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Evotec SE — Investor Presentation 2012
Nov 26, 2012
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Investor Presentation
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EVOTEC AG
| Empfehlung: | Kaufen |
|---|---|
| Kursziel: | 4,00 Euro |
| Kurspotenzial: | +52 Prozent |
| Aktiendaten | |
| Kurs (Schlusskurs Vortag) | 2,63 Euro (XETRA) |
| Aktienanzahl(in Mio.) | 118,47 |
| Marktkap. (in Mio. Euro) | 311,59 |
| Enterprise Value (in Mio. Euro) | 274,13 |
| Ticker | EVT |
Kursperformance
| 52 Wochen-Hoch (in Euro) | 3,07 |
|---|---|
| 52 Wochen-Tief (in Euro) | 1,87 |
| 3 M relativ zum TecDAX | -0,5% |
| 6 M relativ zum TecDAX | 21,8% |
ISIN DE0005664809
Volume in Tsd. St. Kurs in EUR
Quelle: Capital IQ
| Aktionärsstruktur | |
|---|---|
| Streubesitz | 74,8% |
| ROI/Roland Oetker | 14,7% |
| TVM | 10,5% |
| Termine Geschäftsbericht 2012 Bericht Q1 2013 |
26. März 2013 14. Mai 2013 |
|||
|---|---|---|---|---|
| Prognosen Anpassung | 2012e | 2013e | 2014e | |
| Umsatz (alt) Δ in % |
89,4 - |
101,5 - |
116,2 - |
|
| EBIT (alt) Δ in % |
4,5 | 11,9 - |
16,9 - |
|
| EPS (alt) | - 0,08 |
0,12 | ||
| Δ in % | - | - | - | |
| Analyst | ||||
| Dr. Stefan Schröder | Tim Kruse | |||
| +49 40 41111 37 80 | +49 40 41111 37 66 | |||
| [email protected] [email protected] |
| Publikation | |
|---|---|
| Erststudie | 26. November 2012 |
Wertsteigerungspotenzial eines Biotech-Unternehmens mit signifikant geringerem Risikoprofil
Die Evotec AG hat sich in den vergangenen vier Jahren von einem hoch defizitären Medikamentenentwickler zu einem profitablen und wachstumsstarken Auftragsforschungsunternehmen entwickelt. Kernstück der erfolgreichen Neuausrichtung war eine deutliche Kostenreduktion bei klinischen Studien durch externe Finanzierung über Pharmapartner sowie der Ausbau des ertragreichen Geschäftes mit leistungsbasierten Forschungsallianzen unter Erfolgs- und Risikobeteiligung.
In einem hoch fragmentierten Markt für Outsourcing-Dienstleistungen in der Wirkstoffforschung sehen wir Evotec dank seiner Qualitäts- und Technologieführerschaft unter den Top-3-Unternehmen im High-End-Segment. Die langen, beständigen Geschäftsbeziehungen mit Weltklasse-Unternehmen sind dabei ein Indiz für hohe Kundenzufriedenheit und Servicequalität.
Evotec profitiert vom anhaltenden Outsourcing-Trend, der durch die stark abnehmende F&E Produktivität und den Kostendruck der Pharmaindustrie angetrieben wird, und dürfte auch in den kommenden Jahren mit zweistelligen Raten das Marktwachstum von 5-10% deutlich übertreffen. Die im Aktionsplan 2016 formulierte Unternehmensstrategie strebt bis spätestens 2016 eine Verdoppelung der Umsatzerlöse durch organisches Wachstum und eine EBIT-Marge von ca. 15% an.
Die Attraktivität der Equity-Story ergibt sich aus einem Mix dreier Geschäftsbereiche: (1) dem soliden Fee-for-Service-Geschäft sowie dem hohen Renditepotenzial aus (2) erfolgsbeteiligten Forschungsallianzen und (3) der Auslizenzierung eigener Medikamentenkandidaten. Die Umsatzanteile der beiden margenstarken Bereiche konnte Evotec in wenigen Jahren auf zwei Drittel ausweiten. Da die klinischen Kosten von Evotecs Partnern getragen werden, steht dem hohen, langfristigen Upside ein minimales finanzielles Risiko gegenüber.
Evotecs eigene, reife Medikamenten-Pipeline umfasst aktuell vier klinische Entwicklungspartnerschaften in Phase I bis III. Die beiden maßgeblichen Werttreiber sind der Alzheimer-Wirkstoff EVT302 (Phase II) mit einem Umsatzpotenzial von 2 bis 4 Mrd. Euro und das Diabetes-Medikament DiaPep277® (Phase III) mit erwarteten Spitzenumsätzen von über 500 Mio. Euro. Der mit Roche verpartnerte Alzheimer-Wirkstoff besetzt eine strategische Nische und dürfte nach den herben Rückschlägen führender Wettbewerber in 2012 mit Phase-III-Kandidaten auf ein reges Interesse stoßen. Durch die Übernahme von DeveloGen und die mit Harvard eingegangene Allianz in der Betazellforschung hat Evotec eine der weltweit innovativsten Diabetes-Pipelines aufgebaut.
In unseren Prognosen sehen wir Evotec aufgrund der dynamischen Auftragsentwicklung 2013-2016 auf einem höheren Wachstumspfad, mit einem Umsatzplus von 13-15% p.a. allein auf Basis des Service-Geschäftes. Zusammen mit den klinischen Meilensteinen aus der Partnerschaft mit Roche, könnte es 2015 sogar zu einem steilen Plus bei Umsatz und operativem Ergebnis kommen.
Auf Basis einer SOTP-Bewertung sehen wir deutliches Kurspotenzial für die Aktie. Die erst kürzlich gemeldete neue Forschungsallianz mit Bayer, der Lizenzvertrag mit Janssen, Meilensteinzahlungen von Novartis und Boehringer Ingelheim sowie die kontinuierliche Akquise von Großaufträgen belegen die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells. Hinsichtlich des Timings und der aktuell günstigen Bewertung halten wir den Zeitpunkt für ein Investment für hoch attraktiv. Wir nehmen die Coverage mit einem Kursziel von 4,00 Euro und den Rating Kaufen auf.
| Geschäftsjahresende: 31.12. | 2011 | 2012e | 2013e | 2014e | 2015e |
|---|---|---|---|---|---|
| Umsatz | 80,1 | 89,4 | 101,5 | 116,2 | 153,6 |
| Veränderung yoy | 45,0% | 11,6% | 13,5% | 14,5% | 32,2% |
| EBITDA | 12,0 | 10,9 | 16,5 | 21,7 | 48,4 |
| EBIT | 5,2 | 4,5 | 11,9 | 16,9 | 43,0 |
| Jahresüberschuss | 6,7 | 8,9 | 9,8 | 14,5 | 38,0 |
| Bruttomarge | 43,7% | 37,0% | 39,5% | 40,5% | 49,6% |
| EBITDA-Marge | 14,9% | 12,2% | 16,3% | 18,7% | 31,5% |
| EBIT-Marge | 6,5% | 5,0% | 11,7% | 14,5% | 28,0% |
| Net Debt | -45,7 | -49,1 | -58,9 | -72,3 | -107,3 |
| Net Debt/EBITDA | -3,8 | -4,5 | -3,6 | -3,3 | -2,2 |
| ROCE | 5,8% | 4,3% | 11,1% | 15,7% | 39,2% |
| EPS | 0,06 | 0,08 | 0,08 | 0,12 | 0,32 |
| FCF je Aktie | 0,00 | 0,05 | 0,08 | 0,11 | 0,30 |
| Dividende | 0,00 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | 0,00 |
| Dividendenrendite | 0,0% | 0,0% | 0,0% | 0,0% | 0,0% |
| EV/Umsatz | 3,4 | 3,1 | 2,7 | 2,4 | 1,8 |
| EV/EBITDA | 22,9 | 25,0 | 16,6 | 12,6 | 5,7 |
| EV/EBIT | 52,6 | 61,2 | 23,1 | 16,3 | 6,4 |
| KGV | 43,8 | 32,9 | 32,9 | 21,9 | 8,2 |
| P/B | 2,1 | 2,0 | 1,9 | 1,7 | 1,4 |
| Quellen: Unternehmen, Montega, CapitalIQ | Angaben in Mio. EUR, Kurs: 2,63 |
Montega AG – Equity Research 1
INHALTSVERZEICHNIS
| Investment Case | 3 |
|---|---|
| Der Rückgang der F&E-Produktivität in der Pharmaindustrie treibt den Markt | 3 |
| Evotec - Nach Restrukturierung auf dynamischem Wachstumspfad | 3 |
| Drei Geschäftsbereiche - Umsatzmix treibt Wachstum und Margenentwicklung | 4 |
| Qualitätsführer mit hoher Kundenzufriedenheit | 4 |
| Ausblick 2015 | 6 |
| Timing und Sentiment | 7 |
| Umsatz- und Liquiditätsziele für 2012 bestätigt - Starkes Auftragsbuch - Trend zur | |
| Margenverbesserung hält an | 7 |
| Entwicklungspartnerschaften – Basis für weitere Meilensteine und pos. Newsflow | 7 |
| Evotecs Kompetenz ist gefragt – weitere große Forschungsallianzen erwartet | 8 |
| Action Plan 2016: Verdoppelung der Umsätze und weitere Steigerung der Profitabilität8 | |
| Mögliche Abschreibung auf EVT101/103 birgt gewisses (Buch)-Risiko | 8 |
| Fazit: Newsflow stützt den Investmentcase - starke Dynamik erwartet | 9 |
| SWOT | 10 |
| Stärken | 10 |
| Schwächen | 10 |
| Chancen | 10 |
| Risiken | 10 |
| Markt und Wettbewerb | 11 |
| Rückgang der F&E-Produktivität in der Pharmaindustrie | 11 |
| Paradigmenwechsel in der Pharmabranche - stabiler Trend zum Outsourcing | 13 |
| Outsourcing-Markt der Wirkstoffforschung | 16 |
| Wettbewerbsqualität | 19 |
| Hohe Reputation als Qualitätsführer im High-End-Markt | 19 |
| Strategische Investitionen in Technologie und Know-how | 20 |
| Hohe F&E-Effizienz als substanzieller Kostenvorteil für Kunden | 22 |
| Evotecs Unternehmensstrategie kombiniert westliche Hochtechnologie mit asiatischen Kostenvorteilen |
23 |
| Leistungsbasierte Allianzen schaffen hohes, langfristiges Upside | 23 |
| Pharma-Portfolio - Hohes Renditepotenzial bei geringem finanziellen Risiko | 25 |
| Finanzen | 33 |
| Jüngste Performance – Erste neun Monate und drittes Quartal 2012 | 33 |
| Geschäftsjahr 2012: Umsatzplus von 10-12% und Liquiditätsziele bestätigt | 34 |
| Ausblick bis 2016: Rasantes Wachstum und operative Marge von 15% angepeilt | 36 |
| Bilanz | 37 |
| Bewertung | 39 |
| DCF-Modell für Servicegeschäft und präklinische Projekte | 39 |
| rNPV-Bewertung der verpartnerten klinischen Pipelineprojekte | 39 |
| SOTP-Bewertung | 41 |
| Unternehmenshintergrund | 44 |
| Historie | 44 |
| Konzernstruktur | 46 |
| Umsatz nach Kunden und Regionen | 46 |
| Leistungsspektrum | 48 |
| Management | 49 |
| Aktionärsstruktur | 50 |
| Anhang | 51 |
| Disclaimer | 55 |
INVESTMENT CASE
Evotec ist ein Auftragsforschungsunternehmen mit Hauptsitz in Hamburg, das sich auf die frühen, präklinischen Phasen in der Wirkstoffforschung und -entwicklung spezialisiert hat. Seine innovativen, integrierten Serviceleistungen bietet es im Rahmen von Forschungsallianzen großen und mittelständischen Unternehmen aus der Pharma- und Biotech-Industrie an. Das Leistungsspektrum deckt dabei den gesamten F&E-Prozess vom Target bis zum Beginn der klinischen Entwicklung ab. Die therapeutischen Schwerpunkte liegen in Indikationsgebieten mit hohem Patientenaufkommen: Erkrankungen des Nervensystems, Stoffwechselkrankheiten mit Fokus auf Diabetes, Krebserkrankungen, Entzündungen und Schmerztherapie. Das Unternehmen verfügt darüber hinaus über eine reife Pipeline an eigenen Medikamentenkandidaten, die zur klinischen Entwicklung an Pharmapartner auslizenziert werden.
Der Rückgang der F&E-Produktivität in der Pharmaindustrie treibt den Markt
Dem seit Jahrzehnten konstant niedrigen Output der Pharmaindustrie an neuen Arzneimitteln steht eine Kostenexplosion bei Forschung und Entwicklung gegenüber. Inflationsbereinigt hat sich die Zahl der von der FDA neu zugelassenen Arzneimittel pro 1 Mrd. USD an F&E-Ausgaben seit 1950 etwa alle neun Jahre halbiert. Dies entspricht einem Rückgang der F&E-Produktivität um den Faktor 80. Das gegenwärtige F&E-Modell der Pharmaindustrie stößt zunehmend an die Grenzen seiner Innovationskapazität.
Paradigmenwechsel bei Big Pharma schafft stabilen Trend zum Outsourcing
Mit einer Kombination aus massiver Kostensenkung und Neuorganisation der F&E-Infrastruktur ringen die Konzerne um eine höhere Forschungseffizienz. Pharmaunternehmen geben künftig weniger für die interne Forschung aus und investieren stärker in externe Kooperationen und Outsourcing. Im Fokus steht der Umbau der Frühphasen in der Wirkstoffforschung mit dem Ziel, Entwicklungsrisiken frühzeitig zu absorbieren und den Input an Wirkstoffkandidaten erheblich zu steigern. Ein Hochfahren der Kapazitäten kann nur durch Outsourcing erreicht werden. Vielfach kopierter Pionier der Branche ist Eli Lilly mit seinen erfolgreichen Konzepten Chorus und FIPNet zur Steigerung der Innovationseffizienz.
Evotec - Nach Restrukturierung auf dynamischem Wachstumspfad
Der seit 2009 umgesetzte Maßnahmenkatalog des Aktionsplans 2012 hat das Unternehmen auf einen dynamischen Wachstumskurs geführt. Dieser beinhaltete strikte Kosteneinsparungen bei klinischen Studien durch externe Finanzierung, eine Refokussierung der eigenen Wirkstoffpipeline auf die werthaltigsten Projekte sowie dem Ausbau von profitablen Forschungsallianzen. Getragen vom stabilen Outsourcing-Trend der Pharmabranche konnte Evotec sein Portfolio an Industriepartnerschaften zügig ausweiten und den Anteil der lukrativen leistungsbasierten Verträge an den Umsätzen steigern, sodass der Break-even bereits zwei Jahre vor Plan erreicht werden konnte. 2010 und 2011 wurden damit zu den ersten beiden profitablen Jahren der mehr als 18-jährigen Unternehmensgeschichte.
Aktionsplan 2016: Verdoppelung der Umsätze und operative Marge von 15% angepeilt
Im Rahmen seines "Aktionsplans 2016 – Marktführer für Wirkstoffforschungslösungen" hat sich das Unternehmen ambitionierte Ziele gesetzt: (1) Verdoppelung der Umsatzerlöse durch organisches Wachstum bis spätestens 2016, (2) Steigerung der operativen Marge auf rund 15%, (3) Verbesserung der Qualität des Umsatzmixes durch Umsatzbeteiligungen, Meilensteinzahlungen und Serviceumsätze bis spätestens 2016, (4) F&E-Budget von rund 10 Mio. Euro pro Jahr für hoch innovative unverpartnerte Forschung (z.B. die Erweiterung des Portfolios an niedermolekularen Substanzen um biologische Wirkstoffe), (5) kontinuierliches Upgrade der technologischen Infrastruktur (2012 mit ca. 10 Mio. Euro), (6) Aufbau einer Pipeline mit noch höherem Reifegrad ohne finanzielles Risiko durch selektive Partnerschaften, (7) Aktive Teilnahme an der strategischen Marktkonsolidierung, (8) Optimierung des Shareholder Value.
Drei Geschäftsbereiche - Umsatzmix treibt Wachstum und Margenentwicklung
EVT Execute macht zahlenmäßig das Gros in Evotecs Kundenbeziehungen aus und bildet die stabile Basis an regelmäßig wiederkehrendem Geschäft. Der Bereich wird nach wie vor von klassischen Fee-For-Service-Dienstleistungen bestimmt und liefert als risikoarmes Geschäft konstante, aber relativ niedrige Bruttomargen von 25-30%. Entscheidende Faktoren, welche die Kundennachfrage bestimmen, sind hoch industrialisierte, kosteneffiziente High-Tech-Anlagen auf modernstem Stand. Einzelleistungen können unabhängig von Indikation, Target oder Krankheitsexpertise, eingekauft werden, um punktuell den Wirkstoffforschungsprozess auf Kundenseite zu optimieren.
EVT Integrate: Mit seinen erfolgsbasierten, integrierten Verträgen unter Risikobeteiligung bietet Evotec seinen Kunden ein attraktives Anreizsystem. Evotec offeriert ganze Leistungspakete seiner integrierten Technologieplattform zunächst auf Basis von FTE-Raten (Full Time Equivalent) die rund 30% unter denen eines voll integrierten Pharmaunternehmens liegen. Im Gegenzug partizipiert Evotec an den Entwicklungs- und Verkaufserfolgen des Medikaments in Form von Meilensteinzahlungen und Umsatzbeteiligungen (Royalties). Mit diesem Upside erreicht EVT Integrate langfristig Bruttomargen von 40-50%. Große integrierte Forschungsallianzen bestehen mit führenden Pharmakonzernen wie Novartis, Roche, Genentech, Boehringer Ingelheim, UCB, Medimmune/AstraZeneca und seit Anfang Oktober mit Bayer.
Im Bereich EVT Innovate sind die höchsten Renditen erzielbar. Bei moderaten Investitionen in F&E von rund 10 Mio. Euro p.a. lockt ein hohes Upside an Vorab- und Meilensteinzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe und Royalties im zweistelligen Prozentbereich. In Eigenregie oder in Forschungsinitiativen mit führenden akademischen Einrichtungen entwickelt Evotec innovative First-in-Class-Wirkstoffe, die bereits in frühen Phasen (Forschung, Präklinik) an Industriepartner auslizenziert werden. Da die klinischen Entwicklungskosten von den Partnern übernommen werden, bietet der Geschäftsbereich ein hohes Renditepotenzial bei geringem finanziellen Risiko. Neben der im Juli 2012 geschlossenen Entwicklungspartnerschaft mit Johnson&Johnson-Tochter Janssen Pharmaceuticals hat Evotec in diesem Bereich bereits Medikamentenkandidaten mit Roche, Pfizer, MedImmune/AstraZeneca, Teva/Andromeda, Boehringer Ingelheim und chinesischen Pharmakonzernen verpartnert.
Qualitätsführer mit hoher Kundenzufriedenheit
Mit seinem Leistungsangebot besetzt Evotec das High-End-Segment unter den Auftragsforschungsunternehmen (CROs) in der Wirkstoffforschung. Wir sehen Evotec dabei unter den Top 3-Playern, zusammen mit WuXi AppTec und BioFocus (Galapagos). Der Track Record des Unternehmens in der Entwicklung von präklinischen und klinischen Medikamentenkandidaten ist eindrucksvoll. Evotec kann auf lange, beständige Geschäftsbeziehungen mit Weltklasse-Unternehmen zurückblicken. Die Liste der namhaften Partner zeugt von hoher Kundenzufriedenheit und ist eine zuverlässige externe Validierung der Technologieplattform und Servicequalität des Unternehmens.
Hoher Integrationsgrad der Technologieplattform schafft wirksame Eintrittsbarrrieren
Die Spitzentechnologien High-Content-Screening (HCS), fragmentbasiertes Wirkstoffdesign und fokussiertes Hochdurchsatz-Screening (HTS) bilden den Kern in Evotecs Technologieplattform, die zu einem hoch integrierten Leistungsspektrum ausgebaut wurde und die gesamte Wertschöpfungskette der Wirkstoffforschung nahtlos abdeckt vom Screening über die Leitstrukturoptimierung und Präklinik bis zum Beginn der klinischen Entwicklung. Die spezifische Kombination aus hohem Integrationsgrad, innovativen Screening-Technologien, einer branchenweit einmaligen Erfahrungskurve und eines intelligenten Prozessmanagements schaffen wirksame Eintrittshürden im High-End-Markt.
Hoch effiziente F&E-Prozesse als Vorsprung gegenüber Billiganbietern
Substanzielle Kostenvorteile hebt Evotec über ein erfahrenes, intelligentes Prozessmanagement, das bei der Ausführung von Kundenaufträgen systematisch auf frühzeitige Stop-Loss-Entscheidungen setzt, um vermeidbare Sackgassen in der Wirkstoffentwicklung und drohende Fehlinvestitionen schnell zu kappen. Das Design der Prozesse hat Evotec in über 15 Jahren Screening-Erfahrung dahingehend optimiert, dass möglichst viele dieser Stop-Loss-Punkte möglichst schnell erreicht werden. Diese prozessbedingte Kosten- und Zeitersparnis ist für Entscheider in der Pharmaindustrie ein eminent wichtiges Kriterium und wegen des Vorsprungs in den Erfahrungskurven nicht von Standardanbietern in Niedriglohnländern kurzfristig imitierbar.
Westliche Hochtechnologie gepaart mit asiatischen Kostenvorteilen
Nach der Akquisition des indischen Synthesechemie-Dienstleisters RSIPL im Jahr 2009 plant das Management auch künftig, mit strategischen Kapazitätserweiterungen an kostengünstigen Standorten in Asien und Osteuropa globale Kostensynergien zu nutzen. Im dynamischen Wettbewerb mit asiatischen Konkurrenten setzt Evotec auf eine konsequente Differenzierungsstrategie, um seine Qualitäts- und Technologieführerschaft auszubauen. Die Maßnahmen reichen von technologischen Upgrade-Initiativen der bestehenden Infrastruktur, über Kooperationen mit führenden Anbietern modernster, komplementärer Technologien bis hin zu Akquisitionen von Innovationsführern der Branche.
- Die Übernahme der Münchener Kinaxo Biotechnologies GmbH im Februar 2011 sichert Evotec eine weltweite Spitzenposition im Bereich chemischer Proteomik und quantitativer Hochdurchsatz-Massenspektrometrie. Wir sehen das Unternehmen damit bestens gerüstet, den Wachstumsmarkt der Diagnostik und personalisierten Medizin zu erschließen.
- Durch die strategische Allianz mit der Schweizer 4-Antibody AG im Mai 2012 ist der einseitige Fokus auf die Entwicklung niedermolekularer Substanzen überwunden und der Einstieg in den lukrativen Markt der Antikörper geschafft. Wir erwarten weitere Deals im Bereich biologischer Wirkstoffe.
Neuer Fokus: seit 2010 eine der weltweit innovativsten Diabetes-Pipelines aufgebaut
Durch die Übernahme von DeveloGen 2010 und die CureBeta-Kooperation mit Harvard 2011 hat Evotec sein Pharma-Portfolio um zwei neue Kernbereiche in rasch wachsenden Zukunftsmärkten erweitert: Stoffwechselerkrankungen, mit Schwerpunkt auf Diabetes und ihre Spätfolgen, in Kombination mit regenerativer Medizin. Die Behandlungsansätze zielen auf die kausalen Wurzeln von Diabetes Typ 1 und Typ 2, anstelle einer konventionellen Symptombehandlung oder Insulinersatztherapie. Vier First-in-Class-Produktkandidaten sind bereits in frühen Stadien mit renommierten Pharmaunternehmen verpartnert worden. Phase-III-Produkt Diapep277® hat gute Chancen, 2015/16e als erste Nicht-Insulintherapie gegen Diabetes Typ 1 auf den Markt zu kommen (Partner Andromeda/Teva). Das CureBeta-Programm zur Regeneration insulinproduzierender Betazellen konnte bereits gut ein Jahr nach Start mit J&J-Tochter Janssen kommerzialisiert werden.
2013-2016: Upside der Pharma-Pipeline in Sichtweite
Bei den verpartnerten, klinischen Pharmaprojekten gelangt die Rendite in Sicht: Sollte Roche Ende 2013/2014e für Alzheimer-Medikament EVT302 positive Befunde aus seiner Phase IIb-Studie berichten, werden Evotec beim Start der Phase III in 2015e Meilensteine von rund 15-30 Mio. Euro in die Kasse fließen. Für das Diabetes-Präparat DiaPep277® erwarten wir erste Umsatzbeteiligungen aus Produktverkäufen nach einem möglichen Markteintritt 2015/16e (Peak Sales von ca. 500 Mio. Euro).
Großauftrag von US-Pharmakonzern setzt starke Impulse
2011 hatte Evotec den Großauftrag eines namentlich nicht genannten, US-amerikanischen Top-5-Pharmakonzerns für sich gewonnen. Der Auftrag ist langfristig angelegt und sieht konzernweit in signifikantem Umfang das Outsourcing in den Bereichen Counterscreening und Proteinproduktion für Testsysteme (Targetexpression) vor. Nach der erfolgreichen Anlaufphase erwarten wir ein rasantes Umsatzwachstum zu zweistelligen Raten. Anfangs
noch Teil des Fee-for-Service-Geschäftes (EVT Execute) sollte es mit zunehmender Projektreife zu lukrativen Nachfolgeaufträgen in margenstarken Dienstleistungen (EVT Integrate) kommen, sodass wir für diesen Auftrag ab 2014 mit verbesserten Bruttomargen rechnen.
Ausblick 2015
In unseren Prognosen sehen wir Evotec aufgrund der dynamischen Auftragsentwicklung 2013-2016 auf einem höheren Wachstumspfad als in den vergangen Jahren. Mit einem Umsatzplus von 13-15% p.a. allein auf Basis des Fee-for-Service-Geschäftes und der leistungsbasierten Forschungsallianzen sollte Evotec das durchschnittliche Marktwachstum von 5-10% deutlich übertreffen. Zusammen mit den klinischen Meilensteinzahlungen aus der Alzheimer-Partnerschaft mit Roche, die bei Start der Phase III fällig werden, könnte dies 2015 zu einem steilen Umsatzplus und außergewöhnlich hohen operativen Margen führen. Ungeachtet der Roche-Meilensteine sollte sich die operative Marge 2012-2015 sukzessive von 5% auf 17% erhöhen.
Der veränderte Umsatzmix nach Akquisition von Compound Focus und der Annahme eines großen, langfristigen Outsourcing-Auftrages für ein US-Pharmaunternehmen sollte die Bruttomarge in den kommenden Jahren unter die Werte der Vorjahre (43-44%) drücken. Mit dem sich einstellenden höherwertigen Nachfolgegeschäft und einer verbesserten Kapazitätsauslastung rechnen wir 2012-2015 mit einem sukzessiven Anstieg der Bruttomarge von 37% auf 42% (vor Alzheimer-Meilensteinen).
TIMING UND SENTIMENT
Seit Übernahme der Unternehmensführung in 2009 durch Dr. Lanthaler und der anschließenden Neupositionierung des Unternehmens in den vergangenen zwei Jahren hat sich Evotec von einem hoch defizitären Wirkstoffentwickler zu einem profitablen Biotechunternehmen entwickelt.
Obwohl sich der Aktienkurs seit dem Low in 2009 äußerst positiv entwickelt hat, spiegelt er die starke operative Entwicklung der letzten 12 Monate und den anstehenden guten Newsflow nicht ausreichend wider. Letzterer sollte vor allem aus den nachfolgenden Bereichen stammen.
Umsatz- und Liquiditätsziele für 2012 bestätigt - Starkes Auftragsbuch - Trend zur Margenverbesserung hält an
Trotz der Mitte Oktober angepassten Guidance, wonach infolge einer Verschiebung von Meilensteineinkünften von Q4 2012 ins Jahr 2013 das operative Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr geringer ausfallen wird als 2011 (5,8 Mio. Euro), bleiben die Umsatz- und Liquiditätsziele für 2012 unverändert bestehen: Das Management rechnet weiterhin mit einem zweistelligen Wachstum der Konzernumsätze auf 88-90 Mio. Euro (yoy: 10-12%). Die Liquidität zum Jahresende 2012 soll bei > 60 Mio. Euro gehalten werden, trotz hoher F&E-Ausgaben und signifikanter Investitionen in den Ausbau eigener Kapazitäten.
Der beobachtete Kursrückgang nach Anpassung der Guidance erscheint anhand der Fundamentaldaten nicht gerechtfertigt. Das Auftragsbuch ist für die kommenden Monate gut gefüllt. Die Geschäftsereignisse der letzten drei Monate, wie die kürzlich bekanntgegebene Multi-Target-Allianz mit Bayer, die Verlängerung der bedeutenden Forschungsallianz mit der CHDI Foundation, ein neuer Großauftrag der amerikanischen Gesundheitsbehörde National Institutes of Health (NIH) und die Erweiterung des Geschäftskonzeptes um den strategischen Beratervertrag mit Aspireo belegen eindrucksvoll, dass Evotecs Geschäftsmodell nicht an Dynamik eingebüßt hat. Nach den im laufenden Geschäftsjahr erreichten Meilensteinzahlungen von Andromeda/Teva (3,9 Mio. Euro), Boehringer Ingelheim (6,5 Mio. Euro) und Novartis sowie den Vorabzahlungen aus den neuen Allianzen mit Bayer (12 Mio. Euro) und Janssen (8 Mio. USD, geteilt mit der Harvard-Universität) stellt das Management bis Jahresende die Unterzeichnung mindestens eines weiteren signifikanten Deals in Aussicht.
Nachdem die Bruttomarge im ersten Halbjahr durch Anlaufkosten für den Ausbau der Infrastruktur und das Hochfahren der Kapazitäten vorübergehend unter Druck geriet (Q1: 32,5%, Q2: 37,6%), erreichte sie im dritten Quartal 38,9%. Dieser Aufwärtstrend bei den Bruttomargen in den ersten neuen Monaten sollte sich dank der anziehenden Serviceumsätze und einer verbesserten Kapazitätsauslastung weiter fortsetzen.
Entwicklungspartnerschaften – Basis für weitere Meilensteine und pos. Newsflow
Aus der eigenen Pharmapipeline hat Evotec derzeit vier klinische Wirkstoffprojekte mit attraktiven Lizenznehmern verpartnert. Fortschritte bei der klinischen Entwicklung dieser Projekte dürften nicht nur für positiven Newsflow sorgen, sondern lassen außerdem substanzielle Meilensteinzahlungen erwarten:
- DiaPep277®: Bei der Entwicklung des Diabeteswirkstoffes wird für Q4 die Zahlung eines bereits in Q1 erzielten Meilensteines erwartet, nachdem Teva kürzlich eine Finanzierungszusage von 6,5 Mio. USD für den Lizenzpartner Andromeda bekanntgegeben hat. Nach der erfolgreichen ersten Phase III wurde im September 2012 die Patientenrekrutierung für eine Folgestudie abgeschlossen, die 2014/15e Ergebnisse liefern sollte.
- EVT302: Der Alzheimerwirkstoff, der in Partnerschaft mit Roche entwickelt wird, ist im dritten Quartal 2012 in die Phase IIb eingetreten. Mit den Ergebnissen wird Ende 2013/2014e gerechnet. Eine Meilensteinzahlung (ca. 15-30 Mio. Euro) wird bei Start der Phase III fällig, den wir für 2015 erwarten. Nachrichten zum Fortgang der
Entwicklung dieses potenziellen Blockbusterproduktes sollten große Aufmerksamkeit auf sich ziehen (Dealvolumen: bis zu 820 Mio. USD, Umsatzpotenzial: 2-4 Mrd. Euro).
EVT401: Durch die im ersten Halbjahr bekanntgegebene Kooperation mit Zhejiang Conba Pharmaceutical in China konnte Evotec bereits die zweite Partnerschaft für diesen Wirkstoff bekanntgeben. Conba beabsichtigt die Entwicklung von EVT401 vor allem im Bereich von Entzündungserkrankungen voranzutreiben und dürfte hier in den kommenden Quartalen mit der klinischen Phase II beginnen.
Evotecs Kompetenz ist gefragt – weitere große Forschungsallianzen erwartet
Evotec ist vor allem in seinen Kernkompetenzfeldern - Zentralnervensystem, Stoffwechselkrankheiten/Diabetes, Krebserkrankungen, Entzündungen und Schmerztherapie – ein äußerst attraktiver Partner für leistungsbasierte, integrierte Forschungsallianzen. Nach dem Lizenz- und Kooperationsvertrag mit Janssen im Juli 2012 konnte Anfang Oktober mit der Bayer Pharma AG eine Allianz zur Erforschung mehrerer Endometriose-assoziierter Zielmoleküle abgeschlossen werden. Evotec wird im Rahmen der Multi-Target-Allianz 12 Mio. EUR als Vorauszahlung erhalten. Mit künftigen, erfolgsabhängigen Meilensteinzahlungen erreicht der Dealwert insgesamt rund 580 Mio. Euro. Hinzu kommen Umsatzbeteiligungen bis zu einem niedrigen zweistelligen Prozentsatz. Auch künftig strebt das Unternehmen pro Jahr den Abschluss zweier neuer Multi-Target-Allianzen an.
Das Erfolgskonzept des CureBeta-Programms mit Harvard "industrialisiert" Evotec, indem es in Form der Cure X-Initiativen systematisch ein Portfolio an hochkarätigen akademischen Partnerschaften aufbaut und deren Produktkandidaten frühzeitig durch strategische Allianzen mit Industriepartnern zu kommerzialisieren versucht. Für die im Februar 2012 mit Harvard begonnene CureNephron stehen bereits im September 2012 Marketingaktivitäten bei potenziellen Pharmapartnern an. Für 2013 stellt das Management ein bis zwei neue akademische Forschungsallianzen auf den Gebieten der Herzerkrankungen (CureHeart) bzw. Nervenleiden (CureNeuron) in Aussicht. Wir erwarten relativ zeitnah in den nächsten Jahren Lizenzverträge mit Pharmakonzernen zu ähnlich attraktiven Konditionen wie im CureBeta-Deal mit J&J/Janssen von Juli 2012.
Action Plan 2016: Verdoppelung der Umsätze und weitere Steigerung der Profitabilität
Insgesamt sieht die Unternehmensstrategie der nächsten vier Jahre eine Verdopplung der Umsätze und eine gesteigerte Profitabilität vor. Bis spätestens 2016 stellt Evotec eine operative Marge von ca. 15% in Aussicht. Treiber sollte hier sowohl der weitere Ausbau strategischer Allianzen (EVT Integrate, EVT Innovate) als auch das weiter stark ansteigende Fee-for-Service-Geschäft (EVT Execute) sein. Zudem könnten ab 2015/2016e nach Marktzulassung des Leitproduktes DiaPep277® die ersten Umsatzbeteiligungen aus Verkäufen eines Evotec-Wirkstoffs vereinnahmt werden.
Mögliche Abschreibung auf EVT101/103 birgt gewisses (Buch)-Risiko
Trotz der in der Summe sehr positiven Entwicklung in den vergangenen zwei Jahren gab es in 2011 einen größeren Rückschlag. Hier hatte Roche im Mai die Rechte an dem Wirkstoff EVT101/103 zur Behandlung von Depressionen auf Grund von Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Patienten bei der Phase-II-Wirksamkeitsstudie zurückgegeben und die klinische Entwicklung der Substanz beendet.
Evotec konnte das Profil der Substanz durch eine mittlerweile abgeschlossene Langzeit-Toxikologie-Studie weiter verbessern und bietet das Projekt anderen Partnern zur klinischen Entwicklung an. Sollte jedoch in den nächsten 18 Monaten kein Partner gefunden werden, gehen wir von einer kompletten Einstellung des Projektes aus, was eine nicht cashwirksame Abschreibung auf noch bilanzierte immaterielle Vermögenswerte aus diesem Projekt in Höhe von ca. 20 Mio. Euro zur Folge hätte.
Fazit: Newsflow stützt den Investmentcase - starke Dynamik erwartet
Evotec hat in den vergangenen zwei Jahren eine beeindruckende operative Entwicklung vorgelegt. Aufgrund des stetig wachsenden Portfolios an großen, erfolgsbeteiligten Forschungsallianzen, der durch technologisches Upgrade gefestigten Wettbewerbsposition sowie operationeller Synergien mit den jüngsten Akquisitionen sollte sich das positive Momentum fortsetzen und sich im Newsflow widerspiegeln.
Die erst kürzlich gemeldete neue Forschungsallianz mit Bayer, der Lizenzvertrag mit Janssen, Meilensteinzahlungen von Novartis und Boehringer Ingelheim sowie die kontinuierliche Akquise von Großaufträgen belegen die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells. Vor diesem Hintergrund sowie der günstigen Bewertung halten wir den Zeitpunkt für ein Investment für attraktiv.
SWOT
Insgesamt sehen wir Evotec als eines der risikoärmsten aber gleichzeitig potenzialträchtigsten Unternehmen im europäischen Biotech Markt. Dabei lassen sich die folgenden Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken ableiten.
Stärken
- Marktführende Position im High-End-Segment der Wirkstoffforschungs-Dienstleistungen
- Ausgewogenes, profitables Geschäftsmodell verbindet hohes Renditepotenzial der Medikamentenentwicklung mit einem in der Biotech-Branche weit unterdurchschnittlichen finanziellen Risiko
- Hohe Reputation als Problemlöser durch Qualitäts- und Technologieführerschaft
- Hoher Integrationsgrad der Technologieplattform in Kombination mit langjähriger Prozesserfahrung bilden wirksame Eintrittshürden
- Breite Kundenbasis an renommierten Pharma- und Biotechnologie-Unternehmen
- Komfortable Liquiditätsposition sichert Expansionsstrategie
Schwächen
- Hohe Kostenbasis im Vergleich zu Dienstleistern in Asien und Osteuropa
- Mangelnde Kontrolle über den weiteren Entwicklungspfad auslizenzierter Produkte
- Skalierbarkeit des Servicegeschäftes durch Cross-Selling von Dienstleistungen entlang der Technologieplattform ist begrenzt
- Profitabilität in hohem Maße abhängig von Kapazitätsauslastung und kritischer Masse an Aufträgen
Chancen
- Der tiefgreifende Umbau im F&E-Modell der Pharmaindustrie schafft einen anhaltenden Trend zum Outsourcing in der frühen Wirkstoffforschung, mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten von 5-10% pro Jahr
- Ausweitung des Geschäfts mit leistungsbasierten Forschungsallianzen bietet hohes, langfristiges Upside durch Erfolgsbeteiligung
- Firmeneigene Pharmapipeline umfasst reife Produktkandidaten in Phase II und III, die Milliardenmärkte adressieren
- Der hoch fragmentierte Outsourcing-Markt bietet erhebliche Wachstumschancen durch Firmenübernahmen
Risiken
- Drohende Erosion von Wettbewerbsvorteilen durch Dynamik der asiatischen Konkurrenz
- Abhängigkeit von Großkunden in den margenstarken Geschäftsfeldern
- Hohes Entwicklungsrisiko durch technische Ausfallraten bei Medikamentenkandidaten, insbesondere bei Nerven- und Krebserkrankungen
- Der Outsourcing-Markt ist stark geprägt von Technologiezyklen und erfordert hohe Investitionen in ein regelmäßiges technologisches Upgrade der Infrastruktur
- Die Nachfrage im Kundensegment der Biotech-Unternehmen schwankt mit der Liquiditätssituation dieser chronisch unterfinanzierten Branche
MARKT UND WETTBEWERB
Rückgang der F&E-Produktivität in der Pharmaindustrie
Von 1950 bis 2008 wurden von der US-Arzneimittelbehörde FDA 1.222 neue Arzneimittel zugelassen – 1.103 als neue niedermolekulare Substanzen (NMEs) und 119 als neue biologische Wirkstoffe (NBEs). Obwohl im gleichen Zeitraum die F&E-Investitionen der pharmazeutischen Industrie dramatisch angewachsen sind und sich nach Angaben des Branchenverbandes PhRMA im Jahr 2011 auf rund 50 Mrd. USD belaufen, blieb die Produktionsrate an neuen Medikamenten in den vergangenen 60 Jahren konstant:
Für die drei Jahrzehnte zwischen 1950 und 1980 ist die Trendlinie bei den FDA-Zulassungen praktisch linear. In den darauffolgenden 15 Jahren steigt die Kurve leicht an und erreicht im Ausnahmejahr 1996 mit 51 Zulassungen ihren absoluten Höhepunkt. Nach 1996 fallen die Zulassungszahlen wieder in den historischen Wertebereich zurück. Der statistische Ausreißer im Jahr 1996 wird allgemein darauf zurückgeführt, dass die FDA nach Inkrafttreten des Prescription Drug User Fee Act (PDUFA) im Jahr 1992 durch die eingenommenen Nutzergebühren endlich über die finanziellen und personellen Ressourcen verfügte, um Rückstände bei den Zulassungsanträgen aufarbeiten zu können.
Aus dem Zeitverlauf ergibt sich zudem ein weiterer Trend: Die Zulassungszahlen bei den biologischen Wirkstoffen haben nicht den steilen Anstieg genommen, wie für die neuen Technologien erwartet wurde.
Dem seit den 1950er Jahren gleichbleibend niedrigen Output der Pharmaindustrie an neuen Arzneimitteln steht eine Kostenexplosion bei Forschung und Entwicklung gegenüber. In den vergangenen 60 Jahren sind die Kosten pro neuem Medikament exponentiell gewachsen, mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate (CAGR) von 12,6%.
Exponentiell wachsende Kosten für neue Medikamente
Inflationsbereinigt hat sich die F&E-Produktivität - definiert als die Zahl der von der FDA neu zugelassenen Arzneimittel pro 1 Mrd. USD an F&E-Ausgaben - seit 1950 etwa alle neun Jahre halbiert. Dies entspricht einem Rückgang der Produktivität um den Faktor 80. In Umkehrung der Verhältnisse in der Halbleiter-Industrie sprechen Analysten von einem kopfstehenden Moore´s Law ("Eroom´s Law").
Quelle: Nature Reviews Drug Discovery
Langzeit-Trend in der F&E-Effizienz
Besonders ernüchternd vor dem Hintergrund rapide sinkender F&E-Effizienz ist die Tatsache, dass selbst die großen wissenschaftlichen und technologischen Innovationen der letzten Jahrzehnte wie auch die stetigen Fortschritte im Management des kommerziellen F&E-Prozesses die Produktionsrate an neuen Medikamenten nicht steigern konnten, sondern ganz offensichtlich von starken, anderweitigen Faktoren ausgebremst wurden. Pharmakonzerne produzieren seit den 1950er Jahren mit einer konstanten Rate von deutlich unter 1 NME pro Jahr. Angesichts explodierender Entwicklungskosten gefährdet dies die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells der ganzen Branche. Analysen sehen für viele Pharmaunternehmen die Schwelle hin zu einem nachhaltigen Wachstumspfad bei einem Output von etwa 2-3 NMEs pro Jahr. Dieses Ziel mit der etablierten F&E-Strategie des voll integrierten Pharmaunternehmens zu erreichen, gilt als unwahrscheinlich. Das gegenwärtige F&E-Modell der Pharmaindustrie scheint nach Ansicht führender Branchenkenner an die Grenzen seiner Innovationskapazität gestoßen zu sein.
Aus dem Dilemma bieten auch Fusionen und Übernahmen (M&A) keinen Ausweg. Viele Fusionen haben die Erwartungen nicht erfüllt. Zwar bieten sie in aller Regel ein relativ sicheres Potenzial zur Kostensenkung. Forschung und Entwicklung kommen aber oft unter die Räder, und die erworbenen Produktpipelines erweisen sich häufig als Fehlinvestition. Langzeitanalysen, die bei Pharmafirmen den NME-Output über einen Zeitraum von zehn Jahren vor und nach einer Fusion bzw. Übernahme vergleichen, kommen zu dem ernüchternden Ergebnis, dass lediglich kleine Pharmafirmen einen geringen, doch signifkanten Anstieg in der Produktionsrate verzeichnen. Bei großen Pharmaunternehmen hatten M&A-Aktivitäten dagegen keinen erkennbaren Effekt auf den Outputan neuen Arzneimitteln. Vielmehr lassen sich die Folgen von M&A für Forschung und Entwicklung in der Pharmabranche mit der Formel "1+1=1" zusammenfassen.
Dabei resultieren die Probleme nicht alleine ausinternen Fehlentwicklungen. Einige der Hauptfaktoren für die rapide sinkende F&E-Produktivität sind externer Natur:
Nur wenige Industriezweige stehen vor vergleichbaren Herausforderungen des Marktes wie die Pharmaindustrie: Die milliardenschweren Blockbuster von heute sind die preiswerten Generika von morgen. In anderen Branchen mit hohem Stellenwert von Patent- und Markenschutz werden Kunden der Produkte aus der Vorsaison schnell überdrüssig und lassen sich durch neue technologische Innovationen zum Kauf stimulieren. In den hoch regulierten Pharmamärkten besetzt nach Patentablauf dagegen die preiswerte Alternative als neuer Goldstandard das Marktsegment dauerhaft. An diesem Standard sind sämtliche Nachfolgeprodukte zu messen: Die Hits von gestern müssen mit noch wirksameren, noch sichereren Verkaufsschlagern geschlagen werden, um kontinuierliches Wachstum zu erzielen (sog. "Better than the Beatles"-Problem). Dies führt systembedingt zu fortlaufend höheren Hürden bei Zulassung und Kostenerstattung.
- Nach den spektakulären Medikamentenskandalen um Vioxx® (Merck), Baycol® (Bayer), Rezulin® (Warner-Lambert) u.a., ausgelöst durch schwerwiegende Nebenwirkungen, die erst nach Jahren der breiten Vermarktung zu einer Marktrücknahme der Präparate führte, zeigen die Behörden eine geringe Risikotoleranz bei der Zulassung von Arzneimitteln. Die regulatorischen Anforderungen bei Wirksamkeit und Sicherheit wurden im Nachgang der Ereignisse deutlich verschärft.
- Neben der Marktzulassung fordern Krankenkassen weltweit zunehmend den gesundheitsökonomischen Nachweis eines verbesserten Kosten-Nutzen-Verhältnisses als Voraussetzung für die Kostenerstattung und die Aufnahme des neuen Medikamentes in den Leistungskatalog, nicht selten sind dazu zusätzliche Patient Outcome-Studien notwendig.
Die genannten externen Faktoren bedingen eine fortschreitende Fragmentierung in immer kleinere Indikationen. Der Wirksamkeitsnachweis eines neu in den Markt drängenden Arzneimittels erfordert in klinischen Studien zudem ein Mehrfaches an Patientenaufkommen. Denn in Kombinationstherapie mit einem etablierten wirksamen Arzneimittel fällt der Behandlungseffekt i.d.R. geringer aus. Halbiert sich jedoch der Effekt, muss für die Studie das Vierfache an Patienten rekrutiert werden bei gleicher statistischer Power. Diese Anforderungen machen es wesentlich kostspieliger und komplexer, neue Medikamente für den Massenmarkt zu entwickeln. Klinische Studien sind in größerer Zahl notwendig, werden aufwendiger undlangwieriger. Im Erfolgsfall ist die Phase der Exklusivität kürzer als in der Vergangenheit und die Zahl der potenziellen Patienten geringer.
Paradigmenwechsel in der Pharmabranche - stabiler Trend zum Outsourcing
Über der Pharmaindustrie hat sich ein bedrohlicher Sturm aus negativen Trends zusammengebraut: Wachsender Preisdruck, strengere Zulassungshürden, der Verlust des Patentschutzes bei wichtigen Umsatzträgern, Konkurrenz durch Generika und eine sich verschärfende Innovationslücke haben zu einem abflachenden Umsatzwachstum, rasant steigenden Kosten und Druck auf die Margen geführt. Die Finanzmärkte stellen die längerfristigen Wachstumsperspektiven der einst glänzend dastehenden Branche in Frage. Der Verlust an Investorenvertrauen lastet bereits massivauf den Börsenbewertungen. Viele forschende Pharmaunternehmen werden nur noch mit dem 12-fachen ihrer Gewinne bewertet.
Der Rückgang der F&E-Produktivität bildet dabei das Kernproblem. Eingeklemmt zwischen einem linearem Output an neuen Wirkstoffen und exponentiell wachsenden F&E-Kosten droht die Situation für die Pharmaunternehmen unhaltbar zu werden und könnte Investoren dazu veranlassen, einen tiefgreifenden Umbau der Branche zu erzwingen. Von Branchenexperten werden seit langem radikale Initiativen zu einer Neuorganisation des F&E-Modells gefordert.
Unter dem Druck der Investoren haben etliche Pharma-Großkonzerne in jüngster Zeit umfangreiche Restrukturierungsprogrammein die Wege geleitet. Eine Auswahl der Maßnahmen unter Top-Pharmaunternehmen gibt nebenstehende Tabelle. Mit einer Kombination aus massiver Kostensenkung und Neuorganisationder F&E-Infrastruktur ringen die Konzerne um eine höhere Forschungseffizienz. Pharmaunternehmen werden künftig weniger für die interne Forschung ausgeben, um dafür stärker in externe Kooperationen und Outsourcing zu investieren. Die interne Forschung wird dabei in wenigen integrierten Forschungszentren, sog. "F&E Hubs", gebündelt. Überzählige Forschungsstandorte werden geschlossen. Ziel ist es dabei, Kooperationsmöglichkeiten mit den regionalen Forschungsstrukturen künftig intensiver zu nutzen und ein Netzwerk an akademischen und industriellen Partnern aufzubauen. Dabei steht die Flexibilität des Innovationsprozesses im Vordergrund, weniger die Kostensenkung.
Zum Teil geraten dabei die Budgets heftig unter Beschuss. Branchenführer Pfizer zum Beispiel, der sich 2009 durch die Übernahme von Wyeth verstärkte, will seine F+E-Ausgaben 2012 um fast ein Fünftel auf weniger als sieben Milliarden Dollar reduzieren. Gegenüber dem früheren F+E-Budget von Pfizer und Wyeth entspricht das einer Kürzung um fast 40 Prozent. Auch Merck & Co setzt ein umfangreiches Programm zur Steigerung der operativen Effizienz um und plant bis Ende 2015 Stelleneinsparungen von 12-13%.
| Restrukturierungsprogramme der großen Pharmakonzerne | ||||
|---|---|---|---|---|
| (Auswahl) | ||||
| Monat/Jahr | Unternehmen | Betroffene Stellen | Ort | Restrukturierungsmaßnahmen |
| Juli 2012 | Sanofi | 1.000-2.000 | hauptsächlich in Frankreich | Maßnahmen betreffen F&E und Produktion |
| Februar 2012 | AstraZeneca | 7.300 (davon 2.200 F&E) | Europa, USA | Stellenabbau in den USA u. Europa, Verlagerung in Emerging Markets |
| Januar 2012 | Takeda | 2.800 | Europa, USA | Reduktion des Personals um 9% bis Ende 2015 |
| Oktober 2011 | Novartis | 2.000 | Schweiz, Italien, USA | Restrukturierung und Outsourcing von Entwicklungsfunktionen, Verlagerung in Niedriglohnländer (700 neue Stellen) |
| September 2011 | Sanofi | 3.000 | Global | Kosteneinsparung um 2,9 Mrd USD., Reduktion der F&E-Ausgaben um 12% u. Personal um 22% gegenüber Zahlen 2008 |
| September 2011 | Merck | 551 | Restrukturierung der Tochtergesellschaft Organon und Halbierung (-53%) des Personals. |
|
| Juli 2011 | Merck | 12.000-13.000 | Steigerung der operativen Effizienz durch Stelleneinsparungen von 12-13% bis Ende 2015 |
|
| März 2011 | Novartis | 550 | West Sussex, UK | |
| Februar 2011 | Pfizer | 3.500 | Sandwich, UK und Groton, Connecticut |
Verschlankung und Verlagerung der Ressourcen nach Groton, Reduktion der F&E-Ausgaben 2012 von 8,5 auf 7 Mrd. USD (18%) |
| Dezember 2010 | Novartis | 1.400 | USA | |
| November 2010 | Roche | 4.800 | Global | Restrukturierung und Verschlankung der Bereiche Vertrieb, Marketing und Produktion sowie Auslaufen div. F&E Programme (inkl. RNAi Research). |
| November 2010 | Bayer | 4.500 | ||
| Oktober 2010 | Sanofi | 2.500 ( hauptsächlich Pharma Operations Division) |
Great Valley, Pennsylvania and Bridgewater, New Jersey |
Verschlankung der US Pharmaceutical Operations Division um rd. 25% |
| September 2010 | Abbott Laboratories |
3.000 | Hannover, Deutschland, Weesp, Niederlande |
Streichung von etwa 3% der Stellen im Zuge der Übernahmen der Pharmasparte von Solvay |
| Mai 2010 | Takeda | 1.600 | Nordamerika und 20% des Personals in Lake Forest, Illinois |
Personaleinsparungen zur Kostenreduktion |
| Januar–September 2010 | Pfizer | 8.480 | New Jersey, Pennsylvania, New York, Puerto. Rico, Irland, UK und Deutschland |
Restrukturierung des globalen Produktionsnetzwerks. Schließung von acht Standorten sowie Einsaprungen in weiteren sechs Standorten. |
| Januar 2010 | GlaxoSmithKline | 5.201 | Tonbridge, UK; Verona, Italien; Zagreb, Kroatien; Poznan, Polen |
|
| November 2009 | Pfizer | 1.300 | South Brunswick, New Jersey; Chazy and Rouses Point, New York; Sanford, North Carolina; Gosport und Slough, UK |
|
| September 2009 | Eli Lilly | 5.500 | Global | |
| März 2009 | Merck | 15.900 | Global | Personaleinsparungen im Zuge der Übernahme von Schering-Plough |
| Januar 2009 | Pfizer | 19.200 | Global | |
Quelle: Montega, Unternehmensmeldungen, Nature Biotechnology
Eli Lilly – Vorreiter der Branche beim Umbau der Innovationsprozesse
Die neuen Partnerschaften zwischen großen Pharmakonzernen und externen Netzwerken zur Steigerung der F&E-Effizienz sind in gewisser Hinsicht ein Echo auf Eli Lilly´s erfolgreiche experimentelle Projekte mit Chorus und FIPNet, mit denen der Pharmakonzern zum Pionier einer radikalen Neuorganisation des F&E-Modells der Branche wurde. Eli Lilly treibt den Umbau seiner Innovationsprozesse voran wie kaum ein zweites Unternehmen der Branche. Die Firma hat im Jahr 2008 ihren Forschungsstandort Greenfield, Indiana, an ihren langjährigen Partner Covance veräußert und gleichzeitig
einen Servicevertrag mit Covance über eine Laufzeit von 10 Jahren abgeschlossen. Das CRO-Unternehmen wird künftig für Eli Lilly einen signifikanten Teil der frühen F&E-Aktivitäten übernehmen. Der Deal mit Covance ist Teil von Eli Lillys groß angelegter strategischer Transformation vom voll integrierten pharmazeutischen Unternehmen (FIPCo), das alle Komponenten von Forschung und Entwicklung, über Herstellung bis zur Vermarktung in Eigenbesitz hält und operativ kontrolliert, hin zum voll integrierten pharmazeutischen Netzwerk (FIPNet). Das hochgradig vernetzte Geschäftsmodell FIPNet setzt gezielt auf weltweite Kooperationen mit Unternehmen und wissenschaftlichen Instituten jenseits der Unternehmensmauern, um die F&E-Produktivität zu steigern. Das Forschungsunternehmen im Zentrum dieses Netzwerkes kann dabei in einer höheren Liga spielen als es aufgrund seiner tatsächlichen Größe zu erwarten wäre und erhält dadurch einen verbesserten Zugriff auf Patentrechte, Expertise, Wirkstoffe, F&E-Kapazitäten und Kapital. FIPNet nutzt dafür die ganze Bandbreite der Teilhabe vom klassischem funktionellen Outsourcing, über Joint Ventures, wirkstoffbasierten Partnerschaften unter Risikobeteiligung, bis hin zu Equity Investments.
Kern und Keimzelle von FIPNet ist das bereits 2001 von Eli Lilly initiierte Pilotprojekt Chorus, das mit Erfolg vorexerziert hat, wie sich mit einem virtuellen Entwicklungsteam von lediglich 29 Wissenschaftlern ein konstanter Durchsatz von 15 Wirkstoffprogrammen steuern lassen, indem die Entwicklungsarbeit eines ganzen Netzwerkes von CRO-Unternehmen außerhalb des Konzerns von diesem internen Team geleitet und ausgewertet wird. Rund 80% der jährlichen Ausgaben für Chorus entfallen dabei auf das Netzwerk, die verbleibenden 20% fallen als Fixkosten für die operative Tätigkeit der Einheit an. Neben der Bereitstellung flexibler Kapazitäten verstärkt das Outsourcing die erwünschte Faktenorientierung, indem es die nüchterne Perspektive von Außenstehenden beisteuert.
Die Chorus-Einheit fokussiert einzig auf die Frühphasen-Entwicklung und verfolgt das Ziel, durch Verschiebung der Entwicklungsrisiken von ressourcenintensiven späten Phasen hin zu kostengünstigeren frühen Stadien den F&E-Prozess kosteneffizienter und produktiver zu gestalten. Vor Eintritt in die späten Entwicklungsphasen (Phase II und III) werden Entwicklungsrisiken systematisch absorbiert, indem frühzeitig ein Wirksamkeitsnachweis im Menschen (Proof of Concept), idealerweise bereits in Phase I, erbracht wird. Nur qualitativ hochwertige Wirkstoffkandidaten mit hohen Erfolgswahrscheinlichkeiten, die einer rigorosen Evaluierung in frühen kritischen Experimenten standgehalten haben, erhalten ein "Go" für die kostenintensiven späten Phasen. Auf diese Weise werden Ausfallraten in den späten Phasen II und III gesenkt. Wirkstoffkandidaten scheitern früher und weniger teuer. Die Schwundquote in der Frühphasen-Entwicklung steigt zwar entsprechend an, Einsparungen bei den enorm hohen klinischen Studienkosten in Phase II und III infolge verminderter Fehlschläge werden jedoch in die weniger teure frühe Forschung, Präklinik und Phase I reinvestiert. Der Input an Wirkstoffkandidaten am Eingang der Pipeline kann damit bei gleichem Kapitaleinsatz hochgefahren werden, auch unter zusätzlicher Nutzung externer Kapazitäten durch Outsourcing, und die F&E-Produktivität insgesamt gesteigert werden.
Eli Lillys Chorus-Einheit ist als dezidiertes Unternehmen der frühen Wirkstoffforschungsund -entwicklung hinsichtlich Organisation, Funktion, Management und Personal völlig von der späten klinischen Entwicklung getrennt. Während Letztere ganz auf das Produkt und die erfolgreiche Kommerzialisierung ausgerichtet ist, hat Chorus die primäre Aufgabe, Ungewissheiten hinsichtlich der Erfolgsaussichten eines Medikamentenkandidaten schnell und kostengünstig aufzuklären. Die objektive Evaluierung des Wirkstoffs steht ganz im Vordergrund. Das Chorus-Team kultiviert eine Loyalität zu Experiment und wissenschaftlicher Methodik, nicht zum Produkt. Ob eine klinische Studie die Erfolgsaussichten eines Kandidaten erhöht oder nicht, ist für das Chorus-Team dabei irrelevant. Es geht darum, die kritischen Experimente ("Killerexperimente") so früh wie möglich durchzuführen, um Stop-Loss-Entscheidungen frühzeitig zu treffen und die wirklichen High-Potentials auszusieben. Der Chorus-Prozess beinhaltet: Definition der erforderlichen Daten, Ausarbeitung des einfachsten Studiendesigns, um an diese Daten zu gelangen, die kosteneffiziente Ausführung der Studien sowie die unvoreingenommene Auswertung der Daten.
Mit dem Chorus-Konzept konnten bei Eli Lilly Ausfallraten in späten Phasen deutlich vermindert, Entwicklungszeiten verkürzt und F&E-Kosten signifikant gesenkt werden. So stieg nach Einführung von Chorus die Erfolgsquote im Phase-II-Portfolio auf annähernd 50% und die durchschnittlichen F&E-Ausgaben bis zum Erreichen des POC sanken auf 6 Mio. USD pro NME im Vergleich zu 22 Mio. USD nach dem traditionellen F&E-Modell. Nach Modellrechnungen es Unternehmens lassen sich durch Verlagerung von 25% der Ausfallrate in Phase II auf Phase I rund 30 Mio. USD an F&E-Ausgaben (Cash) einsparen. Die entspricht einem Anstieg der Erfolgsquote in Phase II von 34% auf 41% und einem gleichzeitigen Rückgang in Phase I von 54% auf 45%.
Chorus erfährt nun in FIPNet ein Upscaling im Konzernmaßstab. In seiner Vorreiterrolle strahlt Eli Lilly bereits jetzt auf die gesamte Pharmaindustrie aus und wird weitere zahlreiche Nachahmer finden.
Outsourcing-Markt der Wirkstoffforschung
Traditionell wurde Outsourcing von der Pharmaindustrie vor allem in den späteren Phasen der Produktentwicklung zur Durchführung klinischer Studien und bei der Zulassung von Arzneimitteln in einzelnen Regionen genutzt. Aufgrund der Kostenintensität der klinischen Entwicklung entfällt zwangsläufig der Löwenanteil dieser Fremdleistungen auf Phase I bis III der pharmazeutischen Wertschöpfungskette. Gemessen an den gesamten F&E-Kosten der klinischen Phasen hält Outsourcing hier Anteile von 25-35%. Die Auslagerung von präklinischen Projekten hat in den letzten Jahren stark aufgeholt. Ihr Anteil in absoluten Zahlen ist zwar geringer, Outsourcing macht mittlerweile aber in der Präklinik (je nach Marktbeobachter) rund 30-50% der F&E-Kosten aus. Eine große Marktlücke klafft dagegen in der frühen Phase der Wirkstoffforschung. Externe Dienstleistungen kommen hier auf magere 8% der F&E-Kosten und bleiben weit hinter dem durchschnittlichen Marktanteil in späteren Phasen zurück. Entsprechend groß ist der Nachholbedarf.
% Outsourcing
1)Wettbewerber: Wuxi Pharma, Biofocus, AMRI, Syngene, PPD, Evotec sowie ca. 100 kleinere Unternehmen
2) WallStreet Research 2008; Evaluate Pharma; BioWorld
Quellen: Unternehmen, Montega
Der Gesamtmarkt für das Outsourcing in den beiden frühen Phasen Wirkstoffforschung (Drug Discovery) und Präklinik wird aktuell auf rund 6 Mrd. USD geschätzt. Der für Evotec relevante Teilmarkt des Outsourcing in der Wirkstoffforschung (Drug Discovery) erreicht eine Größe von rund 2,4 Mrd. USD und soll nach Einschätzung von Marktbeobachtern über die nächsten fünf Jahre mit Raten von 5-10% p.a. wachsen. Aufgrund der flachen Entwicklung der F&E-Ausgaben bei großen Pharmakonzernen und den Finanzierungsengpässen der Biotech-Branche wird das Wachstum hauptsächlich durch die
Restrukturierung der Pharmaindustrie getrieben, beruht also primär auf einer Marktpenetration der CRO auf Kosten der firmeneigenen Forschung.
Der Outsourcing-Markt in der Wirkstoffforschung ist hochgradig fragmentiert und zählt über hundert Anbieter. Wegen der unterschiedlich ausgeprägten Geschäftsmodelle lassen sich Marktanteile nur abschätzen Der größte Player ist WuXi AppTec, dessen Wirkstoffforschung sich im chinesischen Unternehmensteil (WuXi AppTec Co. Ltd., ehemals WuXi Pharmatech) konzentriert und einen Marktanteil von etwa 10% hält. Die nächst größeren Anbieter Albany Molecular Research Inc., Evotec und BioFocus (Galapagos) halten jeweils Marktanteile von deutlich unter 10%. In qualitativer Hinsicht zählen Evotec, BioFocus und WuXi zu den Top 3 im High-End-Segment des Wirkstoffforschungs-Outsourcing. Ihr technologischer Stand sowie Qualität, Breite und Integrationsgrad des Leistungsspektrums machen sie zu den wenigen CROs, die umfassende Lösungen in der Wirkstoffforschung anbieten können. Weitere bedeutende Outsourcing-Partner großer Pharmakonzerne sind Cerep, Syngene, PPD, Jubilant BioSys, Shanghai Medicilon, Pharmaron, Chemizon., u.a. Die Masse der Wettbewerber bietet im Low-End-Markt wenig integrierte, standardisierte Dienstleistungen in Niedriglohnländern an. Daneben findet sich eine größere Zahl von technologischen Spezialanbietern.
Mit Blick auf die starke Fragmentierung wird der Outsourcing-Markt in Zukunft von fortschreitenden Konsolidierungsprozessen gekennzeichnet sein. Die M&A-Aktivitäten werden dabei maßgeblich von technologischer Differenzierung und Kapazitätserweiterungen an kostengünstigen Standorten in Asien und Osteuropa getrieben werden. Es ist zu erwarten, dass die Initiative nicht nur von CROs in westlichen Industrieländern ausgehen wird, sondern zunehmend auch asiatische Akteure auf den Plan treten werden. Im Bieterwettstreit um Hochtechnologie-Spezialisten werden Auftragsforschungsunternehmen auf finanzstarke Pharmaunternehmen treffen.
Größtes Segment im Outsourcing-Markt der Wirkstoffforschung bilden nach einer Studie von Kalorama die Chemie-Dienstleistungen mit einem Umsatzanteil (2009) von rund 39%, gefolgt von Dienstleistungen in der Biologie mit 29%. Die Leitstrukturoptimierung hält einen Marktanteil von 24%, während das Hochdurchsatz-Screening (HTS) mit 8% das kleinste Marktsegment stellt. Dienstleistungen in der Biologie und Leitstrukturoptimierung bilden die beiden wachstumsstärksten Segmente. Der Teilmarkt für Hochdurchsatz-Screening gilt bei Standardleistungen als relativ gesättigt, verfügt jedoch in den beiden Bereichen High-Content-Screening (HCS) und spezialisierte Assay-Entwicklung über nachhaltiges Wachstumspotenzial.
Quelle: Kalorama Information
Der Schwerpunkt der globalen Pharmaindustrie verlagert sich von den USA und Europa zusehends in den asiatisch-pazifischen Raum. Vor diesem Hintergrund entwickelt sich der Outsourcing-Markt in Asien mit besonderer Dynamik. Die führenden internationalen Pharmakonzerne investieren im Rahmen ihrer dezidierten Offshoring-Strategie massiv in eigene Forschungsstandorte in China und bauen asiatische Netzwerke an Outsourcing-Partnern auf. Im Bereich der Wirkstoffforschung üben dabei aufstrebende chinesische
Anbieter den stärksten Wettbewerbsdruck auf westliche CROs aus, während die traditionellen Stärken der indischen Outsourcing-Partner hauptsächlich in der klinischen Entwicklung und - mit einigem Abstand - bei chemischen Syntheseleistungen zu finden sind. Mit dem Umbau der globalen Pharmaindustrie geht ein wachsender Technologieund Personal-Transfer nach China einher. Aktiv unterstützt wird diese Entwicklung durch die chinesische Regierung, die den Life Sciences Vorrang beim Aufbau des Dienstleistungssektors des Landes eingeräumt hat und 100 multinationale Konzerne anzusiedeln plant, um den Know-how-Transfer zu beschleunigen. In den letzten Jahren haben führende chinesische CROs ihr Leistungen zu zunehmend höher integrierten Angeboten ausgeweitet. Auch wenn Fee-for-Service-Leistungen bei weitem dominieren, beginnen einige chinesische Anbieter mit leistungsbasierten Verträgen unter Risikobeteiligung zu experimentieren. Um der Erosion von Wettbewerbsvorteilen vorzubeugen, werden westliche Unternehmen daher über die nächsten zehn Jahre auf eine konsequente Differenzierungsstrategie angewiesen sein.
WETTBEWERBSQUALITÄT
Hohe Reputation als Qualitätsführer im High-End-Markt
Das Unternehmen verfügt über eine industrialisierte Technologieplattform und umfangreiche Expertise in der Wirkstoffforschung, mit denen es die Entwicklung niedermolekularer Substanzen für seine Partner vorantreibt. Evotecs Leistungsspektrum deckt dabei den gesamten F&E-Prozess der Wirkstoffforschung - vom Screening über die Leitstrukturoptimierung und Präklinik bis hin zur klinische Entwicklung - nahtlos ab.
Voll integrierte F&E-Plattform vom Target bis zur Klinik
| Voll integrierte F&E-Plattform vom Target bis zur Klinik | ||||
|---|---|---|---|---|
| Screening | Hit-t o-lead |
Leitstruktur optimierung |
Präklinische Entwicklung |
Klinische Entwicklung |
| Assayentwicklung und Screening (u)HTS High-Content -Screening Electrophysiologie I n-silico-Screening Technologien Fragmentbasierte Wirkstoffforschung ChemischeProteomik Phosphoproteomik Quantitative Hochdurchsatz Massenspektrometrie |
Medizinalchemie Hit Expansion Bibliothekendesign Hochdurchsatz-Chemie Protein-Liganden Kristallographie I n-vitro-Biologie Frühe ADMET |
Medizinalchemie I n-vitro-Biologie Expertise bei Krankheiten u .Targetklassen Computergestützte Chemie und strukturbasiertes Wirkstoffdesign I n-silico-ADMET |
Kundenspezifische Synthese Analytische Entwicklung Prozessforschung u. -entwicklung Synthese i m Großmaßstab In-vivo- Pharmakologie |
Klinische Allianzen Klinisches Projekt management |
Quelle: Unternehmen
Mit seinem Leistungsangebot besetzt Evotec das High-End-Segment unter den Auftragsforschungsunternehmen (CROs) in der Wirkstoffforschung. Wir sehen Evotec dabei unter den Top 3-Playern, zusammen mit WuXi Apptec und BioFocus (Galapagos). Seine Qualitätsführerschaft und Wettbewerbsstärke beruht auf dem hohen Integrationsgrad seiner Leistungen, dem Zugang zu innovativen Technologien, einem erfahrenen Prozessmanagement sowie dem ausgezeichneten Track Record. Evotecs Kompetenzen umfassen die hoch spezialisierte Assayentwicklung, Spitzentechnologien wie High-Content-Screening und fragment-basiertes Wirkstoffdesign, fokussiertes Hochdurchsatz-Screening, eine weltweit führende Position in chemischer Proteomik und quantitativer Hochdurchsatz-Massenspektrometrie, hochkarätige Expertise in strukturbasiertem Wirkstoffdesign, Chemieinformatik und in silico Modelling in der Medizinalchemie sowie modernste Methoden der in vivo Pharmakologie (u.a. Zebrafisch-Screening). Ergänzt werden diese Fähigkeiten um große Kapazitäten im Compound Management und einem guten Standard in der in vitro ADMET.
Der Track Record des Unternehmens ist beeindruckend. Evotec blickt auf über 15 Jahre erfolgreiche Performance in Forschungsallianzen mit Pharma- und Biotechunternehmen zurück. Während dieser Zeit wurden für Kunden über 100 Leitstrukturserien, über 30 präklinische Kandidaten und mehr als 20 klinische Substanzen entwickelt. Die Bandbreite der Kompetenzen decken dabei alle bedeutenden Targetklassen (GPCR, Ionenkanäle, Kinasen, etc.) und wichtige Indikationsgebiete mit hohem Patientenaufkommen ab (Zentralnervensystem, Schmerztherapie, Krebserkrankungen, Entzündungen sowie Stoffwechselkrankheiten mit Fokus auf Diabetes). Auf Basis dieser Erfolgsbilanz hat sich Evotec eine hohe Reputation als Problemlöser in der Branche erworben und kann als eines der weltweit erfahrensten Auftragsforschungsunternehmen in der Wirkstoffforschung den Partnern aus der Pharmaindustrie auf Augenhöhe begegnen. Zu Evotecs Partnern zählen Weltklasse-Unternehmen wie Novartis, Biogen Idec, Roche, Genentech, Pfizer, Bayer und Boehringer Ingelheim sowie renommierte Institutionen wie die CHDI Foundation Inc. zur Erforschung des Nervenleidens Chorea Huntington. Allein die Liste der namhaften Partner kann als zuverlässige externe Validierung der Technologieplattform und Servicequalität des Unternehmens gelten. Die Global Player unter den Pharmaunternehmen vergeben Zuschläge wiederholt nur an Kandidaten, die nach eingehender Due Diligence-Prüfung als Top-Adresse bewertet werden.
Der hohe Integrationsgrad von Evotecs Leistungsspektrum und sein erfahrenes, auf Effizienz ausgerichtetes Prozessmanagement schaffen wirksame Eintrittsbarrieren im High-End-Markt gegenüber größeren Anbietern aus den USA und Westeuropa. Gleichzeitig sehen wir gegenüber der Mehrheit der Konkurrenten aus Fernost und osteuropäischen Ländern, die im Niedrigkosten-Sektor ein momentan noch wenig differenziertes Standardrepertoire offerieren, entscheidende Wettbewerbsvorteile in Evotecs Zugang zu innovativen Screening-Technologien, der überlegenen Qualität seiner Dienstleistungen, der langjährigen Erfahrung seines wissenschaftlichen Teams sowie der ausgezeichneten Erfolgsbilanz in der Wirkstoffentwicklung. Dies sind starke Verkaufsargumente. Vor dem Hintergrund jedoch, dass sich der Schwerpunkt der globalen Pharmaindustrie zusehends in den asiatisch-pazifischen Raum verlagert, führende Pharmakonzerne massiv in eigene Forschungsstandorte in China investieren und dort lokale Netzwerke an Outsourcing-Partnern aufbauen, sehen wir Evotecs Konkurrenzvorteile in den kommenden zehn Jahren einer Erosion ausgesetzt. Der mit dem Umbau der globalen Pharmaindustrie einhergehende Know-how- und Personal-Transfer, vornehmlich aus den USA nach China, wird Evotec zu einer konsequenten Differenzierungsstrategie auf technologischem Gebiet und zu weiteren Expansionen nach Asien zwingen.
| Leistungsbasierte Forschungsallianzen | ||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Fokus | Dealstruktur | Vertragslaufzeit | Meilensteine | Lizenzgebühren | ||||
| Onkologie, Schmerz Entzündung |
Leistungsbasierte, mehrjährige, Multi-Target Allianz. Signifikante Meilensteinzahlungen und Umsatzbeteiligung |
2004-2014 | + | einstellige Prozent |
||||
| Insulinsensibilisator | Diabetes, Fettleibigkeit und metabolisches Syndrom, Forschungszahlungen, €7Mio. Vorabzahlung, >€230Mio. Meilensteinzahlung, Umsatzbeteiligung |
Unbefristet - Basierend auf Projekt fortschritten |
+ | hohe einstellige Prozente |
||||
| ZNS, Huntington Krankheit | Mehrjährige Allianz, fokussiert auf den Kampf gegen die Huntington Krankheit. |
2006-2015 | - | |||||
| Verschiedene | Mehrjährige Allianz, fokussiert auf mehrere Targets. Meilensteinzahlungen |
In Verhandlung | + | |||||
| ZNS, Schmerz, andere | Mehrjährige Allianz, fokussiert auf mehrere Targets. Meilensteinzahlungen und Umsatzbeteiligung |
2004-2014 | + | + | ||||
| Betazell-Technologie (biologische Wirkstoffe) |
Typ 1 und 2 Diabetes, 5 Mio. Euro Vorabzahlung, > 250 Mio. Euro in Meilensteinzahlungen |
2010-2014 | + | hohe einstellige Prozente |
||||
| ungenannt | Leistungsbasierte, mehrjährige Allianz. Signifikante Meilensteinzahlungen und Umsatzbeteiligung |
Fortlaufend | + | + | ||||
| Verschiedene | Leistungsbasierte, mehrjährige, Multi-Target Allianz. Signifikante Meilensteinzahlungen und Umsatzbeteiligung |
2008-2013 | + | + | ||||
| Biomarker | Leistungsbasierte Allianz, fokussiert auf die Entwicklung von Biomarkern. |
Fortlaufend | + | + | ||||
| Verschiedene | Mehrjährige, Multi-Target-Allianzen. Meilensteinzahlungen |
2010-2013 | + | - | ||||
| ZNS | Leistungsbasierte, mehrjährige, Multi-Target Allianz, fokussiert auf ZNS-Targets. Meilensteinzahlungen und Umsatzbeteiligung |
2011-2014 | + | + | ||||
| Anämie | Leistungsbasierte Allianz, fokussiert auf Anämie Targets. Meilensteinzahlungen und Umsatzbeteiligung |
In Revision | + | + | ||||
| Endometriose | Leistungsbasierte, mehrjährige, Multi-Target Allianz fokussiert auf Endometriose Targets. Meilensteinzahlungen und Umsatzbeteiligung |
2012-2017 | + | + | ||||
| Meilensteinzahlungen und Umsatzbeteiligung |
Quellen: Unternehmen, Montega
Strategische Investitionen in Technologie und Know-how
Angesichts eines dynamischen Wettbewerbsumfeldes im hoch fragmentierten Markt für Outsourcing-Dienstleistungen, der geprägt ist von Preisdruck, technologischen Zyklen, Konzentrationsprozessen und einer auch in puncto Know-how aufstrebenden Konkurrenz in China, verfolgt Evotec aus unserer Sicht eine bislang überzeugende Differenzierungsstrategie, um seine Qualitäts- und Technologieführerschaft zu halten und auszubauen. Das Management investiert kontinuierlich in die Modernisierung und
Erweiterung seines Leistungsspektrums und sucht, systematisch Synergiepotenziale zum bestehenden Technologieangebot zu heben. Die Maßnahmen reichen von technologischen Upgrade-Initiativen der bestehenden Infrastruktur, über Kooperationen mit führenden Anbietern modernster, komplementärer Technologien bis hin zu Akquisitionen von Innovationsführern der Branche. Wie das jüngste Beispiel des von GlaxoSmithKline übernommenen Heidelberger Proteomik-Dienstleisters Cellzome zeigt, steht Evotec dabei zumindest teilweise im Bieterwettbewerb mit großen Pharmaunternehmen. Mit erwarteten liquiden Mitteln in Höhe von rund 60 Mio. Euro Ende 2012 und einem profitablen Servicegeschäft hält Evotec eine ausgezeichnete Wettbewerbsposition in einer chronisch unter Liquiditätsdruck stehenden Biotechbranche und ist bestens gerüstet für weitere bedeutende Investitionen.
Hinsichtlich der technologischen Profilierung und des mittel- bis langfristigen Wachstumspotenzials hat uns unter den strategischen Investitionen der letzten Jahre die Übernahme des Münchener Proteomik-Spezialisten Kinaxo Biotechnologies GmbH im Februar 2011 mit am meisten beeindruckt. Mit der Akquisition hat sich Evotec auf einen Schlag eine weltweite Spitzenposition im Bereich chemischer Proteomik, Phosphoproteomik und quantitativer Hochdurchsatz-Massenspektrometrie gesichert. Kinaxos Expertise auf diesen Gebieten ist erstklassig. Evotec erschließt sich mit diesen Technologien den Wachstumsmarkt der Diagnostik und personalisierten Medizin in seinem therapeutischen Kerngeschäft der Onkologie. Das größte Potenzial sehen wir dabei mittel- bis langfristig in der Anwendung der Technologie PhosphoScout® zur Entwicklung von Biomarkern für zielgerichtetet Krebsmedikamente. Diese Begleitdiagnostika (Companion Diagnostics) dienen der Vorhersage über die beste Dosierung und Wirksamkeit zielgerichteter Krebsmedikamente und bilden die Basis für die Entscheidung, welche Patienten am ehesten für die Behandlung in Frage kommen und davon profitieren (Patientenstratifizierungen). Kinaxos Expertise adressiert damit einen der akutesten Engpässe in der Entwicklung von Krebsmedikamenten. Eine Forschungsallianz mit Roche zur gemeinsamen Entwicklung von Biomarkern konnte Evotec kurz nach der Übernahme bereits im Juni 2011 abschließen. Angesichts des vielfach zu erwartenden Blockbusterstatus der Krebstherapeutika ist das Marktpotenzial für Companion Diagnostics enorm. Die Marksituation bleibt allerdings aufgrund der hohen regulatorischen und statistischen Herausforderungen in der Biomarker-Entwicklung schwer überschaubar.
Zusammen mit den beiden anderen Technologien – Cellular Target Profiling® und KinAffinity® - bietet KInaxo eine Palette an komplementären Werkzeugen, die sich über die gesamte Wertschöpfungskette der Wirkstoffforschung von Evotec integrieren lassen (Analyse von Wirkmechanismen, Nebenwirkungs- und Seletivitätsprofilen, Target Deconvolution, Selektion klinischer Kandidaten, Targetidentifizierung, Vorhersage der Wirksamkeit etc). Inwieweit sich diese Synergien bereits kurzfristig heben lassen und in einer expandierenden Geschäftstätigkeit niederschlagen, bleibt jedoch abzuwarten. Bei Akquisition hatte Kinaxo bereits Profitabilität erreicht und 2011 Umsätze von ca. 2,5 Mio. Euro erzielt. Kinaxos Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr lag bei stolzen 30%.
Der Kaufpreis von insgesamt rund 12 Mio. Euro setzt sich zusammen aus einem Baranteil von 3 Mio. Euro und 2.597.400 Aktien aus genehmigtem Kapital sowie einer erfolgsabhängigen Zahlung von bis zu 4 Mio. Euro in bar, die an das Erreichen von Meilensteinen innerhalb des gemeinsamen Businessplanes geknüpft sind.
Im Mai 2012 konnte Evotec durch die strategische Allianz mit der Schweizer 4-Antibody AG das seit langem verfolgte Ziel, den einseitigen Fokus seines Outsourcing-Geschäftes auf niedermolekulare Substanzen zu überwinden und den Einstieg in den lukrativen Markt für Antikörper-Therapien zu finden, endlich in die Tat umsetzen. Durch die Kooperation wird Evotec künftig voll integrierte F&E-Leistungen für Antikörper anbieten können. Beide Partner kombinieren ihre jeweiligen proprietären Technologieplattformen und ermöglichen so das Screening großer Antikörperbibliotheken auf Funktionalität und Aktivität. Die Kollaboration verbindet 4-Antibodys Hochdurchsatz-Technologie zur Antikörperexpression in B-Lymphozyten mit Evotecs zellbasiertem High-Content-Screening. In Anbetracht der Bedeutung antikörperbasierter Therapien gerade in den Bereichen Onkologie und Entzündungskrankheiten sehen wir ausgeprägte
Synergiepotenziale zu Evotecs Krankheitexpertise auf diesen Gebieten. Evotec leistet an 4- Antibody eine Vorabzahlung in Höhe von 2 Mio. Euro, die vollständig durch zukünftige Gewinne erstattet wird. Beide Partner haben eine Teilung der Gewinne aus gemeinsamen Projekten vereinbart.
Hohe F&E-Effizienz als substanzieller Kostenvorteil für Kunden
Die externe Vergabe von F&E-Aktivitäten bietet Biotechnologie- und Pharmaunternehmen den entscheidenden Vorteil, dass ein hoher Fixkostenblock in variable Kosten überführt werden kann. In einem zeitkritischen und von technologischen Zyklen geprägten Wettbewerb müssen intern keine Kapazitäten und Infrastrukturen aufgebaut bzw. vorgehalten werden, sondern Engpässe im F&E-Prozess an relevanten Technologien und fachlicher Expertise können kurzfristig in den jeweils benötigten Kapazitäten flexibel eingekauft werden. Durch Outsourcing umfangreicher Leistungspakete ist es den langjährigen Evotec-Partnern Boehringer Ingelheim und UCB beispielsweise gelungen, in kurzer Zeit eigene Wirkstoffprogramme in den neuen Indikationsbereichen Onkologie bzw. Zentralnervensystem aufzubauen. Der seit Jahren zu beobachtende Trend geht verstärkt in Richtung Outsourcing ganzer Leistungsspektren im Rahmen von Großaufträgen. Wir erwarten, dass Evotec als Anbieter integrierter Wirkstoffforschungsleistungen von der Targetidentifizierung bis zum Einreichen der IND dabei in überproportionalem Maße profitieren wird.
Derzeit werden weltweit Dienstleistungen in der Auftragsforschung immer noch weit überwiegend auf einer Fee-for-Service-Basis angeboten. Die Vergütungen werden bei dieser Vertragsgestaltung selbst dann fällig, wenn der Service zu keinen Entwicklungserfolgen führt. Dies bedeutet, dass Pharmaunternehmen bei dieser Art von Outsourcing-Geschäften routinemäßig für Fehlschläge in voller Höhe bezahlen und branchenweit betrachtet - sogar vielfach wiederholt für dieselben Misserfolge, was teuer und ineffizient ist. Mit seinen erfolgsorientierten, integrierten Verträgen ist Evotec bereit, mit seinen Partnern ins Risiko zu gehen und bietet Kunden ein attraktives Anreizsystem: Evotec offeriert seine Dienstleistungen auf Basis von FTE-Raten an, die rund 30% unter denen eines voll integrierten Pharmaunternehmens bei interner Durchführung zu Fixkosten liegen. Bei Erreichen vordefinierter Entwicklungsziele stehen Evotec Boni in Form von Meilensteinzahlungen zu. Je nach Vertrag werden Evotec auch Umsatzbeteiligungen (Royalties) aus der Vermarktung des Endprodukts gewährt. Diese Anreize schaffen im Erfolgsfall ein erhebliches Upside für den Dienstleister, das die niedrigen FTE-Raten mehr als kompensiert. Die Höhe der Meilensteinzahlungen berücksichtigt dabei übliche Projektausfallraten. Insgesamt ergibt sich so eine Win-Win-Situation für beide Vertragspartner. Selbst bei Abbruch eines Wirkstoffprojektes profitiert der Auftraggeber von den deutlichen niedrigeren FTE-Raten des Serviceanbieters, was insgesamt zu einer wesentlichen Kostensenkung und gesteigerten Effizienz im präklinischen F&E-Prozess beiträgt.
Substanzielle Kostenvorteile hebt Evotec aber vor allem über ein erfahrenes, intelligentes Prozessmanagement, das bei der Ausführung von Kundenaufträgen systematisch auf frühzeitige Stop-Loss-Entscheidungen setzt, um vermeidbare Sackgassen in der Entwicklung und drohende Fehlinvestitionen schnell zu kappen. Das Design der Prozesse hat Evotec dahingehend optimiert, dass möglichst viele dieser Stop-Loss-Punkte möglichst schnell erreicht werden. Wenig aussichtsreiche Wirkstoffkandidaten scheitern somit früher und weniger teuer. Nur qualitativ hochwertige Wirkstoffkandidaten, die einer rigorosen Evaluierung in frühen kritischen Experimenten ("Killerexperimente") standgehalten haben, erhalten ein "Go" für die kostenintensiven späteren Phasen. Evotec setzt damit konsequent eine F&E-Strategie um, die Eli Lillys Pioniereinheit Chorus zu eindrucksvollen Erfolgen geführt und zu einem branchenweit nachgeahmten Vorbild für die gegenwärtige Welle an Restrukturierungsmaßnahmen werden ließ. Durch das Chorus-Konzept konnten Ausfallraten in klinischen Phasen deutlich vermindert, Entwicklungszeiten verkürzt und F&E-Kosten substanziell gesenkt werden. Die Kosten- und Zeitersparnis, die mit Evotecs erfahrenem Prozessmanagement erreicht werden können, halten wir in ihrem Umfang für signifikanter als Kostensenkungen, die mittels Outsourcing einzelner Standardleistungen an Fee-for-Service-Anbieter in Niedriglohnländern realisiert werden können. In Evotecs
Qualitätssicherung und Prozessmanagement sind über 15 Jahre an Projekterfahrung eingeflossen. Mit Blick auf die dynamische Entwicklung des Wettbewerbs in Asien gehen wird davon aus, dass Evotec diesen entscheidenden komparativen Konkurrenzvorteil aufgrund seines Erfahrungsvorsprungs noch 5-8 Jahre wird halten können.
Evotecs Unternehmensstrategie kombiniert westliche Hochtechnologie mit asiatischen Kostenvorteilen
Unter dem wachsenden Wettbewerbsdruck aus Niedriglohnländern in einzelnen Bereichen der Wirkstoffforschung wie Medizinalchemie und ADMET hat das Unternehmen bereits Möglichkeiten ausgeschöpft, um Kostenvorteile in asiatischen Ländern zu heben, z.B. im Jahr 2009 durch die Akquisition von RSIPL in Thane (Indien), einem Serviceanbieter auf dem Gebiet der Synthesechemie. An dem Unternehmen hält Evotec inzwischen 100% der Anteile. Die Gehälter der indischen Synthesechemiker machen nur einen Bruchteil der Personalkosten in westlichen Industrieländern aus. Mit strategischen Kapazitätserweiterungen an kostengünstigen Standorten in Asien und Osteuropa plant das Management auch künftig, globale Kostensynergien zu nutzen und die Attraktivität der Infrastruktur für Großaufträge internationaler Pharmakonzerne zu erhöhen. Neben der Bereitstellung flexibler Kapazitäten verstärkt das Outsourcing die erwünschte Faktenorientierung, indem es die nüchterne Perspektive von Außenstehenden beisteuert.
Integrierte Forschungsallianzen schaffen hohes, langfristiges Upside
Leistungsbasierte Allianzen schaffen hohes, langfristiges Upside
Durch Ausweitung des höhermargigen Geschäftes in den Bereichen EVT Integrate (integrierte Forschungsallianzen) und EVT Innovate (Entwicklungspartnerschaften) erzielte Evotec in den vergangenen Jahren trotz des starken Umsatzwachstums Bruttomargen von 43-44%. Die beiden hochwertigen Geschäftsbereiche machen mittlerweile zwei Drittel des Umsatzes aus. Das niedrigmargige Segment EVT Execute hält einen Umsatzanteil von ca. 35%.
Das Basisgeschäft EVT Execute ist nach wie vor durch klassische Fee-for-Service-Dienstleistungen gekennzeichnet. Diese Art von Kontrakten enthält weder eine Risikokomponente, noch bieten sie ein kommerzielles Upside für den Dienstleister. Die Vergütung erfolgt üblicherweise auf einem FTE-basierten Vollkostensatz plus kalkulatorischem Zuschlag für Overheads und Gewinnmarge. Evotecs Bruttomargen in diesem Segment bewegen sich im Bereich 25-30%. Die Fee-for-Service-Kooperationen werden i.d.R. über eine Laufzeit von zwei Jahren geschlossen, beinhalten wenig integrierte Einzelleistungen und machen als Brot-und-Butter-Geschäft zahlenmäßig weiterhin das Gros in Evotecs Kundenbeziehungen aus.
EVT Integrate erzielt mit integrierten Forschungsallianzen dagegen weit höhere Bruttomargen von rund 40-50%. Im Rahmen dieser hochwertigen, integrierten Forschungsallianzen trägt Evotec gemeinsam mit seinen strategischen Partnern das
EVOTEC AG Wettbewerbsqualität
Entwicklungsrisiko für neue Medikamentenkandidaten. Prototypen dieser Art von Kooperation sind die langfristigen, erfolgreichen Partnerschaften mit Boehringer Ingelheim, UCB, MedImmune (inzwischen Teil von AstraZeneca) und Bayer mit Mindestvertragslaufzeiten von 3-4 Jahren. Der Partner steuert typischerweise das Target bei. Bei den Allianzen mit dem größten Upside handelt es sich um Multi-Target-Programme. Die von Evotec bereitgestellten Serviceleistungen decken weite Bereiche der Wertschöpfungskette ab und reichen von der Wirkstoffforschung, über die Präklinik bis zum Beginn der klinischen Entwicklung. Je nach Vertragsgestaltung können beide Parteien Anteile an den Patentrechten der gemeinsam entwickelten Substanzen halten. Entsprechend sind die Vertragskonditionen erfolgsorientiert gestaltet: Der Partner vergütet den gesamten F&E-Aufwand auf Vollkostenbasis (ohne Overheads). Darüber hinaus stehen Evotec erfolgsabhängige Meilensteinzahlungen in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe sowie Umsatzbeteiligungen (Royalties) von 2-4% zu. Die Höhe und Anzahl der Meilensteinzahlungen variiert je nach Partner und Target. Auslöser von Meilensteinzahlungen sind typischerweise Projektübergänge von der Medizinalchemie zur Leitstrukturoptimierung, der Abschluss der Präklinik, der Beginn klinischer Phasen sowie Zulassungen und Vermarktungserfolge.
Die leistungsbasierte Vertragsstruktur beinhaltet somit zu Anfang deutlich niedrigere Zahlungen, insbesondere für dir frühen Serviceleistungen in der Biologie. Evotec hat jedoch in späteren Projektstadien - ab der Medizinalchemie - die Chance, bei Entwicklungserfolgen durch Meilensteinzahlungen höhere Margen zu erzielen und langfristig substanziell am Produkterfolg zu partizipieren. Demgegenüber trägt Evotec auch einen größeren Anteil am Ausfallrisiko eines Wirkstoffes. Die Vertragskonditionen sind hinsichtlich der Ausfallrisiken so gewählt, dass sie im statistischen Mittel der Entwicklungsprogramme für Evotec lukrative Bruttomargen von rund 50% gewährleisten sollten.
Die Zahl der Multi-Target-Allianzen, die unter den leistungsbasierten, integrierten Kooperationen ein besonders hohes Upside bieten, konnte Evotec von drei (2008) auf zwölf (2011) steigern. Künftig strebt das Unternehmen pro Jahr den Abschluss zweier neuer Multi-Target-Allianzen an. Diese Zielmarke hatte Evotec bereits im vergangenen Jahr erreicht. 2011 wurden große Allianzen mit Roche (onkologische Biomarker) und UCB (Immunologie) vereinbart. Jüngste Erfolge sind der im Juli 2012 unterzeichnete Lizenz- und Kooperationsvertrag mit Janssen (Diabetes) und die im Oktober 2012 geschlossene Multi-Target-Allianz mit Bayer (Endometriose). Die Gesamtzahl der laufenden strategischen Allianzen mit hohem Upside-Potenzial hat sich damit auf insgesamt 14 erhöht, gegenüber 12 im Vorjahr. Aufgrund der Fluktuation bei Zu- und Abgängen unter den laufenden Verträgen rechnen wir daher mit einem Nettozuwachs von einer großen, integrierten Forschungsallianz pro Jahr im Portfolio der aktiven Kooperationen.
Evotec strategische Allianzen mit signifikantem Upside-Potenzial
Quelle: Unternehmen
EVT Innovate bietet innerhalb des Geschäftsmodells von Evotec das höchste Rendite-Potenzial. Hier bringt das Unternehmen als alleiniger Patentinhaber eigene Produktkandidaten aus Forschung und Präklinik in leistungsbasierte Entwicklungspartnerschaften ein und adressiert damit gezielt den Nachschubmangel in der Pharmaindustrie. Diese strategischen Allianzen entsprechen klassischen BiotechPharma-Lizenzdeals in frühen Entwicklungsphasen. Nach seinem Strategiewechsel in 2009 treibt Evotec die klinische Entwicklung seiner firmeneigenen Wirkstoffe nicht mehr im Alleingang, sondern stets in Allianzen mit finanzkräftigen Pharmapartnern voran, i.d.R. in Form einer Auslizenzierung. In Einzelfällen wird künftig auch ein Co-Funding erwogen. Evotec als exklusiver Inhaber der Rechte kann dabei höhere Meilensteinzahlungen und Umsatzbeteiligungen (Royalties) auf Basis seiner voll integrierten Wirkstoffforschungsplattform erzielen als bei seinen integrierten Forschungsallianzen.
Mit dem im September 2012 mit Aspireo unterzeichneten strategischen Beratungsvertrag hat Evotec im Bereich EVT Innovate ein neues Geschäftsmodell eingeführt, das auf virtuelle, projektfokussierte Unternehmen zielt, die sich auf nur ein Produkt spezialisiert haben. Diese projektfokussierten biopharmazeutischen Unternehmen werden von einem Management-Team geleitet, das sich auf ein Netzwerk von Outsourcing-Partnern und externen Beratern stützt, die projektbezogen nach Kompetenzprofil und Komplementarität ausgewählt werden, um eine hohe Kapitaleffizienz und kurze Entwicklungszeiten zu gewährleisten. Aspireo ist ein Pionier dieser biopharmazeutischen Unternehmensform und wurde von TVM Capital zur Entwicklung und Vermarktung des in Phase Ib befindlichen Somatoprim, einem neuen Somatostatin-Analogon (SSA) mit stark verbessertem pharmakologischen Profil, gegründet. Somatostatin-Analoga sind derzeit zur Therapie von Akromegalie, Karzinoidtumoren und des Cushing-Syndroms zugelassen und bergen darüber hinaus erhebliches Potenzial für die Behandlung diabetischer Retinopathie. Allein das marktführende Präparat Sandostatin® (Octreotid) von Novartis erzielte 2011 Umsätze von 1,4 Mrd. USD bei anhaltend kräftigem Marktwachstum. Im Rahmen des Vertrages wird Evotec Aspireo sowohl bei der präklinischen und klinischen Entwicklung als auch bei der Kommerzialisierung operativ und strategisch beraten. Für seine Dienstleistungen erhält Evotec Honorarzahlungen sowie eine Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg von Somatoprim. Ob Evotec künftig häufiger diese Art von strategischen Beratungsverträgen unterzeichnen wird, wird davon abhängen, wie weit sich das zugrundeliegende, innovative Konzept der Finanzierung projektfokussierter Unternehmen bei Venture-Capital-Unternehmen und spezialisierten Investoren durchsetzt.
Pharma-Portfolio - Hohes Renditepotenzial bei geringem finanziellen Risiko
Evotec verfügt über eine eigene, reife Medikamenten-Pipeline mit aktuell vier klinischen Entwicklungspartnerschaften in Phase I bis III. Bewertungsseitig bilden der Alzheimer-Wirkstoff EVT302 (Phase II) und das Diabetes-Medikament DiaPep277® (Phase III) die beiden maßgeblichen Werttreiber des Produktportfolios. Die therapeutischen Schwerpunkte der Pipeline liegen bei Erkrankungen des Nervensystems, Stoffwechselkrankheiten sowie Entzündungen und Schmerzen. Einige Produktkandidaten waren 2005/2006 von Roche einlizenziert worden (EVT302, EVT201, EVT101/103). Seit der Akquisition von DeveloGen und bestärkt durch die jüngsten Erfolge im Aufbau akademischer Netzwerke legt Evotec seinen Fokus auf die Entwicklung hoch innovativer First-in-Class-Medikamente.
Im Rahmen der Entwicklungspartnerschaften übernehmen die Pharmapartner i.d.R. die gesamten weiteren klinischen Kosten sowie die Vermarktung des Produktes. Evotec beschränkt sich künftig auf die Finanzierung der präklinischen Phasen seiner unverpartnerten Projekte und kann so sein F&E-Budget auf rund 10 Mio. Euro pro Jahr deckeln. Das finanzielle Risiko wird durch die entfallenden teuren klinischen Studien drastisch reduziert. Gleichzeitig winkt Investoren ein attraktives Upside, dessen Höhe sich nur noch nach den Umsatzperspektiven und den technischen Ausfallraten der Produktkandidaten bestimmt. Die Risikoreduktion hat allerdings ihren Preis: Evotec gibt seine Produktkandidaten noch vor Erreichen des Proof of Concept aus der Hand, der typischerweise in Phase II erreicht wird und wegen des überproportionalen Wertzuwachses gemeinhin als optimaler Zeitpunkt für Auslizenzierungen von Biotech-Unternehmen angesehen wird. Je nach Reifegrad der Substanzen bei Abschluss der Entwicklungspartnerschaft sowie Umsatzpotenzial, Indikation und Regionalmarkt schwanken die Dealvolumina zwischen zwei- und dreistelligen Millionenbeträgen, die Royalties zwischen mittleren einstelligen und niedrigen zweistelligen Prozentsätzen.
EVOTEC AG Wettbewerbsqualität
| Indikation | Partner | Wirkstoff | Status | Nächster Meilenstein |
Dealkonditionen | Umsatzpotenzial (in Euro) |
Markteintritt |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Diabetes Typ 1 | Teva/Andromeda | DiaPep277, Immunmodulator |
Phase III | Finale Daten der zweiten Phase III 2014/15e |
Meilensteine bis zu 40 Mio. Euro , mittlere einstellige Royalties |
500 Mio. bis 1,3 Mrd. |
2016e |
| Alzheimer´sche Erkrankung |
Roche | EVT302, MAO-B Inhibitor |
Phase IIb | Abschluss Phase IIb, Start Phase III |
Meilensteine bis zu 820 Mio.USD , bis zu zweistellige Royalties |
2-4 Mrd. | 2020e |
| Schlafstörungen | JingXin | EV T201, GabaA Modulator |
Phase II | Start Phase IIb in H2 2012 |
ungenannte Meilensteine , bis zu zweistellige Royalties |
80 Mio. | 2019e |
| Entzündungskrankheiten | Conba Pharmaceutical | EVT401, P2X7- Antagonist |
Phase I/II | Start Phase II | Meilensteine bis zu ca. 60 Mio. Euro , bis zu zweistellige Lizenzgebühren |
120 Mio. | 2020e |
| Schmerz | Pfizer | TRPV1-Antagonist | Präklinik | Start Phase I | Meilensteine >170 Mio. USD, zweistellige Royalties |
offen | offen |
| Diabetes | Boehringer Ingelheim | EVT070, Insulinsensibilisator |
Forschung | Präklinik | Meilensteine von bis zu 254 Mio. Euro, signifikante Royalties |
offen | offen |
| Diabetes | MedImmune/AstraZeneca | EVT770, biologischer Faktor der Betazell Regeneration |
Forschung | Präklinik | Meilensteine von bis zu 230 Mio. Euro, signifikante Royalties |
offen | offen |
| Diabetes | Janssen | CureBeta-Programm, Betazell Regeneration |
Forschung | Präklinik | Meilensteine bis zu 250 Mio. USD pro Produkt, bis zu zweistellige Royalties |
offen | offen |
behandlungsresistente Depressionen offen EVT101/103, NMDA-Antagonist Phase II neue Partnerschaft offen offen Neurodegenerative Erkankungen offen EVT 501, H3- Antagonist Präklinik Partnerschaft offen offen
Quellen: Unternehmen, Montega
Alzheimer-Therapie EVT302 - Abseits des Mainstreams zu Milliardenumsätzen
EVT302 ist ein hoch selektiver und potenter Hemmstoff des Enzyms Monoaminooxidase Typ B (MAO-B), das im Gehirn für den Abbau von Neurotransmittern wie Dopamin zuständig ist und als Nebenprodukt toxische, reaktive Sauerstoffradikale freisetzt, die das Nervengewebe schädigen. Bei Alzheimer-Patienten ist MAO-B in den Krankheitsherden um die Amyloid-Plaques stark angereichert. Eine selektive Blockade von MAO-B sollte daher zu einer Verringerung des oxidativen Stresses führen und - so die wissenschaftliche Hypothese - die Krankheitssymptome lindern und möglicherweise das Fortschreiten der Alzheimer´schen Erkrankung verlangsamen. EVT302 verfügt damit über einen potenziell krankheitsmodifizierenden Wirkmechanismus. Als MAO-B-Inhibtor der zweiten Generation besitzt EVT302 deutlich verbesserte pharmakologische Eigenschaften. Die oral verfügbare Substanz ist bereits in der klinischen Phase II erprobt und zeichnet sich durch ein hohe Sicherheit und gute Verträglichkeit aus. Zudem erfordert EVT302 keine Diäteinschränkung wie ältere MAO-B-Hemmer (keine Wechselwirkung mit Tyramin in Lebensmitteln). Der Wirkstoff war 2006 von Roche einlizenziert worden und zunächst als Mittel zur Raucherentwöhnung entwickelt worden, scheiterte jedoch später in dieser Indikation.
Im September 2011 unterzeichneten Evotec und Roche eine Partnerschaft über die Entwicklung und Kommerzialisierung des MAO-B-Inhibitors EVT302 (RG1577) in der Indikation Alzheimer´sche Erkrankung. Laut Lizenzvereinbarung wird Roche die gesamte klinische Entwicklung und Vermarktung des Wirkstoffs übernehmen sowie sämtliche damit verbundenen Kosten tragen. Angesichts des hohen Entwicklungsrisikos halten wir die Konditionen für sehr ausgewogen. Neben einer bereits 2011 geleisteten Vorauszahlung in
Höhe von 10 Mio. USD (6,9 Mio. Euro) stehen Evotec künftig Meilensteine von bis zu 170 Mio. USD für Entwicklungserfolge und bis zu 650 Mio. USD bei Erreichen vorgegebener Vermarktungsziele zu. Hinzu kommen abgestufte zweistellige Royalties aus den Verkaufserlösen des Medikaments.
Roche startete mit EVT302 im September 2012 eine großen Phase IIb-Studie an Alzheimer-Patienten. Die Ergebnisse dieser klinischen Prüfung erwarten wir Ende 2013/14. Mit dem Startschuss zur Phase III wird 2015 gerechnet.
Mit dem Target MAO-B besetzt Evotec eine strategische Nische in der weltweiten Entwicklung von Alzheimer-Medikamenten. Die Masse der Wettbewerber zielt hingegen auf den beta-Amyoid-Signalweg und dessen Targets, mit Anti-Amyloid-Antikörpern, BACE1-Inhibitoren, gamma-Secretase-Inhibitoren, Tau-basierten Therapien und Anti-Amyloid-Impfstoffen. Für die beta-Amyloid-Hypothese gibt es bislang jedoch keinen klinischen Wirksamkeitsnachweis. Im Gegenteil: Die beiden am weitesten entwickelten Anti-Amyloid-Antikörper Bapineuzumab (J&J, Pfizer, Elan) und Solanezumab (Eli Lilly) enttäuschten 2012 in Phase III und versetzten der Alzheimer-Forschung einen herben Rückschlag. Die Ursachen der Alzheimer´schen Erkrankung liegen nach wie vor im Unklaren.
Roche verfolgt mit dem Lizenzdeal eine Differenzierungsstrategie, die darauf abzielt, mit EVT302 (RG1577) in Mono- oder Kombinationstherapie eigene Alzheimer-Ansätze seiner ZNS-Pipeline zu ergänzen bzw. zu diversifizieren. Roches Alzheimer-Programm umfasst die beiden Anti-Amyloid-Antikörper Gantenerumab/RG1450 (Phase III) und RG7412 (Phase II), den BACE-Inhibitor RG7129 (Phase I) sowie Tau-basierte Therapien.
| Name | Unternehmen | Phase | Name | Unternehmen | Phase |
|---|---|---|---|---|---|
| Anti-Amyloid-Antikörper | γ-Secretase-Inhibitoren | ||||
| Bapineuzumab | Johnson & Johnson | III | NIC5-15 | Humanetics | IIb |
| Solanezumab | Eli Lilly | III | Avagacestat | Bristol-Myers Squibb | II |
| Gammagard | Baxter | III | CHF5074 | Chiese Farmaceutici | II |
| Gantenerumab | Roche | III | |||
| Crenezumab | Roche/Genentech | II | Tau-basierte Therapien | ||
| TRx-0237 | TauRx Therapeutics | II | |||
| BACE1-Inhibitoren | BMS-241027 | Bristol-Myers Squibb | I | ||
| ACI-91 | AC Immune | II | |||
| LY2886721 | Eli Lilly | I/II | Anti-Amyloid-Impfstoffe | ||
| MK-8931 | Merck & Co. | I | ACC-001 | Johnson & Johnson | II |
| E2609 | Eisai | I | CAD106 | Novartis | II |
| RG7129 | Roche | I | AFFITOPE AD02 | GlaxoSmithKline | II |
| ACI-24 | AC Immune | I/II | |||
| V950 | Merck & Co. | I |
Quelle: Nature Reviews in Drug Discovery (2012)
Für die medikamentöse Therapie von Alzheimer-Patienten sind derzeit am Markt fünf Arzneimittel zugelassen. Diese eignen sich allerdings nur zu einer kurzfristigen Behandlung kognitiver Symptome. Vier der Präparate sind Acetylcholinesterase-Hemmstoffe: Marktführer Aricept® (Donepezil), daneben Exelon® (Rivastigmin) und Razadyne® (Galantamin), sowie dem älteren, kaum noch verwendeten Tacrin. Bei schweren Formen der Alzheimer´schen Erkrankung kommt der NMDA-Antagonist Memantin (Akatinol® u.a.) zum Einsatz.
Umsatzpotenzial EVT302. Eisais Aricept® ist – mangels Alternativen – zum Goldstandard der Alzheimer-Therapie avanciert und erreichte als Symptombehandlung 2009 Peak Sales von 3,5 Mrd. USD. Die Schätzungen bei den Peak Sales für krankheitsmodifizierende Therapien, wie den beiden Anti-Amyloid-Antikörpern Bapineuzumab (J&J, Pfizer, Elan) und Solanezumab (Eli Lilly), reichten ursprünglich von 5 bis über 10 Mrd. USD pro Produkt. Für den MAO-B-Inhibitor EVT302, der ein völlig neuartiges Wirkprinzips in die Alzheimer-Therapie einführt, sehen wir je nach Art des therapeutischen Effektes (symptomatisch vs. krankheitsmodifizierend) Spitzenumsätze in einer Spannweite von 2,5 bis 5 Mrd. USD, umgerechnet rund 2 bis 4 Mrd. Euro p.a.
Hoch innovative Diabetes-Pipeline
Durch die Übernahme von DeveloGen im Jahr 2010 konnte Evotec sein Pharma-Portfolio um zwei neue Kernbereiche erweitern: den rasch wachsenden Markt für Stoffwechselerkrankungen, insbesondere Diabetes-Therapien, und den Zukunftsmarkt der regenerativen Medizin. Zusammen mit den bedeutenden Allianzen der jüngsten Vergangenheit hat Evotec damit als Biotech-Unternehmen eine der innovativsten Diabetes-Pipelines weltweit geschaffen. Die von Evotec verfolgten Behandlungsansätze zielen auf die kausalen Wurzeln von Diabetes Typ 1 und Typ 2, anstelle einer konventionellen Symptombehandlung oder Insulinersatztherapie. Die derzeit am Markt verfügbaren Standardtherapien können keine ausreichende Kontrolle des Blutzuckerspiegels herbeiführen. Sie sind mit Nebenwirkungen verbunden und verhindern insbesondere nicht das Fortschreiten der Erkrankung. Evotecs Wirkstoffe adressieren Targets und Wirkmechanismen, die potenziell krankheitsmodifizierend sind, d.h. in der Lage sind, den Krankheitsverlauf aufzuhalten oder sogar umzukehren und dadurch die diabetischen Komplikationen (Spätschäden) zu reduzieren oder gar ganz zu verhindern. Aufgrund ihres hohen Innovationsgrades sind die Substanzen mögliche Kandidaten für First-in-Class-Produkte. Vier Produktkandidaten sind bereits in frühen Stadien mit renommierten Pharmaunternehmen verpartnert worden:
- DiaPep277® (Phase III): ein peptidbasierter Immunmodulator zur Behandlung von Diabetes Typ 1, der die autoimmun bedingte Zerstörung der Insulin produzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse zurückdrängt. Lizenzpartner sind Andromeda/Teva (Meilensteine bis ca. 40 Mio. Euro, Royalties 5%). DiaPep277® wurde ursprünglich von dem israelischen Unternehmen Peptor entwickelt, das 2003 mit DeveloGen fusionierte.
- EVT070 (Forschung): eine neue Klasse von Insulinsensibilisatoren, welche die Insulinresistenz von Körpergewebe als primäre Ursache von Diabetes Typ 2 und Adipositas (Fettleibigkeit) verringern. Die oral verfügbaren, niedermolekularen Inhibitoren erhöhen die Metabolisierung von Kohlenhydraten und Lipiden, verbessern dadurch Blutzuckerspiegel und Lipidprofile, ohne eine Gewichtszunahme zu bewirken. Lizenzpartner ist Boehringer Ingelheim (Dealvolumen von bis zu 254 Mio. Euro, zuzüglich signifikante Umsatzbeteiligungen). EVT070 stammt aus der firmeneigenen Forschung. Das Target wurde von Evotec Göttingen (DeveloGen) identifiziert und validiert.
- EVT770 (Forschung): ein biologischer Faktor der Betazell-Regeneration, der gegen den Verlust von Betazellen in Diabetes Typ1 und Typ 2 entwickelt wird. Das therapeutische Protein erhöht die Masse und Funktion der Betazellen, indem es die Zellteilung und Neogenese der Insulin produzierenden Zellen stimuliert. EVT770 wurde zusammen mit einer Pipeline weiterer Faktoren der Betazellregeneration im Rahmen einer integrierten Forschungsallianz (EVT Integrate) mit MedImmune/AstraZeneca verpartnert (Meilensteine von bis zu 230 Mio. Euro, signifikante Royalties). Wie EVT070 stammt auch der biologische Wirkstoff EVT770 aus der firmeneigenen F&E und wurde von Evotec Göttingen (DeveloGen) identifiziert und validiert.
- CureBeta-Programm (Forschungsphase): die im März 2011 mit einer weltweit führenden Forschungsgruppe der Harvard Universität besiegelte Zusammenarbeit ist Evotecs größte Kooperation auf dem Gebiet der Betazell-Regeneration und sichert dem Unternehmen eine internationale Spitzenposition. Die Pipeline umfasst bereits eine umfangreiche Liste an Targetkandidaten und betazellaktivierenden, niedermolekularen Wirkstoffen. Mit der Auslizenzierung an Janssen Pharmaceuticals im Juli 2012 wurde frühzeitig ein Industriepartner zu attraktiven Dealkonditionen gefunden (Upfronts von 8 Mio. USD, Meilensteinzahlungen von 200-300 Mio. USD pro Produkt, zuzüglich Royalties).
DiaPep277® – als erstes Nicht-Insulin gegen Diabetes Typ1 auf dem Markt?
DiaPep277® Ist ein völlig neuartiger, immuntherapeutischer Ansatz zur Behandlung von Diabetes Typ 1. Diese Form der Diabetes wird verursacht durch eine – meist autoimmun bedingte – Zerstörung der Insulin produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse und führt letztlich zu absolutem Insulinmangel. Es gibt bis heute keine Therapie, die den Zerstörungsprozess der Betazellen verlangsamt oder aufhält. Seit Jahrzehnten ist die lebenslange, subkutane Injektion von Insulin die einzig verfügbare Therapie bei diesem Krankheitsbild. Es besteht daher ein dringlicher klinischer Bedarf an innovativen Behandlungsmethoden. Als peptidbasierte Immuntherapie dämpft DiaPep277® die Immunreaktion gegen Betazellen, wodurch deren Zerstörung gebremst und das Fortschreiten der Krankheit verlangsamt wird. Weitere therapeutische Vorteile liegen in einer verbesserten Diabeteskontrolle, einem verminderten Insulinbedarf und langfristig in einer Verringerung der diabetesbedingten Spätschäden (Bluthochdruck, Netzhauterkrankungen, Herzinfarkt, Schlaganfall, periphere arterielle Verschlusskrankheit, Nierenversagen). Im Gegensatz zum CureBeta-Programm ermöglicht der Therapieansatz jedoch keine Regeneration von Betazellen.
DiaPep277® ist ein synthetisches Peptid, das sich vom menschlichen Heat Shock Protein 60 (Hsp60) ableitet. Mechanistisch übt DiaPep277® seine immunverändernde Wirkung über den Toll-like Rezeptor 2 (TLR2) und T-Zell-Rezeptor (TCR) aus, was zu einer Aktivierung regulatorischer T-Zellen führt.
Die Entwicklung von DiaPep277® zielt zunächst auf das Marktsegment der neu diagnostizierten Diabetes-Typ1-Patienten, d.h. Patienten mit einem Rest an Betazellfunktion. Für diese Indikation wurde DiaPep277® im Mai 2012 der Orphan Drug Status durch die FDA zugesprochen, wodurch der Wirkstoff in den USA exklusive Marketingrechte für sieben Jahre erlangt. In der EU erwarten wir gleichfalls eine positive Entscheidung. Die Zahl der Patienten mit Diabetes Typ 1 ist im Steigen begriffen, insbesondere bei Kindern. Aus europäischen Studien ergibt sich ein Anstieg der Neuerkrankungsrate bei Kindern und Jugendlichen bis 14 Jahre von 3-4% pro Jahr. Eine künftige Entwicklung von DiaPep277® gerade für diese Altersgruppe hätte hohe klinische Relevanz und einen beachtlichen Effekt auf die erzielbaren Spitzenumsätze. Als weitere Zielgruppen für die Behandlung mit DiaPep277® werden Hochrisiko-Patienten für Diabetes Typ 1 sowie Patienten mit LADA (latent autoimmune diabetes in adults) angestrebt, einer relativ langsam voranschreitenden Form der Erkrankung bei Erwachsenen. Das Umsatzpotenzial für DiaPep277® bei neu diagnostizierte Diabetes-Typ1-Patienten sehen wir bei 500 Mio. Euro. Durch Ausweitung der Indikation auf Diabetes im Kindesalter, Hochrisiko- und LADA-Patienten können die Spitzenumsätze rund 1,3 Mrd. Euro erreichen.
Evotec hatte DiaPep277® im Rahmen der Akquisition von DeveloGen (Evotec Göttingen) 2010 erworben und die für den Wirkstoff bestehende Entwicklungspartnerschaft mit Andromeda Biotech und Teva fortgeführt. Die beiden israelischen Firmen sind allein für die Entwicklung, Zulassung und Vermarktung des Medikamentes verantwortlich und kommen für sämtliche Kosten auf. Seit Juni 2010 hält Teva die exklusiven weltweiten Lizenzrechte an DiaPep277®. Im November 2011 hatte die Substanz mit Erfolg eine erste zulassungsrelevante Phase III in der Indikation Diabetes Typ 1 abgeschlossen. Für die Marktzulassung werden von den Arzneimittelbehörden insgesamt zwei Phase-III-Studien gefordert. Dieser erste Phase-III-Erfolg löste eine Meilensteinzahlung von Andromeda/Teva in Höhe von 3,9 Mio. Euro aus, die voraussichtlich in Q4 2012 an Evotec geleistet werden. Den Grund für die Verzögerung bildet der momentane Finanzierungsdruck bei Andromeda angesichts kapitalintensiver klinischer Studien.
In der ersten zulassungsrelevanten Phase-III-Studie (DIA-AID1) erreichte DiaPep277® seine primären und sekundären Endpunkte: Neu diagnostizierte Diabetes-Typ1-Patienten, die zusätzlich zu ihrer regulären Insulininjektion DiaPep277® subkutan erhalten haben, erzielten eine signifikante Mehrausschüttung an körpereigenem Insulin, die anhand des Biomarkers C-Peptid gemessen wurde. Die Blutspiegel an C-Peptid lagen bei Gabe von DiaPep277® im Mittel 23,4% (p<0,05) über denen im Placeboarm (primärer Endpunkt). Darüber hinaus konnte ein höherer Anteil der Patienten eine adäquate Diabeteskontrolle
aufrechterhalten (45,5% vs. 35,7%, p<0,05), die anhand von HbA1c-Spiegeln bestimmt wurde. Patienten berichteten bei Verabreichung von DiaPep277® außerdem über einen reduzierten Insulinbedarf (p<0,05) und es traten weniger häufig Fälle von Hypoglykämie (p<0,05) auf (sekundäre Endpunkte). Der Wirkstoff erwies sich als gut verträglich und sicher. Es gab keine nennenswerten Unterschiede bei den beobachteten Nebenwirkungen zwischen den Studienarmen. In die Phase-III-Studie wurden insgesamt 457 neu diagnostizierte Patienten mit Diabetes Typ 1 aufgenommen (ITT) und über zwei Jahre behandelt. In der Behandlungsgruppe wurde DiaPep277® in einer Dosis von 1mg alle drei Monate subkutan verabreicht. Der von Andromeda bislang veröffentlichten statistischen Endauswertung liegen 338 Patienten zugrunde (modifizierte ITT). Für die Zulassung müssen Behandlungseffekte dagegen auf Basis der ITT-Population dokumentiert werden. Als kritisch für Umsatzpotenzial und Preisgestaltung werden Einsparungen beim Insulinbedarf, eine verbesserte Lebensqualität der Patienten sowie Hinweise auf eine günstigere Langzeitprognose hinsichtlich der Spätfolgen der Diabetes sein.
Die seit H1 2010 laufende zweite zulassungsrelevante Phase-III-Studie (DIA-AID2) zur Bestätigung der Daten hat die Rekrutierung von 475 Patienten im September 2012 abschließen können. Die finalen Ergebnisse dieser Studie werden in H2 2014/H1 2015 erwartet und lösen im Erfolgsfalle die nächste Meilensteinzahlung aus (rund 4 Mio. Euro). Sollte die zweite Zulassungsstudie die positiven Effekte der Immuntherapie bestätigen, könnte DiaPep277® als erste insulin-unabhängige Therapie für Diabetes Typ 1 überhaupt 2015/2016 auf den Markt kommen.
Nach den jüngsten Fehlschlägen bei gleich dreien seiner schärfsten Konkurrenten in Phase-III-Studien ist DiaPep277® mittlerweile das am weitesten entwickelte Nicht-Insulin-Medikament gegen Diabetes Typ 1. Die Konkurrenten sind um Jahre zurückgeworfen. Die Masse der Wettbewerber folgt in deutlichem Abstand in Phase II. Dank seiner Pole Position in dieser Wirkstoffklasse ("First in Class") hat das Medikament beste Chancen, es als erste insulin-unabhängige Therapie gegen Diabetes Typ 1 bis zur Marktreife zu schaffen.
| Medikament | Unternehmen | Wirkprinzip / Target | Status |
|---|---|---|---|
| DiaPep277 | Andromeda Biotech | Toll-like-Rezeptor 2 and T-Zell-Rezeptor | Phase III |
| Teplizumab | Macrogenics | Anti-CD3-Antikörper | Phase II/III |
| Diamyd | Diamyd Medical | Impfung mit Glutamat-Decarboxylase (GAD65) | Phase II |
| Prochymal | Osiris | mesenchymale Stammzellen | Phase II |
| Reparixin | Dompe | Inhibitor v. Chemokinrezeptor 2, IL-8-Rezeptor u. Chemokinrezeptor 1 | Phase II |
| Thymoglobulin | Genzyme | Anti-Thymozyten-Globulin | Phase II |
| XOMA 052 | XOMA | Anti-IL-1beta-Antikörper | Phase II |
| Ilaris (Canakinumab) | Novartis | Anti-IL-1beta -Antikörper | Phase II |
| Januvia und Prevacid | Sanford Health | Betazell-Erhaltung bzw. -Regeneration | Phase II |
| Alpha-Antitrypsin | mehrere Unternehmen | Protease-Inhibitor | Phase II |
| Amevive (Alefacept) | Astellas | immunosuppressives Peptid | Phase II |
| Quelle: Nature Biotechnology |
Im vergangenen Jahr enttäuschten die beiden Anti-CD3-Antikörper Teplizumab von Macrogenics/Lilly und Otelixizumab von Tolerx/GlaxoSmithKline in Phase III und versetzten der Suche nach wirksamen Immuntherapien gegen Diabetes einen empfindlichen Schlag. Die beiden Antikörper sollten die selbstreaktiven T-Zellen bei Diabetes-Typ1-Patienten stoppen. Auch die schwedische Diamyd Medical musste 2011 ein Scheitern der viel beachteten europäischen Phase-III-Studie mit Impfstoff Diamyd bekanntgeben. Der auf einer Impfung mit dem rekombinanten Enzym Glutamat-Decarboxylase (GAD65) beruhende Ansatz konnte ein Fortschreiten von Diabetes Typ 1 nicht aufhalten. Die parallel laufende US-Studie wurde daraufhin vorzeitig beendet.
CureBeta: Mit Harvard an die Weltspitze der Betazell-Forschung
Durch die im März 2011 ins Leben gerufene Forschungskooperation "CureBeta" mit der Harvard Universität und dem Howard Hughes Medical Institute (HHMI) sichert sich Evotec weltweit eine Spitzenposition in der Betazell-Forschung. Die Kooperation baut auf den Forschungserfolgen in den Laboren von Douglas Melton in Harvard auf, einem der international profiliertesten Stammzellforscher und Spezialisten für die Entwicklungsbiologie der Bauchspeicheldrüse. Ziel des CureBeta-Programms ist die Entwicklung völlig neuartiger, potenziell krankheitsmodifzierender Medikamente zur Behandlung von Diabetes Typ 1 und 2, die auf die Wiederherstellung der funktionellen Betazellmasse der Bauchspeicheldrüse gerichtet sind, um eine ausreichende körpereigene Insulinproduktion zu gewährleisten. Im Gegensatz zu stammzellbasierten Therapien, bei denen Zellmaterial transplantiert wird, verfolgt das CureBeta-Programm einen rein pharmakologischen Ansatz: Durch systematische Identifizierung der physiologischen Mechanismen und Targets, die eine Schlüsselrolle bei der Vermehrung (Replikation) von Betazellen spielen, sollen Wirkstoffkandidaten entwickelt werden, mit denen die Masse und Funktion der Insulin produzierenden Zellen im Körper des Patienten gesteigert werden kann. Im Fokus der Entwicklung stehen dabei oral verfügbare niedermolekulare Substanzen, neben biologischen Faktoren und Peptiden. Es gibt derzeit weder krankheitsmodifizierende Medikamente zur Behandlung von Diabetes auf dem Markt, noch finden sich substanzielle Wettbewerber in Spätphasen der Entwicklung. Die Substanzen des CureBeta-Programms haben beste Chancen als erste betazellregenerierende Medikamente auf den Markt zu gelangen ("First in Class") und ein völlig neues Therapieprinzip zu etablieren.
Kernstrategie der Zusammenarbeit mit Harvard ist der Abschluss von Entwicklungsallianzen mit pharmazeutischen Unternehmen, welche die Forschung finanzieren und die weitere klinische Entwicklung der Substanzen übernehmen. Obwohl sich die Kooperation mit Harvard in der Forschungsphase befindet, konnte mit dem Janssen-Lizenzdeal im Juli 2012 frühzeitig ein erster bedeutender Meilenstein erzielt werden (siehe unten), auf den weitere strategische Allianzen folgen sollen.
Das CureBeta-Programm überzeugt durch die hohen Synergien, die sich aus der Zusammenführung der wissenschaftlichen Pionierleistungen von Prof. Meltons Forschungsgruppe auf dem Gebiet der Stammzell- und Betazellbiologie und Evotecs weltweit führender Infrastruktur im Bereich des zellbasierten High-Content-Screenings (HCS) ergeben. Die technologischen Ressourcen wie auch die langjährige Expertise beider Institutionen sind aus unserer Sicht hochgradig komplementär und schaffen eines der größten und erfahrensten Teams in der Betazellforschung:
- Doug Melton, aufgrund seiner bahnbrechenden Arbeiten 2007 und 2009 vom Time Magazine zu den hundert einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt gezählt, wird als strategischer Berater für Evotec agieren und steuert über seine Harvard-Forschungsgruppe bedeutende Assets bei: zahlreiche niedermolekulare Wirkstoffkandidaten mit spezifischer, Aktivität auf die Betazell-Replikation, HCSkompatible Assaysysteme zur Betazell-Replikation, eine umfangreiche Liste von Targetkandidaten sowie mehrere in vitro und in vivo Assays und Tiermodelle zur Selektion und Validierung betazellaktiver Wirkstoffe.
- Evotec Göttingen (vormals DeveloGen) kann auf über 15 Jahre Forschungserfahrung in der Betazell-Regeneration zurückblicken. Im Bereich der regenerativen Medizin hat Evotec um das Opera™-System als Kern der Einheit die weltweit wohl leistungsfähigste und modernste Technologieplattform für das High-Content-Screening primär- und stammzellbasierter Assays aufgebaut. Eine weitere Schlüsselkomponente der Plattform bildet die branchenweit führende Proteomikund Massenspektrometrie-Einheit. Damit ist Evotec in der einzigartigen Position, umfassende, voll automatisierte Analysen von Betazellgewebe im Hochdurchsatz-Screening und unter Auslesen mehrerer Parameter gleichzeitig durchzuführen (hochauflösende Expressionsprofile von Transkriptom und Proteom, High Content Functional Genetics, zellbasiertes Phänotyp-Screening, etc.)
CureBeta trägt Früchte: Neue Diabetes-Allianz mit Janssen Pharmaceuticals
Gut ein Jahr nachdem die CureBeta-Initiative mit Harvard ins Leben gerufen worden war, konnte Evotec bereits einen wichtigen kommerziellen Durchbruch auf Basis der Kollaboration erzielen und seine führende Position im Bereich innovativer Diabetestherapien weiter festigen: Im Juli 2012 unterzeichnete Evotec mit der Johnson & Johnson-Tochter Janssen Pharmaceuticals ein umfangreiches Lizenz- und Kooperationsabkommen. Im Rahmen dieser Auslizenzierung erhält Janssen exklusiven Zugriff auf ein Portfolio an niedermolekularen und biologischen Wirkstoffen, welche die Regeneration der Insulin produzierenden Betazellen stimulieren und so eine kausale Therapie von Diabetes ermöglichen sollen. Das Umsatzpotenzial des noch in der Forschungsphase abgeschlossenen Deals ist beachtlich. Die Vereinbarung löst eine Vorabzahlung in Höhe von 8 Mio. USD an Evotec aus. Zudem winken dem Unternehmen pro Produkt Meilensteinzahlungen in Höhe von bis zu 200-300 Mio. USD sowie Umsatzbeteiligungen aus künftigen Produktverkäufen. Sämtliche Lizenzzahlungen werden zwischen Evotec und der Universität Harvard entsprechend der Vereinbarung aus dem Vorjahr geteilt. Wir schätzen Evotecs Anteil auf 40-50%. Darüber hinaus leistet Janssen im Rahmen der Kollaboration direkte finanzielle Unterstützung für die laufende Forschung und frühe Entwicklungsarbeit. Diese Forschungszahlungen werden unmittelbar - wie im Bereich EVT Integrate – zur Steigerung der Umsatzerlöse beitragen. Mit dem Abkommen hat Evotec einen seiner wichtigsten Meilensteine für 2012 – mindestens eine strategische Allianz für frühe Wirkstoffe im margenstarken Segment EVT Innovate zu unterzeichnen – erreicht.
Neue Cure X-Pipeline: Fokus auf hoch innovative, regenerative Therapien
CureBeta bildet die Blaupause für eine ganze Reihe weiterer Cure X-Initiativen, mit denen Evotec sein Erfolgsmodell der Forschungsallianz mit internationalen Spitzenforschern und hochkarätigen akademischen Einrichtungen auf weitere chronische Erkrankungen ausweiten will. Im Fokus stehen dabei neuartige Behandlungsmethoden der regenerativen Medizin, die das Potenzial haben, den Krankheitsverlauf zu verbessern, und aufgrund ihres hohen Innovationsgrades über gute Chancen verfügen, als First-in-Class-Therapien den Markt zu erobern. Im Rahmen dieses Role-outs sucht Evotec Synergien mit therapeutischen Kernbereichen zu nutzen und konzentriert sich zunächst auf chronischdegenerative Begleiterkrankungen der Diabetes wie chronische Niereninsuffizienz und Herzversagen. Im Januar 2012 gab Evotec die zweite Allianz mit Harvard bekannt: CureNephron. Die Kooperation hat die Erforschung und Entwicklung neuer Biomarker und Therapieoptionen im Bereich der Nierenerkrankungen zum Ziel und wurde mit führenden Wissenschaftlern und Klinikern des Brigham and Women´s Hospital der Universität geschlossen. CureNephron entwickelt sich nach Aussage des Managements hoch produktiv und generiert aussichtsreiche Target- und Wirkstoffkandidaten. Marketingaktivitäten bei potenziellen Industriepartnern will Evotec daher zügig im September 2012 aufnehmen. Weitere akademische Forschungsallianzen auf den Gebieten der Herzerkrankungen (CureHeart) bzw. Nervenleiden (CureNeuron) befinden sich in der Planungsphase und werden intensiv geprüft. Für 2013 stellt das Management ein bis zwei neue Cure X-Allianzen in Aussicht. Evotec profitiert von diesen zusätzlichen Cure X-Plattformen in zweifacher Hinsicht: Einerseits generiert das Unternehmen im Geschäftsbereich EVT Innovate ein Portfolio an Frühphasen-Projekten, die künftig zur Auslizenzierung an Industriepartner bereitstehen. Andererseits entsteht dadurch im Bereich EVT Integrate die Infrastruktur für neue Forschungs- und Indikationsgebiete.
FINANZEN
Jüngste Performance – Erste neun Monate und drittes Quartal 2012
In den ersten neun Monaten 2012 konnte Evotec den Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 8% auf 64,2 Mio. Euro steigern (2011: 59,7 Mio. Euro). Positiv auf die Topline wirkte sich dabei insbesondere der Umsatzanstieg bei den Wirkstoffforschungsallianzen aus, neben Meilensteinzahlungen von Andromeda/Teva, Boehringer Ingelheim und Novartis, Vorabzahlungen aus der CureBeta-Partnerschaft mit Janssen sowie Beiträgen aus Akquisitionen und Fremdwährungseffekten. Der Gesamtbetrag aus Meilenstein-, Abschlags- und Lizenzzahlungen betrug dabei lediglich 16,0 Mio. Euro und fiel damit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum niedriger aus (VJ: 21,3 Mio. Euro). Die Umsatzbeiträge der beiden akquirierten Geschäftseinheiten Evotec München (Kinaxo Biotechnologies) und der Evotec San Francisco (Compound Focus), die im Vorjahr nur teilweise konsolidiert wurden, lagen bei 8,0 Mio. Euro (VJ: 4,4 Mio. Euro). Ohne die akquirierten Geschäfte wären die vergleichbaren Umsätze (like-for-like) um 2% gestiegen.
Noch im ersten Halbjahr 2012 hatte Evotec ein Umsatzwachstum von 26% bzw. ein Umsatzanstieg auf like-for-like-Basis von 14% gegenüber dem Vorjahr berichtet. Der Einbruch im dritten Quartal ist im Wesentlichen auf die Volatilität bei der Vereinnahmung von Lizenzzahlungen (Basiseffekt) zurückzuführen. Darüber hinaus machen sich Unterschiede in deren Verbuchung bemerkbar: Das dritte Quartal 2012 verzeichnete Umsätze von 22,2 Mio. Euro und damit einen Rückgang von 16% im Vergleich zum Vorjahresquartal. In Q3 2011 waren die Umsatzerlöse außerordentlich hoch ausgefallen, da Evotec eine Abschlagszahlung in Höhe von 6,9 Mio. Euro von Roche für die neue Entwicklungspartnerschaft von EVT302 in der Indikation Alzheimer´sche Erkrankung erhalten hatte. Ohne diese Vorabzahlung würden Evotecs Umsätze für das dritte Quartal 2012 um 14% über denen des Vorjahreszeitraumes liegen. Im Gegensatz zur Abschlagszahlung von Roche wird die in Q3 2012 von Janssen bezogene Upfrontzahlung mit der Universität Harvard geteilt und über einen Zeitraum von drei Jahren anteilig auf die Umsätze umgelegt.
Die Bruttomarge belief sich in den ersten neun Monaten auf 36,4% (2011: 48,4%) und erreichte im dritten Quartal 38,9%. Damit setzte sich der in den ersten beiden Quartalen beobachtete Aufwärtstrend der Marge weiter fort (Q1: 32,5%, Q2: 37,6%).
Nach einem operativen Verlust in Q1 konnte für die ersten neun Monate ein positives EBIT von 2,9 Mio. Euro erzielt werden (2011: 9,5 Mio. Euro). Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr erklärt sich vor allem aus dem erwähnten geringeren Umsatzanteil von Meilenstein- und Vorabzahlungen sowie dem Hochfahren der Kapazitäten im Bereich EVT Execute, der niedrigen Marge im Compound Management (Evotec San Francisco) und dem Umzug in den neuen "Manfred Eigen Campus" Anfang 2012. Zudem kam es im Vorjahr zu einer Wertaufholung bei immateriellen Vermögenswerten in Höhe von 1,5 Mio. Euro infolge der Unterzeichnung einer Entwicklungspartnerschaft für EVT401 im Bereich Tiergesundheit.
Quelle: Evotec AG
Geschäftsjahr 2012: Umsatzplus von 10-12% und Liquiditätsziele bestätigt
In seiner Adhoc-Meldung vom 19. Oktober hat Evotec seine bisherigen Prognosen für das operative Ergebnis 2012 nach unten korrigiert. Aufgrund einer Verschiebung von Meilensteineinkünften vom vierten Quartal 2012 ins Geschäftsjahr 2013 erwartet das Unternehmen, dass das operative Ergebnis vor Wertberichtigungen und Änderungen bei erfolgsabhängigen Kaufpreis-Komponenten (Earn-Out) im Geschäftsjahr 2012 geringer ausfallen wird als 2011. In seiner ursprünglichen Guidance war das Management für 2012 von einem höheren bereinigten Betriebsergebnis als im Jahr 2011 (5,8 Mio. Euro) ausgegangen.
Die Umsatz- und Liquiditätsziele für 2012 blieben hingegen unverändert bestehen: Das Management rechnet im laufenden Geschäftsjahr weiterhin mit einem zweistelligen Wachstum der Konzernumsätze auf 88-90 Mio. Euro (yoy: 10-12%). Die F&E-Aufwendungen sollen mit ungefähr 10 Mio. Euro in etwa auf Vorjahresniveau ausfallen. An Investitionen in das langfristige Upgrade von Evotecs Kapazitäten sind bis zu 10 Mio. Euro vorgesehen. Unter Annahme von gegenüber Ende 2011 unveränderter Wechselkurse soll die Liquidität zum Jahresende 2012 bei über 60 Mio. Euro gehalten werden (2011: 62,4 Mio. Euro). In diesen Prognosen sind Mittelabflüsse für eventuelle Akquisitionen noch nicht berücksichtigt.
Quelle: Evotec AG
Die zeitliche Verlagerung von Meilensteinen in das kommende Jahr und die dadurch bedingten Verschiebungen im operativen Gewinn sind Ausdruck der grundsätzlichen Schwankungen bei der Realisierung von Meilensteinen und immanenter Bestandteil des Geschäftsmodells von Evotec. Der Newsflow an erfolgreich abgeschlossenen Lizenz- und Kooperationsverträgen im zweiten Halbjahr belegt eindrucksvoll, dass die Fundamentaldaten des Unternehmens nach wie vor intakt sind. In unseren Prognosen sind wir hinsichtlich des Geschäftsverlaufes 2012 positiv gestimmt. Mit erwarteten Umsätzen in Höhe von 89,4 Mio. Euro bewegen wir uns im oberen Bereich der Guidance des Unternehmens. Der in den ersten drei Quartalen zu beobachtende Aufwärtstrend bei den Bruttomargen sollte sich fortsetzen. Nachdem die Bruttomarge im ersten Halbjahr durch Anlaufkosten für den Ausbau der Infrastruktur und das Hochfahren der Kapazitäten vorübergehend unter Druck geriet (H1 2012: 35,2%), gehen wir bei anziehenden Serviceumsätzen von einer verbesserten Kapazitätsauslastung in H2 aus. Zusammen mit Upfront- und Meilensteinzahlungen aus den Geschäftsbereichen EVT Integrate und EVT Innovate erwarten wir daher eine gegenüber H1 höhere Bruttomarge im zweien Halbjahr von ca. 39% und für das Gesamtjahr ein Marge von rund 37%. Nach unseren Erwartungen für 2012 sollte das Betriebsergebnis mit 4,5 Mio. Euro (operative Marge von 5%) solide ausfallen. Wegen der hohen Vorabzahlungen in H2 und der sich daraus ergebenden Zunahme der Umsatzabgrenzungen wird der operative Cashflow signifikant höher liegen (16,9 Mio. Euro). Unsere optimistischen Prognosen stützen wir auf folgende Faktoren:
- 2011 hatte Evotec den Großauftrag eines namentlich nicht genannten, USamerikanischen Top-5-Pharmakonzerns für sich gewonnen. Der Auftrag ist langfristig angelegt und sieht konzernweit in signifikantem Umfang das Outsourcing in den Bereichen Counterscreening und Proteinproduktion für Testsysteme (Targetexpression) vor. Nach einer erfolgreichen Anlauf- und Einarbeitungsphase befindet sich der Großauftrag nun im Role-out und wird Zug um Zug auf eine wachsende Anzahl von Projekten ausgeweitet. Um die erforderliche Infrastruktur für die langfristige Kooperation bereitzustellen, waren umfangreiche Vorabinvestitionen erforderlich, die zwischenzeitlich die Bruttomarge drückten. Mit den nun anziehenden Serviceumsätzen werden Kapazitätsauslastung und Bruttomarge sukzessive ansteigen (EVT Execute).
- Das im Juni 2011 von BioFocus erworbene Unternehmen Compound Focus, das auf die automatisierte Verwaltung von Substanzbibliotheken (Compound Management) spezialisiert ist, erzielte in den ersten sechs Monaten 2012 lediglich eine Bruttomarge von 15%. Nachdem im September einer der bedeutendsten Kunden, die amerikanische Gesundheitsbehörde National Institutes of Health (NIH), den bestehenden Service-Vertrag verlängert hat (Laufzeit bis zu zehn Jahre, bei einem geschätzten Gesamtvolumen der Umsätze von bis zu 60 Mio. Euro), erwarten wir für die zweite Jahreshälfte einen Anstieg der Marge auf über 25%. Damit erreicht die neue Geschäftseinheit Evotec San Francisco die Mindest-Bruttomarge, die das Management für EVT Execute voraussetzt. Der temporäre Rückgang der Marge ist bedingt durch Anlaufkosten im Zusammenhang mit dem Zukauf neuer Verbindungen und dem Ausbau der Substanzbibliotheken.
- Zum 1. Oktober 2012 sind Evotec und Bayer eine Multi-Target-Allianz eingegangen. Für die auf fünf Jahre angelegte Zusammenarbeit wird Evotec in Q4 eine stattliche Vorauszahlung in Höhe von 12 Mio. Euro erhalten. Wir gehen davon aus, dass der Betrag über die fünfjährige Laufzeit linear als Umsatz realisiert wird (EVT Integrate).
- In Q3 2012 konnte Evotec 8 Mio. USD an Upfrontzahlung aus dem Lizenzdeal mit der Johnson&Johnson-Tochter Janssen Pharmaceuticals vereinnahmen. Rund die Hälfte davon wird Evotec an die Harvard Universität, dem Partner im Rahmen des CureBeta-Programms, weiterreichen. Die Vorauszahlung wird über drei Jahre linear auf die Umsatzerlöse umgelegt werden. Zudem finanziert Janssen die laufenden Forschungsarbeiten, was noch in 2012 unmittelbar zu Serviceumsätzen aus diesem Großauftrag führen wird (EVT Innovate).
- Bis Ende des Jahres erwartet Evotec noch mindestens einen "signifikanten Deal" abzuschließen.
Ausblick bis 2016: Rasantes Wachstum und operative Marge von 15% angepeilt
Im Rahmen seines Aktionsplans 2016 hat sich das Unternehmen ambitionierte Ziele gesetzt. In den kommenden Jahren rechnet Evotec mit einem zweistelligen jährlichen Umsatzplus und strebt spätestens bis 2016 eine Verdoppelung der Umsatzerlöse durch organisches Wachstum an. Für das operative Ergebnis peilt das Unternehmen bis zum Ende des Zeitraums eine EBIT-Marge von rund 15% an und erwartet durch den Markteintritt von mindestens einem Medikament die Qualität seines Umsatzmixes aus Service und Meilensteinzahlungen um erstmalig hinzukommende Umsatzbeteiligungen (Royalites) zu verbessern. Für unverpartnerte Wirkstoffprojekte sieht das Management bis 2016 ein F&E-Budget von jährlich rund 10 Mio. Euro vor.
Aufgrund der Dynamik bei der Akquise von Großaufträgen sehen wir Evotec in den kommenden Jahren auf einem höheren Wachstumspfad. Allein in den in den Bereichen EVT Execute (Fee-for-Service) und EVT Integrate (leistungsbasierte Forschungsallianzen) sollte Evotec 2013-2016 mit einem erwarteten jährlichen Umsatzplus von 13-15% das durchschnittliche Marktwachstum von 5-10% weit übertreffen. Infolge der Akquisition von Compound Fokus und des Großauftrags bei Counterscreening und Proteinexpression rechnen wir 2012-2015 mit einem höheren Anteil des Fee-for-Service-Geschäftes, was die Bruttomarge in den nächsten Jahren unter die Höchststände der Jahre 2010/2011 von 43- 44% drücken sollte. Mit dem sich einstellenden höherwertigen Nachfolgegeschäft und der verbesserten Kapazitätsauslastung erwarten wir jedoch einen sukzessive Anstieg der Bruttomarge von 37% auf 42%. F&E-Aufwendungen sollten über die nächsten Jahre eine flache Entwicklung zeigen (durchschnittlich rund 10 Mio. Euro), während Vertriebs- und Verwaltungskosten im Zuge verstärkter Business-Development-Aktivitäten mit mittleren bis höheren einstelligen Prozentsätzen wachsen sollten. Ungeachtet möglicher klinischer Meilensteine aus dem Bereich EVT Innovate sollte bis 2015 eine operative Marge von 17% erzielbar sein.
In unseren Prognosen unterstellen wir darüber hinaus eine substanzielle Meilensteinzahlung (20 Mio. Euro) bei Start der Phase III in der Indikation Alzheimer durch Roche (EVT Innovate), die 2015 zu einem steilen Umsatzplus von 32% und einer ungewöhnlich hohen operative Marge von 28% führen kann.
Aus unserer Sicht werden folgende Werttreiber die Geschäftsentwicklung 2012-2016 maßgeblich bestimmen:
Nach dem Lizenz- und Kooperationsvertrag mit Janssen im Juli 2012 konnte Anfang Oktober mit Bayer die zweite große, integrierte Forschungsallianz auf Multi-Target-Basis in diesem Jahr abgeschlossen werden. Die Gesamtzahl der laufenden strategischen Allianzen mit hohem Upside-Potenzial hat sich damit auf insgesamt 14 erhöht, gegenüber 12 im Vorjahr. Evotec plant das Portfolio an aktiven Multi-Target-Allianzen auch künftig um einen Nettozuwachs von mindestens einem neuen Deal pro Jahr zu erweitern. Das wachsende Portfolio lässt mit zunehmendem Projektfortschritt gesteigerte Einnahmen an Meilensteinen über die nächsten Jahre erwarten.
Evotec strategische Allianzen mit signifikantem Upside-Potenzial
- Die Expansion des Outsourcing-Geschäftes mit einem großen US-Pharmakonzern im Bereich Counterscreening und Proteinproduktion für Testsysteme (Targetexpression) sollte n. u. E. rasant mit zweistelligen Wachstumsraten und unter Nutzung von Economies of Scales und Lernkurveneffekten - mit verbesserten Bruttomargen voranschreiten. Anfangs noch relativ margenschwach, bildet dieses Fee-for-Service-Geschäft im Bereich EVT Execute die Ausgangsbasis, um mit fortschreitender Reife der Projekte lukrative Nachfolgeaufträge in der höhermargigen Strukturbiologie und Medizinalchemie (Proteinkristallographie, NMR, strukturbasiertes Wirkstoffdesign) bzw. leistungsbasierte, integrierte Forschungsallianzen auf Multi-Target-Basis im Geschäftsbereich EVT Integrate zu generieren.
- Das Erfolgskonzept des CureBeta-Programms mit Harvard "industrialisiert" Evotec, indem es in Form der Cure X-Initiativen systematisch ein Portfolio an hochkarätigen akademischen Partnerschaften aufbaut und deren Produktkandidaten frühzeitig durch strategische Allianzen mit Industriepartnern wie J&J/Janssen zu kommerzialisieren versucht. Für die im Februar 2012 begonnene CureNephron stehen bereits im September 2012 Marketingaktivitäten bei potenziellen Pharmapartnern an. Für 2013 stellt das Management ein bis zwei neue akademische Forschungsallianzen auf den Gebieten der Herzerkrankungen (CureHeart) bzw. Nervenleiden (CureNeuron) in Aussicht. Wir erwarten relativ zeitnah in den nächsten Jahren Lizenzverträge mit Pharmakonzernen zu ähnlich attraktiven Konditionen wie im Falle von J&J/Janssen.
- Auch bei den verpartnerten, klinischen Wirkstoffprojekten gelangt die Rendite in Sichtweite: Sollte Roche in seiner klinischen Phase IIb-Studie an Alzheimer-Patienten Ende 2013/2014e mit positiven Resultaten für MAO-B-Hemmer EVT302 aufwarten können, werden Evotec 2015e Meilensteinzahlungen von 15-30 Mio. Euro beim Start der ersten Phase-III-Studie in die Kasse fließen. Für das Diabetes-Präparat DiaPep277® werden 2014/2015e bei erfolgreichem Abschluss der zweiten Phase III Meilensteine von 4 Mio. Euro fällig. Erste Umsatzbeteiligungen aus Produktverkäufen der Immuntherapie gegen Diabetes erwarten wir nach einem Markteintritt 2015/16e (Peak Sales von ca. 500 Mio. Euro, Royalties 5%).
- Zudem erwarten wir aus den operativen Synergien mit den jüngsten Akquisitionen nachhaltige Impulse für das Umsatzwachstum. Durch die Erweiterung des Leistungsspektrums von EVT Execute um die Sparten Compound Management, quantitative Massenspektrometrie und chemische Proteomik sowie die Antikörper-Entwicklung (Kooperation mit 4-Antibody) schafft Evotec die kritische Masse an High-End-Serviceangeboten, um das hochwertige Geschäft (EVT Integrate) mit leistungsbasierten Multi-Target-Allianzen anzuziehen und seine hoch integrierte Technologieplattform auszulasten.
Bilanz
Die immateriellen Vermögensgegenstände bilden mit 111 Mio. Euro (per 30.09.2012) den wichtigsten Posten der Aktivseite. Neben Firmenwerten in Höhe von 43 Mio. Euro bestehen diese im Wesentlichen aus Know-How, Kundenlisten, Patenten und Lizenzen. Ein gewisses bilanzielles Risiko ergibt sich aus dem Vermögenswert des bislang nicht verpartnerten Wirkstoffes EVT101/103 (ca. 20 Mio. Euro), der 2011 von Roche an Evotec zurückgegeben wurde. Mit einer zusätzlich abgeschlossenen Langzeit-Toxikologie-Studie wurde das Profil der Substanz zwischenzeitlich weiter verbessert. Evotec bietet den Wirkstoff derzeit anderen Partnern zur weiteren klinischen Entwicklung an. Sollte sich kein Partner finden, dürfte Evotec das Programm einstellen und die Buchwerte abschreiben.
Die Sachanlagen betrugen zum 30. September 27,3 Mio. Euro. Bedingt durch ein umfangreiches Infrastruktur-Upgrade-Programm und den Umzug in den neuen "Manfred Eigen Campus" erhöhten sich die Sachanlagen in den ersten neun Monaten 2012 um 2,4 Mio. Euro.
Der größte Passivposten der Evotec AG ist das Eigenkapital in Höhe von 158,4 Mio. Euro (EK-Quote 70%). Dieses beinhaltet einen Bilanzverlust von 601,3 Mio. Euro, welcher auf
EVOTEC AG Finanzen
das alte Geschäftsmodell als unabhängiger, klinischer Medikamentenentwickler zurückgeht und 2009 mit 618,9 Mio. Euro seinen Höchststand erreichte. Die bestehenden Verlustvorträge in Höhe von 228 Mio. Euro für Körperschaftssteuer und 225 Mio. Euro für Gewerbesteuer in Deutschland verfallen nicht und werden in den kommenden Jahren in Form eines deutlich verringerten effektiven Steuersatzes nutzbar werden. 2011 erhöhte sich das gezeichnete Kapital, hauptsächlich infolge der Übernahme von Kinaxo, welche zum Teil aus genehmigtem Kapital (2,6 Mio. Aktien) finanziert wurde. Per 30.09. belief sich das gezeichnete Kapital auf 118,5 Mio. Euro. Auch die kurzfristigen Verbindlichkeiten stiegen im Zuge der genannten Akquisitionen zum Jahresende 2011 um 10 Mio. Euro auf 42,8 Mio. Euro an, konnten jedoch in den ersten neun Monaten 2012 leicht auf 40,2 Mio. Euro gesenkt werden. Reduziert wurden vor allem die kurzfristigen Rückstellungen.
Dies führte in Verbindung mit den noch ausstehenden Forderungen aus dem bereits in Q1 erreichten Andromeda/Teva-Meilenstein (3,9 Mio. Euro) und den in Q3 in Rechnung gestellten Meilensteinen, darunter Boehringer Ingelheim mit 2,5 Mio. Euro, zu einem deutlich Anstieg des Working Capital von 3,0 Mio. Euro zu Jahresbeginn auf 11,1 Mio. Euro Ende September. Die liquiden Mittel sanken in den ersten neun Monaten von 62,4 Mio. Euro auf 55,9 Mio. Euro. Die resultierende Nettoliquidität betrug 38 Mio. Euro. Aufgrund der darin noch nicht enthaltenen Meilensteinzahlungen von Adromeda/Teva, Boehringer Ingelheim und Novartis sowie der Vorauszahlung von Bayer in Höhe von 12 Mio. Euro dürfte der Liquiditätsbestand zum Jahresende den avisierten Wert von 60 Mio. Euro übersteigen.
Quelle: Unternehmen
BEWERTUNG
Die Bewertung nehmen wir nach der Sum-of-the-Parts-Methode (SOTP) vor. Dem Servicegeschäft der beiden Geschäftsbereiche EVT Execute und EVT Integrate legen wir ein klassisches DCF-Modell zugrunde. Die Bewertung der klinischen Entwicklungspartnerschaften im Bereich EVT Innovate erfolgt auf Basis risikobereinigter Nettobarwerte (rNPV), wie sie in der Biotech-Industrie Standard sind.
DCF-Modell für Servicegeschäft und präklinische Projekte
Unser DCF-Modell erfasst das Servicegeschäft mit Substanzen in der präklinischen Phase: Den Bereich EVT Execute mit dem Fee-for-Service-Geschäft und Bruttomargen von 25- 30%, EVT Integrate mit den integrierten Forschungsallianzen und seiner leistungsbasierten Vertragsstruktur (Bruttomargen 40-50%) sowie Evotecs eigene verpartnerte Projekte, sofern sie noch in der präklinischen Phase sind. Bei letzteren leisten Pharmapartner laufende Forschungszahlungen und präklinische Meilensteine ganz analog zu den integrierten Forschungsallianzen.
Aufgrund der dezidierten Strategie des Unternehmens, die Zahl der aktiv bearbeiteten integrierten Forschungsallianzen pro Jahr um mindestens eine Kooperation auszuweiten, gehen wir davon aus, dass der Anteil der resultierenden Vorab- und Meilensteinzahlungen an den Umsätzen mit dem allgemeinen Umsatzwachstum mindestens Schritt halten wird.
Unser DCF-Modell beruht auf organischem Wachstum und setzt ein kontinuierliches Upgrade der technologischen Infrastruktur voraus. Akquisitionen bleiben unberücksichtigt. Wir teilen unser DCF-Modell in drei Phasen. Den Detailprognosen der Jahre 2012-2015 mit rasantem, zweistelligem Wachstum (12-15%) und steigenden operativen Margen (5-17%) folgt eine Phase (2016-2018) mit abflachendem Wachstum sowie ein Terminal Value. Wir treffen dabei folgende Annahmen:
- WACC von 9,8% (nachhaltige Fremdkapitalquote von 10%, fundamentales Beta von 1,2, risikolose Rate von 2,5%, Marktrisikoprämie von 6,5%)
- langfristige operative Marge von 15%
- ein effektiver Steuersatz von rd. 11%, der die akkumulierten, hohen Verlustvorträge aus früherer Entwicklungstätigkeit in Höhe von 228 Mio. Euro für Körperschaftssteuer und 225 Mio. Euro für Gewerbesteuer berücksichtigt (Bilanzverlust: 619 Mio. Euro).
- terminale Wachstumsrate von 2%
Unser DCF-Modell ergibt für das Servicegeschäft mit Wirkstoffen in der präklinischen Phase einen Fairen Wert von 259,1 Mio. Euro.
rNPV-Bewertung der verpartnerten klinischen Pipelineprojekte
Evotecs eigene Wirkstoffprojekte werden in Entwicklungspartnerschaften mit Pharmaunternehmen vorangetrieben, welche die gesamten klinischen Kosten und die künftige Vermarktung übernehmen. Die maßgeblichen Werttreiber für das Produktportfolio sind: Zahl der Wirkstoffprojekte, vereinbarte Dealkonditionen, Umsatzpotenzial der Medikamentenkandidaten in den einzelnen Indikationen, Reifegrad Erfolgschancen und Markteintritt der Wirkstoffe sowie Patentlaufzeiten bzw. die Dauer der Vermarktungsexklusivität im Falle von Orphan-Drug-Medikamenten (DiaPep277®).
| rNPV-Bewertung Pipeline | ||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Projekt | Indikation | Phase | Erfolgs quote |
Markt eintritt |
Patent schutz* |
Royalties | Umsatz potenzial |
Projektwert |
| DiaPep277 | Diabetes | III | 60% | 2016 | orphan drug | 5% | 500 | 53 |
| EVT302 | Alzheimer | IIb | 15% | 2020 | 2028 | 13% | 2.000 | 101 |
| EVT201 | Schlafstörungen | IIa | 41% | 2019 | 2028 | 9% | 80 | 8 |
| EVT401 | Entzündungskrankheiten | Ib | 10% | 2020 | 2028 | 12% | 120 | 5 |
| Aspireo/Beratervertrag | Akromegalie, Karzinoidtumoren diabetische Retinopathie |
Ib | 22% | 2019 | Markt exklusivität |
2% | 1.200 | 12 |
| - Steuern | -19 | |||||||
| = rNPV Pipeline | 160 | |||||||
| Quelle: Montega | *inkl. 5-jähriger Patentverlängerung | Angaben in Mio. Euro |
In unserer Bewertung gehen wir konservativ vor und beschränken uns auf verpartnerte Wirkstoffprojekte, die sich derzeit in klinischen Entwicklungsphasen befinden und aktiv weiterverfolgt werden. Dies sind DiaPep277® (Diabetes Typ 1), EVT302 (Alzheimer), EVT201 (Schlafstörungen) und EVT401 (Entzündungskrankheiten). Dagegen bleibt EVT101/103 (behandlungsresistente Depression) als unverpartnertes Phase-II-Projekt im Stand-by-Modus bis zum Abschluss einer neuen Partnerschaft außen vor. Auch die Zukunft der in der Forschungsallianz mit Boehringer Ingelheim entwickelten Schmerztherapie (Phase I) ist derzeit unklar und liegt innerhalb der Portfolioentscheidung des Partners. Evotec hat dazu keine Zeitlinie und führt das Projekt aus Vorsichtsgründen nicht als klinisches Asset an.
In bewertungstechnischer Hinsicht ist der im September 2012 mit Aspireo eingegangene strategische Beratungsvertrag über die Entwicklung und Kommerzialisierung des in Phase Ib befindlichen Somatostatin-Analogons Somatoprim formal mit einem klinischen Pipelineprojekt vergleichbar, wenn auch die Umsatzbeteiligungen hier erheblich niedriger ausfallen (geschätzt ca. 2%). Aus diesem Grund stellen wir das Upside aus den künftigen Umsatzbeteiligungen in unsere Pipeline-Bewertung mit ein, während wir die Honorarzahlungen im Servicegeschäft erfassen.
Die präklinischen Entwicklungspartnerschaften mit Boehringer Ingelheim (EVT070, Insulinsensibilisator) und MedImmune/AstraZeneca (EVT770/DG770, Betazell-Regenerationsfaktor) sowie das in der Forschungsphase befindliche CureBeta-Programm mit Janssen werden nicht in die rNPV-Bewertung miteinbezogen. Sie werden stattdessen im DCF-Modell des Servicegeschäftes über ihre laufenden Umsätze aus Forschungszahlungen und präklinischen Meilensteinen erfasst. Ebensowenig wird der mit Pfizer verpartnerte TRPV1-Antagonist (Schmerztherapie) berücksichtigt, dessen Back-up-Substanz nach dem Entwicklungsstopp in Phase I nun in der Präklinik vorbereitet wird.
Durch die entfallenden teuren klinischen Studien, die von den Pharmapartnern vollständig übernommen werden, reduziert sich das finanzielle Risiko der Pharmaentwicklung für Evotec drastisch. Wir halten aus diesem Grunde einen Diskontierungsfaktor von 9,9% für ausreichend. Zumal die technischen Ausfallraten der Wirkstoffkandidaten bereits in den risikobereinigten Cashflows enthalten sind.
Durch Summation der verpartnerten klinischen Programme gelangen wir zu einem Fairen Wert der Pipeline von 160 Mio. Euro.
SOTP-Bewertung
| SOTP Bewertung - Evotec AG | ||
|---|---|---|
| Unternehmensteil | Modell | Fair Value |
| Service u. präklinische Projekte | DCF | 259,1 |
| verpartnerte klinische Projekte | rNPV | 160,0 |
| Net Cash FY 2012 | 49,1 | |
| = Fair Value | 468,2 | |
| Fair Value je Aktie | 3,95 | |
| Quelle: Montega | Angaben in Mio. Euro; FV je Aktie in Euro |
Aus den Wertbeiträgen des DCF-Modells für das Servicegeschäft, der rNPV-Bewertung der klinischen Pipeline und der Net Cash Position zum Ende Jahres 2012 resultiert ein Fairer Wert der Marktkapitalisierung des Unternehmens von 468 Mio. Euro bzw. 3,95 Euro je Aktie.
DCF Modell
| 2012e | 2013e | 2014e | 2015e | 2016e | 2017e | 2018e | Terminal Value |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 89,4 | 101,5 | 116,2 | 133,6 | 153,7 | 173,6 | 194,5 | 198,3 |
| 11,6% | 13,5% | 14,5% | 15,0% | 15,0% | 13,0% | 12,0% | 2,0% |
| 4,5 | 11,9 | 16,9 | 23,0 | 25,1 | 26,9 | 29,6 | 29,8 |
| 5,0% | 11,7% | 14,5% | 17,2% | 16,4% | 15,5% | 15,2% | 15,0% |
| 12,0 | 10,7 | 15,1 | 20,5 | 22,4 | 24,0 | 26,3 | 26,5 |
| 6,5 | 4,7 | 4,9 | 5,4 | 5,5 | 6,6 | 8,4 | 8,9 |
| 7,2% | 4,6% | 4,2% | 4,0% | 3,6% | 3,8% | 4,3% | 4,5% |
| -3,0 | -0,4 | -0,5 | -2,4 | -1,4 | -1,4 | -1,5 | -0,3 |
| -11,5 | -5,1 | -5,8 | -6,7 | -7,7 | -8,7 | -8,8 | -8,9 |
| 4,5% | |||||||
| 7,9 | 0,8 | 0,3 | 0,7 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 |
| 11,9 | 10,6 | 13,9 | 17,5 | 18,8 | 20,5 | 24,4 | 26,2 |
| 9,8% | 9,8% | 9,8% | 9,8% | 9,8% | 9,8% | 9,8% | 9,8% |
| 11,9 | 9,7 | 11,5 | 13,2 | 12,9 | 12,8 | 13,9 | 173,1 |
| 11,9 | 21,6 | 33,1 | 46,3 | 59,2 | 72,0 | 85,9 | 259,1 |
| 12,8% | 5,0% | 5,0% | 5,0% | 5,0% | 5,0% | 4,5% |
| Fremdkapitalzins | 6,5% |
|---|---|
| Wertermittlung (Mio. EUR) | Annahmen: Umsatzwachstumsraten und Margenerwartungen | |||
|---|---|---|---|---|
| Total present value (Tpv) | 259,1 | Kurzfristiges Umsatzwachstum | 2012-2015 | 14,3% |
| Terminal Value | 173,1 | Mittelfristiges Umsatzwachstum | 2012-2017 | 14,2% |
| Anteil vom Tpv-Wert | 67% | Langfristiges Umsatzwachstum | ab 2019 | 2,0% |
| Verbindlichkeiten | 0,0 | EBIT-Marge | 2012-2015 | 12,1% |
| Liquide Mittel | 0,0 | EBIT-Marge | 2012-2017 | 13,4% |
| Eigenkapitalwert | 259,1 | Langfristige EBIT-Marge | ab 2019 | 15,0% |
Aktienzahl (Mio.) 118,47 Sensitivität Wert je Aktie (EUR) ewiges Wachstum
| Wert je Aktie (EUR) | 2,19 | WACC | 1,25% | 1,75% | 2,00% | 2,25% | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| +Upside / -Downside | -17% | 10,35% | 1,83 | 1,89 | 1,92 | 1,96 | |
| Aktienkurs (EUR) | 2,63 | 10,10% | 1,94 | 2,01 | 2,05 | 2,09 | |
| 9,85% | 2,06 | 2,14 | 2,19 | 2,23 | |||
| Modellparameter | 9,60% | 2,20 | 2,29 | 2,35 | 2,40 | ||
| Fremdkapitalquote | 10,0% | 9,35% | 2,36 | 2,47 | 2,53 | 2,60 |
Marktrendite 9,0% Sensitivität Wert je Aktie (EUR) EBIT-Marge ab 2019e
| risikofreie Rendite | 2,50% | WACC | 14,50% | 14,75% | 15,00% | 15,25% | 15,50% |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 10,35% | 1,88 | 1,90 | 1,92 | 1,94 | 1,96 | ||
| Beta | 1,20 | 10,10% | 2,00 | 2,02 | 2,05 | 2,07 | 2,09 |
| WACC | 9,8% | 9,85% | 2,14 | 2,16 | 2,19 | 2,21 | 2,24 |
| ewiges Wachstum | 2,0% | 9,60% | 2,21 | 2,24 | 2,26 | 2,29 | 2,32 |
| 9,35% | 2,29 | 2,32 | 2,35 | 2,37 | 2,40 | ||
Quelle: Montega
EVOTEC AG Bewertung
Evotec - risikoadjustierte Projektbewertung
| in Mio. Euro | 2012 | 2013 | 2014 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 | 2026 | 2027 | 2028 | 2029 | 2030 | 2031 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| DiaPep277 - Diabetes | ||||||||||||||||||||
| Phase | Zulas | Markt | ||||||||||||||||||
| III | sung | |||||||||||||||||||
| Absatzkurve | - | - | - | - | 10% | 20% | 40% | 60% | 80% | 100% | 100% | 85% | 65% | 58% | 42% | 22% | 15% | 15% | 15% | - |
| Marktabsatz | - | - | - | - | 50 | 100 | 200 | 300 | 400 | 500 | 500 | 425 | 325 | 290 | 210 | 110 | 75 | 75 | 75 | - |
| Royalties (5%) | - | - | - | - | 3 | 5 | 10 | 15 | 20 | 25 | 25 | 21 | 16 | 15 | 11 | 6 | 4 | 4 | 4 | - |
| Upfronts / Milestones | 4 | - | - | 4 | 5 | 5 | - | - | - | - | - | - | - | - | - | - | - | - | - | - |
| Umsatz | 4 | - | - | 4 | 8 | 10 | 10 | 15 | 20 | 25 | 25 | 21 | 16 | 15 | 11 | 6 | 4 | 4 | 4 | - |
| Risikoadjustierung des Cashflows | 100% | 100% | 100% | 75% | 60% | 60% | 60% | 60% | 60% | 60% | 60% | 60% | 60% | 60% | 60% | 60% | 60% | 60% | 60% | 60% |
| Cashflow - risikoadjustiert | 4,0 | 0,0 | 0,0 | 3,0 | 4,5 | 6,0 | 6,0 | 9,0 | 12,0 | 15,0 | 15,0 | 12,8 | 9,8 | 8,7 | 6,3 | 3,3 | 2,3 | 2,3 | 2,3 | 0,0 |
| rNPV | 53,0 | |||||||||||||||||||
| EVT302 - Alzheimer | ||||||||||||||||||||
| Phase | Phas | Zulas | Markt | |||||||||||||||||
| IIb | e III | sung | ||||||||||||||||||
| Absatzkurve | - | - | - | - | - | - | - | - | 5% | 18% | 35% | 50% | 70% | 90% | 100% | 100% | 90% | 70% | 30% | 15% |
| Marktabsatz | - | - | - | - | - | - | - | - | 100 | 360 | 700 | 1.000 | 1.400 | 1.800 | 2.000 | 2.000 | 1.800 | 1.400 | 600 | 300 |
| Royalties (13%) | - | - | - | - | - | - | - | - | 13 | 47 | 91 | 130 | 182 | 234 | 260 | 260 | 234 | 182 | 78 | 39 |
| Upfronts / Milestones | - | - | 20 | - | - | 20 | - | 40 | 60 | - | - | 80 | - | - | 100 | - | - | - | - | - |
| Umsatz | - | - | 20 | - | - | 20 | - | 40 | 73 | 47 | 91 | 210 | 182 | 234 | 360 | 260 | 234 | 182 | 78 | 39 |
| Risikoadjustierung des Cashflows | 100% | 100% | 42% | 42% | 42% | 42% | 42% | 21% | 15% | 15% | 15% | 15% | 15% | 15% | 15% | 15% | 15% | 15% | 15% | 15% |
| Cashflow - risikoadjustiert | 0,0 | 0,0 | 8,4 | 0,0 | 0,0 | 8,4 | 0,0 | 8,4 | 10,7 | 6,9 | 13,4 | 30,9 | 26,8 | 34,4 | 52,9 | 38,2 | 34,4 | 26,8 | 11,5 | 5,7 |
| rNPV | 101,0 | |||||||||||||||||||
| EVT201 - Schlafstörungen | ||||||||||||||||||||
| Phase | Phase | Phase | Zulas | Markt | ||||||||||||||||
| IIa | IIb | III | sung | |||||||||||||||||
| Absatzkurve | - | - | - | - | - | - | - | 10% | 20% | 40% | 65% | 75% | 90% | 100% | 100% | 100% | 90% | 70% | 30% | 15% |
| Marktabsatz | - | - | - | - | - | - | - | 8 | 16 | 32 | 52 | 60 | 72 | 80 | 80 | 80 | 72 | 56 | 24 | 12 |
| Royalties (9%) | - | - | - | - | - | - | - | 1 | 1 | 3 | 5 | 5 | 6 | 7 | 7 | 7 | 6 | 5 | 2 | 1 |
| Upfronts / Milestones | - | - | - | 1 | - | - | 2 | 2 | - | - | - | - | - | - | - | - | - | - | - | - |
| Umsatz | - | - | - | 1 | - | - | 2 | 3 | 1 | 3 | 5 | 5 | 6 | 7 | 7 | 7 | 6 | 5 | 2 | 1 |
| Risikoadjustierung des Cashflows | 100% | 100% | 100% | 70% | 70% | 70% | 46% | 41% | 41% | 41% | 41% | 41% | 41% | 41% | 41% | 41% | 41% | 41% | 41% | 41% |
| Cashflow - risikoadjustiert | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,6 | 0,0 | 0,0 | 0,7 | 1,3 | 0,6 | 1,2 | 1,9 | 2,2 | 2,7 | 2,9 | 2,9 | 2,9 | 2,7 | 2,1 | 0,9 | 0,4 |
| rNPV | 8,0 | |||||||||||||||||||
| EVT401 - | ||||||||||||||||||||
| Entzündungskrankheiten | ||||||||||||||||||||
| Phase | Phase | Phase | Phase | Zulas | Markt | |||||||||||||||
| Ib | IIa | IIb | III | sung | ||||||||||||||||
| Absatzkurve | - | - | - | - | - | - | - | - | 5% | 18% | 35% | 50% | 70% | 90% | 100% | 100% | 90% | 70% | 30% | 15% |
| Marktabsatz | - | - | - | - | - | - | - | - | 6 | 22 | 42 | 60 | 84 | 108 | 120 | 120 | 108 | 84 | 36 | 18 |
| Royalties (12%) | - | - | - | - | - | - | - | - | 1 | 3 | 5 | 7 | 10 | 13 | 14 | 14 | 13 | 10 | 4 | 2 |
| Upfronts / Milestones | 1 | - | - | 2 | 4 | - | - | 6 | 8 | - | - | - | 10 | - | - | - | - | - | - | - |
| Umsatz | 1 | - | - | 2 | 4 | - | - | 6 | 9 | 3 | 5 | 7 | 20 | 13 | 14 | 14 | 13 | 10 | 4 | 2 |
| Risikoadjustierung des Cashflows | 100% | 70% | 70% | 38% | 21% | 21% | 21% | 12% | 10% | 10% | 10% | 10% | 10% | 10% | 10% | 10% | 10% | 10% | 10% | 10% |
| Cashflow - risikoadjustiert | 0,5 | 0,0 | 0,0 | 0,8 | 0,8 | 0,0 | 0,0 | 0,7 | 0,9 | 0,3 | 0,5 | 0,7 | 2,0 | 1,3 | 1,4 | 1,4 | 1,3 | 1,0 | 0,4 | 0,2 |
| rNPV | 5,0 | |||||||||||||||||||
| Aspireo/Beratervertrag | ||||||||||||||||||||
| Phase | Phase | Phase | Zulas | Markt | ||||||||||||||||
| Ib | II | III | sung | |||||||||||||||||
| Absatzkurve | - | - | - | - | - | - | - | 5% | 15% | 30% | 50% | 70% | 80% | 90% | 100% | 100% | 100% | 70% | 30% | 15% |
| Marktabsatz | - | - | - | - | - | - | - | 60 | 180 | 360 | 600 | 840 | 960 | 1.080 | 1.200 | 1.200 | 1.200 | 840 | 360 | 180 |
| Royalties (2%) | - | - | - | - | - | - | - | 1 | 4 | 7 | 12 | 17 | 19 | 22 | 24 | 24 | 24 | 17 | 7 | 4 |
| Upfronts / Milestones | - | - | - | - | - | - | - | - | - | - | - | - | - | - | - | - | - | - | - | - |
| Umsatz | - | - | - | - | - | - | - | 1 | 4 | 7 | 12 | 17 | 19 | 22 | 24 | 24 | 24 | 17 | 7 | 4 |
| Risikoadjustierung des Cashflows | 100% | 70% | 70% | 70% | 35% | 35% | 25% | 22% | 22% | 22% | 22% | 22% | 22% | 22% | 22% | 22% | 22% | 22% | 22% | 22% |
| Cashflow - risikoadjustiert | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,3 | 0,8 | 1,6 | 2,6 | 3,7 | 4,2 | 4,8 | 5,3 | 5,3 | 5,3 | 3,7 | 1,6 | 0,8 |
| rNPV | 12,0 | |||||||||||||||||||
| Steuern | -19 | |||||||||||||||||||
| rNPV Pipeline | 160 | |||||||||||||||||||
Quelle: Montega AG
UNTERNEHMENSHINTERGRUND
Die 1993 in Hamburg gegründete Evotec AG ist ein Wirkstoffforschungs- und -entwicklungsunternehmen. In Partnerschaft und/oder Forschungsallianz mit führenden Pharmaunternehmen wie Bayer, Biogen Idec, Boehringer Ingelheim, Roche, CHDI, MedImmune, Gentech, Vifor, Ono Pharmaceutical und UCB unterstützt Evotec mit innovativen und integrierten Lösungen in sämtlichen Entwicklungsstadien des Forschungsprozesses. Zum Leistungsspektrum zählen Assayentwicklung und Screening, Compound Management, fragmentierte Wirkstoffforschung, Medizinalchemie und In-vivo-Pharmakologie, In-vivo-ADMET-Assays sowie eine chemische Proteomik-Plattform. Dazu hat das Unternehmen eine industrialisierte Technologieplattform aufgebaut und verfügt über umfangreiche Expertise in Schlüsselbereichen wie Neurowissenschaften, Stoffwechselerkrankungen, Onkologie und Entzündungskrankheiten.
Historie
- 1993 Gründung der Evotec BioSystem in Hamburg. Zu den Gründern zählen Nobelpreisträger Prof. Manfred Eign, Dr. Karsten Henco, Dr. Ulrich Aldag, Dr. Freimut Leidenberger, Dr. Heinrich Schulte, Prof. Rudolf Rigler und Dr. Charles Weissmann
- 1996 Evotec schließt Kooperationsverträge mit Novartis und SmithKlineBeecham mit dem Ziel, ein überlegenes Ultra-Hochdurchsatz-Screening-System zu entwickeln (EVOscreen®).
- 1998 Evotec führt eine der größten Privatplatzierungen Europas im biotechnologischen Bereich durch und erlöst 46 Mio. DM. Das Unternehmen wird eine Aktiengesellschaft.
- 1999 Evotec schließt Drei-Jahres-Kooperationsvertrag mit Pfizer zur Weiterentwicklung von EVOscreen® und unterzeichnet den ersten substanziellen Servicevertrag mit der Knoll AG/BASF AG
- Börsengang der Evotec BioSystems AG im November.
- 2002 Evotec konzentriert sich verstärkt auf die Wirkstoffforschung und gliedert ihr Technologieentwicklungsgeschäft in die Tochtergesellschaft aus.
Erweiterung der Zusammenarbeit mit Pfizer, Volumen etwa 25 Mio. Euro.
2003 Evotec Neurosciences GmbH und Takeda schließen Vier-Jahres-Kooperation zur Identifizierung neuer Alzheimer-Targets mit einem Umfang von bis zu 20 Mio. Euro zuzüglich Zahlungen bei Erreichen klinischer Meilensteine.
Pfizer beteiligt sich mit 10% an Evotec Technologies
2004 Evotec Neurosciences lizenziert umfangreiches Paket an Wirkstoffkandidaten zur Behandlung von Alzheimer, Parkinson und/oder Nervenschmerzen von Roche ein.
Evotec beteiligt sich im Servicegeschäft erstmalig an Chancen und Risiko in der Wirkstoffforschung und schließt umfangreiche Allianz mit Boehringer Ingelheim.
- 2005 Evotec stärkt die eigene Pipeline durch Einlizenzierung des Schlafmittel-Wirkstoffs EVT201 von Roche; positive Ergebnisse in der ersten Phase-I/II-Wirksamkeitsstudie.
- 2006 Evotec lizenziert im Januar zwei Phase-I-MAO-B-Inhibitoren von Roche (EVT301, EVT302) ein.
Evotec verlängert im Januar die Kooperation mit Boehringer Ingelheim. Zweiter Meilenstein wird erreicht.
Evotec Technologies GmbH veräußert ein umfangreiches Patentportfolio im Bereich der Einzelmolekül-Detektionstechnologie an Olympus.
Evotec veräußert im Dezember ihre Tochtergesellschaft Evotec Technologies GmbH an PerkinElmer, Kaufpreis 23 Mio. Euro Cash.
2007 Evotec und Boehringer Ingelheim vereinbaren mehrjährige Zusammenarbeit zur Identifizierung neuer Alzheimer-Targets.
Evotec übernimmt per Sach-KE sämtliche Anteile an der Neuro 3d S.A., Frankreich (Transaktionsvolumen 21 Mio. Euro).
Evotec erweitert seine fragmentbasierte Wirkstoffforschung durch den Kauf von NMR-Screening-Technologien von Combinature Biopharm.
Im Juli gliedert Evotec das Substanzbibliothekengeschäft in ein neu gegründeten Joint Venture in Indien aus.
Im August beteiligt sich Evotec an der Gründung der European ScreeningPort GmbH, einem europäischen Zentrum für moderne Wirkstoffforschung.
Evotec veräußert ihre chemische Entwicklungssparte an Apuit, Inc., Kaufpreis 31,5 Mio. GBP.
Am 18. September 2007 kündigt Evotec die beabsichtigte Übernahme der Renovis, Inc., South San Francisco, USA an.
- 2008 Im Mai erfolgt die vollständige Übernahme der Renovis, Inc. sowie der Börsengang der Evotec an die NASDAQ.
- 2009 Unter der Führung des neuen CEO Dr. Werner Lanthaler wird der Aktionsplan 2012 ins Leben gerufen: Fokus auf profitable Forschungsallianzen und externe Finanzierung von Wirkstoffprojekten
Evotec und Roche vereinbaren Entwicklung von EVT101 in der Indikation behandlungsresistente Depressionen.
TecDAX-Wiederaufnahme / Evotec stellt Listing an der NASDAQ ein.
2010 Verlängerung der Kooperation mit CHDI
Evotec ergänzt Indikations-Know-how auf dem Gebiet von Stoffwechselerkrankungen durch Übernahme von DeveloGen
2011 Evotec übernimmt "Compound Management" von Galapagos und stärkt so ihr innovatives, integriertes Wirkstoffforschungsangebot
Evotec übernimmt Kinaxo; Wirkstoffforschungsplattform wird um Spitzentechnologie erweitert
2012 Evotec initiiert Aktionsplan 2016 mit EVT Execute, EVT Integrate und EVT Innovate als strategische Geschäftsbereiche
Konzernstruktur
Die Evotec AG mit dem Firmensitz in Hamburg verfügt über fünf bedeutende operative Tochtergesellschaften in Abingdon in Großbritannien, Thane in Indien, Göttingen und München in Deutschland sowie in South San Francisco in den USA. Alle Töchter sind im 100% Besitz der Evotec AG. Die folgende Grafik gibt eine Übersicht über die Konzernstruktur.
Quelle: Evotec AG
Umsatz nach Kunden und Regionen
Quelle: Evotec AG
Als Wirkstoffforschungs- und -entwicklungsunternehmen profitiert Evotec von der vermehrten Auslagerung der F&E-Aktivitäten in der Biotech- und Pharmabranche. Dabei wird das Outsourcing nicht bei einer zunehmenden Zahl von Produkten betrieben, sonder vor allem auf verstärkt in die Tiefe des Forschungsprozesses ausgeweitet. Während schon seit über 20 Jahren eine Zusammenarbeit mit externen Anbietern zur Unterstützung klinischer Studien oder zur Zulassung in bestimmten Regionen gängig ist, erstecken sich die Partnerschaften heute auch in führe Entwicklungsphasen bis hin zur Target-Identifizierung und -Validierung.
Dieser Trend liegt vor allem im zunehmenden globalen Wettbewerb, sowie der sinkenden Ertragsstärke der Produktpipelines durch steigenden F&E Kosten begründet und wird sich somit auch in den folgenden Jahren weiter fortsetzten. Durch eine Kombination aus Auftragsgebühren, Meilensteinfinanzierungen und Umsatzbeteiligungen werden die Entwicklungskosten für die Pharmakonzerne leichter planbar. Das Marktvolumen für externe F&E-Dienstleistungen in der Pharmaindustrie lag 2011 bei rund 19 Mrd. USD, davon entfallen etwa 6 Mrd. USD auf den Bereich frühe Wirkstoffforschung (Forschungsphase und Präklinik). Der Markt dürfte trotz der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch weiterhin ein robustes Wachstum von mindestens 5% p.a. aufweisen .
Mit seinem umfassenden Leistungsspektrum ist Evotec hervorragend am Markt positioniert um von dieser Entwicklung zu profitieren. Das hohe Maß an Expertise sowie die Integration hochmoderner Technologien sichern die Wettbewerbsposition. Zudem kann das Unternehmen durch die Spezialisierung auf wichtige Indikationsgebiete und die enge Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von Biotech- und Pharmaunternehmen sowie anderen Forschungseinrichtungen Skaleneffekte heben und somit effizienter und kostensparender arbeiten als interne F&E Abteilungen. Allein 2011 verdoppelte Evotec die Anzahl der Neukunden im Vergleich zum Vorjahr.
Umsatzanteile der Keyaccounts 2011
Der Fokus des Unternehmens, den es 2009 im "Aktionsplan 2012" postulierte, liegt auf langfristigen Forschungsallianzen mit Großkunden. So erwirtschaftete Evotec 2011 rd. 47% seines Umsatzes mit den drei größten Kunden (Boehringer Ingelheim, Roche und CHDI) bzw. 79% mit den größten zehn.
Gemessen am Umsatzbeitrag liegt der Fokus des Unternehmens klar auf Europa (55%) und Nordamerika (33%). Dabei wuchsen die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr in allen Regionen. In Europa trugen vor allem die Abschlagszahlungen von Roche (EVT302) sowie die gestiegenen Meilensteinzahlung von Boehringer Ingelheim zu dieser Steigerung bei. Die neue Kooperation mit Genentech führte zu einer Umsatzerhöhung des US-Geschäfts von Evotec San Francisco. In der Region "Übrige" haben insbesondere positive Effekte der ausgeweiteten Allianz mit Ono Pharmaceutical sowie mit Shionogi in Japan zum Umsatzwachstum beigetragen.
Quelle: Evotec AG
Insgesamt konnte das Unternehmen seinen Umsatz in 2011 um 45% ggü. dem Vorjahr auf 80,1 Mio. steigern. Dabei konnte das Unternehmen sowohl seine Kooperationen ausweiten als auch weitere Meilensteinzahlungen verbuchen. Das EBIT wuchs mit 306% weit überproportional. Die resultierende EBIT-Marge betrug 6,5%. Damit konnte das Unternehmen nicht nur an die positive Entwicklung der vergangen Jahre anknüpfen (Umsatz CAGR 2008-2011: 26,5%) sondern auch die Dynamik und Ertragsstärke deutlich steigern.
Im Zuge des 2009 aufgestellten Aktionsplans 2012 wurde die Eigenentwicklung von Wirkstoffen drastisch reduziert und somit der wesentliche Teil der F&E-Aufwendungen direkt von den Kooperationspartnern getragen. Die Neuausrichtung legte den Grundstein zur Profitabilität des Geschäftsmodells.
Leistungsspektrum
Das Leistungsspektrum der Evotec AG umfasst Dienstleistungen und Kooperationen auf Grundlage einer hochmodernen Technologieplattform. Das Unternehmen zeichnet sich dabei besonders durch die Tiefe des Angebots rund um die Wirkstoffentwicklung aus. Die folgende Grafik gibt einen Überblick über das integrierte Lösungsportfolio.
Compound Management
- Fachkundige Substanzidentifizierung, -auswahl und
- -verwaltung Hochdurchsatz-
- Substanzanalysen Multi-Format-
- Plattierung und Neuformatierung Neutrale
- Atmosphäre und Niedrigtemperatur-
- Lagerung und -Entwicklung Schnelle Auftragsabwicklung
- und weltweite Lieferung
- Notfallwiederherstellung und
- Geschäftskontinuität
Quelle: Unternehmen, Montega
Dienstleistungen Assayentwicklung und Hochdurchsatz-Biochemisches,
Integrierte
- Screening Hitexplosion unter Einsatz chemischer Parallelsynthese I n-vitro- und I n-vivo-
- Medizinalchemie
- Biologie ADMET
- Strukturbiologie und Chemieinformatik
- Screening Substanzprofilierung In vitro ADMET-
- Assays
Assayentwicklung & Screening
funktionales u. zelluläres Screening High-Content-Screening und High-Content-Analyse Markierungsfreies Screening (NMR, SPR, LC-MS) Fragmentbasiertes
Medizinalchemie & Frühentwicklungsphase
Leistungsspektrum
- Identifizierung und Optimierung der Leitstrukturen Strukturbasiertes
- Wirkstoffdesign Chemieinformatik und in
- silico Molekülmodelle (struktur- und liganden-basierend) ADMET und
- Pharmakokinetik
ADMET & Zebrafisch-Screening Prädiktive I n-silico-
- Modelle für ADMET Parameter (EVOseek™ )
- In vitro-ADMET-Assays
- Elektrophysiologie & hERG-Assays
- Zebrafisch-Screening Bioanalyse
Chemische Proteomik & Epigenetik
- Cellular Target Profiling ®
- KinAffinity ® PhosphoScout®
- Epigenetics Target Profiling ®
- Epigenomische Analysen
- Quantitative Proteomik-Analysen
Compound Management (Substanzverwaltung)
Evotec bietet mit seiner operativen Tochter Compound Focus Dienstleistungen zur Organisation des Aufbaus, Wachstums und/oder Managements von Kleinstmolekül-Sammlungen mit dem Ziel das Hochdurchsatz-Screening zu unterstützen. Das Angebot wird von der amerikanischen Gesundheitsbehörde (NIH) sowie Substanzsammlungen von akademischen und kommerziellen Organisationen genutzt. Bislang wurden über 25 Mio. Proben an 205 Empfänger in 16 Länder versandt.
Integriertes Dienstleistungsangebot
Mit dem integrierten Dienstleistungsangebot stellt das Unternehmen seinen Partner Team von Wissenschaftlern zur Verfügung, um unterschiedliche Targets in die klinische Entwicklung voran zu treiben. Kunden profitieren dabei von dem Zugriff auf Evotecs Expertise und langjährige Erfahrung in der Identifizierung und Entwicklung klinischer Wirkstoffkandidaten, der Inanspruchnahme von Evotecs kosteneffizienten Ressourcen und Kapazitäten in Indien sowie dem Zugriff auf Evotecs hochmoderne Wirkstoffforschungs-Plattform.
Assayentwicklng & Screening
Evotec bietet mit einer proprietären Hochdurchsatz-Screening-Technologie (FCS+plus) und anderen Technologie-Plattformen biochemische, funktionale und zelluläre Testsysteme (Assays) für die Identifizierung neuer pharmazeutischer Wirkstoffe an. Dadurch kann Evotec ihre eigene Bibliothek mit 250.000 Substanzen oder die Bibliotheken ihrer Kunden auf aktive Treffersubstanzen durchtesten (screenen).
Medizinalchemie & Frühentwicklungsphase
Die Expertise und die relevanten Technologien in verschiedenen Therapiegebieten wie Onkologie, ZNS, Atemwegserkrankungen, Stoffwechselerkrankungen, Entzündungen, bakterielle Infektionen und Virologie ermöglicht es Evotec in gemeinsamen Projekten mit führenden Pharma- und Biotechunternehmen die Wirkstoffforschung für alle wichtigen Targetklassen (GPCRs, Kinasen, Proteasen, Ionenkanäle usw.) zu unterstützen.
ADMET & Zebrafisch-Screening
Zur Unterstützung ihrer Medizinalchemie-Programme hat Evotec eine Reihe von in vitround in vivo-Testverfahren entwickelt. Sie werden zur Identifizierung möglicher Schwachpunkte von Wirkstoffen in der Frühphase genutzt und unterstützen die Entwicklung von Wirkstoffen während der Leitstrukturoptimierung. Losgelöst von umfangreichen Wirkstoffforschungsprogrammen bietet Evotec ADMET-Services auch als Stand-Alone-Dienstleistung an. Evotec führt darüber hinaus Bioanalysen durch, um typische Parameter wie Bioverfügbarkeit, AUC, MRT, Halbwertszeit, Ausscheidung und Umfang der Verteilung zu ermitteln und zu interpretieren.
Chemische Proteomik, Phosphoproteomik und zelluläre Epigenetik
Evotec München verfügt über eine einzigartige Kombination innovativer Technologien, die zur Verbesserung der Wirkstoffentwicklung im gesamten Prozess der Medikamentenentwicklung eingesetzt werden kann.
Management
Dr. Werner Lanthaler wurde im März 2009 zum CEO von Evotec ernannt. Aus gesundheitlichen Gründen ist Dr. Lanthaler bis zum Jahresende beurlaubt, plant aber zum Jahresanfang 2013 seine Tätigkeit als CEO wieder aufnehmen.
Von März 2000 bis März 2009 war er Finanzvorstand der Intercell AG. Während seiner Amtszeit entwickelte sich Intercell von einem Venture Capital finanzierten Biotechnologieunternehmen zu einem global agierenden Impfstoffspezialisten. Dr. Lanthaler kam eine Schlüsselrolle beim Erreichen vieler herausragender Meilensteine in der Firmenentwicklung zu. Darunter fallen die jüngst erteilte Zulassung für Intercells Impfstoff zur Behandlung von Japanischer Enzephalitis, die Unternehmensakquisitionen, strategische Partnerschaften mit Pharmafirmen sowie der Börsengang im Jahr 2005. Zuvor war Dr. Lanthaler von 1998 bis 2000 als Bereichsleiter der österreichischen Industrienvereinigung und von 1995 bis 1998 als Senior Management Consultant der Unternehmensberatung McKinsey & Company beschäftigt. Er promovierte in Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien und erwarb seinen Master's Abschluss an der Harvard University sowie einen Abschluss in Psychologie.
Dr. Mario Polywka, COO, ist Chemiker und Gründungsmitglied von Oxford Asymmetry International (OAI) im Jahr 1991, wurde dort 1993 zum Leiter der chemischen Abteilung und 1996 zum Vorstandsmitglied ernannt. 1999 wurde er zum Chief Operating Officer und 2001 zum Chief Executive Officer von OAI ernannt. Nach dem Zusammenschluss von EVOTEC BioSystems AG und OAI im Jahr 2000 hatte er bis 2002 die Funktion des Chief Operating Officer inne. Zwischen 2002 und 2004 leitete Dr. Polywka verschiedene Unternehmensausgründungen in der Gegend von Oxford. Er ist dort Vorsitzender der Aufsichtsräte von Pharminox Ltd. und Glycoform Ltd. Dr. Polywka promovierte an der Universität Oxford im Bereich mechanistische, organometallische Chemie und arbeitete anschließend als Postdoc in Oxford an Aspekten der Biosynthese von Penicillin. Zwischen 1988 und 1994 hatte er eine Reihe von Lehrämtern an der Oxford University inne.
Colin Bond, CFO, wurde mit Wirkung zum 12. August 2010 zum neuen Finanzvorstand und Mitglied des Vorstands ernannt. Herr Bond verfügt über annähernd 25 Jahre Erfahrung im Bereich Finanzen, die er in führenden Positionen, zuletzt als Finanzvorstand von Novelis Europe in der Schweiz, gesammelt hat. In der früheren Phase seiner beruflichen Laufbahn arbeitete er als Pharmazeut, Wirtschaftsprüfer und Managementberater für Procter & Gamble, Arthur Andersen und PricewaterhouseCoopers. Er wechselte in die Industrie zu Great Lakes Chemicals und übernahm dann die Rolle des Finanzvorstands der Jet Aviation Group bevor er Finanzvorstand für die Region Europa, Naher Osten, Afrika bei Ecolab wurde. Herr Bond ist vereidigter Buchprüfer und Pharmazeut. Darüber hinaus hat er einen MBA-Abschluss von der London Business School.
Dr. Cord Dohrmann wurde im September 2010 zum Forschungsvorstand von Evotec ernannt. Dr. Dohrmann war über 20 Jahre in der biomedizinischen Forschung an führenden akademischen Instituten und in der Biotechnologieindustrie tätig. Seine akademische Karriere begann im Jahr 1983 mit einem Biologiestudium an der Universität Tübingen, danach studierte er mit Unterstützung des DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) an der Duke University, Durham, USA. Seine Diplomarbeit hat Dr. Dohrmann am Max-Planck-Institut in Tübingen abgeschlossen und anschließend studierte er an der Havard Medical School in Boston, USA, wo er 1996 in Zell- und Entwicklungsbiologie seinen Ph.D. erhielt. Dr. Dohrmann setzte seine Karriere als Forschungsstipendiant von Shiseido am Massachusetts General Hospital in Boston, USA fort, bevor er 1999 zu DeveloGen kam. Er hatte verschiedene Managementpositionen inne, zuletzt den Vorstandsvorsitz und war maßgeblich daran beteiligt, DeveloGen von einer Start-Up zu einem international angesehenen Unternehmen für Stoffwechselkrankheiten voran zu treiben.
Dr. Klaus Maleck war seit April 2007 Mitglied im Vorstand und seit August 2010 verantwortlich für die Corporate-Development-Aktivitäten des Unternehmens, einschließlich Strategie, M&A und der Lizenzierung von eigenen Forschungs- und Entwicklungsprojekten. Vor seiner Zeit bei Evotec war er Finanzvorstand und Vice President Business Development der BioGeneriX AG, einer von ihm im Jahr 2000 mitgegründeten Biotechnologie-Firma. Er war dort für die Einlizenzierung fortgeschrittener Medikamentenkandidaten und für den Aufbau einer Produkt-Pipeline verantwortlich. Davor arbeitete Dr. Maleck von 1999 bis 2000 als Senior Management Consultant in der Unternehmensberatung McKinsey & Co und von 1996 bis 1999 als Wissenschaftler im Bereich Genomics bei Novartis. Zudem ist er an der Hochschule Mannheim als Dozent im Bereich Wirtschaftswissenschaft tätig. Dr. Maleck ist Aufsichtsratsvorsitzender des European Sceening Ports. Er promovierte am Max-Planck-Institut in Köln in Biotechnologie und erwarb ein Diplom in Biotechnologie an der Ecole Supérieure de Biotechnologie in Straßburg, Frankreich.
Aktionärsstruktur
Das Grundkapital der Evotec AG teilt sich in 118.473.796 nennwertlose Inhaber-Aktien. Die größten Anteilseigner sind die ROI Verwaltungsgesellschaft mbH/Roland Oetker mit 14,7% der Aktien und die TVM V Life Science Ventures GmbH & Co. KG mit 10,5%. Die verbleibenden 74,8% befinden sich im Streubesitz. Die Evotec-Aktie notiert im TecDax.
Quelle: Evotec AG
ANHANG
| G&V (in Mio. EUR) Evotec AG | 2011 | 2012e | 2013e | 2014e | 2015e |
|---|---|---|---|---|---|
| Umsatz | 80,1 | 89,4 | 101,5 | 116,2 | 153,6 |
| Herstellungskosten | 45,1 | 56,3 | 61,4 | 69,1 | 77,5 |
| Bruttoergebnis | 35,0 | 33,1 | 40,1 | 47,1 | 76,1 |
| Forschung und Entwicklung | 8,4 | 8,5 | 9,3 | 9,7 | 10,6 |
| Vertriebskosten | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 |
| Verwaltungskosten | 15,8 | 16,6 | 17,4 | 19,0 | 21,0 |
| Sonstige betriebliche Aufwendungen | 4,7 | 4,0 | 1,5 | 1,5 | 1,5 |
| Sonstige betriebliche Erträge | 1,4 | 2,5 | 0,0 | 0,0 | 0,0 |
| EBITDA | 12,0 | 10,9 | 16,5 | 21,7 | 48,4 |
| Abschreibungen auf Sachanlagen | 4,5 | 4,5 | 4,7 | 4,9 | 5,4 |
| EBITA | 7,5 | 6,5 | 11,9 | 16,9 | 43,0 |
| Amortisation immaterielle Vermögensgegenstände | 2,3 | 2,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 |
| Impairment Charges und Amortisation Goodwill | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 |
| EBIT | 5,2 | 4,5 | 11,9 | 16,9 | 43,0 |
| Finanzergebnis | -0,2 | -1,1 | -0,9 | -0,6 | -0,3 |
| Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit | 5,0 | 3,3 | 11,0 | 16,3 | 42,7 |
| Außerordentliches Ergebnis | 0,2 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 |
| EBT | 5,3 | 3,3 | 11,0 | 16,3 | 42,7 |
| EE-Steuern | -1,4 | -5,6 | 1,1 | 1,7 | 4,7 |
| Jahresüberschuss aus fortgef. Geschäftstätigkeit | 6,7 | 8,9 | 9,8 | 14,5 | 38,0 |
| Ergebnis aus nicht fortgeführter Geschäftstätigkeit (netto) | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 |
| Jahresüberschuss vor Anteilen Dritter | 6,7 | 8,9 | 9,8 | 14,5 | 38,0 |
| Anteile Dritter | -0,1 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 |
| Jahresüberschuss | 6,7 | 8,9 | 9,8 | 14,5 | 38,0 |
| Quellen: Unternehmen (berichtete Daten), Montega (Prognosen) |
| G&V (in % vom Umsatz) Evotec AG | 2011 | 2012e | 2013e | 2014e | 2015e |
|---|---|---|---|---|---|
| Umsatz | 100% | 100% | 100% | 100% | 100% |
| Bestandsveränderungen | 0% | 0% | 0% | 0% | 0% |
| Aktivierte Eigenleistungen | 0% | 0% | 0% | 0% | 0% |
| Gesamtleistung | 100% | 100% | 100% | 100% | 100% |
| Materialaufwand | 0% | 0% | 0% | 0% | 0% |
| Rohertrag | 100% | 100% | 100% | 100% | 100% |
| Personalaufwendungen | 0% | 0% | 0% | 0% | 0% |
| Sonstige betriebliche Aufwendungen | 0% | 0% | 0% | 0% | 0% |
| Sonstige betriebliche Erträge | 0% | 0% | 0% | 0% | 0% |
| EBITDA | 15% | 12% | 16% | 19% | 32% |
| Abschreibungen auf Sachanlagen | 6% | 5% | 5% | 4% | 4% |
| EBITA | 9% | 7% | 12% | 15% | 28% |
| Amortisation immaterielle Vermögensgegenstände | 3% | 2% | 0% | 0% | 0% |
| Impairment Charges und Amortisation Goodwill | 0% | 0% | 0% | 0% | 0% |
| EBIT | 6% | 5% | 12% | 15% | 28% |
| Finanzergebnis | 0% | -1% | -1% | -1% | 0% |
| Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit | 6% | 4% | 11% | 14% | 28% |
| Außerordentliches Ergebnis | 0% | 0% | 0% | 0% | 0% |
| EBT | 7% | 4% | 11% | 14% | 28% |
| EE-Steuern | -2% | -6% | 1% | 1% | 3% |
| Jahresüberschuss aus fortgef. Geschäftstätigkeit | 8% | 10% | 10% | 13% | 25% |
| Ergebnis aus nicht fortgeführter Geschäftstätigkeit (netto) | 0% | 0% | 0% | 0% | 0% |
| Jahresüberschuss vor Anteilen Dritter | 8% | 10% | 10% | 13% | 25% |
| Anteile Dritter | 0% | 0% | 0% | 0% | 0% |
| Jahresüberschuss | 8% | 10% | 10% | 13% | 25% |
| Quellen: Unternehmen (berichtete Daten), Montega (Prognosen) |
| Bilanz (in Mio. EUR) Evotec AG | 2011 | 2012e | 2013e | 2014e | 2015e |
|---|---|---|---|---|---|
| AKTIVA | |||||
| Immaterielle Vermögensgegenstände | 109,9 | 109,9 | 109,9 | 109,9 | 109,9 |
| Sachanlagen | 24,9 | 30,0 | 30,4 | 31,3 | 32,6 |
| Finanzanlagen | 0,0 | 2,0 | 2,0 | 2,0 | 2,0 |
| Anlagevermögen | 134,8 | 141,8 | 142,2 | 143,2 | 144,5 |
| Vorräte | 3,6 | 3,9 | 4,4 | 5,1 | 6,7 |
| Forderungen aus Lieferungen und Leistungen | 10,4 | 11,5 | 12,5 | 13,7 | 18,1 |
| Liquide Mittel | 62,4 | 60,8 | 69,8 | 82,2 | 117,4 |
| Sonstige Vermögensgegenstände | 7,0 | 8,4 | 8,4 | 8,4 | 8,4 |
| Umlaufvermögen | 83,4 | 84,7 | 95,1 | 109,4 | 150,6 |
| Bilanzsumme | 218,2 | 226,5 | 237,3 | 252,6 | 295,1 |
| PASSIVA | |||||
| Eigenkapital | 147,2 | 156,2 | 166,0 | 180,6 | 218,6 |
| Anteile Dritter | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 |
| Rückstellungen | 25,7 | 25,7 | 25,7 | 25,7 | 25,7 |
| Zinstragende Verbindlichkeiten | 16,7 | 11,7 | 10,9 | 9,9 | 10,1 |
| Verbindl. aus Lieferungen und Leistungen | 10,1 | 8,6 | 9,7 | 11,1 | 14,7 |
| Sonstige Verbindlichkeiten | 18,5 | 24,3 | 25,1 | 25,4 | 26,0 |
| Verbindlichkeiten | 71,0 | 70,3 | 71,3 | 72,0 | 76,5 |
| Bilanzsumme | 218,2 | 226,5 | 237,3 | 252,6 | 295,1 |
| Quellen: Unternehmen (berichtete Daten), Montega (Prognosen) | |||||
| Bilanz (in % der Bilanzsumme) Evotec AG | 2011 | 2012e | 2013e | 2014e | 2015e |
| AKTIVA | |||||
| Immaterielle Vermögensgegenstände | 50,3% | 48,5% | 46,3% | 43,5% | 37,2% |
| Sachanlagen | 11,4% | 13,2% | 12,8% | 12,4% | 11,0% |
| Finanzanlagen | 0,0% | 0,9% | 0,8% | 0,8% | 0,7% |
| Anlagevermögen | 61,8% | 62,6% | 59,9% | 56,7% | 49,0% |
| Vorräte | 1,6% | 1,7% | 1,9% | 2,0% | 2,3% |
| Forderungen aus Lieferungen und Leistungen | 4,8% | 5,1% | 5,3% | 5,4% | 6,1% |
| Liquide Mittel | 28,6% | 26,9% | 29,4% | 32,5% | 39,8% |
| Sonstige Vermögensgegenstände | 3,2% | 3,7% | 3,6% | 3,3% | 2,9% |
| Umlaufvermögen | 38,2% | 37,4% | 40,1% | 43,3% | 51,0% |
| Bilanzsumme | 100,0% | 100,0% | 100,0% | 100,0% | 100,0% |
| PASSIVA | |||||
| Eigenkapital | 67,5% | 69,0% | 70,0% | 71,5% | 74,1% |
| Anteile Dritter | 0,0% | 0,0% | 0,0% | 0,0% | 0,0% |
| Rückstellungen | 11,8% | 11,3% | 10,8% | 10,2% | 8,7% |
| Zinstragende Verbindlichkeiten | 7,7% | 5,2% | 4,6% | 3,9% | 3,4% |
| Verbindl. aus Lieferungen und Leistungen | 8,5% | 10,7% | 10,6% | 10,0% | 8,8% |
| Sonstige Verbindlichkeiten | 32,5% | 31,0% | 30,1% | 28,5% | 25,9% |
| Verbindlichkeiten | 32,5% | 31,0% | 30,1% | 28,5% | 25,9% |
| Bilanzsumme | 100,0% | 100,0% | 100,0% | 100,0% | 100,0% |
| Quellen: Unternehmen (berichtete Daten), Montega (Prognosen) |
| Kapitalflussrechnung (in Mio. EUR) Evotec AG | 2011 | 2012e | 2013e | 2014e | 2015e |
|---|---|---|---|---|---|
| Jahresüberschuss/ -fehlbetrag | 6,7 | 8,9 | 9,8 | 14,5 | 38,0 |
| Abschreibung Anlagevermögen | 4,5 | 4,5 | 4,7 | 4,9 | 5,4 |
| Amortisation immaterielle Vermögensgegenstände | 2,3 | 2,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 |
| Veränderung langfristige Rückstellungen | -0,9 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 |
| Sonstige zahlungsunwirksame Erträge/Aufwendungen | -5,7 | -6,4 | 0,0 | 0,0 | 0,0 |
| Cash Flow | 6,8 | 9,0 | 14,5 | 19,4 | 43,4 |
| Veränderung Working Capital | 3,3 | 7,9 | 0,4 | -0,2 | -1,7 |
| Cash Flow aus operativer Tätigkeit | 10,1 | 16,9 | 14,9 | 19,2 | 41,7 |
| CAPEX | -8,1 | -11,5 | -5,1 | -5,8 | -6,7 |
| Sonstiges | -6,9 | -2,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 |
| Cash Flow aus Investitionstätigkeit | -15,1 | -13,5 | -5,1 | -5,8 | -6,7 |
| Dividendenzahlung | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 |
| Veränderung Finanzverbindlichkeiten | 3,6 | -5,0 | -0,9 | -1,0 | 0,2 |
| Sonstiges | -1,5 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 |
| Cash Flow aus Finanzierungstätigkeit | 2,1 | -5,0 | -0,9 | -1,0 | 0,2 |
| Effekte aus Wechselkursänderungen | -0,5 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 |
| Veränderung liquide Mittel | -2,8 | -1,6 | 8,9 | 12,4 | 35,2 |
| Endbestand liquide Mittel | 17,8 | 60,8 | 69,8 | 82,2 | 117,4 |
| Quellen: Unternehmen (berichtete Daten), Montega (Prognosen) | |||||
| Kennzahlen Evotec AG | 2011 | 2012e | 2013e | 2014e | 2015e |
|---|---|---|---|---|---|
| Ertragsmargen | |||||
| Bruttomarge (%) | 43,7% | 37,0% | 39,5% | 40,5% | 49,6% |
| EBITDA-Marge (%) | 14,9% | 12,2% | 16,3% | 18,7% | 31,5% |
| EBIT-Marge (%) | 6,5% | 5,0% | 11,7% | 14,5% | 28,0% |
| EBT-Marge (%) | 6,6% | 3,7% | 10,8% | 14,0% | 27,8% |
| Netto-Umsatzrendite (%) | 8,3% | 10,0% | 9,7% | 12,5% | 24,8% |
| Kapitalverzinsung | |||||
| ROCE (%) | 6% | 4% | 11% | 16% | 39% |
| ROE (%) | 5% | 6% | 6% | 9% | 21% |
| ROA (%) | 3% | 4% | 4% | 6% | 13% |
| Solvenz | |||||
| Net Debt zum Jahresende (Mio. Euro) | -45,7 | -49,1 | -58,9 | -72,3 | -107,3 |
| Net Debt / EBITDA | -3,8 | -4,5 | -3,6 | -3,3 | -2,2 |
| Net Gearing (Net Debt/EK) | -0,3 | -0,3 | -0,4 | -0,4 | -0,5 |
| Kapitalfluss | |||||
| Free Cash Flow (Mio. EUR) | 2,0 | 5,4 | 9,8 | 13,4 | 35,0 |
| Capex / Umsatz (%) | 107% | 15% | 5% | 5% | 4% |
| Working Capital / Umsatz (%) | 6% | 5% | 6% | 6% | 5% |
| Bewertung | |||||
| EV/Umsatz | 3,4 | 3,1 | 2,7 | 2,4 | 1,8 |
| EV/EBITDA | 22,9 | 25,0 | 16,6 | 12,6 | 5,7 |
| EV/EBIT | 52,6 | 61,2 | 23,1 | 16,3 | 6,4 |
| EV/FCF | 136,6 | 50,6 | 28,0 | 20,5 | 7,8 |
| KGV | 43,8 | 32,9 | 32,9 | 21,9 | 8,2 |
| P/B | 2,1 | 2,0 | 1,9 | 1,7 | 1,4 |
| Dividendenrendite | 0,0% | 0,0% | 0,0% | 0,0% | 0,0% |
Quellen: Unternehmen (berichtete Daten), Montega (Prognosen)
EVOTEC AG Anhang
Free-Cash-Flow Entwicklung Margenentwicklung
Investitionen / Working Capital Ebit-Rendite / ROCE
Umsatzentwicklung Ergebnisentwicklung
EVOTEC AG Disclaimer
DISCLAIMER
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Kurs- und Empfehlungs- Historie
| Empfehlung | Datum | Kurs | Kursziel | Potenzial |
|---|---|---|---|---|
| Kaufen (Ersteinschätzung) | 26.11.2012 | 2,63 | 4,00 | 52% |