT-Systeme gegen externe Cyber-Angriffe ein. Gesamthaft haben sich informationstechnologische Risiken erhöht und werden als sehr hoch eingestuft. Die potenziellen Auswirkungen eines konzernweiten Risikos von Cyber-Angriffen können – bedingt durch einen Verlust der Verfügbarkeit, Vertraulichkeit oder Integrität von Informationen und IT-Systemen durch Si- cherheitsverletzungen – weitreichend sein. Zur Begrenzung der informationstechnologischen Risiken und zur Gewährleistung der sicheren, zuverlässigen und effizienten Abwicklung von Geschäftsprozessen werden die IT-Systeme laufend überprüft und weiterentwickelt. Zur Reduktion von Ausfallrisiken bei anwendungskritischen Systemen und Infrastrukturkomponenten setzt Jungheinrich neben einem wirksamen IT-Notfallmanagement auf industrietypische Standards, redundante Netzverbindungen und ein Zweitrechenzentrum. Dem Risiko eines unbefugten Zugriffes auf Unternehmensdaten oder einer Manipulation beziehungsweise Sabotage von IT-Systemen begegnet Jungheinrich mit konzernweit verbindlichen Vorgaben zur Informationssicherheit, dem Einsatz aktueller Sicherungssysteme und einer regelmäßigen Wirksamkeitsprüfung der Schutzmaßnahmen. Das Informationssicherheits- managementsystem (ISMS) von Jungheinrich ist seit November 2021 in wesentlichen Teilen der Organisation nach der internationalen Norm ISO/IEC 27001:2013 zertifiziert. Im November 2022 wurde der Geltungsbereich noch einmal erweitert. Die vorgenannten Maßnahmen werden durch moderne Überwachungs- und Analysesysteme wirksam unterstützt und von einem dedizierten Cyber-Sicherheitsteam permanent überwacht und weiterentwickelt. Zusätzlich wird der Stand der Cyber-Sicherheit für die Themenbereiche IT, Produktion und digitale Produkte einer jährlichen externen Reifegradbewertung unterzogen. Die Wahrscheinlichkeit für den Eintritt eines signifikanten Schadens wird aufgrund der umfassenden Maßnahmen zur Begrenzung des Risikos weiterhin als unwahrscheinlich eingestuft. Die Bewertung potenzieller Auswirkungen durch Cyber-Angriffe hat sich im Vergleich zum Vorjahr erhöht. Gründe hierfür sind eine höhere allgemeine Gefahrenlage sowie eine weiter professionalisierte Bewertungsmethodik der Cyber-Risiken inklusive umfangreicher quantitativer Analysen verschiedener Risikoszenarien. Die Bandbreite potenzieller Auswirkungen ist dabei sehr groß, von moderat bis hin zu sehr hoch in Extremszenarien. Im Rahmen des DEEP-Programmes (Digitale Ende-zu-Ende-Prozesse) zur digitalen Transformation und Effizienzsteigerung setzt das Unternehmen mehr als 80 Projekte um. Um Unsicherheiten in den geplanten Projektkosten zu reduzieren, ist eine detaillierte Steuerung entlang des DEEP-Programmes implementiert. Diese beinhaltet wöchentliche operative Steuerungsmeetings, regelmäßige Lenkungsausschusssitzungen sowie ein detailliertes Programmcontrolling. Schwankungen um die geplanten Projektkosten werden weiterhin als möglich bewertet und können zu geringen Chancen sowie moderaten Risiken führen. 34 Produktion Risiken und Chancen im Produktionsumfeld beschreiben Abweichungen im Produktherstellungsprozess, bei- spielsweise aus einer Abweichung der Auslastung von Produktionsmaschinen oder der geplanten Produkti- onsmenge. Gesamthaft haben sich die Auswirkungen der produktionsbezogenen Risiken erhöht und werden als sehr hoch eingestuft. Gleichzeitig werden auch die Chancen höher bewertet und steigen leicht von gering auf moderat an. Die Stabilität des Produktionsbetriebes hängt in hohem Maße von den Lieferketten ab. Risiken aus den Lie- ferketten, wie beispielsweise Rohstoffverfügbarkeiten, mögliche Cyber-Angriffe oder Insolvenzen von Liefe- ranten, stellen somit Risiken für die Aufrechterhaltung des Produktherstellungsprozesses dar. Aus diesem Grund werden als Bestandteil des Lieferkettenmanagements täglich die Entwicklungen in den Lieferketten analysiert, um frühzeitig Steuerungsmaßnahmen einleiten zu können. Hierdurch wird die Wahrscheinlichkeit eines Produktionsstillstandes signifikant reduziert, bleibt jedoch wie im Vorjahr möglich. Die Bandbreite potenzieller Auswirkungen aus einem Produktionsstillstand und damit verbundener Stückzahlen, die unter der Planung liegen, reicht von sehr gering im besten Szenario bis hin zu sehr hoch im Extremszenario. Die Produktionspläne werden laufend an die Auftragseingänge angepasst, um eine optimale Produktionsauslastung zu gewährleisten. Unsicherheiten in den erzielbaren Auftragseingängen führen wiederum zu Unsicherheiten in den Produktionsstückzahlen. Schwankungen der Produktionsstückzahlen können sich risikoseitig sehr hoch und chancenseitig moderat auswirken. Darüber hinaus kann in unwahrscheinlichen Szenarien die Produktion durch etwaige Betriebsunterbrechungen (zum Beispiel Brände) stark beeinträchtigt werden. Durch umfassende vorbeugende Absicherungsmaßnahmen sowie Versicherungen im Schadensfall wird die Auswirkung dieses Risiko jedoch nur als sehr gering bewertet. Risiken eines Ausfalles der Strom- oder Gasversorgung betreffen ebenfalls den Produktherstellungsprozess. Diese Risiken sind detailliert im Risikofeld Extremereignisse bewertet. Produktqualität und -sicherheit Das Risikofeld Produktqualität und -sicherheit umfasst Risiken und Chancen aus zu erwartenden Abwei- chungen in der Produktqualität und damit einhergehenden Verpflichtungen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Einstufung der Risiken erhöht und sie werden als moderat eingestuft. Mit den Verpflichtungen aus der Produktqualität gehen Gewährleistungen und Garantien sowie zusätzliche Aufwände für Kulanzaktionen einher. Zu den Verpflichtungen zählt auch die Einhaltung von einschlägigen Normen. Um Risiken zu steuern, setzt sich das Produktrisikomanagement gezielt mit Einzelfällen auseinan- der und prüft anhand dieser die grundsätzlichen Möglichkeiten zur Risikominimierung, beispielsweise durch Versicherungspolicen, technische Analysen oder juristische Schritte. Projektgeschäft Im Zusammenhang mit dem Projektgeschäft wirken sich Risiken und Chancen insbesondere auf die Einhal- tung des Kostenrahmens, des Zeitplanes sowie der vereinbarten Produktspezifika aus. Gesamthaft werden Risiken im Projektgeschäft weiterhin als moderat eingestuft. Insbesondere bei komplexen, umfangreichen Projekten im internationalen Umfeld kann es im Laufe des Pro- jektes zu Abweichungen vom Projektziel oder der zugesicherten Produktspezifika kommen, was wiederum Mehraufwände für Nachbesserungen oder etwaige Kompensationszahlungen aus Vertragsverletzungen nach sich ziehen kann. Jungheinrich wirkt diesem Risiko durch ein gezieltes Projektrisikomanagement entgegen, womit Projektrisiken frühzeitig erkannt, gesteuert und systematisch überwacht werden. Umsatz und Absatz Das Risikofeld Umsatz und Absatz umfasst Risiken und Chancen aus dem Verkauf sowie der Vermietung von Jungheinrich Fahrzeugen und verbundenen Dienstleistungen. Gesamthaft haben sich umsatz- und absatzbezogene Risiken im Vergleich zum Vorjahr leicht erhöht und werden als sehr hoch eingestuft. 35 Chancen im Risikofeld Umsatz und Absatz haben sich im Vergleich zum Vorjahr reduziert und werden als gering bewertet. Die volatile Marktsituation sowohl auf der Beschaffungs- als auch auf der Absatzseite und die generelle Un- sicherheit, wie sich die wirtschaftliche Lage, speziell im Euro-Raum, weiterentwickelt, führen zu Risiken in der Planung des Auftragseinganges. Diese Entwicklungen werden stetig analysiert, sodass frühzeitig ent- sprechende Maßnahmen ergriffen werden können. Trotzdem können sich Schwankungen um den geplanten stückzahlbezogenen Auftragseingang sowohl risiko- als auch chancenseitig moderat auswirken. Zusätzliche Folgeeffekte veränderter Auftragseingänge auf die Produktionsauslastung werden im Risikofeld Produktion behandelt. Das Produkt- und Dienstleistungsangebot wird fortlaufend im Hinblick auf den Absatzmarkt geprüft und durch mögliche neue Kundenlösungen ergänzt. Zur Absicherung des Auftragseinganges wurden und werden temporär verkaufsfördernde Maßnahmen entwickelt und umgesetzt. So sollen eine bessere Marktdurchdringung, eine erhöhte Kundenbindung sowie der zur optimalen Auslastung der Werke notwendige Auftragseingang erreicht werden. Dennoch gibt es Unsicherheiten, ob Maßnahmen am Markt umsetzbar sind. Risiken werden hierbei als möglich bewertet. Die Bandbreite potenzieller Auswirkungen ist dabei sehr groß, von sehr gering bis hin zu hoch in Extremszenarien. Zoll Das Risikofeld Zoll umfasst Risiken und Chancen, die aufgrund von Zolltarifierungen von Gütern entstehen können. Das Unternehmen hat für sämtliche zoll- und exportkontrollrechtlichen Themengebiete operative Prozesse implementiert, die durch eine zentrale Zollabteilung überwacht und kontinuierlich weiterentwickelt werden. Zollrisiken werden durch Jungheinrich eng kontrolliert und werden weiterhin als sehr gering bewertet. Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen Extremereignisse Risiken aufgrund von Extremereignissen beschreiben außergewöhnliche Ereignisse, wie beispielsweise Na- turkatastrophen, Pandemien oder akut auftretende geopolitische Konflikte, sowie etwaige daraus resul- tierende Auswirkungen. Die Ausprägungen könnten grundsätzlich zu strategischen Risiken und Chancen mit Auswirkung auf sämtliche Bereiche des Unternehmens führen. Die Risiken, die direkt aus dem Russland- Ukraine-Krieg resultieren, wurden ebenfalls im Risikofeld Extremereignisse gebündelt. Die Risiken im Risi- kofeld Extremereignisse werden daher weiterhin gesamthaft als sehr hoch eingestuft. Seit Beginn des Krieges in der Ukraine im Februar 2022 hat Jungheinrich einen zentralen Krisenstab etabliert, um Risiken frühzeitig zu identifizieren und deren Auswirkungen auf das Unternehmen durch zeitnahe, geeignete und koordinierte Maßnahmen möglichst gering zu halten. Zusätzlich analysieren lokale sowie themenspezifische Krisenstäbe regelmäßig verschiedene Szenarien und rechtliche Rahmenbedingungen, um bestmöglich auf die laufend veränderte Lage vorbereitet zu sein. Der Jungheinrich Konzern hat Tochtergesellschaften in Russland und der Ukraine. Ein Fokus der Maßnahmen des Krisenstabes liegt auf dem Schutz der Belegschaft und von deren Familien. Aus dem Krieg und seinen humanitären, politischen und ökonomischen Folgen ergeben sich diverse Risiken für den Jungheinrich Konzern. Die von der Europäischen Union und den USA verhängten Embargos und Sanktionen sowie die russischen Gegensanktionen führen zu Risiken in der russischen Jungheinrich Gesellschaft, die in unwahrscheinlichen Szenarien mit moderaten Auswirkungen bewertet werden. Dies kann sich bis hin zu einem Risiko einer vollständigen Wertminderung durch Enteignung entwickeln. Dieses unwahrscheinliche Szenario wird mit einer sehr hohen Auswirkung bewertet. In der Ukraine besteht vor allem ein humanitäres Risiko. Im Fokus stehen der bestmögliche Schutz sowie die Unterstützung der Jungheinrich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihren Familien sowie der Bevölkerung vor Ort. 36 Darüber hinaus können Sanktionen und Gegensanktionen sowie geopolitische Krisenherde wie zum Beispiel die aktuelle Eskalation im Nahostkonflikt zu Störungen in der Material- beziehungsweise Energieversorgung von Jungheinrich oder Zulieferern von Jungheinrich führen. Im Hinblick auf die Energieversorgungslage in Europa hat sich die Lage im Vergleich zum Vorjahr entspannt. Das Risiko einer nicht mehr für die Produktion ausreichenden Gasversorgung und damit verbundenen Produktionsstörungen wird als unwahrscheinlich bewertet und kann in Extremszenarien zu sehr hohen Auswirkungen führen. Eine Unterversorgung der Stromnetze kann ebenfalls potenzielle Produktionsstörungen bewirken. Dieses Risiko wird als unwahrscheinlich bewertet, kann jedoch in Extremszenarien ebenfalls zu hohen bis sehr hohen Auswirkungen führen. Jungheinrich hat Maßnahmen zur Reduzierung der Strom- und Erdgasabhängigkeit in den Werken umgesetzt und baut diese Maßnahmen weiter aus. Zudem steht Jungheinrich in ständigem Kontakt mit den Produktionsmateriallieferanten. Die Risiken aus der Corona-Pandemie verbleiben auf einem reduzierten Niveau. Im Hinblick auf einzelne Märkte und das lokale Infektionsgeschehen stellen die Corona-Pandemie sowie potenzielle neue Pandemien weiterhin ein Risiko für die Geschäftstätigkeiten von Jungheinrich und die weltweiten Handelsbeziehungen und Lieferketten dar. Klimawandel und Umweltschutz Jungheinrich unterstützt verschiedene Klima- und Umweltschutzmaßnahmen und hat wesentliche Ziele im Handlungsfeld Nachhaltigkeit im Rahmen der Strategie 2025+ verankert. Risiken und Chancen im Risikofeld Klimawandel und Umweltschutz werden gesamthaft weiterhin als sehr gering eingestuft. Die Nachhaltigkeitsstrategie von Jungheinrich besteht aus sechs Initiativen, die mit konkreten Zielen hinter- legt sind und ökonomische, ökologische und soziale Aspekte berücksichtigen. Jungheinrich strebt mit den definierten Zielen die Reduktion von Emissionen sowie einen schonenden Um- gang mit der Umwelt und Ressourcen an. Gleichzeitig wird über die Initiativen der Ausbau nachhaltiger Produkte und Lösungen gefördert und die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeitenden verbessert. Die Implementierung und das Erreichen dieser Ziele sind wesentlich für den Jungheinrich Konzern. Eine Verfehlung wirkt sich auf das Image von Jungheinrich aus. Dem wird mit konkreten Maßnahmen auf Ebene der Initiativen begegnet. Da die Nachhaltigkeitsstrategie über das Risikofeld Klimawandel und Umweltschutz hinaus ansetzt, wirken die Maßnahmen auch in den Risikofeldern Soziales und Compliance. Jungheinrich sieht sich gut aufgestellt, hier auch weiterhin einen entscheidenden Beitrag zum Schutz der Umwelt und des Klimas zu leisten. Weiterführende Erläuterungen können dem zusammengefassten gesonderten nichtfinanziellen Bericht gemäß CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz entnommen werden. Personal und Soziales Das Risikofeld Personal und Soziales umfasst Risiken und Chancen, die direkten Einfluss auf die Verfügbar- keit, Qualität und Kosten von Personal sowie die Arbeitssicherheit und die Einhaltung von Menschenrechten haben. Gesamthaft werden Risiken im Risikofeld Personal und Soziales weiterhin als moderat bewertet. Chancen können sich aus Schwankungen in den geplanten Personalkosten ergeben. Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Chancen im Risikofeld Personal und Soziales erhöht und werden als moderat bewertet. Personalrisiken können entstehen, wenn qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht in ausreichen- dem Umfang gewonnen beziehungsweise gehalten werden können. Dies kann sich auf die Erreichung stra- tegischer sowie operativer Ziele auswirken. Um den für Jungheinrich wichtigen Ingenieur- und IT-Nachwuchs zu rekrutieren, pflegt das Unternehmen im Rahmen des Hochschulmarketings gute Kontakte zu Hochschu- len. Dem intensiven Wettbewerb um hoch qualifizierte Fach- und Führungskräfte und den damit verbundenen Risiken in Form von Know-how-Verlust durch Fluktuation der Mitarbeitenden begegnet Jungheinrich mit attraktiven Qualifizierungsmöglichkeiten und leistungsbezogenen Vergütungssystemen. Um den künftigen 37 Fachkräftebedarf abzusichern, wird die Anzahl der Ausbildungsplätze konzernweit weiterhin auf einem hohen Niveau gehalten beziehungsweise ausgebaut. Zur Vermeidung von Auslastungsrisiken setzt Jungheinrich Leiharbeitskräfte ein und nutzt standortbezogen flexible Arbeitszeitkontenmodelle. Das Unternehmen arbeitet außerdem in drei Business-Service-Centern in Spanien, Rumänien und Kroatien mit exzellent ausgebildeten, international ausgerichteten Fachkräften. Unsicherheiten in den Personalkosten können sich sowohl risiko- also auch chancenseitig moderat auswirken. Die stetige Zunahme an regulatorischen Vorgaben mit Fokus auf Nachhaltigkeit und Menschenrechte sowie auf weitere gesellschaftliche Aspekte entlang der Wertschöpfungskette birgt bei Nichteinhaltung Risiken. Ein kontinuierliches Monitoring der regulatorischen Änderungen sowie der Einhaltung bestehender Vorgaben ist wesentlich für den Jungheinrich Konzern. Das Verfehlen regulatorischer Anforderungen kann Strafzahlungen zur Folge haben. Eine Abweichung kann das Ansehen von Jungheinrich negativ beeinflussen und Einfluss auf die strategischen Ziele oder operativen Geschäftsprozesse nehmen. Neben dem Lieferkettensorgfalts- pflichtengesetz (LkSG) sind hier das Batteriegesetz 2, die Material Compliance, die EU-Taxonomie sowie die Corporate Sustainability Reporting Directive mit erheblicher Relevanz identifiziert worden. Zum konformen Umgang mit dem LkSG hat Jungheinrich die seit 2019 bestehende Lieferkettenrisikoanalyse des Konzerns im Jahr 2022 überarbeitet und um wichtige Risikoaspekte, insbesondere die Stärkung der Perspektive Menschenrechte, ergänzt. Außerdem wurde für das LkSG sowie für alle weiteren relevanten Regulierungen die Rechtskatasterdatenbank inklusive des Monitorings der daraus abgeleiteten Maßnahmen und Initiativen erweitert. Jungheinrich sieht sich daher gut aufgestellt, die regulatorischen Vorgaben an die Nachhaltigkeit zu erfüllen. Finanzwirtschaftliche Risiken und Chancen Finanzdienstleistungen Risiken aus Finanzdienstleistungen entstehen insbesondere aus dem Leasinggeschäft und schließen hierbei Risiken und Chancen aus sich ändernden Restwerten der Leasinggegenstände und entsprechenden Zinsni- veaus ein. Finanzdienstleistungsrisiken werden gesamthaft weiterhin als moderat bewertet. Detaillierte Re- gelungen hinsichtlich der Risikoermittlung und -bewertung sind in Konzernrichtlinien und in Prozessbeschrei- bungen der Finanzdienstleistungsgesellschaften dokumentiert. Die Risiken und Chancen aus der Wiedervermarktung der Fahrzeugrückläufer des Finanzdienstleistungs- geschäftes liegen bei den operativen Vertriebseinheiten. Die Kalkulation der Restwertgarantien erfolgt nach einer konservativen konzerneinheitlichen Vorgabe maximal zulässiger Restwerte. Mithilfe der zentralen Finanzdienstleistungsvertragsdatenbank erfolgt quartalsweise die Bewertung aller Einzelverträge mit ihren Restwerten zu aktuellen Marktpreisen. Liegt der ursprünglich kalkulierte Restwert zum Ende der Vertrags- laufzeit des jeweiligen Vertrages oberhalb des aktuellen Marktwertes, wird dieses Risiko in Abhängigkeit der Klassifizierung des langfristigen Kundenvertrages durch eine ergebniswirksame Reduzierung der Buchwerte für Leasinggeräte aus Finanzdienstleistungen beziehungsweise Forderungen aus Finanzdienstleistungen angemessen berücksichtigt. Das Refinanzierungsrisiko wird dadurch begrenzt, dass die Refinanzierung von Finanzdienstleistungs- verträgen unter Einhaltung des Grundsatzes der Laufzeit- und Zinskongruenz (keine Zinsänderungsrisiken während der Vertragslaufzeit) zwischen Kunden- und Refinanzierungsvertrag erfolgt. Die konzerneinheitliche Aufbau- und Ablauforganisation des Segmentes „Finanzdienstleistungen“ gewährleistet die Steuerung der abgeschlossenen Finanzdienstleistungsverträge mit der korrelierenden Finanzierungsstruktur und -ausge- staltung mit in- und ausländischen Refinanzierungsbanken. Darüber hinaus werden über eine Finanzierungs- plattform auch Refinanzierungen am Kapitalmarkt realisiert. Zur Finanzierung des Neugeschäftes stehen ausreichend Kreditlinien zur Verfügung. Für die Refinanzierungen konnten mit den finanzierenden Banken frühzeitig Vereinbarungen getroffen werden, um flexibel auf die Markt- und Kundenanforderungen zu reagieren. Zum Bilanzstichtag war der Um- fang der erforderlichen kundenindividuellen Zahlungsvereinbarungen vor diesem Hintergrund vernachlässig- 38 bar gering. Die Refinanzierungslinien standen Jungheinrich im Berichtsjahr unverändert gegenüber dem Stand zum vorherigen Geschäftsjahresende zur Verfügung. Ausfälle von Kundenforderungen, Insolvenzen und kostenfreie vorzeitige Abbrüche von Verträgen mit soge- nannten Break Clauses im Finanzdienstleistungsgeschäft bewegen sich auf einem unverändert niedrigen Niveau. Fremdwährungen Aufgrund seiner internationalen Aktivitäten und Beteiligungen sowie dynamischer Entwicklungen an den Fi- nanzmärkten unterliegt Jungheinrich grundsätzlich Devisenkursschwankungen. Gesamthaft werden Fremd- währungsrisiken weiterhin als moderat eingestuft. Jungheinrich setzt zum Management von Fremdwährungsrisiken Finanzinstrumente, wie zum Beispiel Devisentermin-, Devisenswap- und Devisenoptionsgeschäfte, ein. Forderungsausfall Das Risikofeld Forderungsausfall umfasst Risiken möglicher Forderungsausfälle von Kundenzahlungen. Diese Risiken werden weiterhin als gering bewertet. Jungheinrich schützt sich gegen Forderungsausfallrisiken durch eine permanente, IT-gestützte Über- wachung der Kundenbonitäten sowie die regelmäßige Analyse des Forderungsbestandes und der Forde- rungsstruktur. Für den Großteil der von Deutschland aus getätigten Auslandsumsätze aus Geschäften mit Dritten werden Kreditversicherungen abgeschlossen. Umfassende systemgestützte Bonitätsprüfungen vor Vertragsabschluss sowie revolvierende Kontrollen während der Vertragslaufzeit tragen dazu bei, den Ausfall von Kundenforderungen auf sehr niedrigem Niveau zu halten. Vorzeitig vom Kunden zurückgeholte Fahr- zeuge werden an die operativen Vertriebseinheiten des Segmentes „Intralogistik“ zwecks Vermarktung über- geben. Die entsprechenden Rücknahmekonditionen werden zentral festgelegt. Finanzierung und Kapitalanlage Finanzierungs- und Kapitalanlagerisiken umfassen sämtliche Risiken und Chancen, die bei der Kreditauf- nahme und der Kapitalanlage entstehen können. Die Risiken dieses Risikofeldes werden weiterhin gesamt- haft als moderat bewertet. Grundsätzlich zahlen sich die gute Bonität und die solide Bilanzstruktur von Jungheinrich bei der Kredit- mittelbeschaffung aus. Neben den hohen liquiden Mitteln sichern zugesagte mittelfristige Kreditrahmen und kurzfristige Kreditlinien den finanziellen Handlungsrahmen und die Liquidität. Die zugesagten Kreditrahmen wurden zum Stichtag im Segment „Intralogistik“ nur zu einem geringen Anteil ausgenutzt. Neben der bilateralen Finanzierung kann sich Jungheinrich bankenunabhängig am Kapitalmarkt finanzieren. Zu den genutzten Instrumenten zählt neben der Emission von Schuldscheindarlehen auch ein Commercial- Paper-Programm. Das Fälligkeitsprofil der Kreditlinien und bestehenden Schuldscheindarlehen weist eine breite Streuung auf und sichert damit langfristig den Finanzierungsspielraum. Sämtliche Finanzierungsverträge sind ohne Financial Covenants. Liquide Mittel und bestehende Kreditrahmenverträge gewährleisten jederzeit die Erfüllung von Zahlungsver- pflichtungen. Somit besteht kein Liquiditätsrisiko. Im Rahmen eines zentralen Cash- und Währungsmanage- ments für den Jungheinrich Konzern werden eine zins- und währungsoptimierte sowie firmen- und länderübergreifende Finanzmittelversorgung und Zahlungsstromsteuerung der in- und ausländischen Konzerngesellschaften erreicht. Jungheinrich verfolgt konzernweit eine konservative Anlagepolitik und investiert grundsätzlich nur in ausge- wählte Asset-Klassen mit einwandfreier Bonität sowie jederzeitiger Möglichkeit der Liquidierung. Ein Teil der Liquidität ist in einen Spezialfonds investiert. Die Bewertung der von Jungheinrich gehaltenen Kapitalanlagen unterliegt den üblichen Schwankungen an den internationalen Kapitalmärkten. Die Schwankungsbreite kann sich, abhängig vom Verkaufszeitpunkt, chancenseitig moderat sowie risikoseitig hoch auswirken. 39 Weiterführende Erläuterungen zu Finanzinstrumenten können dem Konzernabschluss der Jungheinrich AG entnommen werden. Impairment-Risiken unterliegen der ständigen Überwachung durch den Bereich Corporate Finance. Dies be- trifft insbesondere die Geschäfts- oder Firmenwerte aus Unternehmenserwerben, die eine zeitlich unbe- stimmte Nutzungsdauer haben und daher keiner planmäßigen Abschreibung unterliegen. Mindestens einmal jährlich, bei Anzeichen für eine Wertminderung gegebenenfalls auch anlassbezogen, werden die Geschäfts- oder Firmenwerte einem Werthaltigkeitstest gemäß IAS 36 unterzogen. Darüber hinaus werden im Rahmen eines Asset-Impairment-Tests alle Vermögenswerte, die in den Anwendungsbereich des IAS 36 fallen, über- prüft, sofern derartige Anzeichen für eine Wertminderung vorliegen. Steuern Steuerliche Risiken werden gesamthaft weiterhin als gering eingestuft. Sie entstehen durch sich stetig wan- delnde Anforderungen, die sich aus der Steuergesetzgebung ergeben. Ferner entstehen Risiken, wenn nationale Finanzverwaltungen bezüglich grenzüberschreitender Sachverhalte von dem zwischen den Finanzverwaltungen international vereinbarten Grundverständnis abweichen. Das Risiko steigt, wenn dar- über hinaus aktualisierte Verwaltungsauffassungen rückwirkend angewendet werden sollen. Rechts- und Compliance-Risiken und -Chancen Compliance und Datenschutz Das Risikofeld Compliance und Datenschutz umfasst sämtliche Risiken in Bezug auf die Nichteinhaltung von Gesetzen und allgemeinen Compliance-Vorgaben, insbesondere zur Korruptions-, Betrugs- und Geld- wäscheprävention, sowie von datenschutzrechtlichen Vorgaben. Risiken im Bereich Compliance und Daten- schutz werden weiterhin gesamthaft als hoch eingeschätzt. Jungheinrich hat sowohl in den einschlägigen Konzernrichtlinien, die für alle Mitarbeitenden gelten, als auch im Verhaltenskodex (Code of Conduct) des Unternehmens Vorgaben und Maßnahmen zur Vermeidung von Korruptions-, Betrugs- und Geldwäscherisiken festgelegt. Die Einhaltung dieser Vorgaben wird regelmäßig durch die interne Revision überprüft. Weitere Details zum Code of Conduct finden sich im zusammengefassten gesonderten nichtfinanziellen Bericht gemäß CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz. Im Bereich Datenschutz bestehen für Jungheinrich Bußgeldrisiken durch die Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO), die durch eine Vielzahl von Maßnahmen adressiert werden. Die Konzernrichtlinien werden stetig an neue datenschutzrechtliche Vorschriften angepasst. Auch sind die erforderlichen datenschutzver- traglichen Grundlagen mit Dienstleistern und anderen Geschäftspartnern angepasst worden. Jungheinrich hat darüber hinaus die Vorgaben durch die Implementierung verstärkter technischer und organisatorischer Maßnahmen umgesetzt. Den datenschutzrechtlichen Herausforderungen im Rahmen der Corona-Pandemie, insbesondere durch die Zunahme des mobilen Arbeitens, wurde durch entsprechende Hand- lungsanweisungen und Empfehlungen Rechnung getragen. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden vom Vorstand zur Einhaltung datenschutzrechtlicher Vorschriften verpflichtet. Es erfolgen regelmäßige kon- zernweite Schulungen. Das Datenschutzmanagementsystem wird kontinuierlich überwacht und weiter optimiert. Bußgeldrisiken durch einen EU-DSGVO-Verstoß werden als unwahrscheinlich bewertet. Die Band- breite potenzieller Auswirkungen ist dabei sehr groß, von sehr gering bis hin zu sehr hoch im Extremszenario. Mit dem Fokus auf einem engen Zusammenspiel von Risikomanagementsystem und Compliance Risk Assessment wurde das Compliance Risk Assessment im Jahr 2022 analysiert und 2023 mit der Weiterentwicklung begonnen. In Anlehnung an die Organisation und die Prozesse des Risikomanagementsystems und mit einer engen Verzahnung zwischen Compliance Risk Assessment und Risikomanagementsystem wird eine klare Überleitung zwischen beiden Systemen ermöglicht. Weiterführende Erläuterungen zum Compliance-Managementsystem können dem zusammengefassten gesonderten nichtfinanziellen Bericht gemäß CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz entnommen werden. Recht 40 Rechtliche Risiken bestehen für die Tätigkeiten der Konzerngesellschaften von Jungheinrich in einem für Wirtschaftsunternehmen üblichen Umfang, vor allem unter Haftungsgesichtspunkten für die vermeintliche Nichteinhaltung von vertraglichen Verpflichtungen oder öffentlich-rechtlichen Bestimmungen sowie für ver- meintlich fehlerhafte Produkte. Risiken im Risikofeld Recht sind gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen und werden als gering eingeschätzt. Wesentliche allgemeine Vertragsrisiken werden durch die konzernweit vorgegebenen Richtlinien nach Möglichkeit ausgeschlossen. Darüber hinaus erfolgen eine zentrale Betreuung und juristische Beratung zu wesentlichen Verträgen und sonstigen Vorgängen mit rechtlicher Bedeutung in den einzelnen Zuständig- keitsbereichen. Für eventuelle finanzielle Belastungen im Zusammenhang mit rechtlichen Verfahren werden in angemessener Höhe und entsprechend der jeweiligen Eintrittswahrscheinlichkeit Rückstellungen gebildet. Zur Absicherung gegen die Inanspruchnahme von Gesellschaften des Konzerns aufgrund vermeintlich feh- lerhafter Produkte hält der Konzern adäquate Versicherungsdeckungen vor. 41 PROGNOSEBERICHT Erwartetes Weltwirtschaftswachstum durch geopolitische Spannungen beeinträchtigt Der IWF geht davon aus, dass das globale Wirtschaftswachstum im Jahr 2024 wie im Vorjahr 3,1 Prozent erreichen wird. Als wesentliche Gründe für diese Prognose werden eine restriktive Geldpolitik der Zentralbanken und geringere steuerliche Unterstützungen angeführt. Als Risiko für weiteres Wachstum sieht der IWF geopolitische Spannungen insbesondere im Mittleren Osten. Für China und die USA wird eine leichte Verlangsamung des Wirtschaftswachstums prognostiziert. Das BIP der USA soll um 2,1 Prozent wachsen (2023: 2,5 Prozent). Für die chinesische Wirtschaft wird eine Erhöhung der Wirtschaftsleistung von 4,6 Prozent (2023: 5,2 Prozent) prognostiziert. Die Wirtschaftsleistung der Eurozone wird laut IWF im Jahr 2024 durch steigenden privaten Konsum und Nachholeffekte infolge der gestiegenen Energiepreise sowie das Abflachen der Inflation bestimmt. Für diese Region wird eine Erholung des BIP-Wachstums auf 0,9 Prozent vorausgesagt (2023: 0,5 Prozent). Für Deutschland prognostiziert der IWF einen leichten Anstieg der Wirtschaftsleistung (0,5 Prozent), während diese im Vorjahr noch um 0,3 Prozent schrumpfte. In Frankreich soll das BIP-Wachstum nach 0,8 Prozent im Jahr 2023 mit 1,0 Prozent ebenfalls leicht höher ausfallen. Die italienische Wirtschaftsleistung soll wie im Vorjahr um 0,7 Prozent steigen. Auch für Großbritannien geht der IWF mit einer Prognose von 0,6 Prozent von einem Wachstum ähnlich wie im Vorjahr (0,5 Prozent ) aus. Wachstumsraten für ausgewählte Wirtschaftsre- gionen Bruttoinlandsprodukt in % Prognose 2024 Welt 3,1 USA 2,1 China 4,6 Eurozone 0,9 Deutschland 0,5 Quelle: Internationaler Währungsfonds (Stand: Schätzungen 30. Januar 2024) Auftragseingangsziel 2024: 5,2 Mrd. € bis 5,8 Mrd. € In einem schwierigen Marktumfeld prognostizieren wir für das Jahr 2024 dennoch einen Auftragseingang in einem Korridor von 5,2 Mrd. € bis 5,8 Mrd. € (2023: 5,2 Mrd. €). Wir erwarten für den Konzernumsatz bei stabilen Lieferketten und vor dem Hintergrund des derzeitigen Zins- und Inflationsumfeldes eine Bandbreite zwischen 5,3 Mrd. € und 5,9 Mrd. € (2023: 5,5 Mrd.€). Dabei unterstellen wir, dass sich die geopolitische Lage nicht verschärft. EBIT-Korridor 2024: 420 Mio. € bis 470 Mio. € Wir erwarten im laufenden Geschäftsjahr ein EBIT zwischen 420 Mio. € und 470 Mio. € (2023: 430 Mio. €). Dafür hat der Vorstand bereits im Jahr 2023 geeignete Maßnahmen zur Ergebnissteigerung eingeleitet, die im laufenden Jahr Wirkung zeigen und insbesondere steigenden Personalkosten entgegenwirken. Außerdem sind aus den im Jahr 2023 erfolgten Akquisitionen belastende Effekte aus Kaufpreisallokationen in Höhe von 13 Mio. € und aus variabler Vergütung in Höhe von 11 Mio. € berücksichtigt. Wir rechnen mit einer EBIT- Rendite von 7,6 Prozent bis 8,4 Prozent (2023: 7,8 Prozent). 42 Das EBT dürfte nach aktueller Einschätzung einen Wert zwischen 380 Mio. € und 430 Mio. € erreichen (2023: 399 Mio. €). Wir gehen von einer EBT-Rendite zwischen 6,9 Prozent und 7,7 Prozent (2023: 7,2 Prozent) aus. Der ROCE für das Geschäftsjahr 2024 dürfte zwischen 14,5 Prozent und 17,5 Prozent (2023: 15,9 Prozent) liegen. Für den Free Cashflow haben wir einen Wert von über 200 Mio. € (2023: 15 Mio. €) festgelegt. Für die Ausrüstungsquote Lithium-Ionen werden aus wettbewerbsrechtlichen Gründen keine Ist- und Prognosewerte berichtet. Gesamtaussage zur voraussichtlichen Entwicklung des Jungheinrich Konzerns Für das Geschäftsjahr 2024 gehen wir davon aus, dass sich das geopolitische Umfeld im Jahresverlauf nicht weiter verschlechtert und sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen frühestens im 2. Halbjahr 2024 verbessern. Es ist unsere primäre Zielsetzung, eine robuste EBIT- sowie EBT-Rendite zu erzielen. Daneben liegt unser Fokus auf der Stärkung von ROCE und Free Cashflow. Wir werden uns weiterhin auf unsere strategischen Handlungsfelder Automatisierung, Digitalisierung, Energiesysteme, Effizienz, Global Footprint und Nachhaltigkeit konzentrieren. Ein wesentlicher Schwerpunkt wird dabei im Aufbau des Vorstandsressorts Automatisierung und im Ausbau unseres Automatisierungsportfolios liegen. Ebenso wird die Post-Merger-Integration von Storage Solutions und Magazino weiter vorangetrieben. Unsere M&A-Aktivitäten zur Ausweitung unseres Global Footprint setzen wir, ebenso wie die digitale Transformation, zielgerichtet fort. Chancen bieten sich durch die nach wie vor intakten und sich weiter verstärkenden globalen Trends in der Intralogistik, die digitale Produkte und Dienstleistungen, E-Commerce-orientierte Portfolios und Angebote für Elektromobilität und Automatisierung forcieren. In einem unverändert schwierigen Marktumfeld, insbesondere in unseren europäischen Kernmärkten, sowie durch hohe Devisenkursschwankungen oder anhaltend starke Zinssteigerungen könnten sich negative Auswirkungen auf Umsatz, EBIT und EBT ergeben. Unser Geschäftsmodell mit einer resilienten Kundenstruktur in Verbindung mit einer soliden Bilanz und Liquidität ermöglicht es uns, auch im Fall einer hinter den Erwartungen zurückbleibenden Konjunktur- und Marktentwicklung die Umsetzung der Strategie 2025+ fortzuführen. 43 JUNGHEINRICH AG (HGB) Der Jahresabschluss der Jungheinrich AG folgt den Bestimmungen des deutschen Handelsgesetzbuches (HGB), während der Konzernabschluss nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) erstellt wird. Die Jungheinrich AG ist eine Management-Holding und umfasst neben den Zentralfunktionen des Konzerns die Bereiche Corporate Research & Development und Corporate Real Estate Management. Als Konzern- obergesellschaft hält sie direkt oder indirekt Anteile an Tochtergesellschaften im In- und Ausland. Direkte Geschäftsbeziehungen hat die Jungheinrich AG insbesondere mit Tochtergesellschaften in Deutschland. Die positiven Jahresergebnisse der in der Rechtsform der AG & Co. KG geführten Tochtergesellschaften werden phasengleich im Jahresabschluss der Jungheinrich AG vereinnahmt und in den Erträgen aus Beteiligungen ausgewiesen. Darüber hinaus bestehen teilweise Ergebnisabführungsverträge mit inländischen Kapitalgesellschaften, deren Erträge oder Aufwendungen in separaten Positionen der Gewinn- und Verlustrechnung berichtet werden. Die aus drei Komponenten bestehenden Beteiligungserträge sind die wesentliche Steuerungsgröße für die Jungheinrich AG. Die Jungheinrich AG beschäftigte zum 31. Dezember 2023 1.443 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 153 Auszubildende (Vorjahr: 1.320 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 151 Auszubildende). Die gesamtwirtschaftlichen und branchenbezogenen Rahmenbedingungen entsprechen denen des Kon- zerns, wie sie im Wirtschaftsbericht beschrieben sind. Geschäftsverlauf und Ertragslage Die Ertragslage der Jungheinrich AG wird durch den Geschäftsverlauf der operativen Tochtergesellschaften im In- und Ausland sowie die sich daraus ergebenden Beteiligungserträge bestimmt. Die Beteiligungserträge der Jungheinrich AG sind im Jahr 2023 mit 362 Mio. € gegenüber dem Vorjahr (207 Mio. €) besser als erwartet ausgefallen. Grund hierfür war eine verbesserte Geschäftsentwicklung der operativen Tochtergesellschaften, im Wesentlichen aufgrund von geeigneten Maßnahmen zur Margenabsicherung, die Kostenerhöhungen aus dem Aufbau von Personal, Tarifeffekten und Materialpreissteigerungen mehr als ausgleichen konnten. Insgesamt hat sich damit das Ergebnis aus Ergebnisabführungsverträgen um 120 Mio. € auf 216 Mio. € erhöht. Hierbei erfolgte im Zusammenhang mit der Akquisition der Storage- Solutions-Gruppe eine Wertaufholung eines Beteiligungsbuchwertes im Finanzanlagevermögen in Höhe von 37 Mio. €. Aus der phasengleichen Gewinnvereinnahmung resultierte ein Anstieg um 35 Mio. € auf insgesamt 146 Mio. €. Die Umsatzerlöse der Jungheinrich AG im Geschäftsjahr 2023 betrugen 261 Mio. € nach 259 Mio. € im Vor- jahr. Sie beinhalten die Vergütung von Dienstleistungen, Erlöse aus der Vermietung von Immobilien sowie Erlöse aus Lizenzverträgen. Die Umsatzerlöse aus der Vergütung von Dienstleistungen erhöhten sich auf- grund der Ausweitung des Geschäftsvolumens in den inländischen operativen Gesellschaften gegenüber dem Vorjahr von 156 Mio. € auf 160 Mio. €. Aus der Vermietung von Immobilien an inländische Konzernun- ternehmen wurden mit 39 Mio. € Erlöse in ähnlicher Größenordnung wie im Vorjahr (38 Mio. €) erzielt. Die Umsätze aus Lizenzverträgen lagen im Jahresvergleich mit 63 Mio. € um 4 Prozent unter dem Vorjahreswert von 65 Mio. €. Die sonstigen betrieblichen Erträge nahmen deutlich von 94 Mio. € im Vorjahr auf 164 Mio. € im Berichtsjahr zu. Dies resultierte aus empfangenen Ausgleichszahlungen auf Basis von Verrechnungspreisanpassungen bei ausländischen Gesellschaften in Höhe von 51 Mio. € (Vorjahr: 36 Mio. €). Aufgrund der guten Geschäftsentwicklung der inländischen Werke stiegen die Erträge aus empfangenen Ausgleichsleistungen auf 86 Mio. € (Vorjahr: 42 Mio. €). Des Weiteren werden in den sonstigen betrieblichen Erträgen Kostenweiterbelastungen an verbundene Unternehmen in Höhe von 16 Mio. € (Vorjahr: 12 Mio. €) ausgewiesen. Die Aufwendungen der Jungheinrich AG entwickelten sich wie folgt: 44 in Mio. € 2023 2022 Materialaufwand 4 4 Personalaufwand 154 132 Abschreibungen auf das Anlagevermögen 26 25 Sonstige betriebliche Aufwendungen 389 317 Zu-/Abschreibungen auf Finanzanlagen und Wertpapiere des Umlaufvermögens 4 4 Der Materialaufwand enthält hauptsächlich die Energiekosten der Immobilien. Der Personalaufwand und die sonstigen betrieblichen Aufwendungen beinhalten die Verwaltungskosten der Holding und der Zentralbereiche. Die Erhöhung des Personalaufwandes um 22 Mio. € resultierte unter anderem aus der hö- heren Anzahl der durchschnittlich beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (gemessen in Anzahl von Mitarbeitenden, ohne Auszubildende) von 1.127 im Jahr 2022 um 92 auf 1.219 Beschäftigte im Geschäftsjahr 2023, der Tariferhöhung und einem Anstieg der Prämien sowie der Erhöhung der Pensionsverbindlichkeiten. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen erhöhten sich gegenüber dem Vorjahr von 317 Mio. € um 72 Mio. € auf 389 Mio. €. Dies resultierte im Wesentlichen aus einem Anstieg des Bezuges externer Dienstleistungen um 45 Mio. €, davon entfielen 22 Mio. € auf IT-Dienstleistungen. Daneben stiegen die F&E- Aufwendungen um 19 Mio. € auf 137 Mio. € (Vorjahr: 118 Mio. €). Dies war hauptsächlich auf die Inanspruchnahme von Leistungen verbundener Unternehmen, die ein höheres Entwicklungsvolumen hatten, zurückzuführen. Die Ertragsentwicklung der Jungheinrich AG zeigte somit im Berichtszeitraum folgendes Bild: in Mio. € 2023 2022 Ergebnis vor Zinsergebnis und Steuern 213 78 Zinsergebnis 13 -3 Ergebnis vor Steuern 227 75 Ertrag- und sonstige Steuern -22 -35 Jahresüberschuss 249 110 Tabelle enthält rundungsbedingte Differenzen. Das Ergebnis vor Steuern erhöhte sich um 152 Mio. € auf 227 Mio. €. Entsprechend stieg der effektive Steueraufwand. Dieser konnte durch die von den Tochtergesellschaften an die Jungheinrich AG geleisteten Steuerumlagen mehr als kompensiert werden. Hieraus ergab sich per Saldo ein Steuerertrag in Höhe von 22 Mio. € (Vorjahr: 35 Mio. €). Für das Berichtsjahr wurde gegenüber dem Geschäftsjahr 2022 eine stabile Entwicklung des Jahresüberschusses prognostiziert. Die Jungheinrich AG schloss das Geschäftsjahr 2023 mit einem gegenüber dem Vorjahr (110 Mio. €) höheren Jahresüberschuss von 249 Mio. € ab. Ursächlich hierfür waren die besser als erwartet ausgefallenen operativen Ergebnisse der Tochtergesellschaften. Aus dem Jahresüberschuss wurden gemäß § 58 Abs. 2 AktG 124 Mio. € den anderen Gewinnrücklagen zugeführt. Investitionen Die Zugänge im Anlagevermögen betrugen im Berichtszeitraum 63 Mio. € und lagen damit deutlich über dem Vorjahreswert von 24 Mio. €. Dies resultierte aus dem Erwerb der restlichen Anteile an Magazino sowie der anschließenden Übertragung der Produkttechnologie in einer Gesamthöhe von 44 Mio. €. Das Bestellobligo für Investitionen der Jungheinrich AG betrug zum Bilanzstichtag 2 Mio. €. Die Finanzierung der Investitionen erfolgte mit Eigenmitteln. 45 Im August 2023 wurden – zusätzlich zu der bis dahin bestehenden Beteiligung– die restlichen Anteile am Robotikspezialisten Magazino erworben. Der Buchwert der Beteiligung erhöhte sich damit um 19 Mio. € auf 28 Mio. €. Finanz- und Vermögenslage Als Konzernobergesellschaft trägt die Jungheinrich AG die Verantwortung für das Finanzmanagement des Konzerns und stellt die Verfügbarkeit ausreichender Finanzmittel sicher. Weitere Angaben sind in der Be- schreibung der Grundzüge und Ziele des Finanzmanagements enthalten. Die Vermögensstruktur der Jungheinrich AG stellt sich wie folgt dar: in Mio. € 31.12.2023 31.12.2022 Anlagevermögen 787 758 Forderungen gegen verbundene Unter- nehmen 1.019 705 Guthaben bei Kreditinstituten und Wert- papiere 465 337 Sonstige Aktiva 51 51 Bilanzsumme 2.322 1.851 Die um 314 Mio. € erhöhten Forderungen gegen verbundene Unternehmen ergaben sich aus den gegenüber dem Vorjahr erhöhten Ansprüchen der Jungheinrich AG aus der Bereitstellung von liquiden Mitteln an Kon- zerngesellschaften im Rahmen des zentralen Liquiditätsmanagements und aus den Ausgleichsleistungen. Der Anstieg der Guthaben bei Kreditinstituten und Wertpapiere um 128 Mio. € auf 465 Mio. € im Geschäftsjahr 2023 resultierte aus einem Anstieg der Festgelder um 158 Mio. €, der durch einen Rückgang von Wertpapieren um 23 Mio. € auf 184 Mio. € sowie um 7 Mio. € reduzierte Sichteinlagen auf insgesamt 43 Mio. € teilweise kompensiert wurde. Die Kapitalstruktur der Jungheinrich AG zeigt folgendes Bild: in Mio. € 31.12.2023 31.12.2022 Eigenkapital 1.366 1.186 Rückstellungen für Pensionen 38 37 Übrige Rückstellungen 58 47 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstitu- ten 551 320 Verbindlichkeiten gegenüber verbunde- nen Unternehmen 277 227 Übrige Passiva 32 34 Bilanzsumme 2.322 1.851 Das Eigenkapital der Jungheinrich AG betrug zum Bilanzstichtag 1.366 Mio. € und war damit um 180 Mio. € höher als im Vorjahr (1.186 Mio. €). Dem erwirtschafteten Jahresüberschuss von 249 Mio. € standen die Dividendenzahlungen für das vorangegangene Geschäftsjahr in Höhe von 68 Mio. € gegenüber. Die Eigenkapitalquote sank aufgrund der deutlich angestiegenen Bilanzsumme auf 59 Prozent (Vorjahr: 64 Prozent). 46 Die übrigen Rückstellungen des Berichtsjahres enthielten den Barwert der bedingten Kaufpreiszahlungen in Höhe von 11 Mio. € (Vorjahr: 19 Mio. €) aus den vereinbarten Earn-out-Klauseln im Rahmen des Erwerbes von arculus. Der Rückgang resultierte aus dem vorzeitigen Ausscheiden eines Anspruchsberechtigten. Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten stiegen im Jahresvergleich um 231 Mio. € an. Aus- schlaggebend hierfür war die Fremdfinanzierung der Akquisition von Storage Solutions durch eine zweckbezogene Brückenfinanzierung in Höhe von 300 Mio. €. Dagegen wurden kurzfristige Kreditaufnahmen über Geldmarktkredite und Commercial Paper in Höhe von 65 Mio. € zurückgeführt. Die Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen lagen mit 277 Mio. € um 50 Mio. € über dem Vorjahreswert (227 Mio. €) und standen im Zusammenhang mit der erhöhten Liquiditätsanlage von Tochtergesellschaften bei der Jungheinrich AG. Risiken und Chancen Die Jungheinrich AG ist an den Risiken und Chancen ihrer Tochtergesellschaften beteiligt. Ausführliche An- gaben sind im Risiko- und Chancenbericht enthalten. Prognosebericht Zu unseren Perspektiven und Planungen für das operative Geschäft berichten wir im Prognosebericht. Sofern unsere Erwartung in Bezug auf die Umsatzentwicklung eintrifft, werden sich die operativen Ergeb- nisse der Tochtergesellschaften der Jungheinrich AG im Jahr 2024 auf dem Niveau des Vorjahres bewegen. Die Beteiligungserträge insgesamt und der Jahresüberschuss der Jungheinrich AG sollten demzufolge im Jahr 2024 ebenfalls auf Vorjahresniveau liegen. Bei den vorstehenden Ausführungen handelt es sich teilweise um zukunftsgerichtete Aussagen, die auf den aktuellen Erwartungen, Annahmen und Einschätzungen der Unternehmensleitung zu künftigen Entwicklungen beruhen. Solche Aussagen unterliegen Risiken und Unsicherheiten, die größtenteils außerhalb der Kontrolle des Unternehmens liegen. Dazu gehören unter anderem Veränderungen der gesamtwirtschaftlichen Lage – etwa durch geopolitische Konflikte, Naturkatastrophen, Pandemien und ähnliche Ereignisse höherer Gewalt –, der Verschuldungsproblematik, innerhalb der Intralogistikbranche, bei der Materialversorgung, der Verfügbarkeit und Preisentwicklung von Energie und Rohstoffen, der Nachfrage in wichtigen Absatzmärkten, der wettbewerbs- und ordnungspolitischen Entwicklungen sowie der regulatorischen Vorgaben, der Devisenkurse und Zinsen sowie auch der Ausgang anhängiger oder künftiger rechtlicher Verfahren. Sollten diese oder andere Unsicherheitsfaktoren und Unwägbarkeiten eintreten oder sich die den Aussagen zugrunde liegenden Annahmen als unrichtig erweisen, könnten die tatsächlichen Ergebnisse wesentlich von den in diesen Aussagen genannten oder implizit zum Ausdruck gebrachten Ergebnissen abweichen. Eine Gewähr oder Haftung für zukunftsgerichtete Aussagen wird daher nicht übernommen. Ferner besteht – unbeschadet bestehender kapitalmarktrechtlicher Verpflichtungen – weder die Absicht noch wird eine Verpflichtung übernommen, zukunftsgerichtete Aussagen zu aktualisieren. Hamburg, den 12. März 2024 Jungheinrich Aktiengesellschaft Der Vorstand Dr. Lars Brzoska Christian Erlach Dr. Volker Hues Sabine Neuß
Building tools?
Free accounts include 100 API calls/year for testing.
Have a question? We'll get back to you promptly.